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SHBG-Wert: normal, erhöht oder niedrig – freies Testosteron

Die SHBG bindet 50–70 % des Testosterons und entscheidet über den freien Anteil. Normalwerte in nmol/l, Ursachen für hohe und niedrige Werte, FAI-Formel.

Mis à jour le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Die SHBG – das Sexualhormon-bindende Globulin – ist kein Hormon, sondern das Transportprotein, das in der Leber gebildet wird und Testosteron und Östradiol im Blut bindet. Genau darin liegt ihre Bedeutung: Sie entscheidet, wie viel Hormon frei und damit wirksam bleibt. Ein „normales" Gesamt-Testosteron bei hoher SHBG kann einen echten Mangel verdecken – und umgekehrt kann ein rechnerisch niedriger Gesamtwert bei niedriger SHBG noch einen ausreichenden freien Anteil verbergen. Deshalb wird die SHBG fast nie allein bestimmt. Sie gehört zum Hormonstatus und wird gemeinsam mit Testosteron und Östradiol gelesen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die SHBG bindet 50–70 % des Testosterons, Albumin weitere 20–30 %, andere Proteine rund 4 % – nur 1–3 % liegen tatsächlich frei vor.1
  • Die SHBG steht nie für sich. Sie wird bestimmt, um aus dem Gesamt-Testosteron das freie oder bioverfügbare Testosteron zu berechnen – vor allem im Graubereich, in dem der Gesamtwert nicht entscheidet.12
  • Orientierend beim Mann (20–50 Jahre) 18,3–54,1 nmol/l, bei der Frau (20–50 Jahre) 32,4–128 nmol/l – die Frau hat physiologisch höhere Werte. Andere Messverfahren nennen deutlich weitere Bereiche.34
  • SHBG erhöht: Alter, Schilddrüsenüberfunktion, Lebererkrankungen, Östrogene (Pille, Hormontherapie), Anorexia nervosa, Androgenmangel. SHBG erniedrigt: Adipositas, Insulinresistenz und Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Androgene, Glukokortikoide, Gestagene.1
  • Eine niedrige SHBG ist ein Stoffwechselsignal, keine eigene Krankheit: Sie ist eng mit Insulinresistenz verknüpft und geht dem Typ-2-Diabetes voraus.56
  • Bei der PCOS-Abklärung sollen laut S2k-Leitlinie der DGE vorzugsweise Gesamttestosteron, SHBG und der freie Androgenindex (FAI) bestimmt werden – im Konsens 14/14.7

Was ist die SHBG?

Die SHBG ist ein Glykoprotein, das die Leber bildet und ins Blut abgibt. Sie bindet Sexualsteroide – vor allem Testosteron, mit geringerer Affinität auch Östradiol – mit hoher Spezifität und hält sie in einer Art Reservoir fest.8

Im Blut liegen diese Hormone in drei Formen vor: fest an SHBG gebunden (praktisch unwirksam), locker an Albumin gebunden und frei. Die Summe aus freiem und albumingebundenem Anteil heißt bioverfügbares Testosteron – das ist der Teil, der die Zielgewebe erreicht.1

Daraus folgt der eine Satz, auf den es bei diesem Laborwert ankommt: Die SHBG verändert die Wirkung, ohne die Gesamtmenge zu verändern. Zwei Menschen mit identischem Gesamt-Testosteron können völlig unterschiedliche freie Spiegel haben – je nachdem, wie viel SHBG ihr Blut enthält.

SHBG ist kein Hormon und kein Tumormarker. Ein auffälliger Wert bedeutet nicht „Krankheit". Er verweist auf Stoffwechsel, Schilddrüse, Leber oder eine Östrogenwirkung – und er verändert vor allem die Lesart Ihrer Hormonwerte.

Wozu wird die SHBG bestimmt?

