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Toxoplasmose: IgG, IgM und Test in der Schwangerschaft

Toxoplasmose-Screening gehört in Deutschland nicht zur Schwangerenvorsorge: Die Mutterschafts-Richtlinie sieht den Test nur bei begründetem Verdacht vor.

Publié le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Die Toxoplasmose ist eine Infektion mit dem Einzeller Toxoplasma gondii. Bei gesunden Erwachsenen verläuft sie in 80 bis 90 % der Fälle völlig unbemerkt.1 Gefährlich wird sie in genau zwei Situationen: bei einer Erstinfektion während der Schwangerschaft und bei geschwächtem Immunsystem. Der Bluttest liefert keine Zahl mit Normbereich, sondern beantwortet eine einzige Frage – sind Sie bereits immun oder nicht? Wie bei jeder Serologie hängt alles an der Kombination aus IgG, IgM und der IgG-Avidität. Und an einem Punkt, der viele überrascht: Dieser Test gehört in Deutschland nicht zur regulären Schwangerenvorsorge.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland gehört der Toxoplasmose-Test nicht zur Schwangerenvorsorge. Die Mutterschafts-Richtlinie sieht ihn nur „bei begründetem Verdacht auf Toxoplasmose und andere Infektionen" vor.2
  • Ohne Verdacht wird er als IGeL angeboten: Der IGeL-Monitor bewertet ihn mit „unklar", Kosten 16,90 bis 20,40 Euro zuzüglich Beratung und Blutabnahme.3
  • IgG positiv, IgM negativ heißt alte, inaktive Infektion – Immunität. Für eine bestehende Schwangerschaft ist das laut RKI nicht relevant.1
  • ⚠️ Ein positives IgM beweist keine frische Infektion. IgM können monatelang persistieren, falsch positive Ergebnisse sind häufig: In einer US-Referenzlaborserie mit 451 IgM-positiven Personen war die Infektion in 74 % der Fälle bereits chronisch.4
  • Die IgG-Avidität entschärft diesen Befund: Eine hohe Avidität schließt eine Infektion der vergangenen 3 bis 4 Monate aus; eine niedrige ist umgekehrt kein Beweis.1
  • Das Fleisch ist in Europa die wichtigste Infektionsquelle – nicht die Katze.15
  • Meldepflichtig ist Toxoplasmose nur bei konnataler Infektion: nichtnamentlich an das RKI nach § 7 Abs. 3 IfSG.1

Was ist Toxoplasmose – und wie steckt man sich an?

Toxoplasma gondii ist ein einzelliger Parasit. Katzen und andere Feliden sind die Endwirte: Nur in ihrem Darm vermehrt sich der Erreger geschlechtlich, und nur sie scheiden die widerstandsfähigen Oozysten aus – frisch ausgeschieden noch nicht infektiös, erst nach ein bis fünf Tagen Reifung, dann in feuchter Erde bis zu 18 Monate ansteckend.15 Das RKI zählt zwei Hauptinfektionswege: rohes oder ungenügend erhitztes, zystenhaltiges Fleisch und die orale Aufnahme sporulierter Oozysten, etwa bei der Gartenarbeit oder im Kontakt mit Katzenkot. In Europa gilt Fleisch als wichtigste Quelle, allen voran vom Schwein, von Schaf und Ziege, von Wild und Geflügel.15

Nach durchgemachter Erstinfektion bleibt eine belastbare, in der Regel lebenslange Immunität.5 In Deutschland ist die Durchseuchung hoch: Das RKI gibt eine durchschnittliche Seroprävalenz bei Erwachsenen von rund 50 % an, mit einer Zunahme von etwa einem Prozentpunkt pro Lebensjahr.1 Eine repräsentative RKI-Studie an 6.663 Erwachsenen bestätigte das mit 20 % in der Altersgruppe 18–29 und 77 % bei den 70- bis 79-Jährigen.6 Bei Mädchen und weiblichen Jugendlichen liegt sie dagegen erst bei 6,3 %.7 Genau daraus folgt: Ein großer Teil der Frauen kommt ohne Immunität in die Schwangerschaft.

Warum wird in Deutschland nicht routinemäßig getestet?

