PSA-Wert: Normalwerte nach Alter, Tabelle, Screening
PSA-Wert verstehen: Normalwerte nach Alter in der Tabelle, harmlose Ursachen erhöhter Werte und warum die Kasse den PSA-Test zur Früherkennung nicht zahlt.
Das PSA (prostataspezifisches Antigen) ist ein Eiweiß, das ausschließlich in der Prostata gebildet wird und in kleinen Mengen ins Blut übergeht. Der PSA-Wert ist damit prostataspezifisch – aber nicht krebsspezifisch: Er steigt auch mit dem Alter, bei einer gutartig vergrößerten Prostata, bei einer Entzündung oder nach dem Radfahren. Viele Männer lesen diese Seite mit einem leicht erhöhten Befund in der Hand. Deshalb vorweg: Ein erhöhter PSA-Wert ist keine Diagnose, sondern ein Hinweis, der in Ruhe eingeordnet wird. Diese Seite erklärt die Zahlen, die deutschen Regeln zur Kostenübernahme und die Bilanz aus Nutzen und Schaden – sie ersetzt kein ärztliches Gespräch.
Das Wichtigste in Kürze
- Das PSA stammt nur aus der Prostata, nicht nur aus Tumorgewebe. Die häufigsten Gründe für erhöhte Werte sind gutartig.1
- Die deutsche S3-Leitlinie Prostatakarzinom ordnet nach dem Basis-PSA-Wert ein: unter 1,5 ng/ml niedriges Risiko, 1,5–2,99 ng/ml mittleres Risiko, ab 3 ng/ml weitere Abklärung.2
- ⚠️ Die gesetzliche Kasse zahlt den PSA-Test zur Früherkennung nicht. Er ist eine IGeL-Leistung, also selbst zu bezahlen.34
- Ein erhöhter Wert wird laut Leitlinie zuerst innerhalb von 3 Monaten kontrolliert – das halbiert nahezu die Zahl der Männer, die weiter untersucht werden.2
- Ejakulation, Radfahren und jede Manipulation der Prostata können den Wert vorübergehend anheben; Labore empfehlen dafür konkrete Abstände.1
- Der wunde Punkt bleibt die Überdiagnose: In der ERSPC-Studie wurden bei 35 von 1 000 Männern Karzinome gefunden, die in 21 Jahren nie Metastasen verursacht haben.2
Was ist der PSA-Wert?
Das prostataspezifische Antigen ist ein Enzym, das die Prostata in die Samenflüssigkeit abgibt, um sie zu verflüssigen. Ein kleiner Teil gelangt ins Blut und wird dort in ng/ml (gleichbedeutend mit µg/l) gemessen.
Entscheidend ist ein Wortunterschied: Das PSA ist organspezifisch, nicht krankheitsspezifisch. Alles, was Prostatagewebe vermehrt, reizt oder mechanisch belastet, kann den Wert anheben – eine gutartige Vergrößerung (benigne Prostatahyperplasie), eine Prostatitis, ein Harnwegsinfekt, aber eben auch ein Karzinom.1 Umgekehrt haben etwa 20 % der Männer mit einem Prostatakarzinom niedrige PSA-Werte.1 Ein normaler Wert ist eine Beruhigung, aber keine Garantie – und ein erhöhter Wert eine Frage, keine Antwort.
Wie die übrigen Tumormarker – CEA, CA 19-9, CA 15-3, CA 125 oder AFP – ist das PSA ein Signal im Kontext, nie ein Befund für sich allein. Es wird bei Bedarf mit weiteren Werten betrachtet, etwa den Entzündungswerten bei Verdacht auf eine Prostatitis oder den Nierenwerten bei Blasenentleerungsstörungen.
Warum wird der PSA-Wert bestimmt?
Drei sehr unterschiedliche Situationen werden häufig verwechselt:
- Zur Früherkennung bei beschwerdefreien Männern – die umstrittene Anwendung, in Deutschland keine Kassenleistung (siehe unten).
- Zur Abklärung von Beschwerden oder eines auffälligen Tastbefundes – hier gehört die PSA-Bestimmung zur Krankenbehandlung.3
- Zur Verlaufskontrolle einer bekannten Prostataerkrankung oder nach einer Behandlung – hier ist das PSA unbestritten nützlich, weil man den eigenen Verlauf mit sich selbst vergleicht.
