Serologie: IgM, IgG und Befunde richtig lesen
Serologie verständlich: IgM spricht für frisch, IgG für alt oder geimpft. Seit Oktober 2021 gehört ein einmaliger Hepatitis-B- und -C-Test zum Check-up 35.
Eine Serologie – fachlich Infektionsserologie – ist eine Blutuntersuchung, die klärt, ob Sie einem bestimmten Erreger begegnet sind. Sie unterscheidet sich grundlegend von anderen Laborwerten: Es kommt keine Zahl mit Normbereich zurück, sondern ein Urteil – positiv, negativ oder grenzwertig – und meistens ein Paar aus IgM und IgG, dessen Bedeutung vom Zeitpunkt abhängt. Dieser Ratgeber erklärt, wie man IgM und IgG liest, warum ein negativer Test im diagnostischen Fenster nichts beweist, weshalb ein positiver Suchtest noch keine Diagnose ist, und was in Deutschland vorgesehen ist: im Check-up 35, in der Schwangerenvorsorge und bei der Meldepflicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Serologie sucht Antikörper gegen einen Erreger. Der Direktnachweis – Antigen oder Erbgut per PCR – sucht den Erreger selbst und wird deutlich früher positiv.12
- IgM deutet auf eine frische Infektion hin, IgG auf einen alten Kontakt oder eine Impfung. Bei der Syphilis persistiert der Suchtest „in den meisten Fällen lebenslang".3
- ⚠️ Das diagnostische Fenster ist der wichtigste Sicherheitspunkt. Beim HIV werden Antikörper im Mittel erst nach 22 Tagen nachweisbar, das p24-Antigen nach 16 bis 18 Tagen, virale Nukleinsäure nach elf Tagen. Ein sicherer Ausschluss gelingt mit einem Suchtest der 4. Generation erst sechs Wochen nach der Exposition.1
- Ein positiver Suchtest ist ein Signal, keine Diagnose. Das Robert Koch-Institut formuliert den Grund am Beispiel der Röteln: „Der positive prädiktive Wert … der Serologie sinkt, je seltener Rötelninfektionen werden."4 Deshalb gilt durchgehend die Zweistufendiagnostik aus Such- und Bestätigungstest.135
- Seit der Check-up 35 um ein Hepatitis-Screening erweitert wurde, haben Versicherte ab 35 einmalig Anspruch auf einen Test auf Hepatitis B und einmalig auf Hepatitis C.5
- Toxoplasmose gehört in Deutschland nicht zur Schwangerenvorsorge – anders als in Frankreich, Österreich und Italien. Der IGeL-Monitor bewertet den Test als „unklar".67
- Hepatitis B und C werden namentlich an das Gesundheitsamt gemeldet, HIV und Syphilis nichtnamentlich direkt an das RKI.8
Was ist eine Serologie – und was ist sie nicht?
Das Wort Serologie kommt vom Serum, dem flüssigen Anteil des Blutes. Untersucht wird darin die Antwort Ihres Immunsystems: die Antikörper gegen einen Erreger. Ihr Nachweis beweist einen Kontakt – nicht zwangsläufig eine Krankheit, und schon gar nicht eine aktuelle.
Dem gegenüber steht der Direktnachweis, der nicht die Reaktion sucht, sondern den Erreger. Ein Antigen ist ein Baustein davon – etwa das HBs-Antigen der Hepatitis B oder das p24-Antigen des HI-Virus, das Suchtests der 4. Generation zusätzlich erfassen. Die Nukleinsäureamplifikation (NAT, umgangssprachlich PCR) weist das Erbgut nach; sie ist das früheste Verfahren und das einzige, das eine Viruslast beziffert.12
Der Zeitunterschied ist erheblich: Beim HIV sind virale Nukleinsäuren im Mittel nach elf Tagen nachweisbar, das Antigen nach 16 bis 18 Tagen, die Antikörper erst nach 22 Tagen.1 Bei der Hepatitis B ist die HBV-DNA „der erste positive Infektionsmarker", gefolgt vom HBs-Antigen „einige Wochen später".2
Eine Serologie ist außerdem kein Suchpaket: Es gibt sie immer nur auf einen bestimmten Erreger. Deshalb steht auf der Überweisung „HIV-Suchtest" oder „Lues-Suchreaktion" – nie einfach „Serologie". Und sie ersetzt kein Blutbild: Dass eine Entzündung läuft, zeigen CRP, BSG und die Leukozyten mit den Lymphozyten; welcher Erreger dahintersteckt, beantwortet erst die Serologie.
IgM und IgG: die zwei Antikörperklassen
Antikörper – auch Immunglobuline – entstehen in einer festen Reihenfolge.
