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Transferrin-Wert: normal, erhöht, zu niedrig und CDT

Transferrin steigt bei Eisenmangel und fällt bei Entzündung – genau umgekehrt wie Ferritin. Normalwerte in g/l, Ursachen und der CDT-Wert als Alkoholmarker.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Transferrin ist das Eiweiß, das Eisen durch Ihr Blut trägt. Freies Eisen wäre für die Zellen giftig – deshalb bindet die Leber es an dieses Transportprotein und liefert es vor allem ins Knochenmark zur Blutbildung.1 Transferrin gehört fest zu den Eisenwerten und wird fast nie allein gelesen, sondern zusammen mit Ferritin und Eisen im Blut. Zwei Dinge überraschen dabei fast jeden: Bei Eisenmangel steigt der Transferrin-Wert, statt zu fallen – und bei Entzündung sinkt er, weil Transferrin ein negatives Akute-Phase-Protein ist. Dieser Ratgeber erklärt die Normalwerte in g/l und mg/dl, was ein erhöhter oder zu niedriger Wert bedeutet – und den CDT-Wert, eine Sonderform des Transferrins, die in Deutschland als Alkoholmarker dient. Den Sättigungsgrad behandelt die eigene Seite zur Transferrinsättigung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Transferrin wird in der Leber gebildet und transportiert Eisen im Blut; jedes Molekül bindet bis zu zwei Fe³⁺-Ionen.12
  • Orientierende Normalwerte für Erwachsene: 200 – 360 mg/dl (= 2,0 – 3,6 g/l) nach IQWiG und deutschen Laboren, 200 – 400 mg/dl in der Onkopedia-Leitlinie.123
  • Transferrin erhöht heißt meist Eisenmangel: Der Körper baut mehr Transporter, um das knappe Eisen einzusammeln. Auch Schwangerschaft und Östrogene heben den Wert.21
  • Transferrin zu niedrig spricht für Entzündung, Eiweißmangel, Lebererkrankung, Eiweißverlust oder eine Eisenüberladung.2
  • ⚠️ Der Schlüssel zum Verständnis: Transferrin ist ein negatives Akute-Phase-Protein – es fällt bei Entzündung, während Ferritin als positives Akute-Phase-Protein steigt.34
  • CDT (Carbohydrate-Deficient Transferrin) ist eine veränderte Transferrin-Form und gilt als der spezifischste Blutmarker für chronisch hohen Alkoholkonsum.56

Was ist Transferrin?

Eisen darf im Blut nicht frei herumschwimmen: In gelöster Form erzeugt es Sauerstoffradikale und schädigt Gewebe. Der Körper löst das Problem elegant – er baut in der Leber ein Transportprotein, das Transferrin, das je Molekül zwei Bindungsstellen für Fe³⁺ besitzt und das Eisen sicher zu den Verbraucherzellen bringt.2 Dort wird es über den Transferrinrezeptor aufgenommen; wie viele Rezeptoren eine Zelle bildet, hängt von ihrem Eisenbedarf ab – bei Mangel werden sie hochreguliert.3

Biochemisch ist Transferrin ein β-Globulin. In der Eiweißelektrophorese taucht es deshalb in der Beta-Fraktion auf und zählt zu den Globulinen. Zwei abgeleitete Größen werden häufig mitbestimmt: die Eisenbindungskapazität (TEBK/TIBC), also wie viel Eisen alles vorhandene Transferrin binden könnte, und die Transferrinsättigung, der Prozentsatz, der tatsächlich besetzt ist. Beide sind eigene Themen und werden dort ausführlich behandelt.

Die Faustregel, die alles trägt. Transferrin ist der Lastwagen, Ferritin das Lager. Fehlt Eisen, baut der Körper mehr Lastwagen (Transferrin steigt), obwohl das Lager leer ist (Ferritin fällt). Beide bewegen sich bei Eisenmangel in entgegengesetzte Richtungen – das ist kein Widerspruch, sondern die Regel.

