Magnesiummangel: Symptome, Ursachen und Blutwert
Nur rund 1 Prozent des Magnesiums steckt im Blut. Ein normaler Magnesiumwert schließt einen Mangel deshalb nicht aus – Symptome, Ursachen, DGE-Werte.
Magnesiummangel ist eine der häufigsten Selbstdiagnosen überhaupt – meist wegen nächtlicher Wadenkrämpfe, Müdigkeit oder Lidzucken. Dieser Ratgeber beantwortet ehrlich: Habe ich wirklich einen Mangel, woran erkennt man ihn, was folgt daraus? Der wichtigste Satz steht am Anfang, weil er alles andere einordnet: Im Blut liegt nur etwa 1 % des Magnesiums Ihres Körpers. Ein normaler Magnesiumwert schließt einen Mangel deshalb nicht aus – und ein niedriger sagt noch nicht, woher er kommt.1 Magnesium gehört zu den Elektrolyten und wird nie ohne die Nierenwerte beurteilt. Dieser Text verkauft Ihnen nichts und nennt bewusst keine Dosierungen.
Auf einen Blick
- Etwa zwei Drittel des Körpermagnesiums stecken im Skelett, rund ein Drittel in den Zellen – und nur ca. 1 % im Blutplasma, davon etwa 66 % an Albumin gebunden. Der Laborwert misst die Spitze des Eisbergs.12
- Richtwert für Erwachsene: rund 0,70–1,05 mmol/l im Serum, laut Universitätsklinikum Gießen und Marburg.3
- Wadenkrämpfe: Der Cochrane-Review (11 Studien, 735 Teilnehmende) kommt zu dem Schluss, dass Magnesium bei älteren Menschen mit idiopathischen Krämpfen wahrscheinlich keine klinisch bedeutsame Vorbeugung leistet.4 Die DGN-Leitlinie: Wirksamkeit „nicht ausreichend belegt, aber ein messbarer Magnesiummangel sollte ausgeglichen werden".5
- Häufigste echte Ursachen: Darmverluste, chronischer Alkoholkonsum, Diuretika – und Protonenpumpenhemmer. Das BfArM ließ 2012 die Fachinformationen aller verschreibungspflichtigen PPI anpassen: schwere Hypomagnesiämie nach mindestens drei Monaten.6
- ⚠️ Bei eingeschränkter Nierenfunktion reichert sich Magnesium an. Die DGN-Leitlinie: Bei Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder Myasthenie soll Magnesium nicht eingesetzt werden.5
- Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 250 mg pro Tagesverzehrempfehlung, verteilt auf zwei oder mehr Portionen – begrenzend ist die abführende Wirkung.7
Warum ein normaler Magnesiumwert einen Mangel nicht ausschließt
Das Universitätsklinikum Ulm beschreibt die Verteilung in seinem Leistungsverzeichnis nüchtern: etwa zwei Drittel im Skelett (teilweise mobilisierbar), etwa ein Drittel intrazellulär, vor allem in der Muskulatur – und nur ca. 1 % im Blutplasma.1 Daraus folgt die entscheidende Einschränkung: Der Körper hält den Blutspiegel lange stabil, indem er aus Knochen und Zellen nachliefert. Ein Speicherdefizit kann deshalb bestehen, während die Zahl auf Ihrem Befund im Referenzbereich liegt.2
Umgekehrt gilt dasselbe: Weil rund zwei Drittel des Serummagnesiums an Albumin gebunden sind, sinkt bei niedrigem Albumin der Gesamtwert, ohne dass ein Mangel an ionisiertem Magnesium besteht – das Ulmer Labor nennt das eine Pseudo-Hypomagnesiämie.1
Was wird stattdessen gemacht? Die ärztliche Beurteilung stützt sich auf das Gesamtbild – Ernährung, Alkohol, Durchfälle, Medikamente, Begleitwerte –, nicht auf die Zahl allein. Dazu kommen zwei Laborwege deutscher Universitätslabore:
- die Magnesiumausscheidung im 24-Stunden-Urin (Erwachsene je nach Labor etwa 2,4–8,2 mmol/24 h): Sie unterscheidet renale von intestinalen Verlusten;31
- Magnesium im Erythrozyten als Annäherung an das Magnesium in den Zellen (1,65–2,65 mmol/l). Das UKGM führt den Test, schickt ihn aber an ein Fremdlabor – Spezialbestimmung, keine Routine.3
Ein Belastungs- oder Retentionstest ist in der Fachliteratur beschrieben, im deutschen Praxisalltag aber nicht etabliert; ein einfacher, akzeptierter Test für den Körperspeicher fehlt bis heute.28
Was Magnesium im Körper tut
Magnesium ist Kofaktor bei praktisch allen Reaktionen, an denen Phosphat beteiligt ist – Glykolyse, Atmungskette, Natrium-Kalium-Pumpe, Energiebereitstellung bei der Muskelkontraktion.1 Die DGE nennt mehr als 600 enzymatische Reaktionen sowie Rollen im Knochenstoffwechsel, in der Nervenleitung und in der Muskelfunktion.9 Reguliert wird der Haushalt über die Nieren, eng gekoppelt an den des Calciums und beeinflusst vom Parathormon und von Aldosteron.1 Deshalb steht Magnesium selten allein, sondern neben Natrium, Kalium, Calcium, Chlorid und Phosphat.
