Inhalt

Anti-D-Prophylaxe: Rhesus negativ in der Schwangerschaft

Seit dem G-BA-Beschluss vom 20. August 2020 klärt ein Bluttest den Rhesusfaktor des Kindes vorab – Anti-D wird nur noch bei RhD-positivem Fetus gegeben.

Veröffentlicht am 16. August 202612 Min. LesezeitVerfasst vom Blood Analysis Team · Geprüft und freigegeben von Julien Priour

Im Mutterpass steht „Rh negativ" – und plötzlich klingt die Schwangerschaft nach Risiko. Sie ist es nicht. Die Anti-D-Prophylaxe ist eine der am besten geregelten Routinen der deutschen Schwangerenvorsorge, und seit wenigen Jahren ist sie zusätzlich zielgenauer geworden: Ein Bluttest bei der Mutter bestimmt heute den Rhesusfaktor des Kindes schon vor der Geburt, sodass die Spritze nur noch bekommt, wer sie wirklich braucht. Diese Seite erklärt, was dahintersteckt, wann welcher Termin ansteht – und was die Prophylaxe nicht leisten kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 17 % der Mädchen und Frauen in Deutschland sind RhD-negativ; etwa 60 % von ihnen tragen einen RhD-positiven Feten aus.1
  • Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 20. August 2020 beschlossen, die nichtinvasive Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors (NIPT-RhD) in die Mutterschafts-Richtlinie aufzunehmen; der Beschluss trat am 24. November 2020 in Kraft.1
  • Damit lassen sich rund 40 % der bis dahin unnötigen vorgeburtlichen Anti-D-Gaben vermeiden.1
  • Die präpartale Prophylaxe ist in der 27+0 bis 29+6 SSW vorgesehen, die postpartale innerhalb von 72 Stunden, wenn das Kind RhD-positiv ist.2
  • ⚠️ Anti-D ist Vorbeugung, keine Behandlung: Sind bereits Anti-D-Antikörper gebildet, ist die Prophylaxe laut Mutterschafts-Richtlinie „nicht notwendig" – dann greift ein anderes Vorgehen.2
  • Nach einer Fehlgeburt, einem Schwangerschaftsabbruch, einer Eileiterschwangerschaft und nach jedem Eingriff mit möglichem Blutübertritt gilt dieselbe 72-Stunden-Regel.3

Wie eine Rhesus-Unverträglichkeit überhaupt entsteht

Der Rhesusfaktor D ist ein Eiweiß auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Wer es besitzt, ist „RhD-positiv"; wer es nicht besitzt, ist „RhD-negativ". In Europa betrifft das etwa 15 % der Bevölkerung.4 Welche Kombinationen im Alltag vorkommen, zeigt unsere Blutgruppen-Tabelle; wie das Merkmal weitergegeben wird, erklärt die Seite zur Vererbung der Blutgruppe.

Der mütterliche und der kindliche Kreislauf sind gut getrennt – aber nicht vollständig. Bei Blutungen, bei Eingriffen und vor allem während der Geburt können kindliche Erythrozyten in den Kreislauf der Mutter übertreten. Ist die Mutter RhD-negativ und das Kind RhD-positiv, erkennt ihr Immunsystem das D-Antigen als fremd und bildet Anti-D-Antikörper. Diesen Vorgang nennt man Sensibilisierung.

Und hier liegt der entscheidende Punkt, der so viele Menschen überrascht: Die erste Schwangerschaft verläuft in der Regel unauffällig. Die Antikörper entstehen meist erst so spät, dass sie dem Kind nicht mehr schaden. Manifest wird die Sensibilisierung typischerweise in einer Folgeschwangerschaft mit einem erneut RhD-positiven Kind: Mütterliche Antikörper gelangen über die Plazenta in den fetalen Kreislauf und bauen dort rote Blutkörperchen ab.1

Das Krankheitsbild heißt Morbus haemolyticus neonatorum (beziehungsweise fetalis). Der G-BA beziffert es so: In 25 bis 35 % der Fälle einer RhD-Unverträglichkeit kommt es bei der Geburt zu einer Blutarmut des Neugeborenen mit erhöhtem Bilirubin; weitere 20 bis 25 % der Feten entwickeln bereits im Mutterleib eine hämolytische Anämie, die zu einem Hydrops fetalis führen kann.1 Im Labor zeigt sich der Abbau am sinkenden Hämoglobin, am verbrauchten Haptoglobin und an steigenden Retikulozyten – Werte, die auch im großen Blutbild auffallen. Genau das soll die Prophylaxe verhindern, bevor es beginnt.

