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Gesamtcholesterin: Normalwerte, zu hoch, zu niedrig

Richtwert unter 200 mg/dl (5,17 mmol/l). Warum die Summe aus LDL und HDL allein wenig aussagt – und wo sie in deutschen Risikoscores trotzdem gebraucht wird.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Das Gesamtcholesterin ist die erste Zahl, die auf dem Laborbefund ins Auge fällt – und die einzige im Lipidprofil, die gar keinen eigenen Stoff misst. Es ist eine Summe aus dem LDL-Cholesterin, das Ablagerungen in den Arterien verursacht, und dem HDL-Cholesterin, das eher schützt – zwei Fraktionen mit entgegengesetzter Bedeutung. Derselbe Zahlenwert kann bei zwei Menschen deshalb zwei völlig verschiedene Risiken bedeuten. Dieser Ratgeber erklärt, welche Werte als Richtschnur gelten, was ein zu hohes und ein zu niedriges Gesamtcholesterin bedeuten – und vor allem, wofür dieser Wert in Deutschland tatsächlich noch gebraucht wird. Den Überblick über das ganze Lipidprofil finden Sie unter Blutfettwerte.

Auf einen Blick

  • Richtwert: unter 200 mg/dl (5,17 mmol/l), für Frauen und Männer gleich;1 epidemiologisch rechnet man in Deutschland mit 190 mg/dl (4,92 mmol/l).2
  • Die Summe ist das Problem: Ein „normaler" Wert kann ein hohes LDL bei niedrigem HDL verbergen – und umgekehrt.1
  • Die hausärztliche S3-Leitlinie der DEGAM sagt es unmissverständlich: Das Überschreiten der Schwelle für einen einzelnen Risikofaktor wie das Gesamtcholesterin sagt ohne Gesamtschau zu wenig über das kardiovaskuläre Risiko aus.3
  • Trotzdem unverzichtbar: Alle drei in Deutschland gebräuchlichen Risikoscores brauchen es – arriba und PROCAM direkt, SCORE2 über das Non-HDL-Cholesterin.345
  • Non-HDL-Cholesterin = Gesamtcholesterin − HDL. Eine einzige Subtraktion, kein Nüchternsein nötig.6
  • Häufig: Rund zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland liegen über 190 mg/dl; mehr als die Hälfte weiß nichts davon.2
  • Teil des Check-up 35 – und Mahlzeiten beeinflussen den Wert kaum.71

Warum das Gesamtcholesterin eine Summe ist

Cholesterin ist kein Abfallstoff, sondern ein Baustoff für Zellmembranen, Vitamin D und Hormone; nur etwa ein Drittel stammt aus der Nahrung, den größeren Teil stellt die Leber selbst her.1 Weil Fett sich nicht in Blut löst, reist es verpackt in Lipoproteinen – und die beiden wichtigsten tun das Gegenteil voneinander: Das LDL lagert Cholesterin im Überschuss in die Gefäßwand ein, das HDL transportiert es zurück zur Leber. Das Gesamtcholesterin misst beides zusammen, plus den Anteil in triglyceridreichen Partikeln.

Genau daran scheitert die Zahl allein. Das IQWiG formuliert es so klar, wie man es selten liest: „Das Gesamtcholesterin allein ist jedoch wenig aussagekräftig."1

Zwei Befunde, zwei Schlussfolgerungen

Person APerson B
Gesamtcholesterin200 mg/dl (5,17 mmol/l)231 mg/dl (5,98 mmol/l)
LDL145 mg/dl128 mg/dl
HDL38 mg/dl85 mg/dl
Non-HDL162 mg/dl146 mg/dl

Person A landet exakt auf dem Richtwert, Person B liegt deutlich darüber – und doch trägt A die größere atherogene Last: Bei A stammt der Wert vom LDL, bei B vom HDL. Sichtbar macht das erst die letzte Zeile, das Non-HDL-Cholesterin.

Ein Gesamtcholesterin „im Normbereich" ist also keine Entwarnung, solange Sie LDL und HDL nicht gesehen haben. Und ein erhöhtes ist kein Urteil, sondern eine Frage: Woraus besteht es?

