CA 125 erhöht: Tumormarker, Normwert, gutartige Ursachen
Bei gesunden Frauen liegt der CA-125-Median bei 14 U/ml, die 95. Perzentile bei 35. Warum Regelblutung, Endometriose und Zysten den Wert harmlos anheben.
CA 125 (Cancer Antigen 125) ist ein Eiweiß im Blut, das die meisten Menschen nur unter einem Etikett kennen: „Tumormarker für Eierstockkrebs". Genau dieses Etikett führt in die Irre. Der mit Abstand häufigste Grund für einen erhöhten CA-125-Wert bei Frauen vor den Wechseljahren ist kein Krebs, sondern etwas völlig Gewöhnliches — die Regelblutung, eine Endometriose, eine Eierstockzyste, ein Myom, eine Schwangerschaft oder eine Entzündung im Bauchraum. Das Universitätsklinikum Ulm listet Geschlecht, Alter, Schwangerschaft und Menstruation ausdrücklich als Einflussfaktoren des Messwerts auf.1 Dieser Ratgeber erklärt, was CA 125 misst, welcher Referenzbereich üblich ist, warum der Test nicht zur Krebsfrüherkennung taugt und weshalb der Menopausenstatus die Deutung verändert. Beim Mann trägt der PSA-Wert ein vergleichbares Etikett — mit ganz eigenen Fallstricken. Die Einordnung Ihres persönlichen Befunds gehört immer in ärztliche Hand.
Das Wichtigste in Kürze
- CA 125 sitzt auf Zellen des weiblichen Genitaltrakts und der serösen Häute (Bauchfell, Rippenfell, Herzbeutel). Werden diese gereizt oder gedehnt, steigt der Blutwert — ganz ohne Tumor.12
- Übliche Orientierung: Bei gesunden, nicht schwangeren Frauen liegt der Median bei 14 U/ml, die 95. Perzentile bei 35 U/ml. Der Grenzwert ist methoden- und laborabhängig.1
- Ein erhöhter Wert ist kein Krebsbefund. Bei Endometriose ist CA 125 laut der deutschen S2k-Leitlinie „regelmäßig erhöht" — deshalb hat er dort keine differenzialdiagnostische Bedeutung.3
- Kein Früherkennungstest: Die S3-Leitlinie Maligne Ovarialtumoren stellt fest, dass ein Screening mit CA 125 und Vaginalultraschall bisher keine Senkung der Sterblichkeit nachweisen konnte.4
- Der IGeL-Monitor bewertet die Ultraschall-Früherkennung der Eierstöcke — oft zusammen mit CA 125 angeboten — als „negativ": der Schaden überwiegt deutlich.5
- Ohne konkreten Anlass ist eine Tumormarker-Bestimmung laut Krebsinformationsdienst des DKFZ eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die die gesetzlichen Kassen in der Regel nicht zahlen.6
Was ist CA 125?
CA 125 — auch MUC16 genannt — ist ein großes Mucin-Glykoprotein. Der monoklonale Antikörper OC 125, mit dem es nachgewiesen wird, richtet sich ursprünglich gegen ein Zuckereiweiß des Eierstockkarzinoms. Das Epitop kommt aber auch im gesamten weiblichen Genitaltrakt, in Geweben außerhalb davon und in fetalem Gewebe vor. Erhöhte Serumkonzentrationen finden sich entsprechend bei gutartigen Erkrankungen des Genitaltrakts, in der Schwangerschaft und bei nicht-tumorösen Lebererkrankungen.1
Der praktische Kern: CA 125 ist ein Marker für gereizte seröse Häute, nicht für „Krebs". Wo Bauchfell, Rippenfell oder Herzbeutel gedehnt, entzündet oder von Flüssigkeit umspült werden, wird mehr davon ins Blut abgegeben. Deshalb steigt der Wert auch bei Bauchwassersucht (Aszites), bei einem Rippenfellerguss oder bei Herzinsuffizienz — Situationen, die mit dem Eierstock nichts zu tun haben.27
CA 125 gehört zu keinem Routineprofil. Er steht weder im großen Blutbild noch bei den Leberwerten oder den Entzündungswerten — er wird gezielt angefordert.
