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Haptoglobin: Normwerte, zu niedrig oder erhöht

Haptoglobin fängt freies Hämoglobin ab. Normwert 0,3–2,0 g/l bzw. 30–200 mg/dl – warum ein niedriger Wert das empfindlichste Zeichen einer Hämolyse ist.

Mis à jour le August 11, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Haptoglobin ist die Müllabfuhr für freies Hämoglobin. Zerfallen rote Blutkörperchen, tritt der Blutfarbstoff ins Plasma aus – dort ist er ein aggressives, gefäß- und nierenschädigendes Molekül. Haptoglobin bindet ihn sofort und wird dabei verbraucht: Genau deshalb bricht sein Spiegel ein, sobald rote Blutkörperchen in größerer Zahl zerstört werden. Die Onkopedia-Leitlinie der DGHO fasst es so: „Eine Verminderung oder ein Fehlen von Haptoglobin kann bei allen Formen von Hämolyse gefunden werden; Haptoglobin ist ein sehr empfindlicher Parameter."1 Dieser Ratgeber erklärt die Normwerte in g/l und mg/dl, wie ein niedriger und ein erhöhter Wert zu lesen sind – und die zwei Fallstricke, an denen die Deutung am häufigsten scheitert. Angefordert wird Haptoglobin fast immer zusammen mit dem großen Blutbild und den Retikulozyten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Haptoglobin wird hauptsächlich in der Leber gebildet, bindet freies Hämoglobin und schützt so „vor dem toxischen freien Hämoglobin".12
  • Orientierende Normwerte für Erwachsene: 0,3 – 2,0 g/l, in Laboren mit US-Einheiten 30 – 200 mg/dl; Umrechnung: g/l × 100 = mg/dl.345
  • Ein niedriges oder nicht mehr nachweisbares Haptoglobin ist der empfindlichste Hinweis auf eine Hämolyse, also den vorzeitigen Zerfall roter Blutkörperchen.14
  • Gelesen wird der Wert nie allein, sondern im Viererpack: Haptoglobin↓ + LDH↑ + indirektes Bilirubin↑ + Retikulozyten↑, dazu der Blutausstrich.16
  • ⚠️ Fallstrick 1: Haptoglobin ist ein Akute-Phase-Protein. Bei gleichzeitiger Entzündung kann der Wert falsch normal erscheinen und eine Hämolyse verdecken.45
  • ⚠️ Fallstrick 2: Ein niedriger Wert bedeutet nicht immer Hämolyse – auch Lebererkrankungen, ausgedehnte körperliche Betätigung und die angeborene Ahaptoglobinämie senken ihn.1

Was ist Haptoglobin?

Haptoglobin (kurz Hp) ist ein Eiweiß des Blutplasmas aus der α₂-Globulin-Fraktion, das ganz überwiegend in der Leber entsteht.17 Der Körper erneuert ständig rote Blutkörperchen – rund zwei Millionen Zellen pro Sekunde –, und dabei gelangt jedes Mal ein kleiner Rest Hämoglobin ins Plasma.2

Außerhalb des Erythrozyten ist Hämoglobin kein harmloser Farbstoff mehr, sondern ein stark oxidierendes Molekül. Haptoglobin bindet es zu einem Haptoglobin-Hämoglobin-Komplex, den Fresszellen über den Rezeptor CD163 aufnehmen und abbauen; das Eisen wird recycelt. Für den freigesetzten Häm-Anteil gibt es mit dem Hämopexin ein zweites Auffangnetz.2 Zerfallen viele rote Blutkörperchen gleichzeitig, wird Haptoglobin schneller verbraucht, als die Leber es nachbilden kann. Ein niedriges Haptoglobin ist deshalb keine Krankheit, sondern ein Signal.

Haptoglobin ist nicht Hämoglobin. Hämoglobin ist der Sauerstoffträger innerhalb der roten Blutkörperchen; sein Wert steht in jedem großen Blutbild. Haptoglobin ist ein Eiweiß im Plasma, das Hämoglobin einfängt, wenn dieses aus den Zellen austritt. Zwei Untersuchungen mit zwei verschiedenen Aussagen – die Namensähnlichkeit ist Zufall.

Warum wird Haptoglobin bestimmt?

