Sommaire

Eosinophile Granulozyten erhöht: Werte und Ursachen

Eosinophile im Blutbild: Normbereich in Zellen pro µl, ab wann eine Eosinophilie vorliegt und warum meist eine Allergie oder ein Medikament dahintersteckt.

Mis à jour le August 11, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Eosinophile Granulozyten – auf dem Befund oft nur „Eosinophile", „EO" oder „EOS" – sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Sie werden im Differenzialblutbild des großen Blutbilds mitgezählt und gehören zu den seltensten Leukozyten überhaupt. Steht dort „Eosinophile erhöht", denken viele sofort an Würmer oder an eine Blutkrankheit. In Deutschland ist beides selten die Antwort: Die häufigsten Erklärungen sind eine Allergie und ein Medikament. Dieser Ratgeber erklärt die Normwerte – immer in Zellen pro µl, denn der Prozentwert allein führt in die Irre –, die Stufen der Eosinophilie und wann eine Abklärung wirklich sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eosinophile Granulozyten sind weiße Blutkörperchen, die bei allergischen Reaktionen, Entzündungen und der Parasitenabwehr eine Rolle spielen.1
  • Lesen Sie die absolute Zahl in /µl, nicht den Prozentwert: Bei niedrigen Gesamtleukozyten können „8 % Eosinophile" völlig normal sein.2
  • Als Eosinophilie gilt in der deutschen Fachleitlinie ein Wert ab 0,5 × 10⁹/l, also ab 500/µl; ab 1.500/µl spricht man von Hypereosinophilie.3
  • Bei über 90 % der Betroffenen steckt eine reaktive Ursache dahinter – Allergie, Infektion, Autoimmunerkrankung oder ein Medikament. Nur bei maximal 5–10 % findet sich eine ursächliche genetische Veränderung.3
  • In Deutschland ist die Allergie der Normalfall: Bei mehr als 30 % der Erwachsenen wurde im Lauf des Lebens mindestens eine allergische Erkrankung diagnostiziert.45
  • Der Reflex „Eosinophile hoch = Parasiten" stammt aus den Tropen. Er bleibt richtig nach einer Reise dorthin: Bei 14 bis 48 % der Reiserückkehrenden mit Eosinophilie finden sich behandlungsbedürftige Wurminfektionen.6
  • Achtung bei neuen Medikamenten: Hautausschlag plus Fieber unter einem kürzlich begonnenen Präparat gehört ohne Verzögerung ärztlich beurteilt.78
  • Niedrige Eosinophile (Eosinopenie) sind meist bedeutungslos und werden in der Praxis kaum beachtet.2

Was sind eosinophile Granulozyten?

Eosinophile Granulozyten sind laut IQWiG „eine bestimmte Unterform der weißen Blutkörperchen", die nur einen kleinen Anteil ausmacht. In ihrem Inneren tragen sie Bläschen mit Botenstoffen, die bei Entzündungen, allergischen Reaktionen und der Bekämpfung von Parasiten freigesetzt werden.1 Gebildet werden sie – wie die neutrophilen Granulozyten und die Erythrozyten – im Knochenmark. Ihren Namen verdanken sie dem Farbstoff Eosin, der ihre Granula im Labor rosa-orange anfärbt.

Zwei Eigenschaften erklären, warum ihre Zahl im Blut so schwer zu deuten ist. Erstens zeigt das Blut nur einen Bruchteil: Eosinophile halten sich nur kurz in der Blutbahn auf und wandern dann ins Gewebe – Haut, Lunge, Magen-Darm-Trakt –, wo sie um ein Vielfaches zahlreicher sind. Zweitens schwankt der Wert im Tagesverlauf; bei Gesunden liegt er nachts höher und morgens niedriger, was für die Beurteilung im Alltag aber keine praktischen Folgen hat.2

Eosinophile ≠ Neutrophile. Verwechseln Sie die Eosinophilen (Allergie, Parasiten) nicht mit den neutrophilen Granulozyten, die vor allem Bakterien bekämpfen. Beide gehören zum selben Differenzialblutbild, zusammen mit Lymphozyten, Monozyten und basophilen Granulozyten.

Warum werden Eosinophile bestimmt?

