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Eisenbindungskapazität (TEBK): zu hoch oder niedrig

Eine hohe Eisenbindungskapazität spricht meist für Eisenmangel, eine niedrige für Entzündung oder Eisenüberladung. Normwerte, Umrechnung und Einordnung.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Die Eisenbindungskapazität beantwortet eine einzige Frage: Wie viel Eisen könnte Ihr Blut maximal transportieren, wenn alle Transportplätze besetzt wären? Sie ist damit vor allem ein Spiegel des Transporteiweißes Transferrin – und verhält sich gegen jede Intuition: Bei Eisenmangel steigt sie, bei Eisenüberladung sinkt sie. Dieser Ratgeber erklärt die drei Kürzel auf deutschen Befunden (TEBK, freie Eisenbindungskapazität, Transferrin), die Normwerte in µmol/l und µg/dl, den Weg zur Transferrinsättigung – und die ehrliche Nachricht: In der deutschen Labormedizin ist dieser Parameter weitgehend abgelöst worden. Angefordert wird er im Rahmen der Eisenwerte, mit Ferritin und dem Eisen im Blut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die totale Eisenbindungskapazität (TEBK, englisch TIBC) ist die Eisenmenge, die das gesamte Transferrin binden könnte; die freie (auch latente) Eisenbindungskapazität ist der noch unbesetzte Anteil: TEBK − Serumeisen.1
  • Sie wird in deutschen Laboren meist nicht gemessen, sondern gerechnet: 1 g Transferrin bindet 1,4 mg (25,1 µmol) Eisen.1
  • Orientierende Normwerte eines deutschen Labors (14–60 Jahre): 43,7 – 91,4 µmol/l bzw. 244 – 510 µg/dl bei Männern, 45,2 – 95,9 µmol/l bzw. 252 – 535 µg/dl bei Frauen.2
  • Hoch = meist Eisenmangel, niedrig = Entzündung, Lebererkrankung, Eiweißmangel oder Eisenüberladung: Die Leber drosselt bei Entzündung die Transferrinproduktion „und damit die totale Eisenbindungskapazität".3
  • Ihr eigentlicher Zweck ist die Transferrinsättigung: Eisen ÷ TEBK × 100, Referenzbereich 16–45 %.134
  • ⚠️ Die aktuelle DGHO/Onkopedia-Leitlinie und die CME-Übersicht im Deutschen Ärzteblatt führen die Eisenbindungskapazität gar nicht mehr auf – dort stehen Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung und der lösliche Transferrinrezeptor.53

Was ist die Eisenbindungskapazität?

Eisen ist im Blut nie „frei" unterwegs – ungebunden wäre es zellschädigend. Es reist an Transferrin gebunden, einem Eiweiß aus der Leber. Jedes Transferrinmolekül hat zwei Bindungsstellen für Eisen; normalerweise ist nur ein Teil belegt.5

Die Eisenbindungskapazität misst genau diese Bindungsstellen – ausgedrückt als Eisenmenge. Sie sagt also nicht, wie viel Eisen Sie haben, sondern wie viele Transportplätze existieren. Historisch wurde sie gemessen: Man sättigte das Serum mit überschüssigem Eisen, entfernte den Rest und maß nach. Heute rechnen die meisten Labore stattdessen: Aus dem Molekulargewicht des Transferrins (79.570 Da) und seinen zwei Bindungsstellen folgt, dass 1 g Transferrin 1,4 mg – also 25,1 µmol – Eisen bindet.1

Die Probe aufs Exempel liefert der Referenzbereich eines deutschen Labors: Transferrin bei Männern 1,74 – 3,64 g/l, TEBK 43,7 – 91,4 µmol/l – exakt die Transferrinspanne, multipliziert mit 25,1.2 Die TEBK ist dort keine eigene Messung, sondern eine Umrechnung.

