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C-Peptid-Wert: Normwerte, erhöht oder zu niedrig

Insulin und C-Peptid entstehen zu gleichen Teilen, gespritztes Insulin enthält aber kein C-Peptid. Normwerte in ng/ml und nmol/l, Typ 1 oder Typ 2.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Das C-Peptid ist das Gegenstück des Insulins: das Verbindungsstück, das die Bauchspeicheldrüse abtrennt, wenn sie aus Proinsulin fertiges Insulin macht.1 Die Betazellen geben beide „in äquimolarer Menge" ins Blut ab – auf jedes Insulinmolekül kommt genau ein C-Peptid.2 Daraus folgt der eine Satz, der diesen Laborwert unersetzlich macht: Gespritztes Insulin enthält kein C-Peptid. Bei einem Menschen, der Insulin spritzt, zeigt deshalb nur das C-Peptid, was die eigene Bauchspeicheldrüse noch produziert. Dieser Ratgeber erklärt die Normwerte in ng/ml und nmol/l samt Umrechnung, was ein erhöhter und ein zu niedriger Wert bedeuten, warum der Wert Typ-1- von Typ-2-Diabetes trennt – und die eine Situation, in der er eine Frage beantwortet, die sonst kein Labortest beantworten kann. Gelesen wird er nie allein, sondern zusammen mit dem Blutzucker und häufig neben Insulin und HbA1c.

Das Wichtigste in Kürze

  • Insulin und C-Peptid entstehen zu gleichen Teilen aus derselben Vorstufe, dem Proinsulin. Das C-Peptid ist damit der beste Spiegel der körpereigenen Insulinproduktion.23
  • Der entscheidende Unterschied: Von der Leber werden bereits bei der ersten Passage bis zu 90 % des Insulins abgebaut, das C-Peptid dagegen zu rund 80 % über die Nieren ausgeschieden.2 Es hält länger und ist als Marker der Betazellfunktion der Insulinmessung „im Prinzip überlegen".2
  • Orientierende Normwerte nüchtern: je nach Labor etwa 0,8 – 4,4 ng/ml bzw. 0,27 – 1,47 nmol/l. Umrechnung: 1 ng/ml ≈ 0,33 nmol/l.456
  • Zu niedrig heißt: zu wenig eigene Insulinproduktion – das spricht für einen Typ-1-Diabetes. Normal oder erhöht spricht für Typ-2-Diabetes oder eine Insulinresistenz.27
  • ⚠️ Fallstrick Niere: Weil das C-Peptid renal ausgeschieden wird, staut es sich bei Nierenschwäche und wirkt falsch zu hoch. Ab einer eGFR unter 50 ml/min/1,73 m² raten die deutschen Leitlinien von dieser Diagnostik ab.21
  • Bei einer Unterzuckerung trennt der Vergleich von Insulin und C-Peptid körpereigene von zugeführter Insulinwirkung – siehe unten.53
  • Das C-Peptid ist kein Tumormarker, kein Zuckerwert und kein Screening-Test.

Was ist das C-Peptid?

Um Insulin herzustellen, bauen die Betazellen der Bauchspeicheldrüse zunächst ein größeres Molekül: das Proinsulin. Bei der Ausschüttung wird es zerschnitten – in das Insulin, das den Zucker in die Zellen bringt, und in das C-Peptid, das „Connecting Peptid", also das Verbindungsstück, das zuvor die beiden Insulinketten zusammenhielt.1 Beide Bruchstücke verlassen die Zelle gemeinsam und in gleicher Menge.2

Diese Gleichheit macht den Wert so brauchbar. Wer C-Peptid zählt, zählt Insulinmoleküle – und zwar nur die selbst hergestellten. Zwei weitere Eigenschaften machen es der direkten Insulinmessung überlegen:

  • Es hält länger. Insulin wird schon bei der ersten Leberpassage zu bis zu 90 % abgebaut; das C-Peptid nimmt diesen Weg nicht und hat eine Halbwertszeit von rund 30 bis 40 Minuten.26 Sein Spiegel ist dadurch stabiler und aussagekräftiger.
  • Es kommt nie von außen. Insulinpräparate enthalten ausschließlich Insulin. Unter einer Insulintherapie misst die Insulinbestimmung beides – Eigenes und Gespritztes –, das C-Peptid dagegen nur die Eigenproduktion.38

C-Peptid ist kein Zuckerwert. Es sagt nichts darüber aus, wie hoch Ihr Blutzucker gerade ist, sondern wie viel Insulin Ihre Bauchspeicheldrüse noch herstellt. Für den Zucker zuständig sind der Blutzucker, der HbA1c-Wert und in Sonderfällen das Fruktosamin.