Haptoglobin gehört nicht zum Blutbild und muss eigens angefordert werden. Die Indikation lautet schlicht „Verdacht auf akute oder chronische Hämolyse"7 beziehungsweise „Diagnose und Verlaufsbeurteilung hämolytischer Erkrankungen".8 Konkret wird der Wert gebraucht,

  • um bei einer unklaren Anämie zu klären, ob rote Blutkörperchen zerstört werden – ergänzend zu Hämoglobin, Hämatokrit und MCV-Wert;
  • als Teil der Basisdiagnostik bei Verdacht auf eine autoimmunhämolytische Anämie (AIHA): „Basisdiagnostik mit LDH-Wert, Bilirubin, Haptoglobin und Retikulozyten sowie Blutausstrich";1
  • bei Verdacht auf eine angeborene hämolytische Anämie: Die AWMF-Leitlinie zur hereditären Sphärozytose – mit einer Prävalenz von 1:2.500 bis 1:5.000 die häufigste angeborene hämolytische Anämie in Mitteleuropa – verlangt mindestens zwei Hämolyseparameter, darunter „Haptoglobin nicht nachweisbar";6
  • bei Verdacht auf eine intravasale Hämolyse (mechanische Herzklappe, thrombotische Mikroangiopathie, Herz-Lungen-Maschine, Transfusionszwischenfall) und in der Geburtshilfe beim HELLP-Syndrom.5

Der Grund dafür ist die Empfindlichkeit: Haptoglobin gilt als „empfindlichster Parameter für hämolytische Anämien" und sinkt „bereits bei geringer Hämolyse".4 Eine klassische Untersuchung im JAMA bezifferte für einen Schwellenwert von 25 mg/dl oder darunter eine Sensitivität von 83 % und eine Spezifität von 96 %.9

Muss man dafür nüchtern sein?

Für die Haptoglobinbestimmung ist keine besondere Vorbereitung vorgesehen: Die Leistungsverzeichnisse deutscher Labore verlangen lediglich eine gewöhnliche venöse Blutentnahme, je nach Labor 0,3 bis 2 ml Serum.874 Nüchternheit kann trotzdem auf Ihrem Termin stehen – etwa wegen Blutzucker oder Blutfetten aus derselben Entnahme.

Normwerte des Haptoglobins

Die folgenden Werte sind Orientierungswerte für Erwachsene. Deutsche Labore geben Haptoglobin überwiegend in g/l an – das Zentrallabor der Medizinischen Hochschule Hannover nennt 0,3 – 2,0 g/l,3 ebenso mehrere große Einsendelabore.875 Ein Teil rechnet in mg/dl, etwa die Medizinischen Laboratorien Düsseldorf mit 30 – 200 mg/dl.4 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.

SituationHaptoglobin (SI-Einheit)Übliche US-Einheit
Normal (Erwachsene)0,3 – 2,0 g/l30 – 200 mg/dl
Erniedrigt / hämolyseverdächtig< 0,3 g/l (oft nicht nachweisbar)< 30 mg/dl
Erhöht> 2,0 g/l> 200 mg/dl

Achten Sie auf die Einheit, bevor Sie zwei Befunde vergleichen. Der Umrechnungsfaktor ist glatt: g/l × 100 = mg/dl, umgekehrt mg/dl ÷ 100 = g/l.5 1,0 g/l entspricht also 100 mg/dl – wer beides verwechselt, liegt um den Faktor 100 daneben.

Bei Säuglingen ist Haptoglobin natürlicherweise niedrig, weil die Leber die Produktion erst hochfahren muss: „bis 0,31 g/l" in den ersten Lebenswochen, „0,25 – 1,23 g/l" bis zum dritten Lebensmonat.8 Die AWMF-Leitlinie zur hereditären Sphärozytose wertet ein erniedrigtes Haptoglobin deshalb erst ab dem Alter von sechs Monaten als Hämolysezeichen.6

Ihre Werte richtig einordnen

Haptoglobin beantwortet genau eine Frage: Zerfallen rote Blutkörperchen schneller als normal? Die Antwort steht nie in der einzelnen Zahl, sondern im Vergleich mit den übrigen Hämolyseparametern.

