Transferrinsättigung: zu niedrig oder erhöht – Normwerte
Transferrinsättigung zu niedrig oder erhöht? Referenzbereich 16–45 Prozent, unter 20 Prozent spricht für Eisenmangel, über 45 Prozent für Eisenüberladung.
Die Transferrinsättigung – in Studien und auf englischen Befunden TSAT – gibt an, welcher Anteil Ihres Eisentransportproteins Transferrin mit Eisen beladen ist. Sie ist kein weiterer Einzelwert neben Eisen und Ferritin, sondern ein Verhältnis – und genau das macht sie zum Parameter, der zwischen Eisenmangel und Eisenüberladung unterscheidet, wo das Ferritin allein täuschen kann. In Deutschland wird sie fast nie gemessen, sondern berechnet. Dieser Ratgeber erklärt die Rechnung, die Normwerte, was eine zu niedrige oder erhöhte Transferrinsättigung bedeutet – und warum eine Eisentablette am Vorabend das Ergebnis verfälscht. Der Wert gehört zu den Eisenwerten.
Auf einen Blick
- Die Transferrinsättigung ist der Prozentsatz des Transferrins, der mit Eisen beladen ist. Sie wird aus Eisenwert und Transferrin-Wert berechnet, nicht direkt gemessen.1
- Üblicher Referenzbereich für Erwachsene: 16–45 % – laut IQWiG für Frauen und Männer gleich, bei Kindern niedriger.12
- Bei Eisenmangel sinkt der Wert, bei Eisenüberladung steigt er.2
- Unter 20 % gilt praktisch als Grenze für eine eisendefizitäre Erythropoese, über 45 % als Alarmsignal für eine Eisenüberladung.23
- Bei Verdacht auf Hämochromatose ist sie „der aussagekräftigste Serumparameter" – sie steigt oft vor dem Ferritin.34
- Sie erbt die Schwächen des Serumeisens: Tagesschwankungen und ein deutlicher Anstieg nach einer oralen Eisengabe.25
Was ist die Transferrinsättigung?
Freies Eisen wäre giftig. Es wird deshalb im Blut an das in der Leber gebildete Eiweiß Transferrin gebunden und dorthin transportiert, wo es gebraucht wird – vor allem ins Knochenmark zur Bildung von Hämoglobin.1
Jedes Transferrinmolekül kann zwei Eisenatome binden, ist aber nicht immer voll beladen. Die Transferrinsättigung misst genau diesen Beladungsgrad: wie viel Prozent der Transportkapazität tatsächlich belegt ist. Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO beschreibt sie als „ein Maß für das zur Verfügung stehende Funktionseisen und ein Parameter der eisendefizitären Erythropoese".2
Der entscheidende Unterschied zu allen anderen Eisenwerten: Es ist ein Quotient. Er bezieht das zirkulierende Eisen immer auf die verfügbare Transportkapazität. Ein Eisenwert allein kann das nicht: Nach Angaben eines deutschen Labors zeigt der Eisenspiegel „in nur ca. 40 % der Fälle einen Eisenmangel richtig an".5
Wie wird die Transferrinsättigung berechnet?
Sie steht auf Ihrem Befund als fertige Prozentzahl – dahinter steckt aber immer eine Rechnung. Grundsätzlich gilt:
Transferrinsättigung (%) = Serumeisen ÷ Eisenbindungskapazität × 100
Die AWMF-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik formuliert es als Serumeisen geteilt durch die totale Eisenbindungskapazität (TIBC); weil deren Bestimmung „aufwendig und nicht Teil der Blutroutineanalyse" ist, kann alternativ mit der ungesättigten Eisenbindungskapazität (UIBC) gerechnet werden.3
In der deutschen Laborpraxis läuft es meist anders: Gerechnet wird direkt aus Eisen und Transferrin. Ein Koblenzer Laborzentrum nennt die Transferrinsättigung ausdrücklich „eine rechnerische Größe" und gibt die Formel Eisen (µg/dl) × 70,9 geteilt durch Transferrin (mg/dl) an.6 Das IQWiG beschreibt denselben Weg: Zuerst werden Transferrin-Wert und Eisenwert bestimmt, „die beiden Werte werden dann zueinander ins Verhältnis gesetzt".1
Warum das praktisch wichtig ist: Weil im Zähler das Serumeisen steht, erbt die Transferrinsättigung dessen Unzuverlässigkeit. Onkopedia hält fest: „Außerdem unterliegt sie wie das Serumeisen zirkadianen Schwankungen."2 Ein Hamburger Labor beziffert die individuellen Schwankungen im Tagesverlauf und von Tag zu Tag mit einem Variationskoeffizienten von jeweils rund 15 % – auch bei Gesunden.5 Zwei Messungen zu verschiedenen Tageszeiten sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.
