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hs-CRP: Normalwerte, Risikostufen und Aussagekraft

hs-CRP ist derselbe Stoff wie CRP, nur feiner gemessen: unter 1 mg/l niedriges, über 3 mg/l hohes Risiko. Die DGK empfiehlt den Test nicht routinemäßig.

Publié le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

hs-CRP steht für high-sensitivity C-reactive protein, auf Deutsch hochsensitives C-reaktives Protein. Der wichtigste Satz zuerst: Es ist kein anderer Laborwert als der gewöhnliche CRP-Wert, sondern exakt dieselbe Substanz – gemessen mit einem Verfahren, das im unteren Bereich der Skala noch sauber auflöst. Der Standardtest beantwortet die Frage „Liegt gerade eine akute Entzündung vor?". Der hochsensitive Test versucht etwas anderes: eine sehr niedrigschwellige Dauerentzündung zu graduieren, wie sie bei der Arterienverkalkung eine Rolle spielt – als Baustein der Herz-Kreislauf-Risikobewertung. Dieser Ratgeber erklärt die Risikostufen, die eine Bedingung, ohne die der Wert wertlos ist, und was deutsche Leitlinien wirklich dazu sagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gleiches Molekül, anderer Messbereich. hs-CRP und CRP sind derselbe Stoff; nur die Empfindlichkeit der Methode und damit die Fragestellung unterscheiden sich.12
  • Risikostufen (Heparin-Plasma): unter 1,00 mg/l kein erhöhtes, 1,00–3,00 mg/l mittelgradiges, über 3,00 mg/l hohes kardiovaskuläres Risiko.1
  • Die entscheidende Einschränkung: Jede Infektion, Verletzung, Operation oder entzündliche Schubsituation treibt den Wert nach oben und macht die Herz-Risiko-Deutung gegenstandslos. Deutsche Labore raten, erst rund zwei Wochen nach einer akuten Erkrankung Blut abzunehmen.21
  • Die DGK empfiehlt ihn nicht routinemäßig. In der Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird die routinemäßige Erhebung zirkulierender Biomarker als Risikomodifikator mit Empfehlungsgrad III („nicht empfohlen") geführt.3
  • Die NVL Chronische KHK erwähnt hs-CRP überhaupt nicht – in der Langfassung Version 7.0 (2024) kommt der Begriff CRP kein einziges Mal vor.4
  • Beim IGeL-Monitor gibt es dazu keine Bewertung; der Test steht nicht in der IGeL-A–Z-Liste.5
  • Kassenleistung? Nein, nicht in der Prävention. Der Check-up 35 enthält als Blutwerte nur Lipidprofil und Nüchternplasmaglucose, und der EBM kennt keine eigene Ziffer für hs-CRP.67

hs-CRP und CRP: derselbe Stoff, zwei Messbereiche

Das C-reaktive Protein ist ein Akute-Phase-Protein der Leber. Bei einer richtigen Entzündung steigt es auf Dutzende bis Hunderte mg/l – das ist die klassische Anwendung, die wir im Ratgeber CRP-Wert und im Überblick Entzündungswerte beschreiben. Die Arterienverkalkung geht dagegen mit einer chronischen Entzündung von sehr niedrigem Grad einher, die das CRP nur minimal anhebt – in einem Bereich unter etwa 3 mg/l, in dem der Standardtest schlicht nicht fein genug misst.

Genau dort setzt die hochsensitive Bestimmung an: Sie weist CRP schon in sehr niedriger Konzentration nach.2 Es ist kein „besserer" oder „genauerer" Entzündungstest. Die Uniklinik Köln formuliert das in ihrem Leistungsverzeichnis unmissverständlich: hs-CRP sei ein prädiktiver Marker zur Abschätzung des kardiovaskulären Erkrankungsrisikos „und sollte nicht als allgemeiner Entzündungsmarker eingesetzt werden".1 Wer wissen will, ob gerade eine Infektion läuft, braucht nicht die hochsensitive Variante, sondern das normale CRP, die BSG oder – bei bakteriellem Verdacht – das Procalcitonin.

