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Albumin im Blut: Normalwerte und wenn es zu niedrig ist

Albumin im Serum liegt normal bei etwa 35–53 g/l. Ein niedriger Wert spricht häufiger für eine Entzündung als für die Leber – und sinkt mit dem Alter.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Albumin ist das häufigste Eiweiß im Blut. Die Leber stellt es her, es hält Wasser in den Gefäßen und transportiert Bilirubin, Hormone, Calcium und viele Medikamente.1 Genau deshalb ist der Wert so nützlich – und so leicht misszuverstehen: Ein niedriges Albumin ist selten eine eigene Krankheit, sondern ein unspezifisches Signal, hinter dem eine Entzündung, die Leber, die Nieren, der Darm oder der Ernährungszustand stehen kann. Dieser Ratgeber erklärt die Normalwerte in g/l, warum Albumin bei jeder Entzündung sinkt, was es mit Ödemen zu tun hat und warum es kein Tumormarker ist. Der Wert gehört zu den Leberwerten.

⚠️ Achtung: zwei verschiedene Untersuchungen. Dieser Ratgeber behandelt das Albumin im Blut (Serum-Albumin, Albuminämie) – einen Leber- und Entzündungsmarker in g/l. Er hat nichts zu tun mit dem Albumin im Urin, das als Albumin-Kreatinin-Quotient in mg/g gemessen wird und einen frühen Nierenschaden anzeigt. Beim Urin ist ein niedriger Wert das erwünschte Ergebnis, beim Blut ein normaler. Wenn Sie einen Wert in mg/g oder mg/l vor sich haben, sind Sie beim Albumin im Urin richtig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Albumin macht rund 56–67 % des Gesamteiweißes aus (Männer; bei Frauen 52–65 %) und wird ausschließlich in der Leber gebildet – dafür braucht sie 12–20 % ihrer gesamten Eiweiß-Syntheseleistung.21
  • Richtwert für Erwachsene: etwa 35–53 g/l, mit dem Alter sinkend (über 80 Jahre 31–45 g/l). Labore geben unterschiedliche Bereiche an – von 35–52 g/l bis 39–50 g/l.123
  • ⚠️ Albumin ist ein negatives Akute-Phase-Protein: Bei jeder Entzündung drosselt die Leber die Albuminsynthese zugunsten anderer Eiweiße. „Albumin niedrig" heißt also nicht automatisch „Leber krank".1
  • Die großen Ursachen eines niedrigen Werts: Entzündung/Sepsis, Leberzirrhose, Verlust über die Nieren (nephrotisches Syndrom) oder den Darm, Ödeme und Aszites, Eiweißmangelernährung und Schwangerschaft.14
  • Ein hohes Albumin gibt es praktisch nicht: Erhöhte Werte sind fast immer eine Pseudohyperalbuminämie durch Flüssigkeitsmangel.1
  • Albumin ist kein Tumormarker. Es ist ein Marker für Entzündung und Krankheitsschwere – prognostisch bedeutsam, diagnostisch unspezifisch.5

Was Albumin ist – und was es tut

Die Leber produziert täglich 150–250 Milligramm Albumin pro Kilogramm Körpergewicht und wendet dafür 12–20 % ihrer Kapazität zur Eiweißsynthese auf.1 Zwei Funktionen erklären fast alles, was Sie über den Wert wissen müssen:

  • Wasser in den Gefäßen halten. Albumin erzeugt den kolloidosmotischen Druck, eine Art Sogwirkung, die Flüssigkeit im Blutgefäß hält.1 Fällt der Wert deutlich ab, tritt Wasser ins Gewebe über – das sind Ödeme.
  • Transportieren. Albumin bindet Bilirubin, freie Fettsäuren, Metallionen, Schilddrüsen- und Steroidhormone – und sehr viele Medikamente.1

Dazu kommt eine antioxidative Funktion, die auf einer einzigen Aminosäure (Cystein 34) beruht.1 Bei fortgeschrittener Leberzirrhose ist übrigens nicht nur die Menge des Albumins vermindert, sondern auch dessen funktionelle Qualität.1

Die Halbwertszeit beträgt rund 19 Tage.13 Deshalb reagiert Albumin träge: Es zeigt eher einen Zustand über Wochen an als das Geschehen von gestern.

