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Vitamin-A-Mangel und Überdosierung: Blutwert richtig lesen

Vitamin-A-Mangel ist in Deutschland selten, die Überdosierung das größere Risiko. Normalwerte in µg/l und µmol/l, und warum Entzündungen den Wert senken.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Wer in Deutschland „Vitamin A" oder „Retinol" sucht, landet fast immer bei Hautcremes. Hier geht es um etwas anderes: um Vitamin A im Blut – den Laborwert Serum-Retinol, der bestimmt wird, wenn ein Mangel oder eine Überdosierung im Raum steht. Vitamin A ist fettlöslich und wird in der Leber gespeichert; es ist damit eines der wenigen Vitamine, bei dem zu viel gefährlicher sein kann als zu wenig – besonders in der Schwangerschaft. Ein ernährungsbedingter Mangel wird in Deutschland dagegen „nur sehr selten" festgestellt.1 Der Wert gehört zu den Vitaminwerten und wird gemeinsam mit Leberwerten und Entzündungswerten gelesen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Retinol in der Creme ≠ Retinol im Blut. Derselbe Stoff, zwei Fragestellungen: Kosmetik wirkt äußerlich auf die Haut, der Laborwert beschreibt die Versorgung des Körpers.
  • Ein primärer Vitamin-A-Mangel ist in Deutschland und den Industrieländern „nur sehr selten" – relevant sind sekundäre Mängel bei gestörter Fettverdauung: Morbus Crohn, Leber- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Alkoholmissbrauch.1
  • Das erste Mangel-Symptom ist die Nachtblindheit, gefolgt von Austrocknung der Bindehaut bis hin zu Hornhautgeschwür und Erblindung.12
  • ⚠️ Die tolerierbare Gesamtzufuhr für vorgebildetes Vitamin A liegt bei 3 000 µg/Tag für Erwachsene – „gilt ebenfalls für Schwangere und Stillende". Der Grund: teratogene und leberschädigende Effekte.13
  • ⚠️ Leber ist das Extrembeispiel: Schlachttierleber enthält im Mittel 17 bis 29 mg Vitamin A pro 100 g – das Vielfache der Tageshöchstmenge. Das BfR hält deshalb die Empfehlung aufrecht, in der Schwangerschaft auf Leber aller Tierarten zu verzichten.3
  • Das Serum-Retinol spiegelt die Leberspeicher schlecht wider: Es wird homöostatisch reguliert und sinkt zusätzlich bei Entzündung, weil das Transportprotein RBP in der Akute-Phase-Reaktion abfällt.45

Was ist Vitamin A (Retinol)?

Vitamin A ist laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) ein „fettlöslicher Nährstoff, der für zahlreiche biologische Prozesse wie Sehvorgang, Immunfunktion, Zelldifferenzierung und Embryonalentwicklung notwendig ist". Die zentrale Wirkform ist das Retinol.1 In der Netzhaut wird es zu Retinal umgebaut und bildet den Sehpurpur (Rhodopsin) – deshalb macht sich ein Mangel zuerst beim Sehen in der Dämmerung bemerkbar.

Im Essen kommt Vitamin A in zwei sehr unterschiedlichen Formen vor:1

  • vorgebildetes Vitamin A (Retinol und Retinylester), ausschließlich in tierischen Lebensmitteln: Leber und Leberwurst, Eier, Milchprodukte, einige Fischsorten;
  • Provitamin-A-Carotinoide, vor allem β-Carotin, in Karotten, Süßkartoffeln, Grünkohl, Spinat, Aprikosen, Mango – vom Körper nur nach Bedarf umgewandelt.

Die DGE rechnet beides in Retinolaktivitätsäquivalente (RAE) um: „1 µg RAE entspricht 1 µg Retinol und 12 µg β-Carotin". Empfohlen werden für Erwachsene 700–950 µg RAE/Tag, für Schwangere 800 µg, für Stillende 1 300 µg.1

Der entscheidende Unterschied: Für Provitamin A aus Lebensmitteln gibt es keine tolerierbare Höchstmenge; eine Gelbfärbung der Haut durch viel β-Carotin ist „gesundheitlich unbedenklich".1 Kritisch ist nur das vorgebildete Vitamin A aus Präparaten, Arzneimitteln und Leber.

