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Fructosamin: Normalwerte und Unterschied zum HbA1c

Fructosamin zeigt den Blutzucker der letzten zwei bis drei Wochen. Normalwerte 205–285 µmol/l, Unterschied zum HbA1c und warum das Albumin mitgelesen wird.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Fructosamin – auch Fruktosamin geschrieben – ist kein einzelner Stoff, sondern der Sammelname für die verzuckerten Eiweiße des Blutplasmas, allen voran das Albumin. Diese Eiweiße halten sich nur wenige Wochen im Blut, ehe der Körper sie erneuert. Genau daraus zieht der Wert seinen Nutzen: Er zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten zwei bis drei Wochen, während der HbA1c-Wert an die roten Blutkörperchen gebunden ist und zwei bis drei Monate abbildet.12 Ein kürzeres Zeitfenster also – nicht ein besseres. Dieser Ratgeber erklärt die Normalwerte in µmol/l, wann das Fructosamin in Deutschland wirklich angefordert wird, warum es nie ohne den Albuminwert gelesen werden darf – und weshalb es in den deutschen Diabetes-Leitlinien praktisch nicht mehr vorkommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fructosamin bezeichnet die Ketoamine spontan glykierter Plasmaproteine; rund 70 % stammen vom Albumin, etwa 15 % von Immunglobulinen.2
  • Plasmaeiweiße haben eine Halbwertszeit von etwa drei Wochen – der Wert spiegelt daher die letzten ein bis drei Wochen, der HbA1c-Wert dagegen zwei bis drei Monate.13
  • Orientierender Normalbereich für Erwachsene: 205 – 285 µmol/l, methoden- und laborabhängig.142
  • Angefordert wird er vor allem, „falls die Bestimmung von HbA1c gestört ist" – bei Hämoglobinvarianten, Hämolyse, nach Transfusion oder in der Schwangerschaft.35
  • ⚠️ Die spiegelbildliche Schwäche: Alles, was die Plasmaeiweiße senkt, senkt auch das Fructosamin – unabhängig vom Zucker. Deshalb gehört der Albuminwert dazu.21
  • ⚠️ Der Test ist keine Kassenleistung: Die EBM-Ziffer wurde zum Quartal III/2007 gestrichen; abgerechnet wird nur privat nach GOÄ 3722.617

Was ist Fructosamin?

Das Wort Fructosamin bezeichnet „die in der Amadori-Reaktion entstehenden Ketoamine spontan glykierter Plasmaproteine".2 Dahinter steckt ein einfacher Vorgang: Der im Blut zirkulierende Zucker lagert sich spontan – ohne Enzym, ohne Steuerung – an Eiweiße an. Dieser Prozess heißt Glykierung; je höher der Blutzucker und je länger er erhöht bleibt, desto mehr verzuckerte Eiweiße entstehen.

Betroffen ist vor allem das Albumin, das häufigste Eiweiß des Blutplasmas: Etwa 70 % des gemessenen Fructosamins entfallen darauf, weitere 15 % auf Immunglobuline.2 Labore beschreiben den Test deshalb als Erfassung der „Glukosylierung von Plasmaproteinen (besonders Albumin und IgG)".1

Der Zeithorizont ergibt sich aus der Lebensdauer dieser Eiweiße: Plasmaproteine haben eine Halbwertszeit von etwa drei Wochen.1 Das Fructosamin „erinnert" sich also nur an die jüngste Vergangenheit. Der HbA1c-Wert sitzt auf dem Hämoglobin in den roten Blutkörperchen, die rund 120 Tage leben – und erzählt von den letzten zwei bis drei Monaten.

Drei Verwandte, keine Konkurrenten. Das Fructosamin misst die Summe aller verzuckerten Plasmaeiweiße, das glykierte Albumin den größten, sauber definierten Anteil davon (als Prozentwert), der HbA1c-Wert das verzuckerte Hämoglobin. Alle drei sprechen vom vergangenen Blutzucker – nur über unterschiedlich lange Zeiträume.

Warum wird Fructosamin bestimmt?

