AMH-Wert: Normalwerte-Tabelle nach Alter und AMH zu niedrig
AMH-Normalwerte nach Alter als Tabelle mit Umrechnung ng/ml in pmol/l - und warum der AMH-Wert laut deutscher Leitlinie nicht die Fruchtbarkeit beurteilt.
Der AMH-Wert misst das Anti-Müller-Hormon – ein Eiweißhormon, das die Granulosazellen der kleinen, heranreifenden Eibläschen im Eierstock abgeben. Weil seine Menge im Blut mit der Zahl dieser Follikel zusammenhängt, gilt der AMH-Wert als bester verfügbarer Laborwert für die Eizellreserve. Eines kann er jedoch ausdrücklich nicht, und dieser Satz steht so in der deutschen Leitlinie: Er soll nicht zur Beurteilung der Fertilität eingesetzt werden.1 Diese Seite zeigt die AMH-Werte als Tabelle nach Alter, erklärt, was ein zu niedriger AMH-Wert wirklich aussagt, und ordnet ein, was die vielen direkt verkauften AMH-Tests versprechen. Das AMH gehört zum Hormonstatus, gemeinsam mit FSH, LH und Östradiol.
Das Wichtigste in Kürze
- Das AMH schätzt die ovarielle Reserve – also die verbliebene Zahl kleiner Follikel und damit die zu erwartende Antwort auf eine Stimulation. Es schätzt nicht die Wahrscheinlichkeit, spontan schwanger zu werden.1
- Die deutsche Reproduktionsleitlinie formuliert es als Expertenkonsens: Das AMH „kann zur Abschätzung der aktuellen ovariellen Aktivität und Ansprechbarkeit auf eine hormonelle Stimulationsbehandlung bestimmt werden. Er soll nicht zur Beurteilung der Fertilität eingesetzt werden."1
- Ein Schwellenwert, unter dem die Fruchtbarkeit sicher eingeschränkt wäre, existiert nicht – die Leitlinie sagt das ausdrücklich.1 In einer Kohorte von 750 Frauen zwischen 30 und 44 Jahren unterschied sich die Schwangerschaftsrate bei niedrigem AMH nicht von der bei normalem AMH.2
- Der AMH-Wert ist weitgehend zyklusunabhängig und lässt sich an jedem Zyklustag bestimmen – der praktische Vorteil gegenüber FSH und Östradiol.13
- In der deutschen PCOS-Leitlinie 2025 ist eine hohe AMH-Konzentration erstmals gleichwertig neben dem Ultraschallbefund als drittes Rotterdam-Kriterium zugelassen – allein reicht sie zur Diagnose nicht.4
- Beim Kinderwunsch ist die AMH-Bestimmung in Deutschland in der Regel keine Kassenleistung, sondern eine Selbstzahlerleistung.5
Was ist das Anti-Müller-Hormon?
Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist ein Glykoprotein aus der TGF-beta-Familie – derselben Familie wie Inhibin B. Bei der Frau ist es ein Sekretionsprodukt der Granulosazellen der primären, sekundären und frühen antralen Follikel: Ein früher antraler Follikel enthält rund das 700-fache der AMH-Konzentration eines sprungreifen Follikels.3
Daraus ergibt sich die ganze Logik dieses Werts. Die Eizellzahl ist beim weiblichen Fetus mit 6 bis 7 Millionen am höchsten, liegt zum Geburtstermin bei etwa einer Million und zu Pubertätsbeginn noch bei rund 300.000; ab 35 Jahren beschleunigt sich der Abbau.1 Weil das AMH parallel zu diesem Pool sinkt, bildet es die verbleibende Menge ab – nicht die Qualität der Eizellen. Diese Unterscheidung ist entscheidend, denn die Leitlinie hält fest, dass es auch nach weitgehend erschöpfter Ovarreserve noch regelmäßige ovulatorische Zyklen gibt, während die Eizellqualität altersabhängig abnimmt.1
Dazu kommt: Das AMH zeigt beträchtliche Unterschiede von Frau zu Frau, und verschiedene Assays sind nur bedingt vergleichbar.1 Zwei Zahlen aus zwei Laboren sind nicht dasselbe.
