DHEAS-Wert: Normwerte nach Alter, erhöht oder zu niedrig
DHEAS erhöht oder zu niedrig? Normwerte nach Alter und Geschlecht in µg/dl, warum der Wert ab 30 fällt – und warum DHEA in Deutschland rezeptpflichtig ist.
DHEAS, DHEA-S und Dehydroepiandrosteron-Sulfat sind drei Namen für denselben Laborwert: das wichtigste Androgen aus der Nebennierenrinde. Anders als der Name vermuten lässt, ist der DHEAS-Wert kein Maß für „Jugend" oder „Vitalität". Er beantwortet in der Praxis eine sehr konkrete Frage: Kommt ein Androgenüberschuss – also verstärkte Körperbehaarung, hartnäckige Akne, ausbleibende Regel – eher aus der Nebenniere oder aus dem Eierstock? Diese Seite zeigt die DHEAS-Normwerte nach Alter und Geschlecht, erklärt den ganz normalen Abfall ab etwa 30 Jahren und klärt eine Frage, die viele überrascht: DHEA ist in Deutschland verschreibungspflichtig und in Nahrungsergänzungsmitteln nicht erlaubt. Der DHEAS gehört zum Hormonstatus und wird fast nie allein gelesen.
Das Wichtigste in Kürze
- DHEAS ist das mengenmäßig häufigste zirkulierende Steroidhormon des Menschen und stammt ganz überwiegend aus der Nebennierenrinde. Es wirkt selbst nur schwach androgen und dient vor allem als Vorstufe für Testosteron und Östradiol.12
- Der Wert ist stark alters- und geschlechtsabhängig: Er steigt in der Pubertät, erreicht um die 20 bis 30 sein Maximum und fällt danach lebenslang ab („Adrenopause"). Ein niedriger Wert mit 70 ist erwartet, kein Befund.31
- Die deutsche S2k-Leitlinie zum PCOS (DGE/DGGG, 2025) ordnet DHEAS klar ein: Zum Nachweis einer Hyperandrogenämie zählen vor allem Gesamttestosteron, SHBG und der freie Androgenindex – DHEAS liefert „nur eine geringe Zusatzinformation" und dient „eher dem Ausschluss anderer Erkrankungen".4
- Ein deutlich erhöhter DHEAS lenkt den Verdacht auf die Nebenniere: nicht-klassisches AGS, seltener ein androgenbildender Nebennierentumor – vor allem bei rascher Dynamik und Virilisierungszeichen.45
- Ein niedriger DHEAS ist meist Alter oder Folge einer Kortisontherapie; als eigenständiger Test auf eine Nebennierenrinden-Insuffizienz taugt er nicht.67
- DHEA (Prasteron) ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Es steht namentlich in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung; als Nahrungsergänzungsmittel ist es nicht verkehrsfähig.89
Was ist DHEAS?
Dehydroepiandrosteron-Sulfat ist die mit einer Sulfatgruppe versehene Speicherform von DHEA. Gebildet wird es fast ausschließlich in der Zona reticularis der Nebennierenrinde – jener Schicht, die auch für die Nebennierenandrogene zuständig ist –, ein kleiner Teil zusätzlich in peripheren Geweben.1 Es ist damit ein direkter Fingerabdruck der androgenen Nebennierenaktivität.
Der entscheidende Unterschied zum ungebundenen DHEA ist die Stabilität. Freies DHEA wird stoßweise ausgeschüttet und folgt dem Tagesrhythmus des Cortisols: Es schwankt von Stunde zu Stunde erheblich. Die sulfatierte Form zirkuliert in weit höherer Konzentration und mit langer Halbwertszeit – der Wert bleibt über den Tag praktisch konstant. Genau deshalb misst man im Labor DHEAS und nicht DHEA.
DHEAS, Testosteron, Cortisol – drei verschiedene Fragen. Testosteron ist das starke Androgen und stammt bei der Frau überwiegend aus dem Eierstock. Cortisol ist das Stresshormon derselben Drüse. DHEAS steht dazwischen: ein schwaches Androgen, das aber eindeutig auf die Nebenniere zeigt. Diese Zuordnung ist sein eigentlicher Nutzen.
