Triglyceride zu hoch: Normalwerte, Tabelle und Ursachen
Normal sind unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l). Warum Triglyceride anders umgerechnet werden als Cholesterin und ab wann die Bauchspeicheldrüse zum Thema wird.
Unter allen Werten des Lipidprofils reagieren die Triglyceride am empfindlichsten auf das, was Sie zuletzt gegessen und getrunken haben. Das Deutsche Ärzteblatt hält fest, dass sie „stärkeren Schwankungen (von Tag zu Tag) unterliegen als das LDL-Cholesterin".1 Deshalb sagt ein einzelner hoher Wert nach einem üppigen Abend wenig aus – aussagekräftig ist der wiederholte Wert. Dieser Ratgeber erklärt die Normalwerte in mg/dl und mmol/l, warum Triglyceride anders umgerechnet werden als Cholesterin, welche Ursachen hinter erhöhten Werten stecken und ab welcher Größenordnung die Bauchspeicheldrüse ins Blickfeld rückt. (Auf manchen Befunden steht „Triglyzeride" – gemeint ist dasselbe.)
Auf einen Blick
- Normalbefund: unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l) im Nüchternblut – ein Grenzwert, der „inzwischen von allen Fachgesellschaften akzeptiert" wird.12
- Moderate Hypertriglyceridämie: 150 bis 1 000 mg/dl; schwere Hypertriglyceridämie: über 1 000 mg/dl.1
- Der Sicherheitspunkt: Ab etwa 1 000 mg/dl steht nicht mehr das Herz-Kreislauf-Risiko im Vordergrund, sondern das einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung.31
- Umrechnung: mg/dl × 0,0113 = mmol/l. Beim Cholesterin lautet der Faktor × 0,0259 – eine der häufigsten Verwechslungen beim Lesen von Befunden.
- Nüchtern: Triglyceride sind der Wert, für den das Nüchternsein noch am ehesten begründet ist – für die übrigen Blutfettwerte ist es keine Routine mehr.41
- Check-up 35: Die Triglyceride gehören zum Lipidprofil der Gesundheitsuntersuchung.5
- Milchiges Serum: Ab etwa 300 mg/dl wird die Probe sichtbar trüb – und stört andere Messungen im selben Röhrchen.6
Was Triglyceride sind
Triglyceride sind, wie es das IQWiG formuliert, „ein wichtiger Energiespeicher für den Körper": Sie werden im Fettgewebe eingelagert und transportieren Fettsäuren dorthin, wo Energie gebraucht wird.2 Im Blut reisen sie verpackt in Chylomikronen (nach der Mahlzeit) und VLDL (aus der Leber) – andere Partikel als jene, die überwiegend Cholesterin tragen.
Ein Teil stammt aus der Nahrung, ein anderer entsteht in der Leber. Welcher Hebel am stärksten wirkt, benennt die deutsche Übersichtsarbeit eindeutig: Von „besonderer Bedeutung" seien der Verzicht auf Alkohol und eine deutliche Reduktion schnell verstoffwechselbarer Kohlenhydrate, insbesondere zuckerhaltiger Getränke – die Zufuhr tierischer Fette soll ebenfalls begrenzt werden.1 Fett spielt also durchaus eine Rolle; Alkohol und rasch verfügbarer Zucker haben aber den größeren Effekt. Randomisierte Studien zu zuckergesüßten Getränken zeigen einen Anstieg der Plasmatriglyceride sowie des Bauch- und Leberfetts, vor allem über die Fruktose.7
Erhöhte Triglyceride treten selten allein auf. Typisch ist die Kombination mit einem niedrigen HDL-Cholesterin und einer erhöhten Zahl atherogener Partikel – die sich über das Apolipoprotein B besser abbilden lässt als über die Triglyceride selbst.1
Warum Triglyceride gemessen werden
Die Anlässe:
- Abschätzung des kardiovaskulären Risikos, zusammen mit Gesamtcholesterin, LDL und HDL;1
- Hinweise auf eine Stoffwechselstörung – metabolisches Syndrom, Insulinresistenz, Diabetes; zu lesen mit Blutzucker, HbA1c und gegebenenfalls Insulin;
- Einschätzung des Pankreatitis-Risikos bei sehr hohen Werten;3
- Suche nach einer sekundären Ursache oder, seltener, einer genetischen Form.18
Beim Check-up 35 sind sie automatisch dabei. Die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses nennt für Versicherte ab dem vollendeten 35. Lebensjahr, alle drei Jahre, als Blutuntersuchung genau zwei Positionen: das „Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride)" und die „Nüchternplasmaglucose".5 Das große Blutbild kommt in diesem Katalog übrigens gar nicht vor.
