Rhesusfaktor: positiv oder negativ – was bedeutet das?
Rund 15 % der Menschen in Deutschland sind Rhesus negativ. Was der Rhesusfaktor wirklich misst, warum nur das Antigen D zählt und wann er wichtig wird.
Rhesus positiv oder Rhesus negativ – das „+“ oder „−“ hinter Ihrer Blutgruppe steht für ein einziges Eiweiß auf den roten Blutkörperchen: das Antigen D. Ist es vorhanden, sind Sie RhD-positiv; fehlt es, sind Sie RhD-negativ. Der wichtigste Satz kommt gleich am Anfang: Rhesus negativ ist keine Krankheit, kein Defekt und kein Nachteil. Rund 15 % der Menschen in Deutschland leben damit, ohne es im Alltag je zu bemerken.1 Wichtig wird der Rhesusfaktor nur bei einer Bluttransfusion und in der Schwangerschaft. Diese Seite gehört zum Thema Blutgruppen.
Das Wichtigste in Kürze
- „Rhesus positiv/negativ“ bezieht sich allein auf das Antigen D. Das Rh-System umfasst weitere Antigene – klinisch vor allem C, c, E und e.2
- In Deutschland sind rund 85 % RhD-positiv und 15 % RhD-negativ.13
- ⚠️ Verwechseln Sie „0 negativ“ nicht mit „Rhesus negativ“. Die Blutgruppe 0− haben nur 6 % – die 15 % entstehen erst aus A− (6 %), 0− (6 %), B− (2 %) und AB− (1 %) zusammen.13
- Anders als im AB0-System gibt es keine natürlichen Anti-D-Antikörper: Sie entstehen erst nach Kontakt mit RhD-positiven roten Blutkörperchen.2
- Bei RhD-negativen Mädchen und gebärfähigen Frauen ist die Transfusion RhD-positiver Erythrozytenkonzentrate laut Bundesärztekammer – außer in lebensbedrohlichen Situationen – unbedingt zu vermeiden.2
- Seit 2021 hat jede RhD-negative Schwangere mit Einlingsschwangerschaft Anspruch darauf, den Rhesusfaktor des Kindes vor der Geburt aus ihrem eigenen Blut bestimmen zu lassen.4
- Ein schwaches oder partielles D ist kein Messfehler, sondern eine genetische Variante – und der häufigste Grund für zwei nicht übereinstimmende Befunde.25
Was ist der Rhesusfaktor eigentlich?
Das IQWiG definiert ihn knapp: Der Rhesusfaktor ist „ein bestimmtes Eiweiß, das sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen befindet. Ist dieses Eiweiß vorhanden, spricht man von rhesus-positivem Blut. Fehlt es, ist das Blut rhesus-negativ.“6 Zusammen mit dem AB0-System ergibt sich Ihre vollständige Blutgruppe – A+, 0−, AB+ –, bestimmt in einer einzigen Blutabnahme aus demselben Blutröhrchen.
Hier lohnt der genaue Blick, denn die Alltagssprache verkürzt stark: Das Rhesus-System besteht nicht nur aus D. In der Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer wird der Rhesus-Phänotyp mit fünf Buchstaben geschrieben – etwa CcD.ee oder, bei RhD-negativen Menschen, ccddee.2 Neben D zählen also C, c, E und e dazu, und der Antikörpersuchtest der Schwangerenvorsorge prüft auf Antikörper gegen D, C, c, E, e, Kell, Fy und S.4 Das ist mehr als eine Feinheit: Auch Anti-c, Anti-E oder Anti-K können eine hämolytische Erkrankung des Feten und Neugeborenen auslösen.2 Steht im Befund „Rhesus positiv“, heißt das genau eine Sache – das Antigen D ist da. Der Name geht übrigens auf den Rhesusaffen zurück, mit dessen roten Blutkörperchen das System ursprünglich beschrieben wurde.7
Wie häufig ist Rhesus negativ in Deutschland?
