Blutspende: Voraussetzungen, Ablauf und Blutwerte
Seit 2023 zählt nur noch das individuelle Sexualverhalten, Höchstaltersgrenzen sind gestrichen. Mindest-Hb: 125 g/l bei Frauen, 135 g/l bei Männern.
Wer in Deutschland Blut spenden will, begegnet zuerst einer Liste von Zahlen: Mindestgewicht, Mindestalter, Hämoglobinwert, Abstand zur letzten Spende. Diese Zahlen stehen in der Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer – und sie haben sich 2023 grundlegend geändert. Dieser Ratgeber nennt die geltenden Grenzwerte und Fristen im Wortlaut, erklärt, welche Laborwerte an jeder Spende bestimmt werden, und behandelt einen selten ausgeführten Punkt: den Eisenhaushalt regelmäßiger Spenderinnen und Spender.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem 16. Mai 2023 schreibt § 12a Transfusionsgesetz vor, dass sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität bei der Risikobewertung nicht berücksichtigt werden dürfen; maßgeblich ist allein das individuelle Sexualverhalten.1
- Ebenfalls gestrichen: die Höchstaltersgrenzen. Die Richtlinie nennt heute nur noch „mindestens 18 Jahre"; bei über 60-Jährigen wird die Eignung mindestens alle 5 Jahre überprüft.23
- Mindestgewicht 50 kg. Mindest-Hämoglobin: Frauen 125 g/l (7,75 mmol/l), Männer 135 g/l (8,37 mmol/l) – oder ersatzweise ein Hämatokrit von 0,38 bzw. 0,40 l/l.2
- Zwischen zwei Vollblutspenden sollen im Regelfall 12 Wochen, mindestens aber 8 Wochen liegen. Pro 12 Monate dürfen höchstens 2.000 ml bei Frauen und 3.000 ml bei Männern entnommen werden – in der Praxis 4 bzw. 6 Spenden.24
- Jede Spende wird auf AB0 und RhD sowie auf HIV, Hepatitis B, Hepatitis C, Hepatitis E, Syphilis und reiseabhängig West-Nil-Virus untersucht, teils per Antikörpertest, teils per NAT (Genomnachweis).2
- Ferritin gehört nicht dazu. Die Richtlinie verlangt zur Spendetauglichkeit nur Hb oder Hämatokrit – obwohl sie selbst einräumt, dass mehrfaches Spenden pro Jahr „insbesondere bei Frauen" einen Eisenmangel auslösen kann.2
- 2024 wurden in Deutschland 6.908.141 Spenden geleistet, 52 % davon Vollblut; die Zahl der Vollblutspenden liegt seit 2020 relativ konstant bei rund 3,6 Millionen.5
Wer in Deutschland spenden darf
Die Spendetauglichkeit wird vor jeder Entnahme neu geprüft, unter ärztlicher Verantwortung. Tabelle 2.2.5.1 der Richtlinie Hämotherapie legt fest, was dabei erfüllt sein muss:2
| Kriterium | Anforderung |
|---|---|
| Alter | mindestens 18 Jahre (keine Obergrenze) |
| Körpergewicht | mindestens 50 kg |
| Gesamteindruck | keine erkennbaren Krankheitszeichen |
| Hämoglobin oder Hämatokrit | Frauen: Hb 125 g/l (7,75 mmol/l) oder Hkt 0,38 l/l · Männer: Hb 135 g/l (8,37 mmol/l) oder Hkt 0,40 l/l |
| Blutdruck | systolisch 100–180 mm Hg, diastolisch unter 100 mm Hg |
| Puls | unauffällig, 50–110/min (intensiv Sporttreibende auch darunter) |
| Temperatur | kein Fieber |
| Punktionsstelle | Haut frei von Läsionen |
Der Hb-Wert ist die häufigste Ursache für eine Rückstellung am Spendetermin. Er wird vor Ort aus einem Tropfen Blut bestimmt; die deutschen Spendedienste geben ihn meist in g/dl an – 12,5 g/dl bei Frauen, 13,5 g/dl bei Männern, also derselbe Grenzwert, nur anders notiert.6 Wie er im Zusammenhang mit den übrigen roten Blutwerten zu lesen ist, steht im großen Blutbild.
