Blutplasma: Zusammensetzung und Unterschied zum Serum
Plasma enthält Fibrinogen, Serum nicht – das entscheidet über das Röhrchen. Rund 55 % des Blutvolumens, über 90 % Wasser, bis zu 60 Plasmaspenden pro Jahr.
Blutplasma ist der flüssige Anteil des Blutes – die strohgelbe Flüssigkeit, in der Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten schwimmen. Es ist keine Zelle und kein Laborwert: Auf keinem Befund steht eine Zeile „Plasma". Trotzdem entscheidet es mit, was Ihr Labor überhaupt messen kann. Denn Plasma und Serum sind nicht dasselbe, und der Unterschied hat einen Namen: Fibrinogen. Dieser Ratgeber erklärt Zusammensetzung, Aufgaben, Gewinnung im Labor – und wie die Plasmaspende in Deutschland geregelt ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Blut besteht zu etwa 55 % aus Blutplasma und zu rund 45 % aus Blutzellen. Das Plasma selbst besteht zu über 90 % aus Wasser und zu weniger als 10 % aus gelösten Stoffen.1
- Plasma ist nicht Serum. Plasma entsteht, wenn Blut durch ein Antikoagulans an der Gerinnung gehindert und dann zentrifugiert wird – es enthält noch alle Gerinnungsfaktoren. Serum bleibt übrig, wenn Blut erst gerinnt: Die Faktoren stecken dann im Blutkuchen.2
- Deshalb entscheidet das Röhrchen über das Ergebnis: Kalium liegt im Serum immer etwas höher als im Plasma, weil bei der Gerinnung Kalium aus den Thrombozyten frei wird.3
- Auch Referenzbereiche sind nicht übertragbar: Für Gesamteiweiß, Albumin und Globuline fanden sich andere Grenzen, je nachdem ob Serum oder Plasma gemessen wurde.4
- Die Zeit bis zur Zentrifugation zählt: Kalium steigt im Vollblut um 0,15 mmol/l pro Stunde bei Raumtemperatur, der Blutzucker sinkt um 90 % in 24 Stunden.32
- Die Spendeentnahme soll nach § 10 Transfusionsgesetz unentgeltlich erfolgen; eine Aufwandsentschädigung ist erlaubt.5 Zulässig sind bis zu 60 Plasmapheresen je 12 Monate.6
- 2024 wurden in Deutschland 6.908.141 Spenden geleistet, davon 45 % Plasmapheresespenden (3.154.610) für Arzneimittel.7
Was ist Blutplasma?
Trennt man Blut in einer Zentrifuge auf, sinken die schwereren Zellen nach unten und oben steht eine klare, meist strohgelbe Flüssigkeit: das Plasma. Etwa 55 % des Blutvolumens entfallen darauf, rund 45 % auf die Blutzellen.1 Plasma ist damit vor allem ein Transportmedium – für Nährstoffe, Hormone, Gerinnungsfaktoren, Antikörper, Abfallstoffe und Wärme. Fast alles, was Ihr Labor bestimmt, ist ein Passagier dieses Mediums, nicht das Medium selbst.
Die gelbliche Farbe ist normal und stammt zum Teil von Farbstoffen wie Bilirubin, aber sie ist nicht konstant: Nach einer fettreichen Mahlzeit wirkt Plasma milchig-trüb (Lipämie), ein rötlicher Schimmer spricht für Hämolyse. Beides kann Messungen stören, weshalb Labore das Aussehen einer Probe vermerken.