Warum wird die Transferrinsättigung bestimmt?
Ärztinnen und Ärzte veranlassen den Wert im Rahmen der Eisenwerte, um
- einen Eisenmangel oder eine Anämie einzuordnen;
- einen echten Mangel von einer Entzündung abzugrenzen, bei der das Ferritin fälschlich normal oder hoch ist;
- eine Eisenüberladung aufzuspüren – bei Verdacht auf Hämochromatose ist die Transferrinsättigung der erste Laborschritt;34
- den Eisenstatus bei Tumorleiden, Nierenerkrankungen oder Herzinsuffizienz zu beurteilen, wo Ferritin allein unzuverlässig ist.27
Onkopedia führt sie als „Stadium-II-Test": Sie erfasst den Eisenmangel erst, wenn die Blutbildung bereits unterversorgt ist, funktioniert dafür aber auch bei entzündlichen und bösartigen Erkrankungen – anders als das Ferritin.2
Muss man für die Transferrinsättigung nüchtern sein?
Ja, das ist die Empfehlung. Das IQWiG schreibt schlicht: „Für die Messung sollte man nüchtern sein."1 Das Universitätsklinikum Ulm begründet es: Die Eisenkonzentration im Serum sei „ernährungsabhängig" und unterliege „tageszeitlichen Schwankungen".8 Die Blutentnahme erfolgt in der Regel morgens aus einer Armvene.
⚠️ Der häufigste Fehler: die Eisentablette am Vorabend. Eine orale Eisengabe treibt das Serumeisen – und damit rechnerisch die Transferrinsättigung – kräftig nach oben. Onkopedia beschreibt diesen Effekt so genau, dass er früher als Test genutzt wurde: Der Anstieg „wird bereits nach 30 Minuten beobachtet und erreicht nach 2–3 Stunden sein Maximum"; bei Gesunden steigt die Serumeisenkonzentration nach einer Testdosis um mindestens 100 µg/dl.2 Eine solche Steigerung kann eine Transferrinsättigung rechnerisch verdoppeln – ein Wert, der dann eine Überladung vortäuscht, wo keine ist.
Nach einer Eiseninfusion ist der Abstand noch größer: Eine Bestimmung der Transferrinsättigung ist „frühestens 4 Wochen nach der Eiseninfusion sinnvoll".2 Sagen Sie deshalb vor der Blutentnahme, ob und wann Sie Eisenpräparate eingenommen oder erhalten haben – ob Sie sie pausieren sollen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Mehr dazu im Ratgeber Eisen im Blut.
Normwerte der Transferrinsättigung
Die folgenden Werte sind Orientierungswerte für Erwachsene. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich, den Ihr Labor auf den Befund druckt: „Die Referenzbereiche können sich von Labor zu Labor unterscheiden, da verschiedene Testverfahren eingesetzt werden."1
| Befund | Orientierungswert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Normal | 16 – 45 % | ausgeglichener Eisenstatus12 |
| Zu niedrig | unter 20 % | eisendefizitäre Erythropoese oder Entzündung2 |
| Deutlich erniedrigt | 15 % und darunter | Eisenmangel in der Blutbildung angenommen2 |
| Erhöht | über 45 % | Verdacht auf Eisenüberladung34 |
| Transferrin | 200 – 400 mg/dl | Nenner der Rechnung2 |
Zur Einordnung: IQWiG, Onkopedia und das Universitätsklinikum Ulm geben übereinstimmend 16–45 % an, ein anderes deutsches Labor 15–45 %.1286 Beim unteren Grenzwert unterscheidet Onkopedia zwei Ebenen: epidemiologisch geht man ab ≤ 15 % von einer eisendefizitären Erythropoese aus, in der klinischen Praxis wird jedoch mit unter 20 % gearbeitet.2 Bei Kindern und Jugendlichen liegen die Werte in der Regel niedriger.1
Ihre Ergebnisse verstehen
Die Transferrinsättigung wird nie allein gelesen. Sie gehört immer zusammen mit dem Ferritin (den Speichern) und dem CRP (der Entzündung) betrachtet.