Die DRK-Blutspendedienste schreiben: „In Bezug auf das Rhesus-System besitzen ca. 85 % der Bevölkerung in Deutschland das Merkmal Rhesus positiv und 15 % das Merkmal Rhesus negativ.“1 Der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes veröffentlicht dieselbe Aufteilung, die DGTI schreibt „nur 15 Prozent der Deutschen sind RhD-negativ“, und die Versicherteninformation der Mutterschafts-Richtlinie nennt für Europa denselben Wert.384 Vier deutsche Quellen, ein Ergebnis.
| Blutgruppe | Anteil in Deutschland |
|---|---|
| A Rhesus positiv | 37 % |
| 0 Rhesus positiv | 35 % |
| B Rhesus positiv | 9 % |
| AB Rhesus positiv | 4 % |
| A Rhesus negativ | 6 % |
| 0 Rhesus negativ | 6 % |
| B Rhesus negativ | 2 % |
| AB Rhesus negativ | 1 % |
Quelle: DRK-Blutspendedienste und Blutspendedienst des BRK13 – ausführlich in der Blutgruppen-Tabelle.
⚠️ Der häufigste Lesefehler: „0 negativ“ mit „Rhesus negativ“ gleichzusetzen. 0− haben nur 6 %; die 15 % ergeben sich erst aus A− + 0− + B− + AB−. Wer die 6 % für den Rh-negativen Anteil hält, unterschätzt ihn um mehr als die Hälfte.
Warum überhaupt 15 %? Bei Menschen europäischer Herkunft beruht RhD-negativ fast immer auf einer vollständigen Deletion des RHD-Gens. Eine Arbeitsgruppe der Universität Ulm zeigte im Jahr 2000, dass dieses Gen von zwei nahezu identischen DNA-Abschnitten – den „Rhesus-Boxen“ – flankiert wird und dazwischen sauber herausfallen kann.9 Der Haplotyp ohne RHD kommt bei etwa 40 % der europäischen Chromosomen vor; da man ihn von beiden Elternteilen erben muss (Vererbung), landet man rechnerisch bei rund 15 % – dem gemessenen Wert.
Rhesus negativ ist keine Krankheit
Um „Rhesus negativ“ kursiert im Internet mehr Mythos als um jedes andere Blutmerkmal. Die Faktenlage ist kurz:
- Gesundheit. Ein fehlendes Antigen D verursacht keine Beschwerden. In den amtlichen deutschen Regelwerken taucht RhD-negativ ausschließlich als transfusions- und schwangerschaftsrelevantes Merkmal auf – nie als Erkrankung.24
- Abstammung. Die Ursache ist eine gewöhnliche Gendeletion, die in allen menschlichen Populationen vorkommt.9 Für „besondere Linien“ oder außerirdische Vorfahren gibt es keinerlei Grundlage.
- Persönlichkeit. Kein Blutgruppenmerkmal sagt etwas über Charakter, Intelligenz oder Temperament aus.
- Ernährung. Die Blutgruppendiät bezieht sich auf das AB0-System, nicht einmal auf den Rhesusfaktor. Das DRK-Blutspende-Magazin hält fest: Es gibt „keine Studien oder wissenschaftlichen Beweise, die die Effektivität der vorgeschlagenen Lebensmittelauswahl im Zusammenhang mit den Blutgruppen bestätigen“.10
Warum der Rhesusfaktor bei einer Transfusion zählt
Das Paul-Ehrlich-Institut beziffert den täglichen Bedarf in Deutschland auf rund 10 000 Erythrozytenkonzentrate; über das Jahr wurden zuletzt etwa 3,2 Millionen Einheiten transfundiert.11 Die Regel dahinter ist asymmetrisch: Ein RhD-negativer Mensch soll RhD-negative rote Blutkörperchen erhalten, damit sein Immunsystem dem Antigen D nie begegnet; ein RhD-positiver Mensch kann problemlos RhD-negative Erythrozyten bekommen.2 Deshalb ist 0 negativ der Universalspender der Notfallversorgung – und mit 6 % zugleich knapp, weshalb die Blutspende gerade hier gefragt ist. Die Bundesärztekammer zieht daraus zwei Konsequenzen:2
- Bei RhD-negativen Mädchen und RhD-negativen gebärfähigen Frauen ist die Transfusion RhD-positiver Erythrozytenkonzentrate „mit Ausnahme von lebensbedrohlichen Situationen unbedingt zu vermeiden“ – zum Schutz künftiger Schwangerschaften.