Umgekehrt gilt: hs-CRP sagt nichts über eine Schädigung des Herzmuskels aus. Dafür sind Troponin und BNP zuständig. hs-CRP ist ein Risikomarker, kein Ereignismarker.

hs-CRP: Risikostufen und Tabelle

Anders als bei den meisten Laborwerten wird hs-CRP nicht als „normal/nicht normal" gelesen, sondern in Risikostufen. Die Uniklinik Köln gibt sie für Heparin-Plasma so an:1

hs-CRPentsprichtEinordnung
unter 1,00 mg/lunter 0,1 mg/dlkein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko12
1,00 – 3,00 mg/l0,1 – 0,3 mg/dlmittelgradiges Risiko12
über 3,00 mg/lüber 0,3 mg/dlhohes Risiko12
über 10 mg/lüber 1,0 mg/dlfür die Herz-Risikobewertung nicht verwertbar – akute Entzündung2

⚠️ Achten Sie auf die Einheit. Deutsche Befunde nutzen mg/l oder mg/dl, dazwischen liegt der Faktor 10. Manche Labore drucken zusätzlich einen methodischen Referenzbereich (bei einem Anbieter etwa < 0,175 mg/dl), der nicht mit den Risikostufen identisch ist.2 Maßgeblich ist immer das, was neben Ihrem Wert steht.

Woher kommen diese Stufen? Sie gehen auf eine gemeinsame Stellungnahme der American Heart Association und der CDC von 2003 zurück – eine US-Quelle, auf die deutsche Labore ausdrücklich verweisen, weil es keine eigene deutsche Grenzwertfestlegung gibt.82 Es handelt sich um Risikoorientierungen aus Beobachtungsdaten, nicht um amtliche Grenzwerte, und ihr praktischer Nutzen ist genau der Punkt, der bis heute umstritten ist (siehe unten).

Die eine Bedingung, ohne die der Wert nichts wert ist

Das ist die nützlichste Information dieser Seite. hs-CRP misst dasselbe Protein wie das normale CRP – es reagiert also auf alles, worauf CRP reagiert. Eine banale Erkältung, ein Zahnabszess, eine verstauchte Schulter, eine Operation, ein Rheumaschub, eine Impfreaktion: Jedes dieser Ereignisse hebt den Wert um ein Vielfaches der gesamten Risikoskala an. Ein hs-CRP von 18 mg/l zwei Tage nach einer Bronchitis bedeutet kein katastrophales Herzrisiko, sondern eine Bronchitis.

Deutsche Labore ziehen daraus eine klare Konsequenz: Die Blutentnahme „sollte erst ca. zwei Wochen nach einer akuten Erkrankung erfolgen".2 Und die Uniklinik Köln weist darauf hin, dass hs-CRP-Konzentrationen bei Infektionen und Entzündungsprozessen ansteigen, was die Bewertung im Einzelfall erschwert – weshalb Verlaufsbestimmungen über die Zeit nötig sind.1

Praktisch heißt das:

  • Ein einzelner hs-CRP-Wert trägt keine Aussage. Üblich sind zwei Messungen im Abstand von etwa zwei Wochen, jeweils in beschwerdefreiem Zustand.
  • Sagen Sie in der Praxis von sich aus, wenn Sie in den letzten Wochen krank waren, geimpft wurden, operiert wurden oder sich verletzt haben. Das ändert die Bewertung vollständig.
  • Über 10 mg/l wird nicht interpretiert, sondern zu einem späteren Zeitpunkt kontrolliert.

Wer diesen Punkt überliest, kauft im Zweifel ein Ergebnis, das nichts über sein Herz aussagt.

Was deutsche Leitlinien und Institutionen wirklich sagen

Hier wird es unbequem, und wir geben es so wieder, wie wir es vorgefunden haben.