Symptome – und die Grenze der Zuschreibung
Die klassisch genannten Beschwerden sind Muskelkrämpfe, Durchfall und Herzrhythmusstörungen.1 Bei schwerem Mangel nennen die behördlich vorgegebenen Beipackzettel-Texte zusätzlich Erschöpfungszustände, unwillkürliche Muskelkontraktionen, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Schwindel und erhöhte Herzfrequenz – mit dem Zusatz, dass sich das schleichend entwickeln und übersehen werden kann.6
Hier beginnt das Problem: Alle diese Beschwerden sind unspezifisch. Die DGN-Leitlinie listet als Risikofaktoren für Muskelkrämpfe höheres Alter, Bewegungsmangel, Alkohol, Venen- und Arterienerkrankungen, schwere Leber- und Niereninsuffizienz sowie Nervenschäden auf – Magnesiummangel ist einer von vielen Punkten, nicht der Normalfall.5
Was der Cochrane-Review zu Krämpfen tatsächlich sagt
Der Cochrane-Review „Magnesium for skeletal muscle cramps" wertete 11 randomisierte Studien mit 735 Teilnehmenden aus. Bei idiopathischen Krämpfen – überwiegend nächtliche Wadenkrämpfe bei Menschen zwischen etwa 62 und 69 Jahren – waren die Unterschiede zu Placebo klein und statistisch nicht signifikant. Fazit: Es sei unwahrscheinlich, dass Magnesium älteren Menschen eine klinisch bedeutsame Vorbeugung bietet. Für schwangerschaftsbedingte Krämpfe ist die Lage widersprüchlich, für belastungsbedingte fanden sich gar keine Studien.4
Die S1-Leitlinie der DGN übernimmt das: Wirksamkeit „nicht ausreichend belegt" – aber ein messbarer Mangel solle ausgeglichen werden. Empfohlen werden bei nächtlichen Wadenkrämpfen regelmäßige Dehnübungen.5 Das ist die ehrliche Antwort, auch wenn sie nüchterner ausfällt als die Werbung.