Wann wird CA 125 bestimmt?
Sinnvolle Anlässe sind eng umrissen:
- Therapiemonitoring bei einem bereits gesicherten Eierstockkrebs: Während einer Chemotherapie eignet sich CA 125 meist zur Beurteilung des Ansprechens — sofern er vor Therapiebeginn erhöht war. Die S3-Leitlinie nennt ergänzend den KELIM-Score, der die Eliminationsrate von CA 125 über die ersten rund 100 Tage beschreibt.4
- Abklärung eines unklaren Eierstockbefunds, immer zusammen mit Ultraschall, Beschwerdebild und Menopausenstatus — nie als alleiniges Kriterium.3
- Suche nach der Ursache eines Ergusses oder eines Aszites, wo der Wert als Hinweis auf eine seröse Reizung dient.2
Nicht sinnvoll ist der Test dagegen als Beruhigungsmessung „auf Verdacht" bei beschwerdefreien Frauen — das gilt, wie bei CA 15-3, CEA oder AFP, für Tumormarker allgemein und entspricht dem ausdrücklichen Stand der deutschen Leitlinie und des Krebsinformationsdienstes.48
Muss ich für CA 125 nüchtern sein?
Nein, eine Nüchternheit ist für die CA-125-Bestimmung in der Regel nicht erforderlich; benötigt wird Serum aus einer normalen Blutentnahme.1 Halten Sie sich aber an die Anweisung auf Ihrer Überweisung, falls die Abnahme mit anderen Untersuchungen kombiniert wird. Wichtiger als das Frühstück sind zwei Angaben, die Sie aktiv nennen sollten: ob Sie gerade Ihre Regelblutung haben und ob eine Schwangerschaft besteht — beides hebt den Wert physiologisch an.1 Relevant ist außerdem eine Therapie mit Biotin in hoher Dosierung oder mit monoklonalen Antikörpern, weil beides den Immunoassay stören kann.1
Normalwerte für CA 125
Die folgenden Zahlen stammen aus dem Leistungsverzeichnis der Zentralen Einrichtung Klinische Chemie des Universitätsklinikums Ulm (Roche-ECLIA, Revision Juli 2025). Sie sind Orientierungswerte: Maßgeblich ist immer der Referenzbereich, den Ihr Labor auf den Befund druckt.1
| Situation | Orientierungswert | Einheit |
|---|---|---|
| Gesunde, nicht schwangere Frauen — Median | 14 | U/ml (= IU/ml, kU/l) |
| Gesunde, nicht schwangere Frauen — 95. Perzentile | 35 | U/ml |
| Männer — Median / 95. Perzentile | 11 / 28 | U/ml |
| Während der Regelblutung | häufig vorübergehend höher | U/ml |
| Während der Schwangerschaft | häufig höher | U/ml |
Zum Einordnen: Die vielzitierte 35 U/ml ist kein Diagnose-Schwellenwert, sondern schlicht die 95. Perzentile gesunder Frauen — per Definition liegen also rund 5 von 100 gesunden Frauen darüber.1 Ein Wert knapp oberhalb ist damit für sich genommen kein auffälliger Befund. Umgekehrt gilt: Auch deutlich höhere Zahlen kommen bei gutartigen Ursachen vor, und kein CA-125-Wert stellt allein eine Diagnose.