Hier widersprechen sich deutsche und französische Informationsseiten diametral – und beide haben für ihr Land recht.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) legt in der Mutterschafts-Richtlinie fest, was zur Schwangerenvorsorge gehört. Dort stehen serologische Untersuchungen „auf Infektionen, zum Beispiel Röteln bei Schwangeren ohne dokumentierte zweimalige Impfung, Lues, Hepatitis B" – und, getrennt davon, „bei begründetem Verdacht auf Toxoplasmose und andere Infektionen".2 Das ist der vollständige Wortlaut. Kein Screening, kein monatliches Intervall, sondern eine anlassbezogene Untersuchung.

Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine bewusste Abwägung. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet den „Toxoplasmose-Test bei Schwangeren" mit „unklar" (letzte Aktualisierung: 4. Oktober 2021). Begründung: Für den Test bei Schwangeren ohne Infektionsverdacht ließen sich keine hochwertigen Studien finden, die einen Nutzen belegen, während falsch positive Ergebnisse, Überdiagnosen und Übertherapien zu erwarten sind – bis hin zu unnötigen Fruchtwasseruntersuchungen und psychischer Belastung der werdenden Eltern. Dieselbe Bewertung hält fest, dass regelmäßige Tests „in Frankreich, Österreich und Italien … zum normalen Vorsorgeprogramm" gehören, während die Schweiz und britische Leitlinien davon abraten.3

Bemerkenswert ist, dass das RKI zurückhaltend anderer Meinung ist: Es hält es für „wünschenswert, den Antikörperstatus bei Frauen vor oder möglichst früh in der Schwangerschaft zu bestimmen", stellt aber fest, dass dies nach den Mutterschafts-Richtlinien „gegenwärtig jedoch nur bei begründetem Verdacht … als Kassenleistung" möglich ist – und dass eine „umfassende, wissensbasierte und systematische Bewertung eines Screening-Programmes für Deutschland" noch aussteht.1 Es gibt also eine offene Fachdebatte, keine geklärte Ablehnung. Wenn Sie den Test möchten, dürfen Sie ihn in der Vorsorge ansprechen; er wird dann privat abgerechnet.

So lesen Sie Ihren Befund

Die Serologie liefert kein Ergebnis mit Referenzbereich, sondern eine Konstellation. Das RKI empfiehlt eine Stufendiagnostik, die bei Schwangeren im 1. Trimenon beginnen sollte.1

IgGIgMIgG-AviditätÜbliche Einordnung
negativnegativweder Infektion noch Immunität – Vorbeugung ist hier entscheidend
positivnegativinaktive, latente Infektion – Immunität
positivpositivhochabklingende oder latente Infektion
positivpositivgeringakute Infektion möglich; weitere Abklärung nötig

Quelle der Zeilen ist die Beurteilungstabelle des RKI-Ratgebers.1 Drei Sätze machen den Unterschied.

IgG negativ, IgM negativ – nicht immun. Das ist keine Auffälligkeit, sondern die Ausgangslage vieler Frauen. Für eine Schwangerschaft heißt es: Die Vorbeugung ist Ihr wirksamster Schutz. Gleiches gilt für die Röteln und das CMV.

IgG positiv, IgM negativ – immun. Das RKI formuliert es beruhigend klar: Es kann „von einer inaktiven (latenten), insbesondere für eine bestehende Schwangerschaft nicht relevanten, Toxoplasma-Infektion ausgegangen werden. Weitere Untersuchungen sind nicht erforderlich."1 Dieser Status gilt auch für spätere Schwangerschaften.

IgM positiv – der Befund, der unnötig erschreckt. Ein positives IgM ist kein Nachweis einer frischen Infektion. IgM können über Monate persistieren, und die kommerziellen Tests liefern eine relevante Zahl falsch positiver Ergebnisse. Wie groß der Effekt ist, zeigt eine Auswertung eines Referenzlabors in den USA – vergleichbare deutsche Zahlen liegen nicht vor: Von 451 auswärts IgM- und IgG-positiv getesteten Personen hatten 335 (74 %) eine chronische, längst zurückliegende Infektion; nur 100 (22 %) eine akute.4

