Pfeiffersches Drüsenfieber: EBV-Serologie verstehen
VCA-IgG positiv bei negativem EBNA-1 spricht für eine frische EBV-Infektion. Wie Sie den Befund lesen, was das Blutbild zeigt und wie lange Sportkarenz gilt.
Das Pfeiffersche Drüsenfieber – medizinisch infektiöse Mononukleose, umgangssprachlich „Kusskrankheit" – ist die symptomatische Erstinfektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV). Fast jeder begegnet ihm: Im Erwachsenenalter liegt die Durchseuchung bei 90 bis 95 %.1 Deshalb ist der Laborbefund so oft missverständlich – „EBV positiv" heißt bei den meisten Menschen schlicht: irgendwann einmal angesteckt. Dieser Ratgeber erklärt, wie VCA-IgM, VCA-IgG, EBNA-1 und EA zusammen gelesen werden, warum das Blutbild eine stille Leberbeteiligung verrät, wie lange die Sportkarenz dauert und was von einer „chronischen EBV-Infektion" zu halten ist. Grundlagen: Serologie; verwandte Erregerserologien sind CMV, Toxoplasmose, Röteln und Borreliose.
Das Wichtigste in Kürze
- Datiert wird über EBNA-1, nicht über das IgM. EBNA-1-Antikörper entstehen erst spät – bis zu mehrere Monate nach Krankheitsbeginn – und zeigen dann immer eine alte Infektion an.2 VCA-IgG positiv + EBNA-1 negativ heißt also frisch, beide positiv heißt abgelaufen.
- ⚠️ Die Ausnahme: 5 bis 10 % der Menschen bilden nie EBNA-1-Antikörper – dann täuscht der Befund eine frische Infektion vor.21 VCA-IgM allein trägt nichts: Es fehlt bei 20 % der akuten Infektionen.1
- Das Blutbild zeigt typischerweise eine Lymphozytose (> 4.500/µl bzw. > 50 %) mit atypischen Lymphozyten („Pfeiffer-Zellen") über 10 %.1
- ⚠️ Mononukleose ist auch eine Hepatitis: In 50 bis 60 % der Fälle bestehen Splenomegalie und eine milde Leberentzündung mit erhöhten Transaminasen.1
- ⚠️ Wegen der seltenen (0,1–0,2 %), aber lebensbedrohlichen Milzruptur raten deutsche Stellen zu mindestens 4 bis 6 Wochen ohne Sport.31
- Aminopenicilline lösen ein Exanthem aus, das oft als „Penicillinallergie" fehlgedeutet wird. Die alte Zahl von 80 bis 100 % hält der Prüfung nicht stand: In Studien seit 2012 sind es 18 %.4
- Eine Meldepflicht besteht nicht.5
Pfeiffersches Drüsenfieber, Mononukleose, EBV: dieselbe Sache?
Fast. Das Epstein-Barr-Virus ist der Erreger, ein Herpesvirus; die infektiöse Mononukleose ist das Krankheitsbild der Erstinfektion, Pfeiffersches Drüsenfieber deren deutscher Name. Viele tragen EBV, ohne je erkrankt zu sein: Bei Kleinkindern verläuft die Erstinfektion meist unbemerkt, in später Jugend und jungem Erwachsenenalter dagegen in etwa 50 bis 75 % der Fälle als klassische Mononukleose.1
Übertragen wird EBV über Speichel. Die Inkubationszeit beträgt 10 bis 50 Tage, oft vier bis sieben Wochen – der Kontakt liegt beim Ausbruch also weit zurück.21 Typisch sind fieberhafte Angina, beidseits geschwollene Halslymphknoten, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. Meist heilt die Infektion in 2 bis 4 Wochen von allein aus; danach bleibt das Virus lebenslang latent.3
Die EBV-Serologie entschlüsseln
Statt Normwerten gibt es ein Muster aus vier Markern:
| Marker | Was er anzeigt |
|---|---|
| VCA-IgM | frische Infektion – fehlt bei rund 20 % der akuten Fälle, kann persistieren1 |
| VCA-IgG | Kontakt mit dem Virus; früh da, bleibt lebenslang nachweisbar1 |
| EBNA-1-IgG | erscheint spät (Wochen bis Monate), zeigt eine abgelaufene Infektion an2 |
| EA-IgG | „frühe Antikörper", unbeständig und wenig aussagekräftig1 |
Daraus ergeben sich diese Konstellationen:
| VCA-IgM | VCA-IgG | EBNA-1 | Übliche Einordnung |
|---|---|---|---|
| – | – | – | kein Kontakt – oder ganz frühe Phase |
| + | + | – | frische Infektion wahrscheinlich |
| – | + | – | frisch möglich – oder fehlendes EBNA-1 bei alter Infektion |
| – | + | + | alte, abgelaufene Infektion – der Normalfall bei Erwachsenen |
Die Regel lautet also: Es datiert das EBNA-1, nicht das IgM. Weil EBNA-1-Antikörper in den ersten Wochen regelmäßig fehlen, ist ihr Nachweis der sicherste Marker einer länger zurückliegenden Infektion.12
⚠️ Und hier liegt die größte Falle der EBV-Serologie. Rund 5 % bilden keine EBNA-1-IgG oder verlieren sie wieder;2 bei 202 Athletinnen und Athleten sowie 200 Kontrollpersonen fehlte EBNA-1 bei je 12 % trotz alter Infektion.1 Ein negatives EBNA-1 kann eine akute Infektion also vortäuschen – etwa mit einem unnötig langen Trainingsverbot als Folge. Bleibt der Befund unklar, helfen EBV-Immunoblot oder Aviditätsbestimmung: niedrige Avidität spricht für frisch, hohe für alt.21
Die deutsche S3-Leitlinie zur Tonsillo-Pharyngitis hält die Serologie deshalb knapp: Sie sei „nur bei klinischer Relevanz und Schwierigkeit in der Einordnung der klinischen Zeichen" gerechtfertigt.6 Die Diagnose bleibt vor allem klinisch.
Der Schnelltest (Paul-Bunnell / Monospot): wie verlässlich ist er?
Der Paul-Bunnell-Test nach Davidsohn weist heterophile Antikörper nach: Er prüft, ob das Serum Pferdeerythrozyten verklumpt. Schnell und billig – aber nicht EBV-spezifisch: Heterophile Antikörper treten auch bei CMV- und HIV-Infektionen sowie bei Lymphomen auf. Entscheidend für Familien: Er ist bei Kindern unter fünf Jahren wenig sensitiv,2 und 10 bis 15 % der Erwachsenen mit Mononukleose bilden gar keine heterophilen Antikörper.1
Ein negativer Schnelltest schließt ein Pfeiffersches Drüsenfieber also nicht aus. In Deutschland spielt er ohnehin eine Nebenrolle: Die deutsche Sportmedizin beschreibt ihn als Verfahren, das „immer noch in manchen Laboratorien und in Nordamerika" angeboten wird,1 und im EBM gibt es dafür keine eigene Gebührenordnungsposition – abgerechnet werden die vier spezifischen EBV-Antikörper, für den Streptokokken-A-Schnelltest dagegen sehr wohl (32152).7
Was das Blutbild zeigt – und warum die Leberwerte dazugehören
Das große Blutbild liefert oft den ersten Hinweis:
- eine Lymphozytose – die Lymphozyten steigen über 4.500/µl bzw. über 50 % der Leukozyten;1
- atypische Lymphozyten über 10 % – die „Pfeiffer-Zellen" oder Downey-Zellen: aktivierte T-Lymphozyten, keine entarteten Zellen. Sie sind nicht EBV-spezifisch und werden bei automatischer Zählung manuell nachbeurteilt, um Blasten auszuschließen;12
- eine relative Verschiebung zulasten der neutrophilen Granulozyten bei vermehrten Monozyten. Über Autoantikörper sind vorübergehend auch hämolytische Anämie, Neutropenie oder verminderte Thrombozyten möglich.1
Der Punkt, den kaum jemand kennt: Die Mononukleose ist auch eine Hepatitis. In 50 bis 60 % der Fälle bestehen Milzvergrößerung und eine milde Leberentzündung mit erhöhten Transaminasen.1 Auf dem Befund sind das GPT (ALT) und GOT (AST), oft mit Gamma-GT, Bilirubin und LDH – zusammen die Leberwerte. Die Erhöhung ist meist vorübergehend; umgekehrt sind erhöhte Transaminasen bei jungen Menschen mit Pharyngitis ein guter Hinweis auf eine akute EBV-Infektion.1 CRP und BSG reagieren oft mit, unterscheiden aber nicht viral von bakteriell – mehr unter Entzündungswerte.