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK). In der Pocket-Leitlinie Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Version 2021, die deutsche Fassung der ESC-Leitlinie) steht im Kapitel Risikomodifikatoren wörtlich: „Die routinemäßige Erhebung anderer potenzieller Modifikatoren, wie genetische Risikoscores, zirkulierende oder Urin-Biomarker, vaskuläre Tests oder bildgebende Verfahren (außer CAC-Scoring oder Karotis-Ultraschall zur Plaque-Bestimmung), wird nicht empfohlen." Empfehlungsgrad III, Evidenzgrad B.3 hs-CRP wird dort nicht namentlich genannt, fällt aber unter die zirkulierenden Biomarker. Als Risikomodifikatoren durchgelassen werden stattdessen der Koronarkalk-Score und der Karotis-Ultraschall.

Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK. In der Langfassung Version 7.0 (August 2024, Träger BÄK, KBV und AWMF) kommt der Begriff CRP kein einziges Mal vor – weder als Diagnostik- noch als Risikoparameter.4 Ein Schweigen ist keine Ablehnung, aber es zeigt, welchen Stellenwert der Wert in der deutschen Regelversorgung der KHK hat: keinen.

IGeL-Monitor. Entgegen einer verbreiteten Annahme existiert keine Bewertung des IGeL-Monitors zu hs-CRP: In der A–Z-Liste bewerteter Leistungen taucht der Test nicht auf.5 Wir erfinden hier kein Urteil. Zur Einordnung: Benachbarte kardiovaskuläre Früherkennungsangebote wurden bewertet – das EKG zur Früherkennung einer koronaren Herzerkrankung und der Ultraschall der Halsschlagadern zur Schlaganfallvorsorge jeweils mit „tendenziell negativ".5

Deutsche HTA-Bewertung. Am direktesten wurde die Frage in einem Bericht der Deutschen Agentur für Health Technology Assessment (DAHTA beim DIMDI) untersucht. Schlussfolgerung im Wortlaut: „Es liegt keine ausreichende Evidenz dafür vor, dass bei der globalen Risikobestimmung für eine KHK oder kardiovaskuläre Erkrankung zusätzlich zu den traditionellen Risikofaktoren […] eine Bestimmung der hs-CRP-Werte vorgenommen werden sollte." Zugleich hält der Bericht fest, dass hs-CRP die Vorhersagegüte rechnerisch erhöht – nur sei ungeklärt, ob daraus weniger Herzinfarkte und Todesfälle folgen. Am ehesten klinisch relevant erscheine der Test bei mittlerem Risiko (5–20 % in zehn Jahren).9 Der Bericht ist von 2009 und damit alt; eine neuere deutsche HTA-Bewertung existiert nicht.

Zahlt die Krankenkasse den hs-CRP-Test?

In der Vorsorge in aller Regel nicht. hs-CRP gehört nicht zum Leistungsumfang der Gesundheitsuntersuchung („Check-up 35"): Der Gemeinsame Bundesausschuss listet in deren Anlage 1 als Blutuntersuchungen ausschließlich das Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyceride) sowie die Nüchternplasmaglucose.6

Im EBM gibt es zudem keine eigene Gebührenordnungsposition für hs-CRP. Aufgeführt sind nur der immunologische CRP-Nachweis (GOP 32128, 1,12 €) und die quantitative CRP-Bestimmung (GOP 32460, 3,36 €), jeweils als kurative Leistung bei entsprechender Indikation.7 Wird der Test als Selbstzahlerleistung angeboten, läuft die Abrechnung über die GOÄ-Ziffer 3741, einfacher Satz 11,66 €.2 In Paketen wie „Gefäß-Check" oder „Herz-Check" liegt der Endpreis deutlich darüber. Das erklärt, warum um diesen einen Laborwert ein so aktiver kommerzieller Markt besteht – und ist ein Grund mehr, vorher zu klären, welche Entscheidung das Ergebnis überhaupt ändern würde.

