Alkalische Phosphatase erhöht: Leber oder Knochen?
Normal sind 35–104 U/l bei Frauen und 40–129 U/l bei Männern. Warum die AP kein reiner Leberwert ist und die Gamma-GT verrät, woher die Erhöhung stammt.
Die alkalische Phosphatase (AP) steht auf fast jedem Laborbefund – und wird fast immer für einen reinen Leberwert gehalten. Genau das ist der häufigste Irrtum. Das IQWiG beschreibt sie als „ein Enzym, das in allen Geweben vorkommt", besonders in Leber, Knochen und Dünndarm, bei Schwangeren zusätzlich in der Plazenta.1 Daraus folgt zweierlei: Ein erhöhter AP-Wert bei einem Jugendlichen im Wachstumsschub oder im letzten Schwangerschaftsdrittel ist in aller Regel kein Krankheitszeichen,1 und die entscheidende Frage lautet nicht „wie hoch?", sondern „woher?" – Leber oder Knochen. Dieser Ratgeber erklärt die altersabhängigen Normalwerte, den Standardreflex mit der Gamma-GT, die Cholestase und die oft übersehene zu niedrige AP. Die AP gehört zu den Leberwerten.
Auf einen Blick
- Die AP ist kein reiner Leberwert: Sie stammt aus Knochen, Leber und Gallenwegen, Darm und – in der Schwangerschaft – aus der Plazenta.12
- Referenzwerte für Erwachsene (IQWiG, ab 18 Jahren): Frauen 35–104 U/l, Männer 40–129 U/l.1
- Bei Kindern und Jugendlichen liegen die Obergrenzen um ein Vielfaches höher – bei Jungen zwischen 13 und 15 Jahren bis 468 U/l. Ursache ist die Osteoblastentätigkeit im Knochenwachstum, nicht eine Krankheit.2
- Leber oder Knochen? Die deutsche Osteoporose-Leitlinie führt AP und Gamma-GT bewusst als Paar im Basislabor: Eine erhöhte Gamma-GT spricht für eine hepatisch bedingte AP-Erhöhung.3
- Bei der primär biliären Cholangitis (PBC) ist die erhöhte AP eines von drei Diagnosekriterien der DGVS-Leitlinie – und zugleich der Wert, an dem das Therapieansprechen gemessen wird.4
- Eine zu niedrige AP wird häufig übersehen. Sie kann auf Medikamente, Mangelzustände oder eine Hypophosphatasie (HPP) hinweisen; die Osteoporose-Leitlinie nennt sie ausdrücklich als Warnzeichen.35
Was die alkalische Phosphatase ist
Die AP ist eine Enzymfamilie, die Phosphatgruppen abspaltet. „Alkalisch" beschreibt dabei nur die Messbedingung im Labor – das Enzym arbeitet im basischen Milieu am besten. Mit einer Krankheit hat der Name nichts zu tun.
Im Serum unterscheidet man mehrere strukturelle Genotypen: den Leber-Knochen-Nieren-Typ, den intestinalen Typ, den plazentaren Typ und eine Keimzellvariante; nachweisbar ist das Enzym unter anderem in Osteoblasten, Hepatozyten, Nieren, Plazenta und Dünndarm.2 Beim gesunden Erwachsenen speist sich der Wert im Wesentlichen aus zwei Quellen: Leber und Knochen.
Der Befund zeigt Ihnen jedoch nur die Gesamt-AP – die Summe aller Herkünfte. Eine einzelne Zahl sagt deshalb nie, aus welchem Organ das Enzym stammt. Genau deshalb zählt der Kontext: Alter, Schwangerschaft, Medikamente und die Werte daneben.
Warum die AP gemessen wird
Die typischen Anlässe in der deutschen Praxis:
- Abklärung von Leber und Gallenwegen, insbesondere bei Verdacht auf eine Cholestase – einen gestörten Abfluss der Galle. Erhöhte Aktivitäten treten „bei allen Formen der Cholestase, besonders bei Verschlussikterus" auf.2 Gelesen wird die AP dabei neben Gamma-GT, Bilirubin und den Transaminasen GOT und GPT.