Zwei Sicherheitspunkte, die zählen
1. Die Milz – und wie lange Sportkarenz gilt
Weil sich die Milz vergrößert, kann sie reißen. Die Wahrscheinlichkeit gilt als sehr gering – 0,1 bis 0,2 % nach deutschen, 0,1 bis 0,5 % nach internationalen Angaben –, am größten zwischen dem 2. und dem 21. Tag nach Symptombeginn.18
⚠️ Plötzliche, heftige Schmerzen im linken Oberbauch – oft in die linke Schulter ausstrahlend – mit Schwäche, Blässe oder Kreislaufproblemen sind ein Notfall: Notruf 112.
Wie lange pausiert man?
| Quelle | Empfehlung |
|---|---|
| gesund.bund.de (BMG, geprüft durch die DGPI) | Sport mindestens 4 bis 6 Wochen meiden; im Leistungssport länger3 |
| Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin | Training „frühestens nach 2 bis 3 Wochen nach Beginn der Symptome", Kontaktsport nach ca. 4 Wochen1 |
| S3-Leitlinie Tonsillo-Pharyngitis (AWMF 017/024) | „im Einzelfall … eine mehrwöchige Sportkarenz", Rupturrisiko sonografisch abgeschätzt6 |
Praktisch: mehrere Wochen, Kontaktsport zuletzt – freigegeben wird individuell nach Beschwerdefreiheit, normalisierten Laborwerten und ggf. Ultraschall der Milz.13 Serologische Verlaufskontrollen taugen dafür nicht.1
2. Das Exanthem unter Aminopenicillinen – und die falsche Penicillinallergie
Wird eine Mononukleose für eine bakterielle Angina gehalten und mit Ampicillin oder Amoxicillin behandelt, entsteht häufig ein makulopapulöses Exanthem – keine echte Allergie, aber regelmäßig als solche in der Akte, wo es Betroffene lebenslang als „Penicillinallergie" begleitet.1
Wie häufig ist das wirklich? Deutsche Laborinformationen nennen bis heute „ca. 70–80 %".2 Diese Zahl stammt aus den 1960er-Jahren und hält der Überprüfung nicht stand. Eine Metaanalyse von 2025 über 15 Studien mit 3.153 Patienten kommt gepoolt auf 43 % (95 %-KI 18–72) nach Aminopenicillin – nach Zeitraum getrennt aber auf 84 % in Arbeiten von 1967–1976 und nur noch 18 % (95 %-KI 10–30) in denen von 2012–2024; ohne Antibiotikum bekamen 14 % ebenfalls einen Ausschlag.4 Eine Studie an 238 Kindern fand ein Exanthem bei 32,9 % der behandelten gegenüber 23,1 % der unbehandelten – nicht signifikant; für Amoxicillin allein 29,5 %.9
Der Zusammenhang ist also real, aber schwächer als behauptet: Das Risiko ist gegenüber „kein Antibiotikum" rund fünffach erhöht (OR 5,4).4 Daraus folgt zweierlei. Bei Halsschmerzen ohne konkrete Hinweise auf eine bakterielle Ursache ist eine Antibiotikatherapie laut deutscher S3-Leitlinie ohnehin kontraindiziert.6 Und ein solches Exanthem sollte nicht ungeprüft als Penicillinallergie festgeschrieben werden; eine allergologische Abklärung zeigt, ob wirklich eine Überempfindlichkeit vorliegt. Setzen Sie kein verordnetes Medikament eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie es ärztlich an.