Transferrinsättigung zu niedrig (unter 20 %)
Ein niedriger Wert heißt: Die Transporteiweiße sind schwach beladen, der Blutbildung steht wenig Eisen zur Verfügung. Dahinter stehen zwei sehr verschiedene Situationen:
- Echter Eisenmangel. Die Speicher sind leer – Transferrinsättigung niedrig und Ferritin niedrig. Ursachen sind laut IQWiG vor allem Blutverluste (etwa starke Regelblutungen oder unbemerkte Blutungen im Magen-Darm-Trakt), erhöhter Bedarf in Schwangerschaft, Stillzeit und Wachstum, eine einseitige Ernährung oder Aufnahmestörungen wie Zöliakie und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.1
- Entzündung oder chronische Erkrankung. Der Körper hält das Eisen absichtlich zurück. Onkopedia beschreibt den Mechanismus: Unter dem Einfluss von Interleukin-6 gebildetes Hepcidin blockiert den Eisenexport aus den Zellen, „was zu einer Abnahme der Transferrinsättigung und damit der Eisenverfügbarkeit führt".2 Das Ferritin ist dabei normal oder sogar erhöht – deshalb hilft der Blick auf CRP, BSG und die übrigen Entzündungswerte.
Onkopedia ist an dieser Stelle unmissverständlich: Eine niedrige Transferrinsättigung „signalisiert zwar eine Minderversorgung der Erythropoese mit Eisen, kann jedoch zwischen einem absoluten und einem funktionellen Eisenmangel nicht unterscheiden".2 Dafür kommen weitere Parameter ins Spiel – löslicher Transferrinrezeptor, Zinkprotoporphyrin oder das MCV im großen Blutbild.
Bedeutet ein niedriger Wert Krebs? Nein. Er spricht für Eisenmangel oder Entzündung, nicht für einen Tumor. Richtig ist, dass ein unerklärter Eisenmangel bei Erwachsenen Anlass sein kann, den Magen-Darm-Trakt auf eine Blutungsquelle zu untersuchen – eine Vorsichtsmaßnahme, keine Diagnose.9
Transferrinsättigung erhöht (über 45 %)
Ein hoher Wert bedeutet, dass das Transferrin stark beladen ist. Mögliche Ursachen nennt das IQWiG: eine zu hohe Eisenzufuhr durch wiederholte Bluttransfusionen oder überdosierte Eisenpräparate, eine Hämochromatose oder eine Hämolyse.1 Auch Lebererkrankungen kommen infrage – dazu passt der Blick auf die Leberwerte, insbesondere GPT und Gamma-GT.
⚠️ Hämochromatose: die Transferrinsättigung ist das erste Signal. Die AWMF-Leitlinie zur molekulargenetischen Diagnostik nennt sie „der aussagekräftigste Serumparameter" und beziffert die Sensitivität bei einer Sättigung über 45 % mit 0,98 für den Nachweis einer hereditären Hämochromatose; bei Frauen sei sie etwas geringer.3 Die europäische EASL-Leitlinie definiert die Krankheit selbst über eine erhöhte Transferrinsättigung: Bei Menschen mit homozygoter p.C282Y-Variante im HFE-Gen genügen TSAT > 45 % und Ferritin > 200 µg/l bei Frauen beziehungsweise TSAT > 50 % und Ferritin > 300 µg/l bei Männern und Frauen nach der Menopause für die Diagnose.4
Wie häufig ist das in Deutschland? Die AWMF-Leitlinie der Humangenetiker gibt für die kaukasische Bevölkerung eine Prävalenz von 2–5 pro 1 000 an und nennt die hereditäre Hämochromatose damit „die häufigste genetisch bedingte Erkrankung". Das Leberzentrum des Universitätsklinikums Erlangen beziffert die Häufigkeit unabhängig davon mit etwa 1:200 in Deutschland und Mitteleuropa – beide Angaben liegen in derselben Größenordnung.310
Diese Zahl beschreibt allerdings die Genkonstellation, nicht die Krankheit. In einer europäischen Kohortenstudie mit 542 C282Y-homozygoten Personen entwickelten bis zum 60. Lebensjahr 24,2 % der Männer und 10,5 % der Frauen eine Eisenüberladung; über 92 % hatten keine Hinweise auf eine Leberfibrose.11 Eine große australische Kohorte fand eine eisenüberladungsbedingte Erkrankung bei 28,4 % der homozygoten Männer, aber nur 1,2 % der homozygoten Frauen.12 Ein erhöhter Wert ist also ein Grund zur Abklärung – nicht zur Panik.