- Muss wegen Knappheit ausnahmsweise doch RhD-positiv transfundiert werden, ist die betroffene Person aufzuklären, und 2 bis 4 Monate später ist serologisch zu prüfen, ob sich Antikörper gebildet haben.
Wie fremde rote Blutkörperchen im Körper ankommen und abgebaut werden, zeigen Werte wie Hämoglobin, Hämatokrit, Haptoglobin, LDH und Bilirubin aus dem großen Blutbild. Ihre Blutgruppe selbst steht dort nicht: Sie wird gesondert bestimmt (mehr unter Blutbestandteile).
Der Rhesusfaktor in der Schwangerschaft
Relevant ist eine einzige Konstellation: eine RhD-negative Schwangere, die ein RhD-positives Kind erwartet. Gelangen kindliche rote Blutkörperchen in ihren Kreislauf – meist bei der Geburt, aber auch nach Fehlgeburt, Eingriffen oder Blutungen –, kann ihr Immunsystem Anti-D bilden. Für eine erste Schwangerschaft ist das meist folgenlos; in einer späteren Schwangerschaft mit einem RhD-positiven Kind können die Antikörper die Plazenta passieren und die kindlichen roten Blutkörperchen angreifen.42 Deutschland begegnet dem mit einem festen Programm aus der Mutterschafts-Richtlinie:4
- Blutgruppe, Merkmal RhD und Antikörpersuchtest früh in der Schwangerschaft, ein weiterer Suchtest in der 23+0 bis 26+6 SSW.
- Seit 2021 soll jeder RhD-negativen Schwangeren mit Einlingsschwangerschaft der nicht invasive Pränataltest auf den kindlichen Rhesusfaktor (NIPT-RhD) angeboten werden – möglich ab 11+0 SSW.
- Ist kein Anti-D nachweisbar, soll in der 27+0 bis 29+6 SSW eine Standarddosis Anti-D-Immunglobulin (um 300 µg) gegeben werden; eine weitere folgt innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt eines RhD-positiven Kindes sowie nach Fehlgeburt, Abbruch oder Eileiterschwangerschaft. Alle Details dazu stehen in der Anti-D-Prophylaxe.
Der Grund für den Pränataltest ist eine bemerkenswerte Zahl aus der Versicherteninformation der Richtlinie: Etwa 30 bis 40 % der RhD-negativen Schwangeren erwarten ein rhesus-negatives Kind – und erhielten nach dem früheren Vorgehen eine Prophylaxe, die ihnen gar nichts nutzen konnte.4 Nachteile des Tests sind nicht zu erwarten, und nach der Geburt wird der Rhesusfaktor jedes Kindes einer RhD-negativen Mutter ohnehin noch einmal bestimmt.4 Welche Termine anstehen und was Beta-hCG und die übrigen Werte bedeuten, bespricht Ihre Praxis mit Ihnen.
Schwaches und partielles D: wenn zwei Befunde nicht übereinstimmen
Ein Labor schreibt „Rhesus positiv“, ein anderes „Rhesus negativ“ – oder der Befund fällt „schwach positiv“ aus. Dahinter steckt fast nie ein Fehler, sondern Biologie. Die Bundesärztekammer unterscheidet drei Ausprägungen:2
- ein voll ausgeprägtes D (typisch RhD-positiv),
- ein schwach ausgeprägtes D (weak D) – normal aufgebaut, aber in geringerer Zahl vorhanden,
- ein qualitativ verändertes D (partial D, etwa die Kategorie D<sup>VI</sup>) oder ein DEL-Phänotyp, serologisch nur mit Spezialverfahren nachweisbar.