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) beschreibt den Ablauf beim Mann klar: In den meisten Fällen genügt das Gesamt-Testosteron. Weil es aber klinische Situationen mit erheblicher Beeinflussung der SHBG gibt, ist in manchen Fällen die zusätzliche Betrachtung des freien bzw. bioverfügbaren Testosterons sinnvoll. Liegt der morgendliche Gesamtwert unter 12 nmol/l, soll er kontrolliert werden – inklusive LH, Prolaktin und SHBG.1

Typische Anlässe:

  • Beim Mann – Verdacht auf Hypogonadismus, wenn Beschwerden und Gesamt-Testosteron nicht zusammenpassen. Je nach Fragestellung kommen LH, FSH und Prolaktin dazu.1
  • Bei der Frau – Abklärung einer Hyperandrogenämie (Hirsutismus, Akne, Zyklusstörungen), meist im Rahmen der PCOS-Diagnostik, oft zusammen mit DHEA-S.7
  • Als Stoffwechselsignal – eine niedrige SHBG begleitet Adipositas, Insulinresistenz und metabolisches Syndrom.5
  • Zur Einordnung, wenn Schilddrüse oder Leber die Hormonwerte verzerren: Schilddrüsenwerte und Leberwerte gehören dann zur Beurteilung.1

Muss man für die SHBG nüchtern sein?

Für die SHBG selbst ist Nüchternheit nicht entscheidend – der Wert schwankt kaum mit der Mahlzeit und kennt keinen ausgeprägten Tagesrhythmus. Entscheidend ist die Begleitbestimmung: Testosteron wird morgens zwischen 8 und 10 Uhr und nüchtern abgenommen, und weil SHBG und Testosteron in dieselbe Rechnung eingehen, gilt diese Vorgabe dann auch für die gemeinsame Blutentnahme. Kommen Blutzucker oder Triglyceride auf denselben Laborzettel, ist Nüchternheit ohnehin gefordert. Halten Sie sich an die Anweisung auf Ihrer Überweisung.

SHBG-Normalwerte: Tabelle

Die SHBG wird in nmol/l angegeben. Die Bereiche hängen stark von Geschlecht, Alter und Messverfahren ab. Die folgenden Werte stammen aus dem Laborkatalog der Universitätsmedizin Rostock (Elektrochemilumineszenz-Immunoassay, ECLIA) und stimmen mit den Angaben des Endokrinologikums Hamburg für dasselbe Verfahren überein:39

GruppeSHBGEinheit
Mann, 20–50 Jahre18,3 – 54,1nmol/l
Mann, über 50 Jahre20,6 – 76,7nmol/l
Frau, 20–50 Jahre32,4 – 128nmol/l
Frau, über 50 Jahre27,1 – 128nmol/l

Warum Ihr Befund andere Zahlen nennen kann. Ein deutsches Labor, das ein Chemilumineszenz-Verfahren (CLIA) einsetzt, gibt für dieselbe Größe Frauen 18–144 nmol/l und Männer 10–57 nmol/l an – ohne Altersstaffelung.4 Ein urologisches Standardwerk nennt schlicht „15–60 nmol/l, je nach Labor und Alter".10 Das ist kein Widerspruch, sondern Methodenabhängigkeit: Maßgeblich ist immer der Referenzbereich, der auf Ihrem Befund gedruckt ist. Ein Laborwechsel kann einen Sprung erzeugen, der keiner ist.

Zwei Konstanten bleiben über alle Verfahren hinweg: Die SHBG ist bei Frauen deutlich höher als bei Männern, und sie steigt beim Mann mit dem Alter.31

Freies Testosteron und freier Androgenindex berechnen

Weil nur 1–3 % des Testosterons frei vorliegen, wird der freie Anteil in der Praxis berechnet statt direkt gemessen. Es gibt zwei Wege – und die deutschen Quellen bewerten sie unterschiedlich, je nachdem, ob es um Männer oder Frauen geht. Das sollten Sie wissen, bevor Sie eine Zahl auf Ihrem Befund überbewerten.

