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Zinkmangel: Symptome, Ursachen und der Zinkwert im Blut

Serumzink fällt bei jedem Infekt und bei niedrigem Albumin. Warum der Wert nur mit CRP zu lesen ist, und wie die DGE ihre Zinkwerte nach Phytat staffelt.

Publié le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Zink ist ein lebensnotwendiges Spurenelement: Es wirkt an über 300 enzymatischen Reaktionen mit und ist für Immunabwehr, Wundheilung, Geschmackssinn, Haut, Haare und Wachstum unentbehrlich.1 Ein Zinkmangel ist ein reales, gut beschriebenes Krankheitsbild – nur lässt er sich nicht an einem einzelnen Blutwert ablesen. Dieser Ratgeber erklärt Anzeichen und Ursachen, was die DGE-Referenzwerte mit ihrer Staffelung nach Phytat aussagen – und warum der Zinkwert im Serum immer zusammen mit CRP und Albumin gelesen werden muss.

Das Wichtigste in Kürze

  • ⚠️ Serumzink ist ein schwacher Spiegel des Zinkstatus. Es ist der beste verfügbare Marker, wird aber von Mahlzeit, Tageszeit, Entzündung und Medikamenten verschoben.2
  • Jeder Infekt senkt den Wert. Zink wird in der Akute-Phase-Reaktion aus dem Blut in die Gewebe umverteilt – ein während einer Erkältung gemessenes „niedriges Zink" sagt wenig aus.23
  • Zink zirkuliert an Eiweiß gebunden, vor allem an Albumin. Ein niedriges Albumin senkt den gemessenen Zinkwert rechnerisch mit.2
  • Die DGE staffelt ihre Referenzwerte nach der Phytatzufuhr: Frauen 7 / 8 / 10 mg, Männer 11 / 14 / 16 mg pro Tag bei niedriger, mittlerer und hoher Phytatzufuhr.4
  • Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6,5 mg Zink pro Tagesdosis.5
  • ⚠️ Zu viel Zink erzeugt einen Kupfermangel – mit Anämie, Neutropenie und einer teils bleibenden Nervenschädigung. Das ist das konkreteste Risiko einer Selbstmedikation.1

Was Zink im Körper leistet

Zink ist ein Metall, das der Körper weder herstellen noch nennenswert speichern kann: Es muss täglich über die Nahrung kommen (Fleisch, Käse, Eier, Meeresfrüchte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkorn). Als Kofaktor stabilisiert es Enzyme, steuert über „Zinkfinger" das Ablesen der DNA und greift in Zellteilung, Immunantwort, Wundheilung, Geschmackswahrnehmung und Wachstum ein.16

Entscheidend für das Verständnis des Laborwerts: Nur ein verschwindend kleiner Teil des Körperzinks steckt im Blut – der größte Anteil liegt in Muskulatur und Knochen. Im Kreislauf sind rund 70 % des Zinks an Albumin gebunden.62 Der gemessene Wert ist also kein Vorratsspeicher, sondern eine Momentaufnahme des Transportpools.

Warum der Zinkwert im Serum so schwer zu deuten ist

Das internationale BOND-Expertengremium nennt die Serum-Zinkkonzentration den besten verfügbaren Statusmarker – und listet im selben Atemzug auf, was ihn verschiebt: die letzte Mahlzeit, die Tageszeit, eine Entzündung und bestimmte Medikamente.2 Zwei Mechanismen sind besonders wichtig.

1. Jede Entzündung oder Infektion drückt den Wert. Zink verhält sich wie ein negatives Akute-Phase-Protein: Bei Infekten wird es aus dem Blut in die Gewebe umverteilt, die Blutkonzentration fällt – auch ohne echten Mangel. Wie groß der Effekt ist, zeigt eine brasilianische Erhebung an 7 597 Kindern: Nach Korrektur für Entzündung mittels hochsensitivem CRP sank die geschätzte Häufigkeit eines Zinkmangels von 17,8 % auf 13,8 %.3 Ein niedriges Zink, gemessen während eines grippalen Infekts, ist also kein Beweis für einen Mangel; es gehört nach Abklingen der Entzündungswerte kontrolliert.