Haptoglobin zu niedrig: das Signal der Hämolyse

Ein niedriger Wert lenkt den Verdacht zuerst auf eine Hämolyse. Typische Ursachen:1610

  • autoimmunhämolytische Anämien (AIHA), bei denen das Immunsystem eigene rote Blutkörperchen angreift – selten: Die Inzidenz der Wärmeform wird auf 1:50.000 bis 1:100.000 geschätzt, die der Kälteagglutinin-Erkrankung auf 1:1.000.000 pro Jahr;1
  • angeborene Erkrankungen des roten Blutkörperchens: hereditäre Sphärozytose (Kugelzellenanämie), Enzymdefekte wie der G6PD-Mangel, Thalassämien, Sichelzellkrankheit;610
  • mechanische Hämolyse: künstliche Herzklappe, thrombotische Mikroangiopathie (mit Fragmentozyten im Ausstrich und abfallenden Thrombozyten), Herz-Lungen-Maschine;1
  • Transfusionszwischenfälle und akute intravasale Hämolysen, bei denen freies Hämoglobin bis in den Urin gelangt (Hämoglobinurie);1
  • paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) und andere chronische Hämolysen.

Ist das Haptoglobin gar nicht mehr nachweisbar, endet seine Aussagekraft: Der Schweregrad lässt sich über diesen Wert dann nicht mehr abstufen – dafür braucht es LDH, Bilirubin und den Blutausstrich.5

Der Viererpack, der eine Hämolyse belegt

Kein einzelner Wert beweist eine Hämolyse. Die Onkopedia-Leitlinie nennt als Basisdiagnostik die Kombination aus LDH-Wert, Bilirubin, Haptoglobin und Retikulozyten samt Blutausstrich;1 die AWMF-Leitlinie fordert für die Diagnose der hereditären Sphärozytose mindestens zwei dieser Parameter.6 Jeder erzählt einen anderen Teil der Geschichte:

  • Haptoglobin↓ zeigt, dass freies Hämoglobin abgefangen werden musste – der empfindlichste, aber unspezifischste Teil;1
  • LDH↑ stammt aus zerstörten Zellen und ist „insbesondere bei der intravasalen Hämolyse" erhöht;1
  • indirektes Bilirubin↑ ist das Abbauprodukt des Blutfarbstoffs und steigt „bei der extravasalen Hämolyse", also beim Abbau in Milz und Leber;1
  • Retikulozyten belegen, dass das Knochenmark gegensteuert; typisch sind Werte über 120 × 10⁹/l.10

Dazu der Blutausstrich, der (Mikro-)Sphärozyten, Erythrozytenaggregate oder Fragmentozyten sichtbar macht.1

Die entscheidende Weiche stellt anschließend der direkte Coombstest (direkter Antihumanglobulintest, DAT): Positiv heißt, dass Antikörper an den roten Blutkörperchen haften – eine autoimmune Hämolyse. Negativ verschiebt die Suche zu nicht-autoimmunen Ursachen, also angeborenen Membran-, Enzym- oder Hämoglobindefekten.110 Nicht zu verwechseln mit dem indirekten Coombstest, dem Antikörpersuchtest, der freie Antikörper im Serum sucht.

Haptoglobin erhöht

Ein erhöhtes Haptoglobin ist ein unspezifischer Befund und für sich genommen selten beunruhigend. Haptoglobin ist ein Akute-Phase-Protein: Es steigt bei Entzündungen, Infektionen und Gewebeuntergang, ähnlich wie das CRP;74 auch eine Steroidtherapie hebt den Wert an.5 Erhöhte Werte kommen daneben bei Tumorerkrankungen vor – als Ausdruck der begleitenden Entzündungsreaktion.4 Haptoglobin ist deshalb kein Tumormarker.11 Einzuordnen ist ein hoher Wert im Zusammenhang – mit CRP, Leukozyten und neutrophilen Granulozyten.

Zwei Fallstricke, die Sie kennen sollten

Fallstrick 1: Eine Entzündung kann die Hämolyse verstecken

Das ist der wichtigste Punkt dieses Ratgebers – und der häufigste Denkfehler. Eine Entzündung hebt Haptoglobin an, eine Hämolyse senkt es. Wer beides gleichzeitig hat, bekommt zwei gegenläufige Effekte, die sich aufheben können. Das Ergebnis: ein falsch normaler Wert. Deutsche Labore formulieren das unmissverständlich – bei gleichzeitiger Hämolyse und Entzündung könne das Haptoglobin normal erscheinen;4 empfohlen wird deshalb ausdrücklich die parallele Bestimmung des CRP.57

Praktisch heißt das: Ein normales Haptoglobin schließt bei laufender Infektion eine Hämolyse nicht sicher aus. Dann stützt sich die Beurteilung stärker auf LDH, indirektes Bilirubin, Retikulozyten und den Blutausstrich. Umgekehrt macht ein trotz kräftiger Entzündung niedriges Haptoglobin die Hämolyse besonders wahrscheinlich.