IgM sind die erste Welle: früh da, danach wieder abfallend. Ein positives IgM lenkt den Verdacht auf eine frische Infektion – mehr nicht. Denn IgM können monatelang persistieren und sind die Antikörperklasse mit den meisten falsch positiven Befunden. Das RKI nennt die Ursachen beim Röteln-IgM ausdrücklich: persistierende IgM-Antikörper, Rheumafaktoren, polyklonale IgM-Stimulation und Kreuzreaktionen mit anderen Viren.4
IgG sind das immunologische Gedächtnis: Sie kommen später und bleiben oft ein Leben lang. Ein positives IgG bedeutet alter Kontakt oder Impfung. Bei den Röteln gilt es als „ausreichender Hinweis auf Immunschutz" – die gemessene Zahl sagt jedoch nichts über die Robustheit dieser Immunität aus, und Werte verschiedener Testhersteller sind laut RKI „nicht miteinander vergleichbar".4
| Befund | Übliche Einordnung |
|---|---|
| IgM negativ, IgG negativ | kein Kontakt – oder noch im diagnostischen Fenster |
| IgM positiv, IgG negativ | möglicherweise sehr frische Infektion; Bestätigung nötig |
| IgM positiv, IgG positiv | Infektion in Entwicklung – oder persistierendes IgM |
| IgM negativ, IgG positiv | alter Kontakt, ausgeheilte Infektion oder Impfschutz |
Diese Tabelle ist ein Orientierungsraster, kein Entscheidungsbaum: Welche Zeile auf Sie zutrifft, hängt vom Erreger, vom Datum der möglichen Ansteckung, von Ihren Beschwerden und von Ihrem Impfstatus ab. Bei der Hepatitis B etwa arbeitet man gar nicht mit IgM und IgG allein, sondern mit dem Zusammenspiel aus HBs-Antigen, Anti-HBc und Anti-HBs.2
Das diagnostische Fenster: warum „negativ" nicht immer negativ heißt
Zwischen der Ansteckung und dem Moment, in dem ein Test anschlägt, liegt das diagnostische Fenster: Sie können infiziert und getestet-negativ sein. Das ist der Satz, der auf dieser Seite am meisten zählt – ein negativer Test kurz nach einer Exposition schließt nichts aus.
| Untersuchung | Frühester Nachweis | Sicherer Ausschluss |
|---|---|---|
| HIV, Suchtest 4. Generation (Antikörper + p24) | Antigen 16–18 Tage, Antikörper Ø 22 Tage | in der Regel nach 6 Wochen1 |
| HIV, reiner Antikörpertest (3. Generation) | Ø 22 Tage | 12 Wochen1 |
| HIV, NAT/PCR | Ø 11 Tage | ersetzt den Suchtest nicht1 |
| Syphilis, TPHA/TPPA-Suchtest | 2–3 Wochen | primäre Syphilis erst nach 8–10 Wochen ausgeschlossen3 |
| Syphilis, Lipoidantikörper (VDRL/RPR) | 4–6 Wochen | Aktivitätsmarker, kein Ausschlusstest3 |
Das RKI leitet daraus eine praktische Regel ab: Bleibt der Syphilis-Suchtest negativ, besteht der Verdacht auf eine Frühsyphilis aber fort, „sollte der Suchtest nach 1–2 Wochen, ggf. auch mehrfach wiederholt werden".3 Dieselbe Logik gilt beim HIV-Test: Wer nach zehn Tagen testet, hat nur eine Momentaufnahme.1 Wie real das Fenster ist, zeigt die Blutspende: Eine Auswertung des Paul-Ehrlich-Instituts über rund 46 Millionen Spenden fand 20 HIV-1-, 61 HCV- und 29 HBV-Fälle, die allein die NAT entdeckte – bei Spendenden, deren Antikörpertests noch negativ waren.9
Ein Fenster gibt es auch am anderen Ende. Bei einer ausheilenden Hepatitis B verschwindet das HBs-Antigen, bevor die Anti-HBs erscheinen. Das RKI nennt das die „Fensterphase": Beide Marker negativ, die Person aber wahrscheinlich noch infektiös – erkennbar nur über die HBV-DNA.2
Suchtest und Bestätigungstest: warum positiv noch keine Diagnose ist
Ein Suchtest ist auf Empfindlichkeit gebaut: Er soll niemanden übersehen. Der Preis dafür sind falsch positive Ergebnisse – und zwar umso mehr, je seltener die gesuchte Erkrankung ist. Das RKI sagt das für die in Deutschland als eliminiert geltenden Röteln in einem Satz: „Der positive prädiktive Wert (der richtige Vorhersagewert) der Serologie sinkt, je seltener Rötelninfektionen werden."4
Die Konsequenz ist überall dieselbe Zweistufendiagnostik:
- HIV: hochsensitiver Suchtest (ELISA der 4. Generation), dann Bestätigung im Immunoblot, wobei „nicht der Nachweis eines einzigen viralen Proteins" genügt, sondern ein definiertes Bandenmuster; alternativ eine NAT ab 1.000 Kopien/ml. Gegen Probenverwechslungen soll stets eine zweite Blutprobe getestet werden.1
- Syphilis: TPHA/TPPA oder ein polyvalenter Immunoassay als Suchtest, danach ein Bestätigungstest nach einem anderen Methodenkonzept (FTA-ABS, IgG-Immunoblot, IgG-EIA). Erst dann folgen die Aktivitätsparameter VDRL/RPR und spezifisches IgM, die klären, ob überhaupt Behandlungsbedarf besteht.3
- Hepatitis-Screening: reaktives HBs-Antigen per HBV-DNA nachgeprüft, reaktive HCV-Antikörper per HCV-RNA – aus derselben Blutentnahme.5
Am schärfsten formuliert es das RKI für die Schwangerschaft: „Ein positiver IgM-Nachweis in der Schwangerschaft ist aufgrund möglicher falsch-positiver Befunde auf gar keinen Fall eine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch."4 Wo ein einzelner reaktiver Wert nicht einmal dort trägt, trägt er auch bei Ihnen nicht.