„Chronische EBV-Infektion": was gesichert ist – und was nicht
Rund um EBV ist in Deutschland ein Markt aus wiederholten Serologien und Präparaten entstanden, der anhaltende Erschöpfung auf eine „EBV-Reaktivierung" zurückführt. Die Beschwerden sind real. Trotzdem sind drei Dinge zu trennen.
Erstens: Die echte chronisch aktive EBV-Erkrankung (CAEBV) gibt es – selten und schwer. Sie ist definiert durch systemische Entzündung und klonale Vermehrung EBV-infizierter T- oder NK-Zellen; Leitlinien verlangen eine hohe Viruslast (≥ 10.000 IU/ml EBV-DNA im Vollblut) und den Nachweis dieser Zellen, kurativ ist allein eine Stammzelltransplantation.10 Mit positivem IgG plus Müdigkeit hat das nichts zu tun.
Zweitens: EBV als Auslöser ist gut belegt. Eine Kohortenstudie an über 10 Millionen jungen US-Militärangehörigen, von denen 955 an Multipler Sklerose erkrankten, fand ein 32-fach erhöhtes MS-Risiko nach einer EBV-Infektion – nicht aber nach anderen, ähnlich übertragenen Viren.11 Das ist ein Bevölkerungsbefund, kein Wert auf Ihrem Blatt: Fast alle tragen EBV, und die allergrößte Mehrheit erkrankt nie an MS. Real ist auch die postvirale Erschöpfung: Unter 301 Jugendlichen erfüllten 13 % nach 6, 7 % nach 12 und 4 % nach 24 Monaten die Kriterien eines chronischen Erschöpfungssyndroms.12
Drittens: Wiederholte Serologien helfen dabei nicht. VCA-IgG bleiben lebenslang positiv – ihr Verlauf misst nichts. Die „frühen Antikörper" (EA) galten lange als Aktivitätsmarker, sollen laut deutscher Sportmedizin aber nicht als Maß für eine klinische Reaktivierung dienen.1 Ein deutsches Labor wird deutlicher: Reaktivierungen verlaufen bei Immungesunden symptomlos, und „derzeit gibt es keine Rationale, um eine EBV-Reaktivierung bei Immungesunden zu diagnostizieren".2 Konsequent ist der EBM: Die EBV-PCR (32844) ist ausdrücklich auf immundefiziente Patienten beschränkt.7 Anhaltende Erschöpfung ist ernst zu nehmen – nur beantwortet eine wiederholte Serologie die Frage nicht.
Und der Krebs? EBV wird mit Burkitt-Lymphom, weiteren Non-Hodgkin-Lymphomen, Hodgkin-Lymphom, dem Nasopharynxkarzinom (vor allem in Südostasien) und Magenkarzinomen in Verbindung gebracht.2 Das betrifft seltene Konstellationen, meist bei geschwächtem Immunsystem. Ein durchgemachtes Pfeiffersches Drüsenfieber macht daraus kein persönliches Risiko – sonst wären bei 90 bis 95 % Durchseuchung nahezu alle betroffen.13
Meldepflicht und Kosten
Eine Meldepflicht besteht nicht: Weder EBV noch die Mononukleose stehen in den RKI-Übersichtstabellen zu den meldepflichtigen Krankheiten und Erregern (Stand 1. August 2026).5 Bei medizinischem Anlass ist die Diagnostik Kassenleistung; die EBM-Beträge (Stand 3/2026) sind die Vergütung von Praxis oder Labor:7
| Leistung (EBM-Ziffer) | Bewertung |
|---|---|
| EBV-VCA-Antikörper (32607) | 8,37 € |
| EBV-VCA-IgM-Antikörper (32608) | 9,02 € |
| EBV-EBNA-Antikörper (32606) | 7,73 € |
| EBV-PCR nur bei immundefizienten Patienten (32844) | 18,31 € |
Nüchtern sein müssen Sie nicht; werden gleichzeitig Blutzucker oder Blutfette bestimmt, gilt deren Vorgabe.