Klinisch entscheidend: Trägerinnen und Träger eines partial D können durch ein voll ausgeprägtes D immunisiert werden, weil ihnen Teile des Antigens tatsächlich fehlen.2
Was in Deutschland gemacht wird. Bei diskrepanten, fraglich positiven oder schwach positiven Ergebnissen gilt die Person laut Richtlinie Hämotherapie vorerst als „Empfänger RhD-negativ“ – im Zweifel die sichere Variante. Eine molekulargenetische Differenzierung soll dann erfolgen, „insbesondere bei Mädchen, bei gebärfähigen Frauen und bei Patienten mit chronischem Transfusionsbedarf“. Ergibt sie weak D Typ 1, 2 oder 3, gilt die Person als RhD-positiv: Sie kann RhD-positive Blutprodukte erhalten, und Schwangere benötigen dann keine Rhesusprophylaxe. Bei allen anderen Genotypen bleibt es bei RhD-negativ.2
Warum ausgerechnet Typ 1, 2 und 3? Eine Untersuchung an Blutspendenden in Norddeutschland und Tirol zeigte, dass über 90 % aller weak-D-Befunde auf diese drei Typen entfallen.12 Und während bei weak D Typ 11, 15 oder 33 einzelne Immunisierungen beobachtet wurden, wurde bei Typ 1, 2 und 3 „trotz mehrerer tausendfacher RhD-positiver Transfusionen in keinem Fall eine RhD-Immunisierung nachgewiesen“.5 Früher erhielten vorsichtshalber alle Betroffenen RhD-negatives Blut; heute lassen sich laut DGTI die rund 5 % ermitteln, die wirklich gefährdet sind.8
⚠️ Ein Detail, das Verwirrung erklärt: Die Mutterschafts-Richtlinie geht bei Schwangeren einen anderen Weg. Klärt ein indirekter Antiglobulintest die Diskrepanz und fällt positiv aus, gilt die Schwangere dort als RhD-positiv (zum Beispiel weak RhD).4 Die Richtlinie Hämotherapie stuft dieselbe Person zunächst als RhD-negativ ein und verlangt die Genotypisierung.2 Zwei Regelwerke, zwei Schwellen – ein guter Grund, einen schwankenden Rhesusbefund ärztlich abklären zu lassen.
Für Spenderblut gilt die Sorgfalt umgekehrt: Wer ein schwach oder partiell ausgeprägtes D hat, wird als Spender ausdrücklich RhD-positiv deklariert, denn sein Blut könnte eine RhD-negative Empfängerin immunisieren.2 Ein Ulmer Screening von 46 133 serologisch RhD-negativen Erstspendern fand bei 0,21 % doch ein RHD-Gen, rund die Hälfte davon vom DEL-Typ.13 Dieselbe Person kann also als Empfängerin „negativ“ und als Spenderin „positiv“ geführt werden – kein Widerspruch, sondern Vorsicht in beide Richtungen.
Wenn Anti-D einmal gebildet ist
Die Besonderheit des Rhesus-Systems: Die Antikörper sind nicht von Geburt an da, Anti-D entsteht erst durch Kontakt.2 Dieser erste Kontakt verläuft meist unbemerkt – er „programmiert“ das Immunsystem für das nächste Mal.