Fructosamin ist kein Routineparameter des Diabetes: Diagnose und Verlaufskontrolle stützen sich in Deutschland auf die Blutzuckerbestimmung, den oralen Glukosetoleranztest und den HbA1c-Wert.5 Die Indikation ist entsprechend eng; ein deutsches Einsendelabor formuliert sie in einem Satz: „Retrospektive mittelfristige (ca. 2 – 3 Wochen) Verlaufskontrolle bei Diabetes mellitus, falls die Bestimmung von HbA1c gestört ist."3

Wann ist der HbA1c-Wert gestört? Die DDG-Praxisempfehlung listet das auf: falsch niedrige Werte bei beschleunigtem Umsatz der roten Blutkörperchen – hämolytische Anämie, Thalassämien und abnorme Hämoglobine, schwere Leber- oder Niereninsuffizienz –, falsch hohe bei verlangsamtem Umsatz, etwa bei Eisenmangelanämie und nach Splenektomie. Hinzu kommen echte Messstörungen: „Vor allem Hämoglobinvarianten, die abhängig von der Messmethode zu einem falschen HbA1c-Messergebnis führen." Ungeeignet zur Diabetes-Diagnose ist der Wert außerdem bei Neugeborenen, in der Schwangerschaft, bis etwa zwei Monate nach der Geburt sowie nach Bluttransfusionen, Blutspende oder größeren Blutungen.5

In diesen Konstellationen kann das Fructosamin einspringen: Es hängt nicht am Hämoglobin und nicht an der Lebensdauer der roten Blutkörperchen. Bedeutsam ist das bei einer laufenden Hämolyse – erkennbar etwa an einem niedrigen Haptoglobin und erhöhten Retikulozyten – oder bei einem G6PD-Mangel, den die DDG ausdrücklich als Ursache „deutlich verminderter HbA1c-Werte" nennt.5

Der zweite Grund ist die Geschwindigkeit: Nach einer Therapieumstellung bewegt sich das Fructosamin schon nach zwei bis drei Wochen, weil es „einen kürzeren Zeitraum als HbA1c reflektiert und schneller reagiert".1

Welchen Stellenwert hat Fructosamin in Deutschland?

Hier lohnt die ehrliche Antwort, weil sie in den meisten Ratgebern fehlt: Der Test ist ein Nischenverfahren – und auf dem Rückzug. Drei unabhängige Befunde belegen das.

Erstens fehlt er in den Leitlinien. In der Nationalen VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes (Version 3, herausgegeben von BÄK, KBV und AWMF) beschreibt das Kapitel „Diagnostik" ausführlich, wodurch der HbA1c-Wert verfälscht wird – als Alternativen genannt werden aber ausschließlich Nüchternplasmaglukose, Gelegenheitsplasmaglukose und der orale Glukosetoleranztest. Fructosamin taucht dort nicht auf.8 Auch in der aktuellen DDG-Praxisempfehlung „Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus – Update 2025" kommt das Wort kein einziges Mal vor.5 In der Fassung von 2018 stand noch ein vorsichtiger Halbsatz – es werde „diskutiert, welche mögliche Rolle alternative Parameter wie Fructosamin oder glykiertes Albumin spielen könnten".9 Diese Diskussion hat es in die neueren Ausgaben nicht geschafft.

Zweitens zahlt die gesetzliche Krankenkasse ihn nicht mehr. Die Gebührenordnungsposition 32088 („Glykierte Blut und/oder Gewebeproteine, z. B. Fructosamin") steht im EBM der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Anhang „Verzeichnis nicht oder nicht mehr berechnungsfähiger Leistungen" – aufgenommen zum Quartal III/2007.6 Deutsche Labore weisen entsprechend darauf hin: „Keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, nur nach GOÄ abrechenbar."1 Privat wird die Bestimmung unter der GOÄ-Ziffer 3722 („Fructosamin, photometrisch", 70 Punkte) mit 4,08 € bis 5,30 € abgerechnet.7 Viele Labore schicken die Probe zudem als Fremdversand weiter, weil sie zu selten angefordert wird.3

Drittens sagt die deutsche Fachliteratur es direkt. Das Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik fasst zusammen: „Gegenüber dem HbA1c ist die diagnostische Bedeutung gesunken, da die Messung anfälliger gegen Störfaktoren ist." Als aussagekräftigerer Nachfolger gilt dort das glykierte Albumin.2

Was heißt das für Sie? Steht Fructosamin auf Ihrem Befund, hat das einen Grund – meist einen, der den HbA1c-Wert unbrauchbar macht. Der Wert ist dann sinnvoll, aber eine Zweitmeinung zum Blutzucker, kein Ersatz für die Standarddiagnostik.