Ursachen eines Magnesiummangels
- Ernährung und Alkohol: einseitige Kost, Mangelernährung, vor allem chronischer Alkoholkonsum.510
- Verluste über den Darm: anhaltender Durchfall, Resorptionsstörungen, Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.110
- Verluste über die Niere: Diuretika, bestimmte Nierenerkrankungen sowie schlecht eingestellter Diabetes mellitus – erhöhter Blutzucker treibt über die Zuckerausscheidung den Magnesiumverlust.1110
- Weitere Medikamente: Aminoglykoside, Amphotericin B, Calcineurin-Hemmer, Krebstherapien wie Cisplatin oder Cetuximab.11
Protonenpumpenhemmer: eine behördlich bestätigte Ursache
Hier ist eine Behörde sehr deutlich geworden. Nach europäischer Bewertung forderte das BfArM 2012 die Anpassung der Produktinformationen aller verschreibungspflichtigen Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Esomeprazol, Pantoprazol, Lansoprazol, Dexlansoprazol, Rabeprazol). Der beschlossene Text: Schwere Hypomagnesiämie wurde bei Patienten berichtet, die mindestens drei Monate, meist jedoch ein Jahr mit PPI behandelt wurden; bei den meisten besserte sie sich nach Magnesiumgabe und Absetzen des PPI. Und: Bei geplant längerer Behandlungsdauer oder gleichzeitiger Einnahme von Digoxin oder anderen Arzneistoffen, die eine Hypomagnesiämie hervorrufen können (z. B. Diuretika), solle der Arzt vor und periodisch während der Behandlung eine Überwachung der Magnesiumwerte in Betracht ziehen.6
Eine Metaanalyse von Beobachtungsstudien bestätigt den Zusammenhang und beschreibt ihn als dosisabhängig.12 Wichtig: Setzen Sie einen PPI niemals eigenmächtig ab. Die Häufigkeit ist in der Fachinformation mit „nicht bekannt" angegeben – die allermeisten Anwender sind nicht betroffen. Sprechen Sie mit Ihrer Praxis, wenn Sie das Mittel seit Monaten nehmen.
Magnesium im Blut: Normalwerte
Die folgenden Werte sind Richtwerte aus deutschen Universitätslaboren. Sie hängen von Material und Messverfahren ab und sind nicht allgemeingültig.
| Situation | Richtwert | Einheit |
|---|---|---|
| Erwachsene (Serum/Heparinplasma, ab 16 Jahren) | 0,70 – 1,05 | mmol/l |
| 20–60 Jahre (anderes Labor) | 0,66 – 1,07 | mmol/l |
| 60–90 Jahre (anderes Labor) | 0,66 – 0,99 | mmol/l |
| Kinder | 0,6 – 1,2 | mmol/l |
| Neugeborene | 0,4 – 1,2 | mmol/l |
| Hypomagnesiämie | unter ca. 0,7 | mmol/l |
| Hypermagnesiämie | über 2,5 | mmol/l |
| Magnesium im Erythrozyten | 1,65 – 2,65 | mmol/l |
Erwachsenen-, Kinder- und Erythrozytenwerte nach dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg,3 die altersgestaffelten Bereiche und die Schwelle der Hypermagnesiämie nach dem Universitätsklinikum Ulm.1 Dass beide Labore sich unterscheiden, ist der beste Beleg dafür, den Bereich auf Ihrem eigenen Befund heranzuziehen.
Zur Einheit: In Deutschland gilt mmol/l. Für ausländische Befunde: mmol/l × 2,43 = mg/dl, mval/l × 0,5 = mmol/l.1
Präanalytik: was den Wert verfälschen kann
Magnesium sitzt überwiegend in den Zellen; rote Blutkörperchen enthalten rund das Zwei- bis Dreifache der Serumkonzentration.3 Zerplatzen sie bei der Punktion (Hämolyse), steigt der gemessene Wert – der Effekt ist allerdings deutlich schwächer als beim Kalium, und deutsche Labore tolerieren beim Hämolyse-Index entsprechend hohe Werte.1 Ebenfalls verfälschend: Levodopa und fetthaltige Infusionslösungen erzeugen falsch hohe Werte, eine Alkalose verschiebt das Verhältnis von gebundenem zu freiem Magnesium.1 Und wie immer: kurz stauen, zügig ins Labor.
Magnesium zu hoch (Hypermagnesiämie)
Ein erhöhter Magnesiumwert ist selten und hat fast immer eine von zwei Ursachen: Nierenversagen oder eine iatrogene Zufuhr – magnesiumhaltige Infusionen, Antazida, Abführmittel. Das Ulmer Labor formuliert es so: Eine Hypermagnesiämie über 2,5 mmol/l „tritt nur bei Nierenversagen oder iatrogen auf"; in schwerer Ausprägung droht eine Lähmung der Atemmuskulatur.1 Behandelt wird die Ursache, immer ärztlich.
