Laktat im Blut: Normwerte, erhöhte Werte, Laktatazidose
Laktat im Blut liegt venös meist bei 0,5–2,2 mmol/l. Über 2 mmol/l gilt als Alarmzeichen für Sauerstoffmangel im Gewebe – Laktat beim Sport ist etwas anderes.
Laktat – das Salz der Milchsäure – entsteht ununterbrochen, wenn Ihre Zellen Zucker in Energie umwandeln. Der Wert steigt vor allem dann, wenn ein Gewebe zu wenig Sauerstoff oder zu wenig Blut bekommt. Genau deshalb ist Laktat in Deutschland in erster Linie ein Notfall- und Intensivwert: Er gehört zur Definition des septischen Schocks und wird bei Sepsisverdacht ausdrücklich empfohlen.1 Wenn Sie Laktat auf einem Befund finden, wurden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Notaufnahme oder im Krankenhaus untersucht – in der Hausarztpraxis wird der Wert praktisch nie im Rahmen einer Routineuntersuchung bestimmt. Dieser Ratgeber erklärt die Normwerte, was ein erhöhtes Laktat bedeutet, welche Abnahmefehler den Wert verfälschen und warum das Laktat aus einem Sporttest etwas völlig anderes ist. Häufig wird Laktat zusammen mit einer Blutgasanalyse und den Elektrolyten angefordert.
Zwei Welten, ein Wort. In Deutschland ist „Laktat" für viele ein Sportbegriff: Laktattest, Laktatschwelle, Trainingssteuerung. Derselbe Stoff, aber eine völlig andere Messsituation – anderes Blut, andere Entnahmestelle, andere Bedeutung. Hier geht es um das Laktat auf dem Laborbefund; den Sportteil finden Sie weiter unten in einem eigenen Abschnitt.
Das Wichtigste in Kürze
- Laktat ist das Endprodukt der Glykolyse und kein bloßer Abfallstoff: Herz, Gehirn und Muskeln nutzen es als Brennstoff, Leber und Nieren bauen es ab.2
- Orientierender Normwert venös: 0,5–2,2 mmol/l; arteriell niedriger (etwa unter 1,8 mmol/l).34
- Die deutsche S3-Leitlinie Sepsis (Update 2025) empfiehlt stark, bei Erwachsenen mit Sepsisverdacht Laktat zu messen; ein Wert über 2 mmol/l gehört zur Definition des septischen Schocks.1
- Laktat allein ist weder sensitiv noch spezifisch genug für eine Diagnose: Sensitivität 66–83 %, Spezifität 80–85 %.1
- Präanalytik entscheidet mit: Ohne Glykolysehemmer bilden die roten Blutkörperchen im Röhrchen weiter Laktat – deshalb das Natriumfluorid-Röhrchen und der schnelle Transport.53
- Laktat ist kein Tumormarker. Beim Sport steigt es kurzzeitig auf über 10 mmol/l, ohne dass etwas krankhaft wäre.67
Was ist Laktat?
Laktat ist die im Blut gelöste Form der Milchsäure. Es entsteht am Ende der Glykolyse, jener Reaktionskette, die Traubenzucker (Glukose) zerlegt, um Energie bereitzustellen. Aus dem dabei gebildeten Pyruvat wird Laktat.
Entgegen einer verbreiteten Vorstellung geschieht das nicht nur bei Sauerstoffmangel. Muskeln, Gehirn, Darm und besonders die roten Blutkörperchen bilden ständig Laktat, auch in Ruhe. Anschließend wird es wiederverwertet: Leber und, in geringerem Umfang, Nieren bauen es ab oder machen daraus wieder Glukose. Die moderne Stoffwechselforschung beschreibt Laktat deshalb als Brennstoff- und Signalmolekül, nicht als Schlacke.2
Der Wert auf Ihrem Befund ist damit ein Gleichgewicht: Bildung minus Abbau. Er steigt, wenn die Bildung hochschnellt (Zellen ohne Sauerstoff, heftige Muskelarbeit) oder wenn der Abbau stockt (kranke Leber) – ein empfindliches, aber unspezifisches Signal.