Muss man dafür nüchtern sein?

Nein. Das Fructosamin spiegelt einen Durchschnitt über Wochen und wird von der letzten Mahlzeit nicht verändert – derselbe Vorteil, den auch der HbA1c-Wert bietet. Nötig ist nur eine venöse Blutentnahme von 0,3 bis 2 ml Serum.14 Zwei präanalytische Punkte betreffen das Röhrchen, nicht Sie: Hämolyse und hohe Bilirubinwerte in der Probe führen zu falsch hohen Ergebnissen, und EDTA-Plasma darf nicht verwendet werden, weil es falsch niedrige Werte ergibt.4

Normalwerte des Fructosamins

Die folgenden Zahlen sind Orientierungswerte für Erwachsene. Deutsche Labore geben Fructosamin einheitlich in µmol/l an und nennen überwiegend 205 – 285 µmol/l.142 Maßgeblich bleibt der Bereich auf Ihrem Befund; er hängt von der Methode ab, meist einem kinetischen Farbtest mit Nitroblau-Tetrazolium.14

SituationFructosaminEinheit
Normalbereich (Erwachsene)205 – 285µmol/l
Befriedigende Einstellung285 – 320µmol/l
Mäßige Einstellung320 – 370µmol/l
Schlechte Einstellung> 370µmol/l

Die Abstufungen oberhalb des Normalbereichs stammen von den Medizinischen Laboratorien Düsseldorf.4

Der Absolutwert taugt weniger als der Verlauf. Deutsche Labore sagen das unmissverständlich: Der Test sei „nur für die Verlaufsbeurteilung geeignet, Absolutwerte sind schwer interpretierbar", weil „die Halbwertszeit und Konzentration der Plasmaproteine interindividuell verschieden sind".1 Eine einfache Umrechnung in den HbA1c-Wert gibt es nicht. Vergleichen Sie Ihren Wert also mit Ihrem eigenen Vorwert.

Ihre Werte richtig einordnen

Fructosamin beantwortet eine Frage: Wie hoch lag der Blutzucker im Schnitt der letzten Wochen? Die Antwort steht nie in der Zahl allein, sondern im Vergleich mit dem Vorwert und dem Albuminwert.

Fructosamin erhöht

Ein erhöhtes Fructosamin bedeutet meist, dass der durchschnittliche Blutzucker der vergangenen zwei bis drei Wochen hoch war: ein noch nicht eingestellter Diabetes, eine vorübergehende Entgleisung oder eine Therapieanpassung, die noch nicht greift.14 Ein fallender Wert über mehrere Kontrollen ist ein gutes Zeichen; ein steigender Wert ist ein Anlass, die Behandlung mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen. Nicht jeder hohe Wert kommt allerdings vom Zucker: Hyperbilirubinämie oder Hämolyse in der Probe und eine Akute-Phase-Reaktion heben ihn ebenfalls an.2

Fructosamin zu niedrig

Ein niedriges Fructosamin kann eine gut eingestellte Stoffwechsellage anzeigen. Es kann aber auch täuschen, und das ist der wichtigste Fallstrick dieser Untersuchung: Weil der Wert an den Plasmaeiweißen hängt, senkt jede Hypoproteinämie ihn – ganz unabhängig vom Blutzucker.2 Typische Ursachen sind:

  • Eiweißverlust über die Niere, etwa beim nephrotischen Syndrom;
  • Eiweißverlust über den Darm bei Darmerkrankungen;
  • verminderte Bildung in der Leber, etwa bei Leberzirrhose;
  • Mangelernährung;
  • eine Schilddrüsenüberfunktion, die den Eiweißumsatz beschleunigt.

In all diesen Fällen kann ein „normaler" oder niedriger Wert den wahren Blutzucker unterschätzen. Deshalb wird das Fructosamin immer mit dem Albumin und dem Gesamteiweiß beurteilt; eine rechnerische Korrektur auf die Serumproteinkonzentration ist möglich.2

Fructosamin, HbA1c und Blutzucker: das Trio

Fructosamin ersetzt den HbA1c-Wert nicht, es ergänzt ihn dort, wo dieser nicht lesbar ist. Klaffen gemessener Blutzucker und HbA1c auseinander – etwa ein überraschend niedriger HbA1c-Wert bei hohen Zuckerwerten –, liefert das Fructosamin eine vom Hämoglobin unabhängige zweite Messung.35 Sinnvoll ist der Blick auf mehrere Werte zugleich: den Blutzucker, das große Blutbild mit Hämoglobin, Hämatokrit und MCV-Wert – die DDG verlangt zur Beurteilung des HbA1c „einen aktuellen Hb-Wert im Rahmen eines Blutbildes"5 – und in Spezialfragen das Insulin und das C-Peptid, die zeigen, wie viel die Bauchspeicheldrüse noch leistet.

