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Albumin im Urin (Albuminurie): Normalwerte und ACR

Albumin im Urin zeigt einen Nierenschaden früher als das Kreatinin. Normal ist ein Albumin-Kreatinin-Quotient unter 30 mg/g – und er wird zweimal geprüft.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Albumin im Urin – fachsprachlich Albuminurie – bedeutet, dass die Nieren ein Eiweiß durchlassen, das sie eigentlich zurückhalten. Das klingt unspektakulär, ist aber der früheste Hinweis auf einen Nierenschaden, den die Labormedizin kennt: Der Wert verändert sich oft Jahre bevor das Kreatinin im Blut auffällig wird.12 Dieser Ratgeber erklärt die Normalwerte, warum der Albumin-Kreatinin-Quotient einer bloßen Konzentration in mg/l überlegen ist, weshalb ein erhöhter Wert zweimal geprüft gehört – und was in Deutschland von der Kasse bezahlt wird. Der Wert gehört zu den Nierenwerten.

Achtung, das ist eine URIN-Untersuchung. Viele suchen sie im Blutbild und finden sie nicht. Und sie hat nichts mit dem Albumin im Blut zu tun: Das ist eine andere Messgröße, die vor allem etwas über Leber und Ernährungszustand aussagt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein gesundes Nierenkörperchen lässt Albumin praktisch nicht passieren; erscheint es im Urin, spricht das für einen glomerulären Schaden.2
  • Gemessen wird der Albumin-Kreatinin-Quotient (ACR bzw. UACR) im Morgenurin – nicht mehr im 24-Stunden-Sammelurin.32
  • Normal: unter 30 mg/g Kreatinin (unter 3 mg/mmol). 30–300 mg/g heißt mäßig erhöht (A2), über 300 mg/g stark erhöht (A3).23
  • ⚠️ Der Begriff „Mikroalbuminurie" gilt als überholt: Die deutschsprachige Nomenklatur führt ihn ausdrücklich unter den Begriffen, die man vermeiden sollte.4
  • ⚠️ Falsch hohe Werte sind häufig – Sport, Fieber, Harnwegsinfekt, Menstruation, Blut im Urin. Deshalb wird ein auffälliger Befund wiederholt, bevor daraus eine Diagnose wird.35
  • Albuminurie ist nicht nur ein Nierenmarker, sondern auch ein Marker für das Herz-Kreislauf-Risiko.67
  • Der Harnstreifentest beim Check-up ab 35 ersetzt diese Messung nicht: Er ist nur halbquantitativ und hängt davon ab, wie verdünnt der Urin ist.28

Was Albumin im Urin bedeutet

Albumin ist das häufigste Eiweiß im Blut. Die Nierenkörperchen (Glomeruli) arbeiten wie ein extrem feiner Filter: Ist er intakt, kann Albumin die Filtrationsmembran nicht passieren.2 Taucht es dennoch im Urin auf, ist der Filter durchlässig geworden.

Genau das macht den Wert so nützlich. Kreatinin und die daraus geschätzte Filtrationsleistung (eGFR) sind späte Marker – sie bewegen sich erst, wenn bereits ein erheblicher Teil der Filterleistung verloren ist. Die Albuminurie zeigt den Schaden dagegen, solange die Nierenfunktion noch erhalten ist.1 Sie ist deshalb kein Konkurrent zum Kreatinin, sondern dessen Ergänzung.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Proteinurie: Diese umfasst nicht nur Albumin, sondern auch andere Eiweiße, etwa solche aus den Nierenkanälchen.2 Für die Einteilung einer chronischen Nierenkrankheit ist die Albuminurie maßgeblich.

Warum der Quotient – und nicht einfach mg/l?