Warum wird Transferrin bestimmt?

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fordert Transferrin fast immer im Rahmen einer Eisenstoffwechseldiagnostik an:23

  • zur Abklärung einer Blutarmut, besonders wenn das große Blutbild ein niedriges MCV und ein niedriges Hämoglobin zeigt;
  • um einen echten Eisenmangel von einer Entzündungsanämie zu unterscheiden – dafür braucht es zusätzlich Entzündungswerte wie CRP oder BSG;
  • als Rechengrundlage für Transferrinsättigung und Eisenbindungskapazität;
  • bei Verdacht auf Eisenüberladung (Hämochromatose), meist zusammen mit Ferritin;
  • gelegentlich zur Einschätzung von Ernährungszustand und Lebersyntheseleistung, ergänzend zu Albumin, Gesamteiweiß und den Leberwerten.

Wichtig zur Einordnung: Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO hält das Serumeisen allein für die Eisenmangeldiagnostik ausdrücklich für obsolet, weil es tageszeitlich stark schwankt und auch bei Entzündungsanämie erniedrigt ist.3 Genau deshalb wird Transferrin mitbestimmt – es liefert den Bezugsrahmen, in dem das Eisen überhaupt zu deuten ist.

Muss man dafür nüchtern sein?

Für Transferrin selbst ist keine besondere Vorbereitung nötig; deutsche Labore verlangen lediglich eine gewöhnliche Blutentnahme, oft genügen 0,3 ml Serum.2 Trotzdem steht auf dem Termin meist „nüchtern" – weil aus derselben Röhre das Serumeisen bestimmt wird, das einem ausgeprägten Tagesrhythmus unterliegt.3 Für vergleichbare Werte gilt deshalb: möglichst morgens, und ein Eisenpräparat nicht unmittelbar vor der Entnahme einnehmen. Sagen Sie außerdem, wenn Sie schwanger sind, hormonell verhüten oder gerade einen Infekt hatten – all das verschiebt den Wert.

Normalwerte von Transferrin

Die Bereiche unterscheiden sich je nach Messverfahren und Labor. Maßgeblich ist immer der Bereich, der auf Ihrem Befund steht.

AngabeReferenzbereichQuelle
Transferrin, Erwachsene200 – 360 mg/dl (= 2,0 – 3,6 g/l)IQWiG; Labor Becker (Immunturbidimetrie)12
Transferrin, Erwachsene200 – 400 mg/dl (= 2,0 – 4,0 g/l)Onkopedia / DGHO, Tabelle 43
Neugeborene (< 7 Tage)87 – 218 mg/dlLabor Becker2
Säuglinge (< 30 Tage)137 – 227 mg/dlLabor Becker2
Transferrinsättigung16 – 45 %Onkopedia / DGHO3

Umrechnung. Deutsche Befunde geben Transferrin mal in g/l, mal in mg/dl an. Die Umrechnung ist glatt: g/l × 100 = mg/dl. 2,5 g/l sind also 250 mg/dl – dieselbe Zahl, andere Einheit.

Dass die obere Grenze je nach Quelle bei 360 oder 400 mg/dl liegt, ist kein Fehler, sondern zeigt, wie stark Referenzbereiche vom Kollektiv und der Methode abhängen. Ein Wert knapp über der Grenze ist deshalb kein Befund für sich.

Ihre Werte richtig einordnen

Transferrin erhöht: fast immer Eisenmangel

Das ist der kontraintuitive Punkt, an dem die meisten Deutungen scheitern. Ein hoher Transferrin-Wert bedeutet nicht „viel Eisen" – im Gegenteil. Fehlt Eisen, kurbelt der Körper die Transferrin-Synthese an, um das wenige verfügbare Eisen effizienter einzusammeln. Deutsche Laborverzeichnisse nennen als Ursachen einer Erhöhung schlicht: Eisenmangel, Schwangerschaft, Östrogene.2 Das IQWiG formuliert es ebenso: „Erhöhte Transferrin-Werte treten meist bei einem deutlichen Eisenmangel auf."1

Typisch ist dann diese Kombination: Transferrin hoch, Transferrinsättigung niedrig, Ferritin niedrig. Auch die Schwangerschaft hebt Transferrin physiologisch an, ebenso die Antibabypille oder eine Östrogentherapie – ohne dass das an sich krankhaft wäre.

