Prolaktin erhöht: Normalwerte, Ursachen und Deutung
Prolaktin-Normalwerte für Frau und Mann, Umrechnung ng/ml in mIU/l und warum Makroprolaktin und Stress bei der Blutentnahme den Wert falsch erhöhen.
Prolaktin ist das Milchbildungshormon der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit ist der Wert normalerweise niedrig. Ein erhöhtes Prolaktin (Hyperprolaktinämie) ist häufig – und meist harmloser, als der Laborzettel vermuten lässt: Es kann an Medikamenten liegen, an einer Schilddrüsenunterfunktion, am Stress der Blutentnahme selbst oder an einer reinen Laborfalle namens Makroprolaktin. Dieser Ratgeber erklärt Normalwerte, das Einheitenchaos zwischen ng/ml und mIU/l sowie die Ursachen erhöhter Werte bei Frau und Mann – und nimmt der häufigsten Sorge („Krebs?") ihre Schärfe. Prolaktin gehört zum Hormonstatus.
Das Wichtigste in Kürze
- Prolaktin wird in der Hypophyse gebildet und normalerweise durch Dopamin gebremst. Alles, was diese Bremse löst, hebt den Wert – deshalb sind Medikamente eine so häufige Ursache.12
- Orientierende Normalwerte eines deutschen Labors: Frauen 4,8–23,3 ng/ml, Männer 4,0–15,2 ng/ml. Maßgeblich ist immer der Bereich auf Ihrem Befund.3
- Ein einzelner erhöhter Wert beweist nichts. Schon die Aufregung vor der Nadel kann Prolaktin anheben; in Fallserien normalisierte sich der Wert bei über der Hälfte der Betroffenen bei einer ruhigen Zweitmessung.45
- Eine Makroprolaktinämie – eine große, biologisch unwirksame Prolaktinform – täuscht in bis zu einem Viertel der erhöhten Befunde eine Hyperprolaktinämie nur vor. Das Labor entlarvt sie durch PEG-Fällung.637
- Ein Prolaktinom ist ein gutartiger Hypophysentumor, kein Krebs, und spricht auf Tabletten (Dopaminagonisten) sehr gut an.78
- Eine Schilddrüsenunterfunktion hebt Prolaktin – deshalb gehört der TSH-Wert zu jeder Abklärung.910
Was ist Prolaktin?
Prolaktin (PRL) stammt aus dem Hypophysenvorderlappen, einer erbsengroßen Drüse an der Schädelbasis. Seine Hauptaufgabe: die Brustdrüse auf die Milchbildung vorzubereiten und nach der Geburt die Milchproduktion aufrechtzuerhalten. Zusätzlich hemmt es die Eierstockfunktion – deshalb haben stillende Frauen meist keine Regelblutung. Auch Männer bilden Prolaktin; eine erkennbare Funktion hat es bei ihnen nicht.7
Die Besonderheit liegt in der Steuerung. Die meisten Hypophysenhormone werden aus dem Hypothalamus angeschaltet. Prolaktin dagegen wird permanent gebremst – durch Dopamin. Fällt die Bremse weg, steigt der Wert.1 Das erklärt einen Großteil aller erhöhten Befunde: Zahlreiche Medikamente, allen voran Psychopharmaka, blockieren Dopamin.29 Der Wert steigt außerdem aus völlig normalen Gründen: in Schwangerschaft und Stillzeit, im Schlaf, bei körperlicher Arbeit und bei Stress.67
Warum wird Prolaktin bestimmt?
Prolaktin wird bestimmt, wenn Beschwerden auf ein hormonelles Ungleichgewicht oder auf die Hypophyse hindeuten:710
- Bei Frauen: unregelmäßige oder ausbleibende Regelblutung, Milchfluss außerhalb der Stillzeit (Galaktorrhoe), unerfüllter Kinderwunsch, nachlassende Libido.
- Bei Männern: Libidoverlust, Erektionsstörungen, Fruchtbarkeitsstörungen; auf Dauer nachlassender Bartwuchs und kleiner werdende Hoden – Folge sinkender Testosteron-Werte.9
- Bei beiden Geschlechtern: Verdacht auf einen Hypophysentumor (anhaltende Kopfschmerzen, seitliche Gesichtsfeldausfälle) oder Verlaufskontrolle eines bekannten Prolaktinoms.
