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Insulin: Normwerte, Insulinresistenz und HOMA-Index

Nüchtern-Insulin: Normwerte 2,6–24,9 µU/ml bzw. 17,8–173 pmol/l, HOMA-Index und seine Grenzen – und warum ein Diabetes über Blutzucker und HbA1c erkannt wird.

Mis à jour le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Insulin ist das Hormon, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen schleust. Sein Wert im Serum lässt sich messen – aber der Test wird häufig aus dem falschen Grund angefordert. Das Nüchtern-Insulin erkennt keinen Diabetes: Dafür sind der Blutzucker und der HbA1c zuständig, nur diese beiden stehen in den Diagnosekriterien der Deutschen Diabetes Gesellschaft.1 Insulin wird gemessen, um eine Unterzuckerung abzuklären, ein Insulinom zu suchen oder eine Insulinresistenz gezielt zu dokumentieren. Dieser Ratgeber erklärt die Normwerte in µU/ml und pmol/l, den HOMA-Index samt seiner Grenzen und die Fälle, in denen ein hoher oder niedriger Wert wirklich etwas bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Insulin entsteht in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse; bis zu 90 % des ausgeschütteten Insulins werden schon bei der ersten Leberpassage abgebaut.1
  • Orientierende Normwerte für Erwachsene nüchtern: 2,6 – 24,9 µU/ml (identisch: mU/l) beziehungsweise 17,8 – 173 pmol/l; andere Labore nennen 3,0 – 25,0 mU/l.234
  • ⚠️ Insulin ist kein Diabetestest. Die Diagnose stützt sich auf Nüchtern-Plasmaglukose ≥ 126 mg/dl, oGTT-2-h-Wert ≥ 200 mg/dl oder HbA1c ≥ 48 mmol/mol (6,5 %) – Insulin kommt darin nicht vor.1
  • Der HOMA-Index verrechnet Nüchternglukose und Nüchterninsulin. Die DDG hält fest, dass damit nur eine qualitative Aussage zum Grad einer Insulinresistenz möglich ist.15
  • Bei PCOS empfiehlt die deutsche Leitlinie ausdrücklich, keine Parameter der Insulinresistenz zu bestimmen – außerhalb von Studien.6
  • ⚠️ Wer Insulin spritzt, misst im Test auch das injizierte Hormon mit. Nur das C-Peptid zeigt die eigene Produktion.73

Was ist Insulin?

Insulin ist ein Eiweißhormon aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Nach einer Mahlzeit steigt der Blutzucker; die Betazellen schütten Insulin aus, das wie ein Schlüssel wirkt und die Zellen von Muskeln, Leber und Fettgewebe für Glukose öffnet. Gleichzeitig bremst es die Zuckerneubildung in der Leber. Insulin ist damit das Hormon, das den Blutzucker senkt.

Die Betazellen geben Insulin und C-Peptid in äquimolarer Menge ab – beides Spaltprodukte des Proinsulins. Danach trennen sich ihre Wege: Bis zu 90 % des Insulins werden schon bei der ersten Leberpassage abgebaut, während C-Peptid zu etwa 80 % über die Niere ausgeschieden wird.1

Reagieren die Zellen schlechter auf das Signal, spricht man von Insulinresistenz: Die Bauchspeicheldrüse muss mehr Insulin produzieren, um denselben Effekt zu erzielen. Solange ihr das gelingt, bleibt der Blutzucker normal – um den Preis eines erhöhten Insulinspiegels.

Warum wird Insulin bestimmt – und warum meistens nicht?

Insulin ist keine Routineuntersuchung und im gesetzlichen Check-up nicht enthalten: Die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des G-BA sieht aus dem Blut nur das Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyceride) und die Nüchternplasmaglucose vor, ab 35 Jahren zusätzlich einen Harnstreifentest.8

Angefordert wird Insulin gezielt – deutsche Labore nennen als Indikation die „Abklärung hyper- und hypoglykämischer Zustände, Insulinresistenz (zusammen mit Nüchternglucose)"7 beziehungsweise die „Abklärung hypoglykämischer Ereignisse, Insulinom".4 Konkret:

  • bei wiederholten, unerklärten Unterzuckerungen – die Frage ist, ob der Insulinspiegel während der Hypoglykämie unangemessen hoch ist;
  • bei Verdacht auf ein Insulinom, einen seltenen insulinproduzierenden Tumor der Bauchspeicheldrüse;9
  • zur Typisierung eines Diabetes – Resistenz oder Sekretionsmangel –, meist gemeinsam mit dem C-Peptid;1
  • um eine Insulinresistenz in einer konkreten Fragestellung zu dokumentieren, immer zusammen mit der Nüchternglukose.7

Ein häufiger Anlass in der Praxis ist jedoch ein anderer: Menschen lassen das Insulin auf eigene Kosten bestimmen, um einen Prädiabetes zu erkennen. Dafür ist der Test nicht gemacht. Ein Labor formuliert es unmissverständlich: „Einzelwerte sind wenig aussagekräftig", aussagekräftiger sei das C-Peptid;4 ein zweites ergänzt, Insulin sei „nur zusammen mit Glukose bewertbar".3

Muss man dafür nüchtern sein?

Ja. Die Blutentnahme erfolgt nüchtern – in der Diabetesdiagnostik gilt eine Fastenzeit von 8 bis 12 Stunden1 – oder im Rahmen eines Funktionstests wie dem oGTT.3 Der HOMA-Index wird nach etwa zwölfstündiger Nahrungskarenz berechnet.5 Wichtig ist außerdem die Präanalytik: Insulin ist im Serum nicht lange stabil, Labore verlangen zügigen Transport oder gefrorenen Versand.7 Mehr zur Vorbereitung finden Sie unter Blutzucker.

Normwerte des Insulins

Die folgenden Werte sind Orientierungswerte für Erwachsene nüchtern. Sie hängen stark vom Testkit ab, denn Insulin-Immunoassays sind nicht so harmonisiert wie der HbA1c. Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund – ein großer Laborverbund gibt als Referenz schlicht „siehe Befundbericht" an.7

AngabeNüchternwert ErwachseneEinheit
Zentrallabor der MHH Hannover2,6 – 24,9mIU/l (= µU/ml)
Labor Chemnitz (> 18 Jahre)17,8 – 173,0pmol/l
MVZ Labor Koblenz3,0 – 25,0mU/l

µU/ml, mU/l, pmol/l – was heißt was? µU/ml und mU/l sind dieselbe Einheit, nur anders geschrieben; eine Umrechnung ist nicht nötig. Anders bei pmol/l: Der verbreitete Elektrochemilumineszenz-Immunoassay ist am 1. Internationalen WHO-Standard 66/304 kalibriert und gibt denselben Bereich als 17,8 – 173,0 pmol/l an.3 Der Faktor liegt damit bei rund 7 (genauer ≈ 6,95). ⚠️ Er ist methodenabhängig und in der Literatur nicht einheitlich – rechnen Sie Werte aus zwei Laboren nie ungeprüft ineinander um.

Zur Einordnung: Für die Glukose- und HbA1c-Messung schreibt die Rili-BÄK der Bundesärztekammer eine arbeitstägliche Qualitätskontrolle vor, und es dürfen nur für die Diabetesdiagnose zugelassene Messsysteme zum Einsatz kommen.1 Für Insulin existiert kein vergleichbares diagnostisches Regelwerk.

Der HOMA-Index: Formel, Nutzen und Grenzen

Der HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment) schätzt die Insulinresistenz aus zwei Nüchternwerten. In den in Deutschland üblichen Einheiten:

HOMA-Index = Nüchtern-Insulin (µU/ml) × Nüchtern-Glukose (mg/dl) ÷ 405 (gibt Ihr Labor die Glukose in mmol/l an, lautet der Nenner 22,5)5

Ein deutsches Facharztlabor stuft das Ergebnis so ein: unter 2,0 ist eine Insulinresistenz eher unwahrscheinlich, zwischen 2,0 und 2,5 besteht ein Hinweis, zwischen 2,5 und 5,0 ist sie wahrscheinlich, über 5,0 liegt der Durchschnittswert von Menschen mit Typ-2-Diabetes.5

Diese Zahlen sind nützlich, aber keine Diagnosegrenzen – und genau das geht im Netz oft unter. Was die Quellen sagen:

  • Die DDG schreibt, mithilfe des HOMA-Modells sei „eine qualitative Aussage zum Grad einer Insulinresistenz oder einer verminderten β-Zellsekretion" möglich – qualitativ, nicht quantitativ.1
  • Ein allgemein akzeptierter Grenzwert existiert nicht. Die publizierten Cut-offs streuen erheblich nach Population, Alter, Ethnie und Messmethode; keiner hat sich als Standard durchgesetzt.10
  • Der eigentliche Goldstandard, der euglykämisch-hyperinsulinämische Clamp, bleibt der Forschung vorbehalten. Nüchtern-Insulin und HOMA sind praktische, aber methodenabhängige Schätzungen.11

Der HOMA-Index ist also ein Verlaufs- und Studieninstrument – sinnvoll, wenn eine Ärztin oder ein Arzt ihn bei klarer Fragestellung über die Zeit vergleicht.

Ihre Werte richtig einordnen

Insulin erhöht (Hyperinsulinämie)

Ein hoher Nüchternwert bedeutet meist Insulinresistenz: Der Körper braucht mehr Insulin für denselben Effekt. Typische Zusammenhänge sind bauchbetontes Übergewicht, das metabolische Syndrom, ein Prädiabetes und die Fettleber. Deutsche Labore nennen als weitere Gründe erhöhter Werte das Insulinom, die exogene Zufuhr und die schlicht postprandiale Abnahme – also eine nicht nüchterne Blutentnahme.7

Insulin hoch, Blutzucker normal – wie passt das? Das ist das typische Bild einer frühen Insulinresistenz: Die Betazellen gleichen aus und halten den Blutzucker im Normbereich. Erst wenn diese Reserve nachlässt, steigen Nüchternglukose und HbA1c. Ein hoher Insulinwert steht deshalb nie für sich – er wird mit Gewicht, Taillenumfang, Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker zusammengelesen.

⚠️ Wer Insulin spritzt: warum das C-Peptid zählt

Das ist die wichtigste Fehlerquelle dieses Tests. Ein Insulin-Immunoassay misst das Hormon – egal, woher es stammt. Unter Insulintherapie erfasst der Wert also auch das injizierte Hormon; deutsche Laborverzeichnisse führen die „exogene Zufuhr" ausdrücklich als Ursache erhöhter Werte auf.7

Die Lösung liegt in der Biochemie: Gespritztes Insulin enthält kein C-Peptid. Wer wissen will, wie viel die Bauchspeicheldrüse noch selbst produziert, misst deshalb das C-Peptid – laut DDG „als Surrogat-Parameter der β-Zellfunktion der Insulinmessung im Prinzip überlegen".1 Dieselbe Logik gilt bei Verdacht auf eine Hypoglycaemia factitia, eine durch heimlich zugeführtes Insulin ausgelöste Unterzuckerung.3

Insulin und PCOS: eine deutliche Leitlinienaussage

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist einer der häufigsten Anlässe, aus denen jungen Frauen ein Insulinwert bestimmt wird – eine Insulinresistenz ist dabei tatsächlich häufig. Die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (AWMF 089-004, 2025) ist trotzdem eindeutig:

„Bei Frauen mit PCOS sollen (außer bei Studien oder wissenschaftlichen Fragestellungen) keine Parameter der Insulinresistenz bestimmt werden." (Empfehlung 1.3.2, Konsensstärke 11/11, 100 %)6

Stattdessen soll die Glukosestoffwechsellage überprüft werden – bei Erstdiagnose und je nach Risikoprofil alle ein bis drei Jahre, mittels oGTT, HbA1c und/oder Nüchternblutzucker.6 In der Adoleszenz sollen Ovarmorphologie, AMH-Wert und Insulinresistenz ausdrücklich nicht als diagnostische Kriterien dienen.6 Die internationale PCOS-Leitlinie von 2023 verschiebt den Fokus ebenso auf das kardiometabolische Risiko.12

Insulin zu niedrig

Nüchtern ist ein niedriger Insulinwert oft völlig normal – die Bauchspeicheldrüse ruht. Aussagekräftig wird er erst im Verhältnis zum Blutzucker: niedriges Insulin bei gleichzeitig hohem Blutzucker spricht für einen Sekretionsmangel. Deutsche Labore nennen als Ursachen den „manifesten und prä-Diabetes mellitus Typ I";7 auch bei fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes und nach einer Pankreatitis lässt die Produktion nach.1 Beurteilt wird das über Blutzucker, HbA1c, das C-Peptid und, bei Verdacht auf Typ-1-Diabetes, über Insel-Autoantikörper.1

Insulin, Blutzucker und HbA1c: wer macht was?

Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen:

  • Blutzucker und HbA1c stellen die Diagnose. Ein Diabetes liegt vor bei Nüchtern-Plasmaglukose ≥ 7,0 mmol/l (126 mg/dl), oGTT-2-h-Wert ≥ 11,1 mmol/l (200 mg/dl), Gelegenheitsglukose ≥ 11,1 mmol/l oder HbA1c ≥ 48 mmol/mol (6,5 %).1
  • Insulin und HOMA erklären den Mechanismus – Resistenz oder Mangel –, in gezielten Fragestellungen und in der Forschung.111
  • Das C-Peptid misst die Eigenproduktion der Betazellen.1
  • Fruktosamin bildet die letzten zwei bis drei Wochen ab und hilft, wenn der HbA1c unzuverlässig ist – etwa bei verkürzter Lebensdauer der Erythrozyten. Weil der HbA1c am Hämoglobin gemessen wird, verfälschen ihn Hämolysen, wie sie beim G6PD-Mangel auftreten; erkennbar werden sie an Haptoglobin, Retikulozyten und dem großen Blutbild.

Was den Wert beeinflusst

Das Ergebnis verschieben: die Dauer der Nahrungskarenz, das Körpergewicht, körperliche Aktivität, Stress vor der Blutentnahme, Medikamente (Kortikosteroide, Insulintherapie), eine Schwangerschaft – und vor allem das Testkit. Zwei Befunde aus verschiedenen Laboren sind ohne Prüfung von Einheit und Referenzbereich nicht vergleichbar.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt bei wiederholten Unterzuckerungssymptomen – Zittern, Schwitzen, Heißhunger, Herzrasen, Konzentrationsstörungen oder Verwirrtheit, vor allem nüchtern oder nach Belastung. Hier erfüllt der Insulinwert seine eigentliche Aufgabe, weil er zeitgleich mit dem Blutzucker gemessen wird.9 Ebenso, wenn Nüchternblutzucker, HbA1c, Blutfette oder Taillenumfang auffällig sind.

Neues aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Publikationen:

  • HOMA-IR als Risikomarker, nicht als Test. Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse fand bei Menschen mit metabolischen Risikofaktoren einen Zusammenhang zwischen erhöhtem HOMA-IR und ungünstigen kardiometabolischen Verläufen – epidemiologisch relevant, aber kein individueller Diagnosetest.13
  • Mehr Vorhersage bringt es nicht. In einer Kohorte mit 5 578 Teilnehmenden verbesserten HOMA-IR und HOMA-β die Vorhersage eines künftigen Typ-2-Diabetes gegenüber einem Modell aus BMI, Nüchternglukose und HbA1c nicht wesentlich.14
  • Die Surrogate bleiben Schätzungen. Der Clamp ist Goldstandard und Forschungsinstrument; Nüchtern-Insulin und HOMA sind praktikabel, in Genauigkeit und Reproduzierbarkeit aber begrenzt – und die vorgeschlagenen Grenzwerte streuen erheblich.1110
  • PCOS: Insulinresistenz gehört nicht in die Diagnostik. Die internationale Leitlinie von 2023 bestätigt, dass Maße der Insulinresistenz keine diagnostischen Kriterien des PCOS sind.12 Die deutsche S2k-Leitlinie rät 2025 außerhalb von Studien ganz von ihrer Bestimmung ab.6

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lassen Sie Ihren Insulinwert einordnen

Ein Insulinwert ergibt allein gelesen keinen Sinn: Seine Bedeutung hängt vom gleichzeitigen Blutzucker, vom HbA1c, vom C-Peptid, von Ihren Medikamenten und vom Testkit Ihres Labors ab.

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Häufige Fragen

Wie hoch ist der Normwert von Insulin nüchtern? Orientierend 2,6 – 24,9 µU/ml (= mU/l) beziehungsweise 17,8 – 173 pmol/l; andere Labore geben 3,0 – 25,0 mU/l an.234 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund, denn die Testkits sind nicht harmonisiert.