- Beurteilung des Knochenstoffwechsels: Die S3-Leitlinie des Dachverbands Osteologie führt die AP zusammen mit Serumkalzium, Serumphosphat, Gamma-GT, Nierenfunktion, Blutbild, CRP, BSG, TSH und der Eiweißelektrophorese im Basislabor der Osteoporose-Diagnostik.3
Muss man nüchtern sein?
Hier gehen die Angaben deutscher Labore auseinander: Das Hamburger Labor Dr. Fenner verlangt für die AP ausdrücklich, dass „die Blutentnahme … nüchtern (ca. 12 Stunden Nahrungskarenz) erfolgen" soll,6 andere Häuser führen sie ohne Nüchternheitsauflage. Praktisch heißt das: Halten Sie sich an den Zettel Ihres Labors. Meist wird die AP ohnehin mit Werten abgenommen, die nüchtern bestimmt werden – etwa Blutzucker oder die Cholesterinwerte.
Alkalische Phosphatase: Normalwerte nach Alter
Die folgenden Referenzbereiche stammen aus dem Leistungsverzeichnis eines deutschen Labors (Methode: Farbtest nach IFCC-Standard) und decken sich für Erwachsene mit den IQWiG-Angaben.21 Maßgeblich bleibt immer der Bereich, der auf Ihrem Befund gedruckt ist.
| Alter | männlich | weiblich |
|---|---|---|
| 0 – 14 Tage | 83 – 248 U/l | 83 – 248 U/l |
| 15 Tage – < 1 Jahr | 122 – 469 U/l | 122 – 469 U/l |
| 1 – < 10 Jahre | 142 – 335 U/l | 142 – 335 U/l |
| 10 – < 13 Jahre | 129 – 417 U/l | 129 – 417 U/l |
| 13 – < 15 Jahre | 116 – 468 U/l | 57 – 254 U/l |
| 15 – < 17 Jahre | 82 – 331 U/l | 50 – 117 U/l |
| 17 – < 19 Jahre | 55 – 149 U/l | 45 – 87 U/l |
| Erwachsene | 40 – 129 U/l | 35 – 104 U/l |
Warum die Zahlen bei Kindern so hoch sind
„Einen starken Aktivitätsanstieg der alkalischen Phosphatase kann man zeitweise bei Kindern und Jugendlichen beobachten. Er wird durch vermehrte Osteoblastentätigkeit infolge beschleunigten Knochenwachstums verursacht."2 Ein Wert von 400 U/l ist bei einem 14-jährigen Jungen normal und bei seiner Mutter erklärungsbedürftig. Die Tabelle zeigt auch, warum ab der Pubertät das Geschlecht zählt: Mädchen wachsen früher aus, ihre Werte fallen früher.
Umrechnung: U/l × 0,0167 = µkat/l.2 Die Erwachsenenwerte entsprechen 0,58–1,73 µkat/l (Frauen) und 0,67–2,15 µkat/l (Männer).1
⚠️ Referenzbereiche sind methodenabhängig. Ein anderes deutsches Labor gibt für Erwachsene 46–116 U/l an – ohne Trennung nach Geschlecht.6 Zwei korrekte Labore, zwei verschiedene Bereiche: Vergleichen Sie Ihren Wert nie mit der Tabelle eines fremden Befunds.
Alkalische Phosphatase erhöht: Leber oder Knochen?
Das ist die eigentliche Frage – und in Deutschland wird sie mit einem sehr einfachen Reflex beantwortet: Man schaut auf die Gamma-GT.
Die S3-Leitlinie des Dachverbands Osteologie führt AP und Gamma-GT nicht zufällig als Paar im Basislabor. Zur Gamma-GT vermerkt sie als Differenzialdiagnose ausdrücklich: „↑ DD hepatisch bedingter AP-Erhöhung".3 Übersetzt in die Praxis:
- AP erhöht + Gamma-GT erhöht → eher Leber und Gallenwege. Die Gamma-GT kommt im Knochen nicht vor; steigt sie mit, spricht das für eine hepatobiliäre Ursache, typischerweise eine Cholestase.
