Blutgruppen: AB0, Rhesus und wie Sie Ihre erfahren
A positiv (37 %) und 0 positiv (35 %) sind in Deutschland am häufigsten. Im normalen Blutbild steht Ihre Blutgruppe nicht – sie muss eigens bestimmt werden.
Ihre Blutgruppe ist kein Laborwert wie Hämoglobin oder Hämatokrit. Sie ist weder „zu hoch" noch „zu niedrig", sie hat keinen Normbereich und sie ändert sich nicht: Sie ist eine Eigenschaft Ihrer roten Blutkörperchen, geerbt und lebenslang gleich. Zwei Systeme prägen die Praxis: das AB0-System (A, B, AB, 0) und das Rhesussystem (positiv oder negativ). Dieser Ratgeber erklärt, was hinter beiden steckt, wie die Bestimmung im Labor abläuft, warum Ihre Blutgruppe auf einem gewöhnlichen Befund nicht auftaucht, wo sie in Deutschland dokumentiert wird, was im Transfusionsfall zählt – und was von der „Blutgruppendiät" zu halten ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Blutgruppe beschreibt Antigene auf den Erythrozyten. Das AB0-System unterscheidet A, B, AB und 0, das Rhesussystem richtet sich nach dem Antigen D.12
- Die Besonderheit des AB0-Systems: Im Blutplasma zirkulieren reguläre Antikörper (Isoagglutinine) gegen die fehlenden Antigene – ohne je fremdes Blut gesehen zu haben. Deshalb ist ein AB0-Fehler sofort gefährlich.13
- In Deutschland sind A Rhesus positiv (37 %) und 0 Rhesus positiv (35 %) am häufigsten, AB Rhesus negativ (1 %) am seltensten; rund 85 % sind Rhesus positiv.45
- Die Bestimmung ist zweiteilig: Testreagenzien gegen Ihre Erythrozyten und die Serumgegenprobe. Die Richtlinie Hämotherapie ist eindeutig: „Die Bestimmung ist nur vollständig, wenn sowohl die Erythrozytenmerkmale als auch die Serumeigenschaften untersucht worden sind."3
- ⚠️ Auf einem Routinebefund steht Ihre Blutgruppe nicht. Sie gehört nicht zum großen Blutbild und wird außerhalb von Schwangerschaft, Operation und Transfusion nicht standardmäßig bestimmt.6
- Ein Blutspendeausweis ist praktisch, aber kein Freibrief: Befunde einer anderen Stelle „dürfen aber (außer im Katastrophenfall) nicht allein einer Erythrozytentransfusion zugrunde gelegt werden".3
- Die Blutgruppendiät hat keine tragfähige Grundlage. Eine systematische Übersichtsarbeit fand unter 1 415 gesichteten Arbeiten keine einzige, die gesundheitliche Effekte von AB0-Diäten belegt.78
Was ist eine Blutgruppe?
Auf der Oberfläche jedes roten Blutkörperchens sitzen Zuckerketten und Eiweiße, die als Antigene wirken. Welche davon Sie tragen, ist genetisch festgelegt. Ihr Immunsystem toleriert die eigenen Antigene – und kann gegen fremde Antikörper bilden. Genau dieses Paar entscheidet, ob fremdes Blut vertragen wird oder verklumpt.1 Bekannt sind heute mehr als 40 Blutgruppensysteme. Für den Alltag zählen zwei, und Ihre vollständige Blutgruppe schreibt beide zusammen: 0+, A−, AB+. Alles Weitere – Kell, Duffy, Kidd – wird nur bei Bedarf untersucht.6
Das AB0-System und seine regulären Antikörper
Karl Landsteiner beschrieb es 1901. Zwei Antigene, A und B, ergeben vier Gruppen:
| Blutgruppe | Antigene auf den Erythrozyten | Reguläre Antikörper im Plasma |
|---|---|---|
| A | A | Anti-B |
| B | B | Anti-A |
| AB | A und B | keine |
| 0 | keine | Anti-A und Anti-B |
Die zweite Spalte ist der eigentliche Punkt. Bei fast allen anderen Blutgruppenmerkmalen entstehen Antikörper erst nach Kontakt – nach einer Transfusion oder Schwangerschaft. Im AB0-System sind sie von klein auf da. Man führt das darauf zurück, dass A- und B-ähnliche Zuckerstrukturen in der Umwelt allgegenwärtig sind, insbesondere auf Darmbakterien: Das Immunsystem lernt sie früh kennen und bildet Antikörper gegen die Variante, die es selbst nicht trägt.1
Praktische Folge: Eine AB0-Unverträglichkeit braucht keine Vorgeschichte. Die Antikörper sind bereits im Kreislauf und greifen die übertragenen Zellen sofort an. Das Paul-Ehrlich-Institut zählte für das Berichtsjahr 2022 43 bestätigte Fehltransfusionen mit Transfusionsreaktion, davon 36 AB0-inkompatibel nach der Gabe von Erythrozytenkonzentraten, sowie vier Todesfälle.9 Sichtbar wird die Reaktion als Agglutination: Antikörper verbrücken die Erythrozyten zu Klumpen, nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip – deshalb ist eine Blutgruppe eine Kategorie und keine Zahl auf einer Skala.