Warum Albumin bestimmt wird

Deutsche Labore nennen als Indikationen vor allem:31

  • Verlaufsbeurteilung der Leberfunktion bei Leberzirrhose oder schwerer Leberzellschädigung – Albumin ist einer der wenigen Werte, die die Syntheseleistung der Leber abbilden und nicht, wie GOT und GPT, den Zelluntergang;
  • Abklärung von Ödemen und Aszites;
  • Abklärung einer Dysproteinämie – dafür wird Albumin den Globulinen gegenübergestellt, meist in der Eiweißelektrophorese;
  • prognostische Einschätzung bei älteren, hospitalisierten oder intensivmedizinisch behandelten Menschen.

Ein Sonderfall: Bei Aszites wird Albumin gleichzeitig im Blut und in der Bauchflüssigkeit bestimmt. Die Differenz – der Serum-Aszites-Albumin-Gradient (SAAG) – spricht mit rund 97 % Treffsicherheit für Pfortaderhochdruck als Ursache, wenn sie über 1,1 g/dl liegt.6

Muss man nüchtern sein?

Nein, für Albumin allein ist Nüchternheit nicht erforderlich. Es wird aber fast immer zusammen mit anderen Werten abgenommen – etwa Blutzucker oder den Cholesterinwerten –, und für die gilt oft eine Nüchternvorgabe.

Wichtiger als das Essen ist hier die Körperhaltung: Erfolgt die Blutentnahme nicht im Liegen oder nach mindestens 15 Minuten Sitzen, liegt das Ergebnis durch Hämokonzentration um 5–10 % höher; nach 30 Minuten Liegen fällt der Wert gegenüber Stehen um etwa 15 % ab.1 Deshalb schreiben Labore die Entnahme am liegenden oder sitzenden Patienten vor.3

Normalwerte: Albumin im Serum

Die Einheit in Deutschland ist g/l. Die folgenden Bereiche stammen aus dem deutschen labormedizinischen Standardwerk Labor und Diagnose (2,5. und 97,5. Perzentile):1

AltersgruppeReferenzbereichEinheit
Neugeborene35–49g/l
1. Lebensjahr36–50g/l
2.–20. Lebensjahr37–51g/l
Erwachsene bis 60 Jahre35–53g/l
über 60 Jahre34–48g/l
über 70 Jahre33–47g/l
über 80 Jahre31–45g/l
über 90 Jahre30–45g/l

Warum Ihr Befund abweichen kann. Das Zentrallabor der Medizinischen Hochschule Hannover gibt für Erwachsene 35–52 g/l an, ein Chemnitzer Labor dagegen 39–50 g/l – beide korrekt, weil sie unterschiedliche Kollektive und Methoden zugrunde legen.23 Der Bromkresolgrün-Test liefert systematisch höhere Werte als die immunologischen Verfahren.1 Maßgeblich ist immer der Bereich, der auf Ihrem Befund gedruckt ist. Zur Einordnung: Ein Münchner Labor definiert erst unter 20 g/l eine Alarmgrenze, bei der die einsendende Praxis sofort benachrichtigt wird.4

Ihre Werte einordnen

Albumin zu niedrig – was wirklich dahintersteckt

Eine Hypoalbuminämie hat sechs klassische Mechanismen, die sich oft überlagern:14

  • Verminderte Synthese – gestörte Leberfunktion (Leberzirrhose) oder Eiweißmangelernährung;
  • Akute-Phase-Reaktion – dazu gleich mehr;
  • Vergrößerung des Verteilungsraums – Capillary leak bei Sepsis und Schock;
  • Verlust in den „dritten Raum" – Ödeme, Aszites, Pleuraerguss;
  • Verlust nach außennephrotisches Syndrom, Verbrennungen, eiweißverlierende Enteropathie;
  • Verdünnung – in der Schwangerschaft nimmt das Plasmavolumen um im Mittel 40 % zu; im letzten Drittel liegt Albumin rund 20 % unter dem Ausgangswert, ohne dass etwas krankhaft wäre.1

Sehr selten (unter 1 : 1 000 000) steckt eine angeborene Analbuminämie dahinter, bei der Albumin praktisch fehlt.1

⚠️ Albumin sinkt bei Entzündung – ganz ohne Leberschaden

Das ist der am häufigsten missverstandene Punkt. Albumin ist ein negatives Akute-Phase-Protein. Bei einer Entzündung regelt die Leber die Albuminsynthese herunter, um stattdessen die „positiven" Akute-Phase-Proteine zu bilden.1 Dazu kommen ein verstärkter Übertritt ins Gewebe und eine Hämodilution.1

Praktisch heißt das: Albumin niedrig + CRP hoch ist ein Entzündungsmuster, kein Leberbefund. Eine Auswertung an über 4 000 Patientinnen und Patienten bestätigte die negative Korrelation zwischen Albumin und CRP.7 Es ist die Spiegelbildlichkeit zum Haptoglobin, das als positives Akute-Phase-Protein bei Entzündung ansteigt. Wer das nicht weiß, liest in ein banales Entzündungsgeschehen eine Lebererkrankung hinein.

