CMV (Zytomegalie): IgG, IgM und Schwangerschaft
Rund 47 Prozent der Schwangeren in Deutschland sind CMV-positiv: warum ein positives IgG normal ist und die Mutterschafts-Richtlinie keinen CMV-Test vorsieht.
Das Zytomegalievirus (CMV) – auf Befunden auch Cytomegalievirus, Zytomegalie oder HHV-5 – ist ein Herpesvirus, dem etwa die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland schon begegnet ist, fast immer ohne es zu merken. Deshalb steht der wichtigste Satz gleich am Anfang: „CMV-IgG positiv" ist keine Diagnose, sondern der Normalfall. Er bedeutet, dass Sie die Infektion durchgemacht haben und das Virus seither lebenslang in einem Ruhezustand bleibt.1 Zu bedeuten hat der Befund nur in drei Situationen etwas: in der Schwangerschaft, bei Immunsuppression und beim Neugeborenen. Dieser Ratgeber gehört zu den Serologien, neben Toxoplasmose und Röteln.
Das Wichtigste in Kürze
- CMV ist ein humanes Herpesvirus (HHV-5). Nach der Erstinfektion bleibt es latent – unter anderem in blutbildenden Stammzellen und in den Monozyten.2
- Repräsentative Zahlen zur deutschen Allgemeinbevölkerung fehlen. Das RKI stützt sich auf 24.260 Gießener Blutspender (1992–2002): 46 % seropositiv. Bei Schwangeren rund 47 %, bei Nierentransplantierten 77 %.2
- ⚠️ Ein positives IgM allein beweist nichts. IgM können über ein Jahr und länger persistieren und treten auch bei Reaktivierungen sowie anderen Virusinfektionen auf.2
- Datiert wird über die IgG-Avidität: niedrig spricht für eine Infektion in den vergangenen etwa drei Monaten, hoch schließt eine frische Primärinfektion praktisch aus.2
- ⚠️ Die Mutterschafts-Richtlinie sieht keinen CMV-Test vor – „Zytomegalie" kommt im Richtlinientext des G-BA kein einziges Mal vor.3 Die S2k-Leitlinie von 2025 empfiehlt dennoch, den Test bei unklarem Status anzubieten.4
- CMV ist der häufigste Erreger einer angeborenen Infektion – vor Toxoplasmose und Röteln: 1.500 bis 4.500 Kinder pro Jahr in Deutschland.4
- Es besteht keine bundesweite Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz; ergänzende Verordnungen gibt es nur in Sachsen.24
Was ist CMV – und warum bleibt es für immer?
Wie alle Herpesviren etabliert CMV nach der Primärinfektion eine latente Infektion: Es vermehrt sich nicht mehr, verschwindet aber auch nicht. Das RKI benennt die Verstecke genau – hämatopoetische Stammzellen und Monozyten.2 Daraus folgt der Satz, den kaum jemand ausspricht: Ein positives IgG ist kein Restbefund und kein Hinweis auf eine schlecht ausgeheilte Infektion, sondern der normale Endzustand nach einem Kontakt, den die meisten Erwachsenen hinter sich haben.
Übertragen wird es über Körperflüssigkeiten: Tränenflüssigkeit, Speichel, Urin, Genitalsekret, Muttermilch und Blut.2 Das entscheidende Reservoir sind Kleinkinder: Kinder bis zum dritten Lebensjahr scheiden große Virusmengen über Speichel und Urin aus – ohne jedes Krankheitszeichen.2
Wie häufig ist CMV in Deutschland wirklich?