Chemisch sind A und B Zucker auf einem gemeinsamen Grundgerüst, der H-Substanz; bei Gruppe 0 bleibt dieses Grundgerüst unverändert. Dazu kommen schwächere Untergruppen wie A2 – eine der Erklärungen dafür, warum jede Bestimmung gegengeprüft wird.13
Der Rhesusfaktor in Kürze
Das zweite System richtet sich in der Routine nach einem einzigen Antigen, dem Antigen D: Wer es trägt, ist Rhesus positiv, wer nicht, Rhesus negativ.2 Der entscheidende Unterschied zum AB0-System: Anti-D gibt es nicht von Natur aus. Es entsteht erst nach Kontakt mit RhD-positivem Blut – Näheres im Ratgeber zum Rhesusfaktor und zur Anti-D-Prophylaxe.
Das Merkmal ist zudem nicht einfach an oder aus. Die Richtlinie Hämotherapie beschreibt abgeschwächte Formen (weak D), qualitativ veränderte Formen (partial D) und den DEL-Phänotyp. Nach molekulargenetischer Klärung gelten Menschen mit weak D Typ 1, 2 oder 3 als RhD-positiv – sie können RhD-positive Präparate erhalten, und Schwangere mit diesen Typen benötigen keine Rhesusprophylaxe. Bei anderen Genotypen mit unklarem serologischem Ergebnis gilt das Gegenteil.3
Wie häufig ist welche Blutgruppe in Deutschland?
Die DRK-Blutspendedienste veröffentlichen folgende Verteilung; der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes nennt dieselben Werte. Der zugehörige DRK-Magazinbeitrag ist auf den 4. Juni 2020 datiert.4510
| Blutgruppe | Anteil in Deutschland |
|---|---|
| A positiv | 37 % |
| 0 positiv | 35 % |
| B positiv | 9 % |
| A negativ | 6 % |
| 0 negativ | 6 % |
| AB positiv | 4 % |
| B negativ | 2 % |
| AB negativ | 1 % |
Nach AB0-Gruppen zusammengefasst: A 43 %, 0 41 %, B 11 %, AB 5 %. Beim Rhesusfaktor stehen 85 % positiv gegen 15 % negativ.4 Es sind gerundete Angaben der Blutspendedienste, keine Zufallsstichprobe – als Größenordnung belastbar, nicht auf die Nachkommastelle. Die Mutterschafts-Richtlinie nennt für Europa denselben Rahmen: etwa 15 % rhesus-negativ.11 Wer wem spenden darf, zeigt die Blutgruppen-Tabelle – samt der Grenzen des Universalspenders. Wie sich die Gruppe von den Eltern ableitet, steht unter Blutgruppe: Vererbung.
Wie wird die Blutgruppe bestimmt?
Es braucht eine gewöhnliche Blutentnahme in ein passendes Blutröhrchen – ohne Vorbereitung. Im Labor laufen dann zwei Untersuchungen gegeneinander:3
- Direkter Nachweis (Erythrozytenmerkmale): Ihre roten Blutkörperchen treffen auf die monoklonalen Testreagenzien Anti-A und Anti-B. Verklumpen sie mit Anti-A, tragen Sie Antigen A.