Fructosamin und Krebs? Nein. Fructosamin ist kein Tumormarker. Es beschreibt Zucker und Eiweiße des Blutes, nicht eine Geschwulst.

Was den Wert beeinflusst

Neben dem Blutzucker zählen: die Albumin- und Gesamteiweißkonzentration, eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Akute-Phase-Reaktion, Hyperbilirubinämie oder Hämolyse in der Probe und das Messverfahren des Labors.24 Auch hohe Vitamin-C-Dosen greifen ein: Die DDG nennt eine Dauertherapie mit Ascorbinsäure oder Vitamin E unter den Faktoren, die die Glykierung hemmen.9 Nennen Sie deshalb Nieren-, Leber- und Schilddrüsenerkrankungen sowie Ihre Nahrungsergänzungsmittel.

Neues aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Arbeiten:

  • Schärfere Grenzwerte – aber kein besserer Test. Eine Untersuchung an 6.012 Personen (2024) legte die obere Referenzgrenze bei 279 µmol/l fest. Eine Anpassung der Schwellenwerte verbesserte die Trennschärfe jedoch nicht; das glykierte Albumin schnitt als Screeningmarker deutlich besser ab.10
  • Ein Dämpfer für die Grundannahme. Eine Arbeit von 2025 prüfte bei Typ-2-Diabetes genau die Situationen, für die das Fructosamin gedacht ist – Sichelzell-Trait, Anämie, Nierenfunktionsstörung. Gegen die kontinuierliche Glukosemessung war der HbA1c-Wert ebenso genau wie Fructosamin und glykiertes Albumin; bei Anämie unterschätzten beide den Zucker gleichermaßen. Ein Wechsel auf Fructosamin verbessere die Genauigkeit „wahrscheinlich nicht".11
  • Wo er sich bewährt: Sichelzellkrankheit. Hier stören Hämoglobinvarianten die HbA1c-Messung direkt, und eine systematische Übersichtsarbeit von 2025 kommt zu einem freundlicheren Ergebnis: Das Fructosamin ist eng mit dem Nüchternblutzucker verknüpft und kann den HbA1c-Wert sinnvoll ergänzen.12
  • An der Dialyse und in der Schwangerschaft bleiben Lücken. Bei terminaler Niereninsuffizienz bilden weder HbA1c noch Fructosamin die tatsächlichen Blutzuckerschwankungen zuverlässig ab;13 die DDG formuliert nüchtern, die Zuverlässigkeit des HbA1c sei bei Dialysepatienten gering – „es gibt jedoch keine besser geeigneten Kontrollparameter".5 Für den Gestationsdiabetes fand eine Metaanalyse (2025) keinen Genauigkeitsvorteil gegenüber dem HbA1c: keiner der Marker genügt als alleiniger Suchtest.14

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung; sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

Lassen Sie Ihr Fructosamin einordnen

Ein Fructosaminwert ergibt allein gelesen wenig Sinn: Seine Bedeutung hängt von Ihrem Albumin, Ihrem HbA1c-Wert, Ihrem Blutzucker, Ihren Nieren, Ihrer Leber und Ihrer Schilddrüse ab. Erst dieses Zusammenspiel macht die Zahl aussagekräftig.

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Häufige Fragen

Wie hoch ist der Normalwert von Fructosamin? Orientierend 205 – 285 µmol/l bei Erwachsenen.142 Eine Untersuchung von 2024 ermittelte als obere Referenzgrenze 279 µmol/l.10 Maßgeblich ist der methoden- und laborabhängige Bereich auf Ihrem Befund.