Wozu wird der DHEAS-Wert bestimmt?
Der DHEAS ist kein Routinewert und gehört in keine Vorsorgeuntersuchung. Er wird gezielt bestimmt, fast immer im Rahmen einer Androgen-Abklärung:
- Herkunft eines Androgenüberschusses klären. Bei Hirsutismus, therapieresistenter Akne, androgenetischer Alopezie oder Zyklusstörungen hilft der DHEAS bei der Frage „Nebenniere oder Eierstock?". Er wird dafür zusammen mit Testosteron, SHBG und LH bestimmt.4
- Andere Ursachen ausschließen. Die deutsche PCOS-Leitlinie nennt DHEAS ausdrücklich als Baustein der Differenzialdiagnose – gemeinsam mit Androstendion und 17-OH-Progesteron –, um ein nicht-klassisches AGS oder androgenproduzierende Tumoren auszuschließen. Das PCOS selbst bleibt eine Ausschlussdiagnose.4
- Verdacht auf einen Nebennierentumor. Androgenexzess durch einen Nebennierentumor ist selten, aber wichtig, weil er auf Bösartigkeit hinweisen kann; die Abklärung stützt sich auf Testosteron, ergänzende Androgene wie DHEAS und Bildgebung.5
- Bei Kindern: vorzeitige Schambehaarung (prämature Adrenarche) oder Pubertas praecox.10
Außerhalb dieser Fragestellungen bringt eine DHEAS-Messung wenig: Er ist kein Fitness-, Stress- oder Alterungsmarker zum regelmäßigen Kontrollieren.
Muss man für den DHEAS-Wert nüchtern sein?
Nein. Für den DHEAS-Wert ist kein Nüchternsein erforderlich; benötigt wird Serum aus einer normalen Blutabnahme.3 Weil die sulfatierte Form so stabil ist, spielt auch die Uhrzeit eine viel kleinere Rolle als beim Cortisol.
Trotzdem geben deutsche Labore für Frauen häufig eine Empfehlung an: Abnahme frühmorgens zwischen dem 3. und 7. Zyklustag.3 Das liegt nicht am DHEAS selbst, sondern daran, dass er meist gemeinsam mit zyklusabhängigen Hormonen wie FSH, LH, Östradiol und Progesteron bestimmt wird – und die brauchen ein festes Zeitfenster. Halten Sie sich an die Vorgabe auf Ihrem Laborzettel. Nennen Sie auch hormonelle Verhütungsmittel: Sie verändern die Bewertung der Androgenwerte.4
DHEAS: Normwerte nach Alter und Geschlecht
Deutsche Labore geben DHEAS überwiegend in µg/dl an. Manche rechnen in µg/l – das ist derselbe Wert mal zehn (1 µg/dl = 10 µg/l) – oder in der SI-Einheit µmol/l; hierfür gilt der Faktor 1 µg/dl = 0,0271 µmol/l.7 Prüfen Sie also zuerst die Einheit auf Ihrem Befund, bevor Sie Zahlen vergleichen.
Die folgende Erwachsenen-Tabelle stammt von einem deutschen Labor (Methode CLIA):3
| Alter | Frauen (µg/dl) | Männer (µg/dl) |
|---|---|---|
| 19–29 Jahre | 51,6 – 420,6 | 74,3 – 492,4 |
| 30–40 Jahre | 40,2 – 300,6 | 79,5 – 450,3 |
| 41–60 Jahre | 21,6 – 217,8 | 48,6 – 350,9 |
| ab 61 Jahre | 12,0 – 101,5 | 21,3 – 374,8 |
Für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren gibt dasselbe Labor einen gemeinsamen Bereich von 65,4–386,8 µg/dl an – im Kindesalter liegen die Werte deutlich niedriger und steigen erst mit der Adrenarche an.310
Zwei Dinge lesen Sie hier ab. Erstens: Männer liegen durchweg höher als Frauen. Zweitens – und das ist die eigentliche Botschaft – die Obergrenze bei Frauen fällt von rund 420 auf rund 100 µg/dl. Dieser Abfall ist ein physiologischer Alterungsvorgang, keine Krankheit und kein Mangel, der „ausgeglichen" werden müsste.1
Warum Ihr Labor andere Zahlen druckt. Ein zweites deutsches Labor gibt für Männer über 75 Jahre 16–123 µg/dl an und für Frauen von 55 bis 65 Jahren 19–205 µg/dl – teils deutlich enger als die Tabelle oben.11 Die Ursachen sind unterschiedliche Messverfahren und unterschiedliche Referenzkollektive. Vergleichen Sie Ihren Wert immer mit dem Bereich auf Ihrem eigenen Befund, nie mit einer Tabelle aus dem Internet.