Fallstrick 2: Niedriges Haptoglobin ist nicht gleich Hämolyse

Die Onkopedia-Leitlinie zählt drei weitere Gründe für einen niedrigen Wert ausdrücklich auf – „Lebererkrankungen, ausgedehnte körperliche Betätigung" und die Ahaptoglobinämie:1

  • Lebererkrankungen. Haptoglobin entsteht in der Leber. Ist die Syntheseleistung eingeschränkt – etwa bei fortgeschrittener Leberzirrhose –, sinkt der Spiegel ohne jede Hämolyse.17
  • Ausgedehnte körperliche Belastung. Ausdauersport belastet die roten Blutkörperchen mechanisch und kann das Haptoglobin drücken.1
  • Angeborene Ahaptoglobinämie. Manche Menschen bilden von Geburt an praktisch kein Haptoglobin. Nach der Onkopedia-Leitlinie betrifft diese genetische Veränderung „ca. 1:1000 der weißen Bevölkerung und bis zu 4 % Menschen afrikanischer Herkunft".1 Bei ihnen ist der Wert dauerhaft nicht nachweisbar – und als Hämolysemarker unbrauchbar.

Dazu kommen Situationen mit physiologisch tieferen Werten: das Säuglingsalter (siehe oben)86 und die Schwangerschaft, vor allem im zweiten Trimester.12 Auch eine starke Verdünnung des Blutes senkt den Messwert, ohne dass Zellen zerstört würden.13

Was den Wert beeinflusst

Mehrere Faktoren verschieben das Ergebnis: das Ausmaß der Hämolyse und eine Lebererkrankung (senken), eine Entzündung, Infektion oder Gewebsnekrose sowie Kortikosteroide (heben),75 dazu Androgene, Östrogene, Ausdauersport, Schwangerschaft, das Säuglingsalter und der genetische Hintergrund – das Haptoglobin-Gen ist beim Menschen polymorph, mit den Phänotypen Hp1-1, Hp2-1 und Hp2-2.1113 Auch die Halbwertszeit von rund 3 bis 4 Tagen zählt: Nach einer abgeklungenen Hämolyse braucht der Wert einige Tage, bis er sich erholt hat.8 Nennen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Medikamente, kürzliche Infekte und Lebererkrankungen.

Neues aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Publikationen:

  • Der empfindlichste Hämolysemarker – und seine Grenzen. Eine Übersichtsarbeit von 2025 hält fest, dass die Hämolysediagnostik weiterhin auf einfachen Parametern beruht: Haptoglobin (dem empfindlichsten), LDH und unkonjugiertem Bilirubin, mit Retikulozyten typischerweise über 120 × 10⁹/l; eine Anämie muss dabei nicht vorliegen.10 Eine methodische Übersicht im American Journal of Hematology – von der deutschen AIHA-Leitlinie als Beleg herangezogen – listet die Fehlerquellen auf: falsch niedrige Werte bei Zirrhose, hohen Östrogenspiegeln und Hämodilution, falsch unauffällige unter Androgenen und Kortikosteroiden.131
  • Das Entsorgungssystem für freies Hämoglobin ist besser verstanden. Arbeiten zur Achse Haptoglobin–Hämopexin–CD163 haben aufgeklärt, wie der Körper freies Hämoglobin und Häm neutralisiert – und daraus therapeutische Ansätze abgeleitet, etwa Haptoglobinpräparate bei schweren Hämolysen und Massivtransfusionen.2
  • Hämolyse nach Pulsed-Field-Ablation. Eine Frankfurter Arbeitsgruppe verglich 2025 drei Kathetersysteme zur Behandlung von Vorhofflimmern. Bei allen trat nach dem Eingriff eine Hämolyse auf: Der Haptoglobinabfall reichte im Mittel von −13,8 bis −60,7 mg/dl (p < 0,001), ohne Komplikationen.14
  • Eigene Referenzintervalle für die Schwangerschaft. Eine Auswertung von 401 Serumproben ermittelte trimesterspezifische Bereiche von 27–196 mg/dl (1.), 27–178 mg/dl (2.) und 34–191 mg/dl (3. Trimester). Im zweiten Trimester lagen die Werte signifikant niedriger – was davor bewahren soll, in der Schwangerschaft irrtümlich eine Hämolyse zu diagnostizieren.12

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lassen Sie Ihr Haptoglobin einordnen

Haptoglobin ergibt allein gelesen wenig Sinn: Seine Bedeutung hängt von LDH, Bilirubin, den Retikulozyten, Ihrem Entzündungsstatus und Ihrer Leber ab – also vom gesamten großen Blutbild und den begleitenden Werten.