Die deutsche Stufendiagnostik beginnt bei Personen mit erhöhter Transferrinsättigung und erhöhtem Ferritin; danach folgt die HFE-Genotypisierung. Erfolgt diese zuerst – etwa im Rahmen einer Familienuntersuchung –, sollen bei C282Y-Homozygoten und C282Y/H63D-Compound-Heterozygoten Transferrinsättigung und Ferritin bestimmt werden; sind beide normal, sollen sie „in größeren Abständen" kontrolliert werden.3 Welche Schritte in Ihrem Fall sinnvoll sind, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Die Kombination mit dem Ferritin
| Transferrinsättigung | Ferritin | Wahrscheinlichste Deutung |
|---|---|---|
| niedrig (< 20 %) | niedrig | echter Eisenmangel, Speicher leer2 |
| niedrig (< 20 %) | normal oder hoch | Entzündung oder funktioneller Eisenmangel2 |
| erhöht (> 45 %) | erhöht | Eisenüberladung, Abklärung angezeigt4 |
| erhöht (> 45 %) | normal | Kontrolle nüchtern, Eisenpräparate bedenken2 |
| normal (16–45 %) | normal | ausgeglichener Eisenstatus1 |
Einflussfaktoren
Auf den Wert wirken: die Tageszeit und die Mahlzeit vor der Entnahme,8 Eisenpräparate und Infusionen,2 Lebererkrankungen sowie Schwangerschaft und Östrogene, die die Transferrinbildung steigern und die Sättigung dadurch senken. Zwei technische Punkte nennt das Universitätsklinikum Ulm: Das CRP sollte normal sein, da Transferrin als negatives Akute-Phase-Protein bei Entzündungen niedriger liegt, als es dem Eisenstoffwechsel entspricht – und bei Ferritinwerten über 1 200 µg/l ist die Berechnung „nicht sinnvoll", weil die Annahme einer vollständigen Eisenbindung an Transferrin dann nicht mehr gilt.8
Neue Erkenntnisse aus der Forschung
- Die Tagesschwankung ist ein echter Taktgeber, kein Messfehler. Eine tierexperimentelle Arbeit von 2024 zeigte erstmals, dass Serumeisen und Transferrinsättigung zirkadian reguliert sind: Die Schwankung blieb in völliger Dunkelheit bestehen und verschwand, wenn die innere Uhr genetisch ausgeschaltet wurde.13 Das erklärt, warum eine standardisierte Entnahmezeit für Verlaufskontrollen wichtig ist.
- Bei Herzinsuffizienz löst die Transferrinsättigung das Ferritin ab. Eine Übersichtsarbeit in Circulation argumentiert, die ferritingesteuerte Definition des Eisenmangels solle bei chronischer Herzinsuffizienz durch eine Definition über TSAT < 20 % ersetzt werden: Diese Patientinnen und Patienten seien meist tatsächlich eisenarm und profitierten am deutlichsten von intravenösem Eisen.7
- Bei Eisenüberladung bleibt sie der Einstieg. Aktuelle Übersichten bestätigen: Erhöhte Transferrinsättigung plus erhöhtes Ferritin zieht die HFE-Testung auf C282Y und H63D nach sich – bei negativem Genbefund die Suche nach sekundären Ursachen wie Bluterkrankungen, Lebererkrankungen oder Transfusionen.14
Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und ärztliche Betreuung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch.
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Die Transferrinsättigung ergibt für sich genommen kein Bild. Ihre Bedeutung entsteht erst im Zusammenspiel mit Ferritin, Eisen, CRP und Ihrer persönlichen Vorgeschichte – siehe die Eisenwerte im Überblick.