Ihre Werte verstehen
DHEAS erhöht
Ein erhöhter DHEAS bedeutet, dass die Nebennierenrinde mehr Androgene produziert als üblich. Die Bandbreite reicht von häufig und harmlos bis selten und behandlungsbedürftig:
- PCOS. Bei einem Teil der Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom ist zusätzlich zur Testosteronerhöhung der DHEAS mäßig erhöht.12 Wichtig bleibt aber die Leitlinienaussage: Für die Diagnose ist DHEAS von untergeordnetem Wert – sie stützt sich auf Gesamttestosteron, SHBG und den freien Androgenindex.4 Zum PCOS gehört fast immer auch die Stoffwechselseite mit Insulin und Blutzucker.
- Nicht-klassisches AGS (adrenogenitales Syndrom): ein Enzymdefekt, der die Hormonbildung in Richtung Androgene umlenkt und sich oft erst im Erwachsenenalter zeigt. Er wird zusätzlich über 17-OH-Progesteron gesucht.4
- Cushing-Syndrom und andere Formen eines Hyperkortisolismus.4
- Androgenbildender Nebennierentumor – selten, aber der Grund, warum man hinschaut. Verdächtig sind ein sehr stark erhöhter Wert, eine schnelle Entwicklung der Beschwerden und Virilisierungszeichen (tiefer werdende Stimme, Muskelzunahme, Klitorishypertrophie).45
Bedeutet ein erhöhter DHEAS Krebs? Fast nie. Ein Androgenexzess durch einen Nebennierentumor ist selten.5 Ein leicht bis mäßig erhöhter DHEAS ohne rasche Veränderung ist die Regel und hat meist eine gutartige Erklärung. Die deutsche Leitlinie sieht bei begründetem Verdacht auf eine androgenproduzierende Neoplasie als ersten Schritt einen 1-mg-Dexamethason-Hemmtest vor: Fallen die Androgene um mindestens 40 %, spricht das eher gegen einen Tumor.4
DHEAS zu niedrig
Ein niedriger DHEAS hat deutlich weniger Aussagekraft als ein hoher. Die häufigsten Erklärungen:
- das Lebensalter – mit Abstand die häufigste;
- eine längere Glukokortikoidtherapie (Kortison), die die Nebenniere bremst;7
- eine primäre oder sekundäre Nebennierenrinden-Insuffizienz;76
- eine Störung der Hirnanhangdrüse, die den ACTH-Antrieb wegnimmt.
Die Nebennierenrinden-Insuffizienz ist selten: Die Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt nennt eine Inzidenz von etwa 25 pro Million und Jahr und eine Prävalenz von rund 400 pro Million.6 Diagnostiziert wird sie nicht über den DHEAS, sondern über Cortisol, ACTH und Funktionstests – begleitet oft von Auffälligkeiten bei Natrium und Kalium. Ein isoliert niedriger DHEAS ohne Beschwerden ist kein Krankheitsbefund und rechtfertigt keine Hormoneinnahme.
Was der Wert im Zusammenhang zeigt
Erst gemeinsam mit den anderen Hormonen ergibt der DHEAS ein Bild. Ist Testosteron hoch und DHEAS normal, liegt der Ursprung eher im Eierstock; ist DHEAS deutlich erhöht, eher in der Nebenniere. Prolaktin und die Schilddrüsenwerte gehören zur Abklärung von Zyklusstörungen dazu – die PCOS-Leitlinie führt Prolaktin, TSH und fT4 als Differenzialdiagnosen ausdrücklich auf, ebenso einen Schwangerschaftstest über das Beta-hCG.4
⚠️ DHEA in Deutschland: verschreibungspflichtig, nicht frei verkäuflich
Das ist der Punkt, an dem sich Deutschland von vielen Ratgebertexten aus dem Ausland unterscheidet – und der praktisch am wichtigsten ist.
