Ferritin-Wert: zu niedrig, zu hoch – was er wirklich sagt
Ferritin-Wert zu niedrig oder zu hoch? Normalwerte in µg/l, warum eine Entzündung den Wert falsch hoch treibt – und wann eine Hämochromatose infrage kommt.
Der Ferritin-Wert ist der Speicherwert des Eisens: Er zeigt, wie gut Ihr körpereigenes Eisenlager gefüllt ist. Ein Ferritin zu niedrig bedeutet fast immer Eisenmangel – oft lange bevor eine Blutarmut entsteht. Ein Ferritin zu hoch dagegen bedeutet nur selten das, was die meisten befürchten: Häufiger stecken eine Entzündung, die Leber, Alkohol oder ein metabolisches Syndrom dahinter als eine Eisenspeicherkrankheit. Und es gibt eine Falle: Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein – bei einer Entzündung steigt es an und kann einen echten Eisenmangel verdecken. Deshalb wird es zusammen mit dem CRP und der Transferrinsättigung gelesen. Ferritin ist der wichtigste Einzelparameter der Eisenwerte und ergänzt das große Blutbild.
Das Wichtigste in Kürze
- Ferritin ist das Speicherprotein des Eisens; die Serumkonzentration spiegelt „semiquantitativ … die Füllung der Eisenspeicher" wider.1
- Die WHO nennt für Gesunde 15–150 µg/l bei Frauen und 15–200 µg/l bei Männern; ein Wert unter 15 µg/l gilt als beweisend für einen Eisenmangel.2
- Die Untergrenze ist umstritten. Neuere Empfehlungen setzen sie geschlechtsunabhängig bei 30 µg/l an – bei Herzinsuffizienz sogar bei 100 µg/l, bei Dialyse bis 200 µg/l.23
- ⚠️ Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein. Bei Entzündungen, Infekten, Tumor- oder Lebererkrankungen ist es erhöht und „somit in diesen Situationen kein zuverlässiger Parameter für die Diagnostik eines Eisenmangels".12 Deshalb gehört das CRP dazu.
- Ein hohes Ferritin ist selten eine Hämochromatose: Ob eine Eisenüberladung vorliegt, entscheidet die Transferrinsättigung, nicht das Ferritin allein.3
- Für Ferritin müssen Sie nicht nüchtern sein.
- Eisenpräparate „sollten nicht rein vorsorglich verwendet werden, sondern nur nach ärztlich festgestelltem Mangel".45
Was ist Ferritin?
Eisen ist lebensnotwendig – es transportiert im Hämoglobin den Sauerstoff und arbeitet in zahlreichen Enzymen –, frei im Körper wäre es aber giftig. Der Organismus bindet überschüssiges Eisen deshalb an ein Hohlkugel-Protein namens Ferritin, vor allem in Leber, Milz und Knochenmark. Ein kleiner Teil davon zirkuliert im Blut und hängt mit dem Speicher zusammen: Eine einfache Blutabnahme zeigt also, wie voll das Eisenlager ist.1
Genau das macht den Ferritin-Wert so nützlich: Er ist der empfindlichste Marker des Eisenstoffwechsels, weil er den Mangel bereits im frühesten Stadium erfasst – „im Stadium I", also lange bevor Hämoglobin oder MCV absinken.2 Der Preis dieser Empfindlichkeit ist seine Doppelrolle: Ferritin ist zugleich ein Entzündungseiweiß. Dazu unten mehr – es ist der wichtigste Punkt dieser Seite.
Wozu wird der Ferritin-Wert bestimmt?
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bestimmt Ferritin, um
- eine Müdigkeit, Blässe, Haarausfall, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder ein Restless-Legs-Syndrom abzuklären – die Onkopedia-Leitlinie nennt diese Beschwerden ausdrücklich als mögliche Folgen eines Eisenmangels;2
- eine Eisenmangelanämie zu sichern und ihre Behandlung zu kontrollieren;
- Risikosituationen zu überwachen: starke Regelblutungen, Schwangerschaft, vegetarische oder vegane Ernährung, häufiges Blutspenden, chronische Darmerkrankungen;
- einem erhöhten Ferritin nachzugehen, das oft als Zufallsbefund auffällt.
