HIV-Test: diagnostisches Fenster, Ablauf, Ergebnis
Sechs Wochen nach einer Exposition schließt ein negativer Labortest der 4. Generation eine HIV-Infektion sicher aus – beim Selbsttest sind es zwölf Wochen.
Der HIV-Test ist eine Serologie: Er sucht im Blut nicht das Virus selbst, sondern die Spuren, die eine Infektion hinterlässt – Antikörper gegen HIV-1 und HIV-2 und, bei modernen Labortests, zusätzlich ein Eiweiß des Virus, das p24-Antigen. Das Ergebnis ist kein Zahlenwert, sondern nicht reaktiv oder reaktiv. Entscheidend ist deshalb nicht ein Normbereich, sondern die Zeit: Wie lange muss nach einer möglichen Ansteckung vergangen sein, damit ein negatives Ergebnis wirklich etwas aussagt? Diese Seite beantwortet das mit den in Deutschland geltenden Angaben. Der HIV-Test gehört zu den infektiologischen Serologien und wird häufig gemeinsam mit Hepatitis B, Hepatitis C und Syphilis angeboten.
⚠️ Wenn Ihre Exposition weniger als 72 Stunden her ist: lesen Sie zuerst das hier
Nach einer Situation mit Ansteckungsrisiko gibt es eine Notfallbehandlung: die Postexpositionsprophylaxe (PEP) – Medikamente, die eine Infektion sehr wahrscheinlich verhindern können. Die deutsch-österreichische S2k-Leitlinie formuliert es so: „Die PEP soll unverzüglich nach Feststellung der Indikation begonnen werden. Der Behandlungsbeginn soll bis 24 (maximal 72) Stunden nach der Exposition liegen. Ein Beginn binnen 2 Stunden nach dem Ereignis ist optimal und daher anzustreben.“1
Sind bereits mehr als 72 Stunden vergangen, kann eine PEP nach derzeitigem Kenntnisstand nicht mehr empfohlen werden.1 Warten Sie also nicht auf einen Test – ein Test wäre in diesem Zeitfenster ohnehin noch nicht aussagekräftig. Wenden Sie sich sofort an eine Notaufnahme, eine HIV-Schwerpunktpraxis oder eine HIV-Ambulanz; Adressen listet die Deutsche Aidshilfe.2 Die Kosten trägt bei nicht-arbeitsbedingter Exposition in Deutschland die gesetzliche Krankenversicherung, wenn ein hohes Übertragungsrisiko bestand und die Leitlinie beachtet wird; bei arbeitsbedingter Exposition der Unfallversicherungsträger.1
Das Wichtigste in Kürze
- Der Labortest der 4. Generation weist Antikörper und p24-Antigen gleichzeitig nach. Antikörper sind im Mittel nach 22 Tagen nachweisbar, Virusantigen bereits nach 16 bis 18 Tagen.2
- Sechs Wochen nach möglicher Exposition kann ein negatives Ergebnis dieses Tests eine Infektion laut RKI „mit großer Sicherheit“ ausschließen.2
- HIV-Selbsttests und Schnelltests weisen meist nur Antikörper nach. Für sie gilt ein Fenster von zwölf Wochen.34
- Ein reaktiver Suchtest ist keine Diagnose. In Deutschland gilt eine verbindliche Zweistufendiagnostik: Erst der Bestätigungstest sichert das Ergebnis.25
- Der Test ist im Gesundheitsamt meist anonym und kostenlos oder gegen geringe Gebühr möglich; beim Hausarzt läuft er namentlich und wird bei Verdacht von der Kasse übernommen.67
- HIV wird dem RKI nicht-namentlich gemeldet (§ 7 Abs. 3 IfSG) – Ihr Name wird nicht übermittelt.82
- Schutz durch Therapie: Unter wirksamer Therapie mit Viruslast unter der Nachweisgrenze ist HIV sexuell nicht mehr übertragbar.29
Was der HIV-Test misst
Nach einer Ansteckung laufen im Körper zwei Vorgänge nacheinander ab, und beide sind messbar.
Zuerst vermehrt sich das Virus. Dabei entsteht in großer Menge das p24-Antigen, ein Kapsid-Eiweiß von HIV – ein direkter Hinweis auf das Virus, und er kommt früh. Erst danach bildet das Immunsystem Antikörper: ein indirekter Nachweis, der später auftaucht, dafür aber lange bestehen bleibt.