Plasma oder Serum: Der Unterschied heißt Fibrinogen
Hier werden die meisten Erklärungen ungenau. Beide Flüssigkeiten sind „Blut ohne Zellen" – aber sie entstehen auf entgegengesetzten Wegen. Das Präanalytik-Handbuch eines deutschen Labors formuliert es präzise: Serum ist „der von den Gerinnungsfaktoren befreite, flüssige Anteil des Blutes, der entsteht, wenn durchgeronnenes Blut abzentrifugiert wird". Wird das Blut dagegen an der Gerinnung gehindert, „entsteht kein Koagel, die Zellen bleiben einzeln im Plasma", das „noch alle Gerinnungsfaktoren enthält".2
| Plasma | Serum | |
|---|---|---|
| Gewinnung | Antikoagulans zugesetzt, dann zentrifugiert | Blut gerinnen lassen, dann zentrifugiert |
| Fibrinogen und Gerinnungsfaktoren | enthalten | fehlen (im Blutkuchen gebunden) |
| Typische Röhrchen | Citrat, EDTA, Heparin, NaF | Serum-(Gel-)Röhrchen |
| Typische Tests | Gerinnung, Blutbild, Glukose | klinische Chemie, Serologie |
Kurz: Serum = Plasma minus Gerinnungsfaktoren. Alles andere – Albumin, Elektrolyte, Glukose, Hormone, Antikörper – ist in beiden vorhanden. Welche Farbe für welchen Zusatz steht, zeigt die Übersicht zu den Blutröhrchen.
Warum das praktisch wichtig ist
Erstens: Gerinnungstests brauchen zwingend Plasma. Fibrinogen, Quick-Wert und PTT messen genau die Eiweiße, die im Serum definitionsgemäß nicht mehr vorhanden sind – deshalb das grüne Citratröhrchen der Blutgerinnung.
Zweitens: Die Werte sind nicht immer deckungsgleich. Bei der Gerinnung setzen die Thrombozyten Kalium frei, weshalb sich „im Serum immer etwas höhere Kalium-Konzentrationen als im Plasma" finden.3 Umgekehrt lässt sich Kalium aus EDTA-Plasma gar nicht bestimmen: EDTA-Röhrchen enthalten Kalium-EDTA, die gemessenen Werte liegen dann über 20 mmol/l.2 Eine solche Zahl ist kein Notfall, sondern ein falsches Röhrchen.
Drittens gilt das sogar für Referenzbereiche. Eine Analyse von sechs Jahren Routinedaten – ausgelöst durch die Knappheit an Plasmaröhrchen während der Pandemie – zeigte deutliche Verschiebungen der Referenzgrenzen für Gesamteiweiß, Albumin und Globulin, sobald der Röhrchentyp wechselte.4 Beim Vergleich zweier Befunde aus zwei Laboren kann ein Teil der Differenz allein daher rühren.
Woraus Blutplasma besteht
| Bestandteil | Anteil / Größenordnung | Wofür |
|---|---|---|
| Wasser | über 90 %1 | Lösungsmittel, Volumen, Wärmetransport |
| Gelöste Stoffe insgesamt | unter 10 %1 | – |
| davon Eiweiße | größter Anteil der gelösten Stoffe1 | Albumin, Globuline, Fibrinogen |
| Elektrolyte | Natrium, Kalium, Chlorid, Bikarbonat, Calcium | Wasserhaushalt, pH, Nervenfunktion |
| Nährstoffe | Glukose, Fette, Aminosäuren | Energie und Baustoffe |
| Hormone, Vitamine, Abfallstoffe | Spuren | Signale, Entsorgung über Niere und Leber |
Der Eiweißgehalt ist so relevant, dass er in der deutschen Spenderregulierung als Sicherheitsschwelle dient: Bei Plasmaspendenden muss die Gesamteiweißkonzentration im Serum ≥ 60 g/l betragen.6 Die drei Eiweißgruppen im Überblick:
- Albumin – das häufigste Einzeleiweiß. Es hält Wasser in den Gefäßen (onkotischer Druck) und transportiert Hormone, Fettsäuren, Calcium, Bilirubin und viele Medikamente.8
- Globuline – Transportproteine, Akute-Phase-Proteine und die Immunglobuline, also die Antikörper. Ihre Aufteilung zeigt die Eiweißelektrophorese.