Wozu wird der AMH-Wert bestimmt?
Die sinnvollen Anlässe sind spezialisiert:
- Planung einer Stimulation in der Reproduktionsmedizin: Der AMH-Wert hilft, die Dosis zu wählen und eine schwache Antwort oder ein Überstimulationsrisiko vorherzusehen. Deutlich erniedrigte AMH-Werte korrelieren mit der Erfolgswahrscheinlichkeit von Maßnahmen der künstlichen Befruchtung mit hormoneller Stimulation.1
- Abklärung von Zyklusstörungen, etwa wenn sich frühfollikulär bei einer Patientin unter 35 Jahren ein FSH im oberen Referenzbereich zeigt.3
- Verdacht auf ein PCOS – als Surrogatparameter der polyzystischen Ovarmorphologie (siehe unten).4
- Vor keimzellschädigender Therapie (Chemotherapie): Das AMH fällt unter Chemotherapie durch die Zerstörung aktiver Follikel relativ schnell ab.3 Für die Kryokonservierung von Eizellen vor einer solchen Behandlung besteht in Deutschland ein gesetzlicher Leistungsanspruch nach § 27a Abs. 4 SGB V.6
- In der Pädiatrie: bei Verdacht auf Störungen der Geschlechtsentwicklung, bei Anorchie oder zur Verlaufskontrolle von Granulosazell-Tumoren.3
Was das AMH nicht ist: ein Vorsorgetest, mit dem man sich die eigene Fruchtbarkeit bestätigen lässt. Das IQWiG nennt bei Fruchtbarkeitsstörungen Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutprobe mit Hormonbestimmung und Ultraschall – und hebt kein Einzelhormon als Fruchtbarkeitsmaß hervor.7
Zyklustag, nüchtern sein, Pille
Nüchtern sein ist nicht erforderlich. Und anders als bei fast allen übrigen Werten dieses Profils spielt der Zyklustag praktisch keine Rolle: Das AMH kann laut Leitlinie „zyklusunabhängig bestimmt werden mit einer minimalen Variabilität im Zyklusverlauf und beim Vergleich verschiedener Zyklen".1 Manche Labore empfehlen zur Feinabstimmung dennoch die Follikelphase, weil ein leichter Abfall direkt nach dem Eisprung beschrieben ist.3 Für Frauen mit unregelmäßigen Zyklen ist das ein echter Vorteil gegenüber FSH, LH und Progesteron, die an definierten Tagen abgenommen werden müssen.
Zur hormonellen Verhütung widersprechen sich die Quellen – und das sollten Sie wissen. Die DGGG-Leitlinie schreibt, der AMH-Wert sei „z. B. durch die Einnahme von oralen Kontrazeptiva auch ohne eingeschränkte Follikelreserve vermindert".1 Zwei deutsche Laborinformationen behaupten das Gegenteil: Das AMH werde „in seiner Aussagekraft nicht beeinträchtigt" durch orale Kontrazeptiva, den Vaginalring oder eine Schwangerschaft.35 Die größte Untersuchung dazu, eine Auswertung von 42.684 Frauen, findet einen realen, aber methodenabhängigen Effekt: unter der Kombinationspille im Mittel 17 % niedrigere AMH-Werte, kein messbarer Effekt bei der Hormonspirale – und die Absenkung fällt bei ohnehin niedrigen Werten am stärksten aus (bis zu 32 % im 10. Perzentil).8 Praktisch heißt das: Ein unter der Pille gemessener, grenzwertig niedriger AMH-Wert kann täuschen. Nennen Sie Ihre Verhütung immer im Befundgespräch.