Avidität und Direktnachweis: wenn Antikörper nicht genügen
Manchmal reicht „IgG positiv" nicht, weil die entscheidende Frage lautet: wann? Dafür gibt es die Avidität – ein Maß dafür, wie fest IgG-Antikörper binden. Frische IgG binden schwach, gereifte fest; eine hohe Avidität spricht also gegen eine Infektion in den letzten Wochen. Der EBM führt den Test genau in dieser Rolle: als „Abklärungstest nach positiver IgM-Antikörperbestimmung".10 Auch das RKI nennt die IgG-Avidität – neben PCR und Immunoblot – als Verfahren, mit dem ein positives Röteln-IgM abgeklärt wird.4
Wo Antikörper an ihre Grenzen stoßen, übernimmt der Direktnachweis: bei frischer Infektion vor abgeschlossener Serokonversion; bei Immunsuppression, wenn die Antikörperbildung ausbleibt;2 bei Neugeborenen, deren Blut die mütterlichen IgG mit einer Halbwertszeit von 21 Tagen enthält und deren IgG-Serologie deshalb im ersten Lebensjahr uneindeutig bleibt;3 und wenn die Menge zählt, denn nur die Viruslast beantwortet die Frage nach Aktivität und Ansteckungsfähigkeit.2
Serologie im Check-up 35: Hepatitis B und C
Versicherte haben zwischen 18 und 35 einmalig Anspruch auf eine allgemeine Gesundheitsuntersuchung, ab dem vollendeten 35. Lebensjahr alle drei Jahre. Seit der G-BA die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie erweitert hat – in Kraft seit dem 12. Februar 2021, abrechenbar seit dem 1. Oktober 2021 – gehört ein Hepatitis-Screening dazu. Der Wortlaut ist präzise: Versicherte ab 35 haben „im Rahmen der Inanspruchnahme einer allgemeinen Gesundheitsuntersuchung einmalig Anspruch auf ein Screening auf Hepatitis-B-Virusinfektion und einmalig Anspruch auf ein Screening auf Hepatitis-C-Virusinfektion". Getestet wird auf HBs-Antigen beziehungsweise HCV-Antikörper; bei reaktivem Ergebnis folgt aus derselben Blutentnahme die HBV-DNA beziehungsweise HCV-RNA.5
Was das Screening nicht abdeckt, ist ebenso wichtig: Es enthält kein HIV, keine Syphilis, keine Röteln und keine Toxoplasmose. Wer darauf getestet werden möchte, braucht einen eigenen Anlass. Laborseitig umfasst der Check-up sonst ein Lipidprofil, eine Nüchternplasmaglucose und einen Harnstreifentest – deshalb steht auf der Überweisung oft „nüchtern", obwohl die Serologie das nicht verlangt.5
Dass sich das Screening lohnt, ist belegt. Eine Auswertung deutscher Praxislabore über das erste Jahr fand Prävalenzen von 0,54 % (HBs-Antigen), 0,79 % (HCV-Antikörper) und 0,13 % (HCV-RNA); bei den 75- bis 84-Jährigen stieg die Zahl positiver Anti-HCV-Befunde gegenüber der Routineversorgung um mehr als 500 %.11 Zur Einordnung: Nach der DEGS1-Studie liegt die Prävalenz akuter oder chronischer Hepatitis-B-Infektionen bei Erwachsenen bei 0,3 %, während bei 5,1 % Anti-HBc auf eine durchgemachte Infektion hinweist.2
Ein reaktiver Befund führt meist zu einer erweiterten Blutabnahme mit Leberwerten – GPT, GOT, Gamma-GT, Bilirubin –, die zeigen, ob die Leber entzündet ist. Näheres in den Ratgebern zur Hepatitis B und zur Hepatitis C.
Welche Serologien sieht die deutsche Schwangerenvorsorge vor?
Die Mutterschafts-Richtlinie des G-BA legt fest, was in der Schwangerschaft Kassenleistung ist. Das Ergebnis überrascht viele – vor allem im Vergleich mit Frankreich oder Italien.
| Untersuchung | Vorgesehen? | Zeitpunkt und Bedingung |
|---|---|---|
| Lues-Suchreaktion (TPHA/ELISA/TPPA) | ja | „zu einem möglichst frühen Zeitpunkt"; im Mutterpass wird nur die Durchführung dokumentiert, nicht das Ergebnis |
| HIV-Antikörpertest | angeboten, freiwillig | soll jeder Schwangeren empfohlen werden; dokumentiert werden Beratung und Durchführung, das Ergebnis nicht |
| HBs-Antigen | ja | ebenfalls früh (siehe unten); entfällt bei nachgewiesener Immunität |
| Rötelnantikörper | nur ohne Impfnachweis | Immunität gilt bei zwei dokumentierten Impfungen als gegeben |
| Toxoplasmose | nein | nur „bei begründetem Verdacht" |
| Chlamydia trachomatis | ja, aber keine Serologie | Urinprobe, Nukleinsäuretest (NAT) |
Quelle ist der Richtlinientext selbst.6 Zwei Punkte werden oft veraltet wiedergegeben.