Gemessen wird meist im Rahmen des Hormonstatus, zusammen mit Östradiol, FSH, LH und dem TSH-Wert. Die Kinderwunsch-Leitlinie von DGGG, OEGGG und SGGG führt Prolaktin und TSH als Basisdiagnostik bei Zyklusstörungen – und sieht eine MRT des Schädels ausdrücklich erst bei mehrfach erhöhten Spiegeln vor.10 Ein Einzelwert löst also keine Bildgebung aus.
Muss ich nüchtern zur Blutentnahme?
Nein. Nüchternheit ist nicht erforderlich. Entscheidend sind andere Bedingungen – und sie sind der wichtigste Teil dieses Ratgebers:
- Uhrzeit. Prolaktin ist im Schlaf am höchsten. Deutsche Laborlehrbücher empfehlen die Blutentnahme zwischen 8 und 10 Uhr morgens, wenn der nächtliche Gipfel abgeklungen ist.11 Die Leitlinie spricht von einer basalen morgendlichen Messung.9
- Ruhe vor der Entnahme. Schon Angst und Anspannung vor dem Stich heben Prolaktin. Eine Serienuntersuchung an 150 Patienten zeigte direkt bei der Punktion einen signifikant höheren Wert als in Proben, die über 60 Minuten gepoolt wurden.5
- Kein Brust-Tasten vorher. Nicht direkt nach einer gynäkologischen Untersuchung oder dem Prüfen auf Milchfluss abnehmen – auch die Palpation hebt den Wert.119
- Im Zweifel eine zweite Messung. Bei leicht erhöhten Werten ist eine wiederholte Bestimmung unter ruhigen Bedingungen üblich; klassisch sind drei Messungen im Abstand von 20 Minuten über eine liegende Verweilkanüle.11
Wie viel diese Regel bringt, zeigt eine systematische Übersicht von 2026: Von 1 700 Betroffenen mit leicht erhöhtem Prolaktin normalisierte sich der Wert bei 53,7 % in der Wiederholungsmessung – drei Viertel davon schon im ersten ruhigen Röhrchen.4 Die zweite Blutentnahme erspart also sehr real eine unnötige Kernspintomografie.
Normalwerte und Einheiten
Referenzbereiche hängen vom Testverfahren Ihres Labors ab – vergleichen Sie immer mit dem Bereich auf Ihrem Befund. Die folgenden Werte stammen aus dem Leistungsverzeichnis eines deutschen Labors:3
| Gruppe | Orientierender Bereich | Einheit |
|---|---|---|
| Frauen (nicht schwanger) | 4,8 – 23,3 | ng/ml (= µg/l) |
| Männer | 4,0 – 15,2 | ng/ml (= µg/l) |
| Schwangerschaft / Stillzeit | physiologisch deutlich erhöht – Referenzbereiche gelten hier nicht | – |
Das Einheitenchaos. Deutsche Befunde verwenden drei Schreibweisen. ng/ml und µg/l sind identisch – dieselbe Zahl, nur anders geschrieben. Die dritte Einheit, mIU/l (auch µIU/ml), liefert etwa 21-mal größere Zahlen: 21,2 mIU/l entsprechen 1 µg/l.11 Die DGE-Patientenbroschüre rundet praxisnah auf 100 ng/ml ≈ 2 000 µIU/ml.7 Ein Wert von „600" ist also alles andere als eindeutig – sechsfach zu hoch (ng/ml) oder völlig normal (mIU/l). Prüfen Sie zuerst die Einheit, bevor Sie erschrecken.
Gut zu wissen: Weil Schlaf, Anstrengung und der Stress der Blutentnahme den Wert anheben, ist eine leichte Überschreitung der Obergrenze oft schlicht Rauschen. Ein sorgfältiges Labor wiederholt die Messung und prüft vor jeder Bildgebung auf Makroprolaktin.94
Ergebnisse deuten
Erhöhtes Prolaktin: die Ursachen
Hyperprolaktinämie heißt nur „zu viel Prolaktin im Blut". Die Ursachen reichen vom Banalen bis zum Behandlungsbedürftigen – das Sortieren ist die ärztliche Aufgabe:972
- Medikamente – in der Praxis die häufigste nicht-physiologische Ursache. Die Leitlinie nennt vor allem Psychopharmaka; Laborlehrbücher führen Neuroleptika (Haloperidol, Sulpirid, Pimozid, Phenothiazine), Metoclopramid, Domperidon, Östrogene, α-Methyldopa und Cimetidin auf.911 Auch manche Antidepressiva und Opioide werden gelistet.2
- Prolaktinom – ein gutartiger, prolaktinbildender Hypophysentumor (siehe unten).