Die IgG-Avidität: der Test, der ein positives IgM entschärft

Die Avidität misst, wie fest IgG-Antikörper an den Erreger binden. Frisch gebildete IgG binden schwach, gereifte fest – die Bindungsstärke nimmt mit der Zeit zu. Daraus wird ein Datierungswerkzeug: Eine hohe IgG-Avidität schließt eine Infektion in den vergangenen 3 bis 4 Monaten aus. Umgekehrt gilt das nicht: Eine niedrige Avidität ist laut RKI nicht beweisend für eine frische Infektion.1

Der einheitliche Bewertungsmaßstab der KBV bildet genau diese Rolle ab: Die Gebührenordnungsposition 32573 ist ein Zuschlag „für die Bestimmung der Avidität von Toxoplasma-IgG-Antikörpern als Abklärungstest nach positiver IgM-Antikörperbestimmung", bewertet mit 23,83 €; der Antikörpernachweis selbst (GOP 32572) steht bei 10,81 €.8 Der Abklärungsschritt ist also mehr als doppelt so hoch bewertet wie der Test, der ihn auslöst.

Wie oft die Avidität beruhigt, zeigt eine Metaanalyse von 67 Studien: Unter IgM-positiven Schwangeren hatten nur 30 % eine niedrige IgG-Avidität.9 Reicht ein Serum nicht aus, sieht das RKI eine Kontrolle nach etwa 14 Tagen vor; jeder positive IgM-Befund in der Schwangerschaft sollte durch ein Speziallabor abgeklärt werden.1

⚠️ Ein Hinweis zur Referenzdiagnostik. Ein Konsiliarlabor für Toxoplasma ist im Verzeichnis des RKI zwar vorgesehen, in der aktuellen Berufungsperiode (1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2028) jedoch „aktuell nicht besetzt".10 Die Abklärung läuft deshalb über spezialisierte Labore, nicht über eine zentrale nationale Referenzstelle.

Was bedeutet eine Erstinfektion für das Kind?

Nur eine Erstinfektion während der Schwangerschaft kann auf das Kind übergehen; eine vorher durchgemachte Infektion schützt den Fetus in der Regel durch die mütterlichen Antikörper.1 Und hier verlaufen zwei Kurven gegenläufig:

  • Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt mit der Schwangerschaftsdauer: von etwa 15 % im ersten Trimester auf etwa 60 % im letzten.1
  • Die Schwere nimmt umgekehrt ab. Bei einer Ansteckung im dritten Drittel kommt „nur etwa eines von zehn infizierten Babys mit Symptomen zur Welt"; eine unbehandelte Infektion im ersten Drittel kann dagegen schwere Schäden verursachen oder zum Abort führen.31

Wie häufig das ist, lässt sich abschätzen: Eine Auswertung deutscher Abrechnungsdaten für 2011–2016 kam auf eine Toxoplasmose-Inzidenz von 40,3 pro 100.000 Schwangerschaften.11 Gemeldet werden dem RKI nach § 7 Abs. 3 IfSG nichtnamentlich ausschließlich konnatale Infektionen – zuletzt jährlich zwischen 6 und 23 Fällen, bei einer Dunkelziffer, die laut RKI vermutlich mehr als 15-mal höher liegt.1

Eine gesicherte Erstinfektion wird behandelt, und die Behandlung wirkt: Eine Metaanalyse von 56 Kohortenstudien mit 11.090 Schwangeren fand unter Therapie 18 % infizierte Kinder gegenüber 58 % ohne.12 Welches Medikament ab welcher Schwangerschaftswoche in Frage kommt, entscheidet ausschließlich die behandelnde Spezialistin oder der Spezialist.