Warum wird Laktat gemessen?
Laktat ist kein Vorsorgewert und gehört nicht zum Check-up. Deutsche Labore nennen als Anforderungsgründe vor allem: Prognose bei Kreislaufschock und Vergiftungen, Nachweis einer Gewebshypoxie trotz normalem Sauerstoffdruck, Abklärung einer ungeklärten metabolischen Azidose, Verdacht auf akuten Gefäßverschluss im Darm sowie Geburtshilfe und angeborene Stoffwechselstörungen bei Kindern.84
Der wichtigste Anwendungsfall ist die Sepsis. Die Deutsche Sepsis-Gesellschaft hat 2025 in der S3-Leitlinie „Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge" eine neue, starke Empfehlung aufgenommen: „Wir empfehlen bei Erwachsenen mit Verdacht auf Sepsis eine Messung des Laktats im Blut durchzuführen."1 Ein erhöhtes Laktat gehört zugleich zur Definition des septischen Schocks – persistierende Hypotension trotz Volumengabe mit Vasopressorbedarf und ein Laktatwert über 2 mmol/l.1 Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss; Alarmzeichen sind unter anderem Fieber mit Schüttelfrost, schnelle Atmung, schneller Puls, kalte oder feuchte Haut sowie Verwirrtheit.9
Der zweite Grund ist die Verlaufskontrolle. Die Leitlinie schlägt vor, die Flüssigkeitstherapie mit dem Ziel zu steuern, eine erhöhte Laktatkonzentration zu senken – ein fallendes Laktat spricht für eine bessere Durchblutung der Organe.1 Deshalb wird wiederholt gemessen: Die Richtung zählt mehr als die Einzelzahl.
Muss man dafür nüchtern sein?
Nein. Nüchternheit spielt für Laktat keine Rolle – im Notfall wird der Wert ohnehin sofort abgenommen. Wichtiger ist: Da Muskelarbeit den Wert stark hebt, sollte man vor einer geplanten Abnahme in Ruhe sein und keine intensive Belastung unmittelbar davor absolvieren.7 Der kritische Punkt ist nicht das Essen, sondern die Abnahmetechnik (siehe unten).
Laktat-Normwerte
Die folgenden Zahlen sind Orientierungswerte für Erwachsene in Ruhe. Sie hängen von Material, Messverfahren und Labor ab – maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
| Situation | Laktat (orientierend) |
|---|---|
| Venöses Blut, in Ruhe | 0,5 – 2,2 mmol/l34 |
| Arterielles Blut, in Ruhe | unter 1,8 mmol/l3 |
| Grenze in der Notfallmedizin | über 2 mmol/l gilt als erhöht1 |
| Sehr hoher Wert | über 4 mmol/l1 |
Wie stark sich Laborangaben unterscheiden, zeigt ein Vergleich: Die Universitätsmedizin Rostock führt 0,5–2,2 mmol/l im Fluoridplasma4, ein Krefelder Labor 5,7–22 mg/dl – rund 0,6–2,4 mmol/l.8 Beides ist richtig; die Bereiche sind methodenabhängig.
Einheiten: mmol/l oder mg/dl? In Deutschland ist mmol/l die übliche Angabe, einzelne Labore rechnen in mg/dl. Der Umrechnungsfaktor der medizinischen Laboratoriumsdiagnostik lautet: mg/dl × 0,11 = mmol/l.3 Umgekehrt entspricht 1 mmol/l etwa 9 mg/dl – 2 mmol/l sind also rund 18 mg/dl, 4 mmol/l rund 36 mg/dl.
Venös, arteriell oder kapillar – warum das zählt
Laktat wird in Deutschland auf zwei Wegen bestimmt: im Zentrallabor aus venösem Blut im Natriumfluorid-Röhrchen58, im Notfall und auf der Intensivstation direkt aus der Blutgasanalyse als Vollblutmessung am Gerät. Die Leitlinie hält fest, dass diese Point-of-Care-Messung Zeit spart und sehr gut mit dem Serumlaktat korreliert.1
Die Zahlen sind aber nicht austauschbar: Arterielle und kapillare Werte liegen etwa 20 % unter den venösen.3 Auf dem Befund steht deshalb, aus welchem Material gemessen wurde – und der zugehörige Referenzbereich gehört dazu.