Dauerhaft ausgeschlossen ist unter anderem, wer eine nachgewiesene Infektion mit HIV-1/-2, HBV, HCV, HTLV-1/-2 oder Syphilis hat, wer an einer bösartigen Neoplasie leidet oder litt, wer insulinpflichtigen Diabetes mellitus hat oder wer zu wiederholten Ohnmachtsanfällen neigt.2
Was sich 2023 geändert hat
Hier sind viele Texte im Netz veraltet. Mit dem Gesetz vom 11. Mai 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 123), in Kraft seit dem 16. Mai 2023, wurden die §§ 4, 5, 7, 12 und 12a Transfusionsgesetz geändert.2 § 12a Abs. 1 lautet seither:
„Die Bewertung eines durch das Sexualverhalten bedingten Risikos, das zu einem Ausschluss oder einer Rückstellung von der Spende führt, hat auf Grundlage des jeweiligen individuellen Sexualverhaltens der spendewilligen Person zu erfolgen. Die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität der spendewilligen Person oder der Sexualpartnerinnen oder der Sexualpartner der spendewilligen Person dürfen bei der Bewertung des Risikos, das zu einem Ausschluss oder einer Rückstellung von der Spende führt, nicht berücksichtigt werden."1
Die Bundesärztekammer passte die Richtlinie daraufhin an: Gesamtnovelle 2023, Vorstandsbeschluss vom 29. Juni 2023, Einvernehmen des Paul-Ehrlich-Instituts am 3. Juli 2023, bekannt gemacht am 4. September 2023.27 Seither gilt eine Rückstellung von 4 Monaten für eine Person, die in den letzten 4 Monaten ein Sexualverhalten mit deutlich erhöhtem Übertragungsrisiko hatte – konkret: Sexualverkehr mit insgesamt mehr als zwei Personen; Sexualverkehr mit einer neuen Person oder mit mehr als einer Person, sofern Analverkehr praktiziert wurde; Sexarbeit oder deren Inanspruchnahme; Sexualverkehr mit einer Person, die mit HBV, HCV oder HIV infiziert ist oder aus einem Hochprävalenzland stammt.2
Dasselbe Gesetz verpflichtete die Bundesärztekammer, bis zum 1. Oktober 2023 „die Feststellungen der Höchstaltersgrenzen für Erst- und Wiederholungsspender aufzuheben unter Verweis auf eine individuelle Feststellung der Spendetauglichkeit nach ärztlicher Beurteilung".1 Bis dahin nannte die Richtlinie 18–60 Jahre für Erstspender und 18–68 Jahre für Wiederholungsspender; die DRK-Dienste ließen davon abweichend Erstspenden bis 65 und Wiederholungsspenden bis 72 Jahre zu.4 Heute ist das Alter allein kein Ausschlussgrund mehr – bei über 60-Jährigen wird die Eignung lediglich mindestens alle fünf Jahre erneut geprüft.23 Neu ist zudem, dass telemedizinische Verfahren bei der Tauglichkeitsprüfung zulässig sind.7 Das Bundesgesundheitsministerium sollte die Auswirkungen bis zum 1. Oktober 2025 evaluieren.1 International folgt Deutschland damit Kanada, Großbritannien und den USA.8
Wie oft man spenden darf
| Vollblut | Plasmapherese | |
|---|---|---|
| Entnahmemenge | 450–500 ml | 650–850 ml je nach Körpergewicht |
| Abstand | 12 Wochen im Regelfall, mindestens 8 Wochen (Tag der Entnahme + 55 Tage) | mindestens 2 spendefreie Kalendertage |
| Obergrenze / 12 Monate | 2.000 ml (Frauen), 3.000 ml (Männer) → 4 bzw. 6 Spenden | bis zu 60 Plasmapheresen |
Bei der Plasmapherese werden die Zellen sofort zurückgegeben, bei der Vollblutspende gehen sie – und ihr Eisen – verloren. Die Erythrozyten sind nach etwa zwei Wochen ersetzt, die Eisenvorräte erst nach rund acht Wochen.4 Alles zur Plasmaspende steht im Ratgeber Blutplasma.