Der deutsche Fahrplan: was wann untersucht wird

Alle Termine stehen in der Mutterschafts-Richtlinie des G-BA – der Fassung vom 21. September 2023, zuletzt geändert am 28. September 2023 und in Kraft seit dem 19. Dezember 2023.2

ZeitpunktWas geschiehtFundstelle
So früh wie möglichBestimmung von Blutgruppe und Rh-Faktor D der Mutter, mit mindestens zwei Testreagenzien§ 4 Abs. 1 Nr. 3
So früh wie möglichAntikörper-Suchtest im indirekten Antiglobulintest gegen zwei Testblutmuster mit den Antigenen D, C, c, E, e, Kell, Fy und S§ 4 Abs. 1 Nr. 4
Ab 11+0 SSWAngebot des NIPT-RhD bei RhD-negativen Frauen mit Einlingsschwangerschaft§ 4 Abs. 3
23+0 bis 26+6 SSWZweiter Antikörper-Suchtest – bei allen Schwangeren, RhD-positiv wie RhD-negativ§ 4 Abs. 3a
27+0 bis 29+6 SSWPräpartale Anti-D-Prophylaxe, wenn keine Anti-D-Antikörper nachweisbar sind§ 4 Abs. 3a
Unmittelbar nach der GeburtBestimmung des RhD-Merkmals des Kindes, vorzugsweise aus Nabelschnurblut§ 5 Abs. 1
Innerhalb von 72 StundenPostpartale Anti-D-Gabe, wenn das Kind RhD-positiv ist§ 5 Abs. 1

Der Antikörpersuchtest – im Alltag oft „indirekter Coombstest" genannt – ist dabei der Wächter des ganzen Systems: Er beantwortet die Frage, ob eine Sensibilisierung schon stattgefunden hat. Dass er in der 23+0 bis 26+6 SSW bei allen Schwangeren wiederholt wird, hat einen Grund: Auch Antikörper gegen andere Blutgruppen-Merkmale – etwa Anti-c, Anti-E oder Anti-K – können einen Morbus haemolyticus auslösen.3

Das Datum der präpartalen Prophylaxe wird im Mutterpass vermerkt.2 Bewahren Sie ihn deshalb griffbereit auf: Er ist bei einem Wechsel der Praxis oder der Klinik der einzige Beleg dafür, dass die Gabe erfolgt ist.

Die deutsche Besonderheit: Anti-D nur noch bei RhD-positivem Kind

Bis 2020 galt in Deutschland eine ungezielte Prophylaxe: Jede nicht immunisierte RhD-negative Schwangere erhielt die vorgeburtliche Spritze, ohne dass jemand den Rhesusfaktor des Kindes kannte. Da rund 40 % dieser Kinder selbst RhD-negativ sind, war jede dieser Gaben medizinisch wirkungslos.4

Das hat der G-BA geändert. In seinem Beschluss vom 20. August 2020 – veröffentlicht im Bundesanzeiger (BAnz AT 23.11.2020 B3) und in Kraft getreten am 24. November 2020 – nahm er die nichtinvasive Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors in die Mutterschafts-Richtlinie auf.1 Abgerechnet werden kann sie seit dem 1. Juli 2021: Der EBM führt sie als Gebührenordnungsposition 01869 („Pränatale Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors D durch Untersuchung des RHD-Gens an fetaler DNA aus mütterlichem Blut … mit einer Einlingsschwangerschaft"), die vorgeschriebene genetische Beratung als 01788.5

Das Verfahren ist einfach: Im Blut der Schwangeren zirkuliert zellfreie DNA des Kindes. Daraus lässt sich ab der 11+0 SSW ablesen, ob das RHD-Gen vorhanden ist.2 Die Testgüte ist hoch – eine Metaanalyse des IQWiG mit rund 60 000 Teilnehmerinnen ergab eine Sensitivität von 99,9 % und eine Spezifität von 99,2 % und stufte den Test als gleichwertig zur serologischen Bestimmung aus dem Nabelschnurblut ein.67 Die Richtlinie verlangt entsprechend, dass nur Verfahren mit mindestens 99 % Sensitivität und 98 % Spezifität verwendet werden.2

Drei Einschränkungen gehören zur Wahrheit dazu, und sie werden in Ratgebertexten oft weggelassen:

  • Es ist ein Angebot, keine Pflicht. Die Richtlinie formuliert, der Test „soll angeboten werden". Weil es sich um eine Untersuchung am Erbgut des Kindes handelt, gelten das Gendiagnostikgesetz (GenDG), eine qualifizierte Beratung und Ihre schriftliche Einwilligung.24
  • Ohne Ergebnis bleibt es beim alten Weg. Liegt bis 29+6 SSW kein NIPT-RhD-Ergebnis vor, „soll die ungezielte Anti-D-Prophylaxe durchgeführt werden".2
  • Nur Einlinge. Bei Mehrlingen ist die Bestimmung keine Kassenleistung, weil die Datenlage 2020 zu dünn war.1 Eine deutsche Auswertung aus Göttingen fand allerdings unter 203 Mehrlingsschwangerschaften kein einziges falsches Ergebnis – ein Hinweis darauf, dass diese Grenze eher der Studienlage als der Testtechnik geschuldet ist.8

Und selbst bei RhD-negativem Testergebnis wird der Rhesusfaktor des Kindes nach der Geburt trotzdem bestimmt – als Sicherheitsnetz für den seltenen Fall eines falsch negativen Befundes.4

Zählt der Rhesusfaktor des Vaters noch?

Für die Routineentscheidung: nein. Früher war der Rhesusstatus des Partners der einzige indirekte Anhaltspunkt dafür, ob das Kind RhD-positiv sein könnte. Der NIPT-RhD misst heute direkt am Kind und macht diesen Umweg überflüssig.

Es gibt aber eine Ausnahme, und sie steht in der Richtlinie selbst: Werden im Antikörper-Suchtest irreguläre Antikörper nachgewiesen, müssen „gegebenenfalls auch das Blut des Kindesvaters und die Bestimmung weiterer Blutgruppen-Antigene der Mutter in die Untersuchung einbezogen werden".2 Für Merkmale wie Kell, c oder E gibt es keine flächendeckende nichtinvasive Bestimmung; hier ist die Genotypisierung des Vaters weiterhin der erste Schritt, um abzuschätzen, ob das Kind das betreffende Antigen überhaupt tragen kann.9 Kurz: Für die Anti-D-Frage ist der Vater aus dem Schema verschwunden – für die selteneren Antikörper nicht.

Andere Anlässe für eine Anti-D-Gabe

Die Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer benennt die Situationen klar. RhD-negative Frauen müssen „nach jeder Geburt eines RhD-positiven Kindes, nach Fehlgeburten, extrauteriner Gravidität, Schwangerschaftsabbruch und jedem anderen Eingriff, der zu einer Einschwemmung von Erythrozyten des Feten in den Kreislauf der Mutter führen kann", innerhalb von 72 Stunden Anti-D-Immunglobulin erhalten.3 Die Mutterschafts-Richtlinie regelt Fehlgeburt und Schwangerschaftsabbruch zusätzlich eigens.2

Zu den „anderen Eingriffen und Ereignissen" zählen in der geburtshilflichen Praxis unter anderem:9

  • Blutungen in der Schwangerschaft und vorzeitige Wehen;
  • Amniozentese, Chorionzottenbiopsie, Chordozentese und Eingriffe an Fetus oder Plazenta;
  • Traumata aller Art, etwa nach einem Sturz oder einem Verkehrsunfall;
  • äußere Wendung aus Beckenendlage oder Querlage;
  • Anlage einer Cerclage sowie intrauteriner Fruchttod.

Zwei praktische Hinweise dazu. Erstens: Melden Sie sich früh. Die 72 Stunden laufen ab dem Ereignis. Zweitens – und das nimmt viel Druck heraus: „Auch nach Ablauf von 72 Stunden soll auf eine Anti-D-Gabe nicht verzichtet werden."3 Ein verpasster Termin ist also kein verlorener Fall.

Eine internationale Debatte, die in Deutschland (noch) nichts ändert. Eine systematische Übersicht von 2026 hält fest, dass Leitlinien seit 2022 – darunter die der WHO – von einer Anti-D-Gabe bei Schwangerschaftsabbrüchen im ersten Trimenon abraten, während ältere Leitlinien sie empfehlen; die Evidenz für diesen sehr frühen Zeitpunkt sei dünn.10 Maßgeblich für Sie ist der deutsche Rahmen, und der sieht die Gabe weiterhin vor.3

Was die Prophylaxe nicht ist – und was dann gilt

Anti-D-Immunglobulin fängt übergetretene kindliche Blutkörperchen ab, bevor das Immunsystem der Mutter reagiert. Es ist damit ausschließlich Vorbeugung. Sind bereits Anti-D-Antikörper vorhanden, ist die Prophylaxe – so wörtlich die Mutterschafts-Richtlinie – „nicht notwendig".2 Das klingt hart, meint aber schlicht: Sie würde nichts mehr bewirken.