Warum wird das C-Peptid bestimmt?

Es ist kein Routinewert. Die Gesundheitsuntersuchung („Check-up") der gesetzlichen Krankenkassen umfasst ab 35 Jahren alle drei Jahre eine Urinuntersuchung sowie Blutzucker- und Cholesterinwerte – ein C-Peptid ist darin nicht vorgesehen.9 Ärztinnen und Ärzte fordern es gezielt an, wenn eine dieser Fragen im Raum steht:

  • Welcher Diabetestyp ist es? Wenn das klinische Bild nicht eindeutig ist, hilft die Messung, einen Typ-1-Diabetes (Insulinmangel durch autoimmune Zerstörung der Betazellen)10 von einem Typ-2-Diabetes (Insulin vorhanden, aber schlecht wirksam) zu trennen. Die AWMF-Leitlinie nennt die C-Peptid-Bestimmung für die praktisch wichtigste Frage – ob bei Diagnosestellung mit Insulin behandelt werden muss – ausdrücklich „essentiell".1
  • Wie viel Restsekretion ist noch da? Bei bekanntem Diabetes zeigt der Wert, wie viel eigene Produktion verblieben ist.8
  • Woher kommt eine Unterzuckerung? Hier ist das C-Peptid der Test, der den Ausschlag gibt (eigener Abschnitt weiter unten).5
  • Steckt ein LADA dahinter? Der LADA („Latent Autoimmune Diabetes in Adults") entwickelt sich meist jenseits des 35. Lebensjahrs langsam und sieht anfangs aus wie ein Typ-2-Diabetes. Typisch ist, dass sich die Stoffwechsellage „auffallend schnell (innerhalb von Monaten oder 1 bis 2 Jahren)" bei „relativ niedrigen C-Peptidwerten" verschlechtert – spätestens dann sollte die Diagnose überdacht und auf Inselautoantikörper getestet werden.2

Zum Erkennen eines Diabetes taugt das C-Peptid dagegen nicht: Dafür sind Nüchternblutzucker, oraler Glukosetoleranztest und HbA1c zuständig.

Nüchtern oder stimuliert?

Meist wird nüchtern abgenommen (in der Regel nach 12 Stunden ohne Nahrung) – und immer zusammen mit dem Blutzucker aus derselben Probe.5 Ohne den gleichzeitigen Zuckerwert ist die Zahl nicht deutbar: Ein niedriges C-Peptid bei niedrigem Blutzucker ist völlig normal, dasselbe niedrige C-Peptid bei hohem Blutzucker ist ein Alarmzeichen.

Manchmal ist der stimulierte Wert aussagekräftiger, weil er zeigt, ob die Betazellen auf einen Reiz noch antworten. Labore geben dafür eigene Bereiche an – ein Münchner Labor etwa 4,00 – 8,00 µg/l 30 bis 60 Minuten nach Belastung gegenüber 0,78 – 5,19 µg/l nüchtern.6 Stimuliert wird über eine Testmahlzeit oder ein Medikament, bei der Abklärung einer Unterzuckerung über einen überwachten Fastentest in der Klinik.3 Halten Sie sich an die Vorgabe auf Ihrer Überweisung.

Normwerte des C-Peptids

Zuerst die wichtigste Einschränkung, und sie kommt aus der Praxisempfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft selbst: Für das C-Peptid fehlt bis heute eine „geeignete Standardisierung der Messung". Die Werte schwanken um bis zu 36 % je nach Bestimmungsmethode, „daher sollten keine Absolutwerte angegeben werden. Für die Beurteilung müssen vielmehr die laborspezifischen Referenzintervalle … herangezogen werden."2

Genau das zeigt der Vergleich dreier deutscher Labore. Die Bereiche überschneiden sich, sind aber nicht identisch – und zwei Befunde aus zwei Laboren lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen.