Nach der Aufnahme wird Vitamin A in der Leber gespeichert und von dort dosiert ins Blut abgegeben – gebunden an das Retinol-bindende Protein (RBP). Genau diese Regulation macht den Blutwert schwer zu deuten.

Wozu wird Vitamin A im Blut bestimmt?

Das Serum-Retinol ist keine Routineuntersuchung. Sinnvoll ist es in gezielten Situationen:

  • Verdacht auf Mangel: Störungen der Dunkeladaptation und Nachtblindheit, trockene Augen, trockene und verhornte Haut;61
  • Krankheiten mit gestörter Fettverdauung, weil Vitamin A fettlöslich ist: chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Leber- und Gallenwegserkrankungen (Cholestase – siehe Bilirubin und alkalische Phosphatase), Mukoviszidose, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Zustand nach bariatrischer Operation;17
  • schwere Mangelernährung, sehr einseitige Ernährungsformen, chronischer Alkoholmissbrauch;1
  • Verdacht auf Überdosierung nach langer Einnahme von Vitamin-A-Präparaten oder häufigem Leberverzehr – auch bei Abklärung einer Hyperkalzämie oder eines Haarausfalls.8

Muss man für Vitamin A nüchtern sein?

Für das Serum-Retinol selbst ist Nüchternheit in der Regel nicht erforderlich. Werden gleichzeitig Blutzucker oder Blutfette bestimmt (siehe Cholesterinwerte), gilt deren Nüchternregel für den Termin.

Wichtiger ist hier die Probenbehandlung: Retinol ist lichtempfindlich und instabil. Deutsche Labore verlangen „1 mL Serum, gefroren und lichtgeschützt"; das Röhrchen wird in Alufolie oder eine braune Schutzhülle gewickelt, das Serum innerhalb von 30 Minuten abgetrennt und bei −20 °C eingefroren.86 Eine falsch behandelte Probe kann fälschlich niedrige Werte liefern.

Vitamin-A-Normalwerte: µg/l und µmol/l

Für Vitamin A gibt es keinen bundesweit einheitlichen Referenzbereich. Die folgenden Angaben aus drei deutschen Laborkatalogen zeigen, wie groß die Spannweite ist. Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.

Angabeµg/lµmol/l
Ausgeprägter Mangel (Labor Düsseldorf)< 100< 0,35
Grenze Vitamin-A-Mangel (Definition der Studienliteratur)< 200< 0,70
Erwachsene – Labor Düsseldorf300 – 7001,05 – 2,44
Erwachsene – Endokrinologikum Hamburg287 – 6031,00 – 2,10
Erwachsene – LADR200 – 1 2000,70 – 4,19
Toxischer Bereich (Labor Düsseldorf)> 1 400> 4,89

Quellen der Bereiche: Labor Düsseldorf, Endokrinologikum Hamburg, LADR (jeweils HPLC).968 Die Schwelle < 0,70 µmol/L ist die in der Forschung übliche Definition des Vitamin-A-Mangels.5 Für Kinder gelten eigene Bereiche: 152–401 µg/l bei Säuglingen unter einem Jahr, 189–487 µg/l von 1 bis 10 Jahren.6

Umrechnung: µg/l × 0,00349 = µmol/l; µmol/l × 286,4 = µg/l. Manche Befunde geben mg/l an – 0,3 mg/l sind 300 µg/l.

