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Woraus besteht Blut?

Blut besteht aus zwei Teilen: einer Flüssigkeit, dem Blutplasma (≈ 55 %), und den Blutzellen (≈ 45 %) — roten Blutkörperchen, weißen Blutkörperchen und Blutplättchen.1 Hier sehen Sie die Anteile auf einen Blick, dazu jeden Bestandteil im Einzelnen, seine Aufgabe, wo Blut gebildet wird und welche Laborwerte ihn messen.

Aktualisiert am 17. August 2026Herausgegeben von Smart Medical Care SAS
55 %Plasma44 %Rote Blutkörperchen
Blut ≈ 55 % Blutplasma + 45 % Blutzellen, darunter die dünne Leukozytenmanschette („Buffy Coat“) aus weißen Blutkörperchen und Blutplättchen (< 1 %). Orientierungswerte bei Erwachsenen.1

Blutplasma

≈ 55 % des Volumens

Blassgelbe Flüssigkeit (≈ 90 % Wasser), die Zellen, Nährstoffe, Hormone, Abbauprodukte und Eiweiße wie das Albumin transportiert.

Gemessen mit: Gesamteiweiß, Albumin, Elektrolyte …

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)

≈ 44 % (Hämatokrit)

Erythrozyten bringen mithilfe des Hämoglobins den Sauerstoff zu den Organen. Sie sind mit Abstand die häufigsten Zellen.

Gemessen mit: Blutbild, Hämoglobin, Hämatokrit, MCV

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)

< 1 % (Buffy Coat)

Leukozyten wehren Infektionen ab und tragen die Immunantwort.

Gemessen mit: Blutbild (Leukozyten, Differenzialblutbild), CRP

Blutplättchen (Thrombozyten)

< 1 % (Buffy Coat)

Thrombozyten sorgen für die Blutgerinnung und stillen Blutungen, indem sie den Pfropf bilden.

Gemessen mit: Blutbild (Thrombozyten), Gerinnungswerte

Zwei große Teile: Plasma und Zellen

Lässt man ein Blutröhrchen stehen — oder zentrifugiert man es —, trennt sich das Blut in zwei Schichten. Oben steht das Blutplasma, eine hellgelbe, leicht trübe Flüssigkeit aus über 90 % Wasser, die Eiweiße (darunter das Albumin), Elektrolyte, Hormone, Nährstoffe und Abbauprodukte transportiert. Unten sammeln sich die festen Bestandteile — die Blutzellen. Ihr Volumenanteil heißt Hämatokrit und liegt bei Erwachsenen orientierend zwischen 36 und 48 % (Frauen) beziehungsweise 40 und 53 % (Männern).12

Dazwischen liegt eine dünne, weißliche Zwischenschicht: die Leukozytenmanschette, im Labor meist „Buffy Coat“ genannt. Sie besteht aus den Leukozyten und den Thrombozyten, die zusammen weniger als 1 % des Volumens ausmachen — und trotzdem die gesamte Abwehr und die Blutstillung tragen.1

Die vier Bestandteile im Detail

Das Blutplasma ist das Transportmedium des Blutes. Es besteht zu über 90 % aus Wasser und enthält Hunderte Eiweiße — das häufigste ist das Albumin.1 Albumin hält den kolloidosmotischen Druck aufrecht, der das Wasser in den Gefäßen zurückhält, und transportiert Hormone, Medikamente und Fettsäuren; sein Wert gilt zugleich als Hinweis auf den Allgemeinzustand.8 Im Plasma zirkulieren außerdem die Faktoren der Blutgerinnung und fast alle Werte, die das Labor in der klinischen Chemie bestimmt.

Die Erythrozyten sind die häufigsten Zellen: 4 bis 6 Millionen pro Mikroliter. Ihre bikonkave Scheibenform und ihre verformbare Membran lassen sie noch die engsten Kapillaren passieren, und sie sind randvoll mit Hämoglobin, dem eisenhaltigen Eiweiß, das den Sauerstoff bindet. Ist der Bau dieser Membran gestört, entstehen bestimmte Formen der Blutarmut.5

Sehr viel seltener, aber unentbehrlich: die Leukozyten. Unterschieden werden die Granulozyten (neutrophile, eosinophile, basophile), die Lymphozyten und die Monozyten — aufgeschlüsselt werden sie im Differentialblutbild.3 Die einen tragen die angeborene Abwehr (schnell, unspezifisch), die anderen die erworbene Abwehr (gezielt, mit Gedächtnis) — gemeinsam mit den Antikörpern des Plasmas.