Ihre Werte verstehen
Erhöhtes Laktat: die zwei Grundtypen
Ein erhöhtes Laktat (Hyperlaktatämie) wird in zwei Gruppen eingeteilt.
Typ A – mit Sauerstoffmangel. Das Gewebe bekommt zu wenig Sauerstoff oder Blut: Sepsis und septischer Schock, Schock anderer Ursache, Herz-Kreislauf-Stillstand, schwere Blutarmut, Gefäßverschluss im Darm.18 Hierher gehört auch intensive Muskelarbeit – vorübergehend und harmlos.
Typ B – ohne Sauerstoffmangel. Der Kreislauf ist in Ordnung, aber Bildung oder Abbau sind gestört:
- Leberversagen: Die Leitlinie nennt es ausdrücklich als eigenständige Ursache.1 Passende Marker sind die Leberwerte und die GPT.
- Medikamente und Alkohol: allen voran Metformin (siehe unten); außerdem kann Adrenalin über die Beta-2-Rezeptoren im Skelettmuskel die aerobe Laktatbildung steigern.1 Übermäßiger Alkoholkonsum behindert den Laktatabbau, weil der Ethanolabbau dieselben Kofaktoren verbraucht.10
- Angeborene Stoffwechselstörungen: Mitochondriopathien und seltene Enzymdefekte; bei Kindern ist die „kongenitale Laktatazidose" eine ausdrückliche Anforderungsindikation deutscher Labore.8
- Tumoren: Krebszellen bilden viel Laktat (Warburg-Effekt), das im Tumorumfeld als Signalmolekül wirkt.6
Wichtig: Ein erhöhtes Laktat ist nie eine Diagnose, sondern ein Auftrag, die Ursache zu suchen. Beurteilt wird es zusammen mit pH-Wert und Bikarbonat, den Elektrolyten einschließlich Kalium, Natrium und Chlorid, den Nierenwerten und – bei Infektionsverdacht – dem CRP, den Entzündungswerten und dem Procalcitonin.
Heißt hohes Laktat Krebs? Nein. Laktat ist kein Tumormarker und dient nicht der Krebsfrüherkennung. Ein leicht erhöhter Wert spricht über Sauerstoffversorgung, Kreislauf, Leber oder Medikamente – nicht über eine Geschwulst.6
Metformin und die Laktatazidose
Metformin ist das meistverordnete Medikament bei Typ-2-Diabetes. Es kann die Laktatverwertung hemmen und selten eine metforminassoziierte Laktatazidose (MALA) auslösen; in der Intensivmedizin gilt sie als wahrscheinlich, wenn eine metabolische Azidose mit großer Anionenlücke vorliegt und das Laktat 5 mmol/l überschreitet.10 Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bezeichnet dieses Ereignis bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und jüngeren Patienten als äußerst selten – höchstens fünf Fälle je 100 000 Patienten und Jahr – weist aber darauf hin, dass die Spontanmeldungen mit der breiteren Anwendung bei älteren Menschen zugenommen haben.11
Der entscheidende Risikofaktor ist die Nierenfunktion, weil Metformin über die Nieren ausgeschieden wird.10 Gefährlich sind vor allem akute Ereignisse, die die Nieren plötzlich belasten: starke Flüssigkeitsverluste, schwere Infekte, Magen-Darm-Erkrankungen.11 Deshalb werden unter Metformin regelmäßig die Nierenwerte mit Kreatinin kontrolliert, begleitend zu Blutzucker und HbA1c.
⚠️ Ändern oder beenden Sie niemals selbst eine Diabetestherapie wegen eines Laborwerts – das gehört in ärztliche Hand.
Niedriges Laktat
Ein niedriges Laktat ist kein Grund zur Sorge. Es gibt keine „Krankheit des zu niedrigen Laktats"; ein Wert am unteren Rand des Referenzbereichs ist der Normalzustand und bedarf keiner Behandlung.