⚠️ Eingeschränkte Nierenfunktion: hier wird Ergänzung gefährlich
Weil die Niere der Hauptregler ist, reichert sich zugeführtes Magnesium an, sobald ihre Leistung nachlässt.1 Die DGN-Leitlinie ist eindeutig: Bei Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder Myasthenie soll Magnesium nicht eingesetzt werden.5 Das trifft mehr Menschen, als es klingt – eine nachlassende Nierenfunktion verläuft lange beschwerdefrei und fällt oft erst über die Nierenwerte auf: Kreatinin, eGFR und Cystatin C. Wer ein Magnesiumpräparat nimmt, sollte das ärztlich abklären lassen, statt darauf zu vertrauen, ein Mineralstoff sei ja harmlos.
Das Trio Magnesium – Kalium – Calcium
Auch die behördlich vorgegebene Packungsbeilage der PPI benennt es: Niedrige Magnesiumwerte können zu einer Absenkung der Kalium- und Kalziumwerte im Blut führen.6 Der Mechanismus ist für Kalium gut untersucht – fehlt Magnesium in der Zelle, verliert die Niere vermehrt Kalium über einen Kanal, der sonst gebremst wird.13 Beim Calcium hemmt ein ausgeprägter Mangel Ausschüttung und Wirkung des Parathormons.11
Die praktische Folge: Eine Hypokaliämie oder Hypokalzämie, die auf die Behandlung nicht anspricht, ist ein Anlass, gezielt nach einem Magnesiummangel zu suchen – sie bessert sich oft erst nach dessen Ausgleich.1311 Weil Magnesium und Calcium gemeinsam reguliert werden, gehören auch Phosphat, Vitamin D und der Knochenstoffwechsel in dieses Bild.
Wie viel Magnesium braucht man? Die DGE-Werte
Maßgeblich sind in Deutschland die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), zuletzt 2021 abgeleitet – Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr, keine Mindestmengen für den Einzelfall.9
| Altersgruppe | Männlich | Weiblich |
|---|---|---|
| 10 bis unter 13 Jahre | 260 mg/Tag | 230 mg/Tag |
| 13 bis unter 15 Jahre | 280 mg/Tag | 240 mg/Tag |
| 15 bis unter 19 Jahre | 330 mg/Tag | 260 mg/Tag |
| ab 19 Jahren | 350 mg/Tag | 300 mg/Tag |
| Schwangere / Stillende | – | 300 mg/Tag |
Für Kinder von 1 bis 10 Jahren liegen die Schätzwerte zwischen 170 und 240 mg/Tag.9 Gute Quellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Gemüse, Nüsse und Samen. Und ein Satz der DGE, der in der Werbung selten vorkommt: Ein Magnesiummangel ist bei üblichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten selten.9
⚠️ Nahrungsergänzungsmittel: die BfR-Höchstmenge
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für den Zusatz von Magnesium zu Nahrungsergänzungsmitteln eine Höchstmenge von 250 mg pro Tagesverzehrempfehlung – und rät, diese Menge auf zwei oder mehr Portionen zu verteilen.7
Begrenzend ist ausdrücklich die abführende Wirkung: Die Ableitung stützt sich auf leichte Durchfälle, die bei einem geringen Prozentsatz Erwachsener ab zusätzlichen Zufuhren von etwa 360 mg auftreten; inzwischen gibt es Hinweise auf solche Effekte schon ab 300 mg pro Tag. Der Höchstwert gilt nur für zusätzliche Zufuhren – die Menge aus normalen Lebensmitteln ist nicht betroffen.7
Dieser Ratgeber nennt keine Dosierung und empfiehlt kein Produkt. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, hängt von Ursache, Nierenfunktion und übrigen Medikamenten ab – das gehört in die ärztliche oder apothekerliche Beratung.
Wird der Magnesiumwert von der Kasse bezahlt?