Einzeln bestimmt werden sie so gut wie nie. Sie erscheinen automatisch im Differenzialblutbild, das aus dem kleinen Blutbild das große Blutbild macht. Ärztlich interessant sind sie vor allem, um:13

  • eine Allergie oder ein atopisches Terrain einzuordnen – Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis;
  • eine Arzneimittelreaktion zu erkennen: Eine Eosinophilie zählt zu den Laborbefunden, die bei Verdacht auf eine Arzneimittelüberempfindlichkeit ausdrücklich erhoben werden;7
  • nach einer Parasitose zu suchen, insbesondere nach einem Aufenthalt in den Tropen;6
  • chronische Erkrankungen der Atemwege oder des Verdauungstrakts zu begleiten – etwa das eosinophile Asthma oder die eosinophile Ösophagitis;910
  • bei anhaltend hohen Werten eine seltene hämatologische Ursache ein- oder auszuschließen.3

Den Ausschlag gibt dabei nicht die Zahl, sondern der Zusammenhang: bekannte Allergien, neu begonnene Medikamente, Reisen, Beschwerden. Nüchtern sein müssen Sie für das Blutbild nicht – nur wenn bei derselben Entnahme Blutzucker oder Blutfette bestimmt werden, gilt die Vorgabe Ihrer Praxis.

Normwerte der eosinophilen Granulozyten

EinordnungEosinophile absolutAnteil an den Leukozyten
Normalbereich (Erwachsene)ca. 50–250/µl (IQWiG)1 · 30–590/µl Männer, 10–400/µl Frauen (Uniklinik Köln)11ca. 1–4 %1
Eosinophilieab 500/µl (0,5 × 10⁹/l)3je nach Leukozytenzahl
leichte Eosinophilie500 – 1.500/µl2variabel
mäßige Eosinophilie (Hypereosinophilie)1.500 – 5.000/µl32variabel
schwere Eosinophilieüber 5.000/µl2variabel

Warum die absolute Zahl? Der Prozentwert ist ein relativer Wert: Er steigt allein dadurch, dass die übrigen Leukozyten weniger werden. „7 % Eosinophile" bei 3.000 Leukozyten sind 210 Zellen/µl – völlig unauffällig. Dieselben 7 % bei 12.000 Leukozyten sind 840/µl – eine echte Eosinophilie. Deutsche Befunde schreiben die absolute Zahl als /µl, /nl, G/l oder × 10⁹/l; dabei gilt: 0,5 × 10⁹/l = 0,5 G/l = 0,5/nl = 500/µl.

Und warum weichen die Bereiche so voneinander ab? Das IQWiG nennt als Orientierung 50–250/µl,1 die Uniklinik Köln bis 590/µl bei Männern und bis 400/µl bei Frauen.11 Das ist kein Widerspruch, sondern zeigt, wie stark Referenzbereiche von Messverfahren und Kollektiv abhängen. Maßgeblich ist immer der Bereich, der neben Ihrem eigenen Wert gedruckt steht.

Ihre Werte einordnen

Eosinophile erhöht (Eosinophilie): die Ursachen in Deutschland

Die wichtigste Zahl vorweg: In der Abklärung einer Eosinophilie finden sich laut der Onkopedia-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) bei über 90 % der Patientinnen und Patienten reaktive Ursachen – „z. B. bei Allergien, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Neoplasien … oder medikamentös bedingt". Eine ursächliche genetische Veränderung liegt nur bei maximal 5–10 % vor.3 Die Wahrscheinlichkeiten sprechen also für das Harmlose.

1. Allergie und Atopie – der Normalfall. Heuschnupfen (allergische Rhinitis), Asthma, Neurodermitis, Urtikaria, Nahrungsmittel- und Arzneimittelallergien sind in Deutschland die häufigste Erklärung. Wie verbreitet das ist, zeigt das Robert Koch-Institut: Bei mehr als 30 % der Erwachsenen – Frauen 35 %, Männer 24 % – wurde im Lauf des Lebens mindestens eine allergische Erkrankung ärztlich diagnostiziert.4 Die zugrunde liegende bundesweite Untersuchung DEGS1 an 7.988 Erwachsenen beziffert die Lebenszeitprävalenz für Heuschnupfen mit 14,8 %, für Asthma mit 8,6 % und für Neurodermitis mit 3,5 %; aktuell leiden knapp 20 % an mindestens einer Allergie.5 In diesen Fällen ist die Eosinophilie meist leicht.