Hier lohnt Genauigkeit, weil im Netz sehr unterschiedliche Zahlen kursieren. Das RKI stellt fest: „Populationsbezogene, repräsentative Untersuchungen zur Seroprävalenz in der deutschen Allgemeinbevölkerung liegen bisher nicht vor."2 Belastbar sind nur einzelne Gruppen:
| Gruppe | Anteil mit CMV-IgG |
|---|---|
| Blutspender Gießen 1992–2002 (n = 24.260) | 46 %2 |
| Schwangere in Deutschland | ca. 47 %2 |
| Schwangere 1996–2010 (n = 40.324) | 42,3 %5 |
| Nierentransplantierte | 77 %2 |
Die S2k-Leitlinie von 2025 nennt für Schwangere 40 bis 50 Prozent Seropositive.4 Anders gesagt – so das Portal des Bundesgesundheitsministeriums – haben „mehr als die Hälfte aller Schwangeren … keine Antikörper" und sind empfänglich für eine Erstinfektion.1 Deutschland hat also eine niedrige Durchseuchung, und sie sinkt: In 40.324 Schwangerschaften fiel die Rate über 15 Jahre von 44,3 % auf 40,9 %.5
IgG, IgM, Avidität, PCR: den Befund lesen
Eine CMV-Serologie liefert keinen Zahlenwert mit Normbereich, sondern ein Urteil. Vier Bausteine spielen zusammen:
- IgG – das immunologische Gedächtnis. Positiv heißt: Kontakt stattgefunden, Virus latent vorhanden. Das erstmalige Auftreten von IgG (Serokonversion) ist der einzige wirklich beweisende Befund für eine Primärinfektion.2
- IgM – der unzuverlässigste Baustein. Sie sprechen für eine frische Infektion, können aber „bis zu einem Jahr und länger persistieren", auch bei Reaktivierungen auftreten und durch andere Virusinfektionen falsch positiv werden. Das RKI ist eindeutig: „Der alleinige Nachweis von anti-CMV-IgM-Antikörpern reicht nicht aus."2
- IgG-Avidität – die Datierungshilfe. Frische IgG binden schwach, gereifte fest: Niedrige Avidität spricht für eine Infektion in den vergangenen etwa drei Monaten, hohe Avidität spricht dagegen. Bei erstmaligem IgM-Nachweis in der Schwangerschaft soll sie nach RKI zwingend bestimmt werden.2
- PCR (CMV-DNA) – der Direktnachweis. Aus mütterlichem Blut wenig hilfreich, weil das Zeitfenster der Virämie sehr kurz ist; unverzichtbar dagegen bei Immunsupprimierten und beim Neugeborenen.2
| Befund | Übliche Einordnung |
|---|---|
| IgG negativ, IgM negativ | kein Kontakt – empfänglich für eine Primärinfektion |
| IgG positiv, IgM negativ | alter Kontakt, latente Infektion – der häufigste Befund |
| IgG negativ, IgM positiv | unklar; nach 14 Tagen wiederholen. Bleibt IgG negativ, war das IgM falsch positiv2 |
| IgG und IgM positiv, Avidität hoch | Hinweis auf eine Infektion vor der Empfängnis2 |
| IgG und IgM positiv, Avidität niedrig | Primärinfektion im ersten Trimenon möglich2 |
Warum das heikel ist, zeigt eine italienische Arbeit: IgM verschwinden bei manchen Frauen sehr schnell, während die Avidität bei anderen früh reift – beides führt zu Fehleinschätzungen.6 Deshalb arbeitet die deutsche Diagnostik mit zwei Blutproben im Abstand von etwa 14 Tagen.2
Schwangerschaft: was in Deutschland vorgesehen ist – und was nicht
CMV ist der häufigste virale Erreger einer angeborenen Infektion – vor Toxoplasmose und Röteln.2 Nach der S2k-Leitlinie erleiden 1 bis 2 Prozent der Schwangeren eine Primärinfektion, und 0,2 bis 0,6 Prozent aller Neugeborenen kommen mit einer konnatalen CMV-Infektion (cCMV) zur Welt: bei rund 750.000 Geburten jährlich 1.500 bis 4.500 Kinder.4 Eine weltweite Auswertung von 77 Studien mit 515.646 Neugeborenen ergab eine Geburtsprävalenz von 0,67 %, in einkommensstarken Ländern 0,48 %.7
Und trotzdem gibt es kein Screening. Wir haben den Text der Mutterschafts-Richtlinie des G-BA geprüft: „Zytomegalie", „Cytomegalie" und „CMV" kommen darin kein einziges Mal vor.3 Entsprechend die S2k-Leitlinie: „Die Bestimmung des CMV-Serostatus ist aktuell in Deutschland keine Regelleistung."4 Das Bundesgesundheitsministerium wird praxisnäher: Die Kassen „sind nicht verpflichtet, die Kosten des Tests zu übernehmen. Einige tun das trotzdem – es lohnt sich also nachzufragen."1
Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine Abwägung: Es gibt keinen Impfstoff,1 die antivirale Behandlung Schwangerer wird ausdrücklich nicht empfohlen,2 und ein auffälliger Befund erzeugt Unsicherheit, ohne dass daraus zwingend eine Handlung folgt.