Falls Ihr Antikörper-Suchtest positiv ausfällt, ist das kein Grund zur Panik, aber ein Grund für Spezialisten. Die Richtlinie sieht vor, dass aus derselben Blutprobe Spezifität und Titerhöhe bestimmt werden.2 Danach übernimmt in der Regel ein Perinatalzentrum: regelmäßige Titerkontrollen, und ab einem kritischen Titer die dopplersonographische Messung der Flussgeschwindigkeit in der Arteria cerebri media (MCA-PSV) – die empfindlichste nichtinvasive Methode, um eine fetale Blutarmut früh zu erkennen.9 Ein internationaler Delphi-Konsens von 107 Fachleuten aus 25 Ländern bestätigte 2025 dieses Vorgehen und empfahl, dass Austauschtransfusionen in erfahrenen Zentren gebündelt werden.11 Bei schwerer Anämie ist eine intrauterine Transfusion möglich – ein Eingriff mit Risiken, aber häufig lebensrettend.12 Wichtig zu wissen: Diese Situation ist selten. Eine systematische Übersicht schätzt die Prävalenz des RhD-bedingten Morbus haemolyticus auf 0,047 % der Schwangerschaften.12

Ist die Spritze sicher?

Anti-D-Immunglobulin wird aus menschlichem Spenderplasma gewonnen. Der G-BA formuliert das Restrisiko nüchtern: „Das Übertragungsrisiko für Infektionen ist sehr gering, aber nicht vollständig ausgeschlossen."4 Dahinter steht eine doppelte Kontrolle – die Auswahl und Testung der Spenden, wie sie unsere Seite zur Blutspende beschreibt, und die staatliche Chargenprüfung: Nach § 32 Arzneimittelgesetz muss das Paul-Ehrlich-Institut jede einzelne Charge solcher Arzneimittel vor dem Inverkehrbringen in Deutschland freigeben.13 Dieselben Sicherheitsvorschriften gelten für jede Bluttransfusion und für die Frage, welche Blutgruppe als Universalspender gilt. Genau deshalb ist es ein echter Gewinn, wenn der NIPT-RhD 40 % dieser Gaben von vornherein einspart.1

Lassen Sie Ihre Schwangerschaftswerte von AI DiagMe einordnen

Blutgruppe, Rhesusfaktor und Antikörper-Suchtest stehen nie allein: Im Mutterpass landen sie neben Beta-hCG, Blutbild und den Serologien auf Röteln, Hepatitis B, Syphilis und – bei begründetem Verdacht – Toxoplasmose.

👉 AI DiagMe erklärt Ihre Befunde – aus Blut, Urin oder Stuhl – verständlich und im Zusammenhang. Ein informierendes Angebot, das keine Diagnose stellt und die Betreuung durch Praxis und Klinik ergänzt.

Aktuelle Forschung

Aus aktuellen, auf PubMed indexierten Arbeiten:

  • Die gezielte Prophylaxe wirkt messbar. Dänemark stellte bereits 2010 als erstes Land landesweit auf die zielgerichtete vorgeburtliche Prophylaxe um. Eine Registerauswertung aller RhD-negativen Frauen mit Geburt zwischen 2004 und 2020 zeigt: Die Rate neuer D-Immunisierungen sank von 0,46 % auf 0,22 % – mehr als eine Halbierung.14
  • Der Test ist auch früh zuverlässig. Eine Auswertung der Universitätsmedizin Göttingen an 2 968 Schwangerschaften ergab eine Sensitivität von 99,93 % und eine Spezifität von 99,61 %, bei auswertbaren Ergebnissen in 97,3 % der Fälle und einem Median von 12+6 Schwangerschaftswochen.8
  • Wo noch Lücken bleiben. Dieselbe dänische Auswertung fand, dass ein Teil der verbliebenen Immunisierungen vor dem Zeitpunkt der vorgeburtlichen Gabe entsteht – ein Argument für die Diskussion um eine frühere zusätzliche Dosis.14

Diese Erkenntnisse betreffen Vorsorge und Forschung. Sie ersetzen die Beurteilung durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt nicht.