Auch bei den Leukozyten im großen Blutbild gilt: Der Zusammenhang wird erst im Verbund lesbar. Eine große Bevölkerungskohorte fand ein niedrigeres Plasmaalbumin mit mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden – und führte das mindestens teilweise auf eben diese Rolle als negatives Akute-Phase-Protein zurück.8

Albumin und Ödeme

Sinkt Albumin deutlich ab, fällt der kolloidosmotische Druck, und Wasser wandert vom Gefäß ins Gewebe: geschwollene Knöchel und Beine, bei fortgeschrittener Lebererkrankung Bauchwasser (Aszites).14 Deshalb steht „Abklärung von Ödemen" bei deutschen Laboren direkt als Indikation.3

Ist ein niedriges Albumin ein Krebszeichen?

Nein. Albumin ist kein Tumormarker. Richtig ist etwas anderes: Bei bereits Erkrankten geht eine Hypoalbuminämie mit einer ungünstigeren Prognose einher – eine systematische Übersichtsarbeit zeigte das für das kolorektale Karzinom.5 Das ist eine Aussage über Entzündung, Krankheitsschwere und Ernährungszustand, nicht über das Vorhandensein eines Tumors. Auf einem Routinebefund weist ein leicht erniedrigtes Albumin zuerst auf Entzündung, Leber oder Nieren hin.

Albumin zu hoch

Eine echte Erhöhung des Albuminbestands im Körper gibt es nicht.1 Erhöhte Werte beruhen fast immer auf einer Pseudohyperalbuminämie – das Blut ist durch Flüssigkeitsmangel (Exsikkose) eingedickt, wie es auch der Hämatokrit anzeigt – oder auf einer ungünstigen Entnahmesituation. Nach Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts normalisiert sich der Wert.

Albumin als Transporteur: Calcium, Medikamente, Zuckerwerte

Weil so viel an Albumin gebunden ist, verschiebt ein niedriger Wert gleich mehrere andere Messgrößen:

  • Calcium. Ein Teil des Gesamtcalciums ist an Albumin gebunden. Bei niedrigem Albumin sieht das Gesamtcalcium fälschlich zu niedrig aus, obwohl das biologisch wirksame freie Calcium normal ist. Klassisch wird deshalb nach Payne umgerechnet: korrigiertes Calcium (mmol/l) = gemessenes Gesamtcalcium – 0,025 × Albumin (g/l) + 1,0.1 ⚠️ Diese Praxis steht inzwischen in Frage: Ein gemeinsames Positionspapier von IOF, IFCC und EFLM empfahl 2026 ausdrücklich, das albuminkorrigierte Calcium nicht mehr zu berichten, und stattdessen das ionisierte Calcium zu messen.9 Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Labor die Korrektur weglässt.
  • Medikamente. Bei Hypoalbuminämie steigt der freie, pharmakologisch aktive Anteil stark eiweißgebundener Wirkstoffe wie Phenytoin oder Valproinsäure – die Wirkung kann bei unveränderter Dosis zunehmen.1 Das ist ein Grund, warum Ihre Ärztin oder Ihr Arzt den Wert kennen möchte.
  • Zuckerwerte. Das Fructosamin misst glykierte Serumeiweiße – zum größten Teil Albumin. Bei niedrigem Albumin ist es deshalb nicht verwertbar; dann bleiben HbA1c und Blutzucker.

Der Child-Pugh-Score – ein ärztliches Werkzeug

Albumin ist einer von fünf Bestandteilen des Child-Pugh-Scores, mit dem der Schweregrad einer Leberzirrhose eingeschätzt wird: Bilirubin, Albumin, INR, Aszites und hepatische Enzephalopathie. Die Einteilung reicht von Child A (5–6 Punkte) über Child B (7–9) bis Child C (10–15).10

⚠️ Rechnen Sie sich diesen Score nicht selbst aus. Aszites und Enzephalopathie werden klinisch beurteilt, nicht im Labor – ohne ärztliche Untersuchung fehlen zwei von fünf Bestandteilen. Dazu kommt eine Einheitenfalle: Die Albuminschwellen des Scores stehen in g/dl (über 3,5 / 2,8–3,5 / unter 2,8), Ihr deutscher Befund aber in g/l.10 35 g/l entsprechen 3,5 g/dl – wer die Zahlen direkt einsetzt, verrechnet sich um den Faktor zehn.