Transferrin zu niedrig: vier Hauptgründe

Ein niedriger Wert hat in aller Regel eine von vier Ursachen – und Eisenmangel gehört ausdrücklich nicht dazu:2

  • Akute oder chronische Entzündung und Infektion: Die Leber drosselt die Transferrin-Produktion (siehe nächster Abschnitt);
  • Mangelernährung / Eiweißmangel: Fehlt Baumaterial, sinken Transferrin, Albumin und Gesamteiweiß gemeinsam;
  • Lebererkrankung: Bei eingeschränkter Syntheseleistung fällt die Produktion – sichtbar oft parallel zu auffälligen Leberwerten;
  • Eiweißverlust, etwa beim nephrotischen Syndrom, bei dem große Mengen Protein über die Niere verloren gehen; ein Hinweis darauf gibt Albumin im Urin und die weitere Abklärung der Nierenwerte.

Dazu kommt die Eisenüberladung: Ist reichlich Eisen vorhanden, braucht der Körper weniger Transporter – Transferrin sinkt, die Sättigung dagegen steigt deutlich.2 Auch Tumorerkrankungen senken den Wert, meist über den Entzündungs- und Ernährungsweg.

Warum Transferrin bei Entzündung fällt – und Ferritin steigt

Transferrin ist ein negatives Akute-Phase-Protein. Bei einer Entzündungsreaktion stellt die Leber ihre Eiweißproduktion um: Sie fährt „positive" Akute-Phase-Proteine wie CRP und Ferritin hoch und „negative" wie Transferrin und Albumin herunter. Ferritin steigt dabei so verlässlich an, dass die Onkopedia-Leitlinie warnt, ein bestehender Eisenmangel könne dadurch maskiert werden – man solle sich mit BSG, CRP und Klinik vergewissern, dass keine wesentliche Entzündung vorliegt.3

Der biologische Sinn dahinter ist die Eisenrückhaltung: Über den Regulator Hepcidin hält der Körper bei Infektionen Eisen in den Speicherzellen zurück und entzieht es damit sowohl Krankheitserregern als auch der Blutbildung. Ergebnis ist eine Entzündungsanämie mit niedrigem Serumeisen, niedriger Transferrinsättigung und hohem Ferritin.47 Genau deshalb sind CRP, BSG und gegebenenfalls Procalcitonin keine Nebenwerte, sondern Voraussetzung für die Deutung.

Praktisch heißt das: Bei Entzündung dürfen Sie einen normalen oder niedrigen Transferrin-Wert nicht als „kein Eisenmangel" lesen. In dieser Konstellation stützt sich die Beurteilung auf Zusatzparameter wie den löslichen Transferrinrezeptor, den Ferritin-Index oder das Retikulozytenhämoglobin, die von der Entzündung weit weniger beeinflusst werden – Letzteres ist auch über die Retikulozyten zugänglich.38

CDT: Transferrin als Alkoholmarker

Physiologisch liegt Transferrin im Plasma zu etwa 75 % als Tetrasialo-Isoform vor – mit zwei Zuckerketten, die je zwei endständige Sialinsäuren tragen. Regelmäßiger Alkoholkonsum von mehr als 50–60 g Ethanol pro Tag über mindestens zwei Wochen verändert dieses Glykosylierungsmuster: Es entstehen Formen, denen Sialinsäuren oder ganze Kohlenhydratketten fehlen (Disialo-, Monosialo-, Asialotransferrin). Zusammengefasst heißen sie CDT – Carbohydrate-Deficient Transferrin.5 Angegeben wird der prozentuale Anteil am Gesamttransferrin.