Häufige Fragen

Ich bin Rhesus negativ – ist meine Schwangerschaft jetzt eine Risikoschwangerschaft? Nein. RhD-negativ zu sein ist eine Blutgruppeneigenschaft, keine Erkrankung. Sie bedeutet lediglich, dass die Vorsorge zwei zusätzliche Bausteine enthält: den zweiten Antikörper-Suchtest und, je nach Rhesusfaktor des Kindes, die Anti-D-Gabe.2

Bekomme ich die Spritze automatisch? Nicht mehr. Seit dem G-BA-Beschluss vom 20. August 2020 wird Ihnen zuerst der NIPT-RhD angeboten. Ist das Kind RhD-negativ, entfällt die vorgeburtliche Prophylaxe. Liegt bis 29+6 SSW kein Ergebnis vor, wird die ungezielte Prophylaxe durchgeführt.12

Wann genau wird gespritzt? Vorgeburtlich in der 27+0 bis 29+6 SSW, nachgeburtlich innerhalb von 72 Stunden, wenn das Kind RhD-positiv ist.2

Warum war die erste Schwangerschaft problemlos und jetzt wird darüber gesprochen? Weil die Sensibilisierung meist erst rund um die Geburt entsteht. Sie wird typischerweise in einer Folgeschwangerschaft mit einem erneut RhD-positiven Kind wirksam – genau deshalb wird sie vorbeugend verhindert.1

Muss ich für die Blutabnahme nüchtern sein? Nein. Blutgruppe, Antikörper-Suchtest und NIPT-RhD sind von einer Mahlzeit unabhängig. Werden gleichzeitig andere Werte bestimmt, gilt deren Vorgabe für die gesamte Entnahme.

Der Vater ist Rhesus positiv – ändert das etwas? Für die Planung nicht mehr: Der NIPT-RhD misst direkt am Kind. Sein Blut wird erst wieder relevant, wenn bei Ihnen irreguläre Antikörper gefunden werden.29

Was passiert nach einer Fehlgeburt oder einer Eileiterschwangerschaft? Auch dann ist eine Anti-D-Gabe innerhalb von 72 Stunden vorgesehen. Wird der Zeitraum überschritten, soll die Gabe trotzdem erfolgen.32

Ist die AB0-Konstellation zwischen mir und dem Kind auch ein Problem? Eine AB0-Unverträglichkeit ist häufiger, verläuft aber deutlich milder: Vorgeburtlich tritt in der Regel keine stärkere Blutarmut auf, sodass Maßnahmen vor der Geburt meist nicht erforderlich sind. Beobachtet wird vor allem die Neugeborenengelbsucht.3