Das ist der Punkt, an dem deutsche Laborbefunde regelmäßig verwirren. Viele Labore geben beides an: eine Konzentration in mg/l und einen Quotienten in mg/g Kreatinin.9

Die reine Konzentration hat einen systematischen Haken: Sie hängt davon ab, wie verdünnt Ihr Urin gerade ist. Wer viel getrunken hat, bekommt bei unverändertem Nierenzustand einen niedrigeren mg/l-Wert – wer wenig getrunken hat, einen höheren.

Der Trick des Albumin-Kreatinin-Quotienten: Kreatinin wird ziemlich gleichmäßig über den Tag ausgeschieden. Setzt man Albumin ins Verhältnis zum Kreatinin derselben Probe, rechnet sich der Verdünnungseffekt heraus.3 Die Deutsche Diabetes Gesellschaft formuliert es so: Der Quotient ermöglicht eine „standardisierte und Harnkonzentrations-unabhängige Bestimmung des Ausmaßes der Albuminurie".10 Er hat damit auch die mühsame 24-Stunden-Sammlung abgelöst, die sich wegen Sammelfehlern, Aufwand und Kosten in der Diagnostik nie durchgesetzt hat.2

Zur Orientierung: Ein deutsches Labor gibt als Referenz „< 20 mg/l im Spontanurin" und „< 20 mg/g Kreatinin" an und unterteilt in 20–200 mg/l und über 200 mg/l.9 Sie sehen daran zweierlei – dass Laborreferenzen voneinander abweichen (hier 20, in den Leitlinien 30 mg/g) und dass die mg/l-Angabe im Befund meist noch die alte Einteilung transportiert. Maßgeblich für die Einordnung sind die Kategorien A1 bis A3.

Normalwerte: die Kategorien A1, A2 und A3

KategorieACR (mg/g Kreatinin)ACR (mg/mmol)Ausscheidung (mg/24 h)Bezeichnung
A1unter 30unter 3unter 30normal bis leicht erhöht
A230–3003–3030–300mäßig erhöht
A3über 300über 30über 300stark erhöht

Nach der KDIGO-Klassifikation, wie sie die DEGAM-Leitlinie zur chronischen Nierenkrankheit für Deutschland übernimmt.23 Umrechnung: 1 g Kreatinin entspricht 8,84 mmol.2

⚠️ „Mikroalbuminurie" – ein Begriff, den man vermeiden sollte

Auf deutschen Befunden und in vielen Ratgebern steht noch immer „Mikroalbuminurie" für den Bereich 30–300 mg/g und „Makroalbuminurie" für alles darüber. Das ist nicht mehr die Fachsprache.

Im Auftrag der nephrologischen Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wurde die KDIGO-Nomenklatur ins Deutsche übertragen. In deren Tabelle gibt es eine Spalte mit der Überschrift „Begriffe, die man möglichst vermeiden sollte" – und dort stehen bei A2 „Mikroalbuminurie" und bei A3 „Makroalbuminurie".4 Vorgezogen werden die Bezeichnungen „mäßig erhöhte Albuminurie" (A2) und „stark erhöhte Albuminurie" (A3).

Der Grund ist Präzision: „Mikroalbuminurie" klingt nach einem besonders kleinen Albuminmolekül – gemeint ist aber eine kleine Menge eines ganz normalen Albumins. Und die Vorsilbe „mikro" suggeriert Harmlosigkeit, obwohl gerade diese Kategorie prognostisch bedeutsam ist. Entsprechend arbeiten KDIGO- und DEGAM-Leitlinie durchgehend mit A1–A3.32 In der Praxis überlebt der alte Begriff trotzdem – selbst die DDG-Praxisempfehlung schreibt noch „Makroalbuminurie (Stadium A3 KDIGO)".10 Auf Ihrem Befund ist er also kein Fehler, sondern die ältere Sprachebene.

Die Diagnose braucht beide Achsen: eGFR und Albuminurie

Eine chronische Nierenkrankheit wird seit 2004 nicht mehr allein über die Filtrationsleistung definiert, sondern über zwei Achsen: die eGFR in sechs G-Stadien und die Albuminurie in drei A-Kategorien.2 Erst beide zusammen ergeben das Risikoprofil – deshalb ist die berühmte KDIGO-Farbtafel ein Raster und keine Reihe.