Der freie Androgenindex (FAI) ist die einfachere Rechnung:

FAI = Gesamttestosteron (nmol/l) × 100 ÷ SHBG (nmol/l)

Beim Mann liegt der FAI altersabhängig etwa zwischen 30 und 150; Werte unter 30 sprechen für einen relativen Testosteronmangel.10 Viele Labore berechnen den FAI automatisch mit, sobald Testosteron und SHBG gemeinsam angefordert werden.4

Der Haken: Der FAI berücksichtigt das Albumin nicht und gilt deshalb als weniger zuverlässig als die direkte Berechnung des freien Testosterons.10 Die AkdÄ geht weiter: Für die Abklärung des männlichen Hypogonadismus im Graubereich sei das berechnete freie Testosteron (nach der Vermeulen-Formel aus Gesamt-Testosteron, SHBG und Albumin) „die einzige valide Methode"; Assays zur direkten Bestimmung des freien Testosterons und auch der freie Androgenindex seien „diesbezüglich obsolet".12

Bei der Frau lautet die deutsche Empfehlung anders. Die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie zum PCOS empfiehlt im vollen Konsens (14/14), zum laborchemischen Nachweis einer Hyperandrogenämie „vorzugsweise Gesamttestosteron, Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG), Freier Androgenindex (FAI) und ggf. Androstendion und Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHEAS)" heranzuziehen. Der Grund ist praktisch: Das Gesamttestosteron erfasst nur 20–30 % der Frauen mit PCOS, der berechnete FAI oder das freie Testosteron dagegen 50–60 %.7

Beide Aussagen sind gültig – sie betreffen unterschiedliche Fragestellungen. Und beide Rechenwege bleiben Schätzungen: Wegen der begrenzten Sensitivität und Spezifität der Assays existieren laut derselben Leitlinie keine absoluten Referenzwerte für Gesamttestosteron, freies Testosteron oder FAI zur PCOS-Diagnose.7

Ergebnisse verstehen

SHBG niedrig

Eine niedrige SHBG erhöht den freien Anteil der Sexualhormone. Die AkdÄ listet als Ursachen einer SHBG-Hemmung: Adipositas, Diabetes mellitus und Insulinresistenz, Androgentherapie, Akromegalie, Schilddrüsenunterfunktion, nephrotisches Syndrom, Glukokortikoide und Gestagene.1

In der Praxis dominiert die metabolische Gruppe. Der Zusammenhang mit der Insulinresistenz ist gut belegt: Erhöhtes Insulin drosselt die SHBG-Bildung in der Leber, und eine niedrige SHBG sagt das Auftreten eines Typ-2-Diabetes bei Frauen wie Männern voraus.56 Deshalb lohnt bei einer niedrigen SHBG der Blick auf Blutzucker, HbA1c, Cholesterinwerte und das Körpergewicht.

Wichtig zur Erwartungshaltung: Auch wenn die SHBG mit der Insulinresistenz zusammenhängt, empfiehlt die DGE-Leitlinie ausdrücklich, bei Frauen mit PCOS keine Parameter der Insulinresistenz zu bestimmen (Konsens 11/11) – außer in Studien. Der Goldstandard, der Glukose-Clamp, ist praxisuntauglich, und die Ersatzverfahren gelten als methodisch unklar. Stattdessen sind bei gesichertem PCOS initial HbA1c und Nüchternglukose bei allen Patientinnen empfehlenswert, bei BMI über 25 kg/m² oder entsprechender Vorgeschichte zusätzlich ein oraler Glukosetoleranztest mit 75 g Glukose.7 Ein isoliert bestimmtes Insulin ist also kein Diagnosekriterium – die SHBG bleibt hier das robustere Signal.