- AP erhöht + Gamma-GT normal → eher Knochen. Dann rücken Wachstum, Osteomalazie, ein heilender Bruch, ein Morbus Paget, ein Hyperparathyreoidismus oder eine Knochenbeteiligung in den Blick.12
Dieser Reflex ersetzt keine Diagnose – aber er erklärt, warum bei erhöhter AP fast immer zuerst die Gamma-GT nachgesehen wird.
Die Leberseite: Cholestase und PBC
Bei einer Cholestase staut sich die Galle – durch einen Stein, eine Entzündung, ein Medikament oder eine Erkrankung der kleinen Gallenwege. Die AP steigt hier oft früher und deutlicher als das Bilirubin.
Am klarsten zeigt sich das bei der primär biliären Cholangitis (PBC), einer chronischen Entzündung der kleinen Gallenwege. Die deutsche S3-Leitlinie der DGVS stellt die Diagnose beim Vorliegen von mindestens zwei von drei Kriterien: „a) erhöhte Cholestaseparameter und hier insbesondere eine erhöhte alkalische Phosphatase (AP), b) antimitochondriale Antikörper (AMA), insbesondere AMA-M2, oder PBC-spezifische antinukleäre Antikörper (ANA), c) typische Histologie".4 Die Erkrankung ist selten – die Prävalenz liegt je nach Region zwischen 1,9 und 40 pro 100 000 Einwohner –, betrifft in 90 % der Fälle Frauen und wird meist im fünften Lebensjahrzehnt diagnostiziert; zur Erstdiagnostik gehört ein abdomineller Ultraschall, um eine Verlegung der großen Gallenwege auszuschließen.4
Bei gesicherter PBC wird die AP zum Verlaufsparameter: Ein laborchemisches Ansprechen auf die Standardtherapie ist über Schwellen wie eine AP unter dem 1,5-Fachen des oberen Referenzwerts definiert.4 Häufiger Nebenbefund ist eine Hypercholesterinämie – auf deren Behandlung kann laut Leitlinie verzichtet werden, sofern keine weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren vorliegen. Ihre Cholesterinwerte und Ihr LDL-Cholesterin werden hier also anders gewichtet als sonst.4
Die Knochenseite und die Knochen-AP
Auf der Knochenseite steht die AP für Osteoblastenaktivität – also für Knochenaufbau und -umbau. Erhöhungen finden sich bei Skeletterkrankungen wie Morbus Paget, Hyperparathyreoidismus, Rachitis und Osteomalazie sowie bei Frakturen.2 Der Morbus Paget gilt als klassische Ursache einer isolierten AP-Erhöhung, ist aber selten und kommt in der medizinischen Ausbildung kaum vor – was zu Diagnoseverzögerungen führt.7
Wenn die Gesamt-AP die Frage nicht klärt, sieht die deutsche Osteoporose-Leitlinie als erweiterte Diagnostik ausdrücklich die AP-Isoenzyme vor – bei erhöhter wie bei erniedrigter AP, bei erhöhter zusätzlich gegebenenfalls eine Skelettszintigraphie.3 Damit lässt sich der Knochenanteil (die Knochen-AP, auch Ostase) vom Leberanteil trennen. Eine Übersichtsarbeit von 2025 empfiehlt dafür zwei Verfahren: Elektrophorese zur Ursachenklärung einer erhöhten Gesamt-AP und Knochen-AP-Immunoassays zur Verlaufskontrolle von Knochen- und Mineralstoffwechselstörungen.8 In der Routine wird die Isoenzym-Bestimmung in Deutschland nicht standardmäßig angefordert, sondern gezielt bei unklarem Befund.