Triglyceride: Normalwerte und Tabelle
Die folgende Einteilung stammt aus der Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt und bezieht sich auf Nüchternwerte bei Erwachsenen.1
| Einstufung | Triglyceride (nüchtern) | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Normalbefund | < 150 mg/dl (< 1,7 mmol/l) | von allen Fachgesellschaften akzeptierter Grenzwert |
| Moderate Hypertriglyceridämie | 150 – 1 000 mg/dl (1,7 – 11,4 mmol/l) | erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, gering erhöhtes Pankreatitis-Risiko |
| Schwere Hypertriglyceridämie | > 1 000 mg/dl (> 11,4 mmol/l) | deutlich erhöhtes Pankreatitis-Risiko |
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ziehen die Fachgesellschaften die obere Grenze der moderaten Form unterschiedlich: zwischen 500 mg/dl (5,6 mmol/l) und 1 000 mg/dl, häufig auch bei 885 mg/dl (10 mmol/l); als untere Grenze kursieren 150 und 175 mg/dl.1 Wer zwei Tabellen vergleicht und Unterschiede findet, hat also nicht schlecht gesucht – die Uneinigkeit ist echt. Zweitens sind die meisten Erhöhungen mild: Bei 80 bis 90 % der Betroffenen liegen die Werte zwischen 150 und 400 mg/dl. Bei rund 15 bis 20 % der Menschen, die eine Arztpraxis aufsuchen, wird eine Hypertriglyceridämie festgestellt – „oft als Zufallsbefund".1
mg/dl in mmol/l: Triglyceride rechnen anders als Cholesterin
Triglyceride: mg/dl × 0,0113 = mmol/l (umgekehrt: mmol/l × 88,5). Cholesterin: mg/dl × 0,0259 = mmol/l (umgekehrt: mmol/l × 38,7).
Der Grund ist Chemie: Ein Triglyceridmolekül wiegt mehr als das Doppelte eines Cholesterinmoleküls. Praktisch heißt das: Die Zahl 200 bedeutet bei Triglyceriden 2,3 mmol/l, beim Gesamtcholesterin aber 5,2 mmol/l. Wer den Cholesterinfaktor auf Triglyceride anwendet, landet bei mehr als dem Doppelten des richtigen Werts. Randnotiz: Das Deutsche Ärzteblatt rundet 1 000 mg/dl auf 11,4 mmol/l – rechnerisch sind es 11,3.
Nüchtern oder nicht? Hier zählt es wirklich
Für das Lipidprofil insgesamt hat sich die Antwort verschoben. Ein Konsensuspapier der Europäischen Atherosklerose-Gesellschaft und der EFLM kam zu dem Ergebnis, dass die Bestimmung routinemäßig nicht nüchtern erfolgen kann: Nach üblichen Mahlzeiten steigen die Triglyceride im Mittel nur um 0,3 mmol/l (26 mg/dl), und die Risikovorhersage bleibt gleich gut. Für nichtnüchterne Proben gilt dort allerdings eine eigene Auffälligkeitsgrenze: 175 mg/dl (2 mmol/l) statt 150.4
Die deutsche Praxisempfehlung folgt dem – mit klar benannten Ausnahmen. Nüchtern abgenommen werden soll laut Deutschem Ärzteblatt unter anderem, wenn nichtnüchterne Triglyceride über 440 mg/dl (5 mmol/l) liegen, bei bekannter Hypertriglyceridämie, nach einer damit verbundenen Pankreatitis, vor Beginn einer Therapie mit Medikamenten, die eine Hypertriglyceridämie auslösen können – und dann, wenn ohnehin ein anderer Wert nüchtern bestimmt werden muss, „zum Beispiel Bestimmung des Blutzuckers".1 Für die reine Vorsorge genügt dagegen die nichtnüchterne Bestimmung.