SHBG erhöht

Eine hohe SHBG senkt den freien Anteil. Als Ursachen einer SHBG-Stimulation nennt die AkdÄ: höheres Alter, Androgenmangel, Wachstumshormonmangel, Schilddrüsenüberfunktion, Anorexia nervosa, Hepatitis und Leberzirrhose, das Antiepileptikum Phenytoin sowie eine HIV-Erkrankung.1

Dazu kommt die häufigste Alltagsursache bei Frauen: die Östrogenwirkung auf die Leber. Orale Kontrazeptiva erhöhen die SHBG regelhaft.9 Die DGE-Leitlinie beschreibt den Mechanismus im Detail – die antiandrogene Wirkung kombinierter Pillen beruht wesentlich auf einer verstärkten hepatischen SHBG-Bildung durch die Östrogenkomponente, wobei Ethinylestradiol den stärksten Effekt hat und Präparate mit 30–35 µg EE höhere SHBG-Spiegel erzeugen als niedrig dosierte.7 Auch in der Schwangerschaft steigt die SHBG über denselben Weg deutlich an; allgemeine Referenzbereiche passen dann nicht mehr.

Beim Mann kann eine hohe SHBG ein niedriges freies Testosteron maskieren, obwohl der Gesamtwert normal aussieht – der klassische Fall für die Berechnung.1

Das Dreieck SHBG – Testosteron – Östradiol

Praktisch ergibt sich daraus eine einfache Lesart. Niedrige SHBG bei normalem Gesamt-Testosteron heißt: Der freie Anteil ist höher, als die Zahl vermuten lässt – bei der Frau mit Hirsutismus oder Akne ist das der relevante Befund. Hohe SHBG bei grenzwertigem Gesamt-Testosteron heißt: Der freie Anteil kann zu niedrig sein, obwohl der Gesamtwert beruhigt. Bei Frauen mit PCOS und oft niedriger SHBG gilt dasselbe für das Östradiol: Es ist von einer erhöhten Verfügbarkeit des freien Anteils auszugehen.7 Erst dieses Dreieck – nicht ein einzelner Wert – ergibt ein Bild.

Einflussfaktoren

Neben den genannten Erkrankungen verändern die SHBG: das Alter (Anstieg beim Mann), das Körpergewicht, die Schilddrüsenfunktion in beide Richtungen – ein Blick auf den TSH-Wert lohnt daher fast immer –, die Leberfunktion, jede Östrogen- oder Gestagentherapie, Androgene und Anabolika, Glukokortikoide sowie Unterernährung.19 Nennen Sie im Gespräch immer Ihre Medikamente, Ihre Verhütungsmethode und eine mögliche Schwangerschaft – ohne diese Angaben ist der Wert kaum interpretierbar.

Und die Richtung stimmt auch umgekehrt: Nach deutlicher Gewichtsabnahme steigt die SHBG messbar an. In einer Metaanalyse zu bariatrischer Chirurgie bei Frauen mit PCOS (14 Studien, 501 Frauen) sanken nach einer mittleren BMI-Senkung von 13,3 kg/m² Testosteron und freier Androgenindex, während die SHBG-Konzentrationen deutlich anstiegen; Zyklusstörungen gingen von 81 % auf 15 % zurück.7

Neue Erkenntnisse aus der Forschung

  • Deutsche Kohortendaten: SHBG erklärt Geschlechtsunterschiede beim Zucker. Die bevölkerungsbasierte KORA-F4-Studie (n = 1 937, mittleres Alter 54 Jahre, 41 % Frauen, Nachbeobachtung KORA FF4 über median 6,5 Jahre) fand, dass die SHBG rund 30 % des Unterschieds zwischen Frauen und Männern beim Nüchternblutzucker vermittelt – und einen erheblichen Anteil des Unterschieds bei der Typ-2-Diabetes-Inzidenz.11
  • SHBG als „Hepatokin". Eine Übersicht fasst zusammen, dass die hepatische De-novo-Lipogenese einer der mechanistischen Verbindungen zwischen metabolischem Syndrom und niedriger SHBG ist, und dass Mendelsche Randomisierung auf eine kausale Rolle der SHBG bei der Entstehung des Typ-2-Diabetes bei Frauen hindeutet – mit der Perspektive SHBG-anhebender Therapien.12
  • Frühmarker beim PCOS. Eine niedrige hepatische SHBG-Produktion könnte ein Schlüsselschritt in der Entstehung des PCOS sein, mit engem Bezug zur Fettleber; die SHBG wird als diagnostischer Biomarker und therapeutisches Ziel diskutiert.8
  • Prognose bei älteren Männern. In einer Kohorte von 3 948 Männern ab 50 Jahren (949 Todesfälle in durchschnittlich 10,5 Jahren) war eine niedrige SHBG mit höherer Gesamt- und kardiovaskulärer Sterblichkeit assoziiert (HR 1,25 bzw. 1,28 im Vergleich zum dritten Quartil). Kausalität ist damit nicht belegt.13

Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

Lassen Sie Ihre SHBG im Zusammenhang lesen

Eine SHBG-Zahl allein sagt nichts. Erst zusammen mit Testosteron, Östradiol, Ihrer Schilddrüse, Ihrem Gewicht, Ihrer Verhütung und dem übrigen Hormonstatus ergibt sie ein Bild.

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Häufige Fragen

Was sagt der SHBG-Wert aus? Er sagt, wie viel Ihres Testosterons und Östradiols gebunden – also unwirksam – im Blut zirkuliert. Die SHBG bindet 50–70 % des Testosterons; nur 1–3 % liegen frei vor. Der SHBG-Wert verändert deshalb die Bedeutung Ihrer Hormonwerte, ohne selbst eine Krankheit anzuzeigen.1

Welcher SHBG-Wert ist normal? Orientierend 18,3–54,1 nmol/l beim Mann und 32,4–128 nmol/l bei der Frau zwischen 20 und 50 Jahren; über 50 verschieben sich beide Bereiche nach oben bzw. unten.3 Andere Messverfahren nennen deutlich weitere Bereiche – maßgeblich ist der Referenzbereich auf Ihrem Befund.4

Was bedeutet eine niedrige SHBG? Meist ein Stoffwechselsignal: Adipositas, Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, außerdem Schilddrüsenunterfunktion, Androgene, Glukokortikoide oder Gestagene.1 Der freie Hormonanteil ist dann höher, als der Gesamtwert vermuten lässt.

Was bedeutet eine erhöhte SHBG? Häufig eine Östrogenwirkung (Pille, Hormontherapie, Schwangerschaft), eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Lebererkrankung, Untergewicht bzw. Anorexia nervosa oder schlicht höheres Lebensalter.19

Warum wird die SHBG zusammen mit Testosteron bestimmt? Weil das Gesamt-Testosteron allein nicht entscheidet. Liegt es beim Mann unter 12 nmol/l, soll es kontrolliert werden – zusammen mit LH, Prolaktin und SHBG; im Graubereich wird daraus das freie Testosteron berechnet.1

Wie berechnet man den freien Androgenindex? FAI = Gesamttestosteron (nmol/l) × 100 ÷ SHBG (nmol/l).10 Beim Mann liegt er etwa zwischen 30 und 150. Es bleibt eine Schätzung: Der FAI ignoriert das Albumin, und für die PCOS-Diagnose existieren keine absoluten Referenzwerte.7

Hat eine auffällige SHBG etwas mit Krebs zu tun? Nein. Die SHBG ist kein Tumormarker. Ein auffälliger Wert verweist auf Stoffwechsel, Schilddrüse, Leber oder eine Östrogenwirkung.

Erhöht die Pille die SHBG? Ja, regelhaft. Die antiandrogene Wirkung kombinierter oraler Kontrazeptiva beruht wesentlich auf einer verstärkten SHBG-Bildung in der Leber; Ethinylestradiol hat davon den stärksten Effekt.79

Muss ich für die SHBG nüchtern sein? Für die SHBG selbst nicht zwingend. Da sie meist mit Testosteron bestimmt wird, gilt in der Praxis dessen Vorgabe: morgens zwischen 8 und 10 Uhr, nüchtern.