Und diese Prägung lässt sich nicht zurücknehmen. Zwei Stellen in den deutschen Regelwerken zeigen es: Bei nachgewiesenen klinisch relevanten Antikörpern ist ein Notfallpass auszustellen, der den Befund dauerhaft dokumentiert.2 Und eine Anti-D-Prophylaxe ist nicht mehr notwendig, wenn eine RhD-negative Schwangere mit RhD-positivem Feten bereits Antikörper entwickelt hat.4 Die Prophylaxe verhindert eine Immunisierung – rückgängig machen kann sie keine. Ab diesem Punkt geht es um Überwachung statt Vorbeugung: Antikörpertiter, spezialisierte Betreuung, gegebenenfalls Kontrolle des kindlichen Bilirubins und der Retikulozyten nach der Geburt.2
Neues aus der Forschung
Aus aktuellen, in PubMed indexierten Arbeiten:
- Genotypisierung statt reiner Serologie. Eine Übersicht von 2025 fasst zusammen, wie die RHD-Genotypisierung schwache und diskrepante D-Befunde auflöst, partielle D-Varianten identifiziert und die Betreuung bei Anti-D verändert hat.7
- Der fetale Rhesusfaktor aus dem mütterlichen Blutplasma. Eine internationale Arbeitsgruppe mit deutscher Beteiligung legte Empfehlungen zu Validierung und Qualitätssicherung nicht invasiver fetaler Blutgruppentests vor – die methodische Grundlage der Verfahren, die die Mutterschafts-Richtlinie verlangt.14
- Warum es trotz Prophylaxe noch Immunisierungen gibt. Eine Übersichtsarbeit von 2024 zeigt: Anti-D bleibt die häufigste Ursache schwerer hämolytischer Erkrankungen des Feten und Neugeborenen – meist nach verpassten Auslösern wie Bauchtraumata oder Blutungen.15 Eine Analyse von 2020 stuft diese Erkrankung weltweit als weitgehend vermeidbar ein.16
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Häufige Fragen
Was bedeutet Rhesusfaktor positiv oder negativ? Positiv heißt: Ihre roten Blutkörperchen tragen das Antigen D. Negativ heißt: Sie tragen es nicht. Über die weiteren Rhesus-Antigene C, c, E und e sagt die Angabe nichts.26
Ist Rhesus negativ schlecht oder gefährlich? Nein. Es ist ein vererbtes Merkmal ohne Krankheitswert. Berücksichtigt werden muss es nur bei einer Transfusion und in der Schwangerschaft.24
Wie viele Menschen in Deutschland sind Rhesus negativ? Etwa 15 %; rund 85 % sind Rhesus positiv.138
Ist „Rhesus negativ“ dasselbe wie „Blutgruppe 0 negativ“? Nein – das ist die häufigste Verwechslung. 0− haben nur 6 %. Rhesus negativ sind alle vier Gruppen ohne Antigen D zusammen: A−, 0−, B− und AB−.13
Mein Rhesusfaktor wurde einmal positiv und einmal negativ bestimmt – wie kann das sein? Meist steckt eine weak-D- oder **partial-D-**Variante dahinter, die je nach Testverfahren unterschiedlich reagiert; der Rhesusfaktor selbst ist vererbt und stabil. Die Richtlinie Hämotherapie sieht dann eine molekulargenetische Abklärung vor, besonders bei Mädchen und gebärfähigen Frauen.25
Mutter Rhesus positiv, Vater Rhesus negativ – ist das ein Problem? Nein. Ein Risiko besteht nur, wenn die Mutter RhD-negativ ist und das Kind RhD-positiv. Ist die Mutter RhD-positiv, spielt der Rhesusfaktor des Vaters keine Rolle.4
Wird der Rhesusfaktor beim normalen Blutbild mitbestimmt? Nein. Das große Blutbild zählt und vermisst unter anderem Erythrozyten; die Blutgruppenbestimmung ist eine eigene, serologische Untersuchung. Begriffe rund um Laborwerte finden Sie im Blutwerte-Lexikon.