Ein Kombinationstest der 4. Generation sucht beides zugleich. Genau das verkürzt das Zeitfenster, in dem eine frische Infektion übersehen werden kann. Tests der 5. Generation zeigen zusätzlich an, welcher der beiden Bestandteile reagiert hat.4 Die Antikörperkomponente erkennt in Deutschland üblicherweise HIV-1 und HIV-2 gemeinsam.2
Nüchtern sein müssen Sie nicht: Der Befund hängt allein vom Abstand zur Exposition ab. Und anders als beim großen Blutbild oder den Leberwerten gibt es hier keinen Referenzbereich.
Das diagnostische Fenster – der Kern dieser Seite
Zwischen Ansteckung und Nachweisbarkeit liegt eine Lücke. In dieser Zeit kann ein Test negativ ausfallen, obwohl eine Infektion besteht. Die im Umlauf befindlichen Angaben – sechs Wochen, zwölf Wochen, drei Monate – widersprechen sich nur scheinbar: Sie gelten für verschiedene Testarten.
| Testverfahren | Sicherer Ausschluss ab | Was der Test sucht |
|---|---|---|
| Labortest 4. Generation (Suchtest) | 6 Wochen nach Exposition210 | Antikörper + p24-Antigen |
| Labortest 3. Generation (nur Antikörper) | 12 Wochen2 | nur Antikörper |
| Schnelltest (Beratungsstelle) | 12 Wochen410 | meist nur Antikörper |
| HIV-Selbsttest (Apotheke, Drogerie) | 12 Wochen34 | nur Antikörper |
| Ausnahme HIV-2 (auch im Labortest) | 12 Wochen4 | Antikörper |
Die maßgebliche deutsche Formulierung stammt aus dem RKI-Ratgeber HIV/AIDS: „Werden moderne Suchtests der 4. Generation verwendet, die neben Antikörpern auch HIV-Antigene nachweisen, ist ein sicherer Nachweis in der Regel schon nach maximal sechs Wochen möglich. Damit gilt auch, dass sechs Wochen nach möglicher Exposition durch ein negatives Ergebnis im HIV-Antikörper-/Antigen-Suchtest der 4. Generation eine Infektion mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden kann.“2 Vor dieser Umstellung galten in Deutschland zwölf Wochen – daher zirkuliert die alte Zahl bis heute.
Das Paul-Ehrlich-Institut ist für Selbsttests ebenso deutlich: „Erst ca. 12 Wochen nach einer vermuteten Infektion ist die Antikörperkonzentration so hoch, dass ein HIV-Selbsttest aussagekräftig ist (diagnostisches Fenster).“3 Wer sich früher testet, bekommt ein Ergebnis, das nichts beweist.
Eine Zwischenstufe nennt die Deutsche Aidshilfe: Ein Kombinationstest kann ab etwa zwei Wochen eingesetzt werden und erkennt bereits einen Teil der Infektionen – ein negatives Resultat ist dann aber kein Ausschluss.4 Bei Symptomen einer akuten Infektion (Fieber, Lymphknotenschwellung, Hautausschlag, Halsschmerzen, meist zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung) sollte ohne Verzögerung zusätzlich ein Nukleinsäurenachweis (PCR) erfolgen.42
Nach einer PEP verschiebt sich alles: Weil die Medikamente die Serokonversion verzögern können, wird der Kontrolltest frühestens sechs Wochen nach dem Ende der PEP gemacht – nicht sechs Wochen nach dem Ereignis.1
Reaktiv ist keine Diagnose: die deutsche Zweistufendiagnostik
Dies ist der Satz, der die meiste unnötige Angst verhindert: Ein reaktiver Suchtest bedeutet nicht, dass Sie HIV haben.