Zum Mitnehmen

Die Anti-D-Prophylaxe verhindert, dass eine RhD-negative Frau Antikörper gegen die roten Blutkörperchen ihres RhD-positiven Kindes bildet – und schützt damit vor allem die nächste Schwangerschaft. Deutschland gibt sie seit dem am 24. November 2020 in Kraft getretenen G-BA-Beschluss gezielt: Erst bestimmt ein Bluttest bei der Mutter den Rhesusfaktor des Kindes, dann wird entschieden.1 Die Termine – früher Antikörper-Suchtest, zweiter Test in der 23+0 bis 26+6 SSW, Prophylaxe in der 27+0 bis 29+6 SSW, Nachgabe binnen 72 Stunden – stehen fest in der Mutterschafts-Richtlinie, und Ihre Praxis führt Sie durch jeden einzelnen.2 Vertiefen können Sie das Thema mit unseren Seiten zu den Blutgruppen, zum Rhesusfaktor und zum Antikörpersuchtest. Den Zusammenhang zwischen Ihren einzelnen Werten stellt AI DiagMe her – ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Richtliniengeber und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Mutterschafts-Richtlinien: Nichtinvasive Pränataldiagnostik zur Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors, Beschlussdatum 20. August 2020, veröffentlicht als BAnz AT 23.11.2020 B3, in Kraft getreten am 24. November 2020, nebst Tragenden Gründen: 83 % der Mädchen und Frauen in Deutschland RhD-positiv und 17 % RhD-negativ, davon tragen ca. 60 % einen RhD-positiven Feten aus; Manifestation der Sensibilisierung in der Regel in einer Folgeschwangerschaft; Anämie des Neugeborenen mit Hyperbilirubinämie in 25 bis 35 % der Fälle von RhD-Inkompatibilität, weitere 20 bis 25 % der Feten mit intrauteriner hämolytischer Anämie bis hin zu Hydrops fetalis; Vermeidung von ca. 40 % unnötiger antepartaler Anti-D-Gaben durch die nichtinvasive Bestimmung des fetalen RHD-Status; Begrenzung auf Einlingsschwangerschaften wegen geringer Datenlage zu Mehrlingen; Schutzwirkung der präpartalen Prophylaxe in der Regel für 12 Wochen. g-ba.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  2. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt (Mutterschafts-Richtlinie/Mu-RL), Fassung vom 21. September 2023, zuletzt geändert am 28. September 2023, in Kraft getreten am 19. Dezember 2023: § 4 Abs. 1 Nr. 3 (Bestimmung von Blutgruppe und Rh-Faktor D der Mutter mit mindestens zwei Testreagenzien zu einem möglichst frühen Zeitpunkt); § 4 Abs. 1 Nr. 4 (Antikörper-Suchtest mittels indirektem Antiglobulintest gegen zwei Test-Blutmuster mit den Antigenen D, C, c, E, e, Kell, Fy und S; bei Antikörpernachweis Bestimmung von Spezifität und Titerhöhe sowie gegebenenfalls Einbeziehung des Blutes des Kindesvaters); § 4 Abs. 3 (Angebot des NIPT-RhD an jede RhD-negative Schwangere mit Einlingsschwangerschaft, frühestens ab 11+0 SSW, Geltung des GenDG, Versicherteninformation nach Anlage VII, Mindesttestgüte von 99 % Sensitivität und 98 % Spezifität, Dokumentation im Mutterpass); § 4 Abs. 3a (weiterer Antikörper-Suchtest bei allen Schwangeren in der 23+0 bis 26+6 SSW; präpartale Anti-D-Prophylaxe in der 27+0 bis 29+6 SSW bei fehlendem Anti-D-Nachweis; ungezielte Prophylaxe, wenn bis 29+6 SSW kein NIPT-RhD-Ergebnis vorliegt; keine Notwendigkeit einer Prophylaxe bei RHD-negativem Feten oder bereits entwickelten Antikörpern); § 5 Abs. 1 (Bestimmung des RhD-Merkmals bei jedem Kind einer RhD-negativen Mutter unmittelbar nach der Geburt unter Beachtung des direkten Coombstests, Anti-D-Gabe innerhalb von 72 Stunden post partum bei RhD-positivem Kind); § 5 Abs. 2 (Anti-D-Gabe innerhalb von 72 Stunden nach Fehlgeburt oder Schwangerschaftsabbruch). g-ba.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

  3. Bundesärztekammer – Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2017, Fassung 2023, Abschnitte zu Schwangerschaft, Morbus haemolyticus fetalis/neonatorum und Anti-D-Prophylaxe bei RhD-negativen Frauen: weiterer Antikörpersuchtest bei allen Schwangeren in der 23+0 bis 26+6 SSW; Angebot des NIPT-RhD ab 11+0 SSW bei Einlingsschwangerschaften; präpartale Prophylaxe in der 27+0 bis 29+6 SSW; ungezielte Prophylaxe, wenn bis 29+6 SSW kein NIPT-RhD-Ergebnis vorliegt; Entbehrlichkeit der Prophylaxe bei validiert RhD-negativem Feten oder bereits entwickelten Antikörpern; Anti-D-Gabe innerhalb von 72 Stunden nach jeder Geburt eines RhD-positiven Kindes, nach Fehlgeburten, extrauteriner Gravidität, Schwangerschaftsabbruch und jedem anderen Eingriff mit möglicher Einschwemmung fetaler Erythrozyten; ausdrückliche Feststellung, dass auch nach Ablauf von 72 Stunden auf eine Anti-D-Gabe nicht verzichtet werden soll; Hinweis, dass ein klinisch bedeutsamer Morbus haemolyticus auch durch Anti-c, Anti-E oder Anti-K ausgelöst werden kann und dass bei AB0-Unverträglichkeit pränatal in der Regel keine stärkere Anämie auftritt. bundesaerztekammer.de 2 3 4 5 6 7

  4. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Bestimmung des Rhesusfaktors für Frauen in der Schwangerschaft: Welchen Nutzen hat die Bestimmung des Rhesusfaktors vor der Geburt?, Versicherteninformation und Anlage VII der Mutterschafts-Richtlinie, Stand August 2020: RhD-Negativität bei etwa 15 % der Bevölkerung in Europa; 30 bis 40 % der RhD-negativen Schwangeren erwarten ein RhD-negatives Kind, weshalb ebenso viele bislang eine unnötige Anti-D-Prophylaxe erhielten; Gewinnung der Anti-D-Immunglobuline aus menschlichem Spenderblut mit sehr geringem, aber nicht vollständig ausgeschlossenem Übertragungsrisiko für Infektionen; fehlende Zuverlässigkeit des Tests bei Mehrlingsschwangerschaften; Bestimmung des Rhesusfaktors jedes Kindes einer RhD-negativen Mutter unmittelbar nach der Geburt, um bei einem seltenen falsch negativen Testergebnis die Prophylaxe sicherzustellen; Erfordernis von Beratung und schriftlicher Einwilligung nach den gesetzlichen Vorschriften. g-ba.de 2 3 4 5