⚠️ Die deutsche Fachwelt weicht inzwischen von dieser Kassenlogik ab. Die S2k-Leitlinie vom April 2025 empfiehlt: „Die Bestimmung des aktuellen CMV-Infektionsstatus sollte Frauen mit unklarem CMV-Status bei Feststellung der Schwangerschaft angeboten werden" – und soll vor künstlicher Befruchtung erfolgen.4 Begründung: Nur wer weiß, dass er seronegativ ist, profitiert nachweislich von der Hygieneberatung.4
Der Zeitpunkt entscheidet – anders, als man denkt
Eine Metaanalyse mit 2.942 Feten zeigt eine Umkehr: Die Übertragungsrate steigt im Lauf der Schwangerschaft (21,0 % perikonzeptionell, 36,8 % im ersten, 40,3 % im zweiten, 66,2 % im dritten Trimenon), das Schädigungsrisiko fällt dagegen steil ab (19,3 % bei Übertragung im ersten Trimenon, 0,9 % im zweiten, 0,4 % im dritten).8 Kurz: früh selten übertragen, aber folgenreich – spät häufig, aber meist folgenlos. Und 85 bis 90 Prozent der konnatal infizierten Kinder sind bei Geburt symptomfrei.4
Hygiene: die wirksamste Maßnahme, die es gibt
Weil es keine Impfung gibt, ist Hygiene die Prävention – und sie kann das Risiko einer Primärinfektion laut S2k-Leitlinie mindestens halbieren.4 Die Regeln richten sich fast vollständig auf Speichel und Urin von Kindern unter drei Jahren:42
- keine Essensreste von Kleinkindern aufessen, kein gemeinsames Besteck, keine gemeinsamen Tassen, Handtücher oder Zahnbürsten; Schnuller nicht ablecken;
- keine Küsse auf speichelbenetzte Gesichtsbereiche – Umarmen und Küsse auf Stirn oder Kopf sind problemlos möglich;
- Hände etwa 20 Sekunden mit warmem Wasser und Seife waschen nach Windelwechsel, Füttern, Naseputzen und Tränenabwischen;
- Spielzeug, Wickelauflagen und Arbeitsflächen reinigen, die mit Speichel oder Urin in Kontakt kamen.
Die Fachgesellschaften betonen zugleich: Ein Ausschluss virusausscheidender Kinder von Kita oder Schule ist nicht geboten.2 Es geht um Handgriffe, nicht um Ausgrenzung.
Immunsuppression und Transplantation
Bei geschwächter Abwehr – nach Organ- oder Stammzelltransplantation, unter immunsuppressiver Therapie, bei fortgeschrittener HIV-Infektion – kann das latente Virus reaktivieren und Lunge, Leber, Darm oder Netzhaut schädigen.2 Hier taugt die Serologie nicht zur Verlaufskontrolle: Gemessen wird die Viruslast per PCR oder das Antigen pp65. Bei CMV-Erkrankung empfiehlt das RKI eine wöchentliche Kontrolle der Viruslast; bei Therapieversagen folgt eine Resistenztestung der Gene UL97 und UL54.2 Das Nähere legt das transplantierende Zentrum fest.
Gesunde Erwachsene: das „Pfeiffer-Bild ohne EBV"
Bei immungesunden Menschen verläuft eine CMV-Primärinfektion meist asymptomatisch oder mit unspezifischen Beschwerden: Fieber, Lymphknotenschwellungen, Mattigkeit.24 Das erinnert an das Pfeiffersche Drüsenfieber – und CMV ist tatsächlich einer der wichtigsten Erreger eines mononukleoseartigen Bildes bei negativer EBV-Serologie, neben HHV-6, HIV, Adenoviren und Toxoplasmen.9 Typisch sind eine Lymphozytose im großen Blutbild mit veränderten Lymphozyten und Leukozyten sowie erhöhte Leberwerte – GPT, GOT, oft Gamma-GT und Bilirubin –, während CRP und die übrigen Entzündungswerte nur mäßig steigen. Gelegentlich fallen die Thrombozyten ab.