Vorbeugen: was wirklich schützt

Diese Empfehlungen gelten für Schwangere und Immunsupprimierte ohne nachgewiesene Immunität und stammen aus dem RKI-Ratgeber und den Verbrauchertipps des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).15

  • Keine rohen Wurst- und Fleischwaren: Hackepeter, Mett, Carpaccio, Mettwurst, Teewurst, Salami, Rohschinken. Fleisch gut durchgaren – bei über 67 °C sterben Gewebszysten binnen ein bis zwei Minuten ab, sofern die Temperatur gleichmäßig im ganzen Stück erreicht wird. Kurzes Erhitzen in der Mikrowelle genügt nicht.5
  • Tiefgefrieren hilft, reicht allein aber nicht: Das BfR nennt mindestens acht Stunden bei –20 °C, weil gefrierresistente Stämme vorkommen.5
  • Rohes Obst und Gemüse gründlich waschen, schälen oder kochen; erdhaltige Lebensmittel wie Kartoffeln und Karotten getrennt lagern.5
  • Hände waschen vor dem Essen, nach dem Zubereiten von rohem Fleisch, nach Garten- und Erdarbeiten und nach dem Besuch von Sandspielplätzen; bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen.15
  • Zur Katze: mit Dosen- oder Trockenfutter füttern, nicht mit rohem Fleisch. Die Katzentoilette täglich mit heißem Wasser reinigen – durch eine nicht schwangere Person.15

Die Katze wird als Quelle überschätzt. Bis zu 70 % der Hauskatzen sind zwar infiziert, aber nur ein Teil scheidet gerade Oozysten aus – und diese werden erst nach ein bis fünf Tagen infektiös, weshalb tägliches Reinigen so wirksam ist.5 Das RKI nennt für Europa Fleisch als wichtigste Infektionsquelle,1 und die repräsentative deutsche Studie hält roh verzehrtes Fleisch für „von hoher epidemiologischer Relevanz".6 Sie müssen Ihre Katze nicht abgeben. Sie müssen nur die Katzentoilette abgeben.

Toxoplasmose bei geschwächtem Immunsystem

Die zweite Risikogruppe sind Menschen mit stark geschwächter Abwehr – nach Organtransplantation, unter Chemotherapie oder bei fortgeschrittener HIV-Infektion. Hier geht es nicht um eine Neuansteckung, sondern um die Reaktivierung einer ruhenden Infektion, am häufigsten als Toxoplasma-Enzephalitis im Gehirn.1

Die S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie beziffert deren Häufigkeit bei HIV-Patientinnen und -Patienten auf 0,4 pro 1.000 Patientenjahre und macht zwei diagnostisch wichtige Punkte: Weil es sich um eine Reaktivierung handelt, ist „die IgM-Untersuchung nicht hilfreich" – und „selbst bei komplett negativer Toxoplasmose-Serologie ist eine zerebrale Toxoplasmose nicht ausgeschlossen".13 Die Serologie allein reicht hier nicht; das RKI empfiehlt bei Immunsupprimierten den Direktnachweis per PCR.1 Erste Hinweise liefern neurologische Symptome, seltener das große Blutbild oder die Entzündungswerte. Besteht ein begründeter Verdacht, ist die Untersuchung Kassenleistung; die EBM-Beträge sind die Vergütung von Praxis und Labor, keine Rechnung an Sie.238

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„IgM positiv" löst die meiste Angst aus – und hat meistens die harmloseste Erklärung. Sinn ergibt der Befund erst zusammen mit IgG, Avidität, Zeitpunkt und Ihrer Situation, oft ergänzt durch Entzündungswerte wie CRP oder BSG.

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Aktuelle Forschung

Aus aktuellen, auf PubMed indexierten Arbeiten:

  • Deutschland ist hoch durchseucht – viele Frauen sind es nicht. Die repräsentative RKI-Studie schätzt, dass 1,3 % der Frauen zwischen 18 und 49 pro Jahr serokonvertieren, was rechnerisch 6.393 Serokonversionen während Schwangerschaften jährlich entspricht.6
  • Die Kombination schlägt den Einzeltest. Die Metaanalyse von 67 Studien zeigt, dass IgM, IgG-Avidität und IgA zusammen deutlich zuverlässiger datieren als jeder Test für sich – und dass nur 30 % der IgM-Positiven überhaupt ein Aviditätsmuster einer frischen Infektion zeigen.94

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Vorsorge. Sie ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.