- Fibrinogen und die übrigen Gerinnungsfaktoren – gebildet in der Leber (siehe Leberwerte), unverzichtbar für den Wundverschluss.
Plasmaanteil und Hämatokrit: zwei Seiten derselben Messung
Der Hämatokrit gibt an, welchen Volumenanteil die Blutzellen – ganz überwiegend die roten – am Gesamtblut ausmachen. Was übrig bleibt, ist der Plasmaanteil. Beide Zahlen ergänzen sich rechnerisch zu 100 %. Ein hoher Hämatokrit bedeutet also automatisch einen kleineren Plasmaanteil.
Das erklärt eine häufige Beobachtung: Bei Flüssigkeitsmangel schrumpft das Plasmavolumen, die Zellzahl bleibt gleich. Hämatokrit, Hämoglobin, Erythrozyten und Eiweißkonzentration steigen dann gemeinsam – nicht weil der Körper mehr gebildet hätte, sondern weil weniger Wasser da ist, in dem sie sich verteilen. Schwangerschaft oder Infusionen wirken umgekehrt. Deshalb wird der Hämatokrit im großen Blutbild nie isoliert gelesen. Auch die Spenderregulierung nutzt ihn: Bei Hämapheresespenden wird ein Hämatokrit ≤ 0,52 l/l beziehungsweise ein Hämoglobin ≤ 180 g/l empfohlen.6
Was das Plasma leistet
- Transport. Nährstoffe, Hormone, Medikamente, Abbauprodukte und Wärme wandern im Plasma von Organ zu Organ; Albumin ist der Hauptträger für schlecht wasserlösliche Stoffe.8
- Volumen und onkotischer Druck. Die Plasmaeiweiße, allen voran Albumin, halten Wasser im Gefäßsystem. Fällt das Albumin stark ab – bei fortgeschrittener Lebererkrankung oder renalem Eiweißverlust –, tritt Flüssigkeit ins Gewebe über: Ödeme entstehen.8 Mehr dazu bei den Nierenwerten und beim Gesamteiweiß.
- Gerinnung. Fibrinogen und die Faktoren bilden das Fibringerüst, das die Blutung stoppt.
- Immunabwehr. Die Immunglobuline zirkulieren gelöst im Plasma und erkennen Erreger.
- Puffer. Bikarbonat und Eiweiße halten den pH-Wert eng; verschiebt sich das, zeigen sich Folgen etwa im Laktat.
Wie das Labor Plasma gewinnt – und warum die Zeit drängt
Der Ablauf ist schlicht: Blut ins passende Röhrchen, zentrifugieren, Überstand abnehmen. Entscheidend ist der Zeitpunkt – solange die Zellen im Röhrchen sitzen, leben sie weiter und verändern die Probe.
Kalium ist das Lehrbuchbeispiel. Es ist in den Zellen viel höher konzentriert als außen und sickert heraus: Im nicht zentrifugierten Vollblut steigt es um 0,15 mmol/l pro Stunde bei Raumtemperatur – und um 0,25 mmol/l pro Stunde bei 4 °C. Kühlen macht es also schlimmer. Nach der Zentrifugation bleibt der Wert über zwei Wochen stabil.3
Glukose läuft in die andere Richtung: Die roten Blutkörperchen verbrauchen den Zucker weiter. Der „Blutzuckerspiegel in Vollblut nimmt um 90 %/24 h ab", weshalb die Glukosebestimmung aus Vollblut oder Serum als obsolet gilt. Selbst Natriumfluorid hemmt die Glykolyse nicht sofort; empfohlen wird Plasma mit NaF und Citrat – dort liegen die Werte bis zu 10 % höher als im reinen NaF-Röhrchen.2
Wenn Ihre Praxis Proben zügig weiterleitet oder ein Röhrchen erneut abnimmt, ist das keine Schlamperei, sondern Qualitätssicherung – wie der kurze Stauschlauch bei der Blutabnahme.