AMH-Werte: Tabelle nach Alter
Es gibt keinen universellen Normalwert. Die folgenden Bereiche stammen aus dem akkreditierten Leistungsverzeichnis des endokrinologikum/aesculabor Hamburg (Elektrochemilumineszenzimmunoassay, Bearbeitungsstand 17.05.2024). Die pmol/l-Spalte ist mit dem dort angegebenen Faktor umgerechnet. Maßgeblich bleibt immer der Bereich auf Ihrem Befund.3
| Alter | AMH (ng/ml) | AMH (pmol/l) |
|---|---|---|
| Frauen 20–24 Jahre | 1,52 – 9,95 | 10,9 – 71,0 |
| Frauen 25–29 Jahre | 1,20 – 9,05 | 8,6 – 64,6 |
| Frauen 30–34 Jahre | 0,711 – 7,59 | 5,1 – 54,2 |
| Frauen 35–39 Jahre | 0,405 – 6,96 | 2,9 – 49,7 |
| Frauen 40–44 Jahre | 0,059 – 4,44 | 0,42 – 31,7 |
| Frauen 45–50 Jahre | 0,01 – 1,79 | 0,07 – 12,8 |
| Männer (erwachsen) | 1,43 – 11,6 | 10,2 – 82,8 |
Einheiten. In Deutschland wird das AMH meist in ng/ml angegeben, international häufig in pmol/l. Der Umrechnungsfaktor des Labors lautet: ng/ml × 7,14 = pmol/l.3 Beachten Sie außerdem, wie breit diese Bereiche sind – die interindividuellen Unterschiede sind groß, und der Laborwechsel allein kann einen Sprung erzeugen, der keine biologische Veränderung ist.1
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AMH zu niedrig – und was das nicht bedeutet
Ein niedriger AMH-Wert spricht für eine verminderte ovarielle Reserve: Es sind weniger kleine Follikel vorhanden. Das ist mit steigendem Alter der Normalfall; andere Gründe sind Eierstockoperationen, eine Chemotherapie oder eine prämature Ovarialinsuffizienz. Bereits etwa fünf Jahre vor der Menopause ist das AMH trotz noch ovulatorischer Zyklen praktisch nicht mehr nachweisbar.1
Und jetzt der Punkt, den die Werbung meist auslässt. Die Leitlinie ist unmissverständlich: „Der prädiktive Wert der AMH-Bestimmung bzgl. der Fertilität ist nicht gesichert. Ein Schwellenwert, unter dem sicher die Fruchtbarkeit eingeschränkt ist, wurde nicht definiert."1 Eine prospektive Kohortenstudie an 750 Frauen zwischen 30 und 44 Jahren ohne bekannte Unfruchtbarkeit zeigte, warum: Frauen mit niedrigem AMH (unter 0,7 ng/ml) hatten nach 12 Zyklen eine Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von 84 %, Frauen mit normalen Werten 75 % – kein statistisch bedeutsamer Unterschied.2 Auch ein deutsches Labor formuliert es so: Ein niedriger AMH-Spiegel schließe eine spontane Konzeption nicht mit hundertprozentiger Sicherheit aus.3
Ein niedriger AMH-Wert sagt also vor allem eines voraus: dass eine hormonelle Stimulation vermutlich schwächer anspricht. Er ist ein Planungswert für die Reproduktionsmedizin – kein Urteil über Ihre Fruchtbarkeit.
