Vitamin E Mangel: Symptome, Blutwert und Überdosierung
Alpha-Tocopherol im Serum liegt beim Erwachsenen meist bei 12–42 µmol/l. Warum der Wert erst im Verhältnis zu den Blutfetten aussagekräftig wird.
Vitamin E ist ein fettlösliches Vitamin mit vor allem antioxidativer Wirkung: Es schützt die Membranen unserer Zellen. Im Blut wird es in seiner wichtigsten Form gemessen, dem Alpha-Tocopherol. Weil Vitamin E an den Fetten „mitfährt", lässt sich der Wert niemals ohne Ihre Blutfette beurteilen – dieser eine Punkt entscheidet darüber, ob ein niedriger Wert wirklich ein Mangel ist. Diese Seite erklärt die Normalwerte, was ein Vitamin-E-Mangel bedeutet, was bei Überdosierung droht und warum „mehr" hier ausdrücklich nicht „besser" heißt. Vitamin E gehört zu den Vitaminwerten und wird stets zusammen mit den Cholesterinwerten gelesen – wie die ebenfalls fettlöslichen Vitamin D und Vitamin A.
Das Wichtigste in Kürze
- Vitamin E umfasst acht Substanzen (vier Tocopherole, vier Tocotrienole). Beim Menschen ist Alpha-Tocopherol die wirksame Form – nur sie wird gemessen.12
- Orientierende Erwachsenenwerte deutscher Labore: 12,8–41,8 µmol/l (Uniklinik Ulm) bzw. 12,0–42,0 µmol/l (Endokrinologikum Hamburg), also rund 5,5–18 mg/l – je nach Labor verschieden.13
- ⚠️ Entscheidend: Vitamin E zirkuliert in den Lipoproteinen. Die deutsche S3-Leitlinie Mukoviszidose nennt als Ziel ein Verhältnis α-Tocopherol : Cholesterin über 5,4 mg/g – nicht einen absoluten Wert.4
- Ein echter Mangel ist sehr selten und entsteht fast immer durch eine Fettverdauungsstörung (Mukoviszidose, Cholestase, Zöliakie, Morbus Crohn, Adipositaschirurgie) oder eine seltene Erbkrankheit.15
- ⚠️ Vitamin-E-Präparate schützen weder Herz noch vor Krebs. Das IQWiG hält fest, dass Vitamin A, E und Betacarotin als Nahrungsergänzung „das Leben eher verkürzt" haben.678
- Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 30 mg pro Tagesverzehrempfehlung und warnt Männer ab 55 Jahren vor unkontrollierter Supplementierung.9
Was ist Vitamin E?
Vitamin E ist keine einzelne Substanz, sondern eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen: vier Tocopherole (α, β, γ, δ) und vier Tocotrienole. Die höchste biologische Aktivität besitzt α-Tocopherol, zugleich die vorherrschende Form im Blut – deshalb misst das Labor genau diese Substanz.1
Seine Hauptaufgabe ist die eines Antioxidans: Vitamin E lagert sich in die Zellmembranen ein und schützt dort die mehrfach ungesättigten Fettsäuren vor Oxidation – vereinfacht verhindert es, dass die Fette in unseren Zellhüllen „ranzig" werden. Das stabilisiert die Membranen, was unter anderem für die roten Blutkörperchen und die Leitfähigkeit der Nerven wichtig ist.1
Weil Vitamin E fettlöslich ist, schwimmt es nie frei im Blut, sondern wird von den Lipoproteinen transportiert – denselben Trägern wie das Cholesterin, also LDL und HDL. Die Leber spielt dabei eine Schlüsselrolle: Ein spezialisiertes Eiweiß, das α-Tocopherol-Transferprotein (α-TTP), sortiert das α-Tocopherol aus und gibt es zurück in den Kreislauf. Ein Defekt dieses Proteins verursacht eine seltene erbliche Mangelform.10
Vitamin E ist nicht Vitamin D und nicht Vitamin A. Alle drei sind fettlöslich, haben aber verschiedene Aufgaben: Vitamin D betrifft Knochen und Kalzium, Vitamin A Sehkraft und Haut – Vitamin E ist der Membranschutz. Hier geht es ausschließlich um das Serum-α-Tocopherol.
Warum wird Vitamin E im Blut bestimmt?