Praktisch heißt das: Ein normales Kreatinin schließt eine Nierenkrankheit nicht aus, und eine normale Albuminurie ebenso wenig. Die DEGAM-Leitlinie verwendet den Begriff CKD bei einer eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² und/oder einem Quotienten über 30 mg/g.2 Wie groß die Lücke ist, zeigt die deutsche NAKO-Gesundheitsstudie mit über 195.000 Teilnehmenden: Mehr als 80 % derjenigen mit einer eGFR zwischen 30 und 59 berichteten keine ärztlich gestellte Nierendiagnose – und selbst bei zusätzlich stark erhöhter Albuminurie über 300 mg/g wusste weniger als die Hälfte davon.11 In Deutschland leben etwa neun Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenkrankheit.12

Nicht nur die Niere: ein Herz-Kreislauf-Marker

Der Punkt wird häufig übersehen. Eine sehr große internationale Auswertung individueller Teilnehmerdaten zeigte, dass eine höhere Albuminurie nicht nur mit Nierenversagen, sondern auch mit kardiovaskulären Ereignissen und der Sterblichkeit zusammenhängt – und zwar bereits in den mäßig erhöhten Kategorien.6 Herz und Niere sind pathophysiologisch eng verbunden und teilen sich Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und chronische Entzündung; die schwerwiegendste Folge einer Nierenschwäche ist meist nicht die Dialyse, sondern das erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko.713 Deshalb wird ein auffälliger Wert regelmäßig zusammen mit den Cholesterinwerten, dem LDL-Cholesterin, dem Apolipoprotein B und dem Lipoprotein(a) betrachtet.

⚠️ Wenn der Wert falsch hoch ist

Das ist der praktisch wichtigste Abschnitt. Die biologische Schwankung des Urin-Albumins liegt bei über 60 %, und mehrere Alltagssituationen treiben den Wert nach oben, ohne dass die Nieren dauerhaft geschädigt wären:3

  • Sichtbares oder mikroskopisches Blut im Urin (Hämaturie) und die Menstruation – beide erhöhen Albumin und Protein im Urin;3
  • starke körperliche Anstrengung kurz vor der Probe;3
  • ein Harnwegsinfekt oder eine fieberhafte Infektion;310
  • eine entgleiste Blutzuckerlage oder ein Blutdruckgipfel;
  • eine dekompensierte Herzschwäche.

Hinzu kommt die Messseite: Die Ergebnisse für Urin-Albumin können sich zwischen Laboren je nach Methode um mehr als 40 % unterscheiden.3

Daraus folgt eine einfache Regel, die Sie kennen sollten: Ein einzelner erhöhter Wert ist keine Diagnose. Die G-BA-Richtlinie zu den Disease-Management-Programmen verlangt für die Diagnose einer diabetischen Nephropathie ausdrücklich den mindestens zweimaligen Nachweis eines pathologisch erhöhten Quotienten im Abstand von zwei bis vier Wochen.5 Die DDG rät bei unklarem oder auffälligem Ergebnis zu einer wiederholten Bestimmung, zum Beispiel in dreimonatigen Abständen, und empfiehlt vorab einen Mehrfelder-Streifentest, um Störfaktoren wie einen Harnwegsinfekt auszuschließen.10 Definitionsgemäß muss eine Auffälligkeit ohnehin mindestens drei Monate fortbestehen, um als chronisch zu gelten.2

Muss man nüchtern sein?

Nein – es wird kein Blut abgenommen. Gebraucht wird eine Probe aus dem Morgenurin, am besten aus dem Mittelstrahl des ersten Wasserlassens.3 Diese Probe korreliert gut mit der 24-Stunden-Ausscheidung, schwankt innerhalb einer Person am wenigsten und schließt eine rein lagebedingte (orthostatische) Eiweißausscheidung aus.3 Ist kein Morgenurin verfügbar, ist eine andere Spontanprobe akzeptabel.