Laktat beim Sport ist eine andere Messung
Die sportmedizinische Laktatdiagnostik misst den Anstieg der Blutlaktatkonzentration unter standardisierter Belastung auf Laufband oder Ergometer und leitet daraus die Ausdauerleistungsfähigkeit und die „anaeroben Schwellen" für die Trainingssteuerung ab.7 Drei Unterschiede zum Laborwert sind entscheidend:
- Anderes Blut. Im Sport wird Kapillarblut aus dem Ohrläppchen entnommen, weil arterialisiertes Blut den Gesamtkreislauf besser abbildet als Venenblut aus dem Arm; von der Fingerkuppe wird abgeraten, da dort Venenblut aus der arbeitenden Muskulatur beigemengt sein kann.7
- Andere Größenordnung. Unter maximaler Belastung sind bei Gesunden zweistellige Werte normal: In einer kontrollierten Studie erreichten trainierende Freiwillige Mittelwerte von 8,9 bzw. 10,4 mmol/l – ohne jede Krankheitsbedeutung.12
- Andere Frage. Der Sporttest fragt nach Leistungsfähigkeit, der Laborwert nach Organdurchblutung. Ein Trainingsbefund sagt nichts über eine Sepsis aus – und umgekehrt.
Und ein zählebiger Mythos: Laktat ist nicht die Ursache des Muskelkaters am Folgetag. Es wird nach Belastungsende rasch wieder als Brennstoff verwertet.2
Einflussfaktoren und Präanalytik
Neben Muskelarbeit, Leber- und Nierenfunktion, Sauerstoffversorgung, Alkohol und Medikamenten hat die Abnahme selbst großen Einfluss – und hier lohnt ein genauer Blick, weil deutsche Laborangaben und klinische Studien nicht dasselbe sagen.
Unstrittig ist der Fehler im Röhrchen. Rote Blutkörperchen bilden auch nach der Abnahme weiter Laktat; ohne Glykolysehemmer entstehen dadurch falsch hohe Werte.3 Deshalb wird in Deutschland ein Natriumfluorid-EDTA-Röhrchen verwendet; das Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum gibt an, dass die Hemmung nach spätestens vier Stunden vollständig ist, und fordert schnellstmöglichen Transport ins Labor.5 Die Universitätsmedizin Rostock verlangt „schnellen Transport, bevorzugt mit Kühlung".4
Umstritten ist dagegen der Stauschlauch. Deutsche Laborquellen warnen davor: Ein Krefelder Labor schreibt, „bei der Blutabnahme sollte langes Stauen vermieden werden, da dies zu falsch erhöhten Werten führt"8, und das Fachlexikon der medizinischen Laboratoriumsdiagnostik nennt längeres Stauen als erheblichen Einflussfaktor.3 Die Studien, die diese Frage gezielt untersucht haben, konnten das jedoch nicht bestätigen: Eine Untersuchung an Freiwilligen verglich beide Arme mit und ohne Stauschlauch über 15 Minuten und fand über den gesamten Wertebereich keinen klinisch bedeutsamen Unterschied; die Autoren folgern ausdrücklich, ein erhöhtes venöses Laktat solle nicht auf eine verlängerte Stauung geschoben werden.12 Eine prospektive Untersuchung an akut kranken Notaufnahmepatienten kam zum selben Ergebnis (Median jeweils 1,9 mmol/l, p = 0,95).13
Was heißt das für Sie? Kurze Stauzeit, kein Faustpumpen und schneller Transport bleiben gute Laborpraxis. Aber ein deutlich erhöhtes Laktat sollte nicht vorschnell als Abnahmeartefakt abgetan werden – fragen Sie im Zweifel nach einer Kontrollmessung.