Was hs-CRP außerhalb des Herzens erhöht

Weil es dasselbe Molekül ist, hebt vieles den Wert, das mit den Arterien nichts zu tun hat. Deutsche Labore nennen als zu berücksichtigende Ko-Faktoren ausdrücklich Rauchen, Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, das metabolische Syndrom und eine postmenopausale Hormonersatztherapie.2 Das IQWiG führt für CRP allgemein zusätzlich hormonelle Verhütungsmittel, starke körperliche Belastung und Gewebeverletzungen auf.10 Dazu kommen Schwangerschaft und entzündlich-rheumatische sowie Autoimmunerkrankungen.

Zwei Ursachen werden regelmäßig übersehen:

  • Obstruktive Schlafapnoe. Eine Metaanalyse zu chirurgischen Eingriffen bei obstruktiver Schlafapnoe zeigte, dass die CRP-Spiegel nach erfolgreicher Behandlung signifikant sinken – ein Hinweis darauf, dass die unbehandelte Schlafapnoe selbst zur Entzündungslast beiträgt.11
  • Parodontitis. Eine systematische Übersicht randomisierter Studien fand, dass die Behandlung einer Parodontitis das CRP messbar senkt.12 Eine chronische Zahnfleischentzündung kann einen hs-CRP-Wert also mitprägen.

Keiner dieser Punkte ist ein Grund zur Beunruhigung – aber jeder ist ein Grund, ein Ergebnis nicht vorschnell dem Herzen zuzuschreiben. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nie eigenmächtig ab, um „den Wert zu verbessern".

Neues aus der Forschung

Aus in PubMed gelisteten Veröffentlichungen:

  • JUPITER – der Ausgangspunkt, mit Vorbehalt. In diese randomisierte Studie wurden 17 802 scheinbar gesunde Personen mit LDL unter 130 mg/dl, aber hs-CRP ab 2,0 mg/l eingeschlossen. Rosuvastatin senkte den kombinierten Endpunkt deutlich (Hazard Ratio 0,56).13 Was die Studie nicht zeigt: dass ein hs-CRP-Screening nützt. Das Statin senkte das LDL um 50 % und das hs-CRP um 37 % – der Effekt lässt sich nicht der Entzündung allein zuschreiben. Die deutsche HTA-Bewertung hält dazu ausdrücklich fest, der Nachweis eines Statineffekts bei erhöhtem hs-CRP sei „nicht ausreichend, um einen zusätzlichen klinischen Nutzen eines hs-CRP-Screenings zu belegen".9
  • CANTOS – Beweis des Prinzips, kein Einzug in die Praxis. Bei 10 061 Patientinnen und Patienten nach Herzinfarkt mit hs-CRP ab 2 mg/l senkte der Interleukin-1β-Antikörper Canakinumab die Ereignisrate (Hazard Ratio 0,85 in der 150-mg-Gruppe) – ohne die Blutfette zu verändern. Das war der erste direkte Beleg, dass Entzündung ursächlich beteiligt ist. Aber: Es gab mehr tödliche Infektionen, und die Gesamtsterblichkeit sank nicht signifikant.14 Entsprechend ist Canakinumab in der EU bis heute nicht zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Ereignissen zugelassen, sondern nur für periodische Fiebersyndrome, Morbus Still und Gichtarthritis.15 CANTOS hat die Wissenschaft verändert, nicht die Sprechstunde.
  • 30 Jahre Beobachtung. Eine Auswertung von 27 939 anfangs gesunden Frauen über 30 Jahre zeigte, dass hs-CRP, LDL-Cholesterin und Lipoprotein(a) jeweils unabhängig voneinander das Risiko vorhersagten; für hs-CRP betrug das adjustierte Risikoverhältnis zwischen oberstem und unterstem Fünftel 1,70. Die beste Trennschärfe ergab sich, wenn alle drei Marker zusammen betrachtet wurden.16 Das stützt die Idee eines eigenständigen Entzündungsanteils – beantwortet aber nicht, ob ein Test daraus eine bessere Behandlung macht.