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Häufige Fragen
Was ist die Transferrinsättigung? Sie gibt an, wie viel Prozent des Transporteiweißes Transferrin mit Eisen beladen ist. Ein erniedrigter Wert weist meist auf einen Eisenmangel hin, ein erhöhter kann auf eine Eisenüberladung hindeuten.1
Was ist ein normaler Wert? Als Orientierung gelten für Erwachsene 16–45 %, für Frauen und Männer gleich; bei Kindern und Jugendlichen sind die Werte in der Regel niedriger. Manche Labore geben 15–45 % an. Entscheidend ist der Bereich auf Ihrem Befund.16
Transferrinsättigung zu niedrig – was heißt das? Meist Eisenmangel, vor allem wenn gleichzeitig das Ferritin niedrig ist. Der Wert kann aber auch bei einer Entzündung sinken, ohne dass ein echter Mangel vorliegt – dann ist das Ferritin normal oder erhöht.2
Ab wann gilt die Transferrinsättigung als zu niedrig? In der Praxis wird mit unter 20 % gearbeitet, etwa bei Tumorerkrankungen, Nierenerkrankungen und Herzinsuffizienz. Epidemiologisch nimmt man ab ≤ 15 % eine eisendefizitäre Blutbildung an.27
Transferrinsättigung erhöht – was jetzt? Ein erhöhter Wert, besonders wenn er nüchtern gemessen und in einer Kontrolle bestätigt wird, führt zur Bestimmung des Ferritins und gegebenenfalls zur genetischen HFE-Untersuchung. Das weitere Vorgehen legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.34
Kann eine Eisentablette den Wert verfälschen? Ja, deutlich. Eine orale Eisengabe lässt das Serumeisen schon nach 30 Minuten ansteigen, mit einem Maximum nach zwei bis drei Stunden – bei Gesunden um mindestens 100 µg/dl. Da das Serumeisen im Zähler der Rechnung steht, steigt die Transferrinsättigung mit. Nach einer Eiseninfusion ist eine Bestimmung erst nach etwa vier Wochen aussagekräftig.2
Muss ich nüchtern sein? Das IQWiG empfiehlt es ausdrücklich, wegen der ernährungsabhängigen und tageszeitlichen Schwankungen des Serumeisens. Idealerweise erfolgt die Entnahme morgens.18
Was ist der Unterschied zwischen Transferrinsättigung und Ferritin? Die Transferrinsättigung beschreibt das transportierte Eisen, das Ferritin die Speicher. Bei Mangel sinken beide, bei Überladung steigen beide – bei einer Entzündung dagegen sinkt die Sättigung, während das Ferritin als Akute-Phase-Protein steigt. Erst zusammen ergeben sie ein Bild.2
Erkennt die Transferrinsättigung eine Hämochromatose? Sie ist der erste und aussagekräftigste Laborhinweis: Bei einem Wert über 45 % beziffert die AWMF-Leitlinie die Sensitivität mit 0,98. Bestätigt wird der Verdacht über Ferritin und die HFE-Genetik.3
Ich bin C282Y-homozygot – werde ich krank? Nicht zwangsläufig. In einer europäischen Kohorte hatten bis zum 60. Lebensjahr 24,2 % der homozygoten Männer und 10,5 % der Frauen eine Eisenüberladung; mehr als neun von zehn zeigten keine Hinweise auf eine Leberfibrose.11
Das Wichtigste in Kürze
Die Transferrinsättigung ist der Prozentsatz des mit Eisen beladenen Transferrins – ein Verhältnis, kein Einzelwert, und deshalb der Parameter, der Eisenmangel von Eisenüberladung trennt. Merken Sie sich drei Zahlen: 16–45 % als üblicher Bereich, unter 20 % als praktische Grenze zum Eisenmangel, über 45 % als Anlass, an eine Eisenüberladung zu denken. Weil der Wert aus dem Eisen berechnet wird, gelten dessen Regeln: morgens, nüchtern, ohne Eisentablette kurz davor. Und er wird nie allein gelesen, sondern mit Ferritin, CRP und Ihrer Vorgeschichte – im Rahmen der Eisenwerte. Dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
Deutsche Fachgesellschaften, Institutionen und Labore sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed):
Footnotes