- Schilddrüsenunterfunktion – eine ausgeprägte Hypothyreose hebt Prolaktin; deshalb gehören TSH-Wert, die übrigen Schilddrüsenwerte und fT4 in jede Abklärung. Wird die Schilddrüse eingestellt, normalisiert sich Prolaktin oft von selbst.97
- Nieren- und Leberschwäche – bei erhöhtem Kreatinin, auffälligen Nierenwerten oder Leberwerten ein wichtiger Kontext.9
- Schwangerschaft, PCO-Syndrom, Stress, Geschlechtsverkehr, Brustuntersuchung – alltägliche Auslöser ohne Krankheitswert.97 Bei unklarem Ausbleiben der Regel wird zuerst Beta-hCG bestimmt.10
Die Höhe des Wertes ist ein Wegweiser. Erhöhungen durch Medikamente, Stress oder eine Hypothyreose bleiben meist unter 100 ng/ml (ca. 2 000 µIU/ml); bei einem Prolaktinom liegt der Wert typischerweise über 100–150 ng/ml.7 Die Leitlinie ist noch klarer: Bei nachgewiesenem Makroadenom ist ein Prolaktin über 250 µg/l nahezu beweisend für ein Makroprolaktinom, während Mikroprolaktinome stets darunter liegen.9
Symptome eines erhöhten Prolaktins
Die Beschwerden entstehen, weil Prolaktin die Keimdrüsen ruhigstellt. Bei Frauen folgen daraus ein verkürzter, verlängerter oder ausbleibender Zyklus, ein Mangel an Östradiol und Progesteron, Milchfluss (etwa jede zweite Betroffene mit Prolaktinom) und Schwierigkeiten beim Schwangerwerden. Bei Männern sinkt das Testosteron: Libidoverlust, Erektions- und Fruchtbarkeitsstörungen, mit der Zeit spärlichere Körperbehaarung. Bei beiden Geschlechtern droht langfristig Osteoporose durch den Sexualhormonmangel – ein Grund, den Knochenstoffwechsel im Blick zu behalten. Müdigkeit und Konzentrationsstörungen kommen vor, sind aber unspezifisch.7
„Erhöhtes Prolaktin – ist das Krebs?"
Nein. Ein Prolaktinom ist fast immer gutartig; ein bösartiger Hypophysentumor ist laut DGE extrem selten.7 Prolaktin ist auch kein Tumormarker, und mit „Blutkrebs" hat der Wert nichts zu tun – dafür ist das große Blutbild zuständig.
Die zwei Laborfallen: Makroprolaktin und Hook-Effekt
Zwei Messartefakte verfälschen den Prolaktinwert – in entgegengesetzte Richtungen. Sie zu kennen erspart unnötige Untersuchungen und verhindert falsche Entwarnung.
Makroprolaktin – falsch hoch
Prolaktin zirkuliert normalerweise als kleines, aktives Molekül. Bei manchen Menschen ist ein großer Teil an körpereigene Antikörper (IgG) gebunden. Dieser Komplex – Makroprolaktin, auch „big-big-Prolaktin" – ist biologisch unwirksam, weil die für die Rezeptorbindung nötige Stelle blockiert ist. Die üblichen Immunoassays zählen ihn trotzdem mit und melden eine Hyperprolaktinämie, die es klinisch gar nicht gibt.912 Deutsche Labore beziffern ihren Anteil auf 9–25 % aller erhöhten Prolaktinwerte; ein Berliner Labor fand in eigenen Proben 14 %.63
So läuft die Abklärung in Deutschland ab – und sie ist unspektakulär einfach:
- Der Prolaktinwert ist erhöht, passt aber nicht zu den Beschwerden.