2. Medikamente – die zweite große Familie. Sehr viele Wirkstoffe können die Eosinophilen anheben, oft ohne weitere Auffälligkeit. Deshalb gehört die Frage „Was nehmen Sie seit wann ein?" an den Anfang jeder Abklärung – rezeptfreie Präparate eingeschlossen.

⚠️ Wann es ernst ist: Hautausschlag plus Fieber unter einem neuen Medikament. Die schwerste Form der arzneimittelbedingten Eosinophilie heißt DRESS (Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms). Sie zählt zu den schweren kutanen Arzneimittelreaktionen und tritt typischerweise 2 bis 8 Wochen nach Beginn der Einnahme auf – also mit erheblicher Verzögerung.7 Ein neu aufgetretener Hautausschlag zusammen mit Fieber unter einem kürzlich begonnenen Präparat ist deshalb ein Grund, ohne Verzögerung ärztlichen Rat zu suchen und das Medikament zu nennen.8 Beurteilung und alle weiteren Schritte gehören in ärztliche Hand: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht eigenmächtig ab.

3. Parasiten – richtig, aber nicht zuerst. Der Reflex „Eosinophilie = Wurmbefall" stammt aus tropischen Regionen und führt in Deutschland zu vielen unnötigen Untersuchungen. Entscheidend ist die Reise- und Herkunftsanamnese. Eine Übersicht im Deutschen Ärzteblatt hält fest: Bei 14 bis 48 % der Reiserückkehrenden mit Eosinophilie liegt eine behandlungsbedürftige Parasitose vor, bei Zuwandernden aus Endemiegebieten je nach Herkunftsland bis zu 77 %. Für sich allein hat die Eosinophilie einen niedrigen Vorhersagewert – neu aufgetreten und nach einem Tropenaufenthalt weist sie dagegen deutlich auf eine Wurminfektion hin.6 Erwähnen Sie Reisen der letzten Monate also unbedingt.

4. Organbezogene eosinophile Erkrankungen. Dazu zählen das eosinophile Asthma und die eosinophile Ösophagitis, eine chronische Entzündung der Speiseröhre mit einer Prävalenz von 16,1 pro 100.000 Personen.10 In der Nationalen VersorgungsLeitlinie Asthma ist die Bluteosinophilie sogar ein Definitionskriterium: Für ein schweres eosinophiles Asthma verlangt die Leitliniengruppe den mindestens zweimaligen Nachweis von mehr als 300 Eosinophilen/µl außerhalb von Exazerbationen und ohne systemische Kortisontherapie.9

5. Seltene Formen – zuletzt, nicht zuerst. Hierher gehören die eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA), eine Gefäßentzündung, bei der Nasenpolypen, Asthma und Nervenbeschwerden wichtige Hinweise sind, sowie das hypereosinophile Syndrom (HES): definiert über eine anhaltende Eosinophilie ≥ 1.500/µl zusammen mit einer Beteiligung von Haut und inneren Organen wie Lunge, Darm, Herz oder Nervensystem.3 Ganz am Ende der Liste stehen klonale, also blutbildungsbedingte Eosinophilien.

„Sind erhöhte Eosinophile ein Krebszeichen?"

In aller Regel nein – und das ist keine Beschwichtigung, sondern die Zahl aus der deutschen Fachleitlinie: über 90 % reaktive Ursachen, höchstens 5–10 % mit ursächlicher genetischer Veränderung.3 Das eigentliche Risiko einer dauerhaft stark erhöhten Eosinophilenzahl ist auch nicht der Tumor, sondern der Organschaden an Herz, Lunge, Haut oder Nerven.312

Genau deshalb zählen Höhe und Dauer, nicht ein einzelner Messwert. Eine internationale Konsensus-Übersicht empfiehlt bei milderen Formen unter 1.500/µl ohne Beschwerden und Organzeichen ein abwartendes Vorgehen mit engmaschiger Kontrolle.12 Umgekehrt gilt: „jede persistierende, unklare Vermehrung von Eosinophilen" sollte abgeklärt werden.3