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Häufige Fragen

Was ist Haptoglobin? Ein Eiweiß des Blutplasmas, das überwiegend in der Leber gebildet wird. Es bindet freies Hämoglobin, das beim Zerfall roter Blutkörperchen austritt, und schützt so Gefäße und Nieren vor dem toxischen freien Blutfarbstoff.12

Wie hoch ist der Normwert von Haptoglobin? Orientierend 0,3 – 2,0 g/l bei Erwachsenen; Labore, die in mg/dl rechnen, geben 30 – 200 mg/dl an.34 Maßgeblich ist der methoden- und laborabhängige Bereich auf Ihrem Befund.

Was bedeutet ein zu niedriges Haptoglobin? Meist eine Hämolyse: autoimmunhämolytische Anämie, angeborene Erkrankungen des roten Blutkörperchens, mechanische Hämolyse, Transfusionszwischenfall. Infrage kommen aber auch Lebererkrankungen, ausgedehnte körperliche Betätigung und die angeborene Ahaptoglobinämie – ganz ohne Hämolyse.1

Was bedeutet ein erhöhtes Haptoglobin? Fast immer eine Entzündung oder Infektion, denn Haptoglobin ist ein Akute-Phase-Protein; auch Kortikosteroide heben den Wert an.75 Der Befund ist unspezifisch und kein Tumormarker.11

Wie rechne ich g/l in mg/dl um? g/l × 100 = mg/dl.5 0,3 g/l sind also 30 mg/dl, 2,0 g/l sind 200 mg/dl. Prüfen Sie die Einheit immer neben der Zahl, bevor Sie zwei Befunde vergleichen.

Warum wird Haptoglobin zusammen mit LDH, Bilirubin und Retikulozyten bestimmt? Weil eine Hämolyse eine typische Signatur hat: Haptoglobin niedrig, LDH hoch, indirektes Bilirubin hoch, Retikulozyten hoch. Kein Parameter ist für sich beweisend.16

Kann eine Entzündung das Ergebnis verfälschen? Ja, das ist der wichtigste Fallstrick. Entzündung hebt, Hämolyse senkt den Wert; treffen beide zusammen, kann das Haptoglobin falsch normal erscheinen.45 Deshalb wird empfohlen, gleichzeitig das CRP zu bestimmen.7

Was hat der Coombstest damit zu tun? Haptoglobin belegt, dass eine Hämolyse stattfindet; der direkte Coombstest (DAT) klärt, warum: Ist er positiv, sind Antikörper an die roten Blutkörperchen gebunden – eine autoimmune Hämolyse. Ist er negativ, wird nach nicht-autoimmunen Ursachen gesucht.110

Ist ein niedriges Haptoglobin immer gefährlich? Nein. Der Schweregrad ergibt sich aus dem Gesamtbild – aus Hämoglobin, Beschwerden und Ursache. Bei bekannter Lebererkrankung oder angeborener Ahaptoglobinämie ist der Wert dauerhaft niedrig, ohne dass gerade eine Hämolyse abläuft.1