TEBK, freie Eisenbindungskapazität, Transferrin: drei Namen für eine Sache

Deutsche Befunde verwenden für dieselbe Größe unterschiedliche Bezeichnungen. Das sorgt regelmäßig für Verwirrung:

BegriffAbkürzungWas gemeint ist
Totale EisenbindungskapazitätTEBK, TIBCAlle Eisenbindungsstellen – besetzte und freie
Freie (latente) EisenbindungskapazitätFEBK, LEBK, UIBCNur die noch unbesetzten Plätze: TEBK − Serumeisen
TransferrinTfDas Transporteiweiß selbst, direkt gemessen in g/l oder mg/dl

Alle drei verlaufen parallel: Steigt das Transferrin, steigen TEBK und freie Eisenbindungskapazität mit. Steht auf Ihrem Befund nur eines davon, fehlt Ihnen also keine Information – nur eine andere Rechengröße. Die englische Abkürzung UIBC (unsaturated iron-binding capacity) meint dasselbe wie die deutsche freie Eisenbindungskapazität.1

Warum wird die Eisenbindungskapazität heute kaum noch bestimmt?

Diese Frage verdient eine klare Antwort statt eines Ausweichmanövers. Die Eisenbindungskapazität ist in Deutschland weitgehend durch das direkt gemessene Transferrin ersetzt worden, und dafür gibt es gute Gründe:

  • Sie taucht in den maßgeblichen deutschen Texten nicht mehr auf. Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO zu Eisenmangel und Eisenmangelanämie (Stand April 2025) listet die Parameter des Eisenstoffwechsels einzeln auf: Blutbild, hypochrome Erythrozyten, Retikulozytenhämoglobin, Serumeisen, Ferritin, Transferrinsättigung, löslicher Transferrinrezeptor, Ferritinindex, Zinkprotoporphyrin, Hepcidin, Knochenmark. Eine Eisenbindungskapazität ist nicht darunter.5 Dasselbe gilt für die Tabelle „Laborparameter zur Abklärung eines Eisenmangels" im Deutschen Ärzteblatt: Sie nennt Transferrin (200–400 mg/dl) und Transferrinsättigung (16–45 %), aber keine TEBK.3 Auch die AWMF-S1-Leitlinie zur Eisenmangelanämie kommt ohne sie aus.6
  • Messtechnisch ist Transferrin überlegen. Eine Arbeit in Clinical Chemistry and Laboratory Medicine fasst zusammen: TEBK-Methoden überschätzen die Bindungskapazität, weil Eisen auch an andere Plasmaeiweiße bindet – vor allem an Albumin; für die TEBK existieren keine allgemeingültigen Referenzwerte, für Transferrin dagegen international abgestimmte Bereiche mit gemeinsamem Standardmaterial. Empfohlen wird deshalb Transferrin statt TEBK.7
  • Die interessante Größe ist die Sättigung, nicht die Kapazität. Ob Eisen fehlt oder im Überschuss vorliegt, zeigt der Prozentwert – nicht die absolute Zahl der Transportplätze.8

Das heißt nicht, dass ein TEBK-Wert auf Ihrem Befund falsch wäre. Er ist nur ein Umweg zu einer Information, die Transferrin und Transferrinsättigung direkter liefern.

Muss man dafür nüchtern sein?

Für die Eisenbindungskapazität selbst wäre es nicht zwingend – sie schwankt kaum über den Tag. Sie wird aber immer zusammen mit dem Eisen im Blut bestimmt, und der Eisenwert unterliegt einem zirkadianen Rhythmus.5 Deshalb gilt die Regel des deutschen Standardwerks der Labormedizin: Die Entnahme soll morgens und nüchtern erfolgen, weil der Eisenwert nach dem Essen ansteigt und die Sättigung dann zu hoch berechnet wird. Beim Screening auf eine erbliche Eisenüberladung sollen sogar zwei Proben an verschiedenen Tagen beurteilt werden.1 Nehmen Sie Ihr Eisenpräparat nicht kurz vor der Blutentnahme ein.

Normwerte der Eisenbindungskapazität

Die folgenden Werte sind Orientierungswerte für Erwachsene aus dem Referenzverzeichnis eines deutschen Labors. Sie hängen von Methode und Altersgruppe ab – maßgeblich ist immer der Bereich, der auf Ihrem Befund neben dem Ergebnis steht.