Einflussfaktoren

Den Wert verändern: das Alter (siehe Tabelle), die Schwangerschaft, der Hydratationszustand, die Körperhaltung bei der Blutentnahme, jede Entzündung, eine Operation, die Leber- und Nierenfunktion, der Ernährungszustand und die Labormethode.1 Sagen Sie im Labor Bescheid, wenn Sie schwanger sind, kürzlich operiert wurden oder eine Infektion durchmachen – das ändert die Interpretation.

Ein Wort zur Ernährung: Albumin gilt traditionell als Indikator des Eiweißernährungszustands, aber vor allem bei ausgeprägtem Mangel.1 Wegen der langen Halbwertszeit und der Entzündungsabhängigkeit ist es für sich genommen kein guter Ernährungsmarker – in der deutschen Intensivmedizin taucht es entsprechend nur in zusammengesetzten Indizes auf, etwa im Prognostic Nutritional Index aus Albumin und Lymphozytenzahl.11

Neues aus der Forschung

Aus aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:

  • Warum die Leber bei Zirrhose weniger Albumin bildet. Eine Untersuchung an Menschen mit fortgeschrittener chronischer Lebererkrankung maß die Syntheseraten direkt und zeigte, wie eng die verminderte Albuminbildung mit dem Krankheitsstadium zusammenhängt.12
  • Albumininfusionen: nicht den Zahlenwert behandeln. Die britische ATTIRE-Studie prüfte, ob es hilft, bei stationär behandelter dekompensierter Zirrhose per Infusion gezielt ein Albumin von 30 g/l anzusteuern. Der erhoffte Nutzen blieb aus – man therapiert also nicht den Laborwert an sich.13
  • Aber: der Ausgangswert entscheidet mit. Eine Auswertung der italienischen ANSWER-Studie von 2026 fand, dass die Albuminkonzentration vor Therapiebeginn vorhersagt, wer von einer langfristigen Albumingabe bei Zirrhose und Aszites profitiert.14 Beide Ergebnisse widersprechen sich nicht – sie grenzen ein, für wen die Behandlung sinnvoll ist.
  • Das albuminkorrigierte Calcium auf dem Prüfstand. Das Positionspapier von IOF, IFCC und EFLM empfiehlt, diese jahrzehntealte Rechenkorrektur nicht mehr zu berichten.9

Diese Erkenntnisse betreffen die ärztliche Behandlung im Krankenhaus. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lassen Sie Ihren Albuminwert von AI DiagMe einordnen

Albumin lässt sich nie allein lesen. Sein Sinn ergibt sich erst im Zusammenspiel mit den Entzündungszeichen, den Leberwerten wie Gamma-GT und alkalischer Phosphatase, den Nierenwerten samt Kreatinin und Cystatin C, dem Albumin im Urin und dem Verlauf über Wochen.

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Häufige Fragen

Was sagt der Albuminwert aus? Er bildet drei Dinge gleichzeitig ab: die Syntheseleistung der Leber, den Entzündungsgrad und – mit Einschränkungen – den Ernährungs- und Allgemeinzustand.1 Genau diese Mehrdeutigkeit macht ihn unspezifisch: Er zeigt, dass etwas ist, selten was.

Welches Organ produziert Albumin? Ausschließlich die Leber. Sie wendet dafür 12–20 % ihrer Eiweiß-Syntheseleistung auf und produziert täglich 150–250 mg pro Kilogramm Körpergewicht.1

Welcher Albuminwert ist normal? Bei Erwachsenen bis 60 Jahre etwa 35–53 g/l, danach fallend bis 30–45 g/l jenseits der 90.1 Andere deutsche Labore geben 35–52 g/l oder 39–50 g/l an – vergleichen Sie mit dem Bereich auf Ihrem Befund.23

Was passiert bei zu wenig Albumin? Solange die Erniedrigung mäßig ist, meist nichts Spürbares. Bei deutlichem Abfall tritt Wasser ins Gewebe über: Ödeme an Knöcheln und Beinen, bei Lebererkrankung auch Bauchwasser.1 Die übrigen Beschwerden hängen an der Ursache.