Zur Einordnung: Eisenmangel ist „mit mindestens 50 % die häufigste Ursache einer Anämie"; die Prävalenz in Europa wird mit 5–10 % angegeben, bei Frauen im gebärfähigen Alter mit etwa 20 %.2
Muss man für den Ferritin-Wert nüchtern sein?
Nein. Ferritin schwankt im Tagesverlauf kaum, eine Blutabnahme ist zu jeder Tageszeit möglich. Anders das Serumeisen, das oft mitbestimmt wird: Es unterliegt einem ausgeprägten Tagesrhythmus und wird bevorzugt morgens abgenommen. Werden zusätzlich Nüchternglukose oder Blutfette bestimmt, gilt deren Nüchternregel für den gesamten Termin.
Ferritin-Normalwerte: Tabelle nach Geschlecht und Alter
Die folgenden Werte sind Orientierungswerte für Erwachsene. Maßgeblich ist immer der Referenzbereich, der auf Ihrem Befund gedruckt steht – er hängt vom Messverfahren des Labors ab.
| Quelle | Frauen | Männer | Einheit |
|---|---|---|---|
| WHO-Angabe (zitiert in der Onkopedia-Leitlinie)2 | 15 – 150 | 15 – 200 | µg/l |
| IQWiG (Erwachsene über 18 Jahre)6 | 9 – 140 | 18 – 360 | µg/l |
| Universitätsmedizin Rostock (17–61 J. / ab 20 J.)7 | 30 – 400 | 30 – 400 | µg/l |
| Universitätsmedizin Rostock (Frauen über 61 J.)7 | 13 – 300 | – | µg/l |
Zur Einheit: In Deutschland wird Ferritin in Mikrogramm pro Liter (µg/l) angegeben. Das ist zahlenwertgleich mit ng/ml – ein Befund über „ng/ml" muss also nicht umgerechnet werden.6
Schon dieser Vergleich zeigt das eigentliche Problem: Drei seriöse deutsche Quellen nennen drei unterschiedliche Untergrenzen (9, 15 und 30 µg/l) und drei unterschiedliche Obergrenzen (140, 150 und 400 µg/l). Das ist kein Fehler, sondern Ausdruck einer offenen Fachdebatte.
Warum die Grenzwerte umstritten sind: 15, 30 oder 100 µg/l?
Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO beschreibt den Stand nüchtern: Ein Wert unter 15 µg/l gilt als beweisend für einen Eisenmangel, doch „neuere Empfehlungen" fordern eine Anhebung der Untergrenze auf 30 µg/l, unabhängig vom Geschlecht.2 Bei bestimmten Erkrankungen liegen die Schwellen noch höher: Bei Herzinsuffizienz wird die Untergrenze mit 100 µg/l angesetzt, bei Dialysepatienten mit bis zu 200 µg/l – weil die Dauerentzündung das Ferritin anhebt, ohne dass mehr verwertbares Eisen vorhanden wäre.3
Wie folgenreich diese Wahl ist, hat eine Auswertung von über 255 000 Hausarztpatientinnen und -patienten gezeigt: Je nach Grenzwert (15, 30 oder 45 ng/ml) lag die Zahl neu diagnostizierter Eisenmangelfälle bei 10,9, 29,9 oder 48,3 pro 1 000 Patientenjahre – eine Vervierfachung allein durch die Definition.8 Und eine 2025 in The Lancet Global Health veröffentlichte Mehrländer-Analyse fand einen physiologisch hergeleiteten Schwellenwert von 24,8 µg/l bei Frauen, deutlich über den 15 µg/l der WHO-Leitlinie.9
Was heißt das für Sie? Ein Ferritin von 20 µg/l kann je nach Labor „normal" oder „zu niedrig" heißen – entschieden wird die Frage nicht am Ausdruck, sondern zusammen mit Ihren Beschwerden im Arztgespräch.