Was ist der Unterschied zwischen Fructosamin und HbA1c? Beide zeigen vergangenen Blutzucker, aber über verschiedene Zeiträume: Fructosamin ein bis drei Wochen, der HbA1c-Wert zwei bis drei Monate.15 Der HbA1c-Wert ist der etablierte Standard; Fructosamin ist die Rückfallebene, wenn dieser gestört ist.3

Was bedeutet ein erhöhtes Fructosamin? Meist einen hohen durchschnittlichen Blutzucker der letzten Wochen.4 Falsch hohe Werte entstehen aber auch durch Hämolyse oder hohes Bilirubin in der Probe sowie durch eine Akute-Phase-Reaktion.2

Was bedeutet ein niedriges Fructosamin? Oft eine gute Stoffwechseleinstellung. Es kann aber falsch niedrig sein, wenn die Plasmaeiweiße vermindert sind – bei nephrotischem Syndrom, Leberzirrhose, Mangelernährung oder Schilddrüsenüberfunktion. Dann unterschätzt der Wert den wahren Blutzucker.2

Zahlt die Krankenkasse den Fructosamin-Test? In der Regel nein. Die EBM-Ziffer 32088 steht seit dem Quartal III/2007 im Verzeichnis der nicht mehr berechnungsfähigen Leistungen.6 Deutsche Labore weisen den Test als „keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung" aus; privat kostet er nach GOÄ 3722 zwischen 4,08 € und 5,30 €.17

Steht Fructosamin in den deutschen Diabetes-Leitlinien, und eignet es sich zur Früherkennung? Praktisch nicht – und nein. Weder die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes noch die DDG-Praxisempfehlung 2025 nennen es als Alternative zum HbA1c.85 In der DDG-Fassung von 2018 stand ein einzelner Halbsatz, wonach die Rolle „alternativer Parameter wie Fructosamin oder glykiertes Albumin" diskutiert werde.9 Ein Screeningtest ist es nicht: Die Diagnose stützt sich auf Nüchternplasmaglukose, Gelegenheitsplasmaglukose, den oralen Glukosetoleranztest und den HbA1c-Wert.8

Ist Fructosamin in der Schwangerschaft nützlich? Es kann unterstützend eingesetzt werden, weil der HbA1c-Wert in der Schwangerschaft „nicht geeignet zur Diabetes-Diagnose" ist.5 Als Suchtest auf einen Gestationsdiabetes genügt es jedoch nicht – dafür bleibt der orale Glukosetoleranztest maßgeblich.14

Das Wichtigste zum Schluss

Fructosamin misst die verzuckerten Eiweiße des Blutplasmas – zu rund 70 % das Albumin – und zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten ein bis drei Wochen. Das ist ein kürzeres Zeitfenster als beim HbA1c-Wert, und darin liegt sein ganzer Nutzen: Er springt ein, wenn der HbA1c-Wert nicht verwertbar ist – bei Hämoglobinvarianten, Hämolyse, nach Transfusion, in der Schwangerschaft – oder wenn eine Therapieänderung schnell beurteilt werden soll. Merken Sie sich die Größenordnung (205 – 285 µmol/l, laborabhängig), dass es keine einfache Umrechnung in den HbA1c-Wert gibt und dass der Verlauf mehr sagt als der Absolutwert. Ebenso wichtig ist die Kehrseite: Weil der Wert an den Plasmaeiweißen hängt, senkt ihn jede Hypoproteinämie ganz ohne Zutun des Zuckers – ohne den Albuminwert daneben ist er nicht sicher zu deuten. Und in Deutschland bleibt er ein Nischentest: nicht in den Leitlinien, seit 2007 keine Kassenleistung, laut Fachliteratur vom glykierten Albumin überholt.2 Erst das Zusammenspiel mit Ihrer Situation ergibt ein Bild – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Normgeber, Einsendelabore und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Labor Becker MVZ (München) – Leistungsverzeichnis, Eintrag Fructosamin (Referenzbereich 205–285 µmol/l; kinetischer Farbtest mit Nitroblau-Tetrazolium; Serum 0,3 ml; Halbwertszeit ca. 3 Wochen; „nur für Verlaufsbeurteilung geeignet"; „Keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, nur nach GOÄ abrechenbar"). labor-becker.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

  2. Gressner AM, Arndt T (Hrsg.) – Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik, Springer, Stichwort Fruktosamin (Amadori-Ketoamine; ca. 70 % Albumin, 15 % Immunglobuline; Referenzbereich 205–285 µmol/l; Nitroblautetrazolium-Methode; falsch hohe Werte bei Hyperbilirubinämie/Hämolyse, falsch niedrige bei Hypoproteinämien; gesunkene diagnostische Bedeutung gegenüber HbA1c). springermedizin.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