Verschieben Sie den Termin, wenn Sie am Vortag intensiv Sport getrieben haben, akut fiebern, einen Harnwegsinfekt vermuten oder Ihre Menstruation haben – und sprechen Sie es sonst im Labor an.

Wer wird in Deutschland untersucht – und wer zahlt?

Bei beschwerdefreien Erwachsenen ohne Risikofaktoren sollte laut DEGAM-Leitlinie kein Screening auf eine chronische Nierenkrankheit empfohlen werden.2 Bezahlt wird die Bestimmung, wenn ein Anlass besteht:

  • Diabetes: Im Disease-Management-Programm ist beim Typ-1-Diabetes ab fünf Jahren Diabetesdauer jährlich die Bestimmung des Quotienten im Spontanurin vorgesehen; beim Typ-2-Diabetes prüft die Ärztin oder der Arzt anhand des individuellen Risikoprofils, ob eine regelmäßige Bestimmung – etwa einmal jährlich – sinnvoll ist.5 Die DDG empfiehlt das Screening beim Typ-2-Diabetes ab Diagnosestellung, beim Typ-1-Diabetes fünf Jahre danach – jeweils mindestens jährlich, zusammen mit der eGFR.10 Deshalb steht der Wert neben Blutzucker und HbA1c im jährlichen Programm.
  • Bluthochdruck: Bei Erstdiagnose soll das Serumkreatinin mit eGFR bestimmt werden; liegt die eGFR unter 60 ml/min/1,73 m², soll zusätzlich eine Urinuntersuchung auf Albumin und Kreatinin erfolgen.2
  • Erstdiagnose einer Nierenkrankheit: Hier ist die Bestimmung eine starke Empfehlung (Empfehlungsgrad A).2

Zu den Kosten nennt die DEGAM konkrete Zahlen: Albumin 3,40 € plus Kreatinin 0,40 € (Stand Januar 2024) – günstig, aber teuer genug, dass die Leitlinie zur Wirtschaftlichkeit mahnt.2

Der Harnstreifentest beim Check-up 35 ist etwas anderes

Die allgemeine Gesundheitsuntersuchung steht Versicherten zwischen 18 und 35 einmalig und ab 35 alle drei Jahre zu. Sie enthält laut G-BA-Richtlinie einen Harnstreifentest auf „Eiweiß, Glucose, Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit".8

Dieser Streifen ist nicht die Albuminbestimmung. Er misst Gesamteiweiß, ist nur halbquantitativ, korrigiert nicht für die Urinkonzentration und ist zu unempfindlich, um niedrige, aber klinisch bedeutsame Albuminmengen zu erfassen; die DEGAM stuft seinen diagnostischen Nutzen dafür als gering ein, KDIGO rät vom Einsatz für diese Frage ab.23 Ein negativer Streifentest schließt eine Albuminurie also nicht aus. Sichtbar wird sie erst mit der quantitativen Messung im Labor.

Interessant ist ein deutscher Sonderweg: Für das anlasslose Albuminurie-Monitoring bei Diabetes hat die DEGAM ein Sondervotum eingelegt. Ihre Begründung: Zwar senken Blutdruckmedikamente die Albuminurie, doch fehlen schlüssige Belege, dass die Messung selbst harte Endpunkte verbessert – und die entscheidenden Maßnahmen (Blutdruck- und Stoffwechseleinstellung) seien ohnehin unabhängig davon angezeigt.2 Wundern Sie sich also nicht, wenn Hausarztpraxis und Diabetologie den Wert unterschiedlich gewichten. Beide Positionen sind begründet – die Entscheidung fällt im Gespräch, nicht im Internet.