Wofür das Gesamtcholesterin trotzdem gebraucht wird

Der Wert ist nicht überholt – er hat nur eine andere Aufgabe bekommen: Er ist keine Diagnose mehr, sondern eine Rechengröße.

In den Risikoscores – auch dem, der in deutschen Hausarztpraxen läuft

Die S3-Leitlinie „Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention" (AWMF 053-024) schreibt bewusst keinen einzelnen Score vor und nennt drei, die an deutschen Populationen entwickelt oder validiert wurden – arriba, die ESC-Charts (SCORE2) und den PROCAM-Test. Für das Beratungsgespräch selbst soll in der Hausarztpraxis dann das arriba-Instrument eingesetzt werden.3 Und das Gesamtcholesterin steckt in allen dreien:3

ScoreLipid-EingabeAltersbereich
arriba HerzGesamtcholesterin + HDL-Cholesterin30–90 Jahre
SCORE2 / SCORE2-OPNon-HDL-Cholesterin40–69 bzw. 70–89 Jahre
PROCAM-TestGesamt- oder LDL-Cholesterin, HDL, Triglyceride20–75 Jahre

Warum arriba nicht das LDL nimmt, erklären seine Entwickler selbst: „Die Framingham-Formel ist sowohl für das LDL- wie das Gesamtcholesterin aufgestellt worden. Die Ergebnisse sind identisch, da beide hoch miteinander korrelieren. Wir haben uns der Einfachheit halber wie auch wegen der breiteren Bekanntheit bei Patienten für das Gesamtcholesterin entschieden."4 Eine bewusste Entscheidung für Verständlichkeit – kein Versäumnis; wichtig sei, dass das HDL im Modell mitberücksichtigt werde.4 In einer Auswertung der Study of Health in Pomerania erreichte arriba eine c-Statistik von 0,84 und lag damit auf dem Niveau von SCORE-Deutschland und PROCAM.83

SCORE2, auf das die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie verweist, rechnet mit fünf Größen – Alter, Geschlecht, Blutdruck, Non-HDL-Cholesterin und Rauchstatus – und ordnet Deutschland dem Länderkorb mit „moderatem" Risiko zu.59

Als Baustein des Non-HDL-Cholesterins

Das Non-HDL-Cholesterin ist die Summe aller atherogenen Partikel – und es entsteht durch eine einzige Subtraktion:

Non-HDL-Cholesterin = Gesamtcholesterin − HDL-Cholesterin

Ohne Gesamtcholesterin gäbe es diesen Wert nicht. Gegenüber dem klassisch berechneten LDL braucht er keine Nüchternheit und keine Formel, die bei hohen Triglyceriden unzuverlässig wird. Die europäischen Leitlinien führen ihn deshalb als Ziel- und Risikogröße, besonders bei Diabetes und erhöhten Triglyceriden – neben dem Apolipoprotein B.610

Beim Verdacht auf eine familiäre Hypercholesterinämie

Hier löst das Gesamtcholesterin für sich genommen eine Konsequenz aus. Die Simon-Broome-Kriterien, die die DEGAM-Leitlinie abdruckt, beginnen mit: Gesamtcholesterin über 290 mg/dl (über 7,5 mmol/l) oder LDL-Cholesterin über 190 mg/dl (über 5,0 mmol/l); Erwachsene, die die Kriterien erfüllen, sollen zu einer spezialisierten Abklärung überwiesen werden.3 Etwa 2 bis 5 von 1 000 Menschen haben eine familiäre Hypercholesterinämie – bei ihnen ist das Cholesterin schon von Kindheit an erhöht, unabhängig von der Ernährung.1 Ein sehr hoher Wert ist deshalb kein Grund für Selbstvorwürfe, sondern ein Anlass, auch die Familie in den Blick zu nehmen.

Werte: was gilt als normal?