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„EBV positiv" sagt wenig – bei 90 bis 95 % der Erwachsenen trifft es zu. Sinn ergibt der Befund erst im Zusammenspiel von VCA-IgG, VCA-IgM und EBNA-1 mit Ihrem Blutbild, den Leberwerten und dem Verlauf Ihrer Beschwerden.
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Aktuelle Forschung
Aus aktuellen, auf PubMed indexierten Arbeiten:
- Das Aminopenicillin-Exanthem ist seltener als geglaubt: in neueren Studien 18 % statt der überlieferten 80 bis 100 % – erhöht bleibt das Risiko trotzdem.49
- EBV gilt als Hauptauslöser der Multiplen Sklerose: 32-fach erhöhtes Risiko nach EBV-Infektion in einer Kohorte von über 10 Millionen jungen Erwachsenen, ohne vergleichbaren Effekt anderer Viren.11
- Postvirale Erschöpfung ist messbar – und bildet sich meist zurück: 13 % nach sechs, 4 % nach 24 Monaten erfüllten die Kriterien eines chronischen Erschöpfungssyndroms.12
- Ein Impfstoff ist in Entwicklung, aber nicht verfügbar: Kandidaten gegen das Hüllprotein gp350, mRNA-Ansätze und Nanopartikel stehen in präklinischer und klinischer Prüfung.13
Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Verlauf und ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.
Häufige Fragen
Was bedeutet „VCA-IgG positiv"? Dass Sie EBV irgendwann begegnet sind. VCA-IgG erscheinen früh und bleiben lebenslang nachweisbar; bei 90 bis 95 % der Erwachsenen ist der Wert positiv und für sich kein Krankheitszeichen.1
Woran erkennt man eine frische Infektion? Am fehlenden EBNA-1. VCA-IgG positiv bei negativem EBNA-1 spricht für frisch, beide positiv für alt. VCA-IgM allein genügt nicht: Es fehlt bei rund 20 % der akuten Fälle. Weil manche nie EBNA-1 bilden, kann das Muster täuschen – dann klären Immunoblot oder Aviditätstest.21
Schließt ein negativer Schnelltest die Mononukleose aus? Nein. Der Paul-Bunnell-/Monospot-Test ist nicht EBV-spezifisch, bei Kindern unter fünf Jahren wenig sensitiv, und 10 bis 15 % der Erwachsenen mit Mononukleose bilden gar keine heterophilen Antikörper.21
Was sind Pfeiffer-Zellen? Atypische Lymphozyten im Blutausstrich – aktivierte Abwehrzellen, keine Krebszellen. Sie machen typischerweise über 10 % aus, sind aber nicht beweisend.1
Warum sind meine Leberwerte erhöht? Weil die Mononukleose in etwa 50 bis 60 % der Fälle mit einer milden Leberentzündung einhergeht. Erhöhte GPT- und GOT-Werte sind die Regel und gehen meist mit der Genesung zurück.1
Wie lange darf ich keinen Sport machen? Das Portal des Bundesgesundheitsministeriums nennt mindestens 4 bis 6 Wochen; die Sportmedizin erlaubt einen behutsamen Wiedereinstieg frühestens nach 2 bis 3 Wochen, Kontaktsport nach etwa 4 Wochen.31
Warum bekommt man von Amoxicillin einen Ausschlag? Weil das Virus die Immunlage vorübergehend verändert. Das Exanthem ist meist keine echte Allergie und tritt in neueren Studien bei etwa 18 % auf – nicht bei 80 bis 100 %. Lassen Sie es nicht ungeprüft als Penicillinallergie in Ihre Akte schreiben.49
Erklärt eine EBV-Reaktivierung meine Dauermüdigkeit? Anhaltende Erschöpfung nach einer Mononukleose ist real und gut dokumentiert.12 Wiederholte Antikörpertests klären sie nicht: IgG bleiben lebenslang positiv, die „frühen Antikörper" taugen nicht als Aktivitätsmaß,1 und bei Immungesunden verlaufen Reaktivierungen symptomlos.2