- Serumgegenprobe (Serumeigenschaften): Ihr Serum trifft auf bekannte Testerythrozyten A(1), B und 0. Weil Ihr Plasma die regulären Antikörper enthält, muss das Muster den direkten Nachweis spiegeln. Wer Gruppe 0 hat, agglutiniert beide Testzellen.
Beide Hälften kontrollieren sich gegenseitig. Passen sie nicht zusammen – etwa nach einer Stammzelltransplantation –, gilt der Befund als vorläufig. Bei Säuglingen bis zum Ende des dritten Lebensmonats darf die Serumgegenprobe entfallen, weil die eigenen Isoagglutinine noch fehlen; auch dann ist der Befund vorläufig.3 Das RhD-Merkmal wird mit mindestens zwei verschiedenen Testreagenzien untersucht.11
Und der wichtigste Satz für den Alltag: Eine Blutgruppe steht nicht auf einem Routinebefund. Sie ist kein Bestandteil des großen Blutbilds, keiner Serologie und keines Standardpakets. Wer sie wissen will, muss sie ausdrücklich bestimmen lassen – ohne medizinischen Anlass als Selbstzahlerleistung. Kostenlos erfahren Sie sie bei der Blutspende. Heimtests gelten als fehleranfällig und ersetzen keine Laborbestimmung.6
Wo Ihre Blutgruppe dokumentiert ist – und was im Ernstfall gilt
In Deutschland taucht die Blutgruppe an wenigen Stellen auf:
- Im Blutspendeausweis nach der ersten Spende. Die DRK-Blutspendedienste Baden-Württemberg – Hessen und Nord-Ost stellen ihn seit dem 1. April 2025 für Erstspendende nur noch digital in der Blutspende-App aus.6
- Im Mutterpass: Die Mutterschafts-Richtlinie sieht Blutgruppe und Merkmal RhD der Mutter sowie einen Antikörper-Suchtest ausdrücklich vor; liegen bescheinigte Ergebnisse vor, entfällt die erneute Bestimmung.11
- Selten in einem Impf- oder Notfallausweis, wenn ärztlich eingetragen.6
Ein Ausweis in der Tasche ist nützlich – aber kein Transfusionsdokument. Die Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer ist unmissverständlich: Blutgruppenbefunde einer anderen Untersuchungsstelle „sollen zur Bestätigung herangezogen werden, dürfen aber (außer im Katastrophenfall) nicht allein einer Erythrozytentransfusion zugrunde gelegt werden". Selbst ein Befund aus dem eigenen Labor trägt eine Transfusion nur, wenn die Identität gesichert ist und das Ergebnis aus einer zweiten Blutentnahme bestätigt wurde.3
Vor einer Bluttransfusion kommen deshalb drei Schritte hinzu: der Antikörpersuchtest und die serologische Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe) – beide zu wiederholen, wenn die Blutprobe älter als drei Tage ist – sowie unmittelbar am Bett der AB0-Identitätstest (Bedside-Test), den die transfundierende ärztliche Person selbst durchführt und schriftlich dokumentiert.3 Rechtlich flankiert wird das durch § 14 Transfusionsgesetz: Die Dokumentation muss das Ergebnis der Blutgruppenbestimmung umfassen, soweit Blutprodukte blutgruppenspezifisch angewendet werden.12
Kell, Duffy, Kidd: die anderen Systeme
Jenseits von AB0 und Rhesus zählen weitere Systeme – vor allem, wenn jemand durch frühere Transfusionen oder Schwangerschaften bereits Antikörper gebildet hat. Die Mutterschafts-Richtlinie schreibt den Suchtest gegen Testzellen mit den Antigenen D, C, c, E, e, Kell, Fy (Duffy) und S vor;11 bei erweiterten Bestimmungen kommen Jk(a) und Jk(b) (Kidd) hinzu.3 Im Alltag spielen sie keine Rolle; in Transfusionsmedizin und Schwangerschaft entscheiden sie mit, wie schnell passendes Blut gefunden wird. Ein positiver Suchtest führt zu Folgeuntersuchungen, nicht zu einer neuen Blutgruppe.