AMH erhöht: PCOS und Überstimulationsrisiko
Ein hoher AMH-Wert bedeutet viele kleine antrale Follikel. Die häufigste Ursache ist das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS). Die deutsche S2k-Leitlinie der DGE von 2025 hat hier eine wichtige Änderung gebracht: Die Diagnose PCOS wird gestellt, wenn mindestens zwei von drei Kriterien vorliegen – Hyperandrogenismus, ovulatorische Dysfunktion sowie polyzystische Ovarmorphologie und/oder hohe AMH-Konzentration.4 Das AMH ist damit erstmals als Alternative zum Ultraschall anerkannt, entsprechend der internationalen Leitlinie von 2023.9
Zwei Einschränkungen nennt dieselbe deutsche Leitlinie aber ausdrücklich. Erstens: „Anti-Müller Hormon (AMH) sollte aktuell nicht als alleiniges Merkmal zur Diagnosestellung des PCOS genutzt werden" – die Werte von Frauen mit und ohne PCOS überschneiden sich erheblich, und einen spezifischen Schwellenwert gibt es nicht.4 Zweitens, mit dem stärksten Empfehlungsgrad: „Die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons soll nicht zur Diagnostik des PCOS in der Adoleszenz verwendet werden" – bei Jugendlichen ist eine hohe ovarielle Reserve schlicht altersgerecht.4
Zur PCOS-Abklärung gehören außerdem Testosteron, DHEAS, LH, Prolaktin und β-hCG sowie – wegen der metabolischen Begleitrisiken – Blutzucker und gegebenenfalls Insulin.4 In der Reproduktionsmedizin bedeutet ein hoher AMH-Wert zusätzlich ein erhöhtes Risiko für ein Überstimulationssyndrom, weshalb die Stimulationsdosis angepasst wird.10
AMH und die Nachbarwerte
Ein AMH-Wert ergibt erst im Verbund Sinn. Bei einer hypergonadotropen Konstellation ist der FSH-Wert erhöht, das Östradiol erniedrigt und das AMH niedrig – die Ursache liegt im Eierstock. Bei einer zentralen Ursache sind FSH, LH und Östradiol niedrig, das AMH dagegen normal.1 Dazu gehören Prolaktin und die Schilddrüsenwerte mit dem TSH-Wert.
Ist ein AMH-Wert ein Krebstest? Nein. Das AMH beschreibt die Eizellreserve, nicht eine Geschwulst. Die einzige Ausnahme ist die Verlaufskontrolle bereits diagnostizierter Granulosazell-Tumoren.3
AMH-Tests zum Selbstkauf: was versprochen wird
AMH-Tests werden inzwischen breit direkt an Verbraucherinnen verkauft – als „Eizellreserve-Test", über Kinderwunschzentren oder als Heimtest-Kit. Eine systematische Inhaltsanalyse von 27 solchen Anbieter-Websites aus sieben Ländern hat untersucht, was dort versprochen wird: 74 % stellten in Aussicht, der Test zeige die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft an; 41 % legten nahe, Frauen könnten damit ihre Familienplanung zeitlich anpassen. Nur 33 % wiesen darauf hin, dass der Test die Empfängniswahrscheinlichkeit nicht zuverlässig vorhersagen kann, und nur 48 % erwähnten, dass ein PCOS den Wert falsch nach oben treibt. Das Fazit der Autorinnen: Die meisten dieser Websites enthielten falsche oder irreführende Angaben – mit dem Risiko unbegründeter Angst oder unbegründeter Beruhigung.11
Genau dieses Versprechen schließt die deutsche Leitlinie aus.1 Zur Kostenfrage: Die AMH-Bestimmung bei Kinderwunsch ist „eine ärztliche Leistung, die von den gesetzlichen Krankenversicherungen nicht erstattet wird".5 Eine Bewertung durch den IGeL-Monitor existiert dazu derzeit nicht; im IGeL-A-Z ist kein Eintrag zu AMH oder Eierstockreserve aufgeführt.12 Davon zu trennen ist die Kinderwunschbehandlung selbst: Nach § 27a SGB V übernimmt die Kasse „50 vom Hundert der mit dem Behandlungsplan genehmigten Kosten", nur für verheiratete Paare, ab 25 Jahren und bis 40 (Frauen) beziehungsweise 50 Jahren (Männer).6
Aktuelles aus der Forschung
Nach aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:
- Kein Zusammenhang mit der spontanen Fruchtbarkeit. In der Kohorte von 750 Frauen zwischen 30 und 44 Jahren war ein AMH unter 0,7 ng/ml nicht mit einer verringerten Schwangerschaftsrate verbunden. Die Autoren schließen ausdrücklich, dass die Daten den Einsatz von AMH- oder FSH-Tests zur Beurteilung der natürlichen Fruchtbarkeit nicht stützen.2
- Guter Marker für die Stimulation, schlechter für die Spontankonzeption. Eine Übersichtsarbeit von 2024 bestätigt diese Zweiteilung und beschreibt das AMH als zuverlässigen Prädiktor der ovariellen Antwort.10
- Menopausenalter: Tendenz, keine Prognose. Eine systematische Übersicht zur Vorhersage des Menopausenalters kommt zu dem Schluss, dass das AMH informativ ist, aber im Einzelfall keine Datumsangabe erlaubt.13 Das deckt sich mit der Leitlinie, nach der der prädiktive Wert mit zunehmendem Alter unschärfer wird.1
- Verhütung wird quantifiziert. Die Auswertung von 42.684 Frauen liefert methodenspezifische Referenzwerte – von 17 % Absenkung unter der Kombinationspille bis zu keinem messbaren Effekt bei der Hormonspirale.8
- Bester Einzelmarker – mit Vorbehalt. Eine Übersicht der klinischen Anwendungen ordnet das AMH weiterhin als aussagekräftigsten einzelnen Reservemarker ein, mit der bekannten Assay-Abhängigkeit.14
Diese Ergebnisse betreffen die ärztliche Diagnostik. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch.