ParameterSI-EinheitKonventionelle Einheit
TEBK, Männer 14–60 Jahre43,7 – 91,4 µmol/l244 – 510 µg/dl
TEBK, Frauen 14–60 Jahre45,2 – 95,9 µmol/l252 – 535 µg/dl
TEBK, 60–80 Jahre40,9 – 86,3 (m) / 43,4 – 90,4 (w) µmol/l228 – 482 / 242 – 505 µg/dl
Transferrin, 14–60 Jahre1,74 – 3,64 (m) / 1,80 – 3,82 (w) g/l174 – 364 / 180 – 382 mg/dl
Transferrinsättigung16 – 45 %16 – 45 %

Zahlen aus den Referenzbereichen des IMD Labor Berlin-Potsdam; die Sättigungsspanne 16–45 % nennen übereinstimmend auch das Deutsche Ärzteblatt, Labor und Diagnose und das IQWiG.2314

Umrechnung µg/dl ↔ µmol/l. Für Eisen und die Eisenbindungskapazität gilt: µg/dl × 0,1791 = µmol/l, umgekehrt µmol/l × 5,585 = µg/dl.1 500 µg/dl entsprechen also rund 90 µmol/l. Wer die Einheit übersieht, liegt um den Faktor 5,6 daneben – prüfen Sie sie, bevor Sie zwei Befunde vergleichen.

Von der Eisenbindungskapazität zur Transferrinsättigung

Der Hauptzweck der TEBK ist eine Division. Die Transferrinsättigung gibt an, welcher Anteil der Transportplätze tatsächlich belegt ist:

Transferrinsättigung (%) = Serumeisen ÷ totale Eisenbindungskapazität × 100 – beide Werte in derselben Einheit.8

Ein Beispiel: Serumeisen 15 µmol/l, TEBK 60 µmol/l → 15 ÷ 60 × 100 = 25 %, ein normaler Wert. Bleibt das Eisen bei 15, steigt aber die TEBK auf 90 µmol/l, weil der Körper mehr Transferrin bildet, ergibt das nur noch 17 %. Genau das passiert beim Eisenmangel: Die Kapazität steigt, die Sättigung fällt.9

Wichtig für die Praxis in Deutschland: Die Labore rechnen die Sättigung meist direkt aus dem TransferrinEisen (µg/dl) ÷ Transferrin (mg/dl) × 70,9 beziehungsweise Eisen (µmol/l) ÷ Transferrin (mg/dl) × 398.110 Das Ergebnis ist dasselbe, nur die Zwischengröße TEBK entfällt. Mehr dazu auf unserer Seite zur Transferrinsättigung.

Ihre Werte richtig einordnen

Die Eisenbindungskapazität wird nie allein gelesen, sondern immer mit Ferritin (den Speichern), dem Eisen im Blut, der Sättigung und einem Entzündungsmarker wie dem CRP-Wert.

Eisenbindungskapazität zu hoch

Hier stolpern die meisten Leser: Eine hohe Kapazität bedeutet nicht viel Eisen, sondern meist das Gegenteil. Sinkt der Eisengehalt der Leberzelle, steigert die Leber die Transferrinsynthese – der Körper baut zusätzliche Transporter, um das knappe Eisen einzusammeln.1 Typische Konstellation beim Eisenmangel: TEBK hoch, Ferritin niedrig, Sättigung unter 20 %.89 Auch Schwangerschaft und östrogenhaltige Präparate heben Transferrin und Kapazität an, ohne Krankheitswert.

Und Krebs? Eine erhöhte Eisenbindungskapazität ist kein Krebszeichen – sie beschreibt den Eisentransport, nicht das Gewebe. Richtig ist etwas anderes: Ein unerklärter Eisenmangel bei Männern und bei Frauen nach den Wechseljahren führt zur Suche nach einer Blutungsquelle, meist mit einer Darmspiegelung – ein Vorsichtsschritt, kein Verdacht aus diesem einen Wert.9

Eisenbindungskapazität zu niedrig

Eine niedrige Kapazität heißt: Es gibt weniger Transferrin. Dafür kommen sehr verschiedene Ursachen infrage:

  • Entzündungen und Infektionen. Unter dem Einfluss von Interleukin-6 steigt Hepcidin, Eisen wird in den Speicherzellen festgehalten und die Transferrinbildung heruntergefahren – die TEBK sinkt, das Ferritin steigt als Akute-Phase-Protein. Keine Eisenüberladung, sondern eine Verteilungsstörung.35 Prüfen Sie dann die Entzündungswerte, also CRP und BSG.
  • Lebererkrankungen. Transferrin entsteht in der Leber; ist deren Syntheseleistung eingeschränkt, sinken Transferrin und TEBK – ein Blick auf die Leberwerte gehört dazu.3
  • Eiweißmangel und Eiweißverluste – Mangelernährung, schwere Erkrankungen, Verluste über die Nieren. Hier lohnt der Vergleich mit Gesamteiweiß und Albumin.
  • Eisenüberladung, etwa die erbliche Hämochromatose: Viel Eisen, gedrosselte Transferrinbildung – TEBK niedrig, Sättigung hoch, Ferritin hoch. Eine Sättigung über 45 % bei Frauen und über 50 % bei Männern ist laut Deutschem Ärzteblatt Anlass für eine genetische Abklärung (HFE-Gen).311

Die Kombination entscheidet

TEBKSättigungFerritinWahrscheinlichste Deutung
hochniedrig (< 20 %)niedrigEchter Eisenmangel, Speicher leer
niedrig/normalniedrignormal oder hochEntzündung, Eisen ist umverteilt
niedrighoch (> 45 %)hochVerdacht auf Eisenüberladung
normalnormal (16–45 %)normalAusgeglichener Eisenhaushalt

Erst diese Zusammenschau – mit Hämoglobin, MCV und MCH/MCHC aus dem großen Blutbild – trennt Mangel, Entzündung und Überladung. Die Onkopedia-Leitlinie empfiehlt als schlankes Basispaket Ferritin, MCV und CRP.5

Wann sollten Sie das ärztlich klären lassen?

Nicht die einzelne Zahl entscheidet, sondern das Muster und Ihre Beschwerden. Ein leicht erhöhter Wert mit niedrigem Ferritin bei einer menstruierenden Frau ist meist ein gewöhnlicher, gut behebbarer Eisenmangel. Ein dauerhaft niedriger Wert mit hoher Sättigung und hohem Ferritin gehört dagegen abgeklärt – in Ruhe, nicht in Panik. Eine Sättigung ≤ 15 % gilt nach der DGHO-Leitlinie als Hinweis auf eine eisendefizitäre Blutbildung.5

Was den Wert beeinflusst

Nach oben: Eisenmangel, Schwangerschaft, östrogenhaltige Präparate. Nach unten: akute und chronische Entzündungen, Infektionen, Lebererkrankungen, Mangelernährung, Eiweißverluste, Eisenüberladung.31 Die daraus berechnete Sättigung hängt zusätzlich von Tageszeit, Nüchternstatus und einer kurz zuvor eingenommenen Eisentablette ab.15 Erwähnen Sie deshalb Nahrungsergänzungsmittel, Verhütungsmittel, Schwangerschaft und akute Infekte.

Neues aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Publikationen:

  • Die Definition des Eisenmangels läuft weiter über die Kapazität. Eine Übersichtsarbeit im JAMA von 2025 definiert den Eisenmangel über ein niedriges Ferritin (typischerweise unter 30 ng/ml) oder eine Transferrinsättigung – ausdrücklich berechnet als „Eisen/totale Eisenbindungskapazität × 100" – unter 20 %. Die Kapazität bleibt also im Nenner der wichtigsten Kennzahl.8
  • Transferrin statt TEBK – die messtechnische Begründung. Die Analyse in Clinical Chemistry and Laboratory Medicine zeigt, warum: TEBK-Verfahren überschätzen die Bindungskapazität, weil Eisen auch an Albumin bindet, und allgemeingültige Referenzwerte fehlen. Nur bei stark ausgeprägten genetischen Transferrinvarianten kann die TEBK im Vorteil sein.7
  • Warum morgens gemessen wird. Eine Arbeit im American Journal of Hematology von 2024 zeigte im Mausmodell, dass die Tagesschwankung von Serumeisen und Transferrinsättigung tatsächlich von der inneren Uhr gesteuert wird: Sie blieb in völliger Dunkelheit bestehen und verschwand, wenn die zirkadiane Maschinerie ausgeschaltet wurde. Das stützt die Empfehlung zur morgendlichen Nüchternentnahme.12
  • Bei erhöhtem Ferritin bleibt die Sättigung die Weiche. Eine Übersicht in Hepatology Communications beschreibt den Weg bei Verdacht auf Eisenüberladung: erhöhtes Ferritin plus erhöhte Transferrinsättigung führen zur HFE-Gentestung auf C282Y und H63D, gegebenenfalls ergänzt durch eine MRT-Messung des Lebereisens.11