Plasmaspende in Deutschland: der rechtliche Rahmen
Hier unterscheidet sich Deutschland von vielen Nachbarländern – und der Rahmen ist enger, als die Diskussion vermuten lässt.
Das Gesetz. § 10 Transfusionsgesetz lautet: „Die Spendeentnahme soll unentgeltlich erfolgen. Der spendenden Person kann eine Aufwandsentschädigung gewährt werden, die sich an dem unmittelbaren Aufwand je nach Spendeart orientieren soll."5 Bezahlung der Spendeleistung ist damit ausgeschlossen, eine pauschale Entschädigung des Aufwands nicht.
Die Praxis. Für die Vollblutspende leistet der DRK-Blutspendedienst keine Bezahlung; er verweist auf das Prinzip der freiwilligen, unentgeltlichen Spende, das auch WHO, EU und Europarat empfehlen.9 Für die Plasmaspende gewähren dagegen sowohl kommerzielle Spendedienste als auch der DRK-Plasmaspendedienst eine Aufwandsentschädigung für Anfahrt und Zeitaufwand.9 Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages beziffern sie bei kommerziellen Diensten auf 25 bis 40 Euro zuzüglich etwaiger Bonusprogramme.10
Die Grenzen. Die Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer, erlassen im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut, legt fest:6
- Bis zu 60 Plasmapheresen innerhalb von 12 Monaten – die Obergrenze sinkt entsprechend, wenn andere Spendearten hinzukommen.
- Zwischen zwei Plasmapheresen müssen mindestens 2 spendefreie Kalendertage liegen.
- Das Entnahmevolumen richtet sich nach dem Körpergewicht: 650 ml bei 50–60 kg, 750 ml bei über 60 bis 70 kg, 850 ml bei über 70 kg (jeweils einschließlich Antikoagulans).
- Vor Aufnahme der Spendetätigkeit und mindestens bei jeder 5. Spende werden Gesamteiweiß und IgG im Serum kontrolliert. Sinkt das IgG unter 6,0 g/l, verlängert sich das Spendeintervall; beim dritten Unterschreiten erfolgt der dauerhafte Ausschluss.
Zum Vergleich: Bei der Vollblutspende sollen zwischen zwei Entnahmen in der Regel 12 Wochen, mindestens aber 8 Wochen liegen, und die Jahresmenge darf 2.000 ml bei Frauen und 3.000 ml bei Männern nicht überschreiten.6 Plasma darf also deutlich häufiger gegeben werden – weil die Zellen dem Körper sofort zurückgegeben werden.
Ist häufiges Spenden unbedenklich? Die Datenlage verdient beide Hälften. Die deutsch-schweizerische SIPLA-Studie mit 3.783 Spendern kam zu dem Schluss, dass eine langfristige intensive Plasmapherese unter den untersuchten Bedingungen sicher ist – bis zu 60-mal pro Jahr bei sorgfältiger Überwachung.11 Eine randomisierte Studie von 2025 zeigt den Preis: Bei hochfrequenter Spende lagen Gesamteiweiß um 5,5 g/l und IgG um 2,8 g/l unter der Kontrollgruppe, und viele Messgrößen brauchten mehr als vier Wochen bis zum Ausgangswert; schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.12 Genau dafür gibt es die IgG-Kontrollen der Richtlinie.
Wofür gespendetes Plasma gebraucht wird
Das Paul-Ehrlich-Institut erfasst die Versorgungslage jährlich. 2024 wurden in Deutschland 6.908.141 Spenden geleistet; 52 % entfielen auf Vollblut, 45 % auf Plasmapheresespenden zur Gewinnung von Plasma zur Fraktionierung (3.154.610) – dem Ausgangsstoff für Arzneimittel wie Immunglobuline und Faktorkonzentrate.7
Daraus entstehen drei Produktgruppen: Immunglobuline (bei Immundefekten und Autoimmunerkrankungen), Gerinnungsfaktorkonzentrate (bei Hämophilie) und Albuminlösungen. Die Herstellung ist langsam: Immunglobuline brauchen 7 bis 12 Monate gegenüber 2 bis 3 Monaten bei anderen Biologika, und weltweit stammen rund 70 % des Plasmas aus den USA – die Europäische Arzneimittel-Agentur rechnete für 2024 mit Engpässen in 14 europäischen Ländern.13 Deutschland sammelte 2019 etwa 25 Liter Plasma je 1.000 Einwohner, gegenüber 10 Litern in den Niederlanden und 58 Litern in Tschechien.10 Es ist also nicht der einzige europäische Sammler mit Aufwandsentschädigung.