Diese Erkenntnisse betreffen die ärztliche Einordnung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

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Ein hs-CRP-Wert allein ergibt keinen Sinn. Er lebt vom Kontext: von Ihren Blutfetten und dem LDL, vom Apolipoprotein B, vom Blutzucker und HbA1c, vom Lipoprotein(a), von Blutdruck, Rauchstatus – und davon, dass er außerhalb jeder akuten Erkrankung gemessen wurde.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen CRP und hs-CRP? Es ist derselbe Stoff. Unterschiedlich sind nur die Empfindlichkeit der Messmethode im niedrigen Bereich und damit die Fragestellung: Das normale CRP klärt eine akute Entzündung, hs-CRP versucht eine niedrigschwellige Dauerentzündung für die Herz-Kreislauf-Risikobewertung zu graduieren.12

Was ist ein normaler hs-CRP-Wert? Es gibt keinen „Normalwert" im üblichen Sinn, sondern Risikostufen: unter 1,00 mg/l kein erhöhtes, 1,00–3,00 mg/l mittelgradiges, über 3,00 mg/l hohes kardiovaskuläres Risiko.1 Diese Stufen stammen aus einer US-Stellungnahme von 2003 und sind Orientierungen, keine amtlichen Grenzwerte.8

Mein hs-CRP liegt über 10 – habe ich ein extremes Herzrisiko? Nahezu sicher nein. Werte in dieser Höhe sprechen für eine akute Entzündung oder Infektion und werden für die Herz-Risikobewertung nicht interpretiert. Sinnvoll ist eine Kontrolle rund zwei Wochen nach dem akuten Ereignis.21

Wird hs-CRP in Deutschland zur Vorsorge empfohlen? Nein. Die DGK führt die routinemäßige Erhebung zirkulierender Biomarker mit Empfehlungsgrad III („nicht empfohlen"), die NVL Chronische KHK erwähnt CRP gar nicht, und die deutsche HTA-Bewertung sah keine ausreichende Evidenz für eine zusätzliche Bestimmung.349

Zahlt die Krankenkasse den hs-CRP-Test? In der Vorsorge in der Regel nicht: Der Check-up 35 enthält nur Lipidprofil und Nüchternplasmaglucose, und der EBM kennt keine eigene Ziffer für hs-CRP.67 Als Selbstzahlerleistung wird meist die GOÄ-Ziffer 3741 abgerechnet (einfacher Satz 11,66 €).2

Muss ich für hs-CRP nüchtern sein? Für den Wert selbst nicht. Entscheidend ist nicht der Zeitpunkt am Tag, sondern der Abstand zu jeder akuten Erkrankung.2 Nüchternheit kann nötig werden, wenn gleichzeitig Blutzucker oder Blutfette bestimmt werden – halten Sie sich an die Vorgabe Ihrer Praxis.

Was kann einen hs-CRP-Wert senken? Alles, was die zugrunde liegende Entzündungslast verringert: Rauchstopp, Gewichtsabnahme, Bewegung, Behandlung einer Schlafapnoe oder einer Parodontitis; Statine senken den Wert ebenfalls.21112 Behandelt wird jedoch das Risiko insgesamt, nicht die Zahl – das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Bedeutet ein hoher hs-CRP-Wert Krebs? Nein, hs-CRP ist kein Tumormarker. Ein deutlich erhöhter Wert spricht in aller Regel für eine banale akute Entzündung. Wie selten ein erhöhter Entzündungswert mit einer Krebsdiagnose einhergeht, beziffern wir im Ratgeber CRP-Wert.