Die Bestimmung gehört nicht zur Routinediagnostik und ist kein Bestandteil des Check-up 35. Das Leistungsverzeichnis der Klinischen Chemie des Universitätsklinikums Ulm nennt als Indikationen:1
- Malabsorptionssyndrome: Morbus Crohn, Zöliakie, Kurzdarmsyndrom, zystische Fibrose (Mukoviszidose), chronische Pankreatitis, Cholestase;
- hämolytische Anämie unklarer Genese, insbesondere bei Früh- und Neugeborenen;
- Abetalipoproteinämie, familiäre Hypobetalipoproteinämie;
- Leberzirrhose, β-Thalassämie, hereditäre Sphärozytose;
- ungeklärte chronische Ataxie; in der Schwangerschaft.
Dazu kommt die Nachsorge nach Adipositaschirurgie: Die deutsche S3-Leitlinie zur Chirurgie der Adipositas sieht Vitamin E als festen Bestandteil der Langzeitkontrollen vor, weil fettlösliche Vitamine nach Bypass-Operationen mangeln können.5 Auch eine Cholestase – erkennbar an Bilirubin, alkalischer Phosphatase und Gamma-GT – ist ein klassischer Anlass. Bei einem Menschen, der normal isst, bringt die Messung dagegen wenig: Vitamin E steckt reichlich in Pflanzenölen, Nüssen, Samen und Weizenkeimen, und ein rein ernährungsbedingter Mangel ist hierzulande praktisch nicht beschrieben.11
Muss man für die Bestimmung nüchtern sein?
Ja – anders als bei vielen anderen Vitaminen verlangen deutsche Labore hier in der Regel eine Nüchternblutentnahme. Das Endokrinologikum Hamburg fordert die Abnahme morgens nüchtern, vor Mahlzeit und Medikamenteneinnahme.3 Der Grund ist derselbe wie beim Lipidprofil: Nach einer fettreichen Mahlzeit steigen die Blutfette – und mit ihnen der Vitamin-E-Wert –, ohne dass sich am Vitaminstatus etwas geändert hätte.
Vitamin E ist zudem licht- und wärmeempfindlich: Die Probe muss lichtgeschützt und rasch ins Labor gelangen.1 Melden Sie jedes Nahrungsergänzungsmittel – es verändert das Ergebnis unmittelbar – und halten Sie sich an die Anweisung auf Ihrem Laborschein.
Normalwerte: Vitamin E im Serum
Die folgenden Werte sind Orientierungswerte. Sie hängen vom Messverfahren (üblich ist die HPLC), vom Alter und vor allem von Ihren Blutfetten ab. Maßgeblich ist immer der Bereich auf Ihrem Befund.
| Altersgruppe | α-Tocopherol (µmol/l) | Entspricht etwa (mg/l) |
|---|---|---|
| Kinder (1–12 Jahre) | 7,0 – 20,9 | ~ 3,0 – 9,0 |
| Jugendliche | 13,9 – 23,2 | ~ 6,0 – 10,0 |
| Erwachsene | 12,8 – 41,8 | ~ 5,5 – 18,0 |
Quelle: Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie.1 Das Endokrinologikum Hamburg gibt für Erwachsene 12,0–42,0 µmol/l an – die Streuung zwischen deutschen Laboren ist real und ein guter Grund, den eigenen Befund zu lesen statt eine Tabelle aus dem Internet.3
Umrechnung. Deutsche Befunde führen Vitamin E in µmol/l oder in mg/l (gleichbedeutend mit µg/ml). Der vom Endokrinologikum angegebene Faktor: µmol/l × 0,431 = mg/l, umgekehrt mg/l × 2,32 = µmol/l.3
Der entscheidende Punkt: der Wert gilt nur im Verhältnis zu den Blutfetten
Das ist die wichtigste Aussage dieser Seite. Weil α-Tocopherol in den Lipoproteinen transportiert wird, verschiebt sich der Wert mit den Blutfetten: Bei hohem Cholesterin erscheint Vitamin E hoch, ohne dass die Zellen besser versorgt wären; bei sehr niedrigem Cholesterin erscheint es niedrig, obwohl kein echter Mangel vorliegen muss.