Die Thrombozyten sind die kleinsten Bestandteile des Blutes (150.000–400.000 pro Mikroliter) und genau genommen keine ganzen Zellen, sondern kernlose Zellbruchstücke.4 Bei der kleinsten Verletzung eines Gefäßes haften sie an, werden aktiv und verklumpen zu einem ersten Pfropf; anschließend läuft die Gerinnungskaskade an, die das Gerinnsel festigt. Über die Blutstillung hinaus wirken sie auch an Entzündung und Infektabwehr mit.6

Orientierungswerte (Erwachsene)

BestandteilOrientierender Referenzbereich
ErythrozytenFrauen 4,1 – 5,1 · Männer 4,5 – 5,9 Mio/µl
Hämoglobin (Hb)Frauen 11,5 – 16,0 · Männer 13,5 – 17,8 g/dl
Hämatokrit (Hkt)Frauen 36 – 48 % · Männer 40 – 53 %
Leukozyten4.000 – 10.000/µl (4 – 10 G/l)
Thrombozyten150.000 – 400.000/µl

Orientierungswerte für Erwachsene; die Grenzen unterscheiden sich von Labor zu Labor sowie nach Alter und Geschlecht. Verbindlich ist immer der Bereich, der neben Ihrem eigenen Ergebnis steht. Viele deutsche Befunde geben das Hämoglobin zusätzlich in mmol/l an: 12 g/dl entsprechen rund 7,4 mmol/l.24

Wie wird das alles gemessen?

Die Standarduntersuchung ist das Blutbild. In Deutschland wird dabei zwischen kleinem und großem Blutbild unterschieden — eine Einteilung, die es in dieser Form in anderen Ländern nicht gibt. Das kleine Blutbild zählt die Zellen und misst Hämoglobin, Hämatokrit und die Erythrozyten-Indizes (MCV, MCH und MCHC); das große Blutbild ist das kleine plus Differentialblutbild.3 Nicht enthalten sind Cholesterin, Leberwerte, CRP oder Hormone — die müssen eigens angefordert werden. Das Plasma ist dafür der Träger fast aller klinisch-chemischen Werte (Blutzucker, Cholesterin, Elektrolyte …). Für das Blutbild müssen Sie nicht nüchtern sein; nüchtern kommen müssen Sie nur wegen bestimmter Serumwerte. Zum Einordnen einzelner Ergebnisse helfen unsere Normalwerte-Tabelle und die Ratgeber nach Blutwert.

Wozu dient das Blut?

Blut ist ein Transport- und Abwehrnetz zugleich. Seine wichtigsten Aufgaben:

  • Sauerstoff transportieren — von der Lunge zu allen Organen, und das Kohlendioxid zurück; möglich macht das Hämoglobin der roten Blutkörperchen.15
  • Nährstoffe (Zucker, Fette, Vitamine) und Hormone in jedes Gewebe bringen — und Abbauprodukte zu Nieren und Leber abtransportieren.1
  • Den Körper verteidigen, über die weißen Blutkörperchen und die Antikörper des Plasmas.1
  • Blutungen stillen — mit den Thrombozyten und den Gerinnungsfaktoren.6
  • Regulieren: die Körpertemperatur — Blut ist mit rund 38 °C etwas wärmer als die Körperoberfläche — und den Säure-Basen-Haushalt (pH-Wert).1

Wo wird Blut gebildet?

Alle festen Bestandteile des Blutes entstehen aus gemeinsamen Vorläuferzellen, den blutbildenden Stammzellen; beim Erwachsenen geschieht das vor allem im Knochenmark.1 Eine einzige Stammzelle kann über fein gesteuerte Zwischenschritte jede Zellreihe hervorbringen — die rote, die weiße und die thrombozytäre.7 Diese Zellen leben nicht lange und werden ständig ersetzt: Ein rotes Blutkörperchen lebt etwa 120 Tage und wird danach in Knochenmark, Milz oder Leber abgebaut, manche weiße Blutkörperchen halten nur Tage.1 Gerät eine Zellreihe aus dem Gleichgewicht, zeigt das meist zuerst das große Blutbild.

Blutgruppe: AB0 und Rhesus

Nicht jedes Blut ist gleich: Auf der Oberfläche der Erythrozyten sitzen Antigene, die Ihre Blutgruppe bestimmen. Zwei Systeme prägen die Praxis: das AB0-System (A, B, AB und 0 — im Deutschen wird die Null geschrieben, nicht das lateinische O) und das Rhesussystem (RhD positiv oder negativ). In Deutschland sind A Rhesus positiv (37 %) und 0 Rhesus positiv (35 %) am häufigsten; rund 85 % der Bevölkerung sind Rhesus positiv.9 Beide Systeme entscheiden über die Verträglichkeit bei einer Bluttransfusion0 negativ gilt als Universalspender für Erythrozytenkonzentrate — und sie zählen in der Schwangerschaft, Stichwort Anti-D-Prophylaxe.

Eine Besonderheit, die viele überrascht: Ihre Blutgruppe steht nicht im Blutbild. Außerhalb von Schwangerschaft, Operation und Transfusion wird sie nicht routinemäßig bestimmt. Und die Bestimmung ist erst dann vollständig, wenn neben den Merkmalen der Erythrozyten auch die Serumgegenprobe untersucht wurde — so verlangt es die Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer.10

Wie viel Blut haben wir?

