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fT3-Wert: Normalbereich, erhöht oder zu niedrig

fT3 liegt bei Erwachsenen meist bei 3,1 bis 6,8 pmol/l. Warum er kein Test der ersten Wahl ist und ein niedriger Wert meist nicht von der Schilddrüse kommt.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Auf dem Laborbefund steht er als fT3, manchmal ausgeschrieben als freies T3 oder freies Trijodthyronin – drei Namen für dieselbe Messgröße: die ungebundene, wirksame Form des Schilddrüsenhormons Trijodthyronin (T3). Von den drei großen Schilddrüsenwerten ist fT3 der am seltensten gebrauchte und der am häufigsten missverstandene. Dieser Ratgeber erklärt den Normalbereich in pmol/l und pg/ml, was ein erhöhter und ein zu niedriger Wert bedeuten – und was von der Rede vom „optimalen fT3" zu halten ist.

Auf einen Blick

  • fT3 ist die freie, wirksame Form des Trijodthyronins. Über 99 % des T3 im Blut sind an Transporteiweiße gebunden und damit inaktiv.1
  • 80 bis 90 % des T3 stammen nicht aus der Schilddrüse, sondern entstehen erst im Gewebe – vor allem in der Leber – aus T4. Weniger als 20 % gibt die Schilddrüse direkt ab.1
  • Orientierender Normalbereich für Erwachsene: etwa 3,1 bis 6,8 pmol/l (rund 2,0 bis 4,4 pg/ml) – stark methodenabhängig.12
  • Kein Test der ersten Wahl. Die DEGAM-Leitlinie: Bei erhöhtem TSH hat die fT3-Bestimmung keinen Zusatznutzen; sie gehört in die weiterführende Diagnostik bei erniedrigtem TSH.3
  • fT3 erhöht bei supprimiertem TSH spricht für eine Schilddrüsenüberfunktion. Ist dabei das fT4 normal, heißt die seltene Sonderform T3-Hyperthyreose.41
  • ⚠️ fT3 zu niedrig heißt meist nicht Schilddrüsenerkrankung: Bei schwerer Allgemeinerkrankung sinkt T3 durch verminderte Umwandlung – das Low-T3-Syndrom (Non-Thyroidal-Illness-Syndrom).135
  • ⚠️ Hochdosiertes Biotin aus Haar- und Nagelpräparaten kann fT3 und fT4 falsch hoch erscheinen lassen.67

Was ist freies T3 (fT3)?

Die Schilddrüse stellt zwei Hormone her: T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). T3 ist das wirksamere – es steigert Sauerstoffverbrauch, Herzfrequenz und Knochenstoffwechsel.1

Entscheidend ist, woher dieses T3 kommt. Das Universitätsklinikum Ulm formuliert es so: „Circa 80–90 % des Trijodthyronins (T3) stammen aus der enzymatischen 5'-Dejodierung von T4 im peripheren Gewebe (vorwiegend in der Leber). Weniger als 20 % des Trijodthyronins (T3) werden aus der Schilddrüse direkt sezerniert."1 Der T3-Spiegel ist also nur zu einem kleinen Teil ein Maß für die Schilddrüsenleistung – zum größeren Teil dafür, wie viel T4 gerade außerhalb der Schilddrüse umgebaut wird, unter anderem in der Leber.

Im Blut ist T3 zu über 99 % an Transporteiweiße gebunden.1 Nur der freie Rest wirkt – deshalb misst man heute fT3 statt Gesamt-T3: Der freie Anteil bleibt auch dann aussagekräftig, wenn sich die Transporteiweiße ändern, etwa in der Schwangerschaft oder unter der Pille.

TSH, fT4, fT3 – wer macht was? Der TSH-Wert ist das Steuersignal der Hirnanhangdrüse und reagiert am empfindlichsten. Das fT4 misst das Produkt der Schilddrüse – den Vorrat. Das fT3 misst das aktive Endprodukt, das aber überwiegend anderswo entsteht. Deshalb ist die Reihenfolge nicht beliebig.

Warum wird fT3 bestimmt – und warum meistens nicht?