Wann die Spende verschoben wird
Die meisten Hindernisse sind zeitlich begrenzt. Die wichtigsten Fristen der Richtlinie:2
- Tätowierung, Piercing, Ohrloch, permanentes Make-up, Cutting, Branding: 4 Monate. Dasselbe gilt für Akupunktur ohne Einmalnadeln unter aseptischen Bedingungen.
- Operationen: 4 Monate nach großen Eingriffen, Endoskopien mit flexiblen Instrumenten und Katheteranwendungen; 1 Woche nach kleinem Eingriff oder Zahnextraktion und nach abgeschlossener Wundheilung; 1 Tag nach zahnärztlicher Behandlung oder professioneller Zahnreinigung.
- Infekte: 1 Woche nach einem unkomplizierten Infekt; 4 Wochen nach fieberhaften oder Durchfallerkrankungen unklarer Ursache; 4 Monate nach Hepatitis A oder E.
- Impfungen: 4 Wochen nach Lebendimpfstoffen (Gelbfieber, Röteln, Masern, Mumps, Varizellen) und nach der Hepatitis-B-Impfung; 12 Monate nach Tollwutimpfung bei Expositionsverdacht. Nach Totimpfstoffen – darunter Influenza, Tetanus, FSME, Hepatitis A und COVID-19 – ist keine Rückstellung nötig, sofern man beschwerdefrei ist.
- Reisen: mindestens 6 Monate nach dem Besuch eines Malaria-Endemiegebiets; 3 Jahre plus Labordiagnostik, wer dort geboren oder aufgewachsen ist oder länger als 6 Monate am Stück dort lebte. Nach Aufenthalt in einem West-Nil-Virus-Gebiet zwischen 1. Juni und 30. November: 4 Wochen ohne negative WNV-NAT.
- Schwangerschaft: während der Schwangerschaft, 6 Monate danach und während der gesamten Stillzeit.
- Medikamente: je nach Pharmakokinetik und Indikation des Präparats; nach einer HIV-Präexpositionsprophylaxe 4 Monate. Ob ein bestimmtes Medikament stört, entscheidet der Arzt vor Ort.
Wie eine Blutspende abläuft
Der Ablauf ist bundesweit gleich: Anmeldung mit Ausweis, schriftlicher Spenderfragebogen, Messung von Blutdruck, Temperatur und Hb-Wert, ärztliches Gespräch, dann die Entnahme – rund zwölf Minuten für 500 ml.9 Die Venenpunktion unterscheidet sich technisch kaum von einer normalen Blutabnahme, nur die Blutröhrchen fürs Labor entstehen anders: Die ersten mindestens 15 ml werden als „Predonation Sampling" abgetrennt, damit Hautkeime der Punktionsstelle nicht in den Beutel gelangen – und genau dieses Volumen dient dann der Spenderdiagnostik.2
Danach ist eine Ruhemöglichkeit unter Aufsicht vorgeschrieben, dazu Getränk und Imbiss. Beim Autofahren ist die Richtlinie präzise: Die spendende Person ist darauf hinzuweisen, dass sie frühestens 30 Minuten nach der Spendeentnahme am Straßenverkehr teilnehmen kann; für Berufe mit erhöhtem Risiko, etwa in der Personenbeförderung, können längere Wartezeiten nötig sein.2 Für den Rest des Tages gilt: viel trinken, keine schweren Lasten, kein intensiver Sport, nicht lange still stehen. Ein vasovagaler Kreislaufkollaps ist die häufigste unerwünschte Reaktion, meist harmlos und rasch vorbei – die Ruhephase existiert genau deswegen.
Was an jeder Spende untersucht wird
Vor der Freigabe durchläuft jede Konserve ein festes Testprogramm (Tabelle 2.5 der Richtlinie):2
| Parameter | Anforderung |
|---|---|
| Blutgruppe: AB0, RhD | bestimmt |
| Anti-HIV-1/-2-Antikörper · HIV-1-Genom (NAT) | negativ |
| Anti-HCV-Antikörper · HCV-Genom (NAT) | negativ |
| HBs-Antigen · Anti-HBc | negativ |
| HEV-Genom (NAT) · WNV-Genom (NAT) | negativ |
| Antikörper gegen Treponema pallidum | negativ |
Bei der Erst- und Zweitbestimmung wird die Blutgruppe vollständig typisiert: AB0-Merkmale, Serumeigenschaften, die Rh-Formel (C, c, D, E, e) und das Kell-Merkmal; danach genügt die Kontrolle von AB0 und RhD. Der Antikörpersuchtest wird bei Blutspendern nicht bei jeder Entnahme durchgeführt, sondern bei der Eignungsuntersuchung und danach mindestens nach Schwangerschaften und Bluttransfusionen.2 Wofür diese Merkmale beim Empfänger zählen, zeigen Universalspender, Blutgruppen-Tabelle, Vererbung und Anti-D-Prophylaxe.