Deshalb arbeitet die Fachliteratur mit einem Quotienten statt mit einem absoluten Wert. Die deutsche S3-Leitlinie „Mukoviszidose bei Kindern in den ersten beiden Lebensjahren" (AWMF-Registernummer 026-024) übernimmt das europäische Ziel: ein Verhältnis α-Tocopherol : Cholesterin von über 5,4 mg/g im Serum.4 Der Quotient ist in Deutschland damit vor allem in der Spezialversorgung verankert – auf einem normalen Laborbefund steht er meist nicht. Bei grenzwertigen Werten ist es daher sinnvoll, dass Ihr Cholesterin am selben Tag mitbestimmt wurde. Aktuelle Übersichtsarbeiten betonen ohnehin, dass der reine Serumwert den Versorgungszustand des Gewebes nur unvollkommen abbildet.2
Ihren Befund richtig einordnen
Vitamin E zu niedrig (Mangel)
Ein niedriger Vitamin-E-Wert ist bei gesunden Erwachsenen selten. Tritt er auf, steckt fast immer eine gestörte Fettresorption dahinter – logisch, denn ein fettlösliches Vitamin braucht Fett und Galle, um ins Blut zu gelangen:1
- Fettverdauungsstörungen: Mukoviszidose, Cholestase, Zöliakie, Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom, chronische Pankreatitis, Leberzirrhose;
- Zustand nach bariatrischer Operation, weshalb die S3-Leitlinie eine lebenslange Kontrolle vorsieht;5
- seltene Erbkrankheiten: Abetalipoproteinämie (der Körper bildet keine Fetttransporter) und Ataxie mit Vitamin-E-Mangel durch einen α-TTP-Defekt der Leber;10
- Frühgeborene mit geringen Reserven.
Hält der Mangel an, äußert er sich vor allem neurologisch: Gangunsicherheit und Gleichgewichtsstörung (Ataxie), Kribbeln und Muskelschwäche durch Nervenschädigung. Dazu kommt eine meist milde hämolytische Anämie, weil die Membran der Erythrozyten instabil wird – sichtbar an Hämoglobin und den Hämolyseparametern im großen Blutbild.1 Ursachensuche und Substitution entscheidet allein Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; im Vordergrund steht die Behandlung der Grundkrankheit.
Vitamin E zu hoch
Ein erhöhter Wert hat fast immer eine von zwei Ursachen: eine Nahrungsergänzung (Vitamin-E-Kapseln, hochdosierte Multivitaminpräparate) – oder ein hohes Cholesterin, das den Wert rechnerisch nach oben zieht, ohne dass „zu viel" Vitamin E vorhanden wäre. Anders als viele annehmen, ist ein hoher Wert keine gute Nachricht: Ein Nutzen oberhalb des physiologischen Bedarfs ist nicht belegt, und sehr hohe Dosen können eine Blutungsneigung auslösen – besonders relevant bei gerinnungshemmenden Medikamenten oder auffälligen Thrombozyten.19 Besprechen Sie jede Supplementierung ärztlich; setzen Sie niemals eigenmächtig ein Medikament ab.
Der Mythos „Antioxidans = Schutz"
Auf dem Papier müsste ein Antioxidans das Herz schützen und Krebs vorbeugen. Die großen Studien haben genau das widerlegt:
- Herz. HOPE-TOO (400 IE/Tag über rund sieben Jahre) fand keine Verringerung von Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärem Tod – wohl aber mehr Fälle von Herzinsuffizienz.7
- Krebs. Die SELECT-Studie mit über 35 000 gesunden Männern zeigte unter 400 IE (268 mg) täglich ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs.8
- Sterblichkeit. Eine Metaanalyse über rund 135 000 Teilnehmende verband hohe Dosen ab 400 IE/Tag mit erhöhter Gesamtsterblichkeit.12
- Schlaganfall. Eine BMJ-Metaanalyse randomisierter Studien ergab, dass Vitamin E das Risiko für hämorrhagische (blutende) Schlaganfälle erhöht, während ischämische leicht seltener auftraten.13
Das IQWiG fasst die Datenlage unmissverständlich zusammen: Die Auswertung der Studien zeigte, dass die Einnahme von Vitamin A, E und Betacarotin „das Leben eher verkürzt"; Vitamin C und Selen erhöhten die Sterblichkeit zwar nicht, schützten aber auch nicht.6 Die Botschaft: Ein nachgewiesener Mangel gehört behandelt – sich „zum Schutz" zu supplementieren, bringt nichts und kann in hoher Dosis schaden.
Und Krebs? Vitamin E ist kein Tumormarker. Ein niedriger oder hoher Wert weist auf keine Krebserkrankung hin, sondern sagt etwas über Fettaufnahme, Blutfette und Zufuhr aus – mehr nicht.