Blutgruppendiät: was die Evidenz hergibt
Das Konzept stammt vom Naturheilmediziner Peter J. D'Adamo und ordnet jeder AB0-Gruppe einen „Typ" mit eigener Lebensmittelliste zu: 0 der „Jäger", A der „Landwirt", B der „Nomade", AB der „Rätselhafte". Begründet wird das damit, Lektine aus der Nahrung reagierten mit den Antigenen der eigenen Blutgruppe und ließen das Blut verklumpen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nahm dazu bereits 2000 Stellung und legte 2013 nach: Die beworbenen Effekte seien „reine Theorie und wissenschaftlich nicht bewiesen"; angekündigte Belege für die Lektin-Hypothese seien „bis heute in der wissenschaftlichen Literatur nicht beschrieben".8
Diese Einschätzung stützt sich auf eine systematische Übersichtsarbeit des Belgischen Roten Kreuzes: Von 1 415 gesichteten Referenzen blieben 16 Arbeiten, von denen genau eine die Einschlusskriterien erfüllte – und die untersuchte etwas anderes. Studien zu gesundheitlichen Effekten von AB0-Diäten fanden sich keine.7
Der direkteste Test kam ein Jahr später. Bei 1 455 Teilnehmenden ging eine hohe Übereinstimmung mit der „Typ-A"- und „Typ-AB"-Kost tatsächlich mit günstigeren Werten für BMI, Blutdruck, Cholesterin, Triglyzeride und Insulinresistenz einher. Nur: Der Effekt war unabhängig vom tatsächlichen AB0-Genotyp. Wer sich pflanzenbetont ernährte, profitierte – gleich welche Blutgruppe er hatte. Die Autoren schließen daraus, dass die Daten die Blutgruppen-Hypothese nicht stützen.13
Die DRK-Blutspendedienste ergänzten 2025 zwei Punkte: D'Adamos Annahme, Gruppe 0 sei die „Urblutgruppe" gewesen, entspricht nicht dem heutigen Kenntnisstand, und die fraglichen Lektine werden beim Garen in eine unbedenkliche Form überführt.14 Fazit ohne Häme: Wer sich nach einer dieser Listen ernährt und sich besser fühlt, bildet sich das nicht ein – nur liegt es an der Kost, nicht an der Blutgruppe. Eine Ernährungsumstellung braucht keine Blutgruppenbestimmung als Eintrittskarte.
Blutgruppe, Persönlichkeit und Krankheitsrisiko
Der Persönlichkeitsteil ist der klarste Fall. Eine Auswertung großer Zufallsstichproben aus Japan und den USA mit über 10 000 Befragten fand bei 65 von 68 Merkmalen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Blutgruppen; die Effektstärken lagen unter η² = 0,003 – die Blutgruppe erklärt weniger als 0,3 % der Persönlichkeitsunterschiede.15
Bei Krankheitsrisiken liegt der Fall anders – und wird oft überzogen dargestellt. Die breiteste Analyse prüfte in der UK Biobank an 406 755 Personen 41 Erkrankungen und 36 Messgrößen. Das AB0-System war mit 11 der 41 Endpunkte verbunden, überwiegend Herz-Kreislauf-Ereignissen: Gegenüber Gruppe 0 zeigten A und B eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für thromboembolische Ereignisse (Odds Ratio bis 1,56; 95-%-KI 1,43–1,69) und eine leicht geringere für Bluthochdruck (0,94; 0,92–0,97).16 Der biologische Faden ist bekannt: Das AB0-Merkmal beeinflusst den Von-Willebrand-Faktor und damit Größen der Blutgerinnung.
Was folgt daraus für Sie? Nichts, was Sie tun müssten. Es sind Verschiebungen auf Bevölkerungsebene, die neben Blutdruck, Rauchen, Bewegung und Blutfetten verschwindend klein sind – kein deutsches Vorsorgeprogramm richtet sich nach der Blutgruppe.
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Ihre Blutgruppe ist eine Kategorie – Ihre übrigen Werte sind es nicht. Wie es der roten Reihe geht, zeigen Hämoglobin, Hämatokrit und Retikulozyten; ob Erythrozyten vorzeitig zerfallen, verraten Haptoglobin, Bilirubin und die LDH.