Neues aus der Forschung

Aus aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:

  • Der zentrale Marker – und ein Therapieziel. Eine praxisorientierte Übersicht von 2025 fasst zusammen, warum die Albuminurie zur Früherkennung, Prognose und Verlaufskontrolle von Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen taugt, und beschreibt die Regeln ihrer Anwendung.1
  • Deutsche Daten zur Wahrnehmungslücke. Die NAKO-Auswertung zeigt, wie viele Menschen mit auffälliger eGFR oder Albuminurie nichts von einem möglichen Nierenproblem wissen – ein Argument für strukturierte Abklärungsstrategien.11
  • Wirksame Therapien über alle Albuminurie-Stufen. Eine Metaanalyse großer Studien aus dem Jahr 2026 fand, dass SGLT2-Hemmer die Progression der Nierenkrankheit unabhängig vom Ausgangswert der Albuminurie verlangsamen.14
  • Herz und Niere zusammen denken. Eine deutsche Übersichtsarbeit ordnet die neueren Wirkstoffgruppen ein und betont die gemeinsamen Risikofaktoren beider Organe.7

Diese Erkenntnisse betreffen die ärztliche Behandlung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung, und über Medikamente entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

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Ein Albuminwert im Urin lässt sich nie allein lesen: Seine Bedeutung ergibt sich aus Ihrer eGFR und dem Kreatinin, aus Cystatin C, Harnstoff und Harnsäure, aus Blutdruck, Blutzucker und daraus, ob der Befund bestätigt ist.

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Häufige Fragen

Ist Albumin im Urin ein Blut- oder ein Urintest? Ein Urintest, üblicherweise aus dem Morgenurin, ohne Nüchternheit.3 Er hat nichts mit dem Albumin im Blut zu tun, das eher Leber und Ernährungszustand widerspiegelt.

Welcher Wert ist normal? Ein Albumin-Kreatinin-Quotient unter 30 mg/g Kreatinin (unter 3 mg/mmol) gilt als normal bis leicht erhöht (A1). 30–300 mg/g sind mäßig erhöht (A2), über 300 mg/g stark erhöht (A3).23 Manche Labore drucken abweichende Referenzen, etwa 20 mg/g oder 20 mg/l – vergleichen Sie deshalb immer mit der Angabe auf Ihrem Befund.9

Warum steht auf meinem Befund noch „Mikroalbuminurie"? Weil sich der alte Begriff hartnäckig hält. Die deutschsprachige Fachnomenklatur führt „Mikroalbuminurie" und „Makroalbuminurie" unter den Begriffen, die man vermeiden sollte; korrekt heißt es mäßig bzw. stark erhöhte Albuminurie (A2/A3).4 Inhaltlich meint es dasselbe.

Albumin im Urin erhöht – ist das gefährlich? Nicht zwangsläufig. Sport, Fieber, ein Harnwegsinfekt, die Menstruation oder Blut im Urin können den Wert vorübergehend anheben.3 Bestätigt er sich, weist er auf einen beginnenden Nierenschaden hin – meist im Zusammenhang mit Diabetes oder Bluthochdruck. Das ist eine Phase, in der sich noch viel beeinflussen lässt.

Wie oft muss der Test wiederholt werden? Für die Diagnose einer diabetischen Nephropathie verlangt die G-BA-Richtlinie den mindestens zweimaligen Nachweis im Abstand von zwei bis vier Wochen.5 Die DDG nennt zur Validierung auch dreimonatige Abstände.10

Reicht der Urinteststreifen beim Check-up? Nein. Er misst Gesamteiweiß, ist halbquantitativ und hängt von der Urinkonzentration ab; sein diagnostischer Nutzen für diese Frage gilt als gering.28 Für eine Albuminurie braucht es die quantitative Labormessung.

Merkt man etwas davon? In der Regel nein – eine chronische Nierenkrankheit verläuft in frühen Stadien meist beschwerdefrei.12 Schäumender Urin kann bei größeren Eiweißverlusten auffallen, ist aber ein spätes Zeichen.