Ja, bei medizinischer Indikation. Magnesium ist im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) als Gebührenordnungsposition 32248 gelistet und mit 1,29 € bewertet – eine reguläre Kassenleistung.14 Die DGN-Leitlinie führt Magnesium bei Muskelkrämpfen sogar in der Basisdiagnostik, gemeinsam mit Blutbild, Natrium, Kalium, Calcium, Blutzucker, Kreatinin, eGFR, Harnstoff, CK und TSH; bei gezieltem Verdacht kommen Vitamin D, Parathormon, HbA1c, Ferritin und Zink hinzu.5
Anders als zu Vitamin D oder Vitamin B12 findet sich im IGeL-Monitor – dem Bewertungsportal des Medizinischen Dienstes – in der A–Z-Liste keine Bewertung zu Magnesium oder Mineralstoff-Screenings (Stand 08/2026).15 Es gibt dazu also kein IGeL-Urteil; das ist eine Lücke, keine Empfehlung.
Aktuelle Forschung
- Der Serumwert bleibt ein schwacher Marker. Übersichtsarbeiten zur Magnesiumbiologie betonen, dass ein validierter Routinetest für den Körperspeicher weiterhin fehlt.82
- Bei erworbener Hypomagnesiämie stehen Medikamente im Vordergrund. Eine Übersicht von 2025 ordnet Arzneimittel, Darmverluste und renale Verluste als wichtigste Ursachengruppen ein – deutlich vor der reinen Zufuhrfrage.10
- PPI: der Zusammenhang ist dosisabhängig. Eine Metaanalyse von Beobachtungsstudien fand eine Dosis-Wirkungs-Beziehung – passend zur behördlichen Überwachungsempfehlung.126
Diese Ergebnisse betreffen die ärztliche Beurteilung. Sie rechtfertigen keine Selbstmedikation und ersetzen kein ärztliches Gespräch.
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Ein Magnesiumwert allein sagt wenig – weder ein normaler noch ein niedriger beantwortet die Frage nach einem Mangel. Entscheidend sind Ihre Medikamente, Ihre Nierenfunktion (Nierenwerte) und die begleitenden Elektrolyte.
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Häufige Fragen
Kann man einen Magnesiummangel trotz normalem Blutwert haben? Ja. Rund zwei Drittel des Magnesiums liegen im Skelett, etwa ein Drittel in den Zellen und nur ca. 1 % im Blutplasma.1 Der Körper hält den Blutspiegel lange stabil, indem er nachliefert. Ein normaler Wert schließt ein Speicherdefizit deshalb nicht aus.2
Welcher Magnesiumwert ist normal? Bei Erwachsenen typischerweise 0,70–1,05 mmol/l im Serum.3 Ein anderes Universitätslabor gibt für 20- bis 60-Jährige 0,66–1,07 mmol/l an.1 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem eigenen Befund.
Hilft Magnesium wirklich gegen nächtliche Wadenkrämpfe? Der Cochrane-Review kommt zu dem Schluss, dass Magnesium älteren Menschen mit idiopathischen Krämpfen wahrscheinlich keine klinisch bedeutsame Vorbeugung bietet; in der Schwangerschaft ist die Datenlage widersprüchlich.4 Die DGN-Leitlinie empfiehlt, einen messbaren Mangel auszugleichen, und rät ansonsten zu Dehnübungen.5
Was sind die Symptome eines Magnesiummangels? Muskelkrämpfe, Durchfall und Herzrhythmusstörungen,1 bei schwerem Mangel zusätzlich Erschöpfung, unwillkürliche Muskelkontraktionen, Verwirrtheit, Krampfanfälle und Schwindel.6 Alle diese Zeichen sind unspezifisch.
Senken Protonenpumpenhemmer den Magnesiumspiegel? Ja, behördlich anerkannt: schwere Hypomagnesiämien nach mindestens drei Monaten Behandlung, mit Kontrollempfehlung vor und während der Therapie bei längerer Anwendung oder Kombination mit Digoxin oder Diuretika.6 Setzen Sie einen PPI nie eigenmächtig ab.
Wie viel Magnesium am Tag ist normal? Die DGE nennt als Schätzwert ab 19 Jahren 350 mg/Tag für Männer und 300 mg/Tag für Frauen; Schwangere und Stillende 300 mg/Tag.9
Warum wird bei niedrigem Kalium oder Calcium nach Magnesium gesucht? Weil ein Magnesiummangel beides unterhält: Er steigert den renalen Kaliumverlust13 und hemmt Ausschüttung und Wirkung des Parathormons.11 Eine Hypokaliämie oder Hypokalzämie, die auf die Behandlung nicht anspricht, bessert sich oft erst nach Ausgleich des Magnesiums.