Für Verlaufsmessungen gilt eine Regel, die oft untergeht: immer dasselbe Verfahren desselben Labors. Zertifizierte Labormethoden können sich um bis zu 30 % unterscheiden, und innerhalb einer Methode werden Abweichungen von ±25 % toleriert.2 Ein „Anstieg" zwischen zwei Laboren kann also allein ein Messunterschied sein.
Zahlt die Krankenkasse den PSA-Test?
Das ist die wichtigste deutsche Besonderheit – und die häufigste Überraschung beim Arzttermin.
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 17. Dezember 2020 beschlossen, das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm nicht um ein PSA-Screening zu erweitern; der Beschluss trat am 18. Februar 2021 in Kraft. Begründung: Das Schadenspotenzial wurde höher gewichtet als der Nutzen – vor allem wegen falsch-positiver Befunde und Überdiagnosen langsam wachsender Karzinome. Wörtlich: „Die Bestimmung des PSA-Werts im Blut ist nicht Bestandteil der gesetzlichen Früherkennung."3
Was die Kasse stattdessen bezahlt: für Männer ab 45 Jahren einmal jährlich eine gezielte Anamnese, die Inspektion und Abtastung des äußeren Genitals, das Abtasten der Prostata vom Enddarm aus und die Befundbesprechung.34
Der PSA-Test zur Früherkennung ist damit eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Zu den Kosten machen die Quellen unterschiedliche Angaben: Der Krebsinformationsdienst des DKFZ nennt 15 bis 25 Euro ohne Beratungsgespräch,4 der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes 25 bis 35 Euro einschließlich Beratung.5 Der IGeL-Monitor bewertet den Test als „tendenziell negativ": Von fünf großen randomisierten Studien zeigten nur zwei einen Vorteil, weshalb er von Hinweisen auf einen Nutzen spricht, nicht von Belegen. Diese Bewertung hat den Stand vom 6. April 2017 – sie ist älter als die aktuelle Leitlinienlage.5
Zwei Institutionen, zwei Antworten
Die medizinische Fachempfehlung und die Erstattungsentscheidung laufen auseinander, und zwar in beide Richtungen:
- Die S3-Leitlinie Prostatakarzinom (Version 8.1, August 2025, AWMF 043-022OL) empfiehlt, Männern ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens 10 Jahren nach ergebnisoffener Beratung die PSA-Bestimmung anzubieten – und spricht sich erstmals ausdrücklich gegen die digital-rektale Tastuntersuchung zur Früherkennung aus.2
- Das gesetzliche Programm enthält umgekehrt die Tastuntersuchung und nicht das PSA.3
Diese Lücke wird bearbeitet: Am 16. Oktober 2025 hat der G-BA ein Bewertungsverfahren zu einem risikoadaptierten Screening aus PSA und MRT eingeleitet, um zu prüfen, ob die zusätzliche MRT-Abklärung „unerwünschte Überdiagnosen und falsch-positive Screening-Befunde reduzieren" kann. Mit einem Ergebnis ist spätestens im Oktober 2027 zu rechnen.6 Bis dahin bleibt die Rechtslage unverändert.
Muss man für den PSA-Test nüchtern sein?
Nein. Für die PSA-Bestimmung müssen Sie nicht nüchtern sein, und die Tageszeit spielt keine relevante Rolle. Was zählt, ist die mechanische Ruhe der Prostata vor der Blutentnahme. Deutsche Labore empfehlen dafür konkrete Abstände:1
| Vorausgegangenes Ereignis | Empfohlener Abstand |
|---|---|
| Prostatabiopsie | ca. 2 Wochen |
| Prostatamassage | ca. 3–4 Tage |
| Ejakulation, Radfahren, rektale Untersuchung, rektaler Ultraschall | ca. 1–2 Tage |
Auch die S3-Leitlinie hält fest, dass Ejakulationen, Radfahren und andere mechanische Belastungen den Wert erhöhen können und spätestens vor der Kontrolle eines erhöhten Wertes zu vermeiden sind.2 Praktisch: Die Blutentnahme erfolgt vor einer rektalen Untersuchung, nicht danach. Bei akuter Prostatitis oder Harnwegsinfekt ist ein Wert ohnehin schwer zu deuten.