  5. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 3/2026: Gebührenordnungsposition 01869 („Pränatale Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors D durch Untersuchung des RHD-Gens an fetaler DNA aus mütterlichem Blut von RhD-negativen Schwangeren mit einer Einlingsschwangerschaft im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge", nur einmal je Schwangerschaft berechnungsfähig, Anwendung eines validierten Verfahrens mit den in der Mutterschafts-Richtlinie festgelegten Testgütekriterien vorausgesetzt) sowie Gebührenordnungsposition 01788 („Beratung nach GenDG zum nicht-invasiven Pränataltest Rhesus D (NIPT-RhD) gemäß § 4 Abs. 3 und Anlage VII der Mutterschafts-Richtlinie", höchstens zweimal je Schwangerschaft berechnungsfähig). Beide Positionen wurden durch Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses nach § 87 Abs. 4 SGB V in seiner 73. Sitzung am 18. Mai 2021 „mit Wirkung zum 1. Juli 2021" in den EBM aufgenommen (Bekanntmachung im Deutschen Ärzteblatt). kbv.de · aerzteblatt.de

  6. Runkel B, Bein G, Sieben W, Sow D, Polus S, Fleer D (IQWiG). Targeted antenatal anti-D prophylaxis for RhD-negative pregnant women: a systematic review. BMC Pregnancy and Childbirth, 2020 – Metaanalyse von Daten zu rund 60 000 Teilnehmerinnen mit einer Sensitivität von 99,9 % (95-%-KI 99,5–100) und einer Spezifität von 99,2 % (95-%-KI 98,5–99,5) des NIPT für den fetalen RhD-Status; Schlussfolgerung, dass der Test der herkömmlichen serologischen Bestimmung aus dem Blut des Neugeborenen gleichwertig ist. PubMed · DOI

  7. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – Nichtinvasive Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors zur Vermeidung einer mütterlichen Rhesussensibilisierung: Abschlussbericht; Auftrag D16-01, Köln, 20. März 2018: Grundlage der Nutzenbewertung, auf die der G-BA seinen Beschluss und die Mindesttestgütekriterien stützt; Einstufung der pränatalen Bestimmung mittels NIPT-RhD und der postnatalen Bestimmung aus Nabelschnurblut oder Plazenta als gleichwertig. iqwig.de

  8. Legler TJ, Lührig S, Korschineck I, Schwartz D (Universitätsmedizin Göttingen). Diagnostic performance of the noninvasive prenatal FetoGnost RhD assay for the prediction of the fetal RhD blood group status. Archives of Gynecology and Obstetrics, 2021 – NIPT-RhD bei 2 968 Schwangeren zwischen 5+6 und 40+0 SSW (Median 12+6) mit auswertbaren Ergebnissen in 2 888 Fällen (97,30 %); Sensitivität 99,93 % (95-%-KI 99,61–99,99) und Spezifität 99,61 % (95-%-KI 98,86–99,87) gegenüber dem serologischen RhD-Status des Neugeborenen; kein falsch positives oder falsch negatives Ergebnis unter 203 Mehrlingsschwangerschaften. PubMed · DOI 2

  9. Kapfhammer E, Ochsenbein-Kölble N – Screening auf irreguläre mütterliche Blutgruppenantikörper und fetale Blutgruppenbestimmung, Die Gynäkologie 2023;56:85–92, über den Newsletter der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) verbreitet: Tabelle der Schwangerschaftsereignisse mit Indikation für eine Rhesusprophylaxe (Spontanabort, medikamentöse oder chirurgische Aborte und Abruptio, chirurgische Interventionen bei Blasenmole und ektoper Schwangerschaft, Amniozentese, Chorionzottenbiopsie, Chordozentese, Interventionen an Fetus oder Plazenta, Blutungen in der Schwangerschaft, vorzeitige Wehen, Traumata aller Art, Cerclage oder totaler Muttermundverschluss, äußere Wendung aus Beckenendlage oder Querlage, intrauteriner Fruchttod, Spontangeburt und Sectio caesarea); Senkung des RhD-Alloimmunisierungsrisikos von 13 auf 1 % durch die postpartale und weiter auf 0,2 bis 0,3 % durch die zusätzliche präpartale Prophylaxe; Vorgehen bei Nachweis irregulärer Antikörper mit Genotypisierung des Vaters, Titerkontrollen im Abstand von etwa vier Wochen und dopplersonographischer Messung der MCA-PSV als sensitivster nichtinvasiver Methode zur Erkennung einer fetalen Anämie; Zuweisung an ein Perinatalzentrum oder einen fetomaternalen Spezialisten. dggg.de 2 3 4