Labor (Methode)Nüchternwert in ng/ml (= µg/l)in nmol/l
Labor Chemnitz (ECLIA), Erwachseneca. 1,1 – 4,40,37 – 1,474
Labor Dr. Fenner, Hamburg (CLIA)ca. 0,8 – 3,80,27 – 1,275
Labor Becker, München (LIA)0,78 – 5,196ca. 0,26 – 1,73

Fett gesetzt ist jeweils der Bereich, den das Labor selbst veröffentlicht; die andere Spalte ist mit dem Faktor unten umgerechnet.

Einheiten und Umrechnung. ng/ml und µg/l sind dasselbe – manche Befunde schreiben das eine, manche das andere. Für die Umrechnung in SI-Einheiten gilt: 1 µg/l = 0,333 nmol/l, umgekehrt 1 nmol/l ≈ 3 µg/l.4 In der Fachliteratur stehen häufig pmol/l: 1 ng/ml entspricht rund 330 pmol/l. Prüfen Sie die Einheit, bevor Sie zwei Zahlen nebeneinanderlegen – zwischen nmol/l und ng/ml liegt der Faktor 3.

Ihre Werte richtig einordnen

C-Peptid zu niedrig

Ein niedriger Wert bedeutet: Die Bauchspeicheldrüse produziert zu wenig eigenes Insulin. Bei gleichzeitig erhöhtem Blutzucker ist das die Signatur des Typ-1-Diabetes, bei dem das Immunsystem die Betazellen angreift, bis sie „nur noch sehr wenig oder gar kein Insulin mehr freisetzen".10 Auch ein fortgeschrittener Typ-2-Diabetes und ein Diabetes nach Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gehen mit niedrigen Werten einher.2

Als Orientierung nennt die AWMF-S3-Leitlinie den Vorschlag der Fachgesellschaften ADA und EASD für insulinbehandelte Menschen: unter 200 pmol/l (0,2 nmol/l, ≈ 0,6 ng/ml) spricht für einen Typ-1-Diabetes, 200 – 600 pmol/l bleiben unbestimmt, über 600 pmol/l (0,6 nmol/l, ≈ 1,8 ng/ml) sprechen für einen Typ-2-Diabetes.1 Deutsche Diabetologen halten dem entgegen, dass man nicht Jahre warten sollte, und schlagen stattdessen den C-Peptid-Glukose-Quotienten (CGR) schon bei Diagnosestellung vor: Er setzt das C-Peptid ins Verhältnis zum gleichzeitigen Blutzucker, und ein Wert unter 2 (pmol/l)/(mg/dl) zeigt ein Insulindefizit an.17

C-Peptid erhöht

Ein erhöhter Wert heißt: Die Bauchspeicheldrüse produziert viel Insulin. Die häufigste Erklärung ist eine Insulinresistenz – der Körper gleicht die schlechtere Wirkung durch Mehrproduktion aus, typisch beim Typ-2-Diabetes und bei Übergewicht.28 Daneben kommen infrage: eine eingeschränkte Nierenfunktion (siehe unten), Sulfonylharnstoffe und andere Medikamente, die die Betazellen anregen, sowie – selten – ein Insulinom, ein insulinproduzierender Tumor der Bauchspeicheldrüse.5

Und Krebs? Ein hohes C-Peptid ist kein Tumormarker. Das Insulinom ist eine seltene Ursache von Unterzuckerungen und wird in einem klar umrissenen Zusammenhang gesucht, nicht wegen einer einzelnen Zahl.

Unterzuckerung: hier entscheidet das C-Peptid

Das ist der interessanteste Einsatz dieses Laborwerts – und der am seltensten erklärte. Tritt eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ohne offensichtlichen Grund auf, lautet die Frage: Wirkt hier Insulin, das der Körper selbst hergestellt hat, oder Insulin, das von außen kam? Beide senken den Blutzucker gleichermaßen, und der Insulinwert allein kann sie nicht trennen – er misst beides.