Wie rechne ich µU/ml in pmol/l um? µU/ml und mU/l sind identisch. Für pmol/l gilt bei der in Deutschland verbreiteten Methode ein Faktor von rund 7 (≈ 6,95): 2,6 – 24,9 µU/ml entsprechen 17,8 – 173 pmol/l.3 Der Faktor ist methodenabhängig – prüfen Sie immer die Einheit neben der Zahl.

Kann man mit dem Insulinwert einen Diabetes feststellen? Nein. Die Diagnosekriterien der DDG sind Nüchtern-Plasmaglukose ≥ 126 mg/dl, oGTT-2-h-Wert ≥ 200 mg/dl, Gelegenheitsglukose ≥ 200 mg/dl oder HbA1c ≥ 48 mmol/mol (6,5 %). Insulin ist darin nicht enthalten.1

Was ist der HOMA-Index und ab wann ist er auffällig? HOMA = Insulin (µU/ml) × Glukose (mg/dl) ÷ 405. Ein deutsches Labor stuft ein: < 2,0 unwahrscheinlich, 2,0–2,5 möglicher Hinweis, 2,5–5,0 wahrscheinlich, > 5,0 typisch für Typ-2-Diabetes.5 Ein allgemein akzeptierter Grenzwert existiert jedoch nicht, und die DDG spricht bewusst nur von einer qualitativen Aussage.101

Was bedeutet ein erhöhter Insulinwert? Meist eine Insulinresistenz bei Übergewicht, metabolischem Syndrom, Prädiabetes oder Fettleber. Deutsche Labore nennen daneben das Insulinom, die exogene Zufuhr von Insulin und eine nicht nüchterne Blutentnahme.7 Es ist ein Hinweis, keine Diagnose.

Ich spritze Insulin – ist mein Messwert dann überhaupt verwertbar? Nur eingeschränkt: Der Test erfasst auch das gespritzte Insulin. Um die Eigenproduktion zu beurteilen, wird das C-Peptid bestimmt, das in Insulinpräparaten nicht enthalten ist.17 Ändern Sie niemals eigenmächtig Ihre Therapie.

Sollte ich bei PCOS meinen Insulinwert messen lassen? Die deutsche S2k-Leitlinie rät davon ab: Außerhalb von Studien sollen bei PCOS keine Parameter der Insulinresistenz bestimmt werden. Geprüft werden soll stattdessen die Glukosestoffwechsellage per oGTT, HbA1c und/oder Nüchternblutzucker.6

Was bedeutet ein niedriger Insulinwert? Nüchtern kann er normal sein. Bedeutsam wird er trotz hohen Blutzuckers – das spricht für einen Sekretionsmangel, etwa bei Typ-1-Diabetes.7 Beurteilt wird das mit Blutzucker, HbA1c und C-Peptid.1

Zahlt die Krankenkasse den Insulinwert? Im gesetzlichen Check-up ist er nicht vorgesehen – dort sind aus dem Blut nur Lipidprofil und Nüchternplasmaglucose enthalten.8 Bei konkreter Fragestellung entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Das Wichtigste zum Schluss

Insulin senkt den Blutzucker, und sein Wert beantwortet eine engere Frage, als viele vermuten. Merken Sie sich die Größenordnung nüchtern (2,6 – 24,9 µU/ml bzw. 17,8 – 173 pmol/l, laborabhängig), die Identität von µU/ml und mU/l und den HOMA-Index mitsamt seiner Einschränkung: Ein allgemein akzeptierter Grenzwert existiert nicht, und die DDG nennt seine Aussage ausdrücklich qualitativ.110 Ein hoher Wert weist meist auf eine Insulinresistenz hin, seltener auf ein Insulinom – und bei Insulintherapie auf das gespritzte Hormon, weshalb dann das C-Peptid zählt. Ein niedriger Wert ist nur im Verhältnis zum gleichzeitigen Blutzucker zu lesen. Die Hauptsache: Ein Diabetes wird über Blutzucker und HbA1c erkannt, nicht über das Insulin.1 Ihre persönliche Situation gibt dem Wert seinen Sinn – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Behörden und Laboratorien sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Landgraf R, Heinemann L, Schleicher E, et al. — Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Praxisempfehlung Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2025. Diabetol Stoffwechs 2025; 20: S127–S143. Diagnosekriterien, Rili-BÄK, HOMA-Modell („qualitative Aussage"), hepatischer Insulinabbau bis 90 %, C-Peptid als Surrogatparameter der β-Zellfunktion. thieme-connect.com 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21