Überdosierung: was das BfR sagt
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 30 mg Vitamin E pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts. Nimmt jemand mehrere Vitamin-E-haltige Präparate ein, hält das BfR eine Gesamtmenge bis 60 mg pro Tag für tolerierbar.9
Bemerkenswert ist die Begründung: Der EU-weit abgeleitete Tolerable Upper Intake Level (UL) liegt mit 300 mg/Tag deutlich höher – das BfR setzt bewusst darunter an, weil Interventionsstudien „auf erhöhte Risiken für negative gesundheitliche Effekte durch Supplementierung von Vitamin E bereits unterhalb von 300 mg/Tag hin[deuten]": hämorrhagische Schlaganfälle schon bei etwa 130–200 mg/Tag und das Prostatakrebssignal aus SELECT.9138 Ausdrücklich hält das BfR fest: „Aus den vorliegenden wissenschaftlichen Daten lassen sich keine positiven gesundheitlichen Effekte bei Aufnahmen von Vitamin E oberhalb des physiologischen Bedarfs ableiten." Männer ab 55 Jahren sollen zudem dafür sensibilisiert werden, dass unkontrollierte Supplementierung das Prostatakrebsrisiko erhöhen kann.9
Zum Vergleich der Bedarf: Die DGE hat ihre Referenzwerte 2025 aktualisiert und nennt als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr 8 mg α-Tocopherol pro Tag für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Schwangere, für Stillende 13 mg. Die Werte beziehen sich jetzt nur noch auf α-Tocopherol statt auf Tocopherol-Äquivalente – die früheren 11–15 mg/Tag sind überholt.11 Eine übliche Mischkost deckt das ohne Präparate.
Einflussfaktoren
Den Vitamin-E-Wert verändern: an erster Stelle Ihre Blutfette (Cholesterin, Triglyceride), der Nüchternstatus, die Ernährung (Pflanzenöle, Nüsse, Samen), jede Supplementierung, die Fettverdauung (Galle, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm), das Alter – Frühgeborene liegen deutlich niedriger – und die Genetik (α-TTP).12 Bei fortgeschrittener Lebererkrankung verschieben zusätzlich ein niedriges Albumin und ein gestörter Fettstoffwechsel das Bild. Oft übersehen: Mit steigender Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren steigt auch der Bedarf.9
Neue Erkenntnisse aus der Forschung
Aus aktuellen, in PubMed indexierten Publikationen:
- Vitamin E und die Leber (Fettleberentzündung). Die Studie PIVENS zeigte, dass Vitamin E in hoher Dosis (800 IE/Tag) die nicht-alkoholische Steatohepatitis bei nicht-diabetischen Erwachsenen besser besserte als Placebo.14 Das ist eine der wenigen diskutierten Indikationen – aber nur unter fachärztlicher Führung, weil die hohe Dosis die oben beschriebenen Risiken mitbringt.12 Auffällige Leberwerte, insbesondere ein erhöhter GPT-Wert, gehören in die Sprechstunde, nicht in die Drogerie.
- Die Antioxidantien-Studien bleiben negativ. Weder am Herzen (HOPE-TOO) noch beim Prostatakarzinom (SELECT) hat die Supplementierung geschützt; teilweise stiegen die Risiken sogar.78
- Wie misst man den Status wirklich? Neuere Übersichten betonen, dass der Bedarf stark von den Lipiden und vom Transportprotein α-TTP abhängt, und suchen nach besseren Markern als dem reinen Serumwert – genau das ist der Grund für den Quotienten aus Tocopherol und Lipiden.210
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstmedikation und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.
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Häufige Fragen
Welcher Vitamin-E-Wert ist normal? Orientierend 12,8–41,8 µmol/l beim Erwachsenen (Uniklinik Ulm), das entspricht etwa 5,5–18 mg/l; das Endokrinologikum Hamburg gibt 12,0–42,0 µmol/l an. Die Werte variieren je nach Labor – und sie sind nur zusammen mit Ihren Blutfetten aussagekräftig.
Welche Symptome macht ein Vitamin-E-Mangel? Vor allem neurologische: Gangunsicherheit und Gleichgewichtsstörungen (Ataxie), Kribbeln, Muskelschwäche; dazu kann eine milde hämolytische Anämie kommen. Sie treten erst nach langem, ausgeprägtem Mangel auf und sind unspezifisch. Ursache ist fast immer eine Störung der Fettaufnahme (Darm-, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankung, Cholestase, Zustand nach Adipositasoperation), selten eine Erbkrankheit.
Was bedeutet ein zu hoher Vitamin-E-Wert? Fast immer eine Supplementierung oder ein hohes Cholesterin, mit dem Vitamin E mitfährt. Ein hoher Wert ist kein Vorteil; sehr hohe Dosen können die Blutungsneigung erhöhen.
Wie viel Vitamin E ist zu viel? Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 30 mg pro Tagesverzehrempfehlung und hält bis zu 60 mg pro Tag aus mehreren Produkten für tolerierbar. Männer ab 55 Jahren sollten unkontrollierte Vitamin-E-Präparate meiden. Der Tagesbedarf liegt laut DGE bei nur 8 mg.