DHEA ist in Deutschland verschreibungspflichtig. In Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) steht der Stoff unter seinem Freinamen: „Prasteron und seine Ester".8 Prasteron ist die internationale Bezeichnung für DHEA – deshalb findet man das Kürzel im Gesetzestext nicht.
In Nahrungsergänzungsmitteln ist DHEA nicht zulässig. Die Gemeinsame Expertenkommission von BVL und BfArM stufte am 10. Februar 2025 Erzeugnisse mit einer Tagesdosis ab 10 mg DHEA als Arzneimittel ein, weil ab dieser Menge eine pharmakologische Wirkung belegt sei. Für geringere Mengen rät sie generell von isolierten Steroidhormonen in Lebensmitteln ab – die Einnahme erfolge sonst „gänzlich unkontrolliert, möglicherweise dauerhaft und ohne ärztliche Kontrollmöglichkeiten".13 Die Verbraucherzentrale fasst zusammen: DHEA ist in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland nicht verkehrsfähig; das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt, dass bereits 25 mg täglich die Hormonspiegel verändern können, und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie sieht keine relevanten Effekte auf Stoffwechselparameter oder Wohlbefinden.9
Praktisch heißt das: Wer im Internet DHEA-Kapseln kauft, bezieht ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel ohne ärztliche Kontrolle. Fürs Labor ist es zusätzlich relevant – eine DHEA-Einnahme hebt den gemessenen DHEAS-Wert künstlich an. Nennen Sie deshalb jedes Präparat, das Sie einnehmen.
Was den Wert beeinflusst
Den größten Einfluss hat das Alter, gefolgt vom Geschlecht. Weitere Faktoren sind die Pubertät (Anstieg), eine Schwangerschaft, Übergewicht und Insulinresistenz – weshalb bei PCOS oft auch Cholesterinwerte und Blutzucker mitbestimmt werden –, chronischer Stress sowie Medikamente: allen voran Glukokortikoide, dazu hormonelle Kontrazeptiva und DHEA-haltige Präparate.49 Auch das Messverfahren zählt: Immunoassays und massenspektrometrische Methoden liefern keine identischen Zahlen – Werte aus verschiedenen Laboren sind daher nicht direkt vergleichbar.4
Aktuelle Forschung
Aus aktuellen, auf PubMed indexierten Veröffentlichungen:
- Mehr als ein Androgen-Vorläufer. Eine Übersicht von 2025 beschreibt DHEA/DHEAS als neuroaktive Steroide, die über GABA-A-, NMDA- und Sigma-1-Rezeptoren wirken und entzündungshemmende sowie immunmodulierende Eigenschaften haben. Zugleich betonen die Autoren, dass die therapeutischen Effekte einer Supplementierung zwischen den Studien widersprüchlich bleiben. (Lin HY et al., Int J Mol Sci, 2025 — DOI.)1
- „Anti-Aging": Mechanismus ja, Nutzenbeleg offen. Eine Übersichtsarbeit von 2026 trägt zahlreiche Wirkmechanismen zusammen, über die DHEA und DHEAS im Alter wirken könnten. Sie ändert nichts an der deutschen Bewertung: Für einen klinischen Nutzen bei gesunden Menschen fehlt der Beleg, und die Fachgesellschaft rät ab. (Nawata H et al., Endocr J, 2026 — DOI.)29
- Nebennierentumoren als seltene Ursache. Eine Übersichtsarbeit von 2024 zum tumorbedingten Androgenexzess hält fest, dass dieser selten ist, aber als Hinweis auf Bösartigkeit dienen kann – deshalb die sorgfältige Bewertung des Androgenmusters. (Medenica S et al., Life (Basel), 2024 — DOI.)5
- DHEA in der Kinderwunschbehandlung: kein belegter Vorteil. Eine Metaanalyse von 2023 zu DHEA bei verminderter Eierstockreserve fand in der Auswertung ausschließlich randomisierter Studien keine signifikante Verbesserung der Lebendgeburtenrate; günstigere Ergebnisse stammten aus nicht randomisierten Studien und sind mit Vorsicht zu lesen. (Zhang J et al., Front Endocrinol, 2023 — DOI.)14
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Forschung; sie ersetzen keine ärztliche Beratung.