Ferritin zu niedrig: der Eisenmangel
Ein niedriges Ferritin ist der spezifischste Hinweis auf einen Eisenmangel, den die Labormedizin kennt. Die Entzündungsfalle wirkt dabei nur in eine Richtung: Sie hebt den Wert an, sie senkt ihn nicht. Ein niedriges Ferritin bedeutet deshalb schlicht, dass die Speicher leer sind.
Die Leitlinien unterscheiden Stufen: Beim latenten Eisenmangel ist nur das Speichereisen vermindert – „Ferritin vermindert; Hb, MCV und MCH normal".1 Erst später sinken Hämoglobin, MCV und MCH; die Erythrozyten werden klein und blass. Genau deshalb lohnt sich der Ferritin-Wert bei unklarer Müdigkeit, auch wenn das Blutbild noch unauffällig ist.
Die häufigsten Ursachen sind Blutverluste (starke Regelblutungen, okkulte Blutungen im Magen-Darm-Trakt), Resorptionsstörungen (Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Helicobacter-pylori-Besiedelung), erhöhter Bedarf (Schwangerschaft, Wachstum) und eine eisenarme Ernährung.1 Wichtig: Der Nachweis eines Eisenmangels „ist per se noch keine ausreichende Diagnose" – nach der Ursache muss gesucht werden.1 Bei Männern und Frauen nach den Wechseljahren steht dabei die Suche nach einer Blutungsquelle im Vordergrund.
Die zentrale Falle: Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein
Das ist der praktisch folgenreichste Punkt dieser Seite. Ferritin gehört zu den positiven Akute-Phase-Proteinen: Bei einer Entzündung steigt es an – genau wie das CRP – unabhängig davon, wie viel Eisen tatsächlich gespeichert ist.
Die S1-Leitlinie „Eisenmangelanämie" formuliert es unmissverständlich: Das Serumferritin kann „bei chronischen Leberkrankheiten oder systemischen Entzündungsreaktionen erhöht sein und ist somit in diesen Situationen kein zuverlässiger Parameter für die Diagnostik eines Eisenmangels".1 Die Onkopedia-Leitlinie ergänzt, dass Ferritin bei Menschen mit soliden und hämatologischen Neoplasien „als Screeningtest des Eisenstoffwechsels in der Regel unbrauchbar" ist.2
Praktisch heißt das: Ein grippaler Infekt, ein Rheumaschub, eine Fettleber oder ein Tumorleiden können das Ferritin so weit anheben, dass aus einem eindeutigen Mangel ein scheinbar normaler Befund wird. Deshalb wird empfohlen, das CRP zeitgleich mitzubestimmen.3 Dass das im Alltag oft unterbleibt, zeigt dieselbe Hausarztauswertung: Nur 49,6 % der Ferritin-Bestimmungen wurden zusammen mit einem CRP angefordert.8
Bleibt der Verdacht trotz normalem Ferritin bestehen, helfen Parameter, die von der Entzündung unabhängig sind: der lösliche Transferrinrezeptor (sTfR) und das Retikulozytenhämoglobin (Ret-Hb) – ein Wert unter 28 pg gilt als früher Marker eines funktionellen Eisenmangels.1 Auch die Retikulozyten gehören ins Bild.