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Aktuelle Forschung
- Die Landkarte ist noch nicht fertig. 2024 klärte ein internationales Team die genetische Grundlage des seit 1972 rätselhaften Antigens AnWj: Ausfälle im Gen MAL erklären den seltenen ererbten AnWj-negativen Phänotyp und begründen ein neues Blutgruppensystem.17
- Genotypisierung ergänzt die Serologie. Die Richtlinie Hämotherapie sieht molekulargenetische Verfahren ausdrücklich vor – bei immunhämatologischen Problemfällen und zur Abklärung von weak D bei gebärfähigen Frauen und bei chronischem Transfusionsbedarf.32
- Fehltransfusionen bleiben ein Thema. Das Paul-Ehrlich-Institut verzeichnete für 2022 einen Anstieg AB0-inkompatibler Meldungen (36 gegenüber einem Zehnjahresmittel von rund 21) und regt Schulungen und Checklisten an.9
Diese Erkenntnisse betreffen Transfusionsmedizin und Forschung. Sie ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.
Häufige Fragen
Welche Blutgruppen gibt es? Im AB0-System A, B, AB und 0, kombiniert mit Rhesus positiv oder negativ – zusammen acht Blutgruppen. Darüber hinaus sind mehr als 40 Blutgruppensysteme bekannt, die nur bei Bedarf untersucht werden.61
Welche Blutgruppe ist in Deutschland am häufigsten? A positiv mit 37 %, dicht gefolgt von 0 positiv mit 35 %. Am seltensten ist AB negativ mit rund 1 %.45
Wie finde ich meine Blutgruppe heraus? Über eine gezielte Bestimmung in der Arztpraxis, über den Mutterpass, falls vorhanden – oder kostenlos bei der Blutspende, wo ohnehin bestimmt wird. Ohne medizinischen Anlass ist die Bestimmung in der Praxis eine Selbstzahlerleistung.6
Steht die Blutgruppe im Blutbild? Nein. Sie ist kein Bestandteil des kleinen oder großen Blutbilds und muss ausdrücklich angefordert werden. Nüchtern sein müssen Sie dafür nicht – Näheres unter nüchtern zur Blutabnahme.6
Kann sich meine Blutgruppe ändern? Nein, sie ist genetisch festgelegt. Ein abweichendes Ergebnis geht fast immer auf eine Verwechslung oder einen Übertragungsfehler zurück – Ausnahmen sind Sondersituationen wie eine allogene Stammzelltransplantation, bei denen der Befund vorläufig zu kennzeichnen ist.3
Warum wird meine Blutgruppe im Krankenhaus noch einmal bestimmt? Weil Befunde einer anderen Stelle einer Erythrozytentransfusion außer im Katastrophenfall nicht allein zugrunde gelegt werden dürfen. Hinzu kommen Antikörpersuchtest, Kreuzprobe und der Bedside-Test unmittelbar vor der Übertragung.3
Bringt die Blutgruppendiät etwas? Nach heutigem Stand nicht. Eine systematische Recherche fand keine Studie, die gesundheitliche Effekte belegt; in der einzigen direkten Untersuchung waren die günstigen Effekte einzelner Speisepläne unabhängig von der Blutgruppe der Teilnehmenden.7138
Sagt meine Blutgruppe etwas über meinen Charakter? Nein. In großen Stichproben aus Japan und den USA erklärte die Blutgruppe weniger als 0,3 % der Persönlichkeitsunterschiede.15
Zum Mitnehmen
Eine Blutgruppe ist eine Kategorie, kein Messwert: geerbt, lebenslang gleich, ohne „zu hoch". Entscheidend sind das AB0-System – mit seinen regulären Antikörpern, die schon vor jedem Blutkontakt da sind – und das Rhesusmerkmal D. In Deutschland dominieren A positiv (37 %) und 0 positiv (35 %), 85 % sind rhesus-positiv.45 Bestimmt wird in zwei sich kontrollierenden Schritten, direkter Nachweis plus Serumgegenprobe; im Transfusionsfall zählt nicht der Ausweis, sondern die aktuelle Untersuchung samt Bedside-Test.3 Von der Blutgruppendiät und vom Blutgruppen-Charakter bleibt nach Prüfung der Studienlage nichts übrig – von der Blutgruppe als Sicherheitsmerkmal dagegen sehr viel.7159 Ihre übrigen Werte ordnet AI DiagMe im Zusammenhang ein, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