Häufige Fragen

Wird in Deutschland in der Schwangerschaft auf Toxoplasmose getestet? Nicht routinemäßig. Die Mutterschafts-Richtlinie sieht sie nur „bei begründetem Verdacht auf Toxoplasmose und andere Infektionen" als Kassenleistung vor.2 Ohne Verdacht wird sie als IGeL angeboten und mit „unklar" bewertet.3

Was bedeutet IgG positiv, IgM negativ? Eine alte, inaktive Infektion und damit Immunität. Das RKI stuft diese Konstellation für eine bestehende Schwangerschaft als nicht relevant ein; weitere Untersuchungen sind nicht erforderlich.1

Mein IgM ist positiv – habe ich mich gerade angesteckt? Wahrscheinlich nicht. IgM persistieren oft monatelang, und falsch positive Ergebnisse sind häufig; in einer Referenzlaborserie war die Infektion bei 74 % der IgM-Positiven längst chronisch.4 Geklärt wird das über die IgG-Avidität und eine Kontrolle nach etwa 14 Tagen.1

Was ist der Aviditätstest? Er misst, wie fest die IgG-Antikörper binden. Eine hohe Avidität schließt eine Infektion in den letzten 3 bis 4 Monaten aus. Eine niedrige Avidität beweist umgekehrt nichts.1 Der EBM führt ihn ausdrücklich als Abklärungstest nach positivem IgM.8

Muss ich für den Test nüchtern sein? Nein. Antikörper ändern sich nicht mit einer Mahlzeit. Werden gleichzeitig andere Werte bestimmt – etwa Leberwerte oder Blutzucker –, gilt deren Vorgabe für die gesamte Entnahme.

Muss ich meine Katze abgeben? Nein. Füttern Sie sie mit Dosen- oder Trockenfutter statt rohem Fleisch, und überlassen Sie die tägliche Reinigung der Katzentoilette einer nicht schwangeren Person.15

Ist Toxoplasmose meldepflichtig? Nur bei konnatalen Infektionen. Diese werden nach § 7 Abs. 3 IfSG nichtnamentlich an das RKI gemeldet – Ihr Name steht dort nicht.1

Wie unterscheidet sich das von anderen Serologien? Das Prinzip – IgM und IgG – ist dasselbe wie beim HIV-Test, bei der Syphilis, bei Hepatitis B, bei den Borrelien oder beim Pfeifferschen Drüsenfieber; die Grundlagen erklärt unser Ratgeber zur Serologie. Hinweise auf eine akute Infektion zeigen sich zusätzlich in den Lymphozyten, den Leukozyten oder den eosinophilen Granulozyten.

Zum Mitnehmen

Die Toxoplasmose-Serologie beantwortet eine einzige Frage: immun oder nicht. IgG positiv und IgM negativ heißt Immunität und ist für eine laufende Schwangerschaft nicht relevant. IgM positiv heißt zunächst gar nichts – erst die IgG-Avidität datiert die Infektion, und eine hohe Avidität schließt die letzten drei bis vier Monate aus.14 Der deutsche Rahmen ist dabei eindeutig: Die Mutterschafts-Richtlinie sieht den Test nur bei begründetem Verdacht vor, der IGeL-Monitor bewertet ihn ohne Verdacht als „unklar".23 Das ist eine andere Entscheidung als in Frankreich oder Österreich – kein Versäumnis, sondern eine Abwägung, die das RKI weiterhin diskutiert.1 Was in jedem Fall wirkt, ist die Vorbeugung: durchgegartes Fleisch, gewaschenes Gemüse, Handschuhe im Garten, tägliche Katzentoilette. Neben der Serologie werden in der Schwangerschaft oft auch Beta-hCG und die GPT bestimmt – kein Wert steht für sich. Den Zusammenhang stellt AI DiagMe her, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Richtliniengeber und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Toxoplasmose, aktualisierte Fassung vom 18. Oktober 2018 (letzte umfassende Aktualisierung 2009): Katzen und andere Feliden als Endwirte, Sporulation der Oozysten binnen 2–4 Tagen und Überleben im Erdboden bis zu 18 Monate; zwei Hauptinfektionswege (rohes oder ungenügend behandeltes zystenhaltiges Fleisch; orale Aufnahme sporulierter Oozysten), Fleisch von Schwein, kleinen Wiederkäuern, Wildtieren und Geflügel als wichtigste Quelle in Europa; asymptomatischer Verlauf bei 80–90 % der Kinder und Erwachsenen; durchschnittliche Seroprävalenz Erwachsener rund 50 % mit Zunahme um ca. 1 % pro Lebensjahr und über 70 % bei den über 70-Jährigen; Anstieg der Transmissionsrate von ca. 15 % im ersten auf ca. 60 % im letzten Trimester bei gegenläufig abnehmender Schwere; Stufendiagnostik mit Untersuchung im 1. Trimenon bei Schwangerschaft, Beurteilungstabelle IgG/IgM/Avidität, Ausschluss einer Infektion der vergangenen 3–4 Monate durch hohe IgG-Avidität und fehlende Beweiskraft einer niedrigen Avidität, serologische Kontrolle nach ca. 14 Tagen und Abklärung durch ein Speziallabor bei positivem IgM in der Schwangerschaft; Präventionsmaßnahmen für nicht immune Schwangere und Immunsupprimierte; PCR als sicherste Methode bei Immunsupprimierten; nichtnamentliche Meldepflicht an das RKI gemäß § 7 Abs. 3 IfSG ausschließlich bei konnatalen Infektionen mit zuletzt 6 bis 23 gemeldeten Fällen jährlich und einer vermutlich mehr als 15-fach höheren Dunkelziffer; Feststellung, dass serologische Untersuchungen im Rahmen der Mutterschaftsrichtlinien gegenwärtig nur bei begründetem Verdacht Kassenleistung sind und eine umfassende Bewertung eines Screening-Programmes für Deutschland aussteht. rki.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