In der Routine wird fT3 nicht bestimmt. Der Einstieg ist der TSH-Wert; liegt er im Referenzbereich, ist eine Überfunktion weitgehend ausgeschlossen.4 Erst wenn der TSH erniedrigt ist, folgen fT4 und fT3.43

Die deutsche Hausarzt-Leitlinie ist hier ungewöhnlich deutlich: „Die Bestimmung des fT3 hat bei erhöhtem TSH keinen Zusatznutzen. Die fT3-Bestimmung erfolgt im Kontext der weiterführenden Diagnostik bei erniedrigtem TSH-Wert (Hyperthyreose)."3 Für den Verdacht auf eine Unterfunktion – den häufigsten Anlass überhaupt – bringt fT3 also nichts.

Sinnvoll ist er vor allem in drei Situationen:

  • Bestätigung einer Überfunktion. Bei supprimiertem TSH zeigen erhöhte fT4- und/oder fT3-Werte eine manifeste Hyperthyreose an.4
  • Nachweis einer T3-Hyperthyreose – vom Uniklinikum Ulm genau so als Indikation genannt.1 Bei dieser seltenen Form ist der TSH supprimiert und das fT3 erhöht, während fT4 normal oder niedrig bleibt; ohne fT3 würde sie übersehen.4
  • Monitoring unter Amiodaron. Unter Dauertherapie empfiehlt die Leitlinie ein halbjährliches Monitoring von TSH, fT3 und fT4.3

Ein isoliertes fT3 ist kaum interpretierbar – deshalb steht es auf keinem Basisprogramm.

Muss man für den fT3-Wert nüchtern sein?

Nein, eine Nahrungskarenz ist nicht nötig. Zwei Punkte lohnen sich trotzdem: Entnahme möglichst morgens und für Verlaufskontrollen zur gleichen Tageszeit, weil die Werte im Tagesverlauf schwanken;2 bei bekannter Schilddrüsenerkrankung morgens vor der Medikamenteneinnahme.4 Und: biotinhaltige Präparate ansprechen (siehe unten). Längeres Fasten oder eine akute Erkrankung senken das T3, ohne dass die Schilddrüse betroffen wäre.1

Normalwerte und Einheiten

Deutsche Labore geben fT3 in pmol/l oder pg/ml an – zwei Skalen für dieselbe Messung. Umrechnung laut Uniklinikum Ulm: pmol/l × 0,651 = pg/ml, pg/ml × 1,536 = pmol/l, pg/ml × 0,1 = ng/dl.1

SituationReferenzbereich (orientierend)Einheit
Erwachseneca. 3,1 – 6,8pmol/l
Erwachsene (umgerechnet)ca. 2,0 – 4,4pg/ml
Schwangere, 1. Trimenon2,46 – 3,89pmol/l
Schwangere, 2. Trimenon2,09 – 3,55pmol/l
Schwangere, 3. Trimenon2,01 – 3,27pmol/l

Zahlen: Leistungsverzeichnis der Klinischen Chemie am Universitätsklinikum Ulm (Roche-ECLIA).1

Warum diese Tabelle kein Maßstab ist. fT3 ist besonders testabhängig: Das IQWiG nennt 3,9 bis 6,7 pmol/l,2 das Uniklinikum Ulm 3,13 bis 6,76 pmol/l – und in Ulm verschob sich der Bereich 2013 beim Wechsel des Testkollektivs.1 Dieselbe Zahl kann im einen Labor knapp normal, im anderen knapp auffällig sein. Maßgeblich ist einzig der Bereich neben Ihrem Wert auf Ihrem Befund.