Zwei Dinge gehören zusammen. Erstens: Eine Blutspende ist keine Vorsorgeuntersuchung. Getestet wird nur, was die Konservensicherheit verlangt – kein Blutzucker, kein Cholesterin, keine Schilddrüsenwerte. Das DRK formuliert es unmissverständlich: „Der Gesundheitscheck ersetzt keine regelmäßige Kontrolltermine beim Hausarzt."4 Zweitens: Wenn doch etwas auffällt, erfahren Sie es. Der verantwortliche Arzt der Spendeeinrichtung hat die spendende Person „unverzüglich über den anlässlich der Spende gesichert festgestellten Infektionsstatus zu unterrichten" und sie eingehend aufzuklären und zu beraten.2 Näheres zu den einzelnen Erregern in den Ratgebern zu Hepatitis B, Hepatitis C und zum HIV-Test.
Eisenmangel bei regelmäßigen Spendern
Hier liegt die größte Lücke zwischen Regelwerk und Forschungsstand. Mit jeder Vollblutspende verliert der Körper das Eisen der entnommenen roten Blutkörperchen; bis die Speicher wieder gefüllt sind, vergehen etwa acht Wochen.4 Die Richtlinie erkennt das an: „Bei mehrfacher Entnahme von Blutspenden pro Jahr ist insbesondere bei Frauen die Entwicklung eines Eisenmangels möglich. Daher kann eine prophylaktische Eisengabe sinnvoll sein."2 Trotzdem steht Ferritin nicht in der Tauglichkeitstabelle: Kontrolliert wird nur Hb oder Hämatokrit – und beide sinken erst, wenn die Speicher bereits weitgehend geleert sind.
Wer regelmäßig spendet, lässt deshalb sinnvollerweise die Eisenwerte ärztlich beurteilen: Ferritin als Speichermarker, Serumeisen und die Transferrinsättigung als Momentaufnahme, gegebenenfalls die Retikulozyten als Bild der laufenden Neubildung.
Wie viel damit zu gewinnen wäre, zeigen zwei große niederländische Studien. In der FIND'EM-Studie (Lancet 2024) maß der dortige Blutspendedienst Ferritin bei allen Neuspendern und bei jeder fünften Spende; bei 15–30 ng/ml wurde das Intervall auf 6 Monate verlängert, unter 15 ng/ml auf 12 Monate. Nach 36–38 Monaten war der Eisenmangel deutlich seltener (Odds Ratio 0,24 bei Männern, 0,49 bei prämenopausalen Frauen) – erkauft mit weniger verfügbaren Spenden.10 Die doppelblinde FORTE-Studie (Lancet Haematology 2025) prüfte an 830 Spendenden mit Ferritin ≤ 30 µg/l den anderen Weg: Nach 56 Tagen hatten 51 % der Placebogruppe einen Eisenmangel, unter täglicher Eisensubstitution 1–10 %.11 Welcher Weg in Deutschland eingeführt wird, entscheiden Spendedienste und Bundesärztekammer.
Der Zusammenhang war schon vorher belegt: Die britische INTERVAL-Studie mit rund 45.000 Spendenden zeigte, dass kürzere Abstände mehr Blut einbringen, aber zu niedrigeren Hämoglobinwerten, mehr Rückstellungen und häufigeren Symptomen wie Müdigkeit und Schwindel führen;12 die Verlängerung über bis zu vier Jahre bestätigte das.13 Und eine randomisierte Studie in JAMA zeigte 2015, dass orale Eisensubstitution die Erholung von Hämoglobin und Ferritin nach einer Spende deutlich verkürzt.14 Ob sie für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand Ihrer Werte – nicht der Spendetermin.