Der Suchtest ist bewusst extrem empfindlich gebaut – er soll keine Infektion übersehen. Der Preis dafür ist, dass er gelegentlich „überreagiert“, also anschlägt, obwohl keine Infektion vorliegt.4 Deshalb schreibt die Stellungnahme der Diagnostikkommission von DVV und GfV, auf die sich das RKI stützt, eine Zweistufendiagnostik vor: Suchtest, dann Bestätigungstest.52
Bestätigt wird mit einem Immunoblot (Westernblot) oder – gerade bei ganz frischer Infektion – mit einem Nukleinsäurenachweis (NAT/PCR). Für den Immunoblot genügt nicht eine einzelne Bande: Es ist „immer ein definiertes Reaktionsmuster erforderlich“.2 Bleibt das Muster unklar, wird die Untersuchung aus einer zweiten Blutprobe nach ein bis drei Wochen wiederholt. Eine zweite Probe wird ohnehin empfohlen, um Verwechslungen auszuschließen.2
Warum das rechnerisch so wichtig ist. Für in Deutschland zugelassene HIV-Suchtests wird eine Spezifität von mindestens 99,5 % gefordert – im Mittel darf also eine von 200 Proben nicht infizierter Menschen falsch-reaktiv ausfallen.11 HIV ist in der Allgemeinbevölkerung aber weit seltener als das: Ende 2024 lebten rund 97.700 Menschen mit HIV in Deutschland.12 In einer unausgewählten Bevölkerung wären unter den reaktiven Suchtests deshalb rechnerisch mehr falsch-reaktive als richtig-reaktive. Der Bestätigungstest ist keine Formalie, sondern der eigentliche diagnostische Schritt.
Was einen Suchtest falsch anschlagen lässt. Meist eine unspezifische Immunstimulation: Virusinfektionen, eine Schwangerschaft, kürzliche Impfungen, Autoimmunerkrankungen.112 Auch Rheumafaktoren können reagieren.4 Erhöhte Globuline oder ein auffälliges Muster in der Eiweißelektrophorese zeigen genau solche Zustände an – ein Grund mehr, ein reaktives Suchtestergebnis nicht isoliert zu lesen. Auch Verwechslungen und technische Fehler kommen vor; die zweite Probe fängt sie ab.2
HIV-Selbsttests in Deutschland
Seit dem 29. September 2018 dürfen HIV-Selbsttests in Deutschland legal an Laien verkauft werden.2 Erhältlich sind sie in Apotheken, Drogeriemärkten, bei örtlichen Aidshilfen und online.
Zwei Regeln entscheiden über den Nutzen:
- Nur Tests mit CE-Kennzeichen. Nur sie erfüllen die europäischen Anforderungen an Sicherheit und Leistung. Das PEI führt die in Deutschland vertriebenen Tests auf und rät ausdrücklich vom Kauf nicht in der EU zugelassener Selbsttests aus dem Internet ab.32
- Ein reaktives Ergebnis muss immer bestätigt werden. Das PEI formuliert es unmissverständlich: „Ein positives Testergebnis bedeutet nicht immer eine HIV-Infektion, da Kreuzreaktionen das Ergebnis verfälschen können. Lassen Sie bei einem positiven Ergebnis in jedem Fall einen Bestätigungstest bei einer Ärztin, einem Arzt oder anonym bei einem Gesundheitsamt oder einer AIDS-Hilfe durchführen.“3
Nicht geeignet ist ein Selbsttest, wenn Sie bereits HIV-Medikamente einnehmen, etwa im Rahmen einer PrEP.10 Aidshilfen bieten auch den begleiteten Selbsttest an, bei dem die erste Durchführung angeleitet wird.6
Wo Sie sich in Deutschland testen lassen können
| Ort | Anonym? | Kosten |
|---|---|---|
| Gesundheitsamt | ja, nach Beratung | kostenlos oder geringe Gebühr (meist ca. 10–15 €), je nach Bundesland6 |
| Checkpoints der Aidshilfen (ca. 70) | ja | kostenlos oder geringe Gebühr6 |
| Haus- oder Facharztpraxis | nein – namentlich, Ergebnis in der Akte | bei Verdacht Kassenleistung67 |
| Privates Labor | teilweise | Selbstzahlung, oft ohne ausführliche Beratung6 |
| Selbsttest zu Hause | ja | Kauf auf eigene Kosten3 |
Die Deutsche Aidshilfe nennt einen sachlichen Grund für die anonyme Variante: Ein aktenkundiges positives Ergebnis kann später Konsequenzen haben, etwa bei Versicherungsabschlüssen.6 Das ist eine Abwägung, keine Empfehlung gegen die Arztpraxis.