Die Röteln-Regel hat sich geändert. Ein Antikörpertest ist heute nicht mehr Standard, sondern nur „bei Schwangeren ohne Rötelnimmunität" erforderlich – und Immunität gilt als belegt, wenn zwei Rötelnimpfungen dokumentiert sind.6 Das RKI begründet, warum der Impfpass dem Titer vorgezogen wird: Die Ergebnisse verschiedener Testhersteller sind nicht vergleichbar, und im Graubereich lassen sich mit anderen Verfahren häufig doch schützende Antikörper nachweisen. „Aus diesen Gründen ist es ratsam, den Immunitätsnachweis durch Impfbuchkontrolle durchzuführen."4
Der Hepatitis-B-Test wurde vorverlegt. Bis 2023 war das HBsAg-Screening auf die 32. bis 40. Schwangerschaftswoche terminiert. Der G-BA hat das am 20. April 2023 geändert; seit dem 30. Juni 2023 soll der Test „so früh wie möglich nach Feststellen der Schwangerschaft im Rahmen der ersten serologischen Untersuchungen" erfolgen, damit eine antivirale Therapie rechtzeitig beginnen kann.12 Bei positivem Befund wird das Neugeborene unmittelbar nach der Geburt aktiv und passiv immunisiert.6
Und die Toxoplasmose? Sie steht nicht im deutschen Programm. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet den „Toxoplasmose-Test bei Schwangeren" als „unklar", beziffert die Kosten auf 16,90 bis 20,40 Euro und begründet das so: Es fanden sich keine Studien, die einen Nutzen bei Schwangeren ohne Infektionsverdacht belegen, während falsch positive Befunde und Überdiagnosen als „eher schädlich" gelten. Dieselbe Bewertung hält fest, dass regelmäßige Tests „in Frankreich, Österreich und Italien … zum normalen Vorsorgeprogramm" gehören.7
Die Behandlung eines gesicherten Falls ist davon unberührt und wirkt: Eine Metaanalyse von 56 Studien mit 11.090 Schwangeren fand unter Therapie 18 % infizierte Kinder gegenüber 58 % ohne.13 Die deutsche Zurückhaltung richtet sich gegen das ungezielte Screening.610
Meldepflicht: welche Befunde gemeldet werden – und wie
Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldet das Labor bestimmte Erregernachweise; maßgeblich sind die RKI-Übersichtstabellen (Stand 1. August 2026).8
| Nachweis | Meldeform | Empfänger |
|---|---|---|
| Hepatitis-B-Virus | namentlich | Gesundheitsamt |
| Hepatitis-C-Virus | namentlich | Gesundheitsamt |
| Hepatitis-D-Virus | namentlich | Gesundheitsamt |
| HIV | nichtnamentlich | direkt an das RKI |
| Treponema pallidum (Syphilis) | nichtnamentlich | direkt an das RKI |
| Rubellavirus (Röteln) | namentlich | Gesundheitsamt |
| Toxoplasma gondii | nichtnamentlich, nur bei konnatalen Infektionen | RKI |
Der Unterschied ist kein Verwaltungsdetail. Bei HIV und Syphilis erhält das RKI eine fallbezogene, aber anonyme Meldung: § 10 IfSG legt fest, welche Angaben sie enthalten darf, und sie muss spätestens zwei Wochen nach Kenntnis vorliegen.1 Ihr Name steht dort nicht. Darauf beruhen die Zahlen, die Deutschland überhaupt kennt: 9.519 gemeldete Syphilis-Fälle 2024, ein Höchststand nach 9.159 im Vorjahr, darunter acht Fälle konnataler Syphilis.14 Und beim HIV die RKI-Schätzung für Ende 2024: rund 97.700 Menschen mit HIV, davon über 8.200 ohne Diagnose; von den 3.200 Erstdiagnosen erfolgten 1.100 erst bei fortgeschrittenem Immundefekt.15
Was zahlt die Kasse, was ist IGeL?
Bei medizinischem Anlass sind Serologien Kassenleistung; Sie zahlen nichts zu. Die Beträge aus dem EBM (Stand 3/2026) sind die Vergütung von Praxis oder Labor, keine Rechnung an Sie:10
| Leistung (EBM-Ziffer) | Bewertung |
|---|---|
| Zuschlag Hepatitis-B/C-Screening (01734) | 5,22 € |
| HBs-Antigen und/oder HCV-Antikörper (01865) | 13,38 € |
| HBV-DNA bei reaktivem HBs-Antigen (01866) | 102,56 € |
| HCV-RNA bei reaktiven HCV-Antikörpern (01867) | 45,87 € |
| HIV-1/2-Antikörper und p24-Antigen (32575) | 4,09 € |
| Lues-Suchreaktion TPHA/TPPA (32566) | 4,23 € |
| Zuschlag Toxoplasma-IgG-Avidität (32573) | 23,83 € |
Zwei Dinge fallen auf. Der Bestätigungsschritt kostet ein Vielfaches des Suchtests – die HBV-DNA ist rund achtmal so hoch bewertet wie der Test, der sie auslöst. Und als IGeL taucht hier praktisch nur der Toxoplasmose-Test bei Schwangeren auf: Zu HIV-, Hepatitis-, Syphilis- oder Borreliose-Tests führt der IGeL-Monitor in seiner A-Z-Liste keine Bewertung – ein Zeichen dafür, dass diese Tests bei bestehendem Anlass regulär über die Kasse laufen.7
Müssen Sie für eine Serologie nüchtern sein?
Nein. Antikörper und Antigene ändern sich nicht mit einer Mahlzeit. In der Praxis wird jedoch selten nur eine Serologie abgenommen: Kommt sie zusammen mit Blutzucker oder Blutfetten – wie im Check-up 35 mit seiner Nüchternplasmaglucose –, gilt deren Vorgabe für die gesamte Blutentnahme.5 Richten Sie sich nach der Angabe auf Ihrer Überweisung. Ebenfalls sinnvoll: das Datum der möglichen Ansteckung und Ihren Impfpass mitzubringen. Ohne diese beiden Angaben lässt sich keine Serologie zu Ende lesen.