  2. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt (Mutterschafts-Richtlinie/Mu-RL), Fassung vom 21. September 2023, zuletzt geändert am 28. September 2023, in Kraft getreten am 19. Dezember 2023: § 1 Absatz 7 Nummer 3, wonach zur ärztlichen Betreuung serologische Untersuchungen gehören „auf Infektionen, zum Beispiel Röteln bei Schwangeren ohne dokumentierte zweimalige Impfung, Lues, Hepatitis B", „bei begründetem Verdacht auf Toxoplasmose und andere Infektionen", „zum Ausschluss einer HIV-Infektion; auf freiwilliger Basis nach vorheriger ärztlicher Beratung der Schwangeren" sowie blutgruppenserologische Untersuchungen; § 1 Absatz 6, wonach nur Maßnahmen angewendet werden sollen, deren diagnostischer und vorbeugender Wert ausreichend gesichert ist. g-ba.de 2 3 4 5

  3. IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) – Bewertung Toxoplasmose-Test bei Schwangeren, letzte Aktualisierung 4. Oktober 2021: Gesamtbewertung „unklar"; Kosten zwischen 16,90 und 20,40 Euro zuzüglich Beratung und Blutabnahme; Kostenübernahme durch die gesetzlichen Kassen bei begründetem Verdacht, etwa bei auffälligen Ultraschallbefunden; keine hochwertigen Studien, die einen Nutzen des Tests bei Schwangeren ohne Infektionsverdacht belegen; Hinweise auf möglichen Schaden durch falsch positive und falsch negative Ergebnisse, Überdiagnosen und Übertherapien bis hin zu invasiven Fruchtwasseruntersuchungen und psychischer Belastung; Angabe, dass bei Ansteckung im dritten Schwangerschaftsdrittel nur etwa eines von zehn infizierten Babys mit Symptomen zur Welt kommt; Feststellung, dass regelmäßige Tests in Frankreich, Österreich und Italien zum normalen Vorsorgeprogramm gehören, während in der Schweiz und in britischen Leitlinien vom routinemäßigen Screening abgeraten wird. igel-monitor.de 2 3 4 5 6

  4. Dhakal R, Gajurel K, Pomares C, Talucod J, Press CJ, Montoya JG. Significance of a Positive Toxoplasma Immunoglobulin M Test Result in the United States. Journal of Clinical Microbiology, 2015 – 451 an ein Referenzlabor überwiesene Personen mit auswärts positivem Toxoplasma-IgM und -IgG; 335 (74 %) chronische Infektion, 100 (22 %) akute Infektion, 7 (2 %) nicht infiziert, 9 (2 %) unbestimmt; Feststellung, dass IgM mehrere Jahre persistieren können und kommerzielle IgM-Testkits falsch positive Ergebnisse liefern, mit dem Risiko unnötiger Interventionen bei Schwangeren. US-amerikanische Referenzlaborserie, mangels vergleichbarer deutscher Daten als Beleg herangezogen. PubMed · DOI 2 3 4 5