- Das Labor behandelt dieselbe Serumprobe mit Polyethylenglykol (PEG): Das große Makroprolaktin fällt aus, das kleine aktive bleibt gelöst.
- Es wird erneut gemessen. Angegeben wird die Wiederfindung des monomeren Prolaktins: über 60 % spricht für überwiegend aktives Prolaktin, 40–60 % für eine Mischform, unter 40 % für überwiegend Makroprolaktin.3
- Bestätigt sich eine Makroprolaktinämie, gilt der Satz, auf den es ankommt: „Bei Nachweis einer Makroprolaktinämie ist keine weitere Diagnostik oder Behandlung erforderlich."7
Die Leitlinie formuliert es als Empfehlung: Bei Hyperprolaktinämie und Verdacht auf einen falsch positiven Befund ist eine Makroprolaktinämie durch PEG-Fällung auszuschließen.9 Ein Berliner Labor rät sogar, bei jedem erhöhten Prolaktinwert eine Zweitbestimmung nach PEG-Fällung anzuschließen.6 Praktisch heißt das: Sie brauchen keine neue Blutentnahme – die Bestimmung lässt sich an der vorhandenen Probe nachfordern.
Hook-Effekt – falsch niedrig
Die umgekehrte Falle. Bei einem sehr großen Prolaktinom kann die Konzentration so extrem hoch sein, dass sie die Antikörper des Tests übersättigt – das Ergebnis fällt paradoxerweise niedrig oder fast normal aus („High-Dose-Hook-Effekt"). Ein großer hormonaktiver Tumor könnte dann für einen harmlosen hormoninaktiven gehalten werden. Deshalb empfiehlt die Leitlinie, bei sehr großen Adenomen eine Verdünnungsreihe anfertigen zu lassen, die den wahren Wert sichtbar macht.9 Kurz: Wenn Laborwert und Beschwerdebild nicht zusammenpassen, sind diese beiden Artefakte das Erste, was ein gutes Labor prüft.
Prolaktinom – gutartig und gut behandelbar
Das Prolaktinom ist der häufigste hormonaktive Hypophysentumor; die Leitlinie beziffert seinen Anteil auf 32–66 % aller hormonaktiven Hypophysenadenome.9 Unterschieden werden Mikroprolaktinome (< 10 mm) und Makroprolaktinome (≥ 10 mm); Frauen haben häufiger Mikroprolaktinome.7
Die wichtigste Nachricht: Diese Tumoren sind fast immer gutartig und gut behandelbar. An erster Stelle stehen Dopaminagonisten in Tablettenform (Cabergolin, Quinagolid, Bromocriptin). Darunter normalisiert sich der Prolaktinspiegel bei bis zu 90 % der Behandelten, und der Tumor schrumpft; selbst Sehstörungen bilden sich oft rasch zurück. Eine Operation kommt nur bei Unverträglichkeit oder unzureichender Wirkung infrage, eine Bestrahlung nur in Ausnahmefällen.7 Auch die Kinderwunsch-Leitlinie empfiehlt Dopaminagonisten,10 ebenso die internationale Konsensusempfehlung der Pituitary Society, die zusätzlich Makroprolaktin-Suche und Hook-Effekt betont.8
Niedriges Prolaktin
Ein niedriges Prolaktin ist fast nie ein Problem. Relevant wird es nur bei Schwierigkeiten mit der Milchbildung nach der Geburt.1 Ein sehr niedriger Wert kann Teil einer Hypophysenunterfunktion sein – dann tragen aber die übrigen Hypophysenhormone die Diagnose.9
Einflussfaktoren und wann Sie zum Arzt sollten
Prolaktin steigt durch Schlaf, Stress, körperliche Arbeit, Geschlechtsverkehr, Brustuntersuchung, Schwangerschaft und Stillzeit, zahlreiche Medikamente, eine Schilddrüsenunterfunktion sowie Nieren- und Leberschwäche.96 Dazu kommen die Artefakte Makroprolaktin und Hook-Effekt.12 Nennen Sie deshalb alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel. Und setzen Sie niemals eigenmächtig ein Medikament ab, schon gar kein Psychopharmakon: Das gehört in die Hand der verordnenden Praxis.