Ergebnisse einordnen

Ein fT3-Wert wird nie allein gelesen – erst mit TSH und fT4 ergibt er Sinn.

fT3 erhöht: Überfunktion und T3-Hyperthyreose

Ein erhöhtes fT3 bei supprimiertem TSH spricht für eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Typische Beschwerden: Herzklopfen, Unruhe, Zittern, Wärmeintoleranz, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit. Häufigste Ursache ist der Morbus Basedow; daneben autonome Knoten und die überfunktionelle Phase einer Schilddrüsenentzündung.48 Zur Abgrenzung folgen TRAK und TPO-Antikörper: TRAK positiv spricht für Morbus Basedow, TRAK negativ bei positiven TPO-AK eher für eine autoimmune Thyreoiditis.4

Der Sonderfall, für den man den Wert überhaupt braucht, ist die T3-Hyperthyreose (T3-Toxikose): TSH supprimiert, fT3 erhöht, fT4 normal oder erniedrigt. Die KBV führt sie als seltene Form auf.4

fT3 erhöht, TSH aber normal? Das passt zu keiner klassischen Überfunktion und ist zuerst ein Anlass, an eine Störung der Messung zu denken – allen voran Biotin, daneben Autoantikörper gegen Testbestandteile.69 Nächster Schritt ist die Kontrolle, gegebenenfalls mit einem anderen Testverfahren – keine Therapie.

fT3 zu niedrig: meist ein Signal von außerhalb der Schilddrüse

Hier liegt das häufigste Missverständnis. Ein niedriges fT3 wird oft als „Unterfunktion" gelesen – dafür ist es ein schlechter Test. Die Unterfunktion diagnostizieren TSH und fT4; fT3 bleibt dabei oft lange normal, weil der Körper die Umwandlung hochfährt.

Der weitaus häufigere Grund ist das Low-T3-Syndrom, international Non-Thyroidal-Illness-Syndrom (NTIS) oder „euthyroid sick syndrome". Das Uniklinikum Ulm führt es als ersten Einflussfaktor auf: „Low T3-Syndrom, infolge verminderter Konversion von T4 zu T3 bei schwerkranken Patienten und älteren Menschen."1 Bei schwerer Infektion, Intensivbehandlung, Herzschwäche, Nierenversagen, Anorexie oder langem Fasten drosselt der Körper die Umwandlung; typisch ist ein Abfall des T3 bei Anstieg des reverse T3 (rT3).105

Zwei Punkte sind daran wichtig – und im Kern beruhigend: Die Schilddrüse ist dabei gesund, der Befund gilt als Anpassung.5 Und das Ausmaß des Abfalls spiegelt die Schwere der Grunderkrankung – ein niedriges T3 geht bei Schwerkranken mit ungünstigerer Prognose einher, als Begleiterscheinung, nicht als Ursache.105 Die DEGAM weist darauf hin, dass solche Verschiebungen nach einem Krankenhausaufenthalt zu erwarten sind.3

Die Kombination entscheidet

TSHfT4fT3Übliche Einordnung
supprimierterhöhterhöhtmanifeste Hyperthyreose
supprimiertnormal / niedrigerhöhtT3-Hyperthyreose (selten)
< 0,1 mU/lnormalnormalsubklinische Hyperthyreose
erhöhterniedrigtniedrig oder normalHypothyreose – Diagnose über TSH und fT4
normalnormalniedrigan Low-T3-Syndrom denken

Nach KBV-Systematik: TSH zuerst, freie Hormone danach.4

„Optimales fT3", Umwandlungsstörung, Selen: was die Quellen sagen

Rund um den fT3-Wert ist ein eigener Ratgebermarkt entstanden. Drei Behauptungen begegnen einem ständig – hier steht, was die deutschen Leitlinien hergeben.

„Der fT3-Wert sollte im oberen Drittel des Referenzbereichs liegen." Für eine solche Zielposition gibt es in den deutschen Leitlinien keine Grundlage: Die DEGAM steuert die Behandlung einer Unterfunktion über den TSH-Wert und hält fest, dass fT3 bei erhöhtem TSH ohne Zusatznutzen ist.3 Hinzu kommt das methodische Problem – wenn sich der Referenzbereich schon zwischen zwei Laboren um fast ein pmol/l unterscheidet,12 ist eine Prozentangabe darin keine belastbare Größe.