Das C-Peptid kann es. Entnommen während der Unterzuckerung, ergeben sich zwei klar unterscheidbare Muster:

Befund während der UnterzuckerungInsulinC-PeptidEinordnung
Insulin von außen zugeführthochniedrig bis nicht nachweisbarDie Wirkung stammt aus einem Insulinpräparat, denn dieses enthält kein C-Peptid.53
Insulin körpereigen überproduzierthochhochDie Betazellen selbst schütten zu viel aus – etwa bei einem Insulinom oder unter Sulfonylharnstoffen.5

Der Fachbegriff für die erste Konstellation lautet Hypoglycaemia factitia; deutsche Labore führen sie ausdrücklich als Indikation für die C-Peptid-Bestimmung.5 Sie ist nicht immer absichtlich: Auch eine Verwechslung von Insulinpräparaten oder eine falsch berechnete Dosis erzeugt dieses Muster. Der Test beschreibt die Herkunft der Insulinwirkung – mehr nicht. Alles Weitere klärt sich ärztlich, häufig im Rahmen eines stationär überwachten Fastentests.3

Der Fallstrick: die Nieren

Rund 80 % des C-Peptids werden über die Nieren ausgeschieden.2 Lässt die Nierenleistung nach, wird weniger abtransportiert – und der Wert steigt, ohne dass die Bauchspeicheldrüse mehr produziert. Die AWMF-Leitlinie ist an diesem Punkt deutlich: Bei höhergradiger chronischer Nierenerkrankung „können die C-Peptidspiegel falsch zu hoch liegen", weshalb für die Beurteilung eine geschätzte Filtrationsleistung (eGFR) von mindestens 50 ml/min vorausgesetzt wird.12

Ein verwandter Fallstrick: Bei sehr hohem Blutzucker (über 250 mg/dl bzw. 14 mmol/l) fällt der C-Peptid-Glukose-Quotient zu niedrig aus und ist nicht sicher verwertbar; gemessen wird dann erst nach Stabilisierung des Stoffwechsels.12

Was den Wert beeinflusst

Neben Nierenfunktion und Blutzuckerhöhe verschieben weitere Faktoren das Ergebnis: der Zeitpunkt der Abnahme, eine Insulinresistenz, Kortikosteroide und betazellstimulierende Medikamente wie Sulfonylharnstoffe (erhöhend) sowie das Messverfahren des Labors.42 Nennen Sie daher alle Medikamente und den Zeitpunkt der letzten Mahlzeit.

Neues aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Publikationen:

  • Wie stark Labore auseinanderliegen, ist jetzt gemessen. Eine Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums Tübingen verglich 2023 fünf verbreitete C-Peptid-Immunoassays. Obwohl alle auf dasselbe internationale Referenzmaterial rückführbar sind, betrug die mittlere Abweichung zwischen den beiden extremsten Verfahren 36,6 %, während drei andere Assays nur 2,3 bis 4,2 % auseinanderlagen. Die Autoren fordern, die Standardisierung dringend abzuschließen.11
  • Erwachsene mit Typ-1-Diabetes werden häufig falsch eingeordnet. „Über 40 %" derjenigen, die nach dem 30. Lebensjahr einen Typ-1-Diabetes entwickeln, würden zunächst als Typ-2-Diabetes klassifiziert, hält die AWMF-Leitlinie unter Verweis auf eine britische Kohortenstudie fest.112 Eine Übersicht von 2025 bestätigt, dass die Erstmanifestation im Erwachsenenalter diagnostisch schwierig bleibt – und die C-Peptid-Messung dabei untergenutzt ist.13
  • Streit um den richtigen Zeitpunkt. Der ADA/EASD-Konsens empfiehlt die Messung erst nach mehr als drei Jahren Insulintherapie. Eine deutsche Replik hält dagegen, die Sekretionskapazität sei schon bei Diagnosestellung das entscheidende Merkmal.7
  • Neues Interesse beim Typ-2-Diabetes. Eine Übersichtsarbeit von 2025 zieht Bilanz: Das C-Peptid erkennt einen schweren Insulinmangel zuverlässig und könnte helfen, das Ansprechen auf bestimmte Therapien vorherzusagen – bleibt aber wegen der vielen Störfaktoren und der fehlenden Standardisierung schwierig zu deuten.14

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Lassen Sie Ihr C-Peptid einordnen

Ein C-Peptid ergibt allein gelesen keinen Sinn: Seine Bedeutung hängt vom Blutzucker derselben Blutentnahme ab, vom Insulin, vom HbA1c-Wert, von Ihrer Nierenfunktion (Kreatinin und eGFR) und von Ihren Medikamenten.