Solche Verläufe heilen von selbst aus; asymptomatische Immunkompetente werden ausdrücklich nicht virostatisch behandelt.2 Und CMV ist kein Tumormarker.
Neugeborene: gibt es ein Screening?
Nein. Die S2k-Leitlinie stellt klar: „Ein labordiagnostisches CMV-Screening aller Neugeborenen ist nicht etabliert."4 Getestet wird gezielt – bei Auffälligkeiten, die zu einer cCMV-Infektion passen, und wenn das Neugeborenen-Hörscreening auch in der Kontrolle auffällig bleibt.4 Nachgewiesen wird per PCR aus Speichel oder Urin, frühestmöglich und bis zum Ende der dritten Lebenswoche, weil sich danach eine angeborene nicht mehr von einer nachgeburtlich erworbenen Infektion unterscheiden lässt.42 Rückwirkend lässt sich die Trockenblutfilterkarte untersuchen.4 Das zählt, weil die cCMV-Infektion bis zu 25 Prozent der frühkindlichen Schwerhörigkeiten verursacht und 10 bis 15 Prozent der bei Geburt symptomfreien Kinder später eine Hörstörung entwickeln.4
Meldepflicht, Blutspende, Kosten
Meldepflicht: „In Deutschland besteht keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht gemäß IfSG."2 Ausnahme sind „ergänzende Verordnungen in Sachsen" – dort wurden 2021 zehn Fälle konnataler CMV-Infektion gemeldet.24 Deshalb existieren bundesweit nur Schätzungen.
Blutspende und Transfusion: Eine verpflichtende Testung von Blut- und Plasmaspenden auf CMV gibt es nicht: Nach der vorgeschriebenen Leukozytenfiltration gelten die Präparate als CMV-sicher. Für nicht leukozytendepletierbare Produkte – Granulozyten- und Lymphozytenpräparate – empfiehlt der Arbeitskreis Blut des RKI eine CMV-PCR. Stammzellspender werden auf CMV-DNA und Antikörper getestet, Spenderorgane auf Antikörper.2
Kosten: Bei medizinischem Anlass ist die Diagnostik Kassenleistung. Die EBM-Beträge (3/2026) sind die Vergütung von Praxis oder Labor, keine Rechnung an Sie:10
| Leistung (EBM-Ziffer) | Bewertung |
|---|---|
| CMV-Antikörper (32602) | 9,02 € |
| CMV-IgM-Antikörper (32603) | 8,92 € |
| CMV-Antigennachweis (32784) | 17,02 € |
| CMV-Nukleinsäurenachweis, u. a. bei Verdacht auf konnatale Infektion (32831) | 18,31 € |
| Quantitative CMV-DNA bei Transplantierten oder Immundefizienz (32818) | 40,94 € |
| Genotypische CMV-Resistenztestung (32820) | 260,00 € |
Bemerkenswert: Einen eigenen EBM-Zuschlag für die Aviditätsbestimmung gibt es nur bei Toxoplasma (32573, 23,83 €) – für CMV führt der Katalog keine entsprechende Ziffer.10 Ohne medizinischen Anlass, etwa als reiner Statustest bei Kinderwunsch, ist die CMV-Serologie eine IGeL.41
Müssen Sie nüchtern sein?
Nein. Antikörper, Antigene und Virus-DNA verändern sich nicht durch eine Mahlzeit; maßgeblich bleibt die Angabe auf Ihrer Überweisung. Wichtiger sind zwei andere Angaben: das mögliche Ansteckungsdatum und, bei Schwangeren, die Schwangerschaftswoche. Ohne sie lässt sich ein CMV-Befund nicht zu Ende lesen.2
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„CMV-IgG positiv" ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit – und beunruhigt trotzdem. Sinn ergibt der Befund erst zusammen mit IgM, Avidität, Zeitpunkt und Ihrer Situation: schwanger, immunsupprimiert oder schlicht gesund.