Warum wird gleichzeitig das Blut untersucht? Weil Albuminurie und eGFR zwei Achsen derselben Beurteilung sind.2 Zu den Nierenwerten im Blut gehören daneben Harnstoff und Cystatin C; bei fortgeschrittener Nierenkrankheit kommt das Hämoglobin aus dem großen Blutbild hinzu, um eine renale Anämie auszuschließen.2

Zum Mitnehmen

Albumin im Urin ist der Wert, der einen Nierenschaden am frühesten sichtbar macht – lange bevor das Kreatinin reagiert. Gemessen wird er als Albumin-Kreatinin-Quotient im Morgenurin, weil eine reine mg/l-Konzentration davon abhängt, wie viel Sie getrunken haben. Merken Sie sich die Schwelle: unter 30 mg/g ist unauffällig. Merken Sie sich ebenso, dass ein einzelner Wert nichts beweist – Sport, Fieber, Harnwegsinfekt und Menstruation heben ihn kurzfristig an, weshalb bestätigende Messungen im Abstand von Wochen dazugehören. Und wenn auf Ihrem Befund „Mikroalbuminurie" steht: Das ist die alte Bezeichnung für A2, nichts anderes. Kein Laborwert steht für sich – erst das Gesamtbild ergibt Sinn, und dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.

Quellen

Deutsche Leitlinien, Richtlinien und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Beernink JM, van Mil D, Laverman GD, Heerspink HJL, Gansevoort RT. Developments in albuminuria testing: A key biomarker for detection, prognosis and surveillance of kidney and cardiovascular disease — A practical update for clinicians. Diabetes Obes Metab, 2025. PubMed · DOI 2 3

  2. DEGAM – S3-Leitlinie Versorgung von Patient*innen mit chronischer, nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit in der Hausarztpraxis, Version 2.0, Juni 2024, AWMF-Register-Nr. 053-048: CKD-Definition über eGFR und/oder UACR > 30 mg/g, Tabelle 1 und 2 (GFR-Stadien G1–G5, Albuminurie-Stadien A1–A3), Tabelle 8 (Konversionstabelle, 1 g Kreatinin = 8,84 mmol), Empfehlung 5.1 (kein Screening ohne Risikofaktoren), 5.3 (Bluthochdruck), 6.3 (Empfehlungsgrad A bei Erstdiagnose), Faktenbox zur UACR (Teststreifen ungenau, Kosten Albumin 3,40 € + Kreatinin 0,40 €, Stand Januar 2024), Abschnitt 9.4 mit dem DEGAM-Sondervotum zum anlasslosen Albuminurie-Monitoring bei Diabetes, Empfehlung 9.7 zum Hämoglobin. degam.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24

  3. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int, 2024 – international, hier ergänzend zu den deutschen Quellen herangezogen: Albuminurie-Kategorien A1–A3, Practice Point 1.3.1.1 (Morgenurin-Mittelstrahl, ACR erste Wahl), Tabelle 16 (Faktoren der biologischen Variation: Hämaturie, Menstruation, körperliche Anstrengung, Infektion), biologische Variation des Urin-Albumins über 60 %, Abweichungen zwischen Laboren über 40 %, Teststreifen auf Gesamtprotein zu unempfindlich und nicht konzentrationskorrigiert. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

  4. Eckardt KU, Binet I, de Groot K, Floege J, Galle JC, Jordans I, Kribben A, Oberbauer R, Pavenstädt H, Rosenkranz A, Säemann M, Winkelmayer WC. Nomenklatur für Nierenfunktion und Nierenkrankheiten – Durch Präzision und Verständlichkeit zu besserer Erfassung und Prognose. Dtsch Med Wochenschr, 2022 – deutsche Fassung der KDIGO-Nomenklatur im Auftrag der nephrologischen Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz; Tabelle 2 mit der Spalte „Begriffe, die man möglichst vermeiden sollte": Mikroalbuminurie (A2) und Makroalbuminurie (A3). PubMed · DOI 2 3