Bedeutet eine hohe AP Krebs? Nein, nicht für sich genommen. Das IQWiG nennt Knochen- oder Lebermetastasen als eine mögliche Ursache unter mehreren – neben Gallenstau, aktivem Knochenstoffwechsel und Osteomalazie.1 Die weitaus häufigeren Erklärungen sind harmlos: Wachstum, Schwangerschaft, ein heilender Bruch, ein Vitamin-D-Mangel. Eine erhöhte AP ist kein Krebstest.
Alkalische Phosphatase zu niedrig
Dieser Teil des Befunds wird in der Praxis regelmäßig überlesen – zu Unrecht. Meist ist eine niedrige AP harmlos: Das IQWiG nennt Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut und die Einnahme der Antibabypille als Ursachen und hält fest, dass niedrige Werte „meist keine medizinische Bedeutung" haben und üblicherweise nur eine Kontrolle nach einigen Monaten erfordern.1 Eine Blutarmut sehen Sie im Hämoglobin und in den Erythrozyten.
Eine dauerhaft niedrige AP ist etwas anderes. Sie kann durch Medikamente (darunter antiresorptive Osteoporose-Therapien), Mangelernährung, Vitamin- und Mineralstoffmangel oder endokrine Erkrankungen bedingt sein; die häufigste genetische Ursache ist die Hypophosphatasie (HPP).9 Bei der HPP führen Varianten des ALPL-Gens – über 400 krankheitsassoziierte sind bekannt – zu einer verminderten Aktivität der gewebeunspezifischen AP, die für die Mineralisierung von Knochen und Zahnschmelz gebraucht wird. Das Bild reicht von verminderter Knochendichte über Stressfrakturen und muskuloskelettale Schmerzen bis zur Odontohypophosphatasie mit vorzeitigem Zahnverlust.5
Die deutsche Stufendiagnostik ist klar geordnet: auffällig niedrige AP → Kontrollmessung → Bestimmung von Pyridoxalphosphat (PLP, Vitamin B6), das bei HPP erhöht ist → gegebenenfalls molekulargenetische Analyse des ALPL-Gens.5 Wichtig für die Interpretation: Eine selbst gekaufte Vitamin-B6-Supplementierung verfälscht das PLP – die Halbwertszeit im Blut beträgt etwa 30 Tage.5 Auch die Osteoporose-Leitlinie schlägt bei erniedrigter AP genau diesen Weg vor: AP-Isoenzyme, Pyridoxal-5-Phosphat, gegebenenfalls Humangenetik.3
Wie häufig das ist, hat eine Auswertung aus Norddeutschland gezeigt: In 6 918 126 Messungen lagen 8,46 % unter 30 U/l; hochgerechnet zeigten 0,52 % (1:194) laborchemische Zeichen einer HPP – deutlich mehr als die geschätzte Prävalenz schwerer Formen von 1:100 000.105 Die deutsche Osteoporose-Leitlinie zieht daraus eine konkrete Konsequenz: Milde HPP-Formen sollten im Zweifel ausgeschlossen werden, bevor eine antiresorptive Therapie geplant wird, um „falsche Pfade im therapeutischen Management zu vermeiden".3 Hintergrund ist die Verbindung zu atypischen Femurfrakturen: In einer Serie von 72 Betroffenen hatte ein Viertel mindestens einen AP-Wert ≤ 40 U/l, meist unter antiresorptiver Therapie.11
Einflussfaktoren
Vieles verschiebt die AP, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt. Das IQWiG nennt natürlicherweise höhere Werte bei wachsenden Kindern, im letzten Drittel der Schwangerschaft und am Ende der Wechseljahre sowie – nach unten – Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut und orale Kontrazeptiva.1 Dazu kommen eine langjährige antiresorptive Therapie, die die AP senkt,3 und die verwendete Labormethode. Nennen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt eine Schwangerschaft, Ihre Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel – gerade Vitamin B6 verändert die Abklärung einer niedrigen AP.5
Aktuelle Forschung
Aus deutschen Leitlinien und aktuellen, auf PubMed indexierten Publikationen:
- Ein Algorithmus für den auffälligen AP-Wert. Eine narrative Übersichtsarbeit von 2025 in den Mayo Clinic Proceedings ordnet das gesamte Feld – Isoenzyme, Elektrophorese, Knochen-AP-Immunoassays, Gamma-GT – und schlägt ein strukturiertes Vorgehen für erhöhte wie erniedrigte Werte vor.8
- Kontinuierliche Kinder-Referenzkurven aus Deutschland. Aus 361 405 Messungen in sechs deutschen Universitätskliniken entstanden Perzentilkurven, die die AP stufenlos von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr beurteilen – gerade in der Pubertät, wo sich die Werte binnen Monaten ändern.12
- Niedrige AP ist häufiger als gedacht. Die norddeutsche Laborauswertung mit rund 6,9 Millionen Messungen legt nahe, dass milde Hypophosphatasie-Formen erheblich unterdiagnostiziert sind, und empfiehlt, bei niedriger AP automatisch PLP mitzubestimmen.10
- Normalisierte AP als Therapieziel bei PBC. Eine Auswertung von über 20 000 behandelten PBC-Patientinnen und -Patienten fand, dass eine normalisierte AP mit einem geringeren Risiko für Mortalität und klinische Ereignisse einherging – und dass nur etwa die Hälfte die Therapie über ein Jahr durchhält.13
Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Behandlung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.
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Eine AP ergibt allein keinen Sinn. Ihre Bedeutung hängt von Ihrem Alter, einer möglichen Schwangerschaft, Ihren Medikamenten und vor allem von den Werten daneben ab – Gamma-GT, Bilirubin, Kalzium, Vitamin D und den übrigen Leberwerten.
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Häufige Fragen
Welcher AP-Wert ist normal? Bei Erwachsenen ab 18 Jahren: Frauen 35–104 U/l, Männer 40–129 U/l.1 Kinder und Jugendliche haben deutlich höhere Werte – bei Jungen zwischen 13 und 15 Jahren reicht der Referenzbereich bis 468 U/l.2 Andere Labore geben andere Bereiche an, etwa 46–116 U/l für Erwachsene.6
Alkalische Phosphatase erhöht – was bedeutet das? Zuerst wird geklärt, woher das Enzym stammt. Ist die Gamma-GT mit erhöht, spricht das für eine hepatisch bedingte AP-Erhöhung;3 ist sie normal, rückt der Knochen in den Blick. Häufige harmlose Erklärungen sind Wachstum, Schwangerschaft und ein heilender Bruch.
Ist eine erhöhte AP ein Zeichen für Krebs? Nein, nicht für sich genommen. Knochen- oder Lebermetastasen sind eine mögliche Ursache unter mehreren – neben Gallenstau, aktivem Knochenstoffwechsel und Osteomalazie.1 Die AP ist kein Krebsfrüherkennungstest.
Ist eine erhöhte AP in der Schwangerschaft normal? Ja. Das IQWiG nennt natürlicherweise höhere Werte „im letzten Drittel der Schwangerschaft"; die Plazenta bildet eine eigene AP-Form.12
Was bedeutet eine zu niedrige alkalische Phosphatase? Meist wenig: Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut oder die Antibabypille kommen infrage, und niedrige Werte haben „meist keine medizinische Bedeutung".1 Bleibt die AP dauerhaft niedrig, gehört eine Hypophosphatasie in die Differenzialdiagnose – abgeklärt über Kontrollmessung, Pyridoxalphosphat und gegebenenfalls die ALPL-Genetik.53
Was ist die Knochen-AP? Der aus dem Knochen stammende Anteil, auch Ostase genannt. Er wird nicht routinemäßig bestimmt, sondern als AP-Isoenzym-Diagnostik bei unklarem Befund – laut deutscher Osteoporose-Leitlinie sowohl bei erhöhter als auch bei erniedrigter AP.3
Muss man für die AP nüchtern sein? Das unterscheidet sich je nach Labor – manche verlangen ausdrücklich rund 12 Stunden Nahrungskarenz.6 Richten Sie sich nach Ihrem Laborzettel; meist wird die AP ohnehin mit nüchtern zu bestimmenden Werten wie Blutzucker oder Triglyceriden abgenommen.