Der CDT-Wert gilt als der spezifischste verfügbare Blutmarker für chronisch überhöhten Alkoholkonsum. Die deutsche S3-Leitlinie „Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen" beziffert die Spezifität mit mindestens 90 % – nach ihrer Formulierung „im Vergleich zu den übrigen Statemarkern unerreicht hoch". Die Sensitivität ist dagegen die Schwachstelle: In der WHO/ISBRA-Studie lag sie bei Männern bei etwa 60 %, bei Frauen nur bei 29 %.6 Ein normales CDT schließt problematischen Konsum also nicht aus.

Die Grenzwerte hängen vom Verfahren ab – auch das ist ein häufiger Stolperstein:

  • Nach IFCC-Standardisierung (HPLC als Referenzmessverfahren) liegt die obere Referenzgrenze bei 1,7 % CDT-IFCC; für forensische Fragestellungen wurde ein Cut-off von 2,0 % festgelegt.9
  • Ein nephelometrischer Assay am Universitätsklinikum Ulm nennt dagegen einen Referenzbereich von 1,2 – 2,5 % und einen diagnostischen Cut-off von 2,6 %.5

Auch die Rückbildung wird unterschiedlich angegeben: Die S3-Leitlinie nennt eine Halbwertszeit von 14 Tagen, das Ulmer Verzeichnis 9,5 Tage mit Normalisierung nach zwei bis vier Wochen Abstinenz.65 Beide sagen dasselbe Grundsätzliche: CDT bildet Wochen, nicht Stunden ab.

Falsch-positive Werte sind möglich bei biliärer Zirrhose, Autoimmunhepatitis, genetischen Transferrin-Varianten und dem sehr seltenen CDG-Syndrom.65 Und hier schließt sich der Kreis zu diesem Ratgeber: Fällt das Gesamttransferrin – etwa im Rahmen einer Akute-Phase-Reaktion – unter 1,2 g/l, ist der CDT-Wert nach dem Ulmer Leistungsverzeichnis nur noch eingeschränkt verwertbar.5 Ein entzündungsbedingt niedriges Transferrin macht die Alkoholfrage also schwerer, nicht leichter.

In Kombination gewinnt der Marker: Die S3-Leitlinie beschreibt das rechnerisch gebildete γ-CDT aus Gamma-GT und CDT mit einer Sensitivität von 75 % und einer Spezifität von 93 %.6 Den Alkoholaspekt der Leberwerte behandelt die eigene Seite zur Gamma-GT.

Fahreignung: was CDT kann – und was nicht. In der Fahreignungsbegutachtung werden Leberwerte, MCV und gegebenenfalls CDT herangezogen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hält aber ausdrücklich fest, dass diese Marker „nicht zwischen einem mäßigen Alkoholkonsum und einer Alkoholabstinenz unterscheiden" können, sondern nur hohen Konsum anzeigen. Als Abstinenznachweis dient deshalb EtG (Ethylglucuronid) in Urin oder Haaren – und selbst der ist laut BASt „kein Beweis" für die Fahreignung, sondern widerspricht der Abstinenzangabe lediglich nicht.10 Im ambulanten vertragsärztlichen Bereich wird die CDT-Bestimmung zudem nicht erstattet.6

Was den Wert beeinflusst

Transferrin steigt bei Eisenmangel, in der Schwangerschaft und unter Östrogenen (Pille, Hormontherapie). Es fällt bei Entzündung und Infektion, bei Mangelernährung, Lebererkrankungen, Eiweißverlusten, Tumorerkrankungen und bei Eisenüberladung.23 Weil Transferrin gemeinsam mit dem tagesrhythmisch schwankenden Serumeisen interpretiert wird, spielen zusätzlich Uhrzeit der Entnahme und eine kürzlich eingenommene Eisentablette hinein.3 Nennen Sie deshalb Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, eine Schwangerschaft und kürzliche Infekte.