2. Niedriges Albumin senkt den Wert mechanisch. Weil Zink an Albumin transportiert wird, zieht eine Hypalbuminämie – bei Mangelernährung, Lebererkrankung, Eiweißverlust über Darm oder Niere – den Zinkwert nach unten, ohne dass die Speicher leer wären.2 Deshalb werden Gesamteiweiß, Albumin und die Nierenwerte sinnvollerweise mitbestimmt.

Die Faustregel dieses Ratgebers: Ein isolierter Zinkwert ist kaum interpretierbar. Aussagekräftig wird er erst im Dreiklang mit CRP und Albumin – und im Abgleich mit Ernährung, Beschwerden und Vorerkrankungen.

Wie viel Zink braucht man? Die DGE staffelt nach Phytat

Hier liegt eine deutsche Besonderheit, die selten erklärt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt seit der Überarbeitung von 2019 keine einzelne Zahl mehr an, sondern drei – je nachdem, wie viel Phytat (Phytinsäure) die Ernährung liefert. Phytat steckt in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen und bindet Zink im Darm. Die DGE beziffert den Effekt: Bei sehr hohen Phytatgehalten kann die Zinkaufnahme um bis zu 45 % vermindert sein.7

PhytatzufuhrFrauen ab 19 J.Männer ab 19 J.
niedrig (≈ 330 mg/Tag)7 mg/Tag11 mg/Tag
mittel (≈ 660 mg/Tag)8 mg/Tag14 mg/Tag
hoch (≈ 990 mg/Tag)10 mg/Tag16 mg/Tag

Für Schwangere gelten 7–11 mg/Tag im 1. Trimester und 9–13 mg/Tag im 2. und 3. Trimester, für Stillende 11–14 mg/Tag – jeweils gestaffelt nach Phytat.4 Die Phytatstufen entsprechen laut BfR-Auswertung der D-A-CH-Werte etwa 330, 660 und 990 mg Phytat pro Tag.5

Was das konkret bedeutet. Wer vorwiegend tierisches Eiweiß und wenig Vollkorn isst, liegt in der niedrigen Stufe. Eine vegetarische oder vegane Ernährung mit Sauerteigbrot, ausgemahlenem Mehl oder gekeimtem Getreide ordnet die DGE der mittleren Stufe zu – Sauerteiggärung und Keimung bauen Phytat ab. Wer dagegen viel ungegärtes Vollkorn und Hülsenfrüchte ohne tierisches Eiweiß isst, fällt in die hohe Stufe.7 Eine vegan lebende Frau landet so bei 10 mg/Tag statt bei 7 – bei einer durchschnittlichen Zufuhr von rund 8 mg/Tag (Frauen) und 11 mg/Tag (Männer) in Deutschland laut Nationaler Verzehrsstudie II.7

Dass dies keine Theorie ist, zeigt die deutsche NuEva-Studie (Universität Jena, 172 Teilnehmende): Bei Vegetariern und Veganern war die Zinkzufuhr signifikant niedriger und der Phytat-Score höher als bei Mischköstlern; das Serumzink war bei Veganern reduziert – abgesichert allerdings nur bei den Frauen.8