  5. Gemeinsamer Bundesausschuss – DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL), zuletzt geändert am 20. November 2025: jährliche Ermittlung der Albumin-Kreatinin-Ratio im Spontan-Urin beim Typ-1-Diabetes nach fünf Jahren Diabetesdauer, risikoadaptierte Prüfung beim Typ-2-Diabetes, und für die Diagnosestellung einer diabetischen Nephropathie der mindestens zweimalige Nachweis einer pathologisch erhöhten AKR im Abstand von zwei bis vier Wochen. g-ba.de 2 3 4

  6. Writing Group for the CKD Prognosis Consortium; Grams ME, Coresh J, Matsushita K, et al. Estimated Glomerular Filtration Rate, Albuminuria, and Adverse Outcomes: An Individual-Participant Data Meta-Analysis. JAMA, 2023. PubMed · DOI 2

  7. Mahfoud F, Götzinger F, Kramann R, Marx N, Schwenger V. The Synergistic Treatment of Heart and Kidney Disease. Dtsch Arztebl Int, 2026. PubMed · DOI 2 3

  8. Gemeinsamer Bundesausschuss – Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie): Anspruch ab Vollendung des 18. bis zum Ende des 35. Lebensjahres einmalig, ab 35 alle drei Jahre; Anlage 1 mit den Untersuchungen aus dem Urin – „Eiweiß, Glucose, Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit (Harnstreifentest)". g-ba.de 2 3

  9. Labor Dr. Fenner & Kollegen MVZ, Hamburg – Leistungsverzeichnis Albumin im Urin: Referenzbereich „< 20 mg/l im Spontanurin, < 20 mg/g Kreatinin bzw. < 2 mg/mmol Kreatinin", Unterteilung in 20–200 mg/l und > 200 mg/l, Material morgendlicher Spontanurin, Bestimmung von Kreatinin im Urin erforderlich – Beispiel für die von den Leitlinienkategorien abweichende Darstellung auf deutschen Befunden. fennerlabor.de 2 3

  10. Merker L, Ebert T, Guthoff M, Isermann B, Kuczka Y, Schulze PC, Seufert J. – DDG-Praxisempfehlung Nephropathie bei Diabetes. Diabetologie und Stoffwechsel 2024; 19: S309–S314: Klassifikation nach KDIGO über eGFR und ACR, Screening beim Typ-2-Diabetes ab Diagnosestellung und beim Typ-1-Diabetes fünf Jahre danach (jeweils mindestens jährlich), ACR als harnkonzentrations-unabhängige Bestimmung, vorheriger Mehrfelder-Streifentest zum Ausschluss von Störfaktoren, Wiederholung in dreimonatigen Abständen. ddg.info 2 3 4 5 6

  11. Sekula P, Butz E, Schaeffner E, et al. Glomerular Filtration Rate, Albuminuria, and Reported Kidney Disease in Comparison: Results From the German National Cohort (NAKO). Dtsch Arztebl Int, 2026. PubMed · DOI 2

  12. IQWiG – gesundheitsinformation.de, Chronische Nierenkrankheit (Niereninsuffizienz), aktualisiert am 14. August 2024: rund neun Millionen Betroffene in Deutschland, meist beschwerdefreier Verlauf in frühen Stadien, erhöhtes Risiko bei Diabetes und Bluthochdruck. gesundheitsinformation.de 2

  13. Hahn KM, Strutz F. The Early Diagnosis and Treatment of Chronic Renal Insufficiency. Dtsch Arztebl Int, 2024 – etwa jeder zehnte Erwachsene in Deutschland betroffen; die schwerwiegendste Folge ist meist nicht das Nierenversagen, sondern das deutlich erhöhte kardiovaskuläre Risiko. PubMed · DOI

  14. Neuen BL, Fletcher RA, Anker SD, Bhatt DL, et al. SGLT2 Inhibitors and Kidney Outcomes by Glomerular Filtration Rate and Albuminuria: A Meta-Analysis. JAMA, 2026. PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.