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Ein AMH-Wert allein sagt wenig. Seine Bedeutung entsteht erst aus Ihrem Alter, dem verwendeten Assay, Ihrer Verhütung und den übrigen Werten des Hormonstatus – FSH, LH, Östradiol, Prolaktin.
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Häufige Fragen
Was ist ein normaler AMH-Wert? Das hängt stark vom Alter ab. Ein deutsches Referenzlabor gibt für Frauen von 20–24 Jahren 1,52–9,95 ng/ml an, für 30–34 Jahre 0,711–7,59 ng/ml und für 40–44 Jahre 0,059–4,44 ng/ml.3 Die Bereiche sind sehr breit, und verschiedene Assays sind nur bedingt vergleichbar.1
Mein AMH-Wert ist zu niedrig – kann ich noch schwanger werden? Ja, das ist möglich. Ein niedriger AMH-Wert beschreibt eine kleinere Eizellreserve, nicht Unfruchtbarkeit. Einen Schwellenwert, unter dem die Fruchtbarkeit sicher eingeschränkt wäre, gibt es laut Leitlinie nicht.1 In der zitierten Kohorte lag die Schwangerschaftsrate nach 12 Zyklen bei niedrigem AMH sogar nominell höher.2 Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt statt mit einem Rechner im Internet.
An welchem Zyklustag wird das AMH bestimmt? An jedem. Das AMH kann zyklusunabhängig mit minimaler Variabilität bestimmt werden.1 Manche Labore empfehlen zur Feinabstimmung die Follikelphase.3
Muss ich für den AMH-Wert nüchtern sein? Nein.
Verfälscht die Pille den AMH-Wert? Die deutsche Leitlinie sagt Ja: Der Wert kann auch ohne eingeschränkte Follikelreserve vermindert sein.1 Zwei deutsche Labore sagen Nein.35 Die größte Studie dazu spricht für einen realen, aber moderaten Effekt – rund 17 % niedriger unter der Kombinationspille, kein Effekt bei der Hormonspirale.8 Nennen Sie Ihre Verhütungsmethode auf jeden Fall.
Sagt das AMH etwas über die Qualität meiner Eizellen? Nein. Es beschreibt eine Menge. Die altersbedingte Abnahme betrifft Eizellzahl und Eizellqualität, aber das AMH bildet nur die Zahl ab.1
Was bedeutet ein hoher AMH-Wert? Meist viele kleine antrale Follikel, typischerweise beim PCOS. Seit 2025 kann eine hohe AMH-Konzentration in Deutschland das dritte Rotterdam-Kriterium erfüllen – allein reicht sie zur Diagnose nicht, und bei Jugendlichen soll sie dafür gar nicht verwendet werden.4
Kann das AMH mein Menopausenalter vorhersagen? Es gibt eine Tendenz, aber keine Datumsangabe. Mit zunehmendem Alter wird der prädiktive Wert unschärfer.113
Zahlt die Krankenkasse den AMH-Test? In der Regel nicht: Die AMH-Bestimmung bei Kinderwunsch gilt als Selbstzahlerleistung.5 Für die eigentliche künstliche Befruchtung übernimmt die Kasse unter den Voraussetzungen des § 27a SGB V die Hälfte der genehmigten Kosten.6
Ist ein AMH-Wert beim Mann sinnvoll? Für die Fertilitätsabklärung des erwachsenen Mannes nicht. In der Pädiatrie ist er wichtig – etwa bei Verdacht auf Anorchie oder eine Störung der Geschlechtsentwicklung.3
Das Wichtigste zum Schluss
Der AMH-Wert ist der beste verfügbare Laborwert für die Eizellreserve – und ausdrücklich kein Fruchtbarkeitstest. Merken Sie sich die Größenordnungen (etwa 1,20–9,05 ng/ml mit 25–29 Jahren, 0,405–6,96 mit 35–39 Jahren, Umrechnung ng/ml × 7,14 = pmol/l), dass ein hoher Wert Richtung PCOS weist, und vor allem den Satz der deutschen Leitlinie: Der AMH-Wert soll nicht zur Beurteilung der Fertilität eingesetzt werden.1 Sein echter Platz ist die Planung einer Stimulation, die PCOS-Abklärung und die Situation vor einer keimzellschädigenden Therapie – immer zusammen mit FSH, LH, Östradiol, Progesteron und dem übrigen Hormonstatus, so wie AI DiagMe es ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt aufbereitet.