Ursachen eines Zinkmangels

  • Zu geringe Zufuhr oder schlechte Verfügbarkeit: einseitige Kost, phytatreiche pflanzliche Ernährung ohne Sauerteig oder Keimung, Mangelernährung, hohes Lebensalter.7
  • Malabsorption: Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Zustand nach bariatrischer Operation – nach Duodenal Switch fand eine Studie ein Jahr postoperativ bei bis zu 92 % einen Zinkmangel, weshalb die deutsche S3-Leitlinie zur Adipositaschirurgie ein Zink-Monitoring vorsieht.9
  • Vermehrte Verluste: chronische Durchfälle, ausgedehnte Verbrennungen, Dialyse und Nierenerkrankungen, chronischer Alkoholkonsum.6
  • Erhöhter Bedarf: Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, große Wundflächen.4
  • Angeboren: die Acrodermatitis enteropathica, eine seltene autosomal-rezessive Störung des Zinktransporters ZIP4 (Gen SLC39A4), die schon im Säuglings- und Kleinkindalter mit typischen Hautveränderungen, Durchfall und Haarausfall auffällt.6

Anzeichen: was belegt ist und was nur behauptet wird

Gut dokumentiert sind bei manifestem Mangel: Hautveränderungen um Körperöffnungen (Mund, Nase, Augen, Windelregion) und an den Akren, Haarausfall, Wundheilungsstörungen, Geschmacks- und Geruchsstörungen, Durchfall, erhöhte Infektanfälligkeit und beim Kind Wachstumsverzögerung.610 Genau diese Konstellation nennen deutsche Labore als Indikation.10

Nicht belegt ist dagegen, dass sich alltägliche Müdigkeit, brüchige Nägel oder weiße Nagelflecken zuverlässig auf Zink zurückführen ließen. Ein leichter Mangel bleibt oft symptomlos – und die meisten dieser Beschwerden haben häufigere Ursachen: Eisen (Ferritin, Eisenwerte), Schilddrüse, ein Vitaminmangel (Vitaminwerte) oder ein Magnesiummangel.

Normwerte des Zinkwerts im Blut

Die Bereiche unterscheiden sich zwischen deutschen Laboren erheblich, weil Methode (AAS oder ICP-MS) und Material variieren. Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.

Labor / MaterialReferenzbereichMethode
Labor Becker MVZ, Serum/Plasma70 – 150 µg/dlICP-MS
endokrinologikum / aesculabor, Serum0,60 – 1,20 mg/l (= 60 – 120 µg/dl)AAS

Einheiten umrechnen. 1 mg/l = 100 µg/dl. Für die SI-Einheit gilt: 1 µg/dl ≈ 0,153 µmol/l – 70 µg/dl entsprechen also rund 10,7 µmol/l, 120 µg/dl rund 18,4 µmol/l.1110 In der brasilianischen Erhebung galten < 65 µg/dl (Morgenblut) bzw. < 57 µg/dl (Nachmittag) als Mangelschwelle – die Schwelle hängt also selbst von der Tageszeit ab.3

Nüchtern? Und die Tücken der Präanalytik

Ja – deutsche Labore verlangen für Zink in der Regel eine nüchterne Blutentnahme, weil die Zinkkonzentration nach dem Essen abfällt; hinzu kommt eine Tagesrhythmik mit höheren Morgenwerten.103 Drei technische Punkte:

  • Hämolyse verfälscht nach oben. In den Erythrozyten ist Zink etwa zehnmal höher konzentriert als im Plasma; platzen sie bei der Entnahme, steigt der Messwert. Deshalb: keine starke Stauung, und die Serumgewinnung muss zügig erfolgen – das endokrinologikum nennt 30 Minuten.10
  • Zink ist überall. Gummistopfen, Kanülen und normale Röhrchen können die Probe verunreinigen; für die Spurenelementanalytik werden Spezialröhrchen verwendet.11
  • Sagen Sie an, wenn Sie erkältet sind, Nahrungsergänzung einnehmen oder schwanger sind.