  3. Labor Chemnitz – Leistungsverzeichnis, Eintrag Fructosamin: Indikation „Retrospektive mittelfristige (ca. 2 – 3 Wochen) Verlaufskontrolle bei Diabetes mellitus, falls die Bestimmung von HbA1c gestört ist"; Serum 0,5 ml, Fremdversand Klinische Chemie. laborchemnitz.de 2 3 4 5 6

  4. Medizinische Laboratorien Düsseldorf – Untersuchungsverzeichnis, Eintrag Fructosamin (Referenzbereich 205–285 µmol/l; Bewertungsstufen 285–320 befriedigend, 320–370 mäßig, > 370 schlecht; kinetischer Farbtest; Hämolyse und hohe Bilirubinwerte ergeben falsch hohe, EDTA-Plasma falsch niedrige Werte). labor-duesseldorf.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10

  5. DDG-Praxisempfehlung – Landgraf R, Heinemann L, Schwarz T, Niederau C, Pleus S, Tytko A, Werner C, Müller-Wieland D, Müller UA, Freckmann G, Schleicher E, Ziegler AG, Nauck M, Petersmann A. Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2025. Diabetol Stoffwechs 2025; 20: S127–S143; Abschnitte „Einflussfaktoren auf den HbA1c-Wert" und „Störfaktoren, die die HbA1c-Messung verfälschen können". DOI · Volltext (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  6. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 1/2025, Anhang „Verzeichnis nicht oder nicht mehr berechnungsfähiger Leistungen": GOP 32088 „Quantitative Bestimmung von Substraten, Enzymaktivitäten oder Elektrolyten … Glykierte Blut und/oder Gewebeproteine, z. B. Fructosamin", Aufnahme zum Quartal III/2007. kbv.de (PDF) 2 3

  7. Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), Abschnitt M – Ziffer 3722 „Fructosamin, photometrisch", 70 Punkte; einfacher Satz 4,08 €, Regelhöchstsatz 4,69 €, Höchstsatz 5,30 €. abrechnungsstelle.com · GOÄ-Volltext (PDF) 2 3

  8. Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Version 3 (Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF), Kapitel 4 „Diagnostik" – Einflussfaktoren auf den HbA1c-Wert und genannte Alternativverfahren (NPG, GPG, oGTT); Fructosamin wird nicht erwähnt. leitlinien.de 2 3

  9. DDG-Praxisempfehlung – Nauck M, Petersmann A, Müller-Wieland D, Schleicher E, Müller UA, Landgraf R, Freckmann G, Heinemann L (für die Kommission Labordiagnostik in der Diabetologie der DDG und der DGKL). Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus. Diabetologie 2018; 13 (Suppl 2): S90–S96; Fußnoten zu den Störfaktoren des HbA1c (Hemmung der Glykierung; alternative Parameter Fructosamin und glykiertes Albumin). DOI · Volltext (PDF) 2 3

  10. Yu HJ, Park CH, Shin K, et al. Cutoff Values for Glycated Albumin, 1,5-Anhydroglucitol, and Fructosamine as Alternative Markers for Hyperglycemia. J Clin Lab Anal, 2024. PubMed · DOI 2

  11. Niwaha AJ, Balungi PA, McDonald TJ, Hattersley AT, Shields BM. Glycated albumin and fructosamine do not improve accuracy of glycaemic control assessment in patients with conditions reported to affect HbA1c reliability. Diabet Med, 2025. PubMed · DOI

  12. Gaffar Mohammed M, Alsiddig NA, Ibrahim Hag LA. Use of Fructosamine for Glycemic Monitoring in Patients With Sickle Cell Disease and Diabetes: A Systematic Review. Cureus, 2025. PubMed · DOI

  13. Kaminski CY, Galindo RJ, Navarrete JE, et al. Assessment of Glycemic Control by Continuous Glucose Monitoring, Hemoglobin A1c, Fructosamine, and Glycated Albumin in Patients With End-Stage Kidney Disease and Burnt-Out Diabetes. Diabetes Care, 2024. PubMed · DOI

  14. Kodama S, Yamada T, Yagyuda N, et al. Comparison of the ability to diagnose gestational diabetes mellitus between glycated albumin or fructosamine and hemoglobin A1c — a meta-analysis of diagnostic studies. Syst Rev, 2025. PubMed · DOI 2

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.