Bekomme ich davon Krebs? Nein. EBV ist mit seltenen Tumoren wie dem Burkitt-Lymphom oder dem Nasopharynxkarzinom assoziiert, meist bei geschwächtem Immunsystem. Eine gewöhnliche Mononukleose begründet kein Krebsrisiko – und meldepflichtig ist sie ebenfalls nicht.25
Zum Mitnehmen
Das Pfeiffersche Drüsenfieber ist die symptomatische Erstinfektion mit dem Epstein-Barr-Virus und heilt fast immer folgenlos aus. Drei Sätze tragen den Rest: Es datiert das EBNA-1, nicht das IgM – VCA-IgG positiv bei negativem EBNA-1 spricht für frisch, beide positiv für alt, wobei 5 bis 10 % nie EBNA-1 bilden.21 Die Krankheit betrifft auch die Leber – erhöhte Transaminasen gehören in etwa der Hälfte der Fälle dazu.1 Und die Milz braucht Zeit: mehrere Wochen ohne Sport, Kontaktsport zuletzt, plötzlicher linksseitiger Oberbauchschmerz ist ein Notfall.31 Ein positives VCA-IgG teilen Sie mit fast allen Erwachsenen – wiederholte Serologien machen daraus keine Diagnose. Den Zusammenhang Ihrer Werte ordnet AI DiagMe ein, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bei dem jede Entscheidung bleibt.
Quellen
Deutsche Institutionen, Leitlinien und Laborkataloge sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
Footnotes
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Pottgießer T, Bauer G. Epstein-Barr-Virus-Infektionen. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (Organ der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention), 2014; 65: 337–341 – Prävalenz 90–95 % im Erwachsenenalter, Erstinfektion in später Adoleszenz und jungem Erwachsenenalter in etwa 50–75 % als klassische Mononukleose, Inkubationszeit etwa 4–7 Wochen, Splenomegalie und milde Hepatitis mit Transaminasenerhöhung in ca. 50–60 % der Fälle, Milzruptur mit ca. 0,1–0,2 % Wahrscheinlichkeit und größter Gefahr zwischen dem 2. und 21. Tag nach Symptombeginn, Wiedereinstieg ins Training „in der Regel frühestens nach 2 bis 3 Wochen nach Beginn der Symptome" und bei Kontaktsportarten „nach ca. 4 Wochen", Lymphozytose > 4.500/µl bzw. > 50 % mit atypischen Lymphozyten relativ > 10 % (nicht EBV-spezifisch, manuelle Nachbeurteilung zum Blastenausschluss), makulopapulöses Exanthem nach Amoxicillin/Ampicillin ohne echte Allergie, Paul-Bunnell-Schnelltest nicht EBV-spezifisch mit fehlenden heterophilen Antikörpern bei 10–15 % der Erwachsenen mit Mononukleose, VCA-IgG als lebenslanger Seropositivitätsmarker, VCA-IgM bei 20 % der akuten Infektionen nicht nachweisbar, Anti-EBNA-1 in den ersten Wochen regelmäßig fehlend und bei Positivität sicherster Marker einer abgelaufenen Infektion, Nichtbildung bei 5–10 % der Gesunden sowie bei je 12 % von 202 Athleten und 200 Kontrollpersonen, Aviditätsbestimmung, frühe Antikörper (EA) nicht als Maß für eine klinische Reaktivierung, chronische EBV-Infektionen als Rarität. DOI · germanjournalsportsmedicine.com ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24 ↩25 ↩26 ↩27 ↩28 ↩29 ↩30 ↩31 ↩32 ↩33 ↩34 ↩35 ↩36 ↩37 ↩38
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MVZ Dr. Eberhard & Partner Dortmund, Medizinisches Zentrum für Labormedizin – Laborinformation Nr. 98: Labordiagnostik bei Infektion mit Epstein-Barr-Virus (EBV), September 2010, Update August 2024: Inkubationszeit 10–50 Tage, Lymphozytose mit bis zu 50 % atypischen T-Lymphozyten, nach Davidsohn abgewandelter Paul-Bunnell-Test mit Agglutination von Pferdeerythrozyten, nicht EBV-spezifisch (heterophile Antikörper auch bei CMV- und HIV-Infektionen sowie bei Lymphomen) und mit niedriger Sensitivität bei Kindern unter 5 Jahren, EBNA-1-Antikörper