Lässt sich eine niedrige SHBG anheben? Nicht der Wert wird behandelt, sondern die Ursache. Nach deutlicher Gewichtsabnahme steigt die SHBG belegt an, ebenso verbessert sich der freie Androgenindex.7 Welche Schritte für Sie sinnvoll sind, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Das Wichtigste zum Schluss

Die SHBG ist das Transportprotein, das über den freien – und damit wirksamen – Anteil von Testosteron und Östradiol entscheidet. Ihr Wert wird deshalb nie isoliert gelesen, sondern immer neben dem Gesamt-Testosteron, aus dem sich freies Testosteron oder FAI berechnen lassen – als Schätzung, nicht als Messung. Merken Sie sich die Richtung: hohe SHBG deutet auf Östrogene, Schilddrüsenüberfunktion, Leber oder Alter und senkt den freien Anteil; niedrige SHBG deutet auf Adipositas, Insulinresistenz, Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion und erhöht ihn. Ein Tumormarker ist die SHBG nicht. Ordnen Sie den Wert in Ihren gesamten Hormonstatus ein – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Offizielle deutsche Quellen und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Diederich S. Differenzialdiagnostik und -therapie des männlichen Hypogonadismus. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Arzneiverordnung in der Praxis, vorab online 1. Februar 2021 (Tabelle 2 zur SHBG-Regulation; freies berechnetes Testosteron als einzige valide Methode, FAI „obsolet"). akdae.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

  2. Vermeulen A, Verdonck L, Kaufman JM. A critical evaluation of simple methods for the estimation of free testosterone in serum. J Clin Endocrinol Metab, 1999. PubMed · DOI 2

  3. Universitätsmedizin Rostock, Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin – Sexualhormon bindendes Globulin (SHBG), Laborkatalog, Referenzbereiche nach Geschlecht und Alter (ECLIA). ilab.med.uni-rostock.de 2 3 4

  4. MVZ Labor Koblenz – Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG), Leistungsverzeichnis (CLIA: Frauen 18–144 nmol/l, Männer 10–57 nmol/l; automatische FAI-Berechnung bei gleichzeitiger Testosteronanforderung). labor-koblenz.de 2 3 4

  5. Wallace IR, McKinley MC, Bell PM, Hunter SJ. Sex hormone binding globulin and insulin resistance. Clin Endocrinol (Oxf), 2013. PubMed · DOI 2 3

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  7. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) – S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS), AWMF-Registriernummer 089-004, Version 1.1, Erstveröffentlichung 08/2024, nächste Überprüfung geplant 08/2028 (gültig, keine Konsultationsfassung). Empfehlung 1.2.7 (Konsens 14/14) und Empfehlung 1.3.2 (Konsens 11/11). register.awmf.org 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  8. Qu X, Donnelly R. Sex Hormone-Binding Globulin (SHBG) as an Early Biomarker and Therapeutic Target in Polycystic Ovary Syndrome. Int J Mol Sci, 2020. PubMed · DOI 2

  9. Endokrinologikum / Aesculabor Hamburg – Sexualhormonbindendes Globulin, Leistungsverzeichnis (identische ECLIA-Referenzbereiche; SHBG-Erhöhung als Folge einer Estrogeneinwirkung auf die Leber, Anstieg unter oralen Kontrazeptiva). endokrinologikum-aesculabor.de 2 3 4 5

  10. Manski D. Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) und Freier Androgenindex. Urologielehrbuch.de (FAI-Formel, Normbereich Mann 30–150, Einschränkung wegen fehlender Albuminberücksichtigung). urologielehrbuch.de 2 3 4

  11. Raeisi-Dehkordi H, Amiri M, Rathmann W, et al. Sex hormone-binding globulin may explain sex differences for glucose homeostasis and incidence of type 2 diabetes: the KORA study. Eur J Epidemiol, 2024. PubMed · DOI

  12. Simons PIHG, Valkenburg O, Stehouwer CDA, Brouwers MCGJ. Sex hormone-binding globulin: biomarker and hepatokine? Trends Endocrinol Metab, 2021. PubMed · DOI

  13. Li MJ, Jiang CQ, Jin YL, et al. Association of Testosterone and Sex Hormone-Binding Globulin With All-Cause and Cardiovascular Disease Mortality in Older Chinese Men. J Gerontol A Biol Sci Med Sci, 2024. PubMed · DOI

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