„Ein niedriges fT3 bei normalem TSH beweist eine Umwandlungsstörung." Dass die Umwandlung gedrosselt sein kann, ist unstrittig – genau das ist das Low-T3-Syndrom.15 Nur ist der übliche Auslöser eine Allgemeinerkrankung, längeres Fasten oder ein Medikament, und die Konsequenz ist, die Ursache zu behandeln. Eine Behandlung, die auf den T3-Wert zielt, folgt daraus nicht: Die DEGAM empfiehlt, T3, T3/T4-Kombinationen und „natürliche" Schilddrüsenhormonpräparate nicht zu verordnen, weil die Studien mehrheitlich keine Überlegenheit zeigten.3

„Selen und Jod bringen die Umwandlung wieder in Gang." Die DEGAM-Leitlinie ist eindeutig: „Es gibt keine Evidenz, dass die (zusätzliche) Gabe von Spurenelementen, pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. Jod, Selen, Vitamine) einen patienten-bezogenen Nutzen bei Hypothyreose und der Hashimoto-Thyreoiditis haben."3 Zu Selen speziell sei die Evidenz zu gering für eine Empfehlung.3

Nichts davon heißt, dass Beschwerden eingebildet sind. Es heißt, dass ein einzelner fT3-Wert sie nicht erklärt – und dass die Antwort in ein ärztliches Gespräch gehört, nicht in einen Präparateschrank.

Einflussfaktoren

Vier Gruppen verändern den Wert oder seine Aussagekraft:

  • Das Messverfahren. fT3 ist einer der am stärksten methodenabhängigen Schilddrüsenwerte; Werte aus verschiedenen Laboren sind nicht direkt vergleichbar.19
  • Schwere Erkrankung, Fasten, hohes Alter senken T3 über die Umwandlung.15
  • Medikamente. Amiodaron, hochdosierte Glukokortikoide, jodhaltige Kontrastmittel und Betablocker greifen in die Umwandlung ein; unter Furosemid wurden erhöhte fT3-Werte beobachtet.13
  • Biotin – der praktisch wichtigste Störfaktor, weil er von den Betroffenen selbst kommt. Hochdosiertes Biotin aus Haut-, Haar- und Nagelpräparaten stört Immunoassays, die auf der Biotin-Streptavidin-Bindung beruhen: In kompetitiven Tests (fT3, fT4) erscheinen die Werte falsch hoch, in Sandwich-Tests (TSH) falsch niedrig – zusammen das Bild einer Überfunktion, die es nicht gibt.6 Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft betont, dass das Risiko mit der Dosis steigt und die Einnahme – auch eine kurz zurückliegende – von sich aus gemeldet werden sollte.7 Fachbeiträge nennen eine Pause von zwei bis fünf Tagen vor der Blutentnahme; darüber entscheidet die Praxis.11

Weitere Schilddrüsenwerte sind Thyreoglobulin und Calcitonin – sie beantworten andere Fragen als die Funktion.

Neue Erkenntnisse aus der Forschung

Aus aktuellen PubMed-Arbeiten:

  • Das Low-T3-Syndrom gilt als Verlaufsmarker, nicht als Therapieziel. Eine Übersichtsarbeit von 2026 beschreibt das Muster – T3 fällt, reverse T3 steigt – als Ausdruck der Krankheitsschwere; serielle Messungen können bei Intensivpatienten die Krankheitsphase abschätzen helfen.10 Der Befund bleibt ein Spiegel der Grunderkrankung.5
  • Die Überfunktion wird über die Kombination erkannt, nie über T3 allein. Eine JAMA-Übersicht beziffert die manifeste Hyperthyreose weltweit auf 0,2 bis 1,4 %, die subklinische auf 0,7 bis 1,4 %; der Morbus Basedow betrifft rund 2 % der Frauen und 0,5 % der Männer. Definiert wird sie über den supprimierten TSH zusammen mit erhöhtem T3 und/oder fT4.8
  • Biotin bleibt eine reale Fehlerquelle. Ein 2025 im Deutschen Ärzteblatt publizierter Fall zeigt, wie 10 mg Biotin täglich ein unstimmiges Schilddrüsenprofil erzeugten; nach Absetzen normalisierten sich die Werte vollständig.6
  • T3 in der Therapie bleibt umstritten. Eine Netzwerk-Metaanalyse von 2025 zeigt, dass viele Betroffene eine Kombination aus T4 und T3 bevorzugen – ein klarer klinischer Vorteil ließ sich nicht ableiten.12 Die deutsche Leitlinienlage bleibt entsprechend zurückhaltend.3

Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und ärztliche Betreuung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung.