PSA-Wert Tabelle: Normalwerte nach Alter
Es gibt keinen einzelnen Grenzwert, der Krebs ausschließt oder beweist. Zwei Blickwinkel ergänzen sich.
1. Altersabhängige Referenzbereiche (95. Perzentile) – so berichten deutsche Labore, weil der PSA-Wert mit Alter und Prostatavolumen natürlicherweise steigt:17
| Alter | Oberer Referenzwert (Gesamt-PSA) |
|---|---|
| bis 40 Jahre | < 1,4 ng/ml |
| bis 50 Jahre | < 2,0 ng/ml |
| bis 60 Jahre | < 3,1 ng/ml |
| bis 70 Jahre | < 4,1 ng/ml |
| über 70 Jahre | < 4,4 ng/ml |
2. Die risikoadaptierte Einteilung der S3-Leitlinie, die für die Früherkennung maßgeblich ist und nach dem Basis-PSA-Wert vorgeht:2
| Basis-PSA | Risikozuordnung | Empfehlung der Leitlinie |
|---|---|---|
| < 1,5 ng/ml | niedriges Risiko | Kontrolle in 5-jährlichen Intervallen |
| 1,5 – 2,99 ng/ml | intermediäres Risiko | Kontrolle in 2-jährlichen Intervallen |
| ≥ 3 ng/ml (kontrolliert) | hohes Risiko | weiterführende Diagnostik |
Wichtig: Diese Werte sind Einordnungshilfen, keine Urteile. Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren, und die Kalibrierung verändert das Ergebnis messbar: Tests mit WHO-Kalibrierung liefern in identischen Proben rund 20 % niedrigere Werte als die ältere Hybritech-Kalibrierung.1 Maßgeblich ist der Referenzbereich auf Ihrem eigenen Befund.
Die Leitlinie stützt sich dabei auf die deutsche PROBASE-Studie, in der 89 % der 45-jährigen Männer einen PSA-Wert unter 1,5 ng/ml hatten und bis 50 ein sehr geringes Erkrankungsrisiko aufwiesen.28
Ergebnisse richtig einordnen
Erhöhter PSA-Wert – meistens ein gutartiger Grund
Die häufigsten Ursachen sind nicht bösartig: die benigne Prostatahyperplasie, eine Prostatitis, ein Harnwegsinfekt und mechanische Einflüsse.1 Wie oft ein erhöhter Wert harmlos ist, zeigen die Screeningstudien: In der ERSPC-Studie hatten nur 23 % der Männer mit positivem Screening-PSA tatsächlich ein Karzinom – 77 % waren falsch-positiv; in der deutschen PROBASE-Studie lag der Anteil falsch-positiver Tests bei 60 %.2
Deshalb steht in der Leitlinie an erster Stelle nicht die Biopsie, sondern die Kontrolle: Ein erhöhter Wert ab 3 ng/ml soll unter Berücksichtigung der Einflussfaktoren innerhalb von 3 Monaten erneut bestimmt werden – allein das halbiert nahezu die Gruppe, die anschließend eine MRT und gegebenenfalls invasive Diagnostik erhält. Bestätigt sich der Wert, folgt ein urologisches Gespräch und bei bestätigtem Risiko eine MRT der Prostata, bevor über eine Biopsie gesprochen wird.2
Niedriger PSA-Wert
Ein niedriger Wert ist der Normalfall. Zu bedenken ist nur, dass 5-Alpha-Reduktase-Hemmer – Medikamente gegen die gutartige Prostatavergrößerung – den PSA-Wert um etwa 50 % senken.1 Wer sie einnimmt, sollte das der Praxis mitteilen.
Freies PSA, PSA-Dichte, PSA-Velocity
Diese Zusatzgrößen werden oft als Ausweg aus der Unsicherheit angeboten. Die Leitlinie benennt die Grenzen offen:2
- Quotient freies/Gesamt-PSA: kann die Vorhersagegenauigkeit verbessern, ist aber gerade im wichtigen Bereich 2–4 ng/ml nicht ausreichend belegt.