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Häufige Fragen

Was ist das C-Peptid? Das Verbindungsstück, das beim Zerschneiden von Proinsulin übrig bleibt.1 Es wird in gleicher Menge wie Insulin ins Blut abgegeben, wirkt selbst nicht auf den Zucker und misst damit die körpereigene Insulinproduktion.2

Wie hoch ist der Normwert? Je nach Labor und Verfahren nüchtern etwa 0,8 – 4,4 ng/ml bzw. 0,27 – 1,47 nmol/l.45 Weil eine einheitliche Standardisierung fehlt, gilt ausschließlich der Bereich auf Ihrem Befund.2

Wie rechne ich ng/ml in nmol/l um? 1 µg/l (= 1 ng/ml) = 0,333 nmol/l, umgekehrt 1 nmol/l ≈ 3 µg/l.4 1,1 ng/ml sind also rund 0,37 nmol/l.

Was bedeutet ein zu niedriges C-Peptid? Zu wenig eigene Insulinproduktion. Bei gleichzeitig hohem Blutzucker spricht das für einen Typ-1-Diabetes oder einen schweren Insulinmangel anderer Ursache.12

Was bedeutet ein erhöhtes C-Peptid? Meist eine Insulinresistenz bzw. einen Typ-2-Diabetes. Auch eine Nierenschwäche und betazellstimulierende Medikamente heben den Wert; selten steckt ein Insulinom dahinter.25

Worin unterscheiden sich C-Peptid und Insulin? Beide entstehen gemeinsam, aber Insulin wird zu bis zu 90 % sofort in der Leber abgebaut – und gespritztes Insulin enthält kein C-Peptid. Unter Insulintherapie zeigt deshalb nur das C-Peptid die Eigenproduktion.23

Trennt der Wert Typ-1- und Typ-2-Diabetes? Er ist dafür eines der wichtigsten Hilfsmittel: niedrig spricht für Typ 1, normal bis hoch für Typ 2 oder eine Insulinresistenz.27 Die Einordnung trifft die Ärztin oder der Arzt und bezieht Inselautoantikörper (GADA, IA-2A, ZnT8A) und das klinische Bild mit ein.2

Kann eine Nierenerkrankung das Ergebnis verfälschen? Ja, das ist der wichtigste Fallstrick. Rund 80 % des C-Peptids werden renal ausgeschieden; bei nachlassender Nierenleistung liegen die Werte falsch zu hoch. Unterhalb einer eGFR von 50 ml/min wird von der Bestimmung abgeraten.21

Muss ich für die Blutentnahme nüchtern sein? Meist ja, in der Regel 12 Stunden – und stets mit gleichzeitiger Blutzuckerbestimmung.5 Manchmal wird bewusst nach Stimulation gemessen. Maßgeblich ist die Angabe auf Ihrer Überweisung.

Das Wichtigste zum Schluss

Das C-Peptid entsteht zu gleichen Teilen mit dem Insulin – und weil Insulinpräparate keines enthalten, ist es der einzige Laborwert, der auch unter einer Insulintherapie zeigt, was die eigene Bauchspeicheldrüse noch leistet. Merken Sie sich die Größenordnung (rund 0,8 – 4,4 ng/ml bzw. 0,27 – 1,47 nmol/l nüchtern, laborabhängig) und die Umrechnung 1 ng/ml ≈ 0,33 nmol/l. Entscheidend ist die Logik: niedrig spricht für Insulinmangel und damit für einen Typ-1-Diabetes, hoch für Insulinresistenz oder Typ 2 – und bei einer Unterzuckerung trennt der Vergleich mit dem Insulinwert die körpereigene Überproduktion von zugeführtem Insulin. Vergessen Sie dabei die Nieren nicht, die den Wert falsch nach oben ziehen können. Kein Wert steht für sich allein: Erst das Zusammenspiel mit Blutzucker, Insulin, HbA1c und Ihrer persönlichen Situation ergibt ein Bild – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Behörden und Labore sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. AWMF – S3-Leitlinie 057-013 Therapie des Typ-1-Diabetes, Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Version 5.1, gültig 09/2023 bis 09/2028; Kapitel 2.2.4 „Heterogenität des Typ-1-Diabetes" (C-Peptid „essentiell" für die Therapieentscheidung, ADA/EASD-Schwellen 200/600 pmol/l, C-Peptid-Glukose-Ratio < 2, eGFR ≥ 50 ml/min, Glukose > 250 mg/dl) sowie Glossar („Connecting Peptid"). register.awmf.org 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  2. Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), Praxisempfehlung – Landgraf R et al. Definition, Klassifikation, Diagnostik und Differenzialdiagnostik des Diabetes mellitus: Update 2025. Diabetol Stoffwechs 2025; 20: S127–S143; Abschnitte „Insel-Autoantikörper, Insulin und C-Peptid", „Differenzialdiagnostik" und „LADA" (äquimolare Sekretion, 90 % hepatischer Insulinabbau, ca. 80 % renale Elimination des C-Peptids, fehlende Standardisierung, Schwankung bis 36 %, eGFR-Grenze 50 ml/min/1,73 m²). DOI · Volltext-PDF 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24