Aufwandsentschädigung: was das Gesetz erlaubt
§ 10 Transfusionsgesetz lautet: „Die Spendeentnahme soll unentgeltlich erfolgen. Der spendenden Person kann eine Aufwandsentschädigung gewährt werden, die sich an dem unmittelbaren Aufwand je nach Spendeart orientieren soll."15 Bezahlt wird also nicht die Spende, entschädigt werden darf der Aufwand. Die Umsetzung ist uneinheitlich: Die DRK-Blutspendedienste zahlen für die Vollblutspende nichts und verweisen auf das Prinzip der freiwilligen, unentgeltlichen Spende, das WHO, EU und Europarat empfehlen.6 Universitäre Blutspendedienste gewähren für dieselbe Spende dagegen eine Aufwandsentschädigung.9 Bei der Plasmaspende ist sie weithin üblich – Beträge und Rechtslage dazu im Ratgeber Blutplasma.
Wie es um die Versorgung steht
Das Paul-Ehrlich-Institut erfasst die Zahlen jährlich. 2024 wurden in Deutschland 6.908.141 Spenden geleistet, davon 52 % Vollblutspenden; deren Zahl liegt seit 2020 relativ konstant bei rund 3,6 Millionen. Pro Tag werden rund 10.000 Erythrozytenkonzentrate benötigt.5 Rechtlich abgesichert ist das Testprogramm über § 5 Abs. 3 Transfusionsgesetz: Vor der Freigabe jeder Spende ist mindestens auf HIV-, Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Infektionsmarker zu untersuchen.16
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Häufige Fragen
Welcher Hb-Wert wird zum Blutspenden verlangt? Mindestens 125 g/l (12,5 g/dl) bei Frauen und 135 g/l (13,5 g/dl) bei Männern; alternativ ein Hämatokrit von 0,38 bzw. 0,40 l/l.26
Gibt es eine Altersgrenze für die Blutspende? Eine Untergrenze ja: 18 Jahre. Eine Obergrenze nicht mehr. Der Gesetzgeber verpflichtete die Bundesärztekammer, die Höchstaltersgrenzen bis zum 1. Oktober 2023 aufzuheben; entscheidend ist seither die individuelle ärztliche Beurteilung, bei über 60-Jährigen mindestens alle fünf Jahre erneut.12
Wie oft darf man Blut spenden? Frauen bis zu 4-mal, Männer bis zu 6-mal in 12 Monaten, mit mindestens 8 Wochen Abstand – abgeleitet aus den Obergrenzen von 2.000 bzw. 3.000 ml pro Jahr.24
Darf man nach einem Tattoo Blut spenden? Nicht sofort: Nach Tätowierungen, Piercings, Ohrlöchern und permanentem Make-up gilt eine Rückstellung von 4 Monaten.2
Spielt die sexuelle Orientierung noch eine Rolle? Nein. § 12a Transfusionsgesetz verbietet seit Mai 2023, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität bei der Risikobewertung zu berücksichtigen. Bewertet wird das individuelle Sexualverhalten der letzten 4 Monate.12
Ersetzt die Blutspende einen Gesundheitscheck? Nein. Getestet wird nur, was für die Sicherheit der Konserve nötig ist. Ein gesicherter Infektionsbefund wird Ihnen aber unverzüglich mitgeteilt und ärztlich besprochen.24
Wird der Ferritinwert beim Spenden bestimmt? In Deutschland nicht routinemäßig – die Richtlinie verlangt nur Hb oder Hämatokrit. In den Niederlanden hat eine ferritingesteuerte Intervallsteuerung den Eisenmangel bei Spendenden deutlich gesenkt.210
Wie lange darf man nach der Spende nicht Auto fahren? Die Richtlinie sieht vor, dass frühestens 30 Minuten nach der Entnahme am Straßenverkehr teilgenommen wird; für Berufe wie die Personenbeförderung können längere Wartezeiten gelten.2
Zum Mitnehmen
Die deutschen Spenderegeln stehen in der Richtlinie Hämotherapie und sind seit 2023 in zwei Punkten grundlegend anders: Das Alter allein schließt niemanden mehr aus, und das Sexualverhalten wird individuell bewertet statt nach Gruppenzugehörigkeit. Es gelten weiter 50 kg Mindestgewicht, ein Mindest-Hb von 125 g/l (Frauen) beziehungsweise 135 g/l (Männer), 8 Wochen Mindestabstand und 4 bzw. 6 Spenden im Jahr. Jede Konserve wird auf Blutgruppe, HIV, Hepatitis B, C und E, West-Nil-Virus und Syphilis getestet – ein Sicherheitsprogramm, keine Vorsorgeuntersuchung, mit Informationspflicht gegenüber der spendenden Person. Was dabei fehlt, ist der Eisenhaushalt: Wer regelmäßig spendet, lässt Ferritin und Transferrinsättigung am besten ärztlich mitbeurteilen – bei der Einordnung hilft Ihnen AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Deutsche Gesetze, Richtlinien und Bundesinstitute sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden.