Genau hier schließt sich in Deutschland ein Kreis: Weil der Check-up 35 die Nüchternplasmaglucose enthält, wird die Blutentnahme in der Praxis meist ohnehin nüchtern gelegt – und damit auch das Lipidprofil.5 Das IQWiG rät entsprechend, „in den 8 Stunden vor der Blutabnahme nichts zu essen und nur stilles Wasser zu trinken".2
Wichtig zu wissen: Die Grenzwerte oben gelten für Nüchternwerte. Für Werte nach dem Essen gibt es keine etablierten Grenzen, weil der Anstieg individuell unterschiedlich hoch und lang ausfällt – noch vier bis sechs Stunden nach einer fettreichen Mahlzeit ist er messbar.1 Halten Sie sich deshalb an die Anweisung auf Ihrem Laborzettel, und sagen Sie es, wenn Sie nicht nüchtern sind.
Triglyceride zu hoch: die Ursachen
Bei erhöhten Werten sollen zunächst sekundäre Ursachen ausgeschlossen werden – die Liste ist erstaunlich lang:1
- Stoffwechsel und Lebensstil: Übergewicht und Adipositas, metabolisches Syndrom, Diabetes mellitus, vermehrter Alkoholkonsum, exzessive Kalorienzufuhr – „als Fett oder schnell verstoffwechselbare Kohlenhydrate";
- Erkrankungen: Hypothyreose, Nierenerkrankungen (vor allem das nephrotische Syndrom), Paraproteinämie, systemischer Lupus erythematodes, Anorexia nervosa, Glykogenosen, Sepsis;
- Schwangerschaft, in der die Triglyceride physiologisch ansteigen;
- Medikamente: unter anderem Steroide, Östrogene, Anabolika, Tamoxifen, Thiazide, nichtkardioselektive Betablocker, Ciclosporin, Cyclophosphamid, Proteaseinhibitoren, Clozapin, atypische Antipsychotika und Antidepressiva.
Diese Aufzählung ist kein Anlass, ein Medikament abzusetzen oder umzustellen – das entscheidet ausschließlich die verordnende Praxis. Sie ist ein Anlass, die eigene Medikamentenliste beim nächsten Termin auf den Tisch zu legen.
Sekundäre Ursachen wirken meist auf dem Boden einer genetischen Veranlagung, die überwiegend polygen ist – die Summe vieler kleiner Varianten. Die Bandbreite reicht von einer Anlage, die sich nur bei deutlichem Übergewicht oder Alkoholexzess zeigt, bis zu sehr seltenen Mutationen (etwa der Lipoproteinlipase), die schon im Kindesalter zum familiären Chylomikronämie-Syndrom führen.18 Und: Bis zu 50 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes weisen eine Hypertriglyceridämie auf – ein Grund, den Wert immer neben HbA1c und Blutzucker zu lesen.1
Beschwerden macht eine Hypertriglyceridämie in aller Regel nicht. Erst sehr hohe, lange bestehende Werte hinterlassen sichtbare Zeichen wie eruptive Xanthome oder eine Fettleber.8
Sehr hohe Triglyceride: das Pankreatitis-Risiko
Hier ändert sich die Bedeutung des Werts. Die S3-Leitlinie Pankreatitis der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (AWMF-Registernummer 021-003) formuliert mit höchstem Evidenzlevel und starkem Konsens: „Hypertriglyceridämie ist mit einem erhöhten Risiko für eine akute Pankreatitis vergesellschaftet." Im Kommentar wird die Schwelle konkret: „Nach der Atlanta-Klassifikation ist für die Diagnose einer Triglycerid-induzierten akuten Pankreatitis ein Serum-Triglycerid-Spiegel von mindestens 1 000 mg/dL erforderlich." Etwa 10 % der akuten Pankreatitiden sind demnach mit einer Hypertriglyceridämie verbunden, und die Rate steigt linear mit der Triglyceridkonzentration.3 Das Deutsche Ärzteblatt nennt dieselbe Größenordnung – und hält fest, dass ab hier die Pankreatitisprävention das vorrangige Behandlungsziel ist, nicht mehr die kardiovaskuläre Risikoreduktion.1
Zwei Einordnungen, die vor unnötiger Sorge schützen. Erstens beginnt der Zusammenhang schon früher, bleibt aber absolut selten: In einer dänischen Kohorte mit 116 550 Personen lag die Rate akuter Pankreatitiden bei 5,5 Ereignissen pro 10 000 Personenjahre im Bereich 177 bis 265 mg/dl und bei 12 Ereignissen pro 10 000 Personenjahre ab 443 mg/dl – relativ deutlich erhöht, in absoluten Zahlen weiterhin ein seltenes Ereignis.9 Zweitens ist die 1 000er-Marke ein Grund für ärztliche Abklärung, keine Zahl zum Selbsteinschätzen: Was daraus folgt, entscheidet ausschließlich die behandelnde Praxis. Unabhängig von jedem Laborwert gilt ohnehin, dass starke oder anhaltende Oberbauchschmerzen ärztlich abgeklärt gehören.