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„IgG positiv" kann alten Kontakt heißen – oder Impfschutz. „Negativ" kann Entwarnung bedeuten oder schlicht, dass Sie zu früh getestet wurden. Den Unterschied macht der Zusammenhang: Zeitpunkt, Beschwerden, Impfstatus und die übrigen Werte, etwa das große Blutbild oder die Entzündungswerte.
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Aktuelle Forschung
Aus aktuellen, auf PubMed indexierten Arbeiten:
- Das deutsche Hepatitis-Screening funktioniert. Im ersten Jahr wurden 286.192 Menschen getestet statt rund 30.000 wie zuvor. Die Autoren merken an, dass Menschen mit injizierendem Drogenkonsum über diesen Zugangsweg unterrepräsentiert bleiben.11
- Selbsttests sind zuverlässig, wenn richtig eingeordnet. Eine WHO-Metaanalyse fand nahezu perfekte Übereinstimmung zwischen HIV-Selbsttests und der Testung durch Fachpersonal.16 Ein reaktiver Selbsttest muss dennoch im Labor bestätigt, ein negativer innerhalb des Fensters wiederholt werden.1
- Die Syphilis-Diagnostik bleibt zweistufig. Eine Übersichtsarbeit von 2025 bestätigt Algorithmen aus treponemalen und nichttreponemalen Tests als Standard; Nukleinsäuretests und Point-of-Care-Verfahren gelten als aussichtsreich, haben aber erhebliche Einschränkungen.17
- Das reflexhafte „TORCH-Paket" hat ausgedient. Eine Übersicht über acht Studien mit 2.538 Schwangerschaften fand 26 bestätigte CMV-Fälle – und keinen einzigen Fall von konnataler Toxoplasmose, Röteln oder Herpes.18
Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Vorsorge. Sie ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.
Häufige Fragen
Was ist eine Serologie? Eine Blutuntersuchung, die Antikörper gegen einen bestimmten Erreger sucht. Sie zeigt einen Kontakt an – nicht automatisch eine Erkrankung. Den Erreger selbst finden Antigentests und die PCR.12
Was ist der Unterschied zwischen IgM und IgG? IgM kommen zuerst und sprechen für eine frische Infektion – sie können aber persistieren und falsch positiv sein. IgG kommen später, bleiben oft lebenslang und stehen für alten Kontakt oder Impfung.43
Was bedeutet ein grenzwertiger Befund? Dass der Messwert nahe am Cut-off liegt. Er ist weder positiv noch negativ, sondern eine Aufforderung zur Kontrolle – mit einem anderen Verfahren oder einer zweiten Probe nach einigen Wochen.14
Was ist das diagnostische Fenster? Die Zeit zwischen Ansteckung und erstem positiven Ergebnis. Beim HIV sind Antikörper im Mittel nach 22 Tagen nachweisbar, ein sicherer Ausschluss gelingt mit einem Test der 4. Generation nach sechs Wochen; eine primäre Syphilis lässt sich erst nach 8 bis 10 Wochen ausschließen.13
Mein Test war negativ – bin ich sicher? Nur, wenn seit dem Risiko genug Zeit vergangen ist. Besprechen Sie den Zeitpunkt Ihrer möglichen Ansteckung ärztlich; oft ist eine Kontrolle sinnvoll.1
Ein Test war positiv – bin ich krank? Nicht zwangsläufig. Ein Suchtest ist auf Empfindlichkeit ausgelegt und kann falsch positiv sein, besonders bei seltenen Infektionen.4 Erst der Bestätigungstest – Immunoblot, ein Verfahren nach anderem Prinzip oder eine PCR – erlaubt eine Aussage.13
Bedeuten positive IgG, dass ich noch infiziert bin? Meist nicht. Sie zeigen einen abgeschlossenen Kontakt oder einen Impfschutz an. Bei der Syphilis bleibt der treponemenspezifische Suchtest „in den meisten Fällen lebenslang" positiv, auch nach erfolgreicher Behandlung; ob Aktivität besteht, sagen andere Marker.3
Welche Serologien gehören zum Check-up 35? Ausschließlich Hepatitis B und Hepatitis C, jeweils einmalig ab dem vollendeten 35. Lebensjahr. HIV, Syphilis und Röteln sind nicht enthalten.5
Welche Serologien macht man in Deutschland in der Schwangerschaft? Die Lues-Suchreaktion und das HBs-Antigen, dazu ein freiwilliger HIV-Test und – nur ohne dokumentierten zweifachen Impfschutz – Rötelnantikörper. Auf Chlamydien wird über eine Urinprobe getestet.6
Warum wird in Deutschland keine Toxoplasmose in der Schwangerschaft getestet? Weil die Mutterschafts-Richtlinie sie nur „bei begründetem Verdacht" vorsieht.6 Der IGeL-Monitor bewertet den Test ohne Verdacht als „unklar": Es fehlen Studien zum Nutzen, während falsch positive Befunde und Überdiagnosen als eher schädlich gelten.7
Wird mein positives Ergebnis gemeldet? Das hängt vom Erreger ab. Hepatitis B, C und D sowie Röteln werden namentlich an das Gesundheitsamt gemeldet, HIV und Syphilis nichtnamentlich direkt an das RKI – ohne Ihren Namen.81
Muss ich für eine Serologie nüchtern sein? Nein. Nüchternheit ist nur nötig, wenn gleichzeitig Werte bestimmt werden, die sie verlangen – etwa die Nüchternplasmaglucose im Check-up.5 Maßgeblich ist die Angabe auf Ihrer Überweisung.