Die Blutmenge hängt vor allem von Größe und Gewicht ab: Ein etwa 70 Kilogramm schwerer Mensch hat rund 5 bis 6 Liter Blut.1 Die wenigen Milliliter je Röhrchen, die bei einer Blutabnahme entnommen werden, sind davon verschwindend wenig: Sie leeren den Körper nicht, und der Verlust wird rasch ausgeglichen. Zum Vergleich: Bei einer Vollblutspende werden 500 Milliliter abgenommen — nach Angaben der DRK-Blutspendedienste etwa zehn Prozent der gesamten Blutmenge eines Erwachsenen, und selbst das gilt bei gesunden Spenderinnen und Spendern als unbedenklich.9

Häufige Fragen

Woraus besteht Blut, kurz gesagt?

Aus Blutplasma (≈ 55 %, überwiegend Wasser und Eiweiße) und aus Blutzellen (≈ 45 %): rote Blutkörperchen (bei Weitem die häufigsten), weiße Blutkörperchen und Blutplättchen.

Wie hoch ist der Plasmaanteil im Blut?

Rund 55 % des Volumens. Der Rest sind die Zellen — ganz überwiegend die roten Blutkörperchen, deren Anteil Hämatokrit heißt: etwa 36–48 % bei Frauen und 40–53 % bei Männern.

Wo werden die Blutzellen gebildet?

Im Knochenmark, aus gemeinsamen Vorläuferzellen — den blutbildenden Stammzellen. Diesen Vorgang nennt man Hämatopoese.1

Was ist der Unterschied zwischen Plasma und Serum?

Das Plasma ist der flüssige Teil des ungeronnenen Blutes; das Serum ist das, was nach der Gerinnung übrig bleibt — also ohne Fibrinogen. Deshalb entscheidet das Blutröhrchen mit darüber, was messbar ist. Mehr dazu im Ratgeber Blutplasma.

Welcher Bestandteil ist am häufigsten?

Die Erythrozyten (roten Blutkörperchen), und zwar mit großem Abstand: 4 bis 6 Millionen pro Mikroliter, gegenüber einigen Tausend weißen Blutkörperchen.

Hinweis. Diese Orientierungswerte dienen der Information und Aufklärung. Die Werte hängen vom Labor, vom Alter und vom Geschlecht ab; die Beurteilung Ihrer Befunde liegt bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

  1. 1

    IQWiG / gesundheitsinformation.de — „Was macht das Blut?“ (55 % Plasma und 45 % Blutzellen, über 90 % Wasser im Plasma, 5–6 Liter Blut bei rund 70 kg, Lebensdauer der roten Blutkörperchen, Blutbildung im Knochenmark). · gesundheitsinformation.de

  2. 2

    IQWiG / gesundheitsinformation.de — Laborwerte „Erythrozyten“, „Hämoglobin“ und „Hämatokrit“ (Referenzbereiche für Frauen und Männer, Angabe in g/dl und mmol/l). · Erythrozyten · Hämoglobin · Hämatokrit

  3. 3

    IQWiG / gesundheitsinformation.de — „Leukozyten (weiße Blutkörperchen)“: Abgrenzung von kleinem Blutbild, Differential-Blutbild und großem Blutbild, Referenzbereich der Leukozyten. · gesundheitsinformation.de

  4. 4

    Miesbach W, Stratmann J, Alesci RS, et al. — „Differenzialdiagnose der Thrombozytopenie“. Deutsches Ärzteblatt International, 2025 (Referenzbereich 150.000–400.000/µl). · aerzteblatt.de · PubMed

  5. 5

    Risinger M, Kalfa TA. — „Red cell membrane disorders: structure meets function“. Blood, 2020. · PubMed · DOI

  6. 6

    Gremmel T, Frelinger AL, Michelson AD. — „Platelet Physiology“. Seminars in Thrombosis and Hemostasis, 2024. · PubMed · DOI

  7. 7

    Laurenti E, Göttgens B. — „From haematopoietic stem cells to complex differentiation landscapes“ (Hämatopoese). Nature, 2018. · PubMed · DOI

  8. 8

    Manolis AA, Manolis TA, Melita H, et al. — „Low serum albumin: a neglected predictor in patients with cardiovascular disease“ (Aufgaben des Albumins). European Journal of Internal Medicine, 2022. · PubMed · DOI

  9. 9

    DRK-Blutspendedienste — „Verteilung von Blutgruppen“ (A Rh-positiv 37 %, 0 Rh-positiv 35 %, rund 85 % Rhesus positiv) und „Blutspende-Menge: Wie viel Blut spendet man?“ (500 ml Vollblut ≈ zehn Prozent der Blutmenge eines Erwachsenen). · drk-blutspende.de · blutspende.de

  10. 10

    Bundesärztekammer im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut — „Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie)“, Gesamtnovelle 2023, Abschnitt 4.4.6: die Blutgruppenbestimmung ist nur vollständig, wenn Erythrozytenmerkmale und Serumeigenschaften untersucht wurden. · bundesaerztekammer.de