Kostenübernahme. Im einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) steht der Suchtest als GOP 32575 („Nachweis von HIV-1- und HIV-2-Antikörpern und von HIV-p24-Antigen“, 4,09 €). Der Bestätigungstest als GOP 32660 (HIV-Westernblot, 20,30 €) ist ausdrücklich erst „nach positivem oder fraglich positivem Antikörpernachweis“ abrechenbar – die Zweistufenlogik ist also bis in die Gebührenordnung hinein verankert.7 In der Schwangerschaft soll laut Mutterschafts-Richtlinie des G-BA jeder Schwangeren ein HIV-Test angeboten werden; im Mutterpass werden nur die Beratung und die Durchführung dokumentiert, nicht das Ergebnis (GOP 01811).137
Meldepflicht: nicht-namentlich
Viele zögern aus Angst vor einem Eintrag in einem Register. Die Rechtslage ist überprüfbar: Nach § 7 Abs. 3 Nr. 2 Infektionsschutzgesetz wird der Nachweis von HIV dem Robert Koch-Institut nicht-namentlich gemeldet.82
Was übermittelt werden darf, listet § 10 Abs. 2 IfSG abschließend auf: Geschlecht, Monat und Jahr der Geburt, die ersten drei Ziffern der Postleitzahl, Befund, Diagnosemonat, Untersuchungsmaterial, Nachweismethode, wahrscheinlicher Infektionsweg – und eine fallbezogene Pseudonymisierung. Diese besteht laut § 10 Abs. 4 IfSG lediglich aus dem dritten Buchstaben des ersten Vornamens samt Buchstabenzahl und dem dritten Buchstaben des ersten Nachnamens samt Buchstabenzahl.8 Sie dient allein dazu, Doppelmeldungen derselben Person zu erkennen. Ihr Name und Ihre Adresse gehen nicht an das RKI.
Schutz durch Therapie: „nicht nachweisbar = nicht übertragbar“
Das RKI stellt es als Tatsache fest: „Von einer mit HIV infizierten Person, die seit mindestens sechs Monaten eine ART erhält und bei der die aktuelle Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, kann HIV auf sexuellem Wege oder durch akzidentelle Kontaminationen (z. B. Nadelstichverletzungen) nicht mehr übertragen werden.“2
Die Grundlage sind große prospektive Kohorten: In PARTNER und Opposites Attract wurde über zusammen mehrere tausend Paarjahre kondomlosen Sex bei supprimierter Viruslast keine einzige Übertragung innerhalb der Partnerschaft beobachtet.914 In Deutschland erhalten laut RKI etwa 98 % der Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion eine Therapie, davon rund 96 % erfolgreich.12
Neues aus der Forschung
Aus aktuellen, in PubMed indexierten Arbeiten:
- Wie lang das Fenster wirklich ist. Eine CDC-Analyse von 20 Immunoassays anhand von 222 seriellen Serokonversionsproben schätzte das 99. Perzentil des Fensters auf rund 44 Tage für Labor-Suchtests, die Antigen und Antikörper nachweisen, gegenüber 65 Tagen für den Westernblot – in derselben Größenordnung wie die deutsche Sechs-Wochen-Regel.15
- Frühdiagnose zählt. Eine Übersicht von 2025 betont, wie stark Kombinationstests und der RNA-Nachweis das Erkennen der akuten Infektion verbessern – der Phase mit der höchsten Übertragbarkeit.16
- Selbsttests erweitern den Zugang. Eine Netzwerk-Metaanalyse über 33 Studien fand, dass alle untersuchten Verteilstrategien für Selbsttests die Testrate gegenüber dem Standardangebot erhöhen, ohne die Anbindung an Versorgung zu verschlechtern.17
- Späte Diagnosen sind die verbleibende Lücke. Eine Auswertung der WHO-Europaregion von 2025 benennt sie als zentrales Problem.18 In Deutschland wurden 2024 rund 32 % der Erstdiagnosen erst bei fortgeschrittenem Immundefekt gestellt, etwa 18 % erst im Stadium AIDS; rund 8.200 Infektionen gelten als nicht diagnostiziert.12
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Prävention. Sie ersetzen kein ärztliches Gespräch und rechtfertigen keine Selbstbehandlung.