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Vitamin A zu niedrig

Ein niedriges Serum-Retinol bedeutet nicht automatisch leere Speicher – aber es ist ein Warnsignal. Die DGE beschreibt den Verlauf klar: „Das erste Mangel-Symptom … ist die Nachtblindheit." Danach können „Austrocknung der Tränendrüsen und Augenbindehaut" folgen, „bis hin zur Geschwürbildung der Hornhaut und Erblindung". Unspezifische Zeichen sind Appetitlosigkeit, trockene und verhornte Haut, Muskelschwäche und bei Kindern Wachstumsverzögerungen.1

Die Ursachen sind in Deutschland fast nie die Ernährung allein, sondern:1

  • gestörte Fettverdauung und -aufnahme: Morbus Crohn und andere chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Lebererkrankungen (siehe GPT-Wert) und Cholestase, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse;
  • erhöhter Bedarf bei Entzündungen, schweren Verbrennungen und Alkoholmissbrauch;
  • vermehrter Verlust über den Urin bei Nierenkrankheiten;
  • Zustand nach Magen-Darm-Operationen, insbesondere nach bariatrischer Chirurgie.7

⚠️ Die häufigste Fehldeutung: Ein niedriger Wert bei laufendem Infekt oder chronischer Entzündung. Das Transportprotein RBP verhält sich wie ein negatives Akute-Phase-Protein und sinkt in der Entzündungsreaktion; das Retinol sinkt mit. Im BRINDA-Projekt fiel die geschätzte Mangel-Häufigkeit bei Vorschulkindern nach Korrektur für CRP und α-1-saures Glykoprotein um 11 bis 18 Prozentpunkte.5 Ein Retinolwert ohne CRP-Wert ist deshalb schwer zu interpretieren. Ergänzend werden oft Albumin, das Gesamteiweiß und die Eisenwerte mitbeurteilt – Mangelzustände treten selten allein auf.

Vitamin A zu hoch (Hypervitaminose A)

Weil Vitamin A fettlöslich ist und gespeichert wird, kann es sich anreichern. Die DGE benennt zwei Wege in die Intoxikation: „eine unsachgemäße Einnahme von Vitamin-A-Präparaten (z. B. als Nahrungsergänzungsmittel) oder ein übermäßiger Verzehr von Leber" – langfristig mit Leberschäden. Die Symptome sind unspezifisch: „Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und verschwommenes Sehen sowie Muskelschmerzen, trockene und gerötete Haut, Haarausfall sowie brüchige Fingernägel".1

Das BfR hat aus der geringen Sicherheitsbreite Konsequenzen gezogen: Es empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel entweder keinen Zusatz von Vitamin A oder höchstens 0,4 mg pro Tag, und für Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs – außer Margarine als Butterersatz – gar keine Anreicherung. Auf Vitamin-A-haltigen Präparaten soll ein Hinweis stehen, „dass Vitamin A in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden soll".3

Vitamin A und Krebs? Retinol ist kein Tumormarker. Ein hoher oder niedriger Wert sagt nichts über eine Krebserkrankung aus.

⚠️ Vitamin A, Retinoide und Schwangerschaft

Das ist der sicherheitsrelevanteste Teil dieser Seite. Hoch dosiertes vorgebildetes Vitamin A ist teratogen, also fruchtschädigend. Die klassische Kohortenstudie dazu wurde 1995 im New England Journal of Medicine veröffentlicht und fand bei hoher Zufuhr von vorgebildetem Vitamin A aus Supplementen eine erhöhte Rate von Fehlbildungen im Bereich der Neuralleiste.10 Die DGE formuliert die Konsequenz so: Schwangeren wird „insbesondere in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten empfohlen, auf den regel- und übermäßigen Verzehr von Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an Vitamin A (v. a. Leber) zu verzichten".1