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

  • Hautausschlag zusammen mit Fieber unter einem kürzlich begonnenen Medikament – ohne Verzögerung;78
  • Werte, die über mehrere Kontrollen bestehen bleiben oder weiter steigen;3
  • eine Eosinophilie nach einem Tropenaufenthalt oder bei Herkunft aus einem Endemiegebiet;6
  • Begleitzeichen wie anhaltendes Fieber, Gewichtsverlust, Luftnot, Husten, Schluckbeschwerden, Hautveränderungen oder Taubheitsgefühle;
  • die Kombination mit auffälligem Hämoglobin, veränderten Thrombozyten oder auffälligem MCV-Wert.

Eosinophile zu niedrig (Eosinopenie)

Ein niedriger Wert oder eine Null in der Zeile „Eosinophile" ist fast immer ohne Bedeutung. Da die untere Normgrenze ohnehin nahe bei null liegt, ist „Eosinophile 0,0" für sich genommen kein Befund – Fachübersichten halten ausdrücklich fest, dass einer verminderten Eosinophilenzahl klinisch normalerweise keine Beachtung geschenkt wird.2 Typische Begleitumstände sind akuter Stress, eine bakterielle Infektion in der aktiven Phase und vor allem eine Therapie mit Kortison, das die zirkulierenden Eosinophilen rasch absenkt – ein Effekt, den die Asthma-Leitlinie eigens erwähnt, weil er die Messung verfälschen kann.9

Eosinophile im Zusammenhang des Blutbilds

Eosinophile liest man nie für sich, sondern zusammen mit den Leukozyten insgesamt, den neutrophilen Granulozyten, dem Hämoglobin, dem Hämatokrit, den Thrombozyten und den Retikulozyten. Eine isolierte Eosinophilie bei sonst unauffälligem Blutbild wird anders bewertet als eine, die von Blutarmut oder Auffälligkeiten bei MCV und MCH begleitet wird.

Was den Wert beeinflusst

Auf die Eosinophilenzahl wirken: das allergische Terrain, ein aktueller Infekt, Medikamente (manche heben den Wert, Kortison senkt ihn deutlich), Reisen und die Herkunft, chronische Erkrankungen von Atemwegen, Haut und Verdauungstrakt sowie die Tageszeit der Blutentnahme.29 Nennen Sie deshalb immer bekannte Allergien, alle eingenommenen Präparate und Reisen der letzten Monate – sie verändern die Deutung des Werts vollständig.

Neues aus der Forschung

Aus aktuellen, in PubMed gelisteten Veröffentlichungen:

  • Der Eosinophile als Therapieziel beim Asthma. Beim schweren eosinophilen Asthma senken Biologika gegen Interleukin-5 – den wichtigsten Wachstumsfaktor der Eosinophilen – die Zahl der Exazerbationen deutlich. Eine Arbeit von 2025 fand darüber hinaus Hinweise auf einen Effekt auf den Umbau der Atemwege.13
  • Eosinophile bei COPD. Die Bluteosinophilenzahl hat sich als Biomarker etabliert, um das Ansprechen auf inhalative Kortikosteroide abzuschätzen; ihr Wert für die alleinige Vorhersage von Exazerbationen bleibt dagegen umstritten.14
  • Eine aktualisierte Systematik. Die gemeinsame Klassifikation von WHO und International Consensus Classification (2024) bestätigt die Schwelle der Hypereosinophilie bei 1,5 × 10⁹/l, trennt reaktive von klonalen Formen und beschreibt für milde Formen unter dieser Schwelle ein abwartendes Vorgehen.12
  • Eosinophile Ösophagitis besser erkennen. Eine Übersicht im Deutschen Ärzteblatt (2025) beziffert Prävalenz (16,1 pro 100.000) und Inzidenz (1,7 pro 100.000 und Jahr) dieser zunehmenden Erkrankung und mahnt, die häufigen Diagnoseverzögerungen zu vermeiden.10

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lassen Sie Ihre Eosinophilen von AI DiagMe einordnen

Ein Eosinophilenwert lässt sich nie allein lesen: Seine Bedeutung ergibt sich aus dem übrigen großen Blutbild, aus Ihren Leukozyten, aus Ihren Allergien, Ihren Medikamenten, Ihren Reisen und Ihrer persönlichen Situation.