- PSA-Dichte (PSA bezogen auf das Prostatavolumen): gehört mit dem PI-RADS-Score der MRT zu den stärksten diagnostischen Prädiktoren.
- PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (Velocity): in den Rotterdam- und Göteborg-Gruppen der ERSPC-Studie nicht prädiktiv für einen Tumornachweis nach negativer Biopsie.
- Nicht zertifizierte Schnelltests (z. B. Lateral-Flow-Tests) sind für die Früherkennung nicht geeignet.
Überdiagnose: der ehrliche Kern der Debatte
Der schwierigste Teil ist nicht die Zahl, sondern was man mit dem Gefundenen anfängt. Die S3-Leitlinie stellt Nutzen und Schaden nebeneinander:2
Nutzen: Von 1 000 gescreenten Männern sterben etwa 3 nicht am Prostatakarzinom und etwa 4 bekommen keine Metastasen.
Schaden: Der Anteil der Überdiagnosen wird zwischen 2 % und über 50 % angegeben. In der ERSPC-Studie wurden bei 35 von 1 000 Männern Karzinome diagnostiziert, die in 21 Jahren nie zu Metastasen führten – Tumoren, die ohne Entdeckung keine Nachteile gebracht hätten. Rechnerisch stehen rund 14 Überdiagnosen einem verhinderten Todesfall gegenüber. Dazu kommen unnötige Untersuchungen: 3 von 4 Biopsien bei erhöhtem PSA zeigen keinen Tumor, und in seltenen Fällen (1,0–1,4 %) führt eine Biopsie zu behandlungsbedürftigen Infektionen.2
Überdiagnose bedeutet aber nicht zwangsläufig Überbehandlung. Wird ein wenig aggressives Karzinom gefunden, ist die aktive Überwachung ein etablierter Weg: beobachten, erst bei Fortschreiten behandeln. Die ProtecT-Studie zeigte nach 15 Jahren, dass die prostatakrebsspezifische Sterblichkeit unter aktiver Überwachung, Operation und Bestrahlung vergleichbar niedrig blieb.9 Deshalb schreibt die Leitlinie die ergebnisoffene Beratung vor dem Test vor.
Einflussfaktoren im Überblick
Den PSA-Wert verändern können: Alter und Prostatavolumen, eine gutartige Prostatavergrößerung, eine Prostatitis oder ein Harnwegsinfekt, eine kürzliche Ejakulation, Radfahren, eine rektale Untersuchung, ein rektaler Ultraschall, eine Biopsie, ein Blasenkatheter sowie 5-Alpha-Reduktase-Hemmer (senkend).12 Hinzu kommen Labormethode und Kalibrierung. Nennen Sie diese Punkte beim Arzttermin – sie verändern die Deutung oft mehr als die zweite Nachkommastelle.
Bei Verdacht auf eine begleitende Entzündung werden häufig der CRP-Wert, die BSG und die Leukozyten mitbetrachtet, meist im Rahmen eines großen Blutbilds. Bei fortgeschrittenen Prostataerkrankungen können die alkalische Phosphatase, das Calcium und weitere Marker des Knochenstoffwechsels eine Rolle spielen, weil sie auf eine Beteiligung des Knochens hinweisen. Auch Testosteron wird im urologischen Kontext häufig mitbestimmt.
Aktuelle Entwicklungen
Aus aktuellen Publikationen (PubMed) und der deutschen Leitlinienarbeit:
- Der Tastbefund verliert seine Rolle in der Früherkennung. Die deutsche PROBASE-Studie zeigte, dass nur etwa 14 % der per PSA entdeckten Tumoren auch tastbar waren – Grundlage für die negative Empfehlung zur digital-rektalen Untersuchung in der S3-Leitlinie 2025.102
- Der Basis-PSA-Wert erlaubt längere Intervalle. Die PROBASE-Auswertung definierte die Niedrigrisikogruppe so, dass bei einem Basis-PSA unter 1,5 ng/ml eine Kontrolle erst nach fünf Jahren nötig ist – statt jährlich.8
- MRT vor Biopsie statt Biopsie auf Verdacht. Die PRECISION-Studie zeigte, dass eine MRT-gesteuerte Strategie mehr bedeutsame Karzinome findet und einem Teil der Männer die Biopsie erspart.11
- Risikoadaptiertes Screening im Test. Die finnische ProScreen-Studie kombiniert PSA, Kallikrein-Panel und MRT, um weniger harmlose und mehr bedeutsame Tumoren zu finden.12 Metaanalysen bleiben zugleich vorsichtig: Ein Effekt auf die Gesamtsterblichkeit ist nicht belegt.1314
Diese Ergebnisse betreffen Früherkennung und Diagnostik und ersetzen kein ärztliches Gespräch.