Neues aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Publikationen:

  • Kein einzelner Eisenparameter ist „der beste". Die deutschen Autorinnen und Autoren der Onkopedia-Leitlinie fassen im Deutschen Ärzteblatt zusammen, dass jeder Marker eigene Stärken und Störgrößen hat und die Einordnung erst aus der Kombination entsteht – mit einer Transferrinsättigung unter 20 % als Hinweis auf Eisenmangel.11
  • Entzündung ist der zentrale Störfaktor. Über Hepcidin wird Eisen bei anhaltender Immunaktivierung in den Speicherzellen zurückgehalten; das erklärt, warum bei Entzündungsanämie und Eisenmangel dieselben Werte in entgegengesetzte Richtungen zeigen können.47
  • Bei chronischer Entzündung gelten andere Schwellen. Übersichtsarbeiten empfehlen, in entzündlichen Erkrankungen höhere Ferritin-Schwellen anzusetzen und die Transferrinsättigung ergänzend heranzuziehen, statt sich auf einen Wert zu verlassen.8
  • Alkoholmarker werden kombiniert, nicht einzeln gelesen. Eine aktuelle Übersicht kommt zu dem Schluss, dass kein Laborwert allein zuverlässig einen Alkoholmissbrauch erkennt; erst die Kombination mehrerer Marker mit Anamnese und Fragebögen trägt.12 Eine wissenschaftshistorische Übersicht ordnet CDT dabei als hochspezifischen Marker für riskanten Konsum ein, neben neueren Kandidaten wie Phosphatidylethanol.13

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lassen Sie Ihren Transferrin-Wert einordnen

Transferrin allein sagt fast nichts. Seine Bedeutung entsteht erst im Zusammenspiel mit Ferritin, Eisen im Blut, der Transferrinsättigung und den Entzündungswerten.

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Häufige Fragen

Was ist ein normaler Transferrin-Wert? Bei Erwachsenen orientierend 200 – 360 mg/dl, also 2,0 – 3,6 g/l; die Onkopedia-Leitlinie gibt 200 – 400 mg/dl an.123 Maßgeblich bleibt der Bereich auf Ihrem Befund.

Was bedeutet ein erhöhtes Transferrin? Meist einen Eisenmangel: Der Körper bildet mehr Transportprotein, um das knappe Eisen einzusammeln. Auch Schwangerschaft und Östrogene heben den Wert.21

Warum steigt Transferrin bei Eisenmangel, obwohl Eisen fehlt? Weil Transferrin nicht das Eisen ist, sondern sein Transportmittel. Bei Mangel werden mehr Transporter gebaut – der Wert steigt, während Ferritin und die Sättigung fallen.

Was bedeutet Transferrin zu niedrig? Entzündung, Eiweißmangel, Lebererkrankung oder Eiweißverlust (etwa nephrotisches Syndrom); seltener eine Eisenüberladung, dann mit hoher Sättigung.2

Ist Transferrin ein Akute-Phase-Protein? Ja – ein negatives. Bei Entzündung sinkt es, während CRP und Ferritin steigen.34 Deshalb gehören CRP oder BSG zu jeder Beurteilung.

Was ist der Unterschied zwischen Transferrin und Ferritin? Transferrin transportiert Eisen, Ferritin speichert es. Bei Eisenmangel bewegen sie sich gegenläufig: Transferrin hoch, Ferritin niedrig.

Was ist der CDT-Wert? Eine Untergruppe von Transferrin-Formen mit fehlenden Zuckerketten, die bei chronisch hohem Alkoholkonsum zunimmt. Sie wird als Prozentanteil am Gesamttransferrin angegeben und gilt als spezifischster Blutmarker dafür.56

Ab wann ist der CDT-Wert erhöht? Das hängt vom Verfahren ab: 1,7 % obere Referenzgrenze und 2,0 % forensischer Cut-off nach IFCC-Standardisierung, 2,6 % bei einem nephelometrischen Assay.95 Vergleichen Sie nur Werte derselben Methode.