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Aktuelle Forschung
Aus aktuellen, in PubMed indexierten Arbeiten:
- Der Zeitpunkt sagt mehr als der Titer. Die Übertragung nimmt mit der Schwangerschaftsdauer zu, schwere fetale Schäden folgen aber fast nur auf eine Infektion im ersten Trimenon.8
- Valaciclovir als Sekundärprävention. Eine Metaanalyse individueller Patientendaten aus drei Studien mit 527 Frauen fand nach hochdosierter Gabe bei früher Primärinfektion eine niedrigere Übertragungsrate (adjustierte Odds Ratio 0,34) und weniger neonatale Infektionen (0,30), bei 2,1 % schweren Nebenwirkungen. Der Einsatz gehört in spezialisierte Zentren.11
- Behandlung symptomatischer Neugeborener. Eine randomisierte Studie mit 96 Neugeborenen verglich eine sechsmonatige mit einer sechswöchigen Valganciclovir-Therapie: Hören und Sprachentwicklung fielen nach 12 und 24 Monaten besser aus, um den Preis engmaschiger Kontrollen.12
- Serologie hat Grenzen. Unterschiedliche Kinetiken von IgM-Abfall und Aviditätsreifung führen zu Fehldatierungen, wenn nur eine Probe untersucht wird.6
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Vorsorge. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen das ärztliche Gespräch nicht.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein positives CMV-IgG? Dass Sie das Virus durchgemacht haben und es lebenslang latent bleibt.1 Bei rund der Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ist das so – ein Befund, kein Krankheitszeichen.2
Ist CMV-IgM positiv gleich frische Infektion? Nein. IgM können über ein Jahr und länger persistieren, bei Reaktivierungen erneut auftreten und durch andere Virusinfektionen falsch positiv werden. Der alleinige IgM-Nachweis reicht laut RKI nicht aus.2
Wozu dient der Aviditätstest? Er datiert die Infektion: niedrige Avidität spricht für eine Infektion in den vergangenen etwa drei Monaten, hohe dagegen. Bei erstmaligem IgM-Nachweis in der Schwangerschaft soll er zwingend erfolgen.2
Wird in Deutschland in der Schwangerschaft auf CMV getestet? Nicht routinemäßig: Die Mutterschafts-Richtlinie erwähnt CMV nicht.3 Die S2k-Leitlinie von 2025 empfiehlt aber, den Test bei unklarem Status anzubieten; die Kassen sind zur Übernahme nicht verpflichtet, manche zahlen dennoch.41
Wie schütze ich mich in der Schwangerschaft? Ein Impfstoff ist nicht verfügbar,21 also durch Hygiene beim Umgang mit Speichel und Urin von Kindern unter drei Jahren: keine Essensreste, kein geteiltes Besteck, keine Küsse auf speichelbenetzte Gesichtsbereiche, gründliches Händewaschen nach Windelwechsel und Naseputzen. Das kann das Risiko mindestens halbieren.4
Muss ich damit rechnen, gemeldet zu werden? Nein. Für CMV besteht bundesweit keine Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz; ergänzende Verordnungen bestehen nur in Sachsen.2
Werden Neugeborene in Deutschland auf CMV untersucht? Nicht flächendeckend – ein Screening aller Neugeborenen ist nicht etabliert. Getestet wird gezielt bei passenden Auffälligkeiten oder nach wiederholt auffälligem Hörscreening, per PCR aus Speichel oder Urin bis zum Ende der dritten Lebenswoche.4
Kann eine CMV-Infektion wie Pfeiffersches Drüsenfieber aussehen? Ja. Fieber, Lymphknotenschwellungen und erhöhte Leberwerte bei negativer EBV-Serologie sind ein typisches Bild; CMV zählt zu den häufigsten Ursachen eines solchen mononukleoseartigen Verlaufs.9 Bei Immungesunden heilt er von selbst aus.2
Zum Mitnehmen