  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – Verbrauchertipps Schutz vor Toxoplasmose, Berlin 2017, sowie die Themenseite Toxoplasmen (Toxoplasma gondii): durchschnittliche Durchseuchungsrate in Deutschland von 55 % mit Zunahme im Alter; belastbare, in der Regel lebenslange Immunität nach Erstinfektion; bis zu 70 % infizierte Hauskatzen, von denen nur ein Teil zu einem gegebenen Zeitpunkt Oozysten ausscheidet; Infektiosität ausgeschiedener Oozysten erst nach ein bis fünf Tagen und Überleben in feuchter Erde bis zu 18 Monate; Risikolebensmittel (rohes Fleisch von Schwein, Schaf, Ziege, Wild und Geflügel, Rohfleischerzeugnisse wie Hackepeter und Rohwurst, rohes ungewaschenes Obst und Gemüse); Abtötung von Gewebszysten bei über 67 °C innerhalb von ein bis zwei Minuten bei gleichmäßiger Durcherhitzung, Ungeeignetheit kurzen Erhitzens in der Mikrowelle, Tiefgefrieren von mindestens acht Stunden bei –20 °C; Verbrauchertipps (kein Verzehr roher Wurst- und Fleischwaren, gründliches Waschen von Obst und Gemüse, getrennte Lagerung erdhaltiger Lebensmittel, Händewaschen, Handschuhe bei der Gartenarbeit, tägliche Reinigung der Katzentoilette mit heißem Wasser durch nicht besonders gefährdete Personen, keine Fütterung von Katzen mit rohem Fleisch); Angabe, dass nur 26–54 % der mitteleuropäischen Frauen im gebärfähigen Alter Antikörper besitzen. bfr.bund.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  6. Wilking H, Thamm M, Stark K, Aebischer T, Seeber F (Robert Koch-Institut). Prevalence, incidence estimations, and risk factors of Toxoplasma gondii infection in Germany: a representative, cross-sectional, serological study. Scientific Reports, 2016 – 6.663 Erwachsene im Alter von 18 bis 79 Jahren; Anstieg der Seroprävalenz von 20 % (95-%-KI 17–23) in der Altersgruppe 18–29 auf 77 % (95-%-KI 73–81) bei den 70- bis 79-Jährigen; männliches Geschlecht, Katzenhaltung und BMI ≥ 30 als unabhängige Risikofaktoren, vegetarische Ernährung und hoher sozioökonomischer Status als negativ assoziiert; geschätzte jährliche Serokonversionsrate von 1,1 % bei Erwachsenen und 1,3 % bei Frauen zwischen 18 und 49 Jahren, entsprechend 6.393 Serokonversionen während Schwangerschaften pro Jahr; Schlussfolgerung, dass Essgewohnheiten (Verzehr rohen Fleisches) von hoher epidemiologischer Relevanz sind. PubMed · DOI 2 3

  7. Giese L, Seeber F, Aebischer A, Kuhnert R, Schlaud M, Stark K, Wilking H (Robert Koch-Institut). Toxoplasma gondii Infections and Associated Factors in Female Children and Adolescents, Germany. Emerging Infectious Diseases, 2024 – repräsentative Stichprobe weiblicher Kinder und Jugendlicher in Deutschland mit einer Seroprävalenz von 6,3 % (95-%-KI 4,7–8,0); Zunahme der Wahrscheinlichkeit einer Seropositivität um den Faktor 1,2 pro Lebensjahr; Zusammenhang mit Sozialstatus und Gemeindegröße. PubMed · DOI

  8. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 3/2026: Gebührenordnungsposition 32572 (qualitativer Nachweis und/oder quantitative Bestimmung von Toxoplasma-Antikörpern der Immunglobulinklasse IgM und/oder IgG, auch zur Verlaufskontrolle, fakultativ quantitative Bestimmung von Toxoplasma-IgA-Antikörpern, 10,81 €) und 32573 (Zuschlag zur GOP 32572 für die Bestimmung der Avidität von Toxoplasma-IgG-Antikörpern als Abklärungstest nach positiver IgM-Antikörperbestimmung, in mehreren Ansätzen, insgesamt 23,83 €). kbv.de 2 3