Milchiges Serum: wenn Triglyceride andere Werte stören
Lipämische Serum- oder Plasmaproben weisen „bei einer Triglyzeridkonzentration über 300 mg/dl (3,4 mmol/l) eine sichtbare milchige Trübung auf", verursacht durch Chylomikronen nach fettreicher Nahrung.6 Der Vermerk „lipämisch" auf einem Befund beschreibt also zunächst die Probe, nicht Ihre Gesundheit.
Folgenlos ist er trotzdem nicht: Die Trübung stört photometrische Messverfahren. Das Zentrallabor der Universitätsmedizin Frankfurt nennt zwei Mechanismen – Volumenverdrängungseffekte mit „Eiweißfehler bei der Bestimmung niedermolekularer Stoffe" und spektrale Interferenzen, durch die „schon bei geringer Lipämie falsch hohe Bilirubinkonzentrationen gemessen werden".10 Auch eine Pseudohyponatriämie gehört dazu; deshalb empfehlen Labore eine zwölfstündige Nahrungskarenz vor der Blutentnahme.6 Mehr dazu im Überblick zu den Blutfettwerten.
Ein zweiter Störeffekt betrifft das LDL-Cholesterin. Wird es nach der Friedewald-Formel berechnet, gehen die Triglyceride als Schätzgröße ein – und die Formel setzt eine Nüchternabnahme voraus. Eine Auswertung von über 1,3 Millionen Lipidprofilen zeigte, dass ihr fester Umrechnungsfaktor die Risikoeinstufung gerade bei hohen Triglyceriden verschlechtert.11 In Deutschland entschärft sich das Problem, denn das LDL-Cholesterin wird „inzwischen … meist direkt" bestimmt.1 Als robusterer Ersatzwert dient das Non-HDL-Cholesterin (Gesamtcholesterin minus HDL); ergänzend kommen Apolipoprotein B und – bei familiärer Belastung – das Lipoprotein(a) infrage.
Triglyceride zu niedrig
Niedrige Triglyceride sind selten ein eigenständiges Problem, und es gibt für sie keinen etablierten unteren Grenzwert. Sie können längeres Fasten, sehr fettarme Ernährung, Mangelernährung, eine Fettresorptionsstörung oder eine Schilddrüsenüberfunktion widerspiegeln – beurteilt im Zusammenhang mit dem übrigen Lipidprofil.
Was Triglyceride senkt
Die Triglyceride reagieren auf Lebensstiländerungen ausgeprägter als das Cholesterin: Das Deutsche Ärzteblatt beziffert die mögliche Senkung mit „bis 70 %" bei Evidenzgrad A.1 Wirksam sind demnach:
- Verzicht auf Alkohol und die Reduktion schnell verstoffwechselbarer Kohlenhydrate – die Maßnahmen mit dem größten Effekt;17
- Gewichtsreduktion, besonders wirksam bei bauchbetontem Übergewicht;
- körperliche Aktivität – genannt werden mehr als 2,5, besser 5 Stunden aerobe Belastung moderater Intensität pro Woche;
- die Einstellung des Blutzuckers bei bestehendem Diabetes.8
Nur etwa 10 % der Betroffenen benötigen darüber hinaus eine medikamentöse Triglyceridsenkung; sie beginnt erst nach Umsetzung der Lebensstilmaßnahmen.1 Ob Fibrate, hochdosierte Omega-3-Fettsäuren oder anderes infrage kommen, ist eine ärztliche Entscheidung – auch frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel gehören besprochen, nicht selbst gewählt.