Zink gegen Erkältung: was die Cochrane-Übersicht wirklich sagt

Kaum ein Produkt wird in Deutschland so offensiv beworben. Die aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit von 2024 wertete 34 randomisierte Studien mit 8 526 Teilnehmenden aus. Ihr Ergebnis, nüchtern gelesen:12

  • Vorbeugung: kein überzeugender Nutzen. Zink senkte das Risiko, überhaupt eine Erkältung zu bekommen, kaum oder gar nicht (Risikoverhältnis 0,93; 95 %-Konfidenzintervall 0,85–1,01) – niedrige Vertrauenswürdigkeit.
  • Behandlung: möglicherweise kürzer, aber sehr unsicher. Bei bestehender Erkältung war die mittlere Dauer um 2,37 Tage kürzer (95 %-KI 0,53–4,21). Die Studien widersprachen sich jedoch massiv (I² = 97 %), die Vertrauenswürdigkeit ist ebenfalls niedrig.
  • Nebenwirkungen: real. Bei therapeutischem Einsatz stieg das Risiko nicht schwerwiegender Nebenwirkungen – unangenehmer Geschmack, Übelkeit, Bauchkrämpfe, Durchfall – an (Risikoverhältnis 1,34; 95 %-KI 1,15–1,55), mit moderater Vertrauenswürdigkeit. Das ist der am besten abgesicherte Einzelbefund der Übersicht.

Wichtig für die Einordnung: Die Lutschtabletten-Studien arbeiteten mit 45 bis 276 mg Zinkgluconat pro Tag – ein Vielfaches der Referenzzufuhr und der BfR-Höchstmenge. Diese Zahlen beschreiben Studienbedingungen, sie sind keine Empfehlung. Das IQWiG fasst die Lage so zusammen: Vor- und Nachteile von Zinkpräparaten gegen Erkältungen ließen sich „bislang nicht zuverlässig beurteilen".13

Sonderfall Nasenspray. Zinkhaltige Nasensprays sind ein eigenes Kapitel: Nach ihrer Anwendung wurde ein „zinkinduziertes Anosmie-Syndrom" mit teils dauerhaftem Verlust des Geruchssinns beschrieben.14 Ausgerechnet der Sinn, den Zink eigentlich schützen soll.

Zu viel Zink: der Kupfermangel

Das ist das konkreteste Risiko einer eigenmächtigen Dauereinnahme. Zink und Kupfer konkurrieren im Darm um dieselben Aufnahmewege; hohe Zinkzufuhr induziert in der Darmschleimhaut Metallothionein, das Kupfer bindet und mit den Zellen ausgeschieden wird. Folge einer längeren Überdosierung ist ein Kupfermangel mit Anämie, Neutropenie und einer Nervenschädigung (Myeloneuropathie), die sich nicht immer zurückbildet.1

Auffällig wird das oft zuerst im großen Blutbild: sinkendes Hämoglobin, niedrige Leukozyten und erniedrigte neutrophile Granulozyten – ein Bild, das eine Knochenmarkerkrankung vortäuschen kann. Zur Abklärung dienen Kupfer im Serum und Coeruloplasmin. Der auf EU-Ebene abgeleitete tolerierbare Höchstwert (UL) liegt bei 25 mg/Tag für Erwachsene und 22 mg/Tag für 15- bis 17-Jährige.51 Das BfR empfiehlt deshalb für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6,5 mg pro Tagesdosis – abgeleitet aus der Lücke zwischen sehr geringen tatsächlichen Zufuhren und der Zufuhrempfehlung – und rät, Produkte mit mehr als 3,5 mg pro Tagesdosis mit dem Hinweis zu versehen, auf weitere zinkhaltige Präparate zu verzichten. Für eine Anreicherung normaler Lebensmittel sieht das BfR keinen Spielraum mehr.5

Zahlt die Krankenkasse den Zinkwert?

Ja – bei medizinischer Indikation. Der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung führt die Bestimmung als Gebührenordnungsposition 32267 „Zink" mit 11,32 € (Stand 1/2026), als quantitative Elementbestimmung mittels Atomabsorption oder ICP-MS.15 Kassenleistung ist sie also bei begründetem Verdacht – nicht als Screening.