Ihre Werte verstehen
CA 125 erhöht — zuerst an die gutartigen Ursachen denken
Das ist die Situation, die Angst macht, und meistens zu Unrecht. Häufige gutartige Gründe für einen erhöhten CA 125:
- Regelblutung und Schwangerschaft — physiologisch und vorübergehend;1
- Endometriose und Adenomyose: Die S2k-Leitlinie der DGGG hält fest, dass CA 125 bei Endometriose „regelmäßig erhöht" ist — Gleiches gilt dort für CA 19-9. Eine Meta-Analyse bestätigt die Verbindung bei begrenzter Aussagekraft;39
- Eierstockzysten (besonders Endometriome), Myome der Gebärmutter;3
- Entzündungen im Bauch- und Beckenraum, Zustand nach einer Bauchoperation;10
- Leberzirrhose mit Aszites, Rippenfellentzündung oder Herzbeutelerguss, Herzinsuffizienz — der Wert wird in der Kardiologie sogar als Stauungsmarker untersucht.27
Bei einer Frau vor den Wechseljahren mit unauffälligem Ultraschall ist ein mäßig erhöhter CA 125 daher weit häufiger gutartig als bösartig. Begleitwerte helfen bei der Einordnung: eine BSG oder ein CRP-Wert sprechen für eine entzündliche Komponente, Albumin und die Leberwerte für eine hepatische Ursache, ein Beta-HCG klärt eine Schwangerschaft.
CA 125 und Eierstockkrebs
Beim epithelialen Ovarialkarzinom ist CA 125 häufig erhöht, und zwar in guter Korrelation zur Tumormasse.1 Daraus folgt aber gerade nicht, dass sich die Rechnung umdrehen lässt: Ein hoher Wert beweist keinen Tumor, und ein normaler Wert schließt keinen aus — frühe Karzinome verlaufen oft mit unauffälligem CA 125.4
Mythos: „CA 125 über 35 heißt Eierstockkrebs." Falsch. Sehr viele Frauen liegen ohne jede Krebserkrankung über diesem Wert, und der positive prädiktive Wert des Markers ist gering — das Uniklinikum Ulm beziffert ihn mit rund 16 %, weshalb es CA 125 ausdrücklich als nicht sicher für eine Screeninguntersuchung geeignet einstuft.1 Erst das Zusammenspiel aus Beschwerden, Bildgebung und fachärztlicher Beurteilung führt zu einer Aussage.
Nach einer Krebstherapie: was die deutsche Leitlinie sagt
Hier weicht die deutsche Praxis von einer verbreiteten Erwartung ab, und das ist wichtig zu wissen. Die S3-Leitlinie empfiehlt: „Eine routinemäßige apparative Diagnostik oder Markerbestimmung soll in der Nachsorge bei symptomfreier Patientin nicht durchgeführt werden."4 Grundlage ist eine randomisierte Studie mit 529 Frauen: Die CA-125-gesteuerte Gruppe begann die Rezidivtherapie im Mittel 4,8 Monate früher, ohne Unterschied im Gesamtüberleben — bei schlechterer Lebensqualität durch die längere Chemotherapiezeit.114
Davon abzugrenzen ist das Therapiemonitoring während einer laufenden Chemo- oder Erhaltungstherapie, bei dem CA 125 sehr wohl regelmäßig eingesetzt wird.4 Was für Sie persönlich gilt, entscheidet Ihr behandelndes Team — dieser Ratgeber ersetzt kein Nachsorgekonzept.
Ein niedriger oder normaler Wert
Einen „zu niedrigen" CA 125 gibt es nicht: Der Referenzbereich kennt nur eine Obergrenze, ein niedriger Wert ist unauffällig. Ein normaler Wert ist beruhigend, aber kein Ausschlusskriterium — deshalb sollten anhaltende Beschwerden wie Blähbauch, Völlegefühl oder Beckenschmerzen unabhängig vom Laborwert ärztlich abgeklärt werden.4
Warum CA 125 kein Test zur Krebsfrüherkennung ist
Es gibt in Deutschland kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Eierstockkrebs — weder per Vaginalultraschall noch über Tumormarker, weil beides die Sterblichkeit nicht gesenkt hat.8 Die S3-Leitlinie formuliert es als evidenzbasiertes Statement: „Ein Screening mit CA 125 und TVS konnte bisher keine Reduktion der Mortalität nachweisen."4
Dahinter stehen zwei sehr große randomisierte Studien. Im US-amerikanischen PLCO-Trial mit 78 216 Frauen war die Sterblichkeit am Eierstockkrebs im Screening-Arm nicht niedriger; 3 285 Frauen hatten ein falsch positives Ergebnis, 1 080 davon wurden operiert, und 163 (15 % der Operierten) erlitten mindestens eine schwere Komplikation.12 Der britische UKCTOCS-Trial mit über 200 000 postmenopausalen Frauen und rund 16 Jahren Nachbeobachtung kam nach algorithmischer CA-125-Auswertung zum selben Schluss: keine signifikante Senkung der Sterblichkeit.13
Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet die als Selbstzahlerleistung angebotene Ultraschall-Früherkennung der Eierstöcke deshalb mit „negativ" und beziffert den Schaden konkret: Bei etwa 3 von 100 Frauen würden gesunde Eierstöcke entfernt.5 Eine eigene Bewertung nur für den CA-125-Bluttest führt der IGeL-Monitor nicht, er ordnet den Marker aber innerhalb dieser Bewertung ein.5 Und der Krebsinformationsdienst hält fest: Ohne konkreten Anlass ist die Tumormarker-Bestimmung eine IGeL-Leistung, die die Kassen üblicherweise nicht übernehmen — mit dem doppelten Risiko unnötiger Sorge bei falschem Alarm und falscher Beruhigung bei normalem Wert.6
Warum der Menopausenstatus die Deutung verändert
Diese Nuance erklärt kaum jemand, dabei ist sie entscheidend. Vor der Menopause sind die gutartigen Auslöser schlicht sehr häufig: Es gibt einen Zyklus, es gibt funktionelle Zysten, Endometriose ist verbreitet, eine Schwangerschaft ist möglich. Ein mäßig erhöhter Wert hat hier eine hohe Vortestwahrscheinlichkeit für eine harmlose Erklärung.13
Nach der Menopause fallen diese Quellen weitgehend weg, und derselbe Zahlenwert wiegt in der ärztlichen Abwägung anders — nicht weil der Test besser wird, sondern weil sich die Wahrscheinlichkeiten verschieben. Genau deshalb rechnen kombinierte Indizes wie RMI oder ROMA den Menopausenstatus mit ein und verknüpfen CA 125 mit dem Ultraschallbefund beziehungsweise mit HE4.14 Diese Indizes sind Werkzeuge für die gynäkologische Beurteilung, kein Rechner für zu Hause: Sie ersetzen weder die Bildgebung noch das ärztliche Gespräch.
Einflussfaktoren auf einen Blick
Verändernd wirken: Geschlecht, Alter, Schwangerschaft und Menstruation,1 Endometriose, Zysten und Myome,3 Entzündungen im Bauch- und Beckenraum, kürzliche Bauchoperationen, Aszites bei Leberzirrhose, Ergüsse und Herzinsuffizienz,27 sowie analytisch: hoch dosiertes Biotin, Rheumafaktoren, HAMA und eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern.1 Weil auch die Hormonlage mitspielt, wird CA 125 gelegentlich neben Werten wie Östradiol, FSH, AMH oder einem kompletten Hormonstatus betrachtet.
Aktuelle Forschung
- Bevölkerungsscreening rettet keine Leben. Die Langzeitauswertung von UKCTOCS bestätigte, dass ein Screening mit CA 125 und/oder Ultraschall die Sterblichkeit an Eierstockkrebs nicht senkt.13 Der PLCO-Trial hatte zuvor gezeigt, welchen Preis Fehlalarme haben.12
- Früher behandeln bringt keinen Überlebensvorteil. Die Studie MRC OV05/EORTC 55955 verglich einen CA-125-getriggerten frühen Therapiestart mit einem klinisch gesteuerten späteren Start — ohne Unterschied im Gesamtüberleben.11
- CA 125 als Stauungsmarker. In der Kardiologie wurde CA 125 in der randomisierten Studie CHANCE-HF zur Steuerung der Entwässerung bei akuter Herzinsuffizienz untersucht — ein eindrückliches Beispiel dafür, wie wenig krebsspezifisch der Wert ist.7
- Gutartige Ergüsse im Blick. Eine aktuelle Übersichtsarbeit ordnet CA 125 als Biomarker bei nicht-malignen serösen Ergüssen ein und beschreibt seinen diagnostischen wie prognostischen Stellenwert außerhalb der Onkologie.2
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Verlaufsbeurteilung. Sie begründen keine Selbstbehandlung und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Lassen Sie Ihren CA-125-Wert im Zusammenhang einordnen
Ein CA-125-Wert lässt sich nie isoliert lesen. Sein Sinn hängt von Ihrem Alter, Ihrem Zyklus, einer möglichen Schwangerschaft, einer Endometriose oder Zyste, vom Ultraschallbefund und vom Verlauf über die Zeit ab. Erhöht heißt eben nicht Krebs.