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Häufige Fragen
Wie lange nach einer Ansteckungsmöglichkeit muss ich warten? Beim Labortest der 4. Generation sechs Wochen, dann ist ein negatives Ergebnis laut RKI ein sicherer Ausschluss.2 Beim Selbsttest oder Schnelltest zwölf Wochen.34 Nach einer PEP: sechs Wochen nach deren Ende.1
Ist ein negativer Test vor sechs Wochen wertlos? Nicht wertlos, aber kein Ausschluss. Ein Kombinationstest erkennt ab etwa zwei Wochen bereits einen Teil der Infektionen; ein negatives Ergebnis muss danach wiederholt werden.4
Mein Suchtest ist reaktiv – habe ich HIV? Noch nicht bewiesen. In Deutschland gilt eine verbindliche Zweistufendiagnostik: Erst ein Bestätigungstest (Immunoblot oder PCR), in der Regel aus einer zweiten Blutprobe, sichert das Ergebnis.25
Was kann einen falsch-reaktiven Test auslösen? Unspezifische Immunreaktionen: Virusinfektionen, Schwangerschaft, kürzliche Impfungen, Autoimmunerkrankungen, Rheumafaktoren – dazu Verwechslungen und technische Fehler.1142
Ist der HIV-Test anonym? Im Gesundheitsamt und in den Checkpoints der Aidshilfen ja. In der Arztpraxis nein: Dort wird namentlich getestet und das Ergebnis in der Akte dokumentiert.6
Zahlt die Krankenkasse? Bei Verdacht – etwa nach einem Risikokontakt oder bei passenden Symptomen – ja; der Suchtest ist als GOP 32575 im EBM hinterlegt.76 In der Schwangerschaft wird der Test allen Schwangeren angeboten.13
Erfährt jemand von meinem Ergebnis? Dem RKI wird HIV nicht-namentlich gemeldet; übermittelt werden nur Angaben wie Geschlecht, Geburtsmonat und die ersten drei PLZ-Ziffern sowie eine Pseudonymisierung aus je einem Buchstaben von Vor- und Nachname.8
Sind Selbsttests aus dem Internet in Ordnung? Nur mit CE-Kennzeichen. Das PEI rät vom Kauf nicht in der EU zugelassener Tests ab, deren Qualität teils sehr fraglich ist.32
Muss ich für den HIV-Test nüchtern sein? Nein. Für dieses Ergebnis zählt allein der Abstand zur Exposition.
Warum wird der Test oft mit anderen Serologien kombiniert? Weil sich Übertragungswege überschneiden. Üblich ist die Kombination mit Hepatitis B, Hepatitis C und Syphilis; gegen Hepatitis B gibt es zusätzlich eine Impfung.
Sieht man HIV im normalen Blutbild? Nein – ein Blutbild ersetzt keine Serologie. Bei fortgeschrittener, unbehandelter Infektion können Lymphozyten, Leukozyten oder Thrombozyten verändert sein; CRP und BSG sind völlig unspezifisch. Diagnostisch ist allein der HIV-Test.
Zum Mitnehmen
Beim HIV-Test gibt es keine Normwerte – es gibt Fristen. Ein negatives Ergebnis im Labortest der 4. Generation schließt eine Infektion sechs Wochen nach der Exposition sicher aus; für Selbst- und Schnelltests sowie für HIV-2 gelten zwölf Wochen.234 Ein reaktiver Suchtest ist keine Diagnose, sondern der Anlass für den vorgeschriebenen Bestätigungstest.25 Liegt Ihre Exposition weniger als 72 Stunden zurück, ist die dringlichste Handlung nicht ein Test, sondern die Abklärung einer PEP – am besten binnen zwei Stunden.1 Getestet wird im Gesundheitsamt anonym, in der Praxis namentlich, gemeldet wird ausschließlich nicht-namentlich.68 Und unter wirksamer Therapie ist HIV sexuell nicht mehr übertragbar.29 Kein Laborbefund steht für sich – die Einordnung ins Gesamtbild unterstützt AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Deutsche Institutionen und Leitlinien sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
Footnotes