Eine Beobachtung dazu: Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet in seiner A–Z-Liste die Bestimmung von Vitamin D und Vitamin B12 (jeweils „unklar"), führt aber – geprüft im August 2026 – keinen Eintrag zu Zink, zu Mineralstoffen oder zu Spurenelementen.16 Zu diesem Test existiert also schlicht keine IGeL-Bewertung; wer im Netz eine liest, sollte die Quelle prüfen.

Neues aus der Forschung

  • Der Marker wird korrigiert, nicht ersetzt. Serumzink liefert erst nach Korrektur für Entzündung, Tageszeit und Nüchternstatus brauchbare Häufigkeitsschätzungen; ohne Korrektur wird ein Mangel systematisch überschätzt.3
  • Grenzen der Toxizität neu vermessen. Eine Übersicht der RWTH Aachen zeigt 2024, wie die tolerierbaren Höchstmengen zustande kommen – und dass Zinkbelastung nicht nur oral entsteht, sondern auch durch Inhalation oder Anwendung auf der Haut.1
  • Pflanzenbetonte Ernährung im Blick. Die deutsche NuEva-Studie identifizierte 2023 Zink – neben Selen – als kritischen Nährstoff speziell bei veganer Ernährung.8
  • Erkältung: die Unsicherheit bleibt. Die Cochrane-Aktualisierung 2024 hat die Datenlage nicht aufgeräumt, sondern präzisiert: wenig Nutzen in der Vorbeugung, unsicherer Nutzen in der Behandlung, sichere Zunahme leichter Nebenwirkungen.12

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lassen Sie Ihren Zinkwert einordnen

Ein Zinkwert allein sagt wenig. Sein Sinn ergibt sich erst aus CRP, Albumin, Ihren Leberwerten, Ihrer Ernährung und Ihren Beschwerden – und aus der Frage, ob zum Zeitpunkt der Messung ein Infekt lief.

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Häufige Fragen

Was sind die typischen Symptome eines Zinkmangels? Hautveränderungen um Mund, Nase und Augen, Haarausfall, schlecht heilende Wunden, Geschmacks- und Geruchsstörungen, Durchfall, häufige Infekte, beim Kind Wachstumsverzögerung.6 Ein leichter Mangel kann symptomfrei bleiben.

Wie hoch ist der Normwert von Zink im Blut? Je nach Labor etwa 70–150 µg/dl bzw. 0,60–1,20 mg/l im Serum.1110 Verbindlich ist der Bereich auf Ihrem Befund.

Beweist ein niedriger Zinkwert einen Zinkmangel? Nein. Ein Infekt, eine Entzündung oder ein niedriges Albumin senken den Wert, ohne dass die Speicher leer sind.23 Ein auffälliger Wert wird nach Abklingen der Entzündung kontrolliert.

Wie viel Zink pro Tag empfiehlt die DGE? Frauen 7, 8 oder 10 mg/Tag und Männer 11, 14 oder 16 mg/Tag – je nachdem, wie viel Phytat die Ernährung enthält.4

Warum brauchen Veganerinnen und Veganer mehr Zink? Weil Phytat aus Vollkorn und Hülsenfrüchten Zink im Darm bindet; bei sehr hoher Phytatzufuhr sinkt die Aufnahme um bis zu 45 %.7 Sauerteig, Keimen und Einweichen bauen Phytat ab und verbessern die Verfügbarkeit.