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Häufige Fragen
Was ist der CA-125-Wert? CA 125 ist ein Eiweiß (Mucin MUC16) auf Zellen des weiblichen Genitaltrakts und der serösen Häute — Bauchfell, Rippenfell, Herzbeutel. Im Blut gemessen dient es vor allem der Verlaufsbeurteilung eines bekannten Eierstockkarzinoms, nicht der Krebssuche bei Gesunden.1
Welcher CA-125-Wert ist normal? Bei gesunden, nicht schwangeren Frauen liegt der Median bei etwa 14 U/ml, die 95. Perzentile bei 35 U/ml. Der Grenzwert hängt von Methode und Labor ab — vergleichen Sie immer mit dem Referenzbereich auf Ihrem eigenen Befund.1
Bedeutet ein erhöhter CA 125 automatisch Eierstockkrebs? Nein. Am häufigsten stecken gutartige Gründe dahinter: Regelblutung, Schwangerschaft, Endometriose, Zysten, Myome, Entzündungen im Bauchraum, Aszites oder eine Herzschwäche. Der positive prädiktive Wert des Markers liegt bei nur etwa 16 %.12
Kann ich CA 125 zur Krebsvorsorge bestimmen lassen? Ein generelles Screening mit CA 125 und Vaginalultraschall wird laut S3-Leitlinie nicht empfohlen, weil es die Sterblichkeit nicht senkt. Ohne konkreten Anlass ist die Bestimmung eine IGeL-Leistung.46
Warum steigt CA 125 bei Endometriose? Endometrioseherde und Endometriome reizen das Bauchfell und produzieren selbst CA 125. Die deutsche S2k-Leitlinie beschreibt den Wert als „regelmäßig erhöht" und empfiehlt seine Bestimmung zur Abklärung eines Endometrioseverdachts wegen unzureichender Spezifität nicht.3
Steigt CA 125 während der Regel oder in der Schwangerschaft? Ja, in beiden Situationen ist ein höherer Wert normal. Menstruation und Schwangerschaft zählen zu den offiziell gelisteten Einflussfaktoren; sagen Sie beides vor der Blutentnahme.1
Ändert sich die Bedeutung nach den Wechseljahren? Ja. Vor der Menopause sind die gutartigen Quellen sehr häufig, danach seltener — derselbe Zahlenwert wiegt dann anders. Indizes wie RMI und ROMA beziehen den Menopausenstatus deshalb explizit ein.14
Können Männer einen erhöhten CA 125 haben? Ja. Bei Männern liegt der Median um 11 U/ml. Erhöhte Werte finden sich etwa bei Lebererkrankungen mit Aszites, bei Ergüssen oder bei Herzinsuffizienz — ohne jeden Bezug zum Eierstock.17
Wird CA 125 in der Nachsorge nach Eierstockkrebs routinemäßig bestimmt? Die S3-Leitlinie empfiehlt bei beschwerdefreien Patientinnen keine routinemäßige Markerbestimmung in der Nachsorge, weil sie das Überleben nicht verlängert. Während einer laufenden Chemo- oder Erhaltungstherapie ist das Monitoring davon zu unterscheiden. Ihr Behandlungsteam entscheidet individuell.411
Kann etwas die Messung verfälschen? Ja. Hoch dosiertes Biotin, Rheumafaktoren, humane Anti-Maus-Antikörper (HAMA) und eine Therapie mit monoklonalen Antikörpern können den Immunoassay stören. Zudem sind Werte verschiedener Labore wegen unterschiedlicher Testverfahren nicht direkt vergleichbar.1
Auf einen Blick
CA 125 ist ein Marker gereizter seröser Häute, kein Krebstest. Die Orientierung — Median 14 U/ml, 95. Perzentile 35 U/ml, labor- und methodenabhängig — sagt weniger aus als der Zusammenhang, in dem der Wert steht.1 Vor den Wechseljahren erklärt sich ein erhöhter Wert meistens gutartig: Regelblutung, Endometriose, Zyste, Myom, Schwangerschaft, Entzündung, Aszites oder Herzinsuffizienz.32 Zur Früherkennung taugt der Test nicht: Weder PLCO noch UKCTOCS zeigten eine geringere Sterblichkeit, dafür zahlreiche unnötige Operationen — der IGeL-Monitor bewertet die entsprechende Selbstzahlerleistung als „negativ".12135 Sein Platz liegt im Therapiemonitoring und in der Abklärung eines Eierstockbefunds gemeinsam mit Bildgebung und Menopausenstatus.4 Kein Laborwert steht für sich — genau dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