Beweist ein normaler CDT-Wert Abstinenz? Nein. Die BASt hält fest, dass CDT, Gamma-GT und MCV nur hohen Konsum anzeigen und mäßigen Konsum nicht von Abstinenz trennen können; für den Abstinenznachweis wird EtG in Urin oder Haaren verwendet.10

Muss ich für die Blutentnahme nüchtern sein? Für Transferrin selbst nicht zwingend. Weil meist das tagesrhythmisch schwankende Serumeisen mitbestimmt wird, wird die Entnahme trotzdem morgens und nüchtern empfohlen.32

Das Wichtigste zum Schluss

Merken Sie sich die Größenordnung – 2,0 bis 3,6 g/l bzw. 200 bis 360 mg/dl – und vor allem die Richtung: Bei Eisenmangel steigt Transferrin, weil der Körper mehr Transporter baut; bei Entzündung fällt es, weil es ein negatives Akute-Phase-Protein ist – genau umgekehrt zum Ferritin. Wer nur eine Zahl anschaut, deutet fast zwangsläufig falsch. Ein niedriger Wert ist deshalb selten ein Eisen-, häufiger ein Entzündungs-, Ernährungs-, Leber- oder Eiweißverlustproblem. Und die Sonderform CDT misst etwas ganz anderes als der übliche Transferrin-Wert, nämlich chronischen Alkoholkonsum – mit hoher Spezifität, aber begrenzter Empfindlichkeit und methodenabhängigen Grenzwerten. Entscheidend bleibt das Gesamtbild aus Eisenwerten, Ferritin, Transferrinsättigung, Entzündungswerten und Ihrer Situation. Dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Behörden, Einsendelabore und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – Transferrin, gesundheitsinformation.de, Stand 20. März 2025: Bildung in der Leber, Eisentransport zu den Organen, Referenzbereich 200–360 mg/dl für Frauen und Männer über 18 Jahre, „Erhöhte Transferrin-Werte treten meist bei einem deutlichen Eisenmangel auf". gesundheitsinformation.de 2 3 4 5 6 7 8

  2. Labor Becker MVZ (München) – Leistungsverzeichnis, Eintrag Transferrin (Immunturbidimetrie, Serum 0,3 ml; Erwachsene 200–360 mg/dl, Neugeborene < 7 Tage 87–218 mg/dl, Säuglinge < 30 Tage 137–227 mg/dl; zwei Bindungsstellen für Fe³⁺; erniedrigt bei akuter Entzündung, Eisenüberladung, Proteinverlust, Malignomen, Lebererkrankungen; erhöht bei Eisenmangel, Schwangerschaft, Östrogenen). labor-becker.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

  3. DGHO – Onkopedia-Leitlinie Eisenmangel und Eisenmangelanämie, Stand April 2025, Autoren Jan Hastka, Georgia Metzgeroth, Norbert Gattermann. Ausgewertet: Kapitel 3.5.5 (Serumeisen zirkadian, „für Diagnostik des Eisenmangels obsolet"), 3.5.6 (Ferritin als Akut-Phase-Protein, Maskierung des Eisenmangels, Kontrolle mit BKS/CRP), 3.5.7 (Transferrinsättigung 16–45 %, ≤ 15 % eisendefizitäre Erythropoese, Erniedrigung bei Entzündung), 3.5.8–3.5.9 (löslicher Transferrinrezeptor, TfR-F-Index), 3.5.13 („Den ‚besten Eisenparameter' gibt es nicht") und Tabelle 4 (Transferrin 200–400 mg/dl). onkopedia.com 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