CMV-positiv zu sein ist in Deutschland fast die Regel: Rund 46 bis 47 Prozent der Blutspender und Schwangeren tragen IgG-Antikörper, und das Virus bleibt lebenslang latent.21 Merken Sie sich drei Sätze: IgG heißt alter Kontakt, IgM allein beweist nichts – es kann über ein Jahr persistieren –, und die Avidität datiert, nicht der Titer.2 Gewicht hat der Befund nur in der Schwangerschaft, bei Immunsuppression und beim Neugeborenen; dort übernimmt die PCR. Ein Screening sieht die Mutterschafts-Richtlinie nicht vor,3 die Fachleitlinie empfiehlt seit 2025 immerhin, den Test anzubieten4 – und die wirksamste Vorsorge bleibt eine Handvoll Hygienegriffe rund um Kleinkinder. Den Zusammenhang stellt AI DiagMe her, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
Deutsche Richtliniengeber und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
Footnotes
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Bundesministerium für Gesundheit – gesund.bund.de: Cytomegalievirus-Infektion (CMV-Infektion): „Das CMV verbleibt nach der erstmaligen Ansteckung lebenslang in einem ‚Ruhezustand' im Körper"; knapp die Hälfte der untersuchten Blutspenderinnen und Blutspender mit CMV-Antikörpern; „In Deutschland haben mehr als die Hälfte aller Schwangeren und knapp ein Viertel aller nierentransplantierten Menschen keine Antikörper gegen das Cytomegalievirus"; „Etwa jede 200. Frau steckt sich während der Schwangerschaft erstmals mit CMV an"; kein Impfstoff verfügbar; „Gemäß den derzeitig gültigen Mutterschaftsrichtlinien sind die gesetzlichen Krankenkassen nicht verpflichtet, die Kosten des Tests zu übernehmen. Einige tun das trotzdem – es lohnt sich also nachzufragen"; Hygieneempfehlungen zu Händewaschen nach Windelwechsel, Füttern, Tränenabwischen und Naseputzen; „Menschen mit einem gesunden Immunsystem benötigen bei einer CMV-Infektion in der Regel keine spezifische Behandlung". gesund.bund.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9
-
Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Zytomegalievirus-Infektion, Stand 24. Oktober 2023 (Erstveröffentlichung Epidemiologisches Bulletin 3/2014): CMV als humanes Herpesvirus 5 mit Latenz in hämatopoetischen Stammzellen und Monozyten; fehlende repräsentative Seroprävalenzdaten für die deutsche Allgemeinbevölkerung; Seroprävalenz von 46 % bei 24.260 Blutspendern in Gießen 1992–2002 und jährliche Serokonversionsrate von 0,55 %; Seroprävalenz bei Schwangeren ca. 47 %, bei Nierentransplantierten 77 %; Serokonversion bei seronegativen Schwangeren in Deutschland und Frankreich 0,5 %; Virusausscheidung über Tränenflüssigkeit, Speichel, Urin, Genitalsekret, Muttermilch und Blut; Kleinkinder bis zum 3. (teils 8.) Lebensjahr als Reservoir; Inkubationszeit 4–6 Wochen; Serokonversion als beweisender Befund, IgG-Avidität mit niedriger Avidität bei Infektion in den vergangenen etwa drei Monaten, zwingende Aviditätsbestimmung bei erstmaligem IgM-Nachweis in der Schwangerschaft, IgM-Persistenz bis zu einem Jahr und länger, begrenzter Nutzen der PCR aus mütterlichem Blut; quantitative PCR und pp65-Antigenämie bei Immunsupprimierten mit wöchentlichem Therapiemonitoring und Resistenztestung der Gene UL97/UL54; keine virostatische Behandlung asymptomatischer Immunkompetenter und keine Empfehlung zur Behandlung Schwangerer; Hygienemaßnahmen, kein Ausschluss virusausscheidender Kinder von Kita oder Schule; keine verpflichtende CMV-Testung von Blut- und Plasmaspenden wegen der verpflichtenden Leukozytenfiltration, CMV-PCR-Empfehlung des Arbeitskreises Blut für nicht leukozytendepletierte Präparate, Testung von Stammzellspendern auf CMV-DNA und Antikörper sowie von Spenderorganen auf Antikörper; „In Deutschland besteht keine krankheits- oder erregerspezifische Meldepflicht gemäß IfSG", ergänzende Verordnungen in Sachsen. rki.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24 ↩25 ↩26 ↩27 ↩28 ↩29 ↩30 ↩31 ↩32 ↩33 ↩34 ↩35 ↩36 ↩37 ↩38 ↩39 ↩40 ↩41