Ist Albumin ein Tumormarker? Nein. Es ist ein Marker für Entzündung und Krankheitsschwere. Bei bereits Erkrankten ist ein niedriger Wert prognostisch ungünstig, er diagnostiziert aber keinen Tumor.5

Albumin niedrig und CRP hoch – was bedeutet das? Ein typisches Entzündungsmuster. Albumin ist ein negatives Akute-Phase-Protein und sinkt, während CRP steigt.17 Gesucht wird dann die Ursache der Entzündung, nicht ein Albuminproblem.

Kann ich Albumin über die Ernährung anheben? Es gibt kein Lebensmittel, das den Wert gezielt hebt. Bei nachgewiesener Mangelernährung gehört eine ausreichende Eiweißzufuhr zur Behandlung – unter fachlicher Begleitung. Solange eine Entzündung läuft, bleibt Albumin niedrig, egal wie Sie essen.

Niedriges Albumin in der Schwangerschaft – ist das schlimm? In aller Regel nein. Das Plasmavolumen steigt um im Mittel 40 %, wodurch Albumin im letzten Drittel rund 20 % niedriger liegt.1 Das ist eine Verdünnung, keine Erkrankung. Ihre Ärztin oder Hebamme ordnet es im Gesamtbild ein.

Warum bekommen manche Menschen Albumin als Infusion? Das ist eine stationäre Therapie, kein Ersatz für einen Laborwert. Die DGVS-Leitlinie sieht sie zum Beispiel bei einer großvolumigen Bauchwasserpunktion über 5 Litern vor – dann sollen 6–8 g Albumin pro entnommenem Liter intravenös gegeben werden.611 Bei kleineren Punktionen ist keine Gabe nötig.6

Was ist der Unterschied zu Präalbumin? Präalbumin (Transthyretin) ist ein anderes Eiweiß mit deutlich kürzerer Halbwertszeit; es reagiert schneller. Es zählt aber ebenfalls zu den negativen Akute-Phase-Proteinen und sinkt bei Entzündung genauso.1 Die Einordnung gehört in ärztliche Hand.

Zum Mitnehmen

Albumin ist das wichtigste Transport- und Bindeeiweiß des Blutes und der Wert, an dem sich die Syntheseleistung der Leber ablesen lässt. Merken Sie sich die Größenordnung – etwa 35–53 g/l bei Erwachsenen, mit dem Alter sinkend – und vor allem den Satz, der die meisten Fehldeutungen verhindert: Albumin ist ein negatives Akute-Phase-Protein. Es fällt bei jeder Entzündung, ohne dass die Leber krank sein muss. Ein niedriger Wert ist ein Hinweis, kein Befund – und behandelt wird die Ursache, nicht die Zahl. Verwechseln Sie ihn nicht mit dem Albumin im Urin. Kein Laborwert steht für sich – erst das Gesamtbild ergibt Sinn, und dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.

Quellen

Deutsche Fachliteratur, Leitlinien und Laborreferenzen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Thomas L. Labor und Diagnose, Kapitel 18 (Plasmaproteine), Abschnitt 18.4 Albumin, sowie Kapitel 6.2 Calcium – deutsches Standardwerk der Labormedizin, Online-Ausgabe: physiologische Funktionen und Transportleistung, 66,3 kD, Syntheserate 150–250 mg/kg täglich entsprechend 12–20 % der Eiweiß-Syntheseleistung der Leber, Halbwertszeit 19 Tage, Tabelle 18.4-1 (altersabhängige Referenzbereiche 35–53 g/l bis 30–45 g/l), Tabelle 18.4-2 (Ursachen der Hypoalbuminämie, Schwangerschaft mit Plasmavolumenanstieg um 40 %, Analbuminämie unter 1:1 000 000), „Albumin ist ein negatives Akute-Phase Protein", Pseudohyperalbuminämie bei Exsikkose, Lagerungseffekt, Methodendifferenz Bromkresolgrün gegenüber Immunverfahren, erhöhter freier Anteil von Phenytoin und Valproinsäure, Payne-Formel zur Albuminkorrektur des Calciums. labor-und-diagnose.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34

  2. Medizinische Hochschule Hannover, Zentrallabor (ZLA) – Leistungsverzeichnis: Referenzbereiche: Albumin im Serum 35–52 g/l; Serum-Elektrophorese mit Albuminfraktion 56,4–66,8 % bei Männern und 52,4–65,2 % bei Frauen. mhh.de 2 3 4