  3. Jones AG, Hattersley AT. The clinical utility of C-peptide measurement in the care of patients with diabetes. Diabet Med, 2013. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7

  4. Labor Chemnitz – Leistungsverzeichnis, Eintrag C-Peptid (ECLIA; Referenzbereich Serum > 18 Jahre 0,37–1,47 nmol/l, ≤ 18 Jahre 0,17–1,00 nmol/l; Umrechnung 1 µg/l = 0,333 nmol/l; Entscheidungsgrenzen 0,2 und 0,5 nmol/l; Hinweise zu Nierenerkrankung und Kortikosteroiden). laborchemnitz.de 2 3 4 5 6

  5. Labor Dr. Fenner & Kollegen MVZ, Hamburg – Leistungsverzeichnis Klinische Chemie, Eintrag C-Peptid (CLIA; Referenzbereich 0,27–1,27 nmol/l; Indikation „Verdacht auf Insulinom, DD der Hypoglykämie (Hypoglycaemia factitia)"; erhöht bei Insulinom, MEN, Sulfonylharnstoffen; erniedrigt bei exogen zugeführtem Insulin; 12 Stunden nüchtern). fennerlabor.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  6. Labor Becker MVZ, München – Leistungsverzeichnis, Eintrag C-Peptid (LIA; nüchtern 0,78–5,19 µg/l, 30–60 Minuten nach Belastung 4,00–8,00 µg/l; Halbwertszeit 30–40 Minuten; äquimolare Bildung von Insulin und C-Peptid). labor-becker.de 2 3 4

  7. Fritsche A (Universität Tübingen). Insulin Secretion Capacity as a Crucial Feature to Distinguish Type 1 From Type 2 Diabetes and to Indicate the Need for Insulin Therapy – A Critical Discussion of the ADA/EASD Consensus Statement on the Management of Type 1 Diabetes in Adults. Exp Clin Endocrinol Diabetes, 2023. PubMed · DOI 2 3 4

  8. Maddaloni E, Bolli GB, Frier BM, et al. C-peptide determination in the diagnosis of type of diabetes and its management: A clinical perspective. Diabetes Obes Metab, 2022. PubMed · DOI 2 3

  9. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Gesundheitsuntersuchungen („Check-up"): Umfang für Versicherte ab 35 Jahren (Urinuntersuchung, Blutzucker- und Cholesterinwerte) und Intervall von drei Jahren. g-ba.de

  10. IQWiG – gesundheitsinformation.de, Diabetes Typ 1: autoimmune Schädigung der Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die dadurch „nur noch sehr wenig oder gar kein Insulin mehr freisetzen". gesundheitsinformation.de 2

  11. Hörber S, Orth M, Fritsche A, Peter A (Universitätsklinikum Tübingen, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung). Comparability of C-Peptide Measurements – Current Status and Clinical Relevance. Exp Clin Endocrinol Diabetes, 2023. PubMed · DOI

  12. Thomas NJ, Lynam AL, Hill AV, et al. Type 1 diabetes defined by severe insulin deficiency occurs after 30 years of age and is commonly treated as type 2 diabetes. Diabetologia, 2019. PubMed · DOI

  13. Evans-Molina C, Oram RA. Type 1 diabetes presenting in adults: Trends, diagnostic challenges and unique features. Diabetes Obes Metab, 2025. PubMed · DOI

  14. Lin Y, McCrimmon RJ, Pearson ER. Exploring the potential role of C-peptide in type 2 diabetes management. Diabet Med, 2025. PubMed · DOI

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