Wie hängt die AP mit den Nieren zusammen? Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann den Knochenstoffwechsel verändern (renale Osteopathie); deshalb steht im osteologischen Basislabor auch die Nierenfunktion – also Kreatinin beziehungsweise Cystatin C und die übrigen Nierenwerte.3
Das Wichtigste in Kürze
Die alkalische Phosphatase ist kein reiner Leberwert: Sie stammt aus Knochen, Leber und Gallenwegen, Darm und Plazenta. Merken Sie sich die Erwachsenenbereiche – Frauen 35–104 U/l, Männer 40–129 U/l – und drei Sätze: Bei Kindern, Jugendlichen und Schwangeren sind hohe Werte die Regel. Bei einer Erhöhung entscheidet die Gamma-GT die Frage Leber oder Knochen. Und eine dauerhaft niedrige AP ist ein eigener Befund, der eine Hypophosphatasie ins Spiel bringt – gerade vor einer Osteoporose-Therapie. Es zählt immer das Gesamtbild aus Leberwerten, Knochenstoffwechsel und Vorgeschichte. Dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
Deutsche Fachgesellschaften, Institutionen und Laboratorien sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed):
Footnotes
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IQWiG / Gesundheitsinformation.de – Alkalische Phosphatase (AP): „ein Enzym, das in allen Geweben vorkommt", Vorkommen in Leber, Knochen, Dünndarm und Plazenta; Referenzwerte ab 18 Jahren (Frauen 35–104 U/l bzw. 0,58–1,73 µkat/l; Männer 40–129 U/l bzw. 0,67–2,15 µkat/l); natürlicherweise höhere Werte bei wachsenden Kindern, im letzten Drittel der Schwangerschaft und am Ende der Wechseljahre; Ursachen erhöhter Werte (Gallenstau, aktiver Knochenstoffwechsel, Osteomalazie, Knochen- oder Lebermetastasen) und erniedrigter Werte (Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut, Antibabypille, Hypophosphatasie); „meist keine medizinische Bedeutung". gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14
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endokrinologikum / aesculabor Hamburg – Leistungsverzeichnis: Alkalische Phosphatase: alters- und geschlechtsspezifische Referenzbereiche (0–14 Tage bis 17–<19 Jahre sowie Erwachsene), Methode „Farbtest nach einer standardisierten Methode/IFCC", Umrechnungsfaktor U/l × 0,0167 = µkat/l, vier strukturelle Genotypen (Leber-Knochen-Nieren-Typ, intestinaler Typ, plazentaler Typ, Keimzellvariante), Erhöhung bei allen Formen der Cholestase und bei Skeletterkrankungen, „vermehrte Osteoblastentätigkeit infolge beschleunigten Knochenwachstums" bei Kindern und Jugendlichen. endokrinologikum-aesculabor.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11
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Dachverband Osteologie e. V. (DVO) – S3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr, AWMF-Registernummer 183-001, Version 2.1 (Kurzfassung, Stand 09/2023): Basislabor mit „Alkalische Phosphatase und Gamma-GT"; Gamma-GT „↑ DD hepatisch bedingter AP-Erhöhung"; AP „↓ möglicher Hinweis auf das Vorliegen einer Hypophosphatasie" und „↓ unter langjähriger antiresorptiver Therapie"; erweiterte Labordiagnostik bei AP ↑ (AP Iso-Enzyme, ggf. Skelettszintigraphie) und bei AP ↓ (AP Iso-Enzyme, Pyridoxal-5-Phosphat, ggf. Humangenetik); Ausschluss milder HPP-Formen vor antiresorptiver Therapie. leitlinien.dv-osteologie.org · Kurzfassung (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12