Das IQWiG nennt als Orientierung unter 200 mg/dl (5,17 mmol/l) – für Frauen und Männer über 18 Jahren identisch.1 Umrechnung: mg/dl × 0,0259 = mmol/l, umgekehrt mmol/l × 38,67 = mg/dl.2

mg/dlmmol/lEinordnung
unter 190unter 4,92europäische Schwelle für „erhöht"2
unter 200unter 5,17Referenzwert der deutschen Patienteninformation1
ab 240ab 6,2in der deutschen Berichterstattung stark erhöht2
über 290über 7,5Prüfkriterium für eine familiäre Hypercholesterinämie3

Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens gibt es keinen Schwellenwert unabhängig vom Gesamtrisiko: Ob ein Wert Handlungsbedarf bedeutet, entscheiden Alter, Blutdruck, Rauchen, Diabetes und Vorerkrankungen mit – deshalb arbeiten die europäischen Empfehlungen mit risikoabhängigen Zielwerten statt mit einem für alle gültigen Normbereich.3610 Zweitens steigen die oberen Normwerte mit dem Alter.3 Drittens messen Labore unterschiedlich: maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.1

Wie verbreitet hohe Werte in Deutschland sind

Die Zahlen stammen aus der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) des Robert Koch-Instituts: 56,6 % der Männer und 60,5 % der Frauen zwischen 18 und 79 Jahren liegen über 190 mg/dl, 17,9 % beziehungsweise 20,3 % über 240 mg/dl; das mittlere Gesamtcholesterin beträgt 200,1 mg/dl (5,17 mmol/l) bei Männern und 205,1 mg/dl (5,30 mmol/l) bei Frauen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen weiß nichts von ihrer Fettstoffwechselstörung.2 Mit dem Alter steigt der Anteil steil – bei Frauen von 34,2 % der 18- bis 29-Jährigen auf 90,0 % der 65- bis 79-Jährigen.3 Wenn zwei Drittel einer Bevölkerung „auffällig" sind, sagt das allerdings mehr über die Unschärfe der Schwelle aus als über zwei Drittel kranke Menschen.

Nüchtern oder nicht?

Für das Gesamtcholesterin ist Nüchternheit nicht zwingend: „Mahlzeiten beeinflussen den Cholesterinwert kaum", stellt das IQWiG fest. Empfohlen wird sie meist trotzdem, weil aus demselben Röhrchen Werte mitbestimmt werden, die nach dem Essen steigen – vor allem die Triglyceride und der Blutzucker. Dann gilt: acht Stunden nichts essen, stilles Wasser ist erlaubt.1 Dass Gesamt- und HDL-Cholesterin viel weniger von der letzten Mahlzeit abhängen als das LDL, ist auch der Grund, warum Bevölkerungsstudien wie DEGS1 mit diesen beiden Werten arbeiten können.2

Das Lipidprofil ist fester Bestandteil der Gesundheitsuntersuchung: Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sieht ab dem vollendeten 35. Lebensjahr alle drei Jahre „Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride)" und die Nüchternplasmaglucose vor.7 Das große Blutbild und das HbA1c gehören nicht dazu.

Gesamtcholesterin zu hoch: was dahinterstecken kann

Bevor über eine Behandlung gesprochen wird, sollen sekundäre Ursachen bedacht werden – so die DEGAM-Leitlinie, weil hier oft die Grunderkrankung das Eigentliche ist. Genannt werden unter anderem:31

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) – sie hebt Gesamtcholesterin, LDL, Lipoprotein(a) und Triglyceride an; unter Hormonersatz normalisieren sich die Werte;
  • exzessiver Alkoholkonsum und ein entgleister Diabetes mellitus – in einer Kohorte schwer behandelbarer Dyslipidämien die beiden häufigsten Ursachen (10 % bzw. 8 %);
  • nephrotisches Syndrom und chronische Nierenerkrankungen;
  • Lebererkrankungen, insbesondere eine Cholestase;
  • Medikamente: vor allem Thiaziddiuretika, außerdem hormonelle Verhütungsmittel, Betablocker und Kortisonpräparate;
  • Lebensstil: wenig Bewegung, einseitige Ernährung, Übergewicht, Alkohol, Rauchen;
  • genetische Ursachen, allen voran die familiäre Hypercholesterinämie;
  • physiologisch auch die Schwangerschaft, in der die Blutfette ansteigen.