Ferritin zu hoch: warum das meist keine Hämochromatose ist
Wer „Ferritin erhöht" liest, denkt an eine Eisenspeicherkrankheit. Statistisch ist das der seltenste Fall. Die häufigen Ursachen eines hohen Ferritins sind:
- Entzündungen und Infekte jeder Art – akut wie chronisch;12
- Lebererkrankungen, allen voran die Fettleber (MASLD); erhöhte Leberwerte wie GPT/ALT sind ein Hinweis darauf;
- Alkohol – hier lohnt der Blick auf die Gamma-GT;
- das metabolische Syndrom: In einer Untersuchung an 271 Menschen mit Typ-2-Diabetes und Fettleber lag bei 12,5 % eine „metabolische Hyperferritinämie" vor, verbunden mit einer rund 3,7-fach höheren Wahrscheinlichkeit einer fortgeschrittenen Leberfibrose;10 mitzulesen sind daher HbA1c und Triglyceride;
- Zellzerfall, etwa bei einer Hämolyse;
- deutlich seltener eine echte Eisenüberladung (hereditäre Hämochromatose, wiederholte Transfusionen);
- sehr selten genetische Sonderformen ohne Eisenüberladung, etwa das hereditäre Hyperferritinämie-Katarakt-Syndrom, bei dem Ferritin hoch, Eisen und Transferrinsättigung aber normal sind.11
Wann kommt eine Hämochromatose wirklich infrage? Nicht über das Ferritin, sondern über die Transferrinsättigung. Als Faustregel gilt: unter 20 % spricht für Eisenmangel, über 40 % für eine Eisenüberladung – und eine Transferrinsättigung über 45 % bei Frauen bzw. über 50 % bei Männern ist der Anlass für eine genetische Untersuchung.3 Zur Häufigkeit: Das Bundesinstitut für Risikobewertung beziffert den Anteil homozygoter Anlageträger in Deutschland auf 0,2–0,6 %, den heterozygoter Träger auf 8–12 % – wobei längst nicht jeder Anlageträger je erkrankt.5
Und die Frage, die viele umtreibt: Ist ein hohes Ferritin ein Krebszeichen? Nein. Ferritin ist kein Tumormarker. Es spiegelt Entzündung, Leber und Eisen – eine mäßige Erhöhung ist meist harmlos oder Ausdruck einer der oben genannten Ursachen. Nur eine sehr starke und unerklärte Erhöhung führt zu einer breiteren Abklärung, und auch dann steht am Anfang keine Panik, sondern eine geordnete Suche.
Eisenpräparate: was offizielle Stellen in Deutschland sagen
Der Markt für Eisenpräparate ist groß – die Empfehlungen der zuständigen Stellen sind klar und zurückhaltend. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6 mg Eisen pro Tagesverzehrempfehlung und einen Warnhinweis, „der besagt, dass Männer, postmenopausale Frauen und Schwangere Eisen nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen sollten". Diese Gruppen sollten Eisen „nur nach diagnostiziertem Eisenmangel und unter ärztlicher Kontrolle" supplementieren.5 Die Verbraucherzentrale formuliert es ähnlich: Eisenhaltige Präparate „sollten nicht rein vorsorglich verwendet werden, sondern nur nach ärztlich festgestelltem Mangel".4
Der Grund: Der Körper kann Eisen kaum aktiv ausscheiden – was zu viel aufgenommen wird, wird eingelagert. Dieser Ratgeber nennt bewusst keine Dosierungen; Präparat, Menge, Dauer und Verlaufskontrolle gehören in ärztliche Hand.
Was den Ferritin-Wert beeinflusst
Auf den Ferritin-Wert wirken: Entzündungen und Infekte, Lebererkrankungen, Alkohol, das Körpergewicht und der Zuckerstoffwechsel, Geschlecht und Alter, die Menstruation, eine Schwangerschaft, Blutspenden, intensiver Ausdauersport sowie jede laufende oder kürzlich beendete Eisentherapie. Nennen Sie diese Punkte beim Arztgespräch – sie verändern die Lesart des Befunds.