Ärztlich abklären lassen sollten Sie: als Frau unregelmäßige oder ausbleibende Regel, Milchfluss außerhalb der Stillzeit oder unerfüllten Kinderwunsch; als Mann anhaltenden Libidoverlust oder Erektionsstörungen. Kopfschmerzen mit Sehstörungen gehören zeitnah untersucht.7 Ein erhöhter Wert ist kein Grund zur Panik: Er wird im Zusammenhang gelesen – Beschwerden, Medikamentenliste, Schilddrüse, gegebenenfalls Makroprolaktin-Test, eine Kontrollmessung in Ruhe und erst bei mehrfach erhöhten Spiegeln eine MRT.109 Die DGE betont, dass diese Abklärung von einem endokrinologisch erfahrenen Arzt vorgenommen werden sollte.7
Neue Erkenntnisse aus der Forschung
Aus aktuellen PubMed-Publikationen:
- Zweitmessung vor Bildgebung. Eine Fallserie mit systematischer Übersicht (2026) über 1 700 Betroffene zeigt: Bei 53,7 % normalisiert sich ein leicht erhöhtes Prolaktin in der Wiederholungsmessung unter stressfreien Bedingungen.4
- Wie oft die MRT zu früh kommt. Eine Auswertung von 1 730 Fällen (2026) fand 56,1 % der MRT bei mild erhöhtem Prolaktin ohne Bestätigungswert angeordnet – mit häufigen Zufallsbefunden unklarer Bedeutung.13
- Makroprolaktin bleibt unterdiagnostiziert. Eine Übersicht (2022) beschreibt die Makroprolaktinämie als häufige, aber oft übersehene Ursache scheinbar erhöhter Werte und die PEG-Fällung als etablierten Suchtest.12
- Medikamente im Blick. Eine Literaturübersicht (2023) katalogisiert prolaktinsteigernde Wirkstoffe – ein sorgfältiges Medikamentengespräch erklärt viele Befunde ganz ohne Bildgebung.2
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Behandlung; sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Lassen Sie Ihren Prolaktinwert einordnen
Ein Prolaktinwert ist nie allein aussagekräftig: Seine Bedeutung hängt von Ihren Medikamenten, vom TSH-Wert, von den Abnahmebedingungen (Uhrzeit, Ruhe, Makroprolaktin) und von Ihren Beschwerden ab – siehe Hormonstatus.
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Häufige Fragen
Was ist ein normaler Prolaktinwert? Orientierend 4,8–23,3 ng/ml bei Frauen und 4,0–15,2 ng/ml bei Männern; maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund. In Schwangerschaft und Stillzeit ist der Wert physiologisch deutlich höher.
ng/ml, µg/l oder mIU/l – was gilt? ng/ml und µg/l sind dasselbe. mIU/l (µIU/ml) ergibt rund 21-mal größere Zahlen: 21,2 mIU/l entsprechen 1 µg/l. Prüfen Sie zuerst die Einheit.
Muss ich für die Prolaktinbestimmung nüchtern sein? Nein. Empfohlen wird eine Blutentnahme zwischen 8 und 10 Uhr nach einer ruhigen Wartezeit – nicht direkt nach einer Brustuntersuchung oder körperlicher Anstrengung.
Warum wird mein Prolaktin ein zweites Mal bestimmt? Weil schon die Aufregung vor der Blutentnahme den Wert anheben kann. In Studien normalisierte sich mehr als die Hälfte der leicht erhöhten Werte bei einer ruhigen Kontrollmessung – das erspart eine unnötige MRT.
Was ist Makroprolaktin? Eine große, an Antikörper gebundene und biologisch unwirksame Prolaktinform. Sie täuscht im Labortest einen erhöhten Wert vor und wird durch PEG-Fällung an derselben Blutprobe nachgewiesen. Bestätigt sie sich, sind laut DGE keine weiteren Untersuchungen und keine Behandlung nötig.
Bedeutet ein erhöhtes Prolaktin Krebs? Nein. Ein Prolaktinom ist fast immer gutartig, bösartige Hypophysentumoren sind extrem selten. Prolaktin ist kein Tumormarker.