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Sebode M, Bantel H, Baumann U, et al. für die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) – S3-Leitlinie „Seltene Lebererkrankungen (LeiSe LebEr) – Autoimmune Lebererkrankungen von der Pädiatrie bis zum Erwachsenenalter", AWMF-Registernummer 021-027, Februar 2025; Z Gastroenterol 2025;63:604–688: Statement 3.1 (Diagnosekriterien der PBC), Prävalenz 1,9–40/100 000, 90 % Frauen, Diagnose meist im 5. Lebensjahrzehnt, Empfehlung 3.3 (abdomineller Ultraschall), Empfehlung 3.6 (PBC-assoziierte Hypercholesterinämie), laborchemisches Ansprechen AP < 1,5 × ULN. thieme-connect.com (PDF) · dgvs.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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LADR Der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen – Alkalische Phosphatase im Fokus, LADR informiert Nr. 388, 09/2025: ALPL-Gen und gewebeunspezifische AP, mehr als 400 krankheitsassoziierte Sequenzvarianten, geschätzte Prävalenz schwerer Formen 1:100 000, retrospektiv geschätzte Prävalenz 1:194, Stufendiagnostik (AP → Kontrollmessung → PLP → ALPL-Genetik), Störung der PLP-Interpretation durch Vitamin-B6-Supplemente (Halbwertszeit ca. 30 Tage), Enzymersatztherapie mit Asfotase alfa. ladr.de (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
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Labor Dr. Fenner & Kollegen MVZ, Hamburg – Analysenverzeichnis: Alkalische Phosphatase: Referenzwerte Erwachsene 46–116 U/l, Methode „Photometrie (37 °C, IFCC)", Präanalytik „Die Blutentnahme sollte nüchtern (ca. 12 Stunden Nahrungskarenz) erfolgen", klinische Indikation Diagnose und Verlaufsbeurteilung von Erkrankungen der Leber, Gallenwege und Knochen. fennerlabor.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
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Michou L, Brown JP. Advances in the genetics of Paget's disease of bone: from pathophysiology, diagnosis to clinical implications. Expert Rev Endocrinol Metab, 2025 Nov;20(6):513–526. Seltenheit des Morbus Paget und sein Fehlen in medizinischen Curricula als Ursache diagnostischer Verzögerungen. PubMed · DOI ↩
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Minisola S, Cipriani C, Colangelo L, Labbadia G, Pepe J, Magnusson P. Diagnostic Approach to Abnormal Alkaline Phosphatase Value. Mayo Clin Proc, 2025 Apr;100(4):712–728. Elektrophorese zur Abklärung erhöhter Gesamt-AP, Knochen-AP-Immunoassays zur Beurteilung und Verlaufskontrolle von Knochen- und Mineralstoffwechselstörungen. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Riancho JA. Diagnostic Approach to Patients with Low Serum Alkaline Phosphatase. Calcif Tissue Int, 2023 Mar;112(3):289–296. Erworbene Ursachen (Medikamente einschließlich Antiresorptiva, Mangelernährung, Vitamin- und Mineralstoffmangel, endokrine Erkrankungen); Hypophosphatasie als häufigste genetische Ursache. PubMed · DOI ↩
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Schmidt T, Schmidt C, Amling M, Kramer J, Barvencik F. Prevalence of low alkaline phosphatase activity in laboratory assessment: Is hypophosphatasia an underdiagnosed disease? Orphanet J Rare Dis, 2021 Oct 28;16(1):452. 6 918 126 Messungen eines norddeutschen Labors (2011–2016); 8,46 % < 30 U/l; 0,52 % (1:194) mit laborchemischen Zeichen einer HPP. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Zierk J, Arzideh F, Haeckel R, et al. Pediatric reference intervals for alkaline phosphatase. Clin Chem Lab Med, 2017 Jan 1;55(1):102–110. 361 405 Proben von 124 440 Patienten aus sechs deutschen Universitätskliniken und einem Laborverbund, IFCC-Methode; kontinuierliche Perzentilkurven von Geburt bis 18 Jahre. PubMed · DOI ↩
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