Wie groß der Schilddrüseneffekt ist, zeigt eine Metaanalyse: Wird eine manifeste Hypothyreose mit Levothyroxin behandelt, sinkt das Gesamtcholesterin im Mittel um 58,4 mg/dl (rund 1,5 mmol/l).11 Ein erhöhter Wert kann also schlicht das Signal einer unbehandelten Schilddrüse sein – und verschwinden, sobald diese eingestellt ist.

Eine deutsche Besonderheit zur Verlaufskontrolle: Die DEGAM hält die wiederholte Messung von Gesamtcholesterin, HDL, LDL und Triglyceriden bei Menschen ohne Risikofaktoren für „wenig sinnvoll" – Lipidwerte ändern sich, anders als Blutdruck oder Blutzucker, im Verlauf kaum von selbst.3

Gesamtcholesterin zu niedrig

Ein niedriges Gesamtcholesterin ist selten und in aller Regel kein Grund für weitere Untersuchungen – kardiovaskulär ist es eher günstig.1 Es lohnt sich trotzdem, einen sehr niedrigen Wert ärztlich einordnen zu lassen, denn dahinter können stehen:1

  • eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose),
  • Lebererkrankungen,
  • chronische Infektionen,
  • Tumorerkrankungen,
  • Mangelernährung oder eine Aufnahmestörung im Darm,
  • oder schlicht eine hoch dosierte cholesterinsenkende Therapie – dann ist der niedrige Wert gewollt.

Auch hier liefert die Metaanalyse eine Größenordnung: Wird eine manifeste Hyperthyreose behandelt, steigt das Gesamtcholesterin um durchschnittlich 44,5 mg/dl (rund 1,15 mmol/l).11 Der niedrige Wert war also nicht das Problem, sondern dessen Anzeige. Entscheidend ist die Blickrichtung: Bei einer schweren Erkrankung ist ein niedriges Cholesterin meist Folge, nicht Ursache – es wird nicht „angehoben", sondern eingeordnet.

Wann Sie mit Ihrer Praxis sprechen sollten

Sprechen Sie einen auffälligen Wert an – nach oben wie nach unten – und lassen Sie sich dabei LDL und HDL mit vorlesen: Ohne diese beiden ist das Gesamtcholesterin nicht interpretierbar. Besonders lohnt das Gespräch bei einem Wert über 290 mg/dl (7,5 mmol/l), bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen in der Familie vor dem 55. (Männer) beziehungsweise 60. Lebensjahr (Frauen) oder wenn weitere Risikofaktoren dazukommen. Eine kardiovaskuläre Risikoberatung soll laut DEGAM ab dem 35. Lebensjahr angeboten werden – bei hohem familiärem Risiko einmalig schon zwischen 18 und 35.3 Ein erhöhtes Cholesterin macht im Übrigen keine Beschwerden; das ist der einzige Grund, warum es überhaupt gemessen wird.1

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Eine Summe liest man nicht allein: Die Bedeutung Ihres Werts ergibt sich erst aus LDL, HDL, Triglyceriden und Ihrem persönlichen Risiko (siehe Blutfettwerte).

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Aktuelle Forschung

Aus aktuellen, auf PubMed indexierten Publikationen:

  • Das LDL ist eine Ursache, nicht nur ein Begleitumstand. Ein Konsensuspapier der European Atherosclerosis Society kam nach Auswertung genetischer, epidemiologischer und klinischer Studien zu dem Schluss, dass LDL die atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung verursacht – abhängig von Höhe und Dauer der Belastung. Das erklärt, warum die Prävention am LDL ansetzt und nicht an der Summe.12
  • Und die Absenkung wirkt dauerhaft. Eine Metaanalyse von 60 randomisierten Studien mit über 400 000 Teilnehmenden fand pro 1 mmol/l LDL-Senkung (rund 39 mg/dl) etwa 22 % weniger schwere vaskuläre Ereignisse, stabil über die Zeit.13
  • Die europäischen Leitlinien wurden 2025 aktualisiert. Das Focused Update der ESC/EAS-Leitlinien schärft die Risikostratifizierung mit SCORE2 und SCORE2-OP und behält Non-HDL-Cholesterin und Apolipoprotein B als ergänzende Zielgrößen bei.106
  • Wo auch das Non-HDL an Grenzen stößt. In rund 294 000 Erwachsenen der UK Biobank korrelierte Apolipoprotein B sehr eng mit LDL und Non-HDL (r = 0,96), doch die Streubreite blieb so groß, dass die Zahl der atherogenen Partikel im Einzelfall abweichen kann.14 Für unklare Konstellationen kommen daher Apolipoprotein B und Lipoprotein(a) ins Spiel.

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Vorsorge. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.

Häufige Fragen

Welcher Gesamtcholesterinwert ist normal? Als Orientierung gilt unter 200 mg/dl (5,17 mmol/l), für Frauen und Männer gleich.1 Epidemiologisch wird in Deutschland zusätzlich mit 190 mg/dl (4,92 mmol/l) gearbeitet; ab 240 mg/dl (6,2 mmol/l) gilt der Wert als stark erhöht.2

Ein normales Gesamtcholesterin – kann ich beruhigt sein? Nicht automatisch: Die Zahl addiert Fraktionen mit gegensätzlicher Bedeutung. 200 mg/dl mit LDL 145 und HDL 38 ist ungünstiger als 231 mg/dl mit LDL 128 und HDL 85. Lassen Sie sich LDL und HDL immer mit nennen.

Warum steht das Gesamtcholesterin dann überhaupt auf dem Befund? Weil es gebraucht wird: arriba – das von der DEGAM empfohlene Instrument – rechnet direkt mit Gesamtcholesterin und HDL, PROCAM ebenfalls, und SCORE2 benutzt das Non-HDL-Cholesterin, das man nur aus dem Gesamtcholesterin gewinnt.34

Wie berechne ich mein Non-HDL-Cholesterin? Gesamtcholesterin minus HDL-Cholesterin: bei 231 mg/dl und 85 mg/dl HDL sind das 146 mg/dl. Der Wert braucht weder Nüchternheit noch eine Berechnungsformel.6

Ab wann ist ein Gesamtcholesterin zu hoch? Es gibt keine Schwelle, die unabhängig vom übrigen Risiko gilt: Laut DEGAM sagt das Überschreiten einer Einzelschwelle wie beim Gesamtcholesterin ohne Gesamtschau zu wenig über das kardiovaskuläre Risiko aus. Eine Ausnahme ist ein Wert über 290 mg/dl (7,5 mmol/l) – er gehört auf eine familiäre Hypercholesterinämie abgeklärt.3

Muss ich für den Cholesterinwert nüchtern sein? Für das Gesamtcholesterin nicht zwingend. Weil meist Triglyceride und Nüchternglucose mitbestimmt werden, wird Nüchternheit (etwa acht Stunden) trotzdem meist empfohlen.1

Was bedeutet ein zu niedriges Gesamtcholesterin? Meist nichts Bedrohliches. Selten steht eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Lebererkrankung, eine chronische Infektion, eine Tumorerkrankung oder eine Mangelernährung dahinter – oder eine hoch dosierte Therapie, dann ist der Wert gewollt.1 Abklären lassen: ja. Anheben: nein.