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Aktuelle Forschung
Aus aktuellen, auf PubMed indexierten Publikationen:
- Nüchtern ist keine Routine mehr – außer bei den Triglyceriden. Das EAS/EFLM-Konsensuspapier zeigte, dass nichtnüchterne Lipidprofile das Risiko ebenso gut vorhersagen; Ausnahme bleibt unter anderem der Fall nichtnüchterner Triglyceride über 440 mg/dl.4
- Schon mäßig erhöhte Werte hängen mit Pankreatitis zusammen. In der Kopenhagener Kohortenstudie stieg das Risiko bereits ab 177 mg/dl (2 mmol/l) – die Effektschätzer lagen sogar über denen für den Herzinfarkt, die absoluten Ereigniszahlen blieben jedoch niedrig.9
- Triglyceridsenkung kann Ereignisse verhindern. In der Studie REDUCE-IT senkte ein verschreibungspflichtiges, hochdosiertes Omega-3-Präparat (Icosapent-Ethyl) bei Hochrisikopatienten unter Statintherapie die kardiovaskulären Ereignisse.12
- Die triglyceridbedingte Pankreatitis ist besser beschrieben. Eine systematische Übersicht von 2025 über 77 Studien und mehr als 56 000 Patienten fand einen Anteil von rund 20 %, mit jüngerem Erkrankungsalter und häufigeren Rückfällen13 – die deutsche S3-Leitlinie nennt mit etwa 10 % eine niedrigere Zahl.3
Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Vorsorge. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.
Häufige Fragen
Welche Triglyceridwerte sind normal? Im Nüchternblut gelten Werte unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l) als Normalbefund.12 Für nichtnüchterne Proben schlägt das europäische Konsensuspapier eine Auffälligkeitsgrenze von 175 mg/dl (2 mmol/l) vor.4
Ab wann sind Triglyceride zu hoch? Ab 150 mg/dl spricht man von einer moderaten Hypertriglyceridämie, über 1 000 mg/dl von einer schweren.1 Die meisten Erhöhungen sind mild: 80 bis 90 % liegen zwischen 150 und 400 mg/dl.
Muss man für die Triglyceride nüchtern sein? Für die Vorsorge genügt eine nichtnüchterne Bestimmung. Nüchtern abgenommen wird unter anderem bei bekannter Hypertriglyceridämie, bei nichtnüchternen Werten über 440 mg/dl – und immer dann, wenn ohnehin die Nüchternplasmaglucose bestimmt wird, wie beim Check-up 35.15
Wie rechnet man Triglyceride von mg/dl in mmol/l um? Mit dem Faktor 0,0113 (mmol/l × 88,5 ergibt mg/dl). Beim Cholesterin gilt 0,0259 – wer beide verwechselt, liegt um mehr als das Doppelte daneben.
Was lässt Triglyceride steigen? Vor allem Alkohol und schnell verstoffwechselbare Kohlenhydrate, dazu Übergewicht, ein schlecht eingestellter Diabetes, eine Hypothyreose, Nierenerkrankungen, eine Schwangerschaft und eine Reihe von Medikamenten – meist auf dem Boden einer genetischen Veranlagung.1
Ab welchem Wert wird die Bauchspeicheldrüse zum Thema? Ab etwa 1 000 mg/dl: Die deutsche S3-Leitlinie Pankreatitis nennt diesen Serumspiegel als Kriterium einer triglyceridbedingten akuten Pankreatitis.3 Ein solcher Wert ist ein Grund, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen.
Was ist der Unterschied zwischen Triglyceriden und Cholesterin? Zwei verschiedene Fette. Cholesterin dient Zellmembranen und Hormonen, Triglyceride sind Energiespeicher. Beide stehen im Lipidprofil – reagieren aber auf unterschiedliche Einflüsse und werden unterschiedlich umgerechnet.