Deutsche Leitlinien, Fachinstitutionen und geprüfte PubMed-Publikationen, die diesem Ratgeber zugrunde liegen:
Footnotes
-
Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis Cancer Antigen 125 (CA125), ID 24040, Revision 002 vom 24.07.2025 (Roche ECLIA, Cobas 8000). uniklinik-ulm.de (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22
-
Bălăceanu LA, et al. CA125 as a Potential Biomarker in Non-Malignant Serous Effusions: Diagnostic and Prognostic Considerations. J Clin Med, 2025. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
-
DGGG, OEGGG und SGGG — S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose, AWMF-Registernummer 015/045, Version 5.1, Stand März 2025. Status: S2k, konsensbasiert, gültig maximal 5 Jahre. Zitiert: Kapitel „Tumormarker und Marker der ovariellen Reserve". register.awmf.org (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
-
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) — S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren, AWMF-Registernummer 032-035OL, Langversion 6.1, Januar 2026. Status: S3, gültig bis zur nächsten Aktualisierung (maximal 5 Jahre). Zitiert: Statement 3.1 zum Screening, Empfehlung 10.8 zur Nachsorge, Kapitel Therapiemonitoring/KELIM. leitlinienprogramm-onkologie.de (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12
-
IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) — Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung, Bewertung „negativ", Stand der Bewertung 18.11.2020. igel-monitor.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Krebsinformationsdienst des DKFZ — Tumormarker bei Gesunden – grundsätzlich keine gute Idee, 23.06.2025. krebsinformationsdienst.de ↩ ↩2 ↩3
-
Núñez J, et al. Carbohydrate Antigen-125-Guided Therapy in Acute Heart Failure: CHANCE-HF: A Randomized Study. JACC Heart Fail, 2016. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) — Eierstockkrebs: Symptome, Diagnose, Therapie und Nachsorge, Stand 11.02.2025. krebsinformationsdienst.de ↩ ↩2
-
Shen A, et al. Diagnostic value of serum CA125, CA19-9 and CA15-3 in endometriosis: A meta-analysis. J Int Med Res, 2015. PubMed · DOI ↩
-
Krebsinformationsdienst des DKFZ — Tumormarker und andere Biomarker: Anwendung, Stand 21.01.2021. krebsinformationsdienst.de ↩
-
Rustin GJ, et al. Early versus delayed treatment of relapsed ovarian cancer (MRC OV05/EORTC 55955): a randomised trial. Lancet, 2010. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Buys SS, et al. Effect of screening on ovarian cancer mortality: the Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian (PLCO) Cancer Screening Randomized Controlled Trial. JAMA, 2011. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Menon U, et al. Ovarian cancer population screening and mortality after long-term follow-up in the UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS): a randomised controlled trial. Lancet, 2021. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Dayyani F, et al. Diagnostic Performance of Risk of Ovarian Malignancy Algorithm Against CA125 and HE4 in Connection With Ovarian Cancer: A Meta-analysis. Int J Gynecol Cancer, 2016. PubMed · DOI ↩ ↩2