Footnotes
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Transfusionsgesetz (TFG), § 12a Richtlinien zum Stand der Erkenntnisse der medizinischen und zahnmedizinischen Wissenschaft und Technik zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen, Absatz 1 Sätze 3 und 4 (individuelles Sexualverhalten; sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität dürfen nicht berücksichtigt werden), Absatz 4 Nummer 2 (Aufhebung der Höchstaltersgrenzen für Erst- und Wiederholungsspender bis zum 1. Oktober 2023) und Absatz 5 (Evaluation durch das BMG bis zum 1. Oktober 2025); geändert durch das Gesetz vom 11. Mai 2023, BGBl. 2023 I Nr. 123. gesetze-im-internet.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
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Bundesärztekammer – Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2023, im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut (Vorstandsbeschluss 29.06.2023, Einvernehmen 03.07.2023). Ausgewertet: Tab. 2.2.5.1 (Alter, Gewicht, Hb/Hkt, Blutdruck, Puls); 2.2.5.1 (Eignungsprüfung bei über 60-Jährigen alle 5 Jahre); 2.2.4.3.1 (dauerhafte Ausschlüsse); 2.2.4.3.2 (Rückstellungen); 2.3.1 (Predonation Sampling ≥ 15 ml); 2.3.2 (Ruhe, Straßenverkehr nach 30 Minuten); 2.4.1 (450–500 ml, 12/8 Wochen, 2.000 und 3.000 ml pro Jahr, mögliche Eisengabe); 2.4.2 (Plasmapherese); 2.5.2 und Tab. 2.5 (Blutgruppenserologie, Infektionsmarker, NAT); 5.4.1 (Unterrichtung über den Infektionsstatus); Begründungsteil zur Änderung der §§ 4, 5, 7, 12 und 12a TFG zum 16.05.2023. bundesaerztekammer.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24 ↩25 ↩26
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Paul-Ehrlich-Institut – Bundesärztekammer legt Novelle der Hämotherapie-Richtlinie vor, Pressemitteilung 2023: Wegfall der Höchstaltersgrenzen (zuvor Erstspender 60, Wiederholungsspender 68 Jahre) in Verbindung mit regelmäßiger Überprüfung der Spendetauglichkeit in Abständen von mindestens fünf Jahren bei über 60-Jährigen; Spenderauswahl nach individuellem Risikoverhalten; Einsatz telemedizinischer Verfahren. pei.de ↩ ↩2
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DRK-Blutspendedienste, Blutspende-Magazin – Wie oft darf man Blut spenden? (6 Spenden für Männer, 4 für Frauen in 12 Monaten, Mindestabstand 56 Tage; zwei Wochen bis zum Ersatz der roten Blutkörperchen, acht Wochen bis zum Auffüllen der Eisenvorräte), Gibt es eine obere Altersgrenze für die Blutspende? (frühere DRK-Grenzen 72 bzw. 65 Jahre für Erstspendende; „Ab Oktober 2023 [stellt] allein das Alter […] keinen Grund mehr für den Ausschluss von der Blutspende" dar) sowie Blutspende-Gesundheitscheck im Detail und Was wird beim Blutspenden getestet? („Der Gesundheitscheck ersetzt keine regelmäßige Kontrolltermine beim Hausarzt"; Benachrichtigung bei positivem Befund). blutspende.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
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Paul-Ehrlich-Institut – Bericht zur Blut- und Blutprodukteversorgung 2024: „Im Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt 6.908.141 Spenden (Vollblut-, Apherese- und Eigenblutspenden) geleistet"; 52 % Vollblutspenden; „Die Anzahl der Vollblutspenden blieb seit dem Jahr 2020 relativ konstant bei rund 3,6 Millionen"; „Pro Tag werden in Deutschland rund 10.000 Erythrozytenkonzentrate benötigt." pei.de ↩ ↩2