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lassen Sie Ihre Eisenbindungskapazität einordnen

Allein gelesen sagt die Eisenbindungskapazität wenig. Ihre Bedeutung ergibt sich erst aus dem Ferritin, dem Eisen im Blut, der Transferrinsättigung, Ihrem Entzündungsstatus und dem großen Blutbild – also aus dem gesamten Bild der Eisenwerte.

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Häufige Fragen

Was ist die Eisenbindungskapazität, und was heißt TEBK? TEBK steht für totale Eisenbindungskapazität (englisch TIBC): die Eisenmenge, die das Transferrin in Ihrem Blut maximal binden könnte. Die freie oder latente Eisenbindungskapazität – auf manchen Befunden UIBC – zählt nur die noch unbesetzten Plätze, also TEBK minus Serumeisen.1

Wie hoch ist der Normwert der Eisenbindungskapazität? Orientierend 43,7 – 91,4 µmol/l (244 – 510 µg/dl) bei Männern und 45,2 – 95,9 µmol/l (252 – 535 µg/dl) bei Frauen im Alter von 14 bis 60 Jahren. Die Grenzen sind labor- und methodenabhängig; für die TEBK existieren keine international abgestimmten Referenzwerte.27

Was bedeutet eine zu hohe Eisenbindungskapazität? Meist einen Eisenmangel: Der Körper bildet mehr Transferrin, um das knappe Eisen einzusammeln. Dann sind Ferritin und Sättigung niedrig. Auch Schwangerschaft und östrogenhaltige Präparate heben den Wert – ohne Krankheitswert.91

Was bedeutet eine zu niedrige Eisenbindungskapazität? Weniger Transferrin – durch Entzündung, Lebererkrankung, Eiweißmangel oder Eisenüberladung. Welche Ursache es ist, klärt erst die Zusammenschau mit Ferritin, Sättigung und CRP.311

Wie rechne ich µg/dl in µmol/l um? µg/dl × 0,1791 = µmol/l, umgekehrt µmol/l × 5,585 = µg/dl.1 300 µg/dl entsprechen also rund 54 µmol/l.

Was ist der Unterschied zwischen Eisenbindungskapazität und Transferrin? Zwei Ausdrucksformen derselben Größe: Transferrin wird direkt gemessen (g/l oder mg/dl), die TEBK gibt an, wie viel Eisen es binden könnte. Rechnerisch: 1 g Transferrin bindet 1,4 mg Eisen.1

Warum steht auf meinem Befund keine Eisenbindungskapazität? Weil die meisten deutschen Labore stattdessen Transferrin und die Transferrinsättigung ausweisen. Die maßgeblichen deutschen Leitlinien und Übersichtsarbeiten führen die Eisenbindungskapazität in ihren Parameterlisten nicht mehr auf – Ihnen fehlt also nichts.537

Muss ich für die Untersuchung nüchtern sein? Vorzugsweise ja, und morgens: Der gleichzeitig bestimmte Eisenwert steigt nach dem Essen an, wodurch die Sättigung zu hoch berechnet wird. Nehmen Sie Ihr Eisenpräparat nicht kurz vor der Blutentnahme ein.1