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Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) und Österreichische AIDS-Gesellschaft – S2k Deutsch-Österreichische Leitlinie zur medikamentösen Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach HIV-Exposition, AWMF-Register-Nr. 055-004, Version 2022: Empfehlung 11 („Behandlungsbeginn soll bis 24 (maximal 72) Stunden nach der Exposition liegen. Ein Beginn binnen 2 Stunden nach dem Ereignis ist optimal“), Empfehlung 2 (spätestens 24 h nach perkutaner, 72 h nach Schleimhautexposition), keine Empfehlung mehr jenseits von 72 h, Kontrolle der HIV-Serologie mindestens 6 Wochen nach Ende der PEP, Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung bzw. den Unfallversicherungsträger. Die AWMF-URL lieferte HTTP 500; zitiert wird die Kopie der Fachgesellschaft. daignet.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
-
Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber HIV/AIDS, Epidemiologisches Bulletin 24/2022 (16. Juni 2022), vollständig aktualisierte Fassung: Abschnitt Diagnostik (Antikörper im Mittel nach 22 Tagen, Virusantigen nach 16–18 Tagen; Zwölf-Wochen-Fenster für ELISA der 3. Generation; „sechs Wochen nach möglicher Exposition […] mit großer Sicherheit ausgeschlossen“; Zweistufendiagnostik mit definiertem Reaktionsmuster im Immunoblot, zweite Blutprobe nach 1–3 Wochen; HIV-Selbsttests seit 29.09.2018), Abschnitt Therapie (Nicht-Übertragbarkeit unter ART bei Viruslast unter der Nachweisgrenze), Abschnitt Umgang mit Kontaktpersonen (HIV-PEP) sowie Gesetzliche Grundlage (§ 7 Abs. 3 IfSG). edoc.rki.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24 ↩25 ↩26 ↩27
-
Paul-Ehrlich-Institut (Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel) – HIV-Selbsttests: ausschließlich Tests mit CE-Kennzeichen verwenden, Warnung vor nicht in der EU zugelassenen Internetangeboten, „Erst ca. 12 Wochen nach einer vermuteten Infektion ist die Antikörperkonzentration so hoch, dass ein HIV-Selbsttest aussagekräftig ist (diagnostisches Fenster)“, Hinweis auf Tests, die bereits nach 6 Wochen anschlagen, sowie Aufforderung zum Bestätigungstest bei Ärztin/Arzt oder anonym bei Gesundheitsamt oder AIDS-Hilfe. pei.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9
-
Deutsche Aidshilfe – HIV-Tests im Detail (Infomappe Beratung): Kombinationstests der 4. und 5. Generation, Sensitivität über 99,5 %, Überreagieren des Suchtests u. a. auf Rheumafaktoren, Bestätigung per Westernblot oder PCR, „Labortest 6 Wochen, Schnelltest oder Selbsttest 12 Wochen“, Ausnahme HIV-2 mit 12 Wochen auch im Labortest, HIV-2 unter 0,5 % aller Infektionen in Deutschland, Einsatz des Kombinationstests ab zwei Wochen, PCR bei Symptomen. aidshilfe.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13
-
Gemeinsame Diagnostikkommission der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten (DVV) und der Gesellschaft für Virologie (GfV). Nachweis einer Infektion mit Humanem Immundefizienzvirus (HIV): Serologisches Screening mit nachfolgender Bestätigungsdiagnostik durch Antikörper-basierte Testsysteme und/oder durch HIV-Nukleinsäure-Nachweis. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2015. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Deutsche Aidshilfe – Wo kann man sich testen lassen? (Infomappe Beratung): Test im Gesundheitsamt anonym, kostenlos oder gegen geringe Gebühr (meist ca. 10–15 €, je nach Bundesland); ca. 70 Checkpoints der Aidshilfen; Test in der Arztpraxis namentlich mit Dokumentation in der Akte und Abrechnung über die Krankenkasse bei Verdacht; privates Labor als Selbstzahlerleistung; begleiteter Selbsttest. aidshilfe.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10
-