Ihren fT3-Wert im Zusammenhang verstehen

Ein fT3-Wert allein sagt fast nichts. Erst mit TSH und fT4, Ihren Medikamenten, einer kürzlich durchgemachten Erkrankung und dem Verlauf ergibt sich ein Bild – siehe die Übersicht der Schilddrüsenwerte.

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Häufige Fragen

Was sagt der fT3-Wert aus? Er misst den freien, wirksamen Anteil des Trijodthyronins. Weil 80 bis 90 % davon erst im Gewebe aus T4 entstehen,1 ist er weniger ein Maß für die Schilddrüsenleistung als für den Hormonumbau – und nur mit TSH und fT4 aussagekräftig.

Wie hoch ist der Normalwert für fT3? Orientierend 3,1 bis 6,8 pmol/l bzw. 2,0 bis 4,4 pg/ml.1 Das IQWiG nennt 3,9 bis 6,7 pmol/l.2 Die Spannweite zwischen zwei seriösen deutschen Quellen zeigt, wie testabhängig der Wert ist: Gültig ist der Bereich auf Ihrem Befund.

Welcher Wert ist wichtiger, fT3 oder fT4? In der Regel fT4 – und davor der TSH. Die DEGAM hält fest, dass fT3 bei erhöhtem TSH keinen Zusatznutzen hat.3 Erst bei erniedrigtem TSH kommt fT3 ins Spiel, vor allem für die T3-Hyperthyreose.4

Wann ist fT3 zu niedrig – und was bedeutet das? Unterhalb des Bereichs auf Ihrem Befund. Der häufigste Grund ist keine Schilddrüsenerkrankung, sondern das Low-T3-Syndrom bei schwerer Allgemeinerkrankung, im Alter oder nach längerem Fasten.15 Behandelt wird die Grunderkrankung, nicht der Laborwert.

Was bedeutet ein erhöhter fT3-Wert? Zusammen mit supprimiertem TSH spricht er für eine Überfunktion, oft einen Morbus Basedow.48 Ist das fT4 dabei normal, liegt eine T3-Hyperthyreose vor.4 Bei normalem TSH passt ein hohes fT3 zu keiner klassischen Überfunktion – dann ist zuerst an eine Messstörung zu denken.6

Gibt es einen „optimalen" fT3-Wert? Nicht im Sinne einer Zielposition im Referenzbereich: Deutsche Leitlinien definieren so etwas nicht, die Behandlung einer Unterfunktion wird über den TSH gesteuert.3

Kann Biotin meinen fT3-Wert verfälschen? Ja – fT3 und fT4 erscheinen dann falsch hoch, TSH falsch niedrig.6 Die AkdÄ empfiehlt, die Einnahme immer anzugeben.7 Setzen Sie ein verordnetes Medikament nie eigenmächtig ab; sprechen Sie die Pause vorher ab.

Bringen Selen oder Jod meinen fT3-Wert in Ordnung? Dafür gibt es keinen Beleg: Die DEGAM-Leitlinie sieht keine Evidenz für einen patientenbezogenen Nutzen von Jod, Selen oder Vitaminen bei Hypothyreose und Hashimoto-Thyreoiditis.3

Muss ich für die fT3-Bestimmung nüchtern sein? Nein. Empfehlenswert ist die Entnahme morgens, für Verlaufskontrollen zur gleichen Tageszeit.24 Langes Fasten kann das T3 senken.1

Das Wichtigste zum Schluss

Der fT3-Wert misst die aktivste Form des Schilddrüsenhormons – entsteht aber zu 80 bis 90 % außerhalb der Schilddrüse, aus fT4.1 Deshalb ist er kein Test der ersten Wahl: erst der TSH-Wert, dann fT4, und fT3 nur bei erniedrigtem TSH.34 Merken Sie sich die Größenordnung (etwa 3,1–6,8 pmol/l bzw. 2,0–4,4 pg/ml, stark methodenabhängig), dass ein erhöhtes fT3 bei supprimiertem TSH für eine Überfunktion spricht – bei normalem fT4 als T3-Hyperthyreose –, und vor allem, dass ein niedriges fT3 meistens nicht von der Schilddrüse kommt, sondern vom Zustand des ganzen Körpers. Ein Wert für sich ist keine Diagnose; es zählt die Kombination im Schilddrüsenprofil – und, wenn andere Organe im Spiel sind, mit Werten wie Kreatinin, dem großen Blutbild, dem Blutzucker oder den Cholesterinwerten. Dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Leitlinien, Fachgesellschaften und Universitätslabore sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed):