Hilft Zink gegen Erkältung? Zur Vorbeugung zeigt die Cochrane-Übersicht 2024 wenig bis keinen Nutzen; zur Behandlung möglicherweise eine kürzere Dauer, aber mit sehr widersprüchlichen Studien – und mit einer klaren Zunahme leichter Nebenwirkungen.12 Das IQWiG hält die Bewertung für nicht zuverlässig möglich.13

Kann man zu viel Zink nehmen? Ja. Der tolerierbare Höchstwert liegt bei 25 mg/Tag; das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 6,5 mg pro Tagesdosis.5 Eine längere Überdosierung führt zu Kupfermangel mit Anämie, Neutropenie und Nervenschäden.1

Muss ich für den Zinkwert nüchtern sein? In der Regel ja, morgens und nüchtern: Der Wert fällt nach dem Essen und schwankt im Tagesverlauf.103

Übernimmt die Kasse die Kosten? Bei begründeter Indikation ja – der EBM führt die Zinkbestimmung als GOP 32267 mit 11,32 €.15 Ohne Indikation wird sie als Selbstzahlerleistung angeboten.

Ist ein auffälliger Zinkwert ein Krebszeichen? Nein. Zink ist kein Tumormarker. Der Wert spricht über Ernährung, Verdauung, Entzündung und Immunlage.

Das Wichtigste zum Schluss

Zinkmangel ist real – aber er wird über Beschwerden, Ernährung und Kontext erkannt, nicht über eine einzelne Zahl. Drei Dinge lohnen sich zu merken: Der Serumwert fällt bei jedem Infekt und bei niedrigem Albumin, weshalb er nur zusammen mit CRP und Albumin gelesen wird; die DGE staffelt ihre Referenzwerte nach Phytat (Frauen 7–10 mg, Männer 11–16 mg pro Tag), was pflanzenbetonte Ernährung ausdrücklich betrifft; und mehr ist nicht besser – das BfR nennt 6,5 mg pro Tagesdosis, weil eine Dauerüberdosierung einen Kupfermangel mit bleibenden Nervenschäden auslösen kann. Was ein Ergebnis bedeutet, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; beim Verstehen hilft ergänzend AI DiagMe.

Quellen

Deutsche Behörden und Fachgesellschaften, Einsendelabore und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Schoofs H, Schmit J, Rink L. Zinc Toxicity: Understanding the Limits. Molecules, 2024. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7

  2. King JC, Brown KH, Gibson RS, Krebs NF, Lowe NM, Siekmann JH, et al. Biomarkers of Nutrition for Development (BOND)-Zinc Review. J Nutr, 2015. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7

  3. Berti TL, de Castro IR, Pedrosa LF, Normando P, Farias DR, Lacerda EM, et al. Serum Zinc Concentrations by Inflammation Status, Time of Day, and Fasting Status for Estimating Zinc Deficiency in 6-59-Mo-Old Children: Results from the Brazilian National Survey on Child Nutrition (ENANI-2019). J Nutr, 2024. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7

  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Zink, Stand der Ableitung 2019 (D-A-CH, 4. Ergänzungslieferung). Ausgewertet: nach Phytatzufuhr gestaffelte empfohlene Zufuhr für Erwachsene (Frauen 7/8/10 mg/Tag, Männer 11/14/16 mg/Tag), Schwangerschaft (1. Trimester 7–11 mg/Tag; 2./3. Trimester 9–13 mg/Tag) und Stillzeit (11–14 mg/Tag). dge.de 2 3 4

  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Höchstmengenvorschläge für Zink in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (Stellungnahme, 2021). Ausgewertet: Höchstmenge 6,5 mg je Tagesverzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels, Warnhinweis oberhalb von 3,5 mg/Tagesdosis, kein Zusatz zu Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs, UL des SCF (2003) von 25 mg/Tag für Erwachsene und 22 mg/Tag für 15- bis 17-Jährige, D-A-CH-Zufuhrempfehlungen 2019 nach Phytatstufen 330/660/990 mg/Tag. bfr.bund.de 2 3 4 5