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Ein PSA-Wert wird nie allein gelesen: Sein Sinn ergibt sich aus Ihrem Alter, dem zeitlichen Verlauf, den Einflussfaktoren vor der Blutentnahme und den übrigen Befunden. Ein erhöhter Wert bedeutet nicht Krebs – meist steht eine gutartige Ursache dahinter.
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Häufige Fragen
Was ist ein normaler PSA-Wert? Es gibt keinen einzelnen Grenzwert. Deutsche Labore geben altersabhängige Referenzbereiche an – von unter 1,4 ng/ml bis 40 Jahre bis unter 4,4 ng/ml über 70 Jahre.17 Für die Früherkennung ordnet die S3-Leitlinie nach dem Basis-PSA-Wert ein: unter 1,5 ng/ml, 1,5–2,99 ng/ml und ab 3 ng/ml.2 Maßgeblich ist der Referenzbereich Ihres Labors.
Ab welchem PSA-Wert muss man sich Sorgen machen? Es gibt keine Zahl, die eine Diagnose stellt. Ab 3 ng/ml sieht die Leitlinie eine Kontrolle innerhalb von 3 Monaten vor, danach gegebenenfalls ein urologisches Gespräch und eine MRT.2 In Screeningstudien war die Mehrheit der positiven Tests falsch-positiv.2
Zahlt die Krankenkasse den PSA-Test? Zur Früherkennung bei beschwerdefreien Männern nicht: Der G-BA hat das 2020 entschieden, der Test ist eine IGeL-Leistung – 15–25 Euro laut Krebsinformationsdienst,4 25–35 Euro inklusive Beratung laut IGeL-Monitor.5 Zur Abklärung eines auffälligen Befundes und zur Verlaufskontrolle ist die Bestimmung Teil der Krankenbehandlung und wird übernommen.3 Seit dem 16. Oktober 2025 prüft der G-BA ein risikoadaptiertes Angebot aus PSA und MRT; ein Ergebnis wird spätestens im Oktober 2027 erwartet.6
Muss ich für den PSA-Test nüchtern sein? Nein. Wichtiger sind die Abstände zu Ejakulation, Radfahren und rektalen Untersuchungen (etwa 1–2 Tage) sowie zu einer Biopsie (etwa 2 Wochen).1
Bedeutet ein erhöhter PSA-Wert Prostatakrebs? Nein. Am häufigsten stehen gutartige Ursachen dahinter: eine vergrößerte Prostata, eine Entzündung, ein Harnwegsinfekt oder mechanische Einflüsse.1 Erst Kontrolle, ärztliche Einschätzung und gegebenenfalls MRT und Biopsie klären die Frage.
Kann ein Prostatakarzinom trotz normalem PSA vorliegen? Ja: Etwa 20 % der Patienten mit einem Prostatakarzinom zeigen niedrige PSA-Werte.1 Kein Laborwert ersetzt die ärztliche Beurteilung neuer oder anhaltender Beschwerden.
Wird die Tastuntersuchung noch empfohlen? Hier gehen medizinische Empfehlung und Kassenleistung auseinander. Die S3-Leitlinie 2025 empfiehlt die digital-rektale Untersuchung nicht mehr zur Früherkennung,2 während sie genau der Bestandteil ist, den die gesetzliche Früherkennung ab 45 Jahren vorsieht.3 Zur Abklärung konkreter Beschwerden behält sie ihren Platz.