Das Wichtigste in Kürze

Merken Sie sich eine Zahl – unter 200 mg/dl (5,17 mmol/l) – und einen Satz: Das Gesamtcholesterin ist eine Summe, und Summen verbergen ihre Bestandteile. Ein Wert im Normbereich schließt ein hohes LDL bei niedrigem HDL nicht aus; ein Wert darüber kann von einem hohen, schützenden HDL kommen. Was zählt, ist die Zusammensetzung – und Ihr kardiovaskuläres Gesamtrisiko, nicht die Zahl für sich. Abgeschrieben ist der Wert trotzdem nicht: Ohne ihn gäbe es weder das Non-HDL-Cholesterin noch eine Risikoschätzung mit arriba oder SCORE2, und über 290 mg/dl (7,5 mmol/l) ist er ein eigenständiger Anlass, an eine familiäre Hypercholesterinämie zu denken. Nach unten ist er fast immer harmlos. Den Sinn ergibt erst das Gesamtbild – genau dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Richtliniengeber und Institutionen sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed):

Footnotes

  1. IQWiG / Gesundheitsinformation.de – Cholesterin, aktualisiert am 20. März 2025: Referenzbereich unter 200 mg/dl bzw. unter 5,17 mmol/l für Frauen und Männer über 18 Jahren, „Das Gesamtcholesterin allein ist jedoch wenig aussagekräftig", Einfluss von Mahlzeiten, Ursachen erhöhter und erniedrigter Werte, familiäre Hypercholesterinämie bei 2 bis 5 von 1 000 Menschen, Hinweis auf laborabhängige Referenzbereiche. gesundheitsinformation.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

  2. Scheidt-Nave C, Du Y, Knopf H, Schienkiewitz A, Ziese T, Nowossadeck E, Gößwald A, Busch MA (Robert Koch-Institut). Verbreitung von Fettstoffwechselstörungen bei Erwachsenen in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2013. Mittelwerte 200,1 mg/dl (Männer) und 205,1 mg/dl (Frauen), Schwellen 190 und 240 mg/dl, Gesamtprävalenz 64,5 % bzw. 65,7 %, Umrechnungsfaktor 38,67 mg/dl = 1 mmol/l. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7 8

  3. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) – S3-Leitlinie Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention, AWMF-Register-Nr. 053-024 (Langfassung Version 2.3, Stand November 2024, gültig bis November 2029; Kurzversion 08/2025): Aussagekraft einzelner Risikofaktoren wie des Gesamtcholesterins nur in der Gesamtschau, Tabelle 3 zu den Scores arriba/SCORE2/PROCAM und ihren Prädiktoren, Empfehlung des arriba-Instruments für die hausärztliche Beratung, Risikoberatung ab 35 Jahren, Ursachen der sekundären Hypercholesterinämie, Simon-Broome- und DLCN-Kriterien der familiären Hypercholesterinämie, Bewertung wiederholter Lipidmessungen. register.awmf.org 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

  4. arriba-Hausarzt (Institut für Allgemeinmedizin, Philipps-Universität Marburg u. a.) – Framingham-Formel in arriba: Begründung der Wahl des Gesamtcholesterins anstelle des LDL-Cholesterins und Berücksichtigung des HDL-Cholesterins im Risikofaktoren-Modell. arriba-hausarzt.de 2 3 4

  5. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) / herzmedizin.de – SCORE2 bestimmt das Risiko einer Herz-Erkrankung: fünf Risikofaktoren (Alter, Geschlecht, Blutdruck, Non-HDL-Cholesterin, Nikotinkonsum), Altersbereiche von SCORE2 (40–69 Jahre) und SCORE2-OP (70–89 Jahre), Einordnung Deutschlands in die Gruppe mit moderatem Risiko. herzmedizin.de 2

  6. Mach F, Baigent C, Catapano AL, et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. European Heart Journal, 2020. PubMed · DOI 2 3 4 5

  7. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie), Anlage 1: „Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride)" und Nüchternplasmaglucose ab dem vollendeten 35. Lebensjahr alle drei Jahre, zwischen 18 und 35 Jahren einmalig bei entsprechendem Risikoprofil. g-ba.de 2

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  9. SCORE2 working group and ESC Cardiovascular risk collaboration. SCORE2 risk prediction algorithms: new models to estimate 10-year risk of cardiovascular disease in Europe. European Heart Journal, 2021. PubMed · DOI

  10. Mach F, Koskinas KC, Roeters van Lennep JE, et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Atherosclerosis, 2025. PubMed · DOI 2 3

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