Zum Mitnehmen
Eine Serologie beantwortet eine einfache Frage – „bin ich diesem Erreger begegnet?" – und verlangt trotzdem Sorgfalt. Drei Sätze tragen den Rest: IgM heißt womöglich frisch, IgG heißt alt oder geimpft; ein negativer Test im diagnostischen Fenster beweist nichts (beim HIV braucht der sichere Ausschluss sechs Wochen, bei der primären Syphilis 8 bis 10); und ein positiver Suchtest ist ein Signal, keine Diagnose.134 Der deutsche Rahmen ist klar gesteckt: Check-up 35 einmalig Hepatitis B und C, Schwangerenvorsorge Lues, HBs-Antigen, freiwilliger HIV-Test und Röteln nur ohne Impfnachweis.56 Ohne Ihr Expositionsdatum, Ihre Beschwerden und Ihren Impfpass lässt sich keine Serologie zu Ende lesen – diesen Zusammenhang stellt AI DiagMe her, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bei dem jede Entscheidung bleibt.
Quellen
Deutsche Richtliniengeber und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
Footnotes
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Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS: Zweistufendiagnostik mit Such- und Bestätigungstest, Nachweisbarkeit spezifischer Antikörper im Durchschnitt nach 22 Tagen, von Virusantigen nach 16 bis 18 Tagen und viraler Nukleinsäuren nach durchschnittlich elf Tagen, Zwölf-Wochen-Zeitfenster bei Suchtests der 3. Generation und sicherer Ausschluss in der Regel nach maximal sechs Wochen bei Suchtests der 4. Generation, Immunoblot mit definiertem Bandenmuster als Bestätigung, NAT-Bestätigung ab einer Viruslast von mindestens 1.000 Kopien/ml, Wiederholung aus einer zweiten Blutprobe nach ein bis drei Wochen bei unklarem Ergebnis, nichtnamentliche Meldung an das RKI gemäß § 7 Absatz 3 IfSG spätestens zwei Wochen nach erlangter Kenntnis. rki.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19
-
Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Hepatitis B und D: DEGS1-Prävalenz akuter oder chronischer HBV-Infektionen von 0,3 % (95%-KI 0,2–0,6 %) bei 18- bis 79-Jährigen und Anti-HBc-Nachweis bei 5,1 % der Bevölkerung, HBV-DNA als erster positiver Infektionsmarker mit nachfolgendem HBsAg, Diagnostik über HBsAg, Anti-HBc (gesamt und IgM) sowie HBeAg/Anti-HBe, chronische Infektion bei über sechs Monate nachweisbarem HBsAg, Ausheilung bei über 90 % der erwachsenen Erkrankten mit HBsAg-negativem und Anti-HBc- sowie meist Anti-HBs-positivem Muster, „Fensterphase" der ausklingenden Infektion mit negativem HBsAg und noch negativem Anti-HBs bei wahrscheinlich fortbestehender Infektiosität, isolierte Anti-HBc-Positivität und deren Abklärung, fehlende Anti-HBc-Bildung in Einzelfällen trotz hoher Virämie. rki.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9
-
Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Syphilis: TPHA-/TPPA-Test oder polyvalenter Immunoassay als Suchtest mit positivem Ergebnis 2 bis 3 Wochen nach Infektion und lebenslanger Persistenz in den meisten Fällen, Wiederholung des Suchtests nach 1 bis 2 Wochen bei fortbestehendem Verdacht, Ausschluss einer primären Syphilis erst nach 8 bis 10 Wochen, Bestätigungstest nach anderem Methodenkonzept (FTA-ABS, IgG-Immunoblot, IgG-EIA), Cardiolipin-/Lipoidantikörper (VDRL, RPR) als Aktivitätsmarker ab 4 bis 6 Wochen nach Infektion, Halbwertszeit mütterlicher IgG-Leihantikörper beim Neugeborenen von 21 Tagen, nichtnamentliche Meldung von Treponema pallidum an das RKI gemäß § 7 Absatz 3 IfSG. rki.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12
-
Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Röteln: sinkender positiver prädiktiver Wert der Serologie mit abnehmender Häufigkeit von Rötelninfektionen, falsch positive IgM-Befunde durch persistierende IgM-Antikörper, Rheumafaktoren, polyklonale IgM-Stimulation und Kreuzreaktionen mit anderen Viren, Abklärung eines positiven IgM durch Capture-EIA, IgG-Aviditätsbestimmung, IgG-Immunoblot und PCR, ausdrücklicher Hinweis, dass ein positiver IgM-Nachweis in der Schwangerschaft keinesfalls eine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch darstellt, positiver IgG-Nachweis als ausreichender Hinweis auf Immunschutz ohne Aussagekraft des Zahlenwerts, fehlende Vergleichbarkeit der Testsysteme verschiedener Hersteller und Empfehlung des Immunitätsnachweises über die Impfbuchkontrolle. rki.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11
-