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IQWiG / Gesundheitsinformation.de – Transferrin-Sättigung. Referenzbereich Frauen und Männer über 18 Jahre je 16–45 %, „Bei Kindern und Jugendlichen sind die Werte in der Regel niedriger"; „Der Wert wird aus zwei anderen Laborwerten berechnet: dem Eisenwert und dem Transferrin-Wert"; „Für die Messung sollte man nüchtern sein"; „Die Referenzbereiche können sich von Labor zu Labor unterscheiden"; „Von einem Laborwert allein lässt sich meist nicht auf eine Krankheit schließen"; Ursachenlisten für erniedrigte und erhöhte Werte. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15
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Hastka J, Metzgeroth G, Gattermann N – Eisenmangel und Eisenmangelanämie, Onkopedia-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) gemeinsam mit ÖGHO, SGH/SSH und SGMO, Stand April 2025. Transferrinsättigung als „Maß für das zur Verfügung stehende Funktionseisen"; „Unter physiologischen Bedingungen sind 16-45 % der Transferrinmoleküle im Plasma mit Eisen abgesättigt"; „bei einer Transferrinsättigung ≤15% eine eisendefizitäre Erythropoese"; „Außerdem unterliegt sie wie das Serumeisen zirkadianen Schwankungen"; Referenzwerttabelle 4 (Transferrinsättigung 16–45 %, Transferrin 200–400 mg/dl); Stadium-II-Test; Schwelle unter 20 % bei Tumorleiden, renaler Anämie und Herzinsuffizienz; Hepcidin/Interleukin-6 und „Abnahme der Transferrinsättigung"; Eisenresorptionstest (Anstieg nach 30 Minuten, Maximum nach 2–3 Stunden, mindestens 100 µg/dl); „Auch Bestimmung der Transferrinsättigung ist frühestens 4 Wochen nach der Eiseninfusion sinnvoll". onkopedia.com ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24 ↩25 ↩26
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Deutsche Gesellschaft für Humangenetik (GfH) und Berufsverband Deutscher Humangenetiker (BVDH) – Molekulargenetische Diagnostik der hereditären Hämochromatose, AWMF-Leitlinien-Register Nr. 078/012, Entwicklungsstufe S1 (10/2008, Gültigkeit bis 10/2013 – derzeit keine aktualisierte deutsche Leitlinie zur Hämochromatose im AWMF-Register). „Die hereditäre Hämochromatose (HH; OMIM 235200) ist mit einer Prävalenz von 2-5/1000 die häufigste genetisch bedingte Erkrankung in der kaukasischen Bevölkerung"; „Die Transferrin-Sättigung ist der aussagekräftigste Serumparameter"; TS = Serumeisen / TIBC bzw. Serumeisen / (Serumeisen + UIBC); „Bei einer TS > 45% beträgt die Sensitivität 0.98 für den Nachweis einer hereditären Hämochromatose. Bei Frauen ist die Sensitivität etwas geringer"; Flussdiagramm mit Familienuntersuchung und Kontrolle „in größeren Abständen" bei normalen Werten. register.awmf.org (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10
-
European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines on haemochromatosis. J Hepatol, 2022 Aug;77(2):479–502. Diagnosekriterien bei p.Cys282Tyr-Homozygotie: TSAT > 45 % und Ferritin > 200 µg/l bei Frauen, TSAT > 50 % und Ferritin > 300 µg/l bei Männern und postmenopausalen Frauen; Aderlassziele Ferritin < 50 µg/l (Induktion) und < 100 µg/l (Erhaltung). PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
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Labor Dr. Fenner & Kollegen MVZ, Hamburg – Eisen im Serum, Analysenverzeichnis, Stand 12. Januar 2026. „Die alleinige Bestimmung des Eisenspiegels ist für die Diagnostik eines Eisenmangels bzw. zur Abschätzung der Eisenreserven nicht geeignet"; „große individuelle Schwankungen im Tagesverlauf (VK ca. 15%) und nach Nahrungsaufnahme sowie von Tag zu Tag (VK ca. 15%), auch bei gesunden Probanden"; „Der Eisenspiegel zeigt in nur ca. 40% der Fälle einen Eisenmangel richtig an"; empfohlene Zusatzuntersuchungen CRP, Ferritin, Transferrinsättigung, kleines Blutbild. fennerlabor.de ↩ ↩2 ↩3