Bekomme ich als Rhesus-negativer Mensch im Notfall überhaupt Blut? Ja, RhD-negative Erythrozytenkonzentrate werden gezielt bevorratet. Nur wenn sie lebensbedrohlich knapp sind, kann ausnahmsweise RhD-positiv transfundiert werden – mit serologischer Kontrolle nach 2 bis 4 Monaten.2
Sagt der Rhesusfaktor etwas über die passende Ernährung aus? Nein. Ernährungskonzepte nach Blutgruppe beziehen sich auf das AB0-System – und auch dort fehlen Belege.10
Zum Mitnehmen
Der Rhesusfaktor beschreibt ein einziges Eiweiß – das Antigen D – auf Ihren roten Blutkörperchen. Etwa 15 % der Menschen in Deutschland tragen es nicht, verteilt auf A−, 0−, B− und AB−; 0 negativ allein macht davon nur 6 % aus.13 Rhesus negativ ist keine Krankheit und sagt nichts über Gesundheit, Charakter oder Ernährung aus. Wichtig wird das Merkmal an zwei Stellen: bei der Transfusion und in der Schwangerschaft, wo die Mutterschafts-Richtlinie seit 2021 den Rhesusfaktor des Kindes vorab bestimmen lässt.24 Ein schwankender Befund spricht meist für ein schwaches oder partielles D und gehört genotypisch abgeklärt.5 Kein Laborwert steht für sich – erst das Gesamtbild ergibt Sinn, und dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Deutsche Richtlinien und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
Footnotes
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DRK-Blutspendedienste – Verteilung von Blutgruppen: „In Bezug auf das Rhesus-System besitzen ca. 85 % der Bevölkerung in Deutschland das Merkmal Rhesus positiv und 15 % das Merkmal Rhesus negativ“; Einzelverteilung A+ 37 %, 0+ 35 %, B+ 9 %, AB+ 4 %, A− 6 %, 0− 6 %, B− 2 %, AB− 1 %. drk-blutspende.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
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Bundesärztekammer – Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2023: Abschnitt 4.4.7 (Ausprägungsformen des Merkmals RhD: voll ausgeprägt, weak D, partial D/D-Kategorie VI, DEL; vorläufige Deklaration als „Empfänger RhD-negativ“ bei diskrepanten oder schwach positiven Ergebnissen; molekulargenetische Differenzierung insbesondere bei Mädchen, gebärfähigen Frauen und chronischem Transfusionsbedarf; weak D Typ 1, 2 und 3 gelten als RhD-positiv und benötigen keine Rhesusprophylaxe), Abschnitt 2.5.2 (Blutspender mit schwach oder partiell ausgeprägtem RhD werden als RhD-positiv deklariert), Abschnitt 4.4.10 (Notfallpass bei klinisch relevanten Antikörpern), Abschnitt 4.6.2 (Rh-Phänotypschreibweise CcD.ee bzw. ccddee), Abschnitt 4.10.3, Unterabschnitt Erythrozytenkonzentrate (Transfusion RhD-positiver Erythrozytenkonzentrate bei RhD-negativen Mädchen und gebärfähigen Frauen unbedingt zu vermeiden; serologische Kontrolle 2–4 Monate nach Transfusion) sowie Abschnitt 4.12.1 (Morbus haemolyticus fetalis/neonatorum auch durch Anti-c, Anti-E, Anti-K; Anti-D-Prophylaxe, Standarddosis 300 µg, 72-Stunden-Frist und Hinweis, auch danach nicht darauf zu verzichten). bundesaerztekammer.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23
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Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes – Verteilung der Blutgruppen: identische prozentuale Verteilung nach Rhesusfaktor positiv und negativ für Deutschland (A+ 37 %, 0+ 35 %, B+ 9 %, AB+ 4 %, A− 6 %, 0− 6 %, B− 2 %, AB− 1 %). blutspendedienst.com ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
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Gemeinsamer Bundesausschuss – Mutterschafts-Richtlinie (Mu-RL), Fassung vom 21. September 2023, in Kraft getreten am 19. Dezember 2023: § 4 Absatz 1 Nr. 3 (Bestimmung des Merkmals RhD mit mindestens zwei Testreagenzien; Klärung bei Diskrepanzen im indirekten Antiglobulintest) und Nr. 4 (Antikörpersuchtest gegen D, C, c, E, e, Kell, Fy und S), § 4 Absatz 3 (Angebot des NIPT-RhD an jede RhD-negative Schwangere mit Einlingsschwangerschaft, frühestens ab 11+0 SSW) und Absatz 3a (Antikörpersuchtest 23+0 bis 26+6 SSW, Standarddosis um 300 µg in 27+0 bis 29+6 SSW, keine Prophylaxe bei bereits gebildeten Antikörpern), § 5 (Bestimmung des RhD-Merkmals des Kindes nach der Geburt, Prophylaxe nach Fehlgeburt und Schwangerschaftsabbruch) sowie Anlage VII, Versicherteninformation Welchen Nutzen hat die Bestimmung des Rhesusfaktors vor der Geburt? (etwa 15 % Rhesus negativ in Europa; 30 bis 40 % der rhesus-negativen Schwangeren erwarten ein rhesus-negatives Kind; keine erkennbaren Nachteile des Tests). g-ba.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13