Das Wichtigste in Kürze
Triglyceride reagieren von allen Lipidwerten am unmittelbarsten auf Lebensstil und letzte Mahlzeit – und schwanken von Tag zu Tag stärker als das LDL-Cholesterin. Unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l) gilt als normal; zwischen 150 und 1 000 mg/dl steht das Herz-Kreislauf-Risiko im Vordergrund, über 1 000 mg/dl das Risiko einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung – eine Größenordnung, die zeitnah in ärztliche Hände gehört. Beim Umrechnen zählt der richtige Faktor: 0,0113 für Triglyceride, 0,0259 für Cholesterin. Und ein einzelner hoher Wert nach einem reichhaltigen Abend ist vor allem ein Grund zur Kontrolle, nicht zur Sorge. Sinn ergibt erst das Gesamtbild – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
Deutsche Fachgesellschaften, Richtliniengeber und Laboratorien sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed):
Footnotes
-
Parhofer KG, Laufs U. Diagnose und Therapie der Hypertriglyceridämie. Deutsches Ärzteblatt International, 2019; 116(49): 825–832: Tabelle 1 (Einteilung und abweichende Grenzen der Fachgesellschaften), Kasten 1 (Nüchternabnahme, u. a. > 440 mg/dl), Kasten 2 (sekundäre Ursachen und Medikamente), Tabelle 3 (Lebensstilmaßnahmen), Prävalenz, Non-HDL-Cholesterin, direkte LDL-Bestimmung. aerzteblatt.de · PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24 ↩25 ↩26
-
IQWiG / Gesundheitsinformation.de – Triglyceride, Stand 20. März 2025: Referenzwert unter 150 mg/dl (1,7 mmol/l) ab 18 Jahren, Hinweis „in den 8 Stunden vor der Blutabnahme nichts zu essen und nur stilles Wasser zu trinken", Ursachen erhöhter Werte. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) – S3-Leitlinie Pankreatitis, AWMF-Registernummer 021-003, September 2021 (Beyer G, Hoffmeister A, Michl P et al., Z Gastroenterol 2022; 60: 419–521): Statement 1.2.2 (Evidenzlevel 1, starker Konsens), Serum-Triglyceridspiegel von mindestens 1 000 mg/dl nach der Atlanta-Klassifikation, ca. 10 % der akuten Pankreatitiden mit Hypertriglyceridämie assoziiert, Empfehlung 1.6.2. register.awmf.org · PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Nordestgaard BG, Langsted A, Mora S, et al. Fasting is not routinely required for determination of a lipid profile: clinical and laboratory implications including flagging at desirable concentration cut-points — a joint consensus statement from the European Atherosclerosis Society and European Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine. European Heart Journal, 2016. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie, § 2 und § 3: Anspruch einmalig zwischen 18 und 35 Jahren, ab 35 Jahren alle drei Jahre; aus dem Blut „Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride)" und „Nüchternplasmaglucose". g-ba.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
LADR Der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen – Blutabnahme: Störgrößen (Präanalytik): milchige Trübung ab 300 mg/dl (3,4 mmol/l), Störung photometrischer Verfahren, Pseudohyponatriämie, zwölfstündige Nahrungskarenz. ladr.de ↩ ↩2 ↩3
-
Bray GA. Fructose and risk of cardiometabolic disease. Current Atherosclerosis Reports, 2012. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Berglund L, Brunzell JD, Goldberg AC, et al. Evaluation and treatment of hypertriglyceridemia: an Endocrine Society clinical practice guideline. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2012. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Pedersen SB, Langsted A, Nordestgaard BG. Nonfasting Mild-to-Moderate Hypertriglyceridemia and Risk of Acute Pancreatitis. JAMA Internal Medicine, 2016. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Universitätsmedizin Frankfurt, Zentrallabor – Beurteilung der Probe: Lipämie als „Trübung des Serums bei hohen Triglyceridkonzentrationen und dem Vorhandensein von Chylomikronen", Volumenverdrängungseffekte, falsch hohe Bilirubinkonzentrationen. unimedizin-ffm.de ↩
-
Martin SS, Blaha MJ, Elshazly MB, et al. Comparison of a novel method vs the Friedewald equation for estimating low-density lipoprotein cholesterol levels from the standard lipid profile. JAMA, 2013. PubMed · DOI ↩
-
Bhatt DL, Steg PG, Miller M, et al. Cardiovascular Risk Reduction with Icosapent Ethyl for Hypertriglyceridemia (REDUCE-IT). New England Journal of Medicine, 2019. PubMed · DOI ↩
-
Lu J, Wang Z, Mei W, et al. A systematic review of the epidemiology and risk factors for severity and recurrence of hypertriglyceridemia-induced acute pancreatitis. BMC Gastroenterology, 2025. PubMed · DOI ↩