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DRK-Blutspendedienst West – Hämoglobin & Eisenmangel (Mindestwerte 13,5 g/dl = 135 g/l bei Männern, 12,5 g/dl = 125 g/l bei Frauen) und Warum wir keine Bezahlung leisten (nach deutschem Recht keine Bezahlung, sondern nur eine angemessene Aufwandsentschädigung; für Vollblutspenden wird keine Bezahlung geleistet; WHO, EU und Europarat empfehlen die freiwillige, unentgeltliche Spende). blutspendedienst-west.de ↩ ↩2 ↩3
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Richter-Kuhlmann E. Hämotherapie und Blutspende: Geänderte Auswahlkriterien. Deutsches Ärzteblatt, Heft 35–36/2023: gesetzliche Vorgabe seit 16.05.2023, viermonatige Rückstellung bei sexuellem Risikoverhalten, Wegfall der Höchstaltersgrenze, Einsatz telemedizinischer Verfahren. aerzteblatt.de ↩ ↩2
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Goldman M. MSM and blood donation: shifting to individualized risk assessment. Hematology Am Soc Hematol Educ Program, 2023;2023(1):294-298. PubMed · DOI ↩
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Universitätsklinikum Freiburg, Institut für Transfusionsmedizin und Gentherapie – Vollblutspende: „Sie spenden 500 ml Blut", „Die Spendedauer beträgt ca. 12 Minuten", Spenderuhe von etwa 30 Minuten im Spendezentrum, Gewährung einer Aufwandsentschädigung. uniklinik-freiburg.de ↩ ↩2
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Meulenbeld A, Ramondt S, Sweegers MG, et al. Effectiveness of ferritin-guided donation intervals in whole-blood donors in the Netherlands (FIND'EM): a stepped-wedge cluster-randomised trial. Lancet, 2024;404(10447):31-43. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Karregat JHM, Meulenbeld A, Quee FA, et al. Ferritin-guided iron supplementation as an alternative or complement to prolonged blood donation intervals (FORTE): a double-blind, randomised, controlled trial. Lancet Haematol, 2025;12(9):e694-e704. PubMed · DOI ↩
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Di Angelantonio E, Thompson SG, Kaptoge S, et al. Efficiency and safety of varying the frequency of whole blood donation (INTERVAL): a randomised trial of 45 000 donors. Lancet, 2017;390(10110):2360-2371. PubMed · DOI ↩
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Kaptoge S, Di Angelantonio E, Moore C, et al. Longer-term efficiency and safety of increasing the frequency of whole blood donation (INTERVAL): extension study of a randomised trial of 20 757 blood donors. Lancet Haematol, 2019;6(10):e510-e520. PubMed · DOI ↩
-
Kiss JE, Brambilla D, Glynn SA, et al. Oral iron supplementation after blood donation: a randomized clinical trial. JAMA, 2015;313(6):575-583. PubMed · DOI ↩
-
Transfusionsgesetz (TFG), § 10 Aufwandsentschädigung: „Die Spendeentnahme soll unentgeltlich erfolgen. Der spendenden Person kann eine Aufwandsentschädigung gewährt werden, die sich an dem unmittelbaren Aufwand je nach Spendeart orientieren soll." gesetze-im-internet.de ↩
-
Transfusionsgesetz (TFG), § 5 Auswahl der spendenden Personen, Absatz 1 (ärztliche Feststellung der Tauglichkeit, Zulässigkeit telemedizinischer Verfahren) und Absatz 3 (Untersuchung auf Infektionsmarker vor Freigabe der Spende, mindestens HIV, Hepatitis B und Hepatitis C). gesetze-im-internet.de ↩