Warum ausgerechnet Leber? Das ist ein konkreter deutscher Befund. Nach dem Lebensmittel-Monitoring 2016 kann die Leber von Schlachttieren im Mittel 17 bis 29 mg Vitamin A pro 100 g enthalten – bei einer tolerierbaren Gesamtzufuhr von 3 mg pro Tag. Rund 40 % der Bevölkerung essen laut Nationaler Verzehrsstudie II Leber; das BfR spricht deshalb von „erheblichen Überschreitungen des UL". Die seit den 1990er-Jahren bestehende Empfehlung, „dass in der Schwangerschaft auf den Verzehr von Leber aller Tierarten verzichtet werden und Schwangere und Kleinkinder beim Verzehr von leberhaltigen Produkten sehr zurückhaltend sein sollten", wird vom BfR ausdrücklich aufrechterhalten.3 Die DGE-Beispielrechnung passt dazu: 100 g Kalbsleber liefern 23 860 µg RAE, 30 g Kalbsleberwurst noch 1 980 µg.1

Retinoide als Medikament sind ein eigenes, strenger reguliertes Kapitel. Im Rote-Hand-Brief vom 2. Mai 2024 erinnern das BfArM und die Hersteller daran, dass die oralen Retinoide Acitretin, Alitretinoin und Isotretinoin „stark teratogen" sind und „die Anwendung … daher während der Schwangerschaft kontraindiziert" ist. Weiter heißt es: „Auch bei Frauen im gebärfähigen Alter sind orale Retinoide kontraindiziert, es sei denn, es werden alle Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms (pregnancy prevention programme – PPP) eingehalten."11 Embryotox der Charité – Universitätsmedizin Berlin führt Tretinoin unter „gesicherte Teratogenität und/oder gravierende Fetotoxizität" und unterscheidet dabei äußerliche und systemische Anwendung: Bei systemischer Therapie muss sichere Verhütung „nach Absetzen von Tretinoin noch einen Monat weitergeführt werden".12

Daraus folgt hier keine Handlungsanweisung: Ob eine Vitamin-A-Zufuhr für Sie infrage kommt und ob ein Präparat abgesetzt oder ein Wert kontrolliert werden muss, entscheidet Ihre ärztliche Betreuung – in der Schwangerschaft gemeinsam mit der Gynäkologie. Setzen Sie ein verordnetes Retinoid niemals eigenmächtig ab oder an.

Was den Vitamin-A-Wert beeinflusst

Auf das Serum-Retinol wirken: die Zufuhr an vorgebildetem Vitamin A und β-Carotin; die Fettverdauung (Leber, Gallenwege, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm) – ohne Fett wird auch β-Carotin schlecht aufgenommen, die DGE nennt „2,4 bis 5 g Fett" pro Mahlzeit als Minimum; die Schilddrüsenfunktion, die laut DGE für die Umwandlung der Carotinoide entscheidend ist (siehe Schilddrüsenwerte); eine laufende Entzündung über das RBP; Nierenerkrankungen; Alkohol; Präparate und Arzneimittel – sowie die Lichtexposition der Blutprobe.1658

Aktuelles aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:

  • Der Blutwert misst die Speicher nicht direkt. Der BOND-Review hält fest, dass das Serum-Retinol homöostatisch reguliert wird und erst bei niedrigen Leberspeichern absinkt; genauer sind Isotopenverdünnung oder die Messung der Retinylester – auch im Überschussbereich.4
  • Entzündung verzerrt die Messung systematisch. Im BRINDA-Projekt (8 803 Vorschulkinder, 4 191 Frauen im gebärfähigen Alter) sank die geschätzte Mangelprävalenz nach Korrektur für CRP und AGP um im Median 11 bis 18 Prozentpunkte. Bei den Frauen war der Zusammenhang zu schwach für eine Korrektur – Ergebnisse lassen sich also nicht ungeprüft übertragen.5
  • Nach bariatrischer Operation bleibt das Risiko langfristig. Eine Metaanalyse aus 54 Studien (5 bis 17 Jahre Nachbeobachtung) fand Vitaminmängel vor allem für Vitamin D (35,8 %), Vitamin E (16,5 %), Vitamin A (13,4 %) und Vitamin B12 (8,5 %); der Anteil stieg mit der Nachbeobachtungszeit.7
  • Auch in Industrieländern gibt es echte Mangelnetzhäute. Eine Fallserie eines US-Zentrums beschreibt neun Betroffene mit Vitamin-A-Mangel-Retinopathie; im Vordergrund standen Magen-Darm-Operationen (55,6 %), Lebererkrankungen (44,4 %) und einseitige Ernährung (44,4 %). Vieles bildete sich unter Auffüllung zurück – fortgeschrittene Netzhautdefekte blieben bestehen.13 Weltweit senkt die Vitamin-A-Gabe an Kinder in Mangelregionen laut Cochrane-Review Sterblichkeit, Durchfall, Masern und Nachtblindheit – eine Public-Health-Maßnahme, die auf Deutschland nicht übertragbar ist.142