Daneben wird Plasma direkt transfundiert, als gefrorenes Frischplasma (FFP), etwa bei schweren Blutungen. Eine Leitlinie von 2025 mahnt zur Zurückhaltung: Angesichts der Transfusionsrisiken und der dünnen Evidenz profitierten die meisten Patientinnen und Patienten davon, eine FFP-Gabe zu vermeiden.14
Therapeutische Plasmapherese ist keine Spende
Ein häufiger Denkfehler: Der therapeutische Plasmaaustausch ist kein Spendeverfahren, sondern eine Behandlung. Dem Patienten wird Plasma entzogen, um schädliche Substanzen – etwa krankmachende Antikörper – zu entfernen, und durch Albuminlösung oder Spenderplasma ersetzt. Die maßgebliche internationale Indikationsliste umfasst 91 Krankheitsbilder mit 166 bewerteten Indikationen.15 Es ist ein invasiver Eingriff, spezialisierten Zentren vorbehalten.
Was Blutplasma nicht ist
Es gibt keinen „Plasmawert" auf dem Befund. Plasma ist ein Medium, kein Parameter. Gemessen werden seine Inhaltsstoffe: Gesamteiweiß, Albumin, Elektrolyte, Glukose, Fibrinogen. Steht auf Ihrem Bogen „Plasma", bezeichnet das das verwendete Probenmaterial – kein Ergebnis.
Es gibt auch keine „Plasmakur". Weder lässt sich Plasma durch ein Nahrungsergänzungsmittel „reinigen", noch ist ein Plasmaaustausch ein Wellness-Verfahren. Beeinflussen können Sie den Wasserhaushalt: ausreichend trinken hält das Plasmavolumen stabil und verhindert scheinbar erhöhte Konzentrationswerte. Alles Weitere gehört in ärztliche Hände.
Die hier zusammengefassten Erkenntnisse betreffen Diagnostik, Versorgung und ärztliche Behandlung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch.
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Im Plasma zirkulieren Dutzende Messgrößen – Eiweiße, Elektrolyte, Glukose, Fette, Hormone. Ihren Sinn ergeben sie erst zusammen und in Ihrem Zusammenhang, nicht als Einzelzahl.