Das Wichtigste zum Schluss

Die Eisenbindungskapazität zählt die Transportplätze für Eisen, nicht das Eisen selbst – daher ihr scheinbar verkehrtes Verhalten: hoch bei Mangel, niedrig bei Entzündung, Leberschaden, Eiweißmangel oder Überladung. Merken Sie sich die Umrechnung (µg/dl × 0,1791 = µmol/l) und den Weg zur Sättigung (Eisen ÷ TEBK × 100, Referenzbereich 16–45 %). Und die ehrliche Einordnung: In Deutschland ist dieser Parameter zugunsten von Transferrin und Transferrinsättigung weitgehend aus den Leitlinien verschwunden – nicht weil er falsch wäre, sondern weil die direkte Messung besser standardisiert ist. Gelesen wird er ohnehin nie allein, sondern mit Ferritin, den Entzündungswerten, den Erythrozyten und den Retikulozyten. Beim Einordnen hilft AI DiagMe – ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Standardwerke der Labormedizin, Labore und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Thomas L. Labor und Diagnose, Kapitel 7 „Eisenstoffwechsel" (Online-Ausgabe); Tab. 7.2-1 (Referenzbereich Eisen, Umrechnung µg/dl × 0,1791 = µmol/l), Abschnitt 7.5 Transferrinsättigung (1 g Transferrin bindet 1,4 mg bzw. 25,1 µmol Eisen), Tab. 7.5-1 (Berechnungsformeln) und Tab. 7.5-2 (Referenzbereich 16–45 %). labor-und-diagnose.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

  2. IMD Labor Berlin-Potsdam – Referenzbereiche Standort Potsdam; Einträge „Totale Eisenbindungskapazität (TEBK)", „Transferrin" und „Transferrinsättigung" mit SI- und konventionellen Einheiten. imd-berlin.de 2 3 4

  3. Gattermann N, Muckenthaler MU, Kulozik AE, Metzgeroth G, Hastka J. Abklärung von Eisenmangel und Eisenüberladung (The Evaluation of Iron Deficiency and Iron Overload). Dtsch Arztebl Int, 2021; 118(49): 847–856; Tabelle 1 „Laborparameter zur Abklärung eines Eisenmangels" und Abschnitt „Transferrin-Sättigung (TSAT)". PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  4. IQWiG – gesundheitsinformation.de, Laborwert Transferrin-Sättigung (Berechnung aus Eisen- und Transferrinwert, Referenzbereich 16–45 % bei Erwachsenen, Blutentnahme möglichst nüchtern), aktualisiert am 20.03.2025. gesundheitsinformation.de 2

  5. DGHO – Onkopedia-Leitlinie Eisenmangel und Eisenmangelanämie (Hastka J, Metzgeroth G, Gattermann N), Stand April 2025; Kapitel 3.5 Parameter des Eisenstoffwechsels (3.5.5 Serumeisen, 3.5.7 Transferrinsättigung: 16–45 %, Grenzwert ≤ 15 %) und 3.6.1 Wahl des Laborparameters (Ferritin, MCV, CRP). onkopedia.com 2 3 4 5 6 7 8 9

  6. AWMF – S1-Leitlinie 025/021 Eisenmangelanämie (Behnisch W, Muckenthaler M, Kulozik A), federführend Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, Stand November 2021; Abschnitt 5 Diagnostik (Ferritin, löslicher Transferrinrezeptor, Retikulozytenhämoglobin, Transferrinsättigung). register.awmf.org

  7. Kasvosve I, Delanghe J. Total iron binding capacity and transferrin concentration in the assessment of iron status. Clin Chem Lab Med, 2002. PubMed · DOI 2 3 4

  8. Auerbach M, DeLoughery TG, Tirnauer JS. Iron Deficiency in Adults: A Review. JAMA, 2025. PubMed · DOI 2 3 4

  9. Pasricha SR, Tye-Din J, Muckenthaler MU, Swinkels DW. Iron deficiency. Lancet, 2021. PubMed · DOI 2 3 4

  10. MVZ Labor Ravensburg (Labor Gärtner) – Laborrechner Berechnung der Transferrinsättigung: Faktoren 70,9 (Eisen in µg/dl) bzw. 398 (Eisen in µmol/l), Herleitung über Molekulargewicht 79.500 Da und zwei Eisenbindungsstellen. labor-gaertner.de

  11. Hsu CC, Senussi NH, Fertrin KY, Kowdley KV. Iron overload disorders. Hepatol Commun, 2022. PubMed · DOI 2 3

  12. Bennett C, Pettikiriarachchi A, McLean ARD, Harding R, Blewitt ME, Seillet C, Pasricha SR. Serum iron and transferrin saturation variation are circadian regulated and linked to the harmonic circadian oscillations of erythropoiesis and hepatic Tfrc expression in mice. Am J Hematol, 2024. PubMed · DOI

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