  3. MVZ Labor Chemnitz (Klinikum Chemnitz / Helios Klinikum Aue) – Leistungsverzeichnis Albumin: Referenzbereich für Erwachsene über 18 Jahre 39–50 g/l (abweichend von anderen deutschen Laboren), Halbwertszeit 19 Tage, Blutentnahme am liegenden oder sitzenden Patienten, Indikation Verdacht auf Leberzirrhose, Lebererkrankungen und Ödeme, Serum-Aszites-Albumin-Differenz über 11 g/l als Hinweis auf portale Ursache. laborchemnitz.de 2 3 4 5 6 7

  4. Labor Becker MVZ, München – Leistungsverzeichnis Albumin (Stand 27.04.2026): Referenzbereich Serum 35–52 g/l, Kinder unter 1 Jahr 25–52 g/l, Alarmgrenze unter 20 g/l mit sofortiger Benachrichtigung; im Serum erniedrigt bei nephrotischem Syndrom, Leberschädigung, Schock, Sepsis, Ödemen und Aszites. labor-becker.de 2 3 4

  5. Christina NM, Tjahyanto A, Lie JG, et al. Hypoalbuminemia and colorectal cancer patients: Any correlation? A systematic review and meta-analysis. Medicine (Baltimore), 2023. PubMed · DOI 2 3

  6. Gerbes AL, Labenz J, Appenrodt B, et al. – Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Aktualisierte S2k-Leitlinie „Komplikationen der Leberzirrhose", AWMF-Register-Nr. 021-017, Z Gastroenterol 2019; 57: 611–680: Serum-Aszites-Albumin-Gradient über 1,1 g/dl mit 97 % Treffsicherheit für portale Hypertension, Empfehlung 2.17 (großvolumige Parazentese über 5 l: intravenöse Albumingabe 6–8 g pro Liter Aszites, starke Empfehlung/starker Konsens), keine Albumingabe bei Punktionsvolumen unter 5 l, Empfehlung 4.5 zur Albumininfusion beim hepatorenalen Syndrom. ⚠️ Der PDF-Abruf über das AWMF-Register schlug mit HTTP 500 fehl; die Volltextfassung wurde direkt über die DGVS gelesen. dgvs.de 2 3

  7. Sheinenzon A, Shehadeh M, Michelis R, Shaoul E, Ronen O. Serum albumin levels and inflammation. Int J Biol Macromol, 2021 – negative Korrelation zwischen Serumalbumin und CRP. PubMed · DOI 2

  8. Ronit A, Kirkegaard-Klitbo DM, Dohlmann TL, et al. Plasma Albumin and Incident Cardiovascular Disease: Results From the CGPS and an Updated Meta-Analysis. Arterioscler Thromb Vasc Biol, 2020. PubMed · DOI

  9. Cavalier E, Zima T, Plebani M, et al. Albumin-adjusted („corrected") calcium should no longer be reported: a position statement from the Joint IOF Working Group and IFCC Committee on Bone Metabolism and EFLM Committee on CKD. Clin Chem Lab Med, 2026. PubMed · DOI 2

  10. LADR – Der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen, Fachinformation Child-Pugh-Score: die fünf Parameter Serum-Bilirubin, Serum-Albumin, INR, Aszites und hepatische Enzephalopathie; Albuminschwellen über 3,5 g/dl, 2,8–3,5 g/dl und unter 2,8 g/dl; Stadien Child A 5–6, Child B 7–9 und Child C 10–15 Punkte. ladr.de 2

  11. Elke G, Hartl WH, Kreymann KG, et al. – DGEM-Leitlinie Klinische Ernährung in der Intensivmedizin (Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin): intravenöse Albuminsupplementierung von 6–8 g pro Liter abgelassenem Aszites bei Parazentese, Verweis auf die organspezifische DGEM-Leitlinie zur Leber, sowie der Prognostic Nutritional Index aus Serumalbumin und Lymphozytenzahl als zusammengesetzter Index. dgem.de 2

  12. Amouzandeh M, Nowak G, Wernerman J, Rooyackers O, Norberg Å. Albumin and fibrinogen synthesis rates in advanced chronic liver disease. Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol, 2023. PubMed · DOI

  13. China L, Freemantle N, Forrest E, et al. A Randomized Trial of Albumin Infusions in Hospitalized Patients with Cirrhosis (ATTIRE). N Engl J Med, 2021. PubMed · DOI

  14. Pompili E, Zaccherini G, Nardelli S, et al.; ANSWER Study Investigators. Pre-Treatment Serum Albumin Concentration Predicts Clinical Benefit of Long-Term Albumin in Patients With Cirrhosis and Ascites. United European Gastroenterol J, 2026. PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.