-
MVZ für Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie Koblenz-Mittelrhein – Transferrinsättigung, Untersuchungsprogramm, Stand 07.11.2023. Referenzbereich Erwachsene 15–45 %; „Die Transferrinsättigung ist eine rechnerische Größe, die sich aus folgender Formel ergibt: Eisen (µg/dl) x 70,9 / Transferrin (mg/dl)"; Indikationen: Verdacht auf Mangel an Funktionseisen, Verdacht auf Eisenüberladung (z. B. Hämochromatose). labor-koblenz.de ↩ ↩2 ↩3
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Packer M, Anker SD, Butler J, et al. Redefining Iron Deficiency in Patients With Chronic Heart Failure. Circulation, 2024 Jul 9;150(2):151–161. Vorschlag, die ferritingesteuerte Definition zugunsten einer Definition über TSAT < 20 % aufzugeben. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
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Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie – Leistungsverzeichnis Eisen im Plasma, ID 24066, Revision 001 vom 21.08.2020. „Eisensättigung … bis 120 Jahre 16 – 45 %" (Quelle: Thomas L., Labor und Diagnose); „Die Eisenkonzentration im Serum/Plasma ist ernährungsabhängig und unterliegt tageszeitlichen Schwankungen"; „Das CRP sollte normal sein, da Transferrin als negatives Akute-Phase-Protein bei Entzündungen niedriger ist"; „Bei hohen Ferritinkonzentrationen (> 1200 µg/l) … ist die Berechnung der Transferrinsättigung nicht sinnvoll". uniklinik-ulm.de (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Pasricha SR, Tye-Din J, Muckenthaler MU, Swinkels DW. Iron deficiency. Lancet, 2021 Jan 16;397(10270):233–248. PubMed · DOI ↩
-
Universitätsklinikum Erlangen, Leberzentrum – Hämochromatose. „eine erbliche (autosomal-rezessiv) Eisenstoffwechselerkrankung mit einer Häufigkeit von ca. 1:200 in Deutschland und Mitteleuropa"; Diagnostik über Ferritin und Eisen-Transferrinsättigung, Sicherung über das HFE-Gen; Aderlasstherapie mit 500 ml Blut (entspricht 250 mg Eisen), langfristiges Ziel Serumferritin um 50 ng/ml. leberzentrum.uk-erlangen.de ↩
-
Schaefer B, Pammer LM, Pfeifer B, et al. Penetrance, cancer incidence and survival in HFE haemochromatosis – A population-based cohort study. Liver Int, 2024 Mar;44(3):838–847. 8 839 genotypisierte Personen aus Tirol, 542 p.C282Y-Homozygote; kumulative Penetranz einer Eisenüberladung bis 60 Jahre 24,2 % (Männer) und 10,5 % (Frauen); ohne Fibrose (FIB-4 < 1,3) 92,8 % bzw. 96,7 %. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Allen KJ, Gurrin LC, Constantine CC, et al. Iron-overload-related disease in HFE hereditary hemochromatosis. N Engl J Med, 2008 Jan 17;358(3):221–230. 31 192 Personen nordeuropäischer Abstammung; eisenüberladungsbedingte Erkrankung bei 28,4 % der C282Y-homozygoten Männer und 1,2 % der homozygoten Frauen. PubMed · DOI ↩
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Bennett C, Pettikiriarachchi A, McLean ARD, et al. Serum iron and transferrin saturation variation are circadian regulated and linked to the harmonic circadian oscillations of erythropoiesis and hepatic Tfrc expression in mice. Am J Hematol, 2024 Nov;99(11):2075–2083. Tierexperimentelle Arbeit: Schwankung von Serumeisen und TSAT bleibt bei Dauerdunkelheit erhalten und verschwindet bei ausgeschalteter innerer Uhr (Bmal1-Knockout). PubMed · DOI ↩
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Hsu CC, Senussi NH, Fertrin KY, Kowdley KV. Iron overload disorders. Hepatol Commun, 2022 Aug;6(8):1842–1854. Erhöhtes Ferritin und erhöhte Transferrinsättigung als Ausgangspunkt der HFE-Testung auf C282Y und H63D. PubMed · DOI ↩