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie/GU-RL), Fassung vom 19. Dezember 2019, zuletzt geändert am 20. November 2020, in Kraft getreten am 12. Februar 2021: Teil B Kapitel I § 2 (einmaliger Anspruch auf eine allgemeine Gesundheitsuntersuchung zwischen dem vollendeten 18. und dem Ende des 35. Lebensjahres, danach alle drei Jahre), Teil B Kapitel III § 1 bis § 7 zum Screening auf Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virusinfektion (§ 2: einmaliger Anspruch je Screening ab dem vollendeten 35. Lebensjahr im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung; § 4: Untersuchung auf HBs-Ag beziehungsweise HCV-Antikörper mit anschließender Untersuchung auf HBV-DNA beziehungsweise HCV-RNA aus derselben Blutentnahme bei reaktivem Ergebnis; § 7 Übergangsregelung) sowie Anlage 1 Nummer 3 (Laborumfang: Lipidprofil, Nüchternplasmaglucose, Harnstreifentest). g-ba.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9
-
G-BA – Richtlinie über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt (Mutterschafts-Richtlinie/Mu-RL), Fassung vom 21. September 2023, in Kraft getreten am 19. Dezember 2023: § 1 Absatz 7 Nummer 3 (serologische Untersuchungen auf Röteln bei Schwangeren ohne dokumentierte zweimalige Impfung, Lues und Hepatitis B; Toxoplasmose nur bei begründetem Verdacht; HIV auf freiwilliger Basis nach ärztlicher Beratung), § 2 Absatz 1 (Empfehlung des HIV-Antikörpertests, Merkblatt Anlage IV), § 2 Absatz 6 Nummer 2b (Untersuchung auf genitale Chlamydia-trachomatis-Infektion aus einer Urinprobe mittels NAT, Schnelltests ungeeignet), § 4 Absatz 1 Nummer 1 (Lues-Suchreaktion TPHA/ELISA/TPPA zu einem möglichst frühen Zeitpunkt, Dokumentation nur der Durchführung im Mutterpass), Nummer 2 (HIV-Test mit Immuno-Blot-Bestätigung, Ergebnis nicht im Mutterpass), Nummer 5 (HBsAg-Screening, aktiv/passive Immunisierung des Neugeborenen bei positivem Befund, Entfall bei nachgewiesener Immunität) und § 4 Absatz 2 (Rötelnantikörper nur ohne Immunitätsnachweis, Immunität bei zwei dokumentierten Impfungen). g-ba.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
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IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) – Bewertung Toxoplasmose-Test bei Schwangeren, letzte Aktualisierung 4. Oktober 2021: Gesamtbewertung „unklar", Kosten zwischen 16,90 und 20,40 Euro, GKV-Leistung nur bei begründetem Verdacht auf eine Toxoplasmose-Infektion (Reihenuntersuchungen auf Lues, Röteln und HIV bleiben Kassenleistung), keine Studien zum Nutzen bei Schwangeren ohne Infektionsverdacht, Risiko falsch positiver und falsch negativer Ergebnisse sowie von Überdiagnosen und Übertherapien, Hinweis auf regelmäßige Toxoplasmose-Screenings als Bestandteil der Schwangerenvorsorge in Frankreich, Österreich und Italien; in der A-Z-Liste des IGeL-Monitors findet sich keine Bewertung zu HIV-, Hepatitis-, Syphilis- oder Borreliose-Tests. igel-monitor.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
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Robert Koch-Institut – Melde- und benachrichtigungspflichtige Krankheiten und Krankheitserreger – Übersichtstabellen, Stand 1. August 2026: Tabelle 1 (§ 6 IfSG, akute Virushepatitis und Röteln einschließlich Rötelnembryopathie namentlich), Tabelle 2 (§ 7 IfSG: Hepatitis-B-, Hepatitis-C- und Hepatitis-D-Virus namentlich mit Meldepflicht für alle Nachweise, Rubellavirus namentlich, HIV und Treponema pallidum nichtnamentlich an das RKI gemäß § 7 Absatz 3 IfSG, Toxoplasma gondii nichtnamentlich an das RKI nur bei konnatalen Infektionen, Neisseria gonorrhoeae nichtnamentlich an das RKI) sowie Tabelle 3 zu den meldepflichtigen Personenkreisen nach § 8 Absatz 1 IfSG. rki.de ↩ ↩2 ↩3
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Fiedler SA, Oberle D, Chudy M, Scheiblauer H, Henseler O, Halbauer J, Heiden M, Funk M (Paul-Ehrlich-Institut). Effectiveness of blood donor screening by HIV, HCV, HBV-NAT assays, as well as HBsAg and anti-HBc immunoassays in Germany (2008-2015). Vox Sanguinis, 2019 – rund 46 Millionen getestete Blutspenden, 20 HIV-1-, 61 HCV- und 29 HBV-Fälle allein durch NAT entdeckt, entsprechend jährlich 2,5 HIV-1-, 7,6 HCV- und 3,6 HBV-infektiösen Spenden; eine HIV-1- und vier HBV-Übertragungen aus Spenden in der virämischen Präserokonversionsphase im Achtjahreszeitraum. PubMed · DOI ↩