Ist Magnesium bei Nierenschwäche gefährlich? Es kann es sein: Lässt die Nierenleistung nach, reichert sich Magnesium an.1 Die DGN-Leitlinie sagt, dass bei Niereninsuffizienz, Herzrhythmusstörungen oder Myasthenie kein Magnesium eingesetzt werden soll.5 Klären Sie eine Einnahme ärztlich ab.
Das Wichtigste in Kürze
Magnesiummangel ist real, aber seltener als der Markt suggeriert – die DGE hält ihn bei üblichen Ernährungsgewohnheiten für selten.9 Merken Sie sich vor allem den Messvorbehalt: Im Blut liegt nur etwa 1 % des Körpermagnesiums, ein normaler Wert schließt einen Mangel also nicht aus.1 Richtwert im Serum ist rund 0,70–1,05 mmol/l.3 Die wichtigsten Ursachen sind Darmverluste, chronischer Alkoholkonsum, Diuretika und Protonenpumpenhemmer über Monate bis Jahre – letztere mit ausdrücklicher Überwachungsempfehlung des BfArM.6 Bei nächtlichen Wadenkrämpfen ist der Nutzen nicht ausreichend belegt, ein messbarer Mangel wird aber ausgeglichen.45 Und die Sicherheitsregel über allem: Bei eingeschränkter Nierenfunktion gehört Magnesium in ärztliche Hände.5 Kein Laborwert steht für sich – dabei hilft AI DiagMe ergänzend zu Ihrer ärztlichen Betreuung.
Quellen
Deutsche Fachgesellschaften, Behörden und Universitätslabore sowie geprüfte PubMed-Quellen:
Footnotes
-
Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis Magnesium, Revision 001/30.10.2020 (Verteilung im Körper, Referenzbereiche, Störfaktoren, Hypermagnesiämie). uniklinik-ulm.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20
-
de Baaij JH, Hoenderop JG, Bindels RJ. Magnesium in man: implications for health and disease. Physiol Rev, 2015. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), Institut für Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis des Zentrallabores, Ausgabe 08/2024 (Magnesium in Serum, Erythrozyten und Urin). ukgm.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
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Garrison SR, Korownyk CS, Kolber MR, et al. Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database Syst Rev, 2020. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) — S1-Leitlinie Crampi/Muskelkrampf, AWMF-Register-Nr. 030/037, Version 6.0, Stand 02/2024, gültig bis 07.11.2028. register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11
-
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) — Protonenpumpeninhibitoren (verschreibungspflichtige Formen): Risiko von Hypomagnesiämie, Aufforderung zur Textanpassung, 26.07.2012; Anlage 2 mit den vom PhVWP im März 2012 beschlossenen SmPC- und Packungsbeilagentexten. bfarm.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
-
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Höchstmengenvorschläge für Magnesium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. bfr.bund.de ↩ ↩2 ↩3
-
Kröse JL, de Baaij JHF. Magnesium biology. Nephrol Dial Transplant, 2024. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) — Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Magnesium (Schätzwerte, Ableitung 2021). dge.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
-
Floris M, Angioi A, Lepori N, Piras D. The Clinical Spectrum of Acquired Hypomagnesemia: From Etiology to Therapeutic Approaches. Biomedicines, 2025. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
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Liamis G, Hoorn EJ, Florentin M, Milionis H. An overview of diagnosis and management of drug-induced hypomagnesemia. Pharmacol Res Perspect, 2021. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
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Srinutta T, Chewcharat A, Takkavatakarn K, et al. Proton pump inhibitors and hypomagnesemia: A meta-analysis of observational studies. Medicine (Baltimore), 2019. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Huang CL, Kuo E. Mechanism of hypokalemia in magnesium deficiency. J Am Soc Nephrol, 2007. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) — Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 1/2026: Gebührenordnungsposition 32248 „Magnesium", 1,29 €. kbv.de ↩
-
IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) — IGeL von A bis Z: keine Bewertung zu Magnesium oder Mineralstoff-Screening gelistet (abgerufen 08/2026). igel-monitor.de ↩