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Geisen C (DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg–Hessen, Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie, Universitätsklinikum Frankfurt am Main) – Hat die Blutgruppenserologie ausgedient? Molekulargenetische Blutgruppendiagnostik. Trillium Diagnostik 2019, Heft 2: Änderung der Typisierungsstrategie gegenüber der Richtlinie von 2010; einzelne RhD-Immunisierungen bei weak D Typ 11, 15 und 33; keine nachgewiesene Immunisierung bei weak D Typ 1, 2 und 3 „trotz mehrerer tausendfacher RhD-positiver Transfusionen“; über 90 % der Patienten mit abgeschwächtem D betroffen. trillium.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
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IQWiG – gesundheitsinformation.de, Glossareintrag Rhesusfaktor: Definition als Eiweiß auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen, Bedeutung für Schwangerschaften bei rhesus-negativen Frauen. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2
-
Ramsey G. The Rh blood group system: RHD update. Immunohematology, 2025. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) – Pressemitteilung zur 53. Jahrestagung, Neue Gentests erleichtern Suche nach passenden Blutprodukten, 2. September 2020, mit Zitaten von H. Schrezenmeier und C. Weinstock (Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm): „Nur 15 Prozent der Deutschen sind RhD-negativ“; Genotypisierung identifiziert die rund 5 % der Menschen mit schwach ausgeprägtem RhD, die tatsächlich immunisierungsgefährdet sind. idw-online.de ↩ ↩2 ↩3
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Wagner FF, Flegel WA (Abteilung Transfusionsmedizin, Universitätsklinikum Ulm). RHD gene deletion occurred in the Rhesus box. Blood, 2000. PubMed · DOI ↩ ↩2
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DRK-Blutspendedienste, Blutspende-Magazin – „Blutgruppendiät“ – was ist dran?, 7. März 2025: die Blutgruppendiät beruht auf einer Falschannahme; es gibt keine Studien oder wissenschaftlichen Beweise für die Effektivität der vorgeschlagenen Lebensmittelauswahl im Zusammenhang mit den Blutgruppen. blutspende.de ↩ ↩2
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Paul-Ehrlich-Institut – Bericht zur Versorgung mit Blut und Blutprodukten 2024 (Meldungen nach § 21 Transfusionsgesetz): täglicher Bedarf von rund 10 000 Erythrozytenkonzentraten in Deutschland; Stabilisierung bei rund 3,2 Millionen transfundierten Einheiten pro Jahr (3 175 723 Einheiten im Berichtsjahr 2024). pei.de ↩
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Müller TH, Wagner FF, Trockenbacher A, et al. PCR screening for common weak D types shows different distributions in three Central European populations. Transfusion, 2001. PubMed · DOI ↩
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Flegel WA, von Zabern I, Wagner FF. Six years' experience performing RHD genotyping to confirm D− red blood cell units in Germany for preventing anti-D immunizations. Transfusion, 2009. PubMed · DOI ↩
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Clausen FB, Hellberg Å, Bein G, et al. Recommendation for validation and quality assurance of non-invasive prenatal testing for foetal blood groups and implications for IVD risk classification according to EU regulations. Vox Sanguinis, 2022. PubMed · DOI ↩
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Akkök ÇA. Why do RhD negative pregnant women still become anti-D immunized despite prophylaxis with anti-D immunoglobulin? Transfusion and Apheresis Science, 2024. PubMed · DOI ↩
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Pegoraro V, Urbinati D, Visser GHA, et al. Hemolytic disease of the fetus and newborn due to Rh(D) incompatibility: A preventable disease that still produces significant morbidity and mortality in children. PLoS One, 2020. PubMed · DOI ↩