  9. Tork M, Sadeghi M, Asgarian-Omran H, Basirpour B, Ahmadi S, Ghasemzadeh F, Sarvi S, Gholami S, Hosseini SA, Daryani A, Aghayan SA. Assessment of simultaneous IgM, IgG avidity, and IgA testing in diagnosis of acute toxoplasmosis in pregnant women: a systematic review and meta-analysis study. BMC Pregnancy and Childbirth, 2025 – 67 eingeschlossene Studien aus vier Datenbanken (2000 bis April 2024); gepoolte IgM-Seroprävalenz bei Schwangeren von 2,1 % (95-%-KI 1,67–3,03); niedrige IgG-Avidität bei 30 % (95-%-KI 28–31) der IgM-positiven Schwangeren; IgA-Nachweis bei 43 % der IgM-Positiven; Schlussfolgerung, dass die Kombination von IgG-Avidität, IgM und IgA die Genauigkeit der Unterscheidung zwischen frischer und zurückliegender Infektion deutlich verbessert. PubMed · DOI 2

  10. Robert Koch-Institut – Nationale Referenzzentren und Konsiliarlabore in der aktuellen Berufungsperiode (1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2028), Stand Mai 2026: Verzeichnis der 21 Nationalen Referenzzentren und 38 Konsiliarlabore; Eintrag „Konsiliarlabor für Toxoplasma" mit dem Vermerk „Das Konsiliarlabor ist aktuell nicht besetzt." rki.de

  11. Krings A, Jacob J, Seeber F, Pleyer U, Walker J, Stark K, Wilking H. Estimates of Toxoplasmosis Incidence Based on Healthcare Claims Data, Germany, 2011-2016. Emerging Infectious Diseases, 2021 – durchschnittlich 8.047 Toxoplasmose-Patientinnen und -Patienten jährlich in Deutschland; durchschnittliche Inzidenz nicht schwangerschaftsassoziierter Toxoplasmose von 9,6 pro 100.000 Einwohner (10,6 im Jahr 2011, 8,0 im Jahr 2016); durchschnittliche Inzidenz der Toxoplasmose während der Schwangerschaft von 40,3 pro 100.000 Schwangerschaften. PubMed · DOI

  12. Ribeiro SK, Mariano IM, Cunha ACR, Pajuaba ACAM, Mineo TWP, Mineo JR. Treatment Protocols for Gestational and Congenital Toxoplasmosis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Microorganisms, 2025 – 56 Kohortenstudien aus 16 Ländern mit 11.090 Schwangeren und 4.138 Kindern; von 10.148 Frauen mit gesicherter Toxoplasmose wurden 8.600 behandelt, mit 18 % infizierten Kindern gegenüber 58 % bei unbehandelten Müttern; Risikoreduktion für Infektion (RR 0,34; 95-%-KI 0,21–0,57) und für klinische Manifestationen (RR 0,30; 95-%-KI 0,17–0,56). PubMed · DOI

  13. Hahn K, Maschke M et al. – Diagnostik und Therapie HIV-1-assoziierter neurologischer Erkrankungen, S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), AWMF-Register-Nr. 030/044, Versionsnummer 6.0, vollständig überarbeitet am 10. März 2026, gültig bis 9. März 2031: Toxoplasma-Enzephalitis mit 0,4 Fällen pro 1.000 Patientenjahre als häufigste opportunistische ZNS-Infektion; hohe Durchseuchung der Normalbevölkerung, weshalb bei fokalen kontrastmittelanreichernden Läsionen eine positive IgG-Serologie zur Verdachtsdiagnose genügt; Feststellung, dass die IgM-Untersuchung nicht hilfreich ist, da es sich um eine Reaktivierung und nicht um eine Neuinfektion handelt, und dass selbst bei komplett negativer Toxoplasmose-Serologie eine zerebrale Toxoplasmose nicht ausgeschlossen ist. register.awmf.org

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