Neues aus der Forschung
- Deutschland hat die Empfehlung 2025 verschärft. Die aktualisierte S3-Leitlinie empfiehlt die Laktatmessung bei Sepsisverdacht erstmals stark – 2018 gab es dazu noch gar keine Empfehlung. Zugleich benennt sie die Grenzen: Cut-offs zwischen 1,6 und 2,5 mmol/l, Sensitivität 66–83 %, Spezifität 80–85 %, Evidenzqualität für die diagnostische Genauigkeit „sehr niedrig".1
- Nicht blind der Zahl hinterherjagen. Eine Nachauswertung der Studie ANDROMEDA-SHOCK fand, dass eine ausschließlich laktatgesteuerte Therapie bei Patienten mit bereits normaler Rekapillarisierungszeit mit höherer Sterblichkeit einherging.14 Die deutsche Leitlinie schlägt daher vor, die Rekapillarisierungszeit ergänzend zu nutzen.1
- Laktat ist mehr als ein Nebenprodukt. Die Stoffwechselforschung beschreibt es heute als bevorzugten Brennstoff vieler Organe, als Vorstufe der Glukoseneubildung und als Signalmolekül – mit Bedeutung für Belastung, Entzündung und Tumorbiologie.26
Diese Ergebnisse betreffen die klinische Forschung. Sie begründen keine Selbstbehandlung und ersetzen keine ärztliche Beurteilung.
Ihren Laktatwert im Zusammenhang verstehen
Ein Laktatwert allein sagt wenig. Aussagekräftig wird er zusammen mit pH-Wert und Bikarbonat, den Elektrolyten, Ihrer Nieren- und Leberfunktion und dem zeitlichen Verlauf.
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Häufige Fragen
Welcher Laktatwert ist normal? In Ruhe orientierend 0,5–2,2 mmol/l venös, arteriell etwas niedriger (unter 1,8 mmol/l).34 In der Notfallmedizin gilt ein Wert über 2 mmol/l als erhöht.1 Die Angaben unterscheiden sich je nach Labor.
Was sagt ein erhöhter Laktatwert aus? Meist, dass ein Gewebe zu wenig Sauerstoff oder Blut bekommt – typisch bei Sepsis, Schock oder Kreislaufstillstand. Es kommen aber auch heftige Muskelarbeit, ein Leberversagen oder Medikamente wie Metformin infrage. Die Ursache muss ärztlich geklärt werden.
Was passiert, wenn man zu viel Laktat hat? Steigt das Laktat so stark, dass das Blut übersäuert, spricht man von einer Laktatazidose. Sie ist Zeichen einer ernsten Grunderkrankung und wird im Krankenhaus behandelt. Ein leicht erhöhter Wert nach einer Belastung ist dagegen kein Krankheitszeichen.
Ab welchem Wert ist Laktat gefährlich? Es gibt keine feste Gefahrenschwelle. Die deutsche S3-Leitlinie nutzt über 2 mmol/l als Kriterium für den septischen Schock und bezeichnet Werte über 4 mmol/l als sehr hoch; unabhängig von der Ursache sind erhöhte Werte mit einem schlechteren Verlauf verbunden.1
Ist Laktat beim Sport schädlich? Nein. Es steigt kurzzeitig auf zweistellige Werte und wird danach rasch wieder als Brennstoff genutzt.122 Es ist auch nicht die Ursache von Muskelkater – der entsteht durch feine Risse in den Muskelfasern.
Ist Laktat ein Krebswert? Nein. Tumorzellen bilden zwar viel Laktat, aber der Wert ist kein Tumormarker und dient nicht der Krebsfrüherkennung.6
Muss ich für die Laktatbestimmung nüchtern sein? Nein. Sie sollten aber in Ruhe sein und unmittelbar vorher keine intensive Belastung absolvieren, weil Muskelarbeit den Wert deutlich hebt.7
Warum braucht Laktat ein spezielles Röhrchen? Weil rote Blutkörperchen auch nach der Abnahme weiter Laktat bilden. Das Natriumfluorid-EDTA-Röhrchen hemmt diese Glykolyse und verhindert falsch hohe Werte.53
Kann ein hoher Laktatwert ein Messfehler sein? Möglich, aber seltener als oft angenommen. Der belegte Fehler ist die verzögerte Verarbeitung ohne Glykolysehemmer.3 Ein Effekt des Stauschlauchs ließ sich in gezielten Untersuchungen dagegen nicht nachweisen.1213
Wie hängt Laktat mit den Elektrolyten zusammen? Eine Laktatazidose verschiebt das Säure-Basen-Gleichgewicht. Deshalb wird Laktat gemeinsam mit Bikarbonat, Chlorid und der Osmolalität beurteilt.