👉 AI DiagMe erklärt Ihre Befunde – Blut, Urin oder Stuhl – in verständlicher Sprache und im Zusammenhang. Ein reines Informationsangebot: Es stellt keine Diagnose und ergänzt die ärztliche Beurteilung, ohne sie zu ersetzen.

Häufige Fragen

Was sind eosinophile Granulozyten? Eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, gebildet im Knochenmark. Sie enthalten Botenstoffe, die bei Entzündungen, allergischen Reaktionen und der Parasitenabwehr freigesetzt werden. Gezählt werden sie im Differenzialblutbild des großen Blutbilds.1

Was ist der Normwert für Eosinophile? Das IQWiG nennt als Orientierung 50–250/µl beziehungsweise 1–4 % der Leukozyten,1 ein deutsches Universitätslabor bis 590/µl bei Männern und bis 400/µl bei Frauen.11 Die Bereiche unterscheiden sich je nach Messverfahren erheblich – maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.

Ab wann spricht man von einer Eosinophilie? Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO setzt die Grenze bei 0,5 × 10⁹/l, also 500/µl. Ab 1.500/µl spricht man von Hypereosinophilie, über 5.000/µl von einer schweren Eosinophilie.32

Was bedeuten erhöhte Eosinophile? In Deutschland am häufigsten eine Allergie – Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis – oder ein Medikament. Nach einer Tropenreise kommt eine Parasitose hinzu. Über 90 % aller Fälle haben eine solche reaktive Ursache.346

Bedeuten erhöhte Eosinophile Krebs? Fast immer nein. Nur bei maximal 5–10 % der abgeklärten Eosinophilien findet sich eine ursächliche genetische Veränderung.3 Das eigentliche Risiko dauerhaft hoher Werte ist nicht der Tumor, sondern eine mögliche Organbeteiligung.

Ab wann sollte man sich Sorgen machen? Nicht ein einzelner Wert entscheidet, sondern Höhe und Dauer. Milde Formen unter 1.500/µl ohne Beschwerden werden häufig zunächst nur kontrolliert; anhaltende oder unklare Erhöhungen gehören abgeklärt.123

Ich habe ein neues Medikament und einen Ausschlag – was tun? Ein Hautausschlag zusammen mit Fieber unter einem in den letzten Wochen begonnenen Medikament sollte ohne Verzögerung ärztlich beurteilt werden; die schwere Reaktion DRESS tritt typischerweise 2–8 Wochen nach Beginn auf.7 Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht eigenmächtig ab.

Sind niedrige Eosinophile gefährlich? Nein. Ein niedriger Wert oder eine Null ist praktisch immer bedeutungslos und wird klinisch normalerweise nicht weiter beachtet.2 Häufige Begleitumstände sind akuter Stress, eine bakterielle Infektion oder eine Kortisontherapie. Nüchtern sein müssen Sie für das Blutbild übrigens nicht.

Das sollten Sie mitnehmen

Eosinophile Granulozyten sind die Zellen von Allergie und Parasitenabwehr. Merken Sie sich vor allem drei Dinge. Erstens: Lesen Sie die absolute Zahl in /µl – der Prozentwert allein täuscht. Zweitens: Die Grenzen lauten 500/µl für die Eosinophilie und 1.500/µl für die Hypereosinophilie, wobei die Normbereiche der Labore zwischen etwa 250 und 590/µl auseinandergehen. Drittens: In Deutschland heißt „Eosinophile erhöht" zuerst Allergie oder Medikament und erst nach einer Tropenreise Parasiten – über 90 % der Fälle sind reaktiv. Ausschlaggebend sind Höhe und Dauer; die eine Situation, die keinen Aufschub duldet, ist ein Hautausschlag mit Fieber unter einem neuen Medikament. Kein Wert steht für sich: Erst das gesamte große Blutbild und Ihr persönlicher Zusammenhang ergeben ein Bild – genau dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Institutionen, Leitlinien und Universitätslabore sowie geprüfte Publikationen aus PubMed. Für die Abstufung der Eosinophilie und die internationale Klassifikation greift dieser Ratgeber ergänzend auf Fachliteratur außerhalb Deutschlands zurück, weil die deutschen Leitlinien nur die beiden Schwellen 0,5 und 1,5 × 10⁹/l definieren:

Footnotes

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — Eosinophile Granulozyten (Definition, Referenzwerte 1–4 % bzw. 50–250 Zellen/µl bei Erwachsenen, erhöhte und erniedrigte Werte), gesundheitsinformation.de. gesundheitsinformation.de 2 3 4 5 6 7 8

  2. Thomsen GN, Christoffersen MN, Lindegaard HM, et al. The multidisciplinary approach to eosinophilia. Front Oncol, 2023. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7 8 9 10

  3. DGHO — Onkopedia-Leitlinie Eosinophilie: Primäre klonale Eosinophilie und Differentialdiagnosen (Eosinophilie ≥ 0,5 × 10⁹/l, Hypereosinophilie ≥ 1,5 × 10⁹/l, > 90 % reaktive Ursachen, maximal 5–10 % genetische Aberration, Definition des hypereosinophilen Syndroms). onkopedia-guidelines.info 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

  4. Robert Koch-Institut — Themenschwerpunkt: Allergien und atopische Erkrankungen (mehr als 30 % der Erwachsenen mit mindestens einer jemals diagnostizierten allergischen Erkrankung; Frauen 35 %, Männer 24 %). rki.de 2 3

  5. Langen U, Schmitz R, Steppuhn H. Häufigkeit allergischer Erkrankungen in Deutschland: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2013. PubMed · DOI 2

  6. Ehrhardt S, Burchard GD. Eosinophilia in returning travelers and migrants. Deutsches Ärzteblatt International, 2008. PubMed · DOI 2 3 4 5

  7. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) u. a. — S2k-Leitlinie Allergologische Diagnostik von Überempfindlichkeitsreaktionen auf Arzneimittel, AWMF-Register-Nr. 061-021, gültig ab 01.07.2023 (Eosinophilie als Laborbefund; DRESS 2–8 Wochen nach Beginn der Arzneimittelzufuhr). register.awmf.org 2 3 4 5

  8. Wilkerson RG. Drug Hypersensitivity Reactions. Immunol Allergy Clin North Am, 2023. PubMed · DOI 2 3

  9. Bundesärztekammer, KBV und AWMF — Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, AWMF-Register-Nr. nvl-002, Version 2024 (Bluteosinophilie beim Asthma; mindestens zweimaliger Nachweis von mehr als 300 Eosinophilen/µl für die Diagnose eines schweren eosinophilen Asthmas; Absenkung der Eosinophilen unter Kortikosteroiden). register.awmf.org 2 3 4

  10. Hoerning A, Steiß JO, Madisch A, de Laffolie J. Eosinophilic Esophagitis: Prevalence, Diagnosis, and Treatment in Childhood and Adulthood. Deutsches Ärzteblatt International, 2025. PubMed · DOI 2 3

  11. Uniklinik Köln, Institut für Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis: Maschinelles Differentialblutbild, Referenzbereiche Erwachsene (eosinophile Granulozyten 0,03–0,59 × 10⁹/l bei Männern, 0,01–0,40 × 10⁹/l bei Frauen). uk-koeln.de 2 3

  12. Shomali W, Gotlib J. World Health Organization and International Consensus Classification of eosinophilic disorders: 2024 update on diagnosis, risk stratification, and management. Am J Hematol, 2024. PubMed · DOI 2 3 4

  13. Domvri K, Tsiouprou I, Bakakos P, et al. Effect of mepolizumab in airway remodeling in patients with late-onset severe asthma with an eosinophilic phenotype. J Allergy Clin Immunol, 2025. PubMed · DOI

  14. Singh D, Wedzicha JA, Siddiqui S, et al. Blood eosinophils as a biomarker of future COPD exacerbation risk: pooled data from 11 clinical trials. Respir Res, 2020. PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.