Das sollten Sie mitnehmen

hs-CRP ist dieselbe Substanz wie CRP, nur im unteren Bereich feiner gemessen – und deshalb für eine andere Frage gedacht: die Abschätzung eines kardiovaskulären Risikos, nicht die Suche nach einer Infektion.1 Merken Sie sich die Stufen (unter 1 / 1–3 / über 3 mg/l) und vor allem die Bedingung: ohne Abstand zu jeder akuten Erkrankung ist der Wert wertlos, weshalb deutsche Labore etwa zwei Wochen Karenz und Verlaufsbestimmungen empfehlen.21 Und seien Sie realistisch, was die Aussagekraft angeht: Die DGK empfiehlt die routinemäßige Bestimmung zirkulierender Biomarker nicht, die NVL Chronische KHK erwähnt CRP nicht, ein IGeL-Monitor-Urteil existiert nicht, und die deutsche HTA-Bewertung fand keine ausreichende Evidenz.3459 Am ehesten diskutiert wird der Test bei mittlerem Risiko – als ein Puzzleteil neben Blutfetten, Blutdruck, Rauchen und Diabetes. Genau dieses Zusammenlesen erleichtert Ihnen AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Institutionen und Universitätslabore sowie geprüfte Publikationen aus PubMed. Da es keine deutsche Festlegung der hs-CRP-Risikostufen gibt, greift dieser Ratgeber für deren Herkunft ausdrücklich ersatzweise auf die US-Stellungnahme zurück, auf die auch deutsche Labore verweisen:

Footnotes

  1. Uniklinik Köln, Institut für Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis: HsCRP (Heparin-Plasma: kein erhöhtes Risiko < 1,00 mg/l, mittelgradiges Risiko 1,00–3,00 mg/l, hohes Risiko > 3,00 mg/l; „HsCRP ist ein prädiktiver Marker zur Abschätzung des kardiovaskuläre Erkrankungsrisiko und sollte nicht als allgemeiner Entzündungsmarker eingesetzt werden"; Anstieg bei Infektionen erschwert die Einzelfallbewertung, Verlaufsbestimmungen erforderlich). uk-koeln.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

  2. MVZ für Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie Koblenz-Mittelrhein — Fachinformation Labordiagnostik: high-sensitivity CRP, QM-DD-018, Stand Juli 2020 (Nachweis unter 0,5 mg/dl; AHA/CDC-Risikobeurteilung geringes Risiko < 0,1 mg/dl, mittleres 0,1–0,3 mg/dl, hohes > 0,3 mg/dl; Referenzbereich < 0,175 mg/dl; „Die Blutentnahme sollte erst ca. 2 Wochen nach einer akuten Erkrankung erfolgen"; Ko-Faktoren Rauchen, Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, metabolisches Syndrom, postmenopausale Hormonersatztherapie; GOÄ-Ziffer 3741, 1,0-fach 11,66 €). labor-koblenz.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18

  3. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) — ESC Pocket Guidelines: Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Version 2021, Kap. 3.8 Risikomodifikatoren (Empfehlung: „Die routinemäßige Erhebung anderer potenzieller Modifikatoren, wie genetische Risikoscores, zirkulierende oder Urin-Biomarker, vaskuläre Tests oder bildgebende Verfahren (außer CAC-Scoring oder Karotis-Ultraschall zur Plaque-Bestimmung), wird nicht empfohlen." – Empfehlungsgrad III, Evidenzgrad B). leitlinien.dgk.org 2 3 4

  4. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF — Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, Langfassung, Version 7.0 (August 2024), AWMF-Register-Nr. nvl-004 (in der gesamten Langfassung kommt der Begriff „CRP" nicht vor). register.awmf.org 2 3 4

  5. IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) — IGeL A–Z, Liste aller bewerteten individuellen Gesundheitsleistungen (keine Bewertung zu hs-CRP oder CRP enthalten; „EKG zur Früherkennung einer koronaren Herzerkrankung" und „Ultraschall der Halsschlagadern zur Schlaganfallvorsorge" jeweils „tendenziell negativ"), abgerufen am 14.08.2026. igel-monitor.de 2 3 4