Das sollten Sie mitnehmen
Laktat ist in der Medizin ein Notfallwert: Er zeigt an, dass Gewebe zu wenig Sauerstoff oder zu wenig Blut bekommt. Merken Sie sich die Größenordnung – venös in Ruhe etwa 0,5–2,2 mmol/l, laborabhängig – und dass die deutsche S3-Leitlinie Sepsis einen Wert über 2 mmol/l zur Definition des septischen Schocks zählt. Ebenso wichtig ist, was Laktat nicht ist: kein Tumormarker, kein Routinewert und kein Beweis für einen Abnahmefehler, sobald er erhöht ist. Und das Laktat aus einem Sporttest hat mit dem Laborbefund nur den Namen gemeinsam. Kein Wert steht für sich: Es zählt das Gesamtbild aus Elektrolyten, Nierenwerten, Leberwerten, Medikamenten und Verlauf – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
Deutsche Fachgesellschaften, Behörden und Laborangaben sowie über PubMed geprüfte Publikationen:
Footnotes
-
Deutsche Sepsis-Gesellschaft, DGAI, DIVI u. a. — S3-Leitlinie Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge. Update 2025, AWMF-Register-Nr. 079-001, Version 4.0, Stand 30.04.2025 (Langfassung: Definition 2, Empfehlungen 2.3, 2.9, 2.10). register.awmf.org · Publikation: Med Klin Intensivmed Notfmed, 2025. PubMed ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16
-
Brooks GA. Lactate as a fulcrum of metabolism. Redox Biol, 2020. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik, Springer — Eintrag Laktat (Referenzbereiche venös/arteriell, Umrechnungsfaktor, Präanalytik). springermedizin.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11
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Universitätsmedizin Rostock, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin — Lactat im Fluoridplasma, Laborkatalog. ilab.med.uni-rostock.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
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Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum, Sektion Laboratoriumsmedizin — Allgemeine Hinweise zur Präanalytik – Kurzfassung, Version 1 (29.10.2023). knappschaft-kliniken.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Li X, Yang Y, Zhang B, et al. Lactate metabolism in human health and disease. Signal Transduct Target Ther, 2022. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Röcker K. Die sportmedizinische Laktatdiagnostik: Technische Rahmenbedingungen und Einsatzbereiche. Dtsch Z Sportmed 2013; 64(12): 367–371 (Standards der Sportmedizin, Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin). germanjournalsportsmedicine.com ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
MVZ Labormedizin Krefeld — Laktat (Referenzbereich, Material, Präanalytik, Indikationen). labormedizin-krefeld.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
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Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) — Sepsis – ein medizinischer Notfall. infektionsschutz.de ↩
-
See KC. Metformin-associated lactic acidosis: A mini review of pathophysiology, diagnosis and management in critically ill patients. World J Diabetes, 2024. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
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Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) — Aus der UAW-Datenbank: Zunahme von Spontanberichten über Metformin-assoziierte Laktatazidosen. Dtsch Arztebl 2013; 110(10). akdae.de ↩ ↩2
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Chiew AL, Tran CT, Mackenzie J. Effect of tourniquet time on whole blood point-of-care lactate concentration: A healthy human volunteer study. Emerg Med Australas, 2021. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
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Balakrishnan V, Wilson J, Taggart B, Cipolla J, Jeanmonod R. Impact of Phlebotomy Tourniquet Use on Blood Lactate Levels in Acutely Ill Patients. CJEM, 2016. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Kattan E, Hernández G, Ospina-Tascón G, et al. A lactate-targeted resuscitation strategy may be associated with higher mortality in patients with septic shock and normal capillary refill time: a post hoc analysis of the ANDROMEDA-SHOCK study. Ann Intensive Care, 2020. PubMed · DOI ↩