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Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 3/2026: Gebührenordnungspositionen 01732 (allgemeine Gesundheitsuntersuchung, 41,53 €), 01734 (Zuschlag für das Screening auf Hepatitis-B- und/oder Hepatitis-C-Virusinfektion, 5,22 €, ab dem vollendeten 35. Lebensjahr einmalig berechnungsfähig), 01865 (Nachweis von HBs-Antigen und/oder HCV-Antikörpern, 13,38 €), 01866 (Zuschlag Hepatitis-B-Virus-DNA bei reaktivem HBs-Antigen, 102,56 €), 01867 (Zuschlag HCV-RNA bei reaktiven HCV-Antikörpern, 45,87 €), 32566 (Treponemenantikörper im TPHA/TPPA-Test als Lues-Suchreaktion, 4,23 €), 32567 und 32568 (Treponemen-Bestätigungstests), 32572 (Toxoplasma-Antikörper IgM und/oder IgG, 10,81 €), 32573 (Zuschlag für die Bestimmung der Avidität von Toxoplasma-IgG-Antikörpern als Abklärungstest nach positiver IgM-Antikörperbestimmung, 23,83 €), 32574 (Rötelnantikörper mittels Immunoassay je Immunglobulinklasse, 8,83 €) und 32575 (Nachweis von HIV-1- und HIV-2-Antikörpern und von HIV-p24-Antigen, 4,09 €). kbv.de ↩ ↩2 ↩3
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Bätz O, Petroff D, Jedrysiak K, Wolffram I, Berg T, Kramer J, Wiegand J. Successful hepatitis B and C screening in the health check-up in the German primary care setting. JHEP Reports, 2024 – 286.192 im ersten Screeningjahr (Oktober 2021 bis September 2022) getestete Personen aus elf ambulanten Versorgungszentren gegenüber 30.106 HBsAg- und 31.266 Anti-HCV-Anforderungen im Jahr 2018; Prävalenzen von 0,54 % (HBsAg), 0,79 % (Anti-HCV) und 0,13 % (HCV-RNA); alters- und geschlechtsabhängige Zunahme positiver Befunde gegenüber der Routineversorgung bis über 500 % in der Altersgruppe 75–84 Jahre; Hinweis auf die Unterrepräsentation von Menschen mit injizierendem Drogenkonsum. PubMed · DOI ↩ ↩2
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G-BA – Fachnews Schwangerenvorsorge: Hepatitis-B-Screening wird vorgezogen, Beschluss vom 20. April 2023: Verlegung des HBsAg-Screenings von der bisherigen 32. bis 40. Schwangerschaftswoche auf einen möglichst frühen Zeitpunkt nach Feststellung der Schwangerschaft im Rahmen der ersten serologischen Untersuchungen, Begründung mit dem bereits intrauterin bestehenden Übertragungsrisiko bei hoher mütterlicher Viruslast und der Möglichkeit einer antiviralen Therapie, Streichung der Wochenangabe im Mutterpass. g-ba.de ↩
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Ribeiro SK, Mariano IM, Cunha ACR, Pajuaba ACAM, Mineo TWP, Mineo JR. Treatment Protocols for Gestational and Congenital Toxoplasmosis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Microorganisms, 2025 – 56 Kohortenstudien aus 16 Ländern mit 11.090 Schwangeren und 4.138 Kindern; 18 % infizierte Kinder bei behandelten gegenüber 58 % bei unbehandelten Müttern, Risikoreduktion für Infektion (RR 0,34) und klinische Manifestationen (RR 0,30). PubMed · DOI ↩
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Robert Koch-Institut – Syphilis in Deutschland in den Jahren 2023 und 2024: Neuer Höchststand von Infektionen mit verlangsamter Dynamik, Epidemiologisches Bulletin 39/2025 vom 25. September 2025: 9.519 gemeldete Syphilis-Fälle im Jahr 2024 gegenüber 9.159 im Jahr 2023 (+3,9 %), bundesweite Inzidenz 11,2 Fälle je 100.000 Einwohner, acht gemeldete Fälle konnataler Syphilis im Jahr 2024 gegenüber vier im Jahr 2023 und ein bis sieben Fällen pro Jahr zwischen 2001 und 2022. edoc.rki.de ↩
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Robert Koch-Institut – HIV/AIDS in Deutschland – Eckdaten der Schätzung, Stand Ende 2024: geschätzt über 97.700 Menschen mit HIV in Deutschland (89.600 mit Diagnose, über 8.200 ohne Diagnose), 87.600 unter antiretroviraler Therapie, geschätzt 2.300 HIV-Neuinfektionen im Jahr 2024 sowie 3.200 Erstdiagnosen, davon 1.100 bei bereits fortgeschrittenem Immundefekt und 620 mit AIDS. rki.de ↩
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Figueroa C, Johnson C, Ford N, Sands A, Dalal S, Meurant R et al. Reliability of HIV rapid diagnostic tests for self-testing compared with testing by health-care workers: a systematic review and meta-analysis. The Lancet HIV, 2018. PubMed · DOI ↩
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Sweitzer S, Duncan JA, Seña AC. Update on syphilis diagnostics. Current Opinion in Infectious Diseases, 2025 – Algorithmen aus treponemalen und nichttreponemalen Tests als Standard für Screening und Bestätigung, Nukleinsäureamplifikationstests und Point-of-Care-Verfahren als aussichtsreiche Ergänzung mit erheblichen Einschränkungen. PubMed · DOI ↩
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Fitzpatrick D, Holmes NE, Hui L. A systematic review of maternal TORCH serology as a screen for suspected fetal infection. Prenatal Diagnosis, 2022 – acht Studien mit 2.538 Schwangerschaften, 26 bestätigte Fälle konnataler CMV-Infektion und kein bestätigter Fall konnataler Toxoplasmose, Röteln oder Herpes-simplex-Infektion; Empfehlung, das TORCH-Akronym und die reflexhafte Anforderung von TORCH-Panels aufzugeben. PubMed · DOI ↩