  4. Weiss G, Ganz T, Goodnough LT. Anemia of inflammation. Blood, 2019;133(1):40–50. PubMed · DOI 2 3 4

  5. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie – Leistungsverzeichnis Carbohydrate Deficient Transferrin (CDT), Revision 003 vom 15.10.2024: physiologisch ca. 75 % Tetrasialo-Isoform, Auslösung durch > 50–60 g Ethanol/Tag über mindestens zwei Wochen, Halbwertszeit 9,5 Tage mit Normalisierung nach 2–4 Wochen Abstinenz, Referenzbereich 1,2–2,5 % mit Cut-off 2,6 % (Nephelometrie, IFCC-Kalibrator), falsch-positiv bei CDG-Syndrom, sowie: „Bei niedriger Transferrinkonzentration (< 1,2 g/l) ist der CDT-Wert diagnostisch nur eingeschränkt verwertbar." uniklinik-ulm.de 2 3 4 5 6 7 8

  6. AWMF / DGPPN und DG-Sucht – S3-Leitlinie Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen, AWMF-Register Nr. 076-001, Langfassung (aktualisierte Version 2020, Gültigkeit verlängert 01/2025). Ausgewertet: Kapitel 2.5.5 und 2.5.7 (Entstehung des CDT aus desialylierten Transferrin-Isoformen, HPLC als Referenzstandard, Spezifität „mindestens 90 %", WHO/ISBRA-Sensitivität ca. 60 % bei Männern und 29 % bei Frauen, falsch-positive Werte bei biliärer Zirrhose, Autoimmunhepatitis, genetischen Transferrin-Varianten und CDG-Syndrom, Halbwertszeit 14 Tage, γ-CDT mit Sensitivität 75 % und Spezifität 93 %, keine Kostenerstattung im ambulanten vertragsärztlichen Bereich). register.awmf.org 2 3 4 5 6 7

  7. Pasricha SR, Tye-Din J, Muckenthaler MU, Swinkels DW. Iron deficiency. Lancet, 2021;397(10270):233–248. PubMed · DOI 2

  8. Cappellini MD, Musallam KM, Taher AT. Iron deficiency anaemia revisited. J Intern Med, 2020;287(2):153–170. PubMed · DOI 2

  9. MVZ für Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie Koblenz-Mittelrhein – Fachinformation Carbohydrate Deficient Transferrin (CDT), Stand April 2020: IFCC-Standardisierung mit Disialotransferrin als Analyt und HPLC als Referenzmessverfahren, obere Referenzgrenze 1,7 % CDT-IFCC, forensischer Cut-off 2,0 %, Verweis auf die S3-Leitlinie 076-001 und auf arbeitsmedizinische sowie Fahrtauglichkeitsuntersuchungen. labor-koblenz.de 2

  10. Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) – Laborbefunde und Abstinenzbelege (Informationsangebot zur medizinisch-psychologischen Untersuchung, Themenbereich Alkohol): Leberwerte, MCV und gegebenenfalls CDT „können aber nicht zwischen einem mäßigen Alkoholkonsum und einer Alkoholabstinenz unterscheiden, sondern nur hohen Alkoholkonsum anzeigen"; EtG in Urin oder Haaren als Abstinenzmarker; Abstinenzbelege sind „kein ‚Beweis'" für die Fahreignung. bast.de 2

  11. Gattermann N, Muckenthaler MU, Kulozik AE, Metzgeroth G, Hastka J. The Evaluation of Iron Deficiency and Iron Overload. Dtsch Arztebl Int, 2021;118(49):847–856. PubMed · DOI

  12. Caputo F, Casabianca A, Lungaro L, Costanzini A, Testino G, Guarino M, et al. Available markers of excessive alcohol use. Minerva Gastroenterol (Torino), 2025;71(3):282–288. PubMed · DOI

  13. Jones AW. Brief history of the alcohol biomarkers CDT, EtG, EtS, 5-HTOL, and PEth. Drug Test Anal, 2024;16(6):570–587. PubMed · DOI

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