Footnotes

  1. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie – Leistungsverzeichnis freies Trijodthyronin (FT3), Dokument-ID 34033, Revision 003 vom 02.01.2025: „Circa 80–90 % des Trijodthyronins (T3) stammen aus der enzymatischen 5'-Dejodierung von T4 im peripheren Gewebe (vorwiegend in der Leber)", unter 20 % direkte Sekretion, Bindung zu über 99 % an Transportproteine; Indikation „Beurteilung der Schilddrüsenfunktion, Nachweis einer T3-Hyperthyreose"; Einflussfaktor „Low T3-Syndrom, infolge verminderter Konversion von T4 zu T3 bei schwerkranken Patienten und älteren Menschen", erhöhte FT3-Werte unter Furosemid; Umrechnung pmol/l × 0,651 = pg/ml, pg/ml × 1,536 = pmol/l, pg/ml × 0,1 = ng/dl; Referenzbereich Erwachsene seit 02.10.2013 3,13–6,76 pmol/l (gerundet 3,1–6,8), zuvor 3,92–6,74 pmol/l; Schwangere 1./2./3. Trimenon 2,46–3,89 / 2,09–3,55 / 2,01–3,27 pmol/l; ECLIA am Roche cobas pro (e801). uniklinik-ulm.de (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24

  2. IQWiG / Gesundheitsinformation.de – Freies Trijodthyronin (fT₃): Definition des freien Hormonanteils als wirksame Form, stärkere Wirksamkeit von fT₃ gegenüber fT₄, Referenzbereich für Erwachsene ab 18 Jahren 3,9–6,7 pmol/l (0,2–0,52 ng/dl), Hinweis auf Schwankungen im Tagesverlauf, erhöhte Werte bei Überfunktion, erniedrigte bei Unterfunktion. gesundheitsinformation.de 2 3 4 5 6

  3. Schübel J, Voigt K, Uebel T (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, DEGAM) – Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, S2k-Leitlinie, AWMF-Register-Nr. 053-046, DEGAM-Leitlinie Nr. 18, Fassung 07/2024: Abschnitt 5.4.2 „Die Bestimmung des fT3 hat bei erhöhtem TSH keinen Zusatznutzen. Die fT3-Bestimmung erfolgt im Kontext der weiterführenden Diagnostik bei erniedrigtem TSH-Wert (Hyperthyreose)"; halbjährliches Monitoring von TSH, fT3 und fT4 unter Amiodaron-Dauertherapie; Biotin und Non-Thyroidal-Illness-Syndrom in der Tabelle der Einflussfaktoren, Hinweis auf poststationäre Patient:innen; Empfehlung 6.2.3 „Eine Therapie mit T3, T3/T4-Kombinationen bzw. natürlichen Schilddrüsenhormonpräparaten sollte nicht verordnet werden" (Konsens 5/5); „Es gibt keine Evidenz, dass die (zusätzliche) Gabe von Spurenelementen, pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln (z. B. Jod, Selen, Vitamine) einen patienten-bezogenen Nutzen bei Hypothyreose und der Hashimoto-Thyreoiditis haben"; Evidenz zur Selentherapie zu gering für eine Empfehlung. register.awmf.org · Langfassung (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Labordiagnostik: Hyperthyreose: TSH als Basisdiagnostik, Blutentnahme morgens vor Medikamenteneinnahme, TSH im Referenzbereich schließt eine Hyperthyreose weitgehend aus; Stufe 2 mit fT4 und fT3 bei supprimiertem TSH; manifeste Hyperthyreose bei erhöhten freien Hormonen; T3-Hyperthyreose als seltene Form bei supprimiertem TSH, normalem oder erniedrigtem fT4 und erhöhtem fT3; subklinische Hyperthyreose bei TSH unter 0,1 mU/l und normalen freien Hormonen; TRAK und TPO-AK zur Ätiologieklärung. kbv.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