Das Wichtigste zum Schluss

Haptoglobin fängt freies Hämoglobin ein – und weil es dabei verbraucht wird, ist ein niedriger Wert der empfindlichste Hinweis auf eine Hämolyse. Merken Sie sich die Orientierungswerte (0,3 – 2,0 g/l bzw. 30 – 200 mg/dl, laborabhängig) und die Umrechnung g/l × 100 = mg/dl. Entscheidend sind aber die zwei Fallstricke: Eine Entzündung hebt den Wert an und kann eine Hämolyse verstecken; und ein niedriger Wert stammt nicht immer aus einer Hämolyse – Leber, Sport und die angeborene Ahaptoglobinämie senken ihn ebenfalls. Deshalb wird Haptoglobin nie allein gelesen, sondern mit LDH, Bilirubin, Retikulozyten, Blutausstrich und großem Blutbild – zu dem auch MCH und MCHC gehören, deren Erhöhung über 35,0 g/dl auf eine Kugelzellenanämie hinweisen kann.6 Erst das Zusammenspiel mit Ihrer persönlichen Situation ergibt ein Bild – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Universitäts- und Einsendelabore sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. DGHO – Onkopedia-Leitlinie Autoimmunhämolytische Anämien (AIHA) (Röth A, Feistritzer C, Höchsmann B, Panse J, Rosner A, Schrezenmeier H, Schubert J, Sormann S, Waldvogel-Abramowski S, Zeerleder S), Stand Juni 2026; Kapitel 2.2 Epidemiologie, 4.1 Direkter Antihumanglobulintest und 4.2 Hämolyseparameter. onkopedia.com 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27

  2. Schaer DJ, Vinchi F, Ingoglia G, Tolosano E, Buehler PW. Haptoglobin, hemopexin, and related defense pathways—basic science, clinical perspectives, and drug development. Front Physiol, 2014. PubMed · DOI 2 3 4 5

  3. Medizinische Hochschule Hannover, Zentrallabor – Leistungsverzeichnis ZLA: Referenzbereiche, Eintrag Haptoglobin, Serum: 0,3–2,0 g/l. mhh.de 2 3

  4. Medizinische Laboratorien Düsseldorf – Untersuchungsverzeichnis, Eintrag Haptoglobin (Turbidimetrie; Referenzbereich 30–200 mg/dl; empfindlichster Parameter für hämolytische Anämien; falsch normale Werte bei gleichzeitiger Entzündung), Informationsstand 10.06.2022. labor-duesseldorf.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  5. endokrinologikum / aesculabor Hamburg – Online-Leistungsverzeichnis, Basislabor Klinische Chemie, Eintrag Haptoglobin (Referenzbereich 0,3–2,0 g/l; Umrechnung g/l × 100 = mg/dl; Hinweise zu Akute-Phase-Reaktion, Steroidtherapie und HELLP-Syndrom). endokrinologikum-aesculabor.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  6. AWMF – S1-Leitlinie 025-018 Hereditäre Sphärozytose (Eber S, Andres O), federführend Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH), Stand 28.08.2023; Kapitel 1 (Prävalenz) und Kapitel 3 (Diagnostiktabelle: Hämolyseparameter, MCHC, direkter Coombs-Test). register.awmf.org 2 3 4 5 6 7 8 9

  7. LADR – Der Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen, A–Z der Laboranalysen, Eintrag α₂-Haptoglobin (Referenzbereich Erwachsene 0,3–2,0 g/l; Indikation „V. a. akute oder chronische Hämolyse"; Empfehlung der parallelen CRP-Bestimmung). ladr.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10

  8. Labor Becker MVZ (München) – Leistungsverzeichnis, Eintrag Haptoglobin (Immunturbidimetrie; Erwachsene 0,3–2 g/l, bis 1 Monat bis 0,31 g/l, bis 3 Monate 0,25–1,23 g/l; Halbwertszeit 3–4 Tage). labor-becker.de 2 3 4 5 6

  9. Marchand A, Galen RS, Van Lente F. The predictive value of serum haptoglobin in hemolytic disease. JAMA, 1980. PubMed

  10. Ruivard M, Michel M, Garçon L. Diagnostic des hémolyses non auto-immunes de l'adulte. Rev Med Interne, 2025. PubMed · DOI 2 3 4 5 6

  11. Naryzhny SN, Legina OK. Haptoglobin as a biomarker. Biomed Khim, 2021. PubMed · DOI 2 3

  12. Chaves Rivera MN, Choucair I, Vera MA, Lee ES, El-Khoury JM, Figueroa Villalba CA. Haptoglobin in pregnancy: Trimester-specific reference intervals. Am J Clin Pathol, 2025. PubMed · DOI 2

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  14. Gold C, Pratz P, Falagkari A, et al. (Universitäres Herz- und Gefäßzentrum Frankfurt, Goethe-Universität) Haemolysis and myocardial and neural injury after monopolar pulsed field ablation using a novel lattice-tip catheter to treat atrial fibrillation. Europace, 2025. PubMed · DOI

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