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM): GOP 32575 „Nachweis von HIV-1- und HIV-2-Antikörpern und von HIV-p24-Antigen“ (4,09 €); GOP 32660 „HIV-1- und/oder HIV-2-Antikörper (Westernblot)“ (20,30 €), abrechenbar erst „nach positivem oder fraglich positivem Antikörpernachweis“; GOP 01811 HIV-Test bei einer Schwangeren im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge (4,59 €). kbv.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Infektionsschutzgesetz (IfSG) – § 7 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 (nicht-namentliche Meldepflicht für den direkten oder indirekten Nachweis von HIV), § 10 Abs. 2 (abschließende Liste der zulässigen Angaben: fallbezogene Pseudonymisierung, Geschlecht, Monat und Jahr der Geburt, erste drei Ziffern der Postleitzahl, Befund, Diagnosemonat, Untersuchungsmaterial, Nachweismethode, wahrscheinlicher Infektionsweg; Meldung binnen zwei Wochen) und § 10 Abs. 4 (Zusammensetzung der fallbezogenen Pseudonymisierung aus je einem Buchstaben und der Buchstabenzahl von Vor- und Nachname). gesetze-im-internet.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Rodger AJ, Cambiano V, Bruun T et al. Risk of HIV transmission through condomless sex in serodifferent gay couples with the HIV-positive partner taking suppressive antiretroviral therapy (PARTNER): final results of a multicentre, prospective, observational study. Lancet, 2019. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – LIEBESLEBEN: HIV-Test: Antikörpertest mit sicherer Aussage erst drei Monate nach einem Risikokontakt, Antigen-Antikörper-Test „in den meisten deutschen Laboren“ mit sicherer Aussage in der Regel sechs Wochen nach einem Risikokontakt, Schnell- und Selbsttests bis zu drei Monate, Selbsttest nicht geeignet unter laufender HIV-Medikation, Test nur mit Einwilligung. liebesleben.de ↩ ↩2 ↩3
-
Hoffmann C, Rockstroh JK (Hrsg.) – HIV-Buch (frei verfügbares deutsches Lehrbuch zur HIV-Medizin, hivbuch.de), Kapitel Der HIV-Test: geforderte Mindestspezifität von 99,5 % für in Deutschland zugelassene HIV-Suchtests (im Mittel eine falsch-reaktive von 200 nicht infizierten Proben), falsch-reaktive Ergebnisse durch Immunstimulation (Virusinfektionen, Schwangerschaft, Impfungen, Autoimmunerkrankungen), deutsche Immunoblot-Kriterien nach DIN 58 969 Teil 41. hivbuch.de ↩ ↩2 ↩3
-
Robert Koch-Institut – Schätzung der Anzahl der HIV-Neuinfektionen im Jahr 2024 sowie der Gesamtzahl der Menschen, die Ende 2024 mit HIV in Deutschland leben, Epidemiologisches Bulletin 47/2025 (20. November 2025): 97.700 Menschen mit HIV in Deutschland Ende 2024, davon etwa 8.200 nicht diagnostiziert; 2.300 geschätzte Neuinfektionen 2024; 32 % der Erstdiagnosen bei fortgeschrittenem Immundefekt, 18 % im Stadium AIDS; etwa 98 % der Diagnostizierten in Therapie, davon rund 96 % erfolgreich. edoc.rki.de ↩ ↩2 ↩3
-
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt (Mutterschafts-Richtlinie), § 2 Abs. 1 und Anlage 1: „Jeder Schwangeren soll ein HIV-Antikörpertest empfohlen werden“; Bestätigung eines positiven Ergebnisses mittels Immuno-Blot aus derselben Blutprobe; im Mutterpass sind Beratung und Durchführung zu dokumentieren, „das Ergebnis der Untersuchung wird im Mutterpass nicht dokumentiert“; Anlage IV Versicherteninformation (anonymer HIV-Test möglich, Recht auf Ablehnung). g-ba.de ↩ ↩2
-
Bavinton BR, Pinto AN, Phanuphak N et al. Viral suppression and HIV transmission in serodiscordant male couples: an international, prospective, observational, cohort study. Lancet HIV, 2018. PubMed · DOI ↩
-
Delaney KP, Hanson DL, Masciotra S, Ethridge SF, Wesolowski L, Owen SM. Time Until Emergence of HIV Test Reactivity Following Infection With HIV-1: Implications for Interpreting Test Results and Retesting After Exposure. Clin Infect Dis, 2017. PubMed · DOI ↩
-
Rutstein SE, Limarzi-Klyn L, Miller WC, Powers KA. Public health implications of diagnosing and treating acute HIV. Curr Opin HIV AIDS, 2025. PubMed · DOI ↩
-
Eshun-Wilson I, Jamil MS, Witzel TC et al. A Systematic Review and Network Meta-analyses to Assess the Effectiveness of Human Immunodeficiency Virus (HIV) Self-testing Distribution Strategies. Clin Infect Dis, 2021. PubMed · DOI ↩
-
Parczewski M, Sojak L, Grabmeier-Pfistershammer K et al. Control of HIV across the WHO European region: progress and remaining challenges. Lancet Reg Health Eur, 2025. PubMed · DOI ↩