  5. Fliers E, Bianco AC, Langouche L, Boelen A. Thyroid function in critically ill patients. Lancet Diabetes & Endocrinology, 2015; 3(10) – Veränderungen der Schilddrüsenhormonachse bei kritisch Kranken, Abfall des T3 als Teil der Krankheitsadaptation und nicht als eigenständige Schilddrüsenerkrankung. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7 8

  6. Rußwurm M, Wild J, Göbel J. Biotin Interference in Thyroid Function Tests. Deutsches Ärzteblatt International, 2025; 122(20): 557 – Fall unter 10 mg Biotin täglich mit deutlich erhöhtem fT4 und fT3, vollständige Normalisierung nach Absetzen; falsch hohe Werte in kompetitiven Assays (fT3, fT4), falsch niedrige in Sandwich-Assays (TSH, Troponin). PubMed · DOI 2 3 4 5 6

  7. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) – Information zu L-Thyroxin: Verfälschte Laborergebnisse bei gleichzeitiger Anwendung von Biotin, Drug Safety Mail 2022-52 vom 22.12.2022: Störung Biotin-Streptavidin-basierter Immunoassays zur Bestimmung des Schilddrüsenstatus mit falsch erhöhten oder erniedrigten Ergebnissen, steigendes Risiko mit der Biotindosis, Verweis auf den Rote-Hand-Brief des BfArM von 2019, Empfehlung zur Meldung auch kurz zurückliegender Einnahme an Praxis und Labor sowie zur Nutzung alternativer Testverfahren. akdae.de 2 3

  8. Lee SY, Pearce EN. Hyperthyroidism: A Review. JAMA, 2023; 330(15): 1472–1483 – manifeste Hyperthyreose weltweit bei 0,2–1,4 %, subklinische bei 0,7–1,4 %; Morbus Basedow mit einer globalen Prävalenz von 2 % bei Frauen und 0,5 % bei Männern; Definition über supprimiertes Thyreotropin zusammen mit erhöhtem T3 und/oder fT4. PubMed · DOI 2 3

  9. Soh SB, Aw TC. Laboratory Testing in Thyroid Conditions – Pitfalls and Clinical Utility. Annals of Laboratory Medicine, 2019; 39(1): 3–14 – Fallstricke der Schilddrüsendiagnostik, Methodenabhängigkeit der freien Hormone, Assay-Interferenzen durch Antikörper und Biotin. PubMed · DOI 2

  10. Kurniawan LB. Non-thyroidal illness (euthyroid sick) syndrome: Laboratory aspects and clinical significance in critically ill patients and other diseases – A narrative review. Journal of Critical Care Medicine, 2026; 12(1): 46–55 – typisches Muster mit erhöhtem reverse T3 und erniedrigtem T3, höhere Häufigkeit bei hospitalisierten und intensivpflichtigen Patienten, Zusammenhang mit erhöhter Sterblichkeit, serielle Bestimmung zur Einschätzung der Krankheitsphase. PubMed · DOI 2 3

  11. Köhler VF, Mann U, Mann WA. Biotin-Interferenz bei der Schilddrüsenhormonbestimmung. Deutsches Ärzteblatt, Heft 29–30/2018 – Fallbericht einer scheinbaren Hyperthyreose unter 300 mg Biotin täglich, Normalisierung im nichtbiotinylierten Test, Empfehlung einer Einnahmepause von zwei bis fünf Tagen vor biotinylierten Assays. aerzteblatt.de

  12. de Lima Beltrão FE, Carvalhal G, de Almeida Beltrão DC et al. Treatment Preferences in Patients With Hypothyroidism. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2025; 110(3): 887–900 – systematische Übersicht und Netzwerk-Metaanalyse zur Präferenz für eine Kombination aus Levothyroxin und Liothyronin gegenüber der Monotherapie. PubMed · DOI

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