Welche Medikamente erhöhen Prolaktin? Vor allem Psychopharmaka (z. B. Neuroleptika), außerdem Metoclopramid, Domperidon und Östrogene. Sprechen Sie darüber mit der verordnenden Praxis – setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
Kann die Schilddrüse schuld sein? Ja. Eine ausgeprägte Unterfunktion hebt Prolaktin. Deshalb gehört der TSH-Wert zur Abklärung; wird die Schilddrüse eingestellt, normalisiert sich Prolaktin oft von allein.
Auf einen Blick
Prolaktin ist das Hormon der Milchbildung; außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit liegt es orientierend bei 4,8–23,3 ng/ml (Frauen) bzw. 4,0–15,2 ng/ml (Männer) – ng/ml und µg/l sind identisch, mIU/l liefert rund 21-fach höhere Zahlen. Ein erhöhter Wert kommt weit häufiger von Medikamenten, einer Schilddrüsenunterfunktion, vom Stress der Blutentnahme oder von Makroprolaktin als von einem Prolaktinom – und dieses ist gutartig und mit Tabletten sehr gut behandelbar. Zwei Schritte halten den Befund ehrlich: eine Kontrollmessung in Ruhe und die PEG-Fällung. Entscheidend ist das Gesamtbild Ihrer Marker, wie es AI DiagMe ergänzend zur ärztlichen Beurteilung aufbereitet.
Quellen
Deutsche Fachgesellschaften, Laborinformationen und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
Footnotes
-
Chasseloup F, Bernard V, Chanson P. Prolactin: structure, receptors, and functions. Rev Endocr Metab Disord, 2024. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Junqueira DR, et al. Clinical Presentations of Drug-Induced Hyperprolactinaemia: A Literature Review. Pharmaceut Med, 2023. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Medizinische Laboratorien Düsseldorf — Leistungsverzeichnis, Eintrag Prolaktin: Referenzbereiche, Abnahmezeit, PEG-Fällung mit Wiederfindungsgrenzen. labor-duesseldorf.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Matos T, et al. The usefulness of cannulated prolactin test in mild hyperprolactinemia: case series and systematic review of the literature. Pituitary, 2026. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
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Das M, Gogoi C. Pool vs single sample determination of serum prolactin to explore venipuncture associated stress induced variation. Sci Rep, 2023. PubMed · DOI ↩ ↩2
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IMD Institut für Medizinische Diagnostik — Diagnostikinformation Nr. 204, Prolaktin – Klinik, Diagnostik, Makroprolaktin: Häufigkeit der Makroprolaktinämie, Empfehlung zur Zweitbestimmung nach PEG-Fällung. imd-potsdam.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) — Prolaktinom. Prolaktin-produzierender Hypophysentumor. Ratgeber für Patienten und Angehörige (Schöfl C, Schopohl J, Stamm B). endokrinologie.net (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17
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Petersenn S, et al. Diagnosis and management of prolactin-secreting pituitary adenomas: a Pituitary Society international Consensus Statement. Nat Rev Endocrinol, 2023. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) — S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie klinisch hormoninaktiver Hypophysentumoren", AWMF-Registernummer 089-002, Stand 2019/2020 (Gültigkeit abgelaufen, Leitlinie in Überarbeitung). Kapitel Hormondiagnostik: PEG-Fällung, Hook-Effekt, 250-µg/l-Schwelle. endokrinologie.net (PDF) · AWMF-Register ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19
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DGGG, OEGGG und SGGG — S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung", AWMF-Registernummer 015-085 (2019). Prolaktin/TSH in der Basisdiagnostik; MRT erst bei mehrfach erhöhten Spiegeln; Dopaminagonisten bei nachgewiesener Hyperprolaktinämie. AWMF-Register (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
-
Thomas L. — Labor und Diagnose, Kapitel 36: Prolaktin (PRL). Umrechnung µg/l ↔ mIU/l, Präanalytik (Blutentnahme 8–10 Uhr, wiederholte Bestimmung über Verweilkanüle), prolaktinsteigernde Medikamente. labor-und-diagnose.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Biagetti B, et al. Macroprolactin: From laboratory to clinical practice. Endocrinol Diabetes Nutr (Engl Ed), 2022. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
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Mann JA, et al. Premature utilization of MRI in the workup of mild hyperprolactinemia. PLoS One, 2026. PubMed · DOI ↩