Auf einen Blick
Der PSA-Wert stammt aus der Prostata, nicht aus dem Krebs: Erhöhte Werte haben meistens eine gutartige Ursache. Es gibt keinen Grenzwert, der entscheidet – deutsche Labore arbeiten mit altersabhängigen Referenzbereichen, die S3-Leitlinie mit einer Einteilung nach dem Basis-PSA (unter 1,5 / 1,5–2,99 / ab 3 ng/ml) und einer Kontrolle innerhalb von 3 Monaten, bevor irgendetwas Invasives geschieht. Zur Früherkennung ist der Test eine Selbstzahlerleistung, weil der G-BA 2020 gegen die Aufnahme ins gesetzliche Programm entschieden hat – seit Oktober 2025 wird das erneut geprüft. Der Kern der Debatte bleibt die Überdiagnose: Der Nutzen ist real, aber klein, der Schaden real und nicht selten. Deshalb steht am Anfang das Gespräch, nicht die Zahl – und dabei hilft AI DiagMe ergänzend zu Ihrer ärztlichen Betreuung.
Quellen
Deutsche Fachgesellschaften, Institutionen und geprüfte Publikationen (PubMed):
Footnotes
-
Labor Chemnitz / Klinikum Chemnitz — Leistungsverzeichnis: Prostataspezifisches Antigen (Gesamt-PSA). Altersabhängige Referenzbereiche, Einflussfaktoren und empfohlene Zeitabstände, Methode ECLIA. laborchemnitz.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14
-
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) — S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 8.1, August 2025, AWMF-Registernummer 043-022OL. Status: S3 (evidenz- und konsensbasiert), gültig bis zur nächsten Aktualisierung (maximal 5 Jahre). leitlinienprogramm-onkologie.de (PDF) ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19
-
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) — Krebsfrüherkennungs-Richtlinie: Bewertung des Prostatakrebs-Screenings mittels Bestimmung des PSA. Beschluss vom 17. Dezember 2020, in Kraft getreten am 18. Februar 2021. g-ba.de/beschluesse/4618 · Pressemitteilung: g-ba.de/presse/918 ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
-
Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) — Prostatakrebs: Vorsorge, Früherkennung und PSA-Wert. Aktualisiert am 16. Juli 2025. krebsinformationsdienst.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) — PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Bewertung „tendenziell negativ", Stand 6. April 2017; Kosten 25–35 Euro inkl. Beratung. igel-monitor.de ↩ ↩2 ↩3
-
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) — Früherkennung von Prostatakrebs: G-BA prüft risikoabhängiges Angebot. Meldung vom 16. Oktober 2025; Bewertungsverfahren zu PSA und MRT, Ergebnis spätestens im Oktober 2027. g-ba.de/presse/1290 ↩ ↩2
-
MVZ Dr. Eberhard & Partner Dortmund — Untersuchung: Prostataspezifisches Antigen (PSA), gesamt. Altersabhängige Referenzwerte (95. Perzentilen), zweite unabhängige deutsche Laborquelle. medizin-zentrum-dortmund.de ↩ ↩2
-
Krilaviciute A, Kaaks R, Seibold P, et al. Risk-adjusted Screening for Prostate Cancer — Defining the Low-risk Group by Data from the PROBASE Trial. Eur Urol, 2024. PubMed ↩ ↩2
-
Hamdy FC, Donovan JL, Lane JA, et al. Fifteen-Year Outcomes after Monitoring, Surgery, or Radiotherapy for Prostate Cancer (ProtecT). N Engl J Med, 2023. PubMed ↩
-
Krilaviciute A, Becker N, Lakes J, et al. Digital Rectal Examination Is Not a Useful Screening Test for Prostate Cancer. Eur Urol Oncol, 2023. PubMed ↩
-
Kasivisvanathan V, Rannikko AS, Borghi M, et al. MRI-Targeted or Standard Biopsy for Prostate-Cancer Diagnosis (PRECISION). N Engl J Med, 2018. PubMed ↩
-
Auvinen A, Tammela TLJ, Mirtti T, et al. Prostate Cancer Screening With PSA, Kallikrein Panel, and MRI: The ProScreen Randomized Trial. JAMA, 2024. PubMed ↩
-
Ilic D, Djulbegovic M, Jung JH, et al. Prostate cancer screening with prostate-specific antigen (PSA) test: a systematic review and meta-analysis. BMJ, 2018. PubMed ↩
-
Hugosson J, Roobol MJ, Månsson M, et al. A 16-yr Follow-up of the European Randomized study of Screening for Prostate Cancer. Eur Urol, 2019. PubMed ↩