  2. Medizinische Hochschule Hannover, Zentrallabor – Leistungsverzeichnis ZLA: Referenzbereiche, Eintrag Insulin, Serum: 2,6 – 24,9 mIU/l. mhh.de 2

  3. Labor Chemnitz (MVZ) – Leistungsverzeichnis, Eintrag Insulin: > 18 Jahre 17,8 – 173,0 pmol/l, ECLIA Elecsys, Kalibration am 1. IRP WHO 66/304; „nur zusammen mit Glukose bewertbar; zum Nachweis einer Hypoglycaemia factitia parallele Bestimmung von C-Peptid sinnvoll". laborchemnitz.de 2 3 4 5 6 7 8

  4. MVZ Labor Koblenz – Leistungsverzeichnis, Eintrag Insulin: 3,0 – 25,0 mU/l; Indikation „Abklärung hypoglykämischer Ereignisse, Insulinom"; „Einzelwerte sind wenig aussagekräftig … Aussagekräftiger ist die zusätzliche Bestimmung von C-Peptid". labor-koblenz.de 2 3 4

  5. Labor Dr. Wisplinghoff (Köln) – Formelsammlung, Diabetes: HOMA-Index: Berechnung (Insulin × Glukose ÷ 405) nach etwa zwölfstündiger Nahrungskarenz und Einstufungstabelle (< 2,0 / 2,0–2,5 / 2,5–5,0 / > 5,0) nach Matthews DR et al., Diabetologia 1985. wisplinghoff.de 2 3 4 5

  6. AWMF – S2k-Leitlinie 089-004 Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS), federführend Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), Kurzfassung Version 1.1, Stand 2025; Empfehlungen 1.3.1, 1.3.2, 2.2.1 und 6.2.3. register.awmf.org 2 3 4 5 6

  7. LADR – Der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen, A–Z der Laboranalysen, Eintrag Insulin (Stand 17.03.2026): Indikation, Referenzbereich „siehe Befundbericht", erhöhte Werte bei „Insulinom, exogene Zufuhr, postprandial", verminderte bei „manifestem und prä-Diabetes mellitus Typ I". ladr.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  8. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie, Fassung vom 19.12.2019, zuletzt geändert am 20.11.2020; Laboruntersuchungen: Lipidprofil, Nüchternplasmaglucose, ab 35 Jahren Harnstreifentest. g-ba.de 2

  9. Ernst P, Theis B, Franiel T (Universitätsklinikum Jena). Hypoglycemia Due to a Hormone-Secreting Tumor. Dtsch Arztebl Int, 2026; 123(13): 352. PubMed · DOI 2

  10. Tang Q, Li X, Song P, Xu L. Optimal cut-off values for the homeostasis model assessment of insulin resistance (HOMA-IR) and pre-diabetes screening: Developments in research and prospects for the future. Drug Discov Ther, 2015; 9(6): 380–385. PubMed · DOI 2 3 4

  11. Gastaldelli A. Measuring and estimating insulin resistance in clinical and research settings. Obesity (Silver Spring), 2022; 30(8): 1549–1563. PubMed · DOI 2 3

  12. Teede HJ, Tay CT, Laven JJE, et al. Recommendations from the 2023 international evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome. Eur J Endocrinol, 2023; 189(2): G43–G64. PubMed · DOI 2

  13. González-González JG, Violante-Cumpa JR, Zambrano-Lucio M, et al. HOMA-IR as a Predictor of Health Outcomes in Patients with Metabolic Risk Factors: A Systematic Review and Meta-analysis. High Blood Press Cardiovasc Prev, 2022; 29(6): 547–564. PubMed · DOI

  14. Hu H, Nakagawa T, Honda T, Yamamoto S, Mizoue T. Should insulin resistance (HOMA-IR), insulin secretion (HOMA-β), and visceral fat area be considered for improving the performance of diabetes risk prediction models. BMJ Open Diabetes Res Care, 2024; 12(1): e003680. PubMed · DOI

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