Diese Ergebnisse betreffen die ärztliche Diagnostik. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

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Häufige Fragen

Ist der Blutwert Vitamin A dasselbe wie das Retinol in Hautcremes? Chemisch dieselbe Substanz, praktisch zwei Themen. Kosmetisches Retinol wird äußerlich angewendet; der Laborwert Serum-Retinol beschreibt die Versorgung des ganzen Körpers und wird nur bei konkretem Verdacht bestimmt.

Wie hoch ist ein normaler Vitamin-A-Wert? Es gibt keinen einheitlichen deutschen Referenzbereich. Deutsche Labore nennen für Erwachsene unter anderem 300–700 µg/l, 287–603 µg/l oder 200–1 200 µg/l.968 Verlassen Sie sich auf den Bereich, der neben Ihrem Ergebnis gedruckt ist.

Was sind die ersten Anzeichen eines Vitamin-A-Mangels, und ist er hier häufig? Das erste Zeichen ist die Nachtblindheit; später kommen trockene Augen, verhornte Haut, Muskelschwäche und erhöhte Infektanfälligkeit hinzu. Ein ernährungsbedingter Mangel wird in Deutschland „nur sehr selten" festgestellt – relevanter sind sekundäre Mängel bei Darm-, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und nach Magen-Darm-Operationen.17

Kann man Vitamin A überdosieren? Ja – das ist der Unterschied zu den wasserlöslichen Vitaminen. Über die normale Ernährung ist das kaum möglich, wohl aber durch Präparate oder übermäßigen Leberverzehr. Die tolerierbare Gesamtzufuhr für vorgebildetes Vitamin A liegt bei 3 000 µg pro Tag für Erwachsene.13

Warum soll man in der Schwangerschaft keine Leber essen? Weil Schlachttierleber im Mittel 17 bis 29 mg Vitamin A pro 100 g enthalten kann – ein Vielfaches der Tageshöchstmenge – und hohe Vitamin-A-Mengen fruchtschädigend wirken können. Das BfR hält die Empfehlung aufrecht, in der Schwangerschaft auf Leber aller Tierarten zu verzichten und leberhaltige Produkte wie Leberwurst sehr zurückhaltend zu verzehren.31

Sind Retinoide gegen Akne in der Schwangerschaft erlaubt? Nein. Orale Retinoide (Acitretin, Alitretinoin, Isotretinoin) sind laut Rote-Hand-Brief des BfArM „stark teratogen" und in der Schwangerschaft kontraindiziert; bei Frauen im gebärfähigen Alter gelten die Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms.11 Alle Fragen dazu – auch zu äußerlich angewendeten Präparaten – gehören in die ärztliche Sprechstunde.12

Kann mein Wert trotz Mangel normal aussehen – oder umgekehrt? Beides kommt vor. Das Serum-Retinol wird reguliert und fällt erst bei deutlich geleerten Leberspeichern ab.4 Umgekehrt kann eine Entzündung den Wert senken, ohne dass ein echter Mangel besteht – deshalb gehört das CRP dazu.5

Ist β-Carotin aus Gemüse gefährlich? Nein. Für Provitamin A aus Lebensmitteln gibt es keine tolerierbare Höchstmenge; eine Gelbfärbung der Haut ist laut DGE „gesundheitlich unbedenklich".1 Anders zu bewerten sind hochdosierte Präparate – eine ärztliche Entscheidung.