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Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt (Mutterschafts-Richtlinie/Mu-RL), Fassung vom 21. September 2023, in Kraft getreten am 19. Dezember 2023: Der Richtlinientext enthält keinerlei Erwähnung von Zytomegalie, Cytomegalie oder CMV; vorgesehen sind nach § 1 Absatz 7 Nummer 3 sowie § 4 serologische Untersuchungen auf Lues und Hepatitis B, ein freiwilliger HIV-Antikörpertest und Rötelnantikörper nur bei Schwangeren ohne dokumentierte zweimalige Impfung, Toxoplasmose nur bei begründetem Verdacht. Volltext maschinell auf die Zeichenfolgen „Zytomegal", „Cytomegal" und „CMV" geprüft: kein Treffer. g-ba.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
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Gesellschaft für Virologie (GfV), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) u. a. – S2k-Leitlinie Prävention, Diagnostik und Therapie der CMV-Infektion bei Schwangeren und der konnatalen CMV-Infektion bei Neugeborenen und Kindern, AWMF-Register-Nr. 093-003, Langfassung, Stand April 2025: Kapitel 1.1.2 (cCMV in Deutschland außer in Sachsen nicht meldepflichtig, dort 10 gemeldete Fälle im Jahr 2021; 40–50 % der Schwangeren CMV-seropositiv; CMV-Primärinfektion bei 1–2 % der Schwangeren; 0,2–0,6 % aller Neugeborenen mit cCMV-Infektion, entsprechend 1.500–4.500 Kindern bei rund 750.000 Geburten jährlich), Kapitel 1.2 (85–90 % der cCMV-Infektionen bei Geburt asymptomatisch, bis zu 25 % der frühkindlichen Schwerhörigkeiten cCMV-bedingt, late-onset-SNHL bei 10–15 % der bei Geburt asymptomatischen Kinder), Abschnitt 2.1.1 Fragestellung 3 (Hinweis „Die Bestimmung des CMV-Serostatus ist aktuell in Deutschland keine Regelleistung"; Empfehlung A: Angebot der Statusbestimmung bei unklarem CMV-Status zu Beginn der Schwangerschaft; Empfehlung B: Hygieneregeln zu Speichel und Urin von Kindern unter drei Jahren, 20 Sekunden Händewaschen, keine Küsse auf speichelbenetzte Gesichtsbereiche, kein geteiltes Besteck, Reinigung von Spielzeug und Flächen; Empfehlung D: präkonzeptionelle Statusbestimmung vor assistierter Reproduktion; Halbierung des Primärinfektionsrisikos durch Hygienemaßnahmen), Abschnitt 2.2.1 (kein etabliertes labordiagnostisches CMV-Screening aller Neugeborenen; gezielte Testung bei Auffälligkeiten und bei wiederholt pathologischem Neugeborenen-Hörscreening; Abschluss der Abklärung bis Ende der dritten Lebenswoche; Untersuchung der Trockenblutfilterkarte des Neugeborenen-Screenings). register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23
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Enders G, Daiminger A, Lindemann L, Knotek F, Bäder U, Exler S, Enders M. Cytomegalovirus (CMV) seroprevalence in pregnant women, bone marrow donors and adolescents in Germany, 1996-2010. Med Microbiol Immunol, 2012 – 40.324 Schwangere und 31.093 Knochenmarkspender über 15 Jahre; CMV-IgG-Seroprävalenz bei Schwangeren (15–50 Jahre) insgesamt 42,3 %, bei 15- bis 25-Jährigen 55,6 %; signifikanter Rückgang von 44,3 % (1996–2000) über 42,8 % (2001–2005) auf 40,9 % (2006–2010); deutliche Abhängigkeit vom sozioökonomischen Status. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Sarasini A, Arossa A, Zavattoni M et al. Pitfalls in the Serological Diagnosis of Primary Human Cytomegalovirus Infection in Pregnancy Due to Different Kinetics of IgM Clearance and IgG Avidity Index Maturation. Diagnostics (Basel), 2021 – unterschiedliche Kinetiken von IgM-Verschwinden und Aviditätsreifung als Ursache von Fehldatierungen der Primärinfektion in der Schwangerschaft. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Ssentongo P, Hehnly C, Birungi P et al. Congenital Cytomegalovirus Infection Burden and Epidemiologic Risk Factors in Countries With Universal Screening: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Netw Open, 2021 – 77 Studien mit 515.646 Neugeborenen aus Universalscreening-Programmen; gepoolte Geburtsprävalenz der konnatalen CMV-Infektion 0,67 % (95%-KI 0,54–0,83), in einkommensstarken Ländern 0,48 % und in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen 1,42 %; niedrigere Nachweisraten bei Screening aus Blut gegenüber Urin oder Speichel. PubMed · DOI ↩