Schützt Vitamin E das Herz oder vor Krebs? Nein, nicht als Präparat. HOPE-TOO und SELECT zeigten keinen Nutzen, teils sogar erhöhte Risiken (Prostatakrebs, Herzinsuffizienz, hämorrhagischer Schlaganfall, Gesamtsterblichkeit).
Muss ich für die Bestimmung nüchtern sein? In Deutschland verlangen die Labore in der Regel eine Nüchternabnahme am Morgen, weil die Blutfette – und mit ihnen der Vitamin-E-Wert – nach dem Essen ansteigen. Richten Sie sich nach Ihrem Laborschein.
Warum wird Vitamin E im Verhältnis zum Cholesterin beurteilt? Weil es in den Lipoproteinen transportiert wird. Die S3-Leitlinie Mukoviszidose nennt als Ziel ein Verhältnis α-Tocopherol : Cholesterin über 5,4 mg/g. Ohne die Blutfette lässt sich nicht sagen, ob ein niedriger Wert ein echter Mangel ist.
Bedeutet ein auffälliger Vitamin-E-Wert Krebs? Nein. Vitamin E ist kein Tumormarker. Er spiegelt Fettaufnahme, Blutfette und Zufuhr wider – keine Tumorerkrankung.
Das sollten Sie sich merken
Vitamin E (α-Tocopherol) ist das fettlösliche Antioxidans Ihrer Zellmembranen. Merken Sie sich die Größenordnung – beim Erwachsenen etwa 12,8–41,8 µmol/l bzw. 5,5–18 mg/l, je nach Labor verschieden – und vor allem den Satz, der diese Seite trägt: Der Wert ist erst im Verhältnis zu Ihren Blutfetten aussagekräftig; die S3-Leitlinie Mukoviszidose nennt als Ziel über 5,4 mg α-Tocopherol pro Gramm Cholesterin. Ein Mangel ist selten und weist fast immer auf eine Fettverdauungsstörung hin. Und: Antioxidans heißt nicht Schutz – ohne Mangel bringt eine Supplementierung nichts und kann in hoher Dosis schaden; das BfR nennt 30 mg als Höchstmenge. Kein Laborwert steht für sich allein – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Offizielle deutsche Quellen und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Beitrag herangezogen wurden:
Footnotes
-
Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis Vitamin E (Referenzbereiche, Indikationen, HPLC, Präanalytik), Revision 002 vom 12.11.2025. uniklinik-ulm.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12
-
Traber MG, Head B. Vitamin E: How much is enough, too much and why! Free Radic Biol Med, 2021. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Endokrinologikum / Aesculabor Hamburg — Leistungsverzeichnis: Vitamin E (altersabhängige Referenzbereiche, Umrechnungsfaktor µmol/l × 0,431 = mg/l, Nüchternabnahme). endokrinologikum-aesculabor.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
AWMF / GPP, DGKJ, GPGE — S3-Leitlinie: Mukoviszidose bei Kindern in den ersten beiden Lebensjahren, Diagnostik und Therapie. AWMF-Registernummer 026-024, Version vom 6.3.2020 (Ziel α-Tocopherol : Cholesterol > 5,4 mg/g). register.awmf.org ↩ ↩2
-
AWMF / DGAV — S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. AWMF-Registernummer 088-001 (Langfassung, Kapitel Nachsorge und fettlösliche Vitamine). register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3
-
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — Nahrungsergänzungsmittel: Können sie auch schaden?, gesundheitsinformation.de. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2
-
Lonn E, Bosch J, Yusuf S, et al. Effects of long-term vitamin E supplementation on cardiovascular events and cancer (HOPE-TOO). JAMA, 2005. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Klein EA, Thompson IM, Tangen CM, et al. Vitamin E and the risk of prostate cancer: the Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT). JAMA, 2011. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Höchstmengenvorschläge für Vitamin E in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. bfr.bund.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
-
Arai H, Kono N. α-Tocopherol transfer protein (α-TTP). Free Radic Biol Med, 2021. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) — Neue Referenzwerte für Jod und Vitamin E (Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr, 3. Auflage der Referenzwerte, 2025). dge.de · Referenzwerte Vitamin E ↩ ↩2
-
Miller ER 3rd, Pastor-Barriuso R, Dalal D, et al. Meta-analysis: high-dosage vitamin E supplementation may increase all-cause mortality. Ann Intern Med, 2005. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Schürks M, Glynn RJ, Rist PM, et al. Effects of vitamin E on stroke subtypes: meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ, 2010. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Sanyal AJ, Chalasani N, Kowdley KV, et al. Pioglitazone, vitamin E, or placebo for nonalcoholic steatohepatitis. N Engl J Med, 2010. PubMed · DOI ↩