  10. Gemzell-Danielsson K, Cameron S, Bombas T, et al. Rhesus testing and anti-D prophylaxis in RhD-negative women undergoing first-trimester abortion – Systematic Review and Opinion. International Journal of Gynaecology and Obstetrics, 2026 – systematische Übersicht internationaler und nationaler Leitlinien; Feststellung, dass die Einführung der Anti-D-Prophylaxe die RhD-Alloimmunisierung und den Morbus haemolyticus in Europa um 85 % gesenkt hat, dass jedoch seit 2022 veröffentlichte Leitlinien einschließlich der WHO von einer Anti-D-Gabe beim Schwangerschaftsabbruch im ersten Trimenon abraten, während ältere Leitlinien sie empfehlen. PubMed · DOI

  11. Mustafa HJ, Sambatur EV, Shamshirsaz AA, et al. (HDFN Delphi Working Group). Monitoring and management of hemolytic disease of the fetus and newborn based on an international expert Delphi consensus. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2025 – Delphi-Verfahren mit 107 Fachleuten aus 25 Ländern und sechs Kontinenten; 75,3 % Zustimmung zur Verwendung zellfreier DNA für die Bestimmung des fetalen Antigenstatus, insbesondere für RhD, Kell und Rhc; kritischer Titer ab ≥ 16 für Nicht-Kell-Antigene als Auslöser der sonographischen Überwachung; 96,0 % Zustimmung zur Bündelung von Austauschtransfusionen in Kliniken mit ausreichender Erfahrung. PubMed · DOI

  12. de Winter DP, Kaminski A, Tjoa ML, Oepkes D. Hemolytic disease of the fetus and newborn: systematic literature review of the antenatal landscape. BMC Pregnancy and Childbirth, 2023 – systematische Übersicht von 60 eingeschlossenen Arbeiten; Prävalenz des RhD-bedingten Morbus haemolyticus von 0,047 % und des Kell-bedingten von 0,006 %; intrauterine Transfusion als häufigste vorgeburtliche Behandlung mit einem mittleren Gestationsalter bei Ersttransfusion zwischen 25 und 27 SSW und den damit verbundenen Eingriffsrisiken. PubMed · DOI 2

  13. Paul-Ehrlich-Institut (PEI) – Chargenprüfung Human: „Die staatliche Chargenprüfung von Allergenen, aus Blutplasma hergestellten Produkten, Immunglobulinen, Impfstoffen und Seren von Spendertieren ist eine wesentliche Aufgabe des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Gemäß § 32 des Arzneimittelgesetzes (AMG) muss das Paul-Ehrlich-Institut jede Charge (Produktionseinheit) dieser Arzneimittel vor dem Inverkehrbringen in Deutschland freigeben." pei.de

  14. Thorup E, Clausen FB, Brodersen T, et al. Evaluation of the clinical effect of a nationwide implementation of targeted routine antenatal anti-D prophylaxis in Denmark. Transfusion, 2025 – landesweite registerbasierte Kohorte aller RhD-negativen Frauen mit Geburt zwischen 2004 und 2020; Rückgang der Inzidenz neuer D-Immunisierungen von 0,46 % (95-%-KI 0,41–0,52) in der Kohorte vor Einführung auf 0,22 % (95-%-KI 0,19–0,25) danach (p < 0,001); Hinweis, dass 0,1 % der neuen Immunisierungen bereits vor dem Zeitpunkt der vorgeburtlichen Prophylaxe auftraten. PubMed · DOI 2

Medizinischer Hinweis. Dieser Ratgeber dient der Information und Aufklärung; er ist keine medizinische Beratung und ersetzt keinen Arztbesuch. Referenzwerte unterscheiden sich je nach Labor und Messverfahren: Nur Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihre Befunde in Ihrem persönlichen Zusammenhang beurteilen.