Lassen Sie Ihren DHEAS-Wert einordnen
Ein DHEAS-Wert allein sagt fast nichts. Seine Bedeutung ergibt sich erst aus Alter, Geschlecht, Ihrem Testosteron, Ihrem Cortisol, Ihren Beschwerden und Ihren Medikamenten.
👉 AI DiagMe erklärt Ihre Laborwerte – aus Blut, Urin oder Stuhl – in klarer Sprache und im Zusammenhang. Ein informativer Dienst, der keine Diagnose stellt und die ärztliche Beurteilung ergänzt, nicht ersetzt.
Häufige Fragen
Was ist der DHEAS-Wert? DHEAS (auch DHEA-S oder Dehydroepiandrosteron-Sulfat) ist das wichtigste Androgen der Nebennierenrinde. Weil die sulfatierte Form über den Tag stabil bleibt, ist sie der zuverlässigste Marker für die androgene Nebennierenaktivität – zuverlässiger als eine Messung des freien DHEA.
Welcher DHEAS-Wert ist normal? Es gibt keinen einzelnen Normwert. Bei Frauen zwischen 19 und 29 Jahren nennt ein deutsches Labor etwa 51,6–420,6 µg/dl, bei Männern desselben Alters 74,3–492,4 µg/dl; ab 61 Jahren sinkt der Frauenbereich auf rund 12–101 µg/dl. Andere Labore geben andere Grenzen an – maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
Warum sinkt mein DHEAS mit dem Alter? Weil das normal ist. Der Wert erreicht um 20 bis 30 sein Maximum und fällt danach kontinuierlich – die sogenannte Adrenopause. Ein niedriger Wert im höheren Alter ist erwartet, keine Diagnose.
Was bedeutet ein erhöhter DHEAS? Meist einen Androgenüberschuss aus der Nebenniere: PCOS, ein nicht-klassisches AGS, seltener ein Cushing-Syndrom. Ein sehr stark erhöhter Wert mit rasch fortschreitenden Beschwerden und Virilisierungszeichen führt zur Suche nach einem Nebennierentumor – das ist die seltene Ausnahme.
Was bedeutet ein niedriger DHEAS? Am häufigsten das Alter oder eine Kortisontherapie, seltener eine Nebennierenrinden-Insuffizienz oder eine Hypophysenstörung. Für sich genommen ist ein niedriger DHEAS kein diagnostischer Befund.
Muss ich für den DHEAS nüchtern sein? Nein. Der DHEAS erfordert kein Nüchternsein. Labore empfehlen Frauen aber häufig eine Abnahme frühmorgens zwischen dem 3. und 7. Zyklustag, weil die übrigen Hormone des Hormonstatus zyklusabhängig sind.
Ist DHEA in Deutschland rezeptfrei erhältlich? Nein. DHEA steht als „Prasteron und seine Ester" in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung und ist damit verschreibungspflichtig. In Nahrungsergänzungsmitteln ist es nicht verkehrsfähig; ab einer Tagesdosis von 10 mg gelten entsprechende Erzeugnisse als Arzneimittel.
Bringt DHEA als Anti-Aging-Mittel etwas? Ein Nutzen bei gesunden Menschen ist nicht belegt. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie sieht keine relevanten Effekte auf Stoffwechsel oder Wohlbefinden; das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor Hormonveränderungen und unklaren Risiken bei hormonabhängigen Tumoren.
Verfälscht eine DHEA-Einnahme den Laborwert? Ja. DHEA-haltige Präparate heben den gemessenen DHEAS-Wert an und machen ihn für die Diagnostik unbrauchbar. Geben Sie jede Einnahme vor der Blutabnahme an.