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Chatzakis C, Ville Y, Makrydimas G, Dinas K, Zavlanos A, Sotiriadis A. Timing of primary maternal cytomegalovirus infection and rates of vertical transmission and fetal consequences. Am J Obstet Gynecol, 2020 – Metaanalyse aus 17 Studien; gepoolte Transmissionsraten (10 Studien, 2.942 Feten) von 5,5 % präkonzeptionell, 21,0 % perikonzeptionell, 36,8 % im ersten, 40,3 % im zweiten und 66,2 % im dritten Trimenon; gepoolte Raten fetaler Schädigung im Fall einer Übertragung von 19,3 % (erstes Trimenon), 0,9 % (zweites) und 0,4 % (drittes); sensorineurale Hörstörung 22,8 % nach Infektion im ersten Trimenon. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Hurt C, Tammaro D. Diagnostic evaluation of mononucleosis-like illnesses. Am J Med, 2007 – Übersicht zu heterophil-negativen mononukleoseartigen Krankheitsbildern; als Erreger werden Zytomegalievirus, humanes Herpesvirus 6, HIV, Adenoviren, Herpes-simplex-Virus, Streptococcus pyogenes und Toxoplasma gondii genannt. Internationale Übersichtsarbeit, ergänzend herangezogen, weil keine gleichwertige deutsche Primärquelle zu dieser Differenzialdiagnose vorliegt. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 3/2026: Gebührenordnungspositionen 32602 (Cytomegalievirus-Antikörper, 9,02 €), 32603 (Cytomegalievirus-IgM-Antikörper, 8,92 €), 32784 (Antigennachweis Cytomegalievirus, 17,02 €), 32818 (quantitative Bestimmung der CMV-DNA zur Diagnostik einer CMV-Reaktivierung bei organtransplantierten oder immundefizienten Patienten beziehungsweise im Rahmen einer antiviralen Therapie, 40,94 €), 32820 (genotypische CMV-Resistenztestung mit Untersuchung der Gene UL97 und UL54, 260,00 €), 32831 (Nukleinsäurenachweis von Zytomegalie-Virus bei organtransplantierten Patienten, bei Verdacht auf eine kongenitale CMV-Infektion oder bei konkreter therapeutischer Konsequenz bei immundefizienten Patienten, 18,31 €); ein Aviditäts-Zuschlag ist ausschließlich für Toxoplasma-IgG-Antikörper vorgesehen (32573, 23,83 €), eine entsprechende Ziffer für die CMV-IgG-Avidität führt der Katalog nicht. kbv.de ↩ ↩2
-
Chatzakis C, Shahar-Nissan K, Faure-Bardon V et al. The effect of valacyclovir on secondary prevention of congenital cytomegalovirus infection, following primary maternal infection acquired periconceptionally or in the first trimester of pregnancy. An individual patient data meta-analysis. Am J Obstet Gynecol, 2024 – drei Studien mit 527 Frauen; Reduktion der vertikalen Transmission (adjustierte Odds Ratio 0,34; 95%-KI 0,18–0,61) und der neonatalen Infektion (adjustierte Odds Ratio 0,30; 95%-KI 0,19–0,47); Prävalenz schwerer Nebenwirkungen 2,1 %. PubMed · DOI ↩
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Kimberlin DW, Jester PM, Sánchez PJ et al. Valganciclovir for symptomatic congenital cytomegalovirus disease. N Engl J Med, 2015 – randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 96 Neugeborenen mit symptomatischer konnataler CMV-Erkrankung; Vergleich einer sechsmonatigen mit einer sechswöchigen Valganciclovir-Therapie; besseres Gesamtgehör nach 12 Monaten (73 % gegenüber 57 %) und nach 24 Monaten (77 % gegenüber 64 %) sowie bessere Sprachentwicklungswerte nach 24 Monaten; relevante Neutropenien als Nebenwirkung. PubMed · DOI ↩