Aktuelles aus der Forschung
Nach aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:
- Der Grenzwert entscheidet über die Diagnose. Eine retrospektive Kohorte aus 255 351 Hausarztpatientinnen und -patienten zeigt, dass Grenzwerte von 30 und 45 ng/ml die Häufigkeit der Eisenmangeldiagnose gegenüber 15 ng/ml „substanziell" erhöhen – die Autoren fordern eine Harmonisierung der Kriterien.8
- Physiologisch statt per Expertenmeinung. Eine Analyse von Erhebungen aus zwölf Ländern leitete den Ferritin-Schwellenwert aus dem Punkt ab, ab dem das Hämoglobin zu sinken beginnt: 24,8 µg/l bei Frauen. Damit läge die Häufigkeit des Eisenmangels deutlich höher als nach den geltenden WHO-Kriterien.9
- Metabolische Hyperferritinämie ernst nehmen. Bei Typ-2-Diabetes mit Fettleber war ein erhöhtes Ferritin 2025 mit ausgeprägterer Steatose und Fibrose sowie einem höheren Risiko leberbezogener Ereignisse verbunden.10
- Ferritin bleibt ein indirekter Marker. Ein Cochrane-Review bestätigt den Nutzen des Serumferritins als Index für Eisenmangel und Eisenüberladung, betont aber die begrenzte Aussagekraft bei Entzündung.12 Nicht jede Hyperferritinämie bedeutet zudem eine Eisenüberladung: Bei den hereditären Hyperferritinämien sind Ferritin hoch und die Eisenparameter normal.11
Diese Ergebnisse betreffen die ärztliche Diagnostik und Verlaufskontrolle. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Lassen Sie Ihren Ferritin-Wert von AI DiagMe einordnen
Ein Ferritin-Wert wird nie allein gelesen: Seine Bedeutung ergibt sich erst aus dem CRP, der Transferrinsättigung, Ihren Leberwerten, dem Hämoglobin und Ihrem persönlichen Kontext.
👉 AI DiagMe erklärt Ihre Befunde – Blut, Urin oder Stuhl – in klarer Sprache und unter Berücksichtigung Ihres gesamten Kontexts. Ein informierender Dienst, der keine Diagnose stellt und die ärztliche Beurteilung ergänzt, nicht ersetzt.
Häufige Fragen
Was ist ein normaler Ferritin-Wert? Es gibt keinen einzigen gültigen Bereich. Die WHO-Angabe lautet 15–150 µg/l für Frauen und 15–200 µg/l für Männer,2 das IQWiG nennt 9–140 bzw. 18–360 µg/l,6 deutsche Universitätslabore teilweise 30–400 µg/l.7 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
Ab wann ist der Ferritin-Wert zu niedrig? Unter 15 µg/l gilt ein Eisenmangel als bewiesen; viele Fachleute setzen die Grenze inzwischen bei 30 µg/l an, unabhängig vom Geschlecht.2 Bei Herzinsuffizienz gelten 100 µg/l als Untergrenze.3
Kann das Ferritin normal sein, obwohl ich Eisenmangel habe? Ja – das ist die wichtigste Falle. Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein und steigt bei Entzündung, Infekt, Leber- oder Tumorerkrankung an; ein Mangel kann dadurch maskiert werden.1 Deshalb gehören CRP und gegebenenfalls der lösliche Transferrinrezeptor dazu.3
Ferritin zu hoch – muss ich mir Sorgen machen? Meist nicht. Häufigste Ursachen sind Entzündung, Fettleber, Alkohol und das metabolische Syndrom.10 Ob eine Eisenüberladung dahintersteckt, klärt die Transferrinsättigung: über 45 % (Frauen) bzw. 50 % (Männer) folgt eine genetische Abklärung.3
Bedeutet ein hoher Ferritin-Wert Krebs? Nein. Ferritin ist kein Tumormarker. Nur eine sehr starke, unerklärte Erhöhung führt zu einer breiteren Abklärung – und auch dann steht die Suche nach Entzündung, Leber und Eisenstatus am Anfang.
Muss ich für den Ferritin-Wert nüchtern sein? Nein. Das mitbestimmte Serumeisen schwankt allerdings über den Tag und wird bevorzugt morgens abgenommen. Werden gleichzeitig Blutzucker oder Blutfette gemessen, gilt deren Regel.