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Häufige Fragen
Was ist Blutplasma einfach erklärt? Der flüssige Teil des Blutes, in dem die Blutzellen schwimmen: etwa 55 % des Blutvolumens, davon über 90 % Wasser, dazu Eiweiße, Elektrolyte, Nährstoffe, Hormone und Abfallstoffe.1
Was ist der Unterschied zwischen Plasma und Serum? Plasma enthält noch alle Gerinnungsfaktoren, weil die Gerinnung durch ein Antikoagulans verhindert wurde. Serum entsteht nach der Gerinnung – Fibrinogen und Faktoren stecken dann im Blutkuchen. Kurz: Serum = Plasma minus Gerinnungsfaktoren.2
Warum ist das für meine Blutwerte wichtig? Weil manche Tests zwingend Plasma brauchen (Gerinnung) und manche Serum – und weil einzelne Werte nicht identisch sind. Kalium liegt im Serum systematisch höher, aus EDTA-Plasma ist es gar nicht bestimmbar.32
Warum muss Blut schnell zentrifugiert werden? Weil die Zellen weiterarbeiten: Kalium tritt aus (0,15 mmol/l pro Stunde bei Raumtemperatur), Glukose wird verbraucht (bis zu 90 % in 24 Stunden).32
Wie oft darf man in Deutschland Plasma spenden? Die Richtlinie Hämotherapie erlaubt bis zu 60 Plasmapheresen in 12 Monaten, mit mindestens 2 spendefreien Kalendertagen dazwischen. Das Entnahmevolumen richtet sich nach dem Körpergewicht (650 bis 850 ml).6
Wird die Plasmaspende in Deutschland bezahlt? Bezahlt nicht, entschädigt schon. § 10 Transfusionsgesetz verlangt grundsätzlich Unentgeltlichkeit, erlaubt aber eine Aufwandsentschädigung.5 Kommerzielle Dienste zahlen nach Angaben der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages 25 bis 40 Euro pro Spende zuzüglich Bonusprogrammen; für die Vollblutspende beim DRK gibt es keine Bezahlung.109
Wofür wird gespendetes Plasma verwendet? Zur Herstellung von Immunglobulinen, Gerinnungsfaktorkonzentraten und Albumin sowie zur Transfusion als gefrorenes Frischplasma. 2024 dienten 45 % aller Spenden in Deutschland diesem Zweck.7
Gibt es einen „Plasmawert" im Blutbild? Nein. Plasma ist das Probenmaterial, kein Messwert. Was auf dem Befund steht, sind seine Bestandteile – etwa Gesamteiweiß, Albumin oder Elektrolyte.
Zum Mitnehmen
Blutplasma ist die Flüssigkeit, in der alles andere schwimmt: rund 55 % des Blutvolumens, über 90 % Wasser, dazu Eiweiße, Salze, Nährstoffe und Botenstoffe. Der entscheidende Unterschied zum Serum ist das Fibrinogen: Plasma enthält die Gerinnungsfaktoren noch, Serum nicht mehr. Deshalb bestimmt das Röhrchen mit, was messbar ist, und Serum- und Plasmawerte sind nicht immer dieselben. Ebenso zählt, wie schnell zentrifugiert wird. Die Plasmaspende ist klar geregelt: unentgeltlich mit erlaubter Aufwandsentschädigung, höchstens 60-mal im Jahr, mit regelmäßiger Eiweiß- und IgG-Kontrolle. Für Ihre eigenen Werte zählt das Gesamtbild – dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Deutsche Gesetze, Richtlinien, Bundesinstitute und Laboratorien sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden.
Footnotes
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IQWiG / gesundheitsinformation.de – Was macht das Blut?: „Das Blut besteht zu etwa 55 % aus Blutplasma und zu rund 45 % aus verschiedenen Blutzellen"; das Plasma „besteht zu über 90 % aus Wasser und zu weniger als 10 % aus gelösten Stoffen", davon die meisten Eiweiße, dazu Elektrolyte, Vitamine und Nährstoffe. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
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Labor Prof. Enders & Kollegen MVZ, Stuttgart – Kleine Fibel der Präanalytik, Version 1.7, 2022: Definition von Serum („der von den Gerinnungsfaktoren befreite, flüssige Anteil des Blutes") und Plasma („enthält noch alle Gerinnungsfaktoren"); Kaliumbestimmung aus EDTA-Plasma nicht möglich (Werte über 20 mmol/l); „Blutzuckerspiegel in Vollblut nimmt um 90 %/24 h ab", Glukosebestimmung aus Vollblut oder Serum obsolet; NaF hemmt die Glykolyse nicht von Anfang an, Glukosewerte in der NaF-plus-Citrat-Monovette bis zu 10 % höher. labor-enders.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