Das Wichtigste zum Schluss
Der DHEAS-Wert misst die Androgenproduktion der Nebennierenrinde – nicht Ihr biologisches Alter. Zwei Regeln reichen für die eigene Einordnung. Erstens: Es gibt keinen einzelnen Normwert; gelesen wird nach Alter und Geschlecht, und der lebenslange Abfall nach dem 30. Lebensjahr ist normal. Zweitens: Der Wert beantwortet eine Ortsfrage – Nebenniere oder Eierstock? – und beweist für sich genommen weder ein PCOS noch einen Tumor. Und für Deutschland gilt: DHEA ist verschreibungspflichtig, in Nahrungsergänzungsmitteln nicht erlaubt, und ein belegter Anti-Aging-Nutzen existiert nicht. Sinn ergibt der Befund erst im Zusammenspiel mit Testosteron, Cortisol und dem übrigen Hormonstatus – so, wie AI DiagMe es ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt aufbereitet.
Quellen
Deutsche Leitlinien, Rechtsgrundlagen, Fachgesellschaften, Labore und wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber verwendet wurden:
Footnotes
-
Lin HY, Chen JH, Chen KH. The Sex Hormone Precursors Dehydroepiandrosterone (DHEA) and Its Sulfate Ester Form (DHEAS): Molecular Mechanisms and Actions on Human Body. Int J Mol Sci, 2025;26(17):8568. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Nawata H, Yanase T, Morohashi KI, Nomura M, Muta K. Anti-aging effects of the adrenal androgens dehydroepiandrosterone and dehydroepiandrosterone sulfate: mechanisms of action and beneficial effects in older people. Endocr J, 2026;73(4):495–516. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
MVZ Labor Koblenz — DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-Sulfat), Leistungsverzeichnis: Referenzbereiche nach Alter und Geschlecht, Methode CLIA, Abnahmehinweise. labor-koblenz.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) — S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS)", AWMF-Register-Nr. 089-004, Langversion, Stand 08/2025. register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13
-
Medenica S, Zivanovic D, Milardi D, et al. Prevalence and Clinical Management of Adrenal Tumour-Related Hyperandrogenism: A Narrative Review. Life (Basel), 2024;14(3):360. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Quinkler M, Beuschlein F, Hahner S, Meyer G, Schöfl C, Stalla GK. Adrenal cortical insufficiency — a life threatening illness with multiple etiologies. Dtsch Arztebl Int, 2013;110(51-52):882–8. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
DocMedicus Gesundheitslexikon — Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS): Einheit, Umrechnungsfaktor µg/dl → µmol/l, Indikationen sowie Ursachen erhöhter und erniedrigter Werte. gesundheits-lexikon.com ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Bundesministerium der Justiz — Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln (AMVV), Anlage 1 (zu § 1 Nr. 1), Eintrag „Prasteron und seine Ester". gesetze-im-internet.de ↩ ↩2
-
Verbraucherzentrale — Anti-Aging-Hormon DHEA (Projekt Klartext Nahrungsergänzung; mit Bewertungen des BfR und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie). verbraucherzentrale.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Witchel SF, Pinto B, Burghard AC, Oberfield SE. Update on adrenarche. Curr Opin Pediatr, 2020;32(4):574–81. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
MVZ Dr. Eberhard & Partner Dortmund — DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-Sulfat), Untersuchungsprogramm: Referenzbereiche (5.–95. Perzentile), Methode ECLIA. medizin-zentrum-dortmund.de ↩
-
Goodarzi MO, Carmina E, Azziz R. DHEA, DHEAS and PCOS. J Steroid Biochem Mol Biol, 2015;145:213–25. PubMed · DOI ↩
-
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) / Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) — Gemeinsame Expertenkommission zur Einstufung von Stoffen: Einstufung von Dehydroepiandrosteron (DHEA), Fachmeldung vom 10. Februar 2025. bvl.bund.de ↩
-
Zhang J, Jia H, Diao F, Ma X, Liu J, Cui Y. Efficacy of dehydroepiandrosterone priming in women with poor ovarian response undergoing IVF/ICSI: a meta-analysis. Front Endocrinol (Lausanne), 2023;14:1156280. PubMed · DOI ↩