Deutsche Richtliniengeber und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
Footnotes
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Storry JR, Olsson ML. The ABO blood group system revisited: a review and update. Immunohematology, 2009 – Antigene A und B als Zuckerstrukturen auf dem gemeinsamen H-Grundgerüst, reguläre Anti-A- und Anti-B-Antikörper ohne vorherige Exposition, Untergruppen wie A2. PubMed ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
-
Ramsey G. The Rh blood group system: RHD update. Immunohematology, 2025 – Aktualisierung zum RHD-Gen, zum Antigen D und zu seinen Varianten. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Bundesärztekammer im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut – Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2023: Abschnitt 4.4.6 (AB0-Bestimmung mit monoklonalen Testreagenzien Anti-A und Anti-B, Absicherung durch Nachweis der Serumeigenschaften mit Testerythrozyten A(1), B und 0; „Die Bestimmung ist nur vollständig, wenn sowohl die Erythrozytenmerkmale als auch die Serumeigenschaften untersucht worden sind."; Entfall der Serumgegenprobe bei Neugeborenen und Säuglingen bis zum Abschluss des 3. Lebensmonats mit Kennzeichnung des Befundes als vorläufig; vorläufiger Befund auch bei Diskrepanz zwischen Serumeigenschaften und Erythrozytenmerkmalen, etwa nach allogener Stammzelltransplantation), Abschnitt 4.4.7 (RhD-Ausprägungen weak D, partial D und DEL; weak D Typ 1, 2 oder 3 gelten nach molekulargenetischer Differenzierung als RhD-positiv, Transfusion mit RhD-positiven Produkten möglich, keine Rhesusprophylaxe erforderlich; andere Genotypen mit diskrepanten oder schwach positiven Ergebnissen gelten als RhD-negativ; Empfehlung der molekulargenetischen Differenzierung bei Mädchen, gebärfähigen Frauen und Patienten mit chronischem Transfusionsbedarf), Abschnitt 4.4.9 (Antikörpersuchtest als Bestandteil der Blutgruppenbestimmung, Wiederholung bei jeder Verträglichkeitsprobe, wenn die Blutentnahme länger als 3 Tage zurückliegt), Abschnitt 4.4.11 (serologische Verträglichkeitsprobe/Kreuzprobe vor jeder Erythrozytentransfusion, Wiederholung nach spätestens 3 Tagen aus frisch entnommener Empfängerprobe), Abschnitt 4.6.1 („Blutgruppenbefunde einer anderen Untersuchungsstelle (z. B. in Blutspenderpässen) sollen zur Bestätigung herangezogen werden, dürfen aber (außer im Katastrophenfall) nicht allein einer Erythrozytentransfusion zugrunde gelegt werden."; frühere Befunde des eigenen Labors nur bei gesicherter Identität und Bestätigung aus einer zweiten Blutentnahme) sowie Abschnitt 4.9.2.1 (AB0-Identitätstest/Bedside-Test unmittelbar vor der Transfusion durch den transfundierenden Arzt, schriftliche Dokumentation). bundesaerztekammer.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14
-
DRK-Blutspendedienste – Verteilung von Blutgruppen: A 43 % und 0 41 % als häufigste AB0-Gruppen in Deutschland, B 11 %, AB 5 %; ca. 85 % der Bevölkerung Rhesus positiv und 15 % Rhesus negativ; Einzelverteilung A+ 37 %, 0+ 35 %, B+ 9 %, AB+ 4 %, A− 6 %, 0− 6 %, B− 2 %, AB− 1 %. drk-blutspende.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes – Verteilung der Blutgruppen: identische Werte für Deutschland (A+ 37 %, 0+ 35 %, B+ 9 %, AB+ 4 %, A− 6 %, 0− 6 %, B− 2 %, AB− 1 %); AB0-, Rhesus- und Kell-System als die drei wichtigsten Blutgruppensysteme. Zweitquelle zur Absicherung der Verteilungszahlen. blutspendedienst.com ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