Das Wichtigste zum Schluss

Beim Vitamin A liegt die eigentliche Gefahr in Deutschland nicht beim Mangel, sondern beim Zuviel. Ein ernährungsbedingter Mangel ist hier „sehr selten"; wo er auftritt, steckt fast immer eine gestörte Fettaufnahme dahinter.17 Umgekehrt ist der Abstand zwischen Empfehlung und tolerierbarer Höchstmenge so klein, dass das BfR von einer Anreicherung von Lebensmitteln abrät und in der Schwangerschaft den Verzicht auf Leber empfiehlt.3 Und der Blutwert selbst ist ein schlechter Speicherspiegel, sinkt bei Entzündung und ist kein Tumormarker.45 Entscheidend bleibt die Zusammenschau mit Ihren Vitaminwerten, Leberwerten und Entzündungswerten – eine Einordnung, die AI DiagMe ergänzend zu Ihrer ärztlichen Betreuung aufbereitet.

Quellen

Deutsche Behörden, Fachgesellschaften, Laborkataloge und wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber verwendet wurden:

Footnotes

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) — Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin A, November 2020 (D-A-CH-Referenzwerte; Zufuhrempfehlungen, Mangel, Intoxikation, tolerierbare Gesamtzufuhrmenge). dge.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22

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  3. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Höchstmengenvorschläge für Vitamin A in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (Gehalte in Schlachttierleber nach Lebensmittel-Monitoring 2016; UL; Empfehlung zum Leberverzicht in der Schwangerschaft). bfr.bund.de 2 3 4 5 6 7

  4. Tanumihardjo SA, Russell RM, Stephensen CB, et al. Biomarkers of Nutrition for Development (BOND)—Vitamin A Review. J Nutr, 2016. PubMed · DOI 2 3 4

  5. Larson LM, Namaste SM, Williams AM, et al. Adjusting retinol-binding protein concentrations for inflammation: Biomarkers Reflecting Inflammation and Nutritional Determinants of Anemia (BRINDA) project. Am J Clin Nutr, 2017. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7

  6. Endokrinologikum / Aesculabor Hamburg — Vitamin A, Leistungsverzeichnis (HPLC; altersabhängige Referenzbereiche, Präanalytik). endokrinologikum-aesculabor.de 2 3 4 5 6

  7. Chen L, Chen Y, Yu X, et al. Long-term prevalence of vitamin deficiencies after bariatric surgery: a meta-analysis. Langenbecks Arch Surg, 2024. PubMed · DOI 2 3 4 5

  8. LADR Der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen — Vitamin A (Retinol), A–Z-Laboranalysen (Referenzbereich, Indikationen, Präanalytik). ladr.de 2 3 4 5

  9. Medizinische Laboratorien Düsseldorf — Vitamin A (Retinol), Leistungsverzeichnis (UV-HPLC; Normbereich, Mangel- und toxischer Bereich). labor-duesseldorf.de 2

  10. Rothman KJ, Moore LL, Singer MR, et al. Teratogenicity of high vitamin A intake. N Engl J Med, 1995. PubMed · DOI

  11. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) — Rote-Hand-Brief zu oralen Retinoiden (Acitretin, Alitretinoin und Isotretinoin): Erinnerung an die bestehenden Einschränkungen zur Verhinderung der Exposition während der Schwangerschaft, 2. Mai 2024. bfarm.de 2

  12. Embryotox — Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin: Tretinoin (Bewertung Teratogenität, äußerliche versus systemische Anwendung). embryotox.de 2

  13. Levine DA, Mathew NE, Jung EH, et al. Characteristics of Vitamin A Deficiency Retinopathy at a Tertiary Referral Center in the United States. Ophthalmol Retina, 2024. PubMed · DOI

  14. Imdad A, Mayo-Wilson E, Haykal MR, et al. Vitamin A supplementation for preventing morbidity and mortality in children from six months to five years of age. Cochrane Database Syst Rev, 2022. PubMed · DOI

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