erst sehr spät gebildet (bis zu mehreren Monaten) und immer Zeichen einer alten Infektion, ca. 5 % bilden keine EBNA-1-IgG oder verlieren sie wieder (EBV-Immunoblot zur Klärung), Arzneimittelexanthem „bei ca. 70–80 %" nach Antibiotikagabe, symptomlose Reaktivierungen bei Immungesunden mit der Feststellung „Derzeit gibt es keine Rationale, um eine EBV-Reaktivierung bei Immungesunden zu diagnostizieren", PCR und Viruslastmonitoring bei Immunsupprimierten, EBV-assoziierte Tumoren (Burkitt-Lymphom, weitere Non-Hodgkin-Lymphome, Morbus Hodgkin, Nasopharynxkarzinom, Magenkarzinom) sowie PTLD. medizin-zentrum-dortmund.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17
-
gesund.bund.de – Nationales Gesundheitsportal, ein Service des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononukleose), geprüft durch die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e. V. (DGPI), Stand 22.01.2025: Übertragung über Speichel, Ausheilung in der Regel innerhalb von 2 bis 4 Wochen, weltweit über 90 Prozent Virusträger, lebenslange Latenz mit meist symptomloser Reaktivierung bei Immungesunden, mildere Verläufe bei Kindern unter 10 Jahren, Milzriss als sehr seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation und der Hinweis: „Um Komplikationen wie einem Milzriss vorzubeugen, ist es wesentlich, körperliche Aktivitäten für mindestens 4 bis 6 Wochen zu vermeiden und auf Sport zu verzichten", mit längerer Erholungsphase im Leistungssport; Hautausschlag unter bestimmten Antibiotika. gesund.bund.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
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Vrysis C, Katsarou A, Lytras T, Katsikas K, Falagas ME. Rash associated with antibiotic administration in patients with infectious mononucleosis: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases, 2025 – 15 Beobachtungsstudien mit 3.153 Patienten; gepoolter Anteil eines Exanthems nach Aminopenicillin 43 % (95 %-KI 18–72 %), nach anderen Antibiotika 15 %, ohne Antibiotikum 14 %; in der Subgruppenanalyse 84 % in Studien von 1967–1976 gegenüber 18 % (95 %-KI 10–30 %) in Studien von 2012–2024; Odds Ratio 5,4 (95 %-KI 1,8–16,3) gegenüber keiner Antibiotikagabe. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Robert Koch-Institut – Melde- und benachrichtigungspflichtige Krankheiten und Krankheitserreger – Übersichtstabellen, Stand 1. August 2026: Weder das Epstein-Barr-Virus noch die infektiöse Mononukleose sind in den Tabellen zu den nach §§ 6, 7 und 34 IfSG melde- beziehungsweise benachrichtigungspflichtigen Krankheiten und Erregern aufgeführt; eine Meldepflicht besteht damit nicht. rki.de ↩ ↩2 ↩3
-
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNO-KHC) unter Beteiligung von DGKJ, DGPI und DEGAM – S3-Leitlinie Therapie der Tonsillo-Pharyngitis, AWMF-Register-Nr. 017/024, Langfassung Version 4.0 vom 15.01.2024: Kapitel 6 „Infektiöse Mononukleose" (selbstlimitierende Erkrankung ohne spezifische Therapie, serologische Bestimmung von VCA-IgM und VCA-IgG „nur bei klinischer Relevanz und Schwierigkeit in der Einordnung der klinischen Zeichen" gerechtfertigt, sonografische Abschätzung des Milzrupturrisikos, „im Einzelfall … eine mehrwöchige Sportkarenz") und Expertenkonsens 6.1 (Antibiotikatherapie ohne konkrete Hinweise auf eine simultane bakterielle Ursache kontraindiziert, 100 % Konsens). register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3
-