DRK Blutspende-Magazin – Blutgruppe bestimmen: Welche Blutgruppe habe ich? (22. März 2024) und Der Blutspendeausweis (Stand mit Neuerung seit 1. April 2025): Bestimmung durch die Hausarztpraxis auf Wunsch, aber Selbstzahlung ohne medizinischen Grund; kostenlose Bestimmung im Rahmen der Blutspende mit Eintrag von Blutgruppe, Rhesusfaktor und Kell-Merkmal in den Blutspendeausweis; digitaler Blutspendeausweis für Erstspendende der DRK-Blutspendedienste Baden-Württemberg – Hessen und Nord-Ost seit dem 1. April 2025 ausschließlich in der Blutspende-App; Eintrag der Blutgruppe im Mutterpass und nur selten im Impfpass, der dann zugleich als Notfallausweis dient; Heimtests als fehleranfällig und kein Ersatz für die professionelle Bestimmung; Hinweis auf über 40 Blutgruppensysteme. blutspende.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
-
Cusack L, De Buck E, Compernolle V, Vandekerckhove P (Belgisches Rotes Kreuz – Flandern). Blood type diets lack supporting evidence: a systematic review. American Journal of Clinical Nutrition, 2013 – systematische Suche in Cochrane Library, MEDLINE und Embase; von 1.415 gesichteten Referenzen erfüllte nur eine von 16 identifizierten Arbeiten die Einschlusskriterien, und diese beantwortete die Fragestellung nicht; keine Studie zu gesundheitlichen Effekten von AB0-Blutgruppendiäten gefunden; Bewertung nach GRADE. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) – Presseinformation „Blutgruppendiäten ohne bewiesenen Nutzen", aus der Wissenschaft 02/2013 vom 10. Dezember 2013: Verweis auf die DGE-Stellungnahme von 2000 und erneuter Hinweis, dass die beworbenen gesundheitlichen Effekte „reine Theorie und wissenschaftlich nicht bewiesen sind"; Darstellung der D'Adamo-Typologie (0 Jäger, A Landwirt, B Nomade, AB Rätselhafter) und der Lektin-Hypothese mit der Feststellung, angekündigte Beweise seien „bis heute in der wissenschaftlichen Literatur nicht beschrieben"; Hinweis, dass Assoziationen aus genomweiten Studien zwischen Blutgruppe und Krankheitsrisiko keine Grundlage für blutgruppenspezifische Ernährung bilden. dge.de ↩ ↩2 ↩3
-
Paul-Ehrlich-Institut – Hämovigilanzbericht 2022. Auswertung der Meldungen von schwerwiegenden Reaktionen und Zwischenfällen nach § 63i Arzneimittelgesetz: 45 gemeldete und 43 bestätigte Fehltransfusionen mit Transfusionsreaktion (FT-SAR) im Jahr 2022, davon 36 AB0-inkompatible Fälle nach Gabe von Erythrozytenkonzentraten, 3 Fälle inkompatibel bezüglich anderer Allo-Antikörper und 4 nach Plasmagabe; vier Todesfälle durch blutgruppeninkompatible Fehltransfusionen von Erythrozytenkonzentraten beziehungsweise gefrorenem Frischplasma; auffälliger Anstieg gegenüber einem Zehnjahresdurchschnitt von rund 21 Meldungen pro Jahr; Anregung standardisierter Schulungen und Checklisten. pei.de ↩ ↩2 ↩3
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DRK Blutspende-Magazin – Blutgruppen-Verteilung in der Bevölkerung, veröffentlicht am 4. Juni 2020: tabellarische Verteilung der acht Blutgruppen in Deutschland und weltweit, Hinweis, dass weitere Merkmale über AB0-, Rhesus- und Kell-System hinaus nur im Bedarfsfall bestimmt werden. Datumsangabe zur Einordnung der Verteilungszahlen. blutspende.de ↩