Soll ich bei niedrigem Ferritin einfach Eisen einnehmen? Nein, nicht auf Verdacht. Das BfR empfiehlt für Männer, Frauen nach den Wechseljahren und Schwangere eine Einnahme ausdrücklich nur „nach diagnostiziertem Eisenmangel und ärztlicher Rücksprache",5 die Verbraucherzentrale rät von rein vorsorglicher Einnahme ab.4 Wichtig ist außerdem, die Ursache des Mangels zu finden.1
Wie schnell steigt der Ferritin-Wert wieder? Deutlich langsamer als das Hämoglobin: Die Speicher füllen sich über Monate. Eine orale Eisentherapie wird deshalb in der Regel noch mindestens drei Monate nach Korrektur der Anämie fortgeführt – nach ärztlicher Vorgabe.2
Das Wichtigste zum Schluss
Der Ferritin-Wert misst Ihre Eisenreserve – aber er misst sie nur bei fehlender Entzündung zuverlässig. Merken Sie sich drei Dinge über die Eisenwerte: Ein niedriges Ferritin bedeutet fast immer Eisenmangel und verlangt nach der Ursache, nicht nur nach einer Tablette. Ein normales Ferritin schließt einen Mangel nicht aus, wenn das CRP erhöht ist. Und ein hohes Ferritin ist viel häufiger Ausdruck von Entzündung, Fettleber, Alkohol oder Stoffwechsel als einer Hämochromatose – darüber entscheidet die Transferrinsättigung. Welcher Grenzwert für Sie gilt, hängt von Ihrer Situation ab: 15, 30 oder 100 µg/l sind alle drei begründet. Diese Einordnung im Zusammenhang mit Blutbild, Leberwerten und Nierenwerten bereitet AI DiagMe ergänzend zu Ihrer ärztlichen Betreuung auf.
Quellen
Deutsche Fachgesellschaften, offizielle Stellen und wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber verwendet wurden:
Footnotes
-
Behnisch W, Muckenthaler M, Kulozik A — S1-Leitlinie Eisenmangelanämie, AWMF-Register Nr. 025/021, 5. Fassung Oktober 2021 (Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie). register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11
-
Hastka J, Metzgeroth G, Gattermann N — Eisenmangel und Eisenmangelanämie. Onkopedia-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO), Stand April 2025. onkopedia.com ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13
-
Gattermann N, Muckenthaler MU, Kulozik AE, Metzgeroth G. The Evaluation of Iron Deficiency and Iron Overload. Dtsch Arztebl Int, 2021;118(49):847–856. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
-
Verbraucherzentrale — Eisen: Qualität, nicht Quantität ist die Frage, aktualisiert am 21. Juli 2026. verbraucherzentrale.de ↩ ↩2 ↩3
-
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Höchstmengenvorschläge für Eisen in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. bfr.bund.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — Ferritin, gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 20. März 2025. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3
-
Universitätsmedizin Rostock, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin — Ferritin, Laborkatalog (Referenzbereiche nach Alter und Geschlecht, ECLIA). ilab.med.uni-rostock.de ↩ ↩2 ↩3
-
Jäger L, Rachamin Y, Senn O, Burgstaller JM, Rosemann T, Markun S. Ferritin Cutoffs and Diagnosis of Iron Deficiency in Primary Care. JAMA Netw Open, 2024;7(8):e2425692. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Addo OY, Mei Z, Jefferds MED, et al. Physiologically based serum ferritin thresholds for iron deficiency among women and children from Africa, Asia, Europe, and central America: a multinational comparative study. Lancet Glob Health, 2025;13(5):e831–e842. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Cernea S, Roiban AL, Onișor D, et al. Hyperferritinemia and the Risk of Liver Fibrosis and Liver-Related Events in Patients with Type 2 Diabetes Mellitus and Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease. Medicina (Kaunas), 2025;61(9):1518. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Piperno A, Pelucchi S, Mariani R. Hereditary Hyperferritinemia. Int J Mol Sci, 2023;24(3):2560. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Garcia-Casal MN, Pasricha SR, Martinez RX, et al. Serum or plasma ferritin concentration as an index of iron deficiency and overload. Cochrane Database Syst Rev, 2021;5(5):CD011817. PubMed · DOI ↩