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 3/2026: Gebührenordnungspositionen 32605 (EBV-EA-Antikörper, 7,82 €), 32606 (EBV-EBNA-Antikörper, 7,73 €), 32607 (EBV-VCA-Antikörper, 8,37 €), 32608 (EBV-VCA-IgM-Antikörper, 9,02 €), 32844 (Nukleinsäurenachweis von Epstein-Barr-Virus ausdrücklich nur bei immundefizienten Patienten, 18,31 €) und 32152 (orientierender Schnelltest auf A-Streptokokken-Gruppenantigen, 2,55 €); eine eigene Gebührenordnungsposition für einen Schnelltest auf heterophile Antikörper (Paul-Bunnell/Monospot) ist im Kapitel 32 nicht enthalten. kbv.de ↩ ↩2 ↩3
-
Leung AKC, Lam JM, Barankin B. Infectious Mononucleosis: An Updated Review. Current Pediatric Reviews, 2024 – Häufigkeitsgipfel zwischen 15 und 24 Jahren, Splenomegalie in etwa 50 % und Hepatomegalie in etwa 10 % der Fälle, über 10 % atypische Lymphozyten, spontane Milzruptur bei 0,1 bis 0,5 % der Erkrankten, Empfehlung, Kontaktsport und intensive Belastung zu meiden, solange eine Splenomegalie besteht. PubMed · DOI ↩
-
Chovel-Sella A, Ben Tov A, Lahav E, Mor O, Rudich H, Paret G, Reif S. Incidence of rash after amoxicillin treatment in children with infectious mononucleosis. Pediatrics, 2013 – 238 Kinder mit gesicherter akuter Mononukleose, davon 173 antibiotisch behandelt; Exanthem bei 32,9 % der behandelten gegenüber 23,1 % der unbehandelten Kinder (p = 0,156), für Amoxicillin 29,5 % (95 %-KI 18,52–42,57) und damit deutlich unter der historisch für Ampicillin berichteten Rate von 90 %. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Kawada JI, Ito Y, Ohshima K et al. Updated guidelines for chronic active Epstein-Barr virus disease. International Journal of Hematology, 2023 – CAEBV als systemische Entzündung mit klonaler Proliferation EBV-infizierter T- oder NK-Zellen, potenziell lebensbedrohlich; die Diagnose erfordert eine hohe Viruslast (vorgeschlagener Grenzwert ≥ 10.000 IU/ml im Vollblut) und den Nachweis infizierter T- oder NK-Zellen; die hämatopoetische Stammzelltransplantation gilt als einzige kurative Behandlung. PubMed · DOI ↩
-
Bjornevik K, Cortese M, Healy BC et al. Longitudinal analysis reveals high prevalence of Epstein-Barr virus associated with multiple sclerosis. Science, 2022 – Kohorte von über 10 Millionen jungen US-Militärangehörigen, 955 Fälle von Multipler Sklerose; 32-fach erhöhtes MS-Risiko nach EBV-Infektion, kein erhöhtes Risiko nach anderen Viren einschließlich des ähnlich übertragenen Cytomegalievirus; Anstieg des Neurofilament-Leichtketten-Spiegels erst nach EBV-Serokonversion. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Katz BZ, Shiraishi Y, Mears CJ, Binns HJ, Taylor R. Chronic fatigue syndrome after infectious mononucleosis in adolescents. Pediatrics, 2009 – prospektive Beobachtung von 301 Jugendlichen (12–18 Jahre); 13 % nach 6, 7 % nach 12 und 4 % nach 24 Monaten erfüllten die Kriterien eines chronischen Erschöpfungssyndroms, die meisten erholten sich im Verlauf; alle 13 Betroffenen nach 24 Monaten waren weiblich. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Dai Y, Zhang B, Yang L et al. Recent Progress in the Vaccine Development Against Epstein-Barr Virus. Viruses, 2025 – Übersicht über Impfstoffkandidaten gegen EBV, darunter Ansätze gegen das Hüllglykoprotein gp350, mRNA-Impfstoffe und Nanopartikel-Plattformen in präklinischer und klinischer Entwicklung; ein zugelassener Impfstoff steht bislang nicht zur Verfügung. PubMed · DOI ↩