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Medizinische Laboratorien Düsseldorf – Kalium, Präanalytik (Stand 09.06.2022): „Kalium steigt im nicht zentrifugierten Vollblut um 0.15 mmol/L pro Stunde bei Raumtemperatur und um 0.25 mmol/L pro Stunde bei 4 °C"; Stabilität in zentrifugierter Probe über zwei Wochen; „Bei der Gerinnung des Vollblutes wird aus den Thrombozyten Kalium freigesetzt. Im Serum finden sich daher immer etwas höhere Kalium-Konzentrationen als im Plasma." labor-duesseldorf.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
-
Militello L, El-Khoury JM, Durant TJS. Accounting for differences between serum and plasma: An indirect approach to derive reference intervals for total protein, albumin, and globulin. Clin Chim Acta, 2024;562:119851. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Transfusionsgesetz (TFG), § 10 Unentgeltlichkeit der Spendeentnahme: „Die Spendeentnahme soll unentgeltlich erfolgen. Der spendenden Person kann eine Aufwandsentschädigung gewährt werden, die sich an dem unmittelbaren Aufwand je nach Spendeart orientieren soll." gesetze-im-internet.de ↩ ↩2 ↩3
-
Bundesärztekammer – Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2023, erstellt im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut (Einvernehmen hergestellt am 03.07.2023). Abschnitte 2.4.1 und 2.4.2: bis zu 60 Plasmapheresen in 12 Monaten; mindestens 2 spendefreie Kalendertage; maximal 650 / 750 / 850 ml je nach Körpergewicht einschließlich Antikoagulans; Gesamteiweiß ≥ 60 g/l und IgG ≥ 6,0 g/l im Serum vor Aufnahme und mindestens bei jeder 5. Spende, dauerhafter Ausschluss bei dreimaligem Unterschreiten; Hb ≤ 180 g/l bzw. Hkt ≤ 0,52 l/l; Vollblut: 12 (mindestens 8) Wochen Abstand, maximal 2.000 ml pro Jahr bei Frauen und 3.000 ml bei Männern. bundesaerztekammer.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
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Paul-Ehrlich-Institut – Bericht zur Blut- und Blutprodukteversorgung 2024 (Meldung vom 08.12.2025): „Im Jahr 2024 wurden in Deutschland insgesamt 6.908.141 Spenden (Vollblut-, Apherese- und Eigenblutspenden) geleistet"; 52 % Vollblutspenden, 45 % Plasmapheresespenden zur Gewinnung von Plasma zur Fraktionierung (3.154.610 Spenden). pei.de ↩ ↩2 ↩3
-
Fanali G, di Masi A, Trezza V, Marino M, Fasano M, Ascenzi P. Human serum albumin: from bench to bedside. Mol Aspects Med, 2012;33(3):209-290. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
DRK-Blutspendedienst West – Warum wir keine Bezahlung leisten („Nach deutschem Recht darf es für eine Blutspende keine Bezahlung, sondern lediglich eine angemessene Aufwandsentschädigung geben"; „Für Vollblutspenden wird keine Bezahlung geleistet"; WHO, EU und Europarat empfehlen die freiwillige, unbezahlte Spende) und DRK-Blutspendedienst, Plasmaspende – Aufwandsentschädigung („Für den Aufwand, also die An- und Abreise zum Spendezentrum sowie die für die Plasmaspende aufzubringende Zeit, gewähren wir eine Aufwandsentschädigung"). blutspendedienst-west.de · plasmaspende.blutspende.de ↩ ↩2 ↩3
-
Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste – Spendenaufkommen und Anreize für Blut- und Plasmaspenden in ausgewählten Ländern, Sachstand WD 9 - 3000 - 007/23, 16.02.2023: Aufwandsentschädigung für eine Plasmaspende bei kommerziellen Diensten zwischen 25 und 40 Euro zuzüglich etwaiger Bonusprogramme; 2019 in Deutschland 25 Liter Plasma je 1.000 Einwohner, in den Niederlanden 10 Liter, in Tschechien 58 Liter. bundestag.de ↩ ↩2 ↩3
-
Schulzki T, Seidel K, Storch H, et al. A prospective multicentre study on the safety of long-term intensive plasmapheresis in donors (SIPLA). Vox Sang, 2006;91(2):162-173. PubMed · DOI ↩
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