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Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Geburt (Mutterschafts-Richtlinie/Mu-RL), Fassung vom 21. September 2023, in Kraft getreten am 19. Dezember 2023: § 4 Absatz 1 Nummer 3 (Bestimmung der Blutgruppe und des Rh-Faktors D der Mutter mit mindestens zwei verschiedenen Testreagenzien, empfohlen zwei monoklonale Antikörper vom IgM-Typ, die die Kategorie DVI nicht erfassen; Entfall bei bereits vorliegenden, ärztlich bescheinigten Ergebnissen) und Nummer 4 (Antikörper-Suchtest mittels indirektem Antiglobulintest gegen zwei Test-Blutmuster mit den Antigenen D, C, c, E, e, Kell, Fy und S, Bestimmung von Spezifität und Titerhöhe bei Antikörpernachweis) sowie Anlage VII (Versicherteninformation: „In Europa betrifft dies etwa 15 % der Menschen" zum Anteil rhesus-negativer Personen). g-ba.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Gesetz zur Regelung des Transfusionswesens (Transfusionsgesetz – TFG), § 14 Absatz 1: Die behandelnde ärztliche Person hat jede Anwendung von Blutprodukten zu dokumentieren; die Dokumentation hat unter anderem „das Ergebnis der Blutgruppenbestimmung, soweit die Blutprodukte blutgruppenspezifisch angewendet werden" zu umfassen. gesetze-im-internet.de ↩
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Wang J, García-Bailo B, Nielsen DE, El-Sohemy A. ABO genotype, 'blood-type' diet and cardiometabolic risk factors. PLoS One, 2014 – 1.455 Teilnehmende der Toronto Nutrigenomics and Health Study, AB0-Genotypisierung über rs8176719 und rs8176746; hohe Übereinstimmung mit der Typ-A- und der Typ-AB-Kost war mit niedrigerem BMI, Taillenumfang, Blutdruck, Serumcholesterin, Triglyzeriden, Insulin und HOMA-IR verbunden, die Typ-0-Kost mit niedrigeren Triglyzeriden; die Übereinstimmung mit der jeweils „eigenen" Blutgruppe veränderte keine der Effektstärken, weshalb die Ergebnisse die Blutgruppendiät-Hypothese nicht stützen. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
DRK Blutspende-Magazin – „Blutgruppendiät" – was ist dran?, veröffentlicht am 7. März 2025: Darstellung des Konzepts von James L. und Peter J. D'Adamo, Feststellung, dass keine Studien oder wissenschaftlichen Beweise die Wirksamkeit belegen; Widerlegung der Annahme, Blutgruppe 0 sei die ursprüngliche Blutgruppe gewesen; Einordnung der Lektine, die durch Erhitzen beim Kochen, Frittieren oder Garen in eine unbedenkliche Form überführt werden. blutspende.de ↩
-
Nawata K. No relationship between blood type and personality: evidence from large-scale surveys in Japan and the US. Shinrigaku Kenkyu (The Japanese Journal of Psychology), 2014 – Sekundäranalyse von Zufallsstichproben aus Japan (2004 und 2005) und den USA (2004) mit insgesamt über 10.000 Personen; bei 65 von 68 Items keine signifikanten Unterschiede zwischen den Blutgruppen, Effektstärken (η²) unter 0,003, entsprechend weniger als 0,3 % der Varianz der Persönlichkeit. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
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Groot HE, Villegas Sierra LE, Said MA, Lipsic E, Karper JC, van der Harst P. Genetically Determined ABO Blood Group and its Associations With Health and Disease. Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology, 2020 – 406.755 nicht verwandte Teilnehmende der UK Biobank, Blutgruppenzuordnung über rs8176746 und rs8176719; Assoziation des AB0-Systems mit 11 von 41 geprüften Endpunkten, überwiegend kardiovaskulär; gegenüber Blutgruppe 0 erhöhte Odds bis 1,56 (95-%-KI 1,43–1,69) für thromboembolische Ereignisse und verringerte Odds für Bluthochdruck (0,94; 95-%-KI 0,92–0,97). PubMed · DOI ↩
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Tilley LA, Karamatic Crew V, Mankelow TJ, et al. Deletions in the MAL gene result in loss of Mal protein, defining the rare inherited AnWj-negative blood group phenotype. Blood, 2024 – Aufklärung des seit 1972 ungeklärten genetischen Hintergrunds des hochprävalenten Antigens AnWj durch homozygote Deletionen im MAL-Gen; Grundlage eines neuen Blutgruppensystems. PubMed · DOI ↩