Quellen
Deutsche Leitlinien, Gesetzestexte, akkreditierte Laborinformationen und wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber verwendet wurden:
Footnotes
-
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), SGGG, OEGGG — S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung", AWMF-Registernummer 015/085, Version 1.0, Stand Februar 2019; Kapitel 3.7.1.8 „AMH, Alter und Eizellqualität" und konsensbasierte Empfehlung 3.7.E31. ⚠️ Abgelaufen: Das Dokument selbst nennt eine Gültigkeit bis 31.01.2022, das AWMF-Register eine Verlängerung bis 31.01.2024; eine Nachfolgeversion war zum Redaktionsschluss nicht veröffentlicht. register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24
-
Steiner AZ, Pritchard D, Stanczyk FZ, et al. Association Between Biomarkers of Ovarian Reserve and Infertility Among Older Women of Reproductive Age. JAMA, 2017;318(14):1367–76. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
endokrinologikum / aesculabor Hamburg — Online-Leistungsverzeichnis: Anti-Müller-Hormon (Referenzbereiche nach Alter, ECLIA, akkreditiertes Verfahren, Umrechnungsfaktor ng/ml × 7,14 = pmol/l), Bearbeitungsdatum 17.05.2024. endokrinologikum-aesculabor.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15
-
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit Unterstützung des BDI — S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS)", AWMF-Registriernummer 089-004, Version 1.1, Langversion 2025; Empfehlungen 1.2.1, 1.2.11, 1.2.12 und 6.2.4.2. register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
-
Labor Dr. Wisplinghoff, Köln — Patienteninformation: Anti-Müller-Hormon (IGeL). wisplinghoff.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Bundesrepublik Deutschland — § 27a SGB V, Künstliche Befruchtung (Sozialgesetzbuch Fünftes Buch), Absätze 1, 3 und 4. gesetze-im-internet.de ↩ ↩2 ↩3
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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — Fruchtbarkeitsstörungen, gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 15. April 2026. gesundheitsinformation.de ↩
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Teede HJ, Tay CT, Laven JJE, et al. Recommendations From the 2023 International Evidence-based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. J Clin Endocrinol Metab, 2023;108(10):2447–69. PubMed · DOI ↩
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Sellami I, Barbotin AL, Bernard V, et al. Anti-Mullerian Hormone Assessment in Assisted Reproductive Technique Outcome and Natural Conception. Semin Reprod Med, 2024;42(1):25–33. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Johnson A, Thompson R, Nickel B, et al. Websites Selling Direct-to-Consumer Anti-Mullerian Hormone Tests. JAMA Netw Open, 2023;6(8):e2330192. PubMed · DOI ↩
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IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) — IGeL von A bis Z, abgerufen im August 2026: Das Verzeichnis der bewerteten Selbstzahlerleistungen enthält keinen Eintrag zum AMH-Test oder zur Bestimmung der Eierstockreserve. igel-monitor.de ↩
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