  6. Stiles LI, Ferrao K, Mehta KJ. Role of zinc in health and disease. Clin Exp Med, 2024. PubMed · DOI 2 3 4 5 6

  7. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Ausgewählte Fragen und Antworten zu Zink. Ausgewertet: Begründung der Phytatstaffelung („Phytat bindet im Magen-Darm-Trakt Zink"), Verminderung der Absorption um bis zu 45 % bei sehr hohen Phytatgehalten, Zuordnung vegetarischer/veganer Kostformen zu den Phytatkategorien, Risikogruppen (Senioren, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, vegetarische Ernährung), durchschnittliche Zufuhr in Deutschland nach Nationaler Verzehrsstudie II (Frauen 8 mg/Tag, Männer 11 mg/Tag). dge.de 2 3 4 5

  8. Klein L, Dawczynski C, Schwarz M, Maares M, Kipp K, Haase H, Kipp AP. Selenium, Zinc, and Copper Status of Vegetarians and Vegans in Comparison to Omnivores in the Nutritional Evaluation (NuEva) Study. Nutrients, 2023. PubMed · DOI 2

  9. AWMF / Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) – S3-Leitlinie Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen, AWMF-Registernummer 088-001, Version 2.3 (02/2018). Ausgewertet: Kapitel Nachsorge und Supplementation (Zinkmangel in 92 % ein Jahr nach BPD-DS; Zink-Defizite bei 40–68 % nach biliopankreatischer Diversion; Zink im Monitoring-Schema nach malabsorptiven Verfahren). register.awmf.org

  10. endokrinologikum / aesculabor Hamburg – Online-Leistungsverzeichnis, Eintrag Zink im Serum: Referenzbereich 0,60–1,20 mg/l, Methode Atomabsorptionsspektrometrie, Indikationen Haarausfall, Acrodermatitis enteropathica, Wundheilungsstörungen, parenterale Ernährung, Alkoholismus; Präanalytik: „Starke Stauung und Hämolyse vermeiden, da die Zinkkonzentration in den Erythrozyten 10 mal höher ist als im Plasma", Serumgewinnung innerhalb von 30 Minuten, nüchterne Entnahme. endokrinologikum-aesculabor.de 2 3 4 5 6 7

  11. Labor Becker MVZ (München) – Leistungsverzeichnis, Eintrag Zink: Referenzbereich Serum/Plasma 70–150 µg/dl, Methode ICP-MS, Probenmaterial 0,5 ml Serum im Spezialröhrchen für die Spurenelementanalytik oder Li-Heparin-Plasma, Störfaktor Hämolyse. labor-becker.de 2 3

  12. Nault D, Machingo TA, Shipper AG, Antiporta DA, Hamel C, Nourouzpour S, et al. Zinc for prevention and treatment of the common cold. Cochrane Database Syst Rev, 2024. PubMed · DOI 2 3

  13. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) / gesundheitsinformation.de – Erkältung, Aktualisierung vom 31. Oktober 2023: „Oft werden auch Präparate mit Zink, Vitamin C oder Echinacea-Extrakten gegen Erkältungen empfohlen. Bislang lassen sich die Vor- und Nachteile dieser Mittel nicht zuverlässig beurteilen." gesundheitsinformation.de 2

  14. Alexander TH, Davidson TM. Intranasal zinc and anosmia: the zinc-induced anosmia syndrome. Laryngoscope, 2006. PubMed · DOI

  15. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 1/2026, Abschnitt 32.3.4 (Klinisch-chemische Untersuchungen): Gebührenordnungsposition 32267 „Zink", 11,32 €, quantitative physikalische Bestimmung von Elementen mittels Atomabsorption oder ICP-MS. kbv.de 2

  16. IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) – IGeL A–Z, geprüft am 14. August 2026, sowie die Übersichtsliste mit Stand 7. Februar 2023. Beide enthalten Bewertungen zu „Vitamin-B12-Mangel, Früherkennung und Vitamingabe" und „Vitamin-D-Mangel, Früherkennung und regelmäßige Einnahme" (jeweils „unklar"), jedoch keinen Eintrag zu Zink, Mineralstoffen oder Spurenelementen. igel-monitor.de

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