  6. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) — Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie, Anlage 1 (Blutuntersuchungen ab dem 35. Lebensjahr: Lipidprofil mit Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceriden sowie Nüchternplasmaglucose; kein CRP). g-ba.de 2 3

  7. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) — Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand: 3. Quartal 2026 (GOP 32128 „C-reaktives Protein" 1,12 €; GOP 32460 „C-reaktives Protein (CRP)" 3,36 €; keine eigene Gebührenordnungsposition für hochsensitives CRP). kbv.de 2 3

  8. Pearson TA, Mensah GA, Alexander RW, et al. Markers of inflammation and cardiovascular disease: application to clinical and public health practice — a statement for healthcare professionals from the Centers for Disease Control and Prevention and the American Heart Association. Circulation, 2003 (Ursprung der Risikostufen < 1, 1–3, > 3 mg/l). PubMed · DOI 2

  9. Schnell-Inderst P, Schwarzer R, Göhler A, Grandi N, et al. Prognostic value, clinical effectiveness and cost-effectiveness of high sensitivity C-reactive protein as a marker in primary prevention of major cardiac events. GMS Health Technology Assessment, 2009 — HTA-Bericht der Deutschen Agentur für HTA des DIMDI (DAHTA). Deutsche Kurzfassung: dimdi.de · PubMed · DOI 2 3 4

  10. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — C-reaktives Protein (CRP), gesundheitsinformation.de (Ursachen erhöhter Werte, darunter Gewebeverletzungen, starkes Rauchen, intensive körperliche Belastung und hormonelle Verhütungsmittel). gesundheitsinformation.de

  11. Kang KT, Yeh TH, Hsu YS, Ko JY, et al. Effect of sleep surgery on C-reactive protein levels in adults with obstructive sleep apnea: a meta-analysis. Laryngoscope, 2021 (signifikanter Abfall der CRP-Spiegel nach erfolgreicher Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe). PubMed · DOI 2

  12. Luthra S, Orlandi M, Hussain SB, Leira Y, et al. Treatment of periodontitis and C-reactive protein: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Journal of Clinical Periodontology, 2023 (die Behandlung einer Parodontitis senkt die CRP-Konzentration). PubMed · DOI 2

  13. Ridker PM, Danielson E, Fonseca FA, et al. Rosuvastatin to prevent vascular events in men and women with elevated C-reactive protein (JUPITER). New England Journal of Medicine, 2008 (17 802 Teilnehmende, LDL < 130 mg/dl und hs-CRP ≥ 2,0 mg/l; Hazard Ratio 0,56; LDL −50 %, hs-CRP −37 %). PubMed · DOI

  14. Ridker PM, Everett BM, Thuren T, et al. Antiinflammatory therapy with canakinumab for atherosclerotic disease (CANTOS). New England Journal of Medicine, 2017 (10 061 Patient*innen nach Herzinfarkt mit hs-CRP ≥ 2 mg/l; Hazard Ratio 0,85 unter 150 mg; keine Änderung der Lipidwerte; häufiger tödliche Infektionen; Gesamtsterblichkeit nicht signifikant verändert). PubMed · DOI

  15. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) — Ilaris (Canakinumab), EPAR: zugelassene Anwendungsgebiete sind periodische Fiebersyndrome (CAPS, TRAPS, HIDS/MKD, FMF), Morbus Still und Gichtarthritis; eine Zulassung zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse besteht nicht. ema.europa.eu

  16. Ridker PM, Moorthy MV, Cook NR, Rifai N, et al. Inflammation, cholesterol, lipoprotein(a), and 30-year cardiovascular outcomes in women. New England Journal of Medicine, 2024 (27 939 anfangs gesunde Frauen, 30 Jahre Nachbeobachtung; adjustierte Hazard Ratio oberstes vs. unterstes Quintil 1,70 für hs-CRP, 1,36 für LDL-Cholesterin, 1,33 für Lipoprotein(a)). PubMed · DOI

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