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Vitamin-D-Wert: Normalwerte, Mangel und wer den Test zahlt

Vitamin-D-Wert verstehen: Normalwerte in nmol/l und ng/ml, ab wann ein Mangel beginnt – und warum der 25-OH-Test in Deutschland oft selbst zu zahlen ist.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Beim Vitamin-D-Wert misst niemand „das Vitamin D". Gemessen wird 25-OH-Vitamin D, auch Calcidiol oder 25-OH-Vitamin-D3 genannt: die Speicherform aus der Leber, die mit einer Halbwertszeit von rund 19 Tagen die Versorgung der letzten Wochen abbildet.1 Zwei Dinge überraschen dabei die meisten. Erstens: In Deutschland ist die reine Vorsorgemessung keine Kassenleistung – sie wird als IGeL angeboten und selbst bezahlt.1 Zweitens: Die Grenzwerte sind umstritten, und die Zahl steht mal in nmol/l, mal in ng/ml – ein Faktor 2,5, der für Fehlalarm sorgt. Gelesen wird er mit Calcium, Phosphat und dem Parathormon; er gehört zu den Vitaminwerten und ergänzt Ihre Nierenwerte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemessen wird 25-Hydroxyvitamin D (Calcidiol) im Serum – es „spiegelt die Vitamin D-Zufuhr über die Ernährung und die körpereigene Vitamin D-Bildung" wider.2
  • Nach der offiziellen deutschen Einteilung liegt ein Mangel unter 30 nmol/l (12 ng/ml), eine ausreichende Versorgung ab 50 nmol/l (20 ng/ml).23
  • Umrechnung: 1 ng/ml = 2,5 nmol/l – 20 ng/ml und 50 nmol/l sind derselbe Wert.
  • Der Bluttest ohne Anlass ist IGeL: „Die regelhafte, routinemäßige Messung des Blutspiegels von Vitamin D im Sinne eines Screenings ist keine Kassenleistung."1 Laborkosten etwa 18–32 €.45
  • Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet die Früherkennung mit „unklar";5 das IQWiG rät von einem Screening bei Beschwerdefreien ab 50 Jahren ab.4
  • Rund 60 % der Erwachsenen in Deutschland erreichen 50 nmol/l nicht – der Anteil schwankt aber stark mit Jahreszeit und Labormethode.367
  • Vitamin D ist fettlöslich und wird gespeichert: Eine Überdosierung ist „nur durch eine überhöhte orale Zufuhr möglich", nie durch die Sonne.2

Was ist 25-OH-Vitamin D (Calcidiol)?

Vitamin D nimmt eine Sonderstellung ein: Der Körper stellt es selbst her. Unter UVB-Licht entsteht in der Haut Colecalciferol (Vitamin D3), das in der Leber zu 25-OH-Vitamin D (Calcidiol) und erst in der Niere zur wirksamen Form 1,25-(OH)₂-Vitamin D (Calcitriol) umgebaut wird.1 Bei regelmäßigem Aufenthalt im Freien stammen nach Einschätzung der DGE 80 bis 90 % der Versorgung aus dieser Eigensynthese, nur 10–20 % aus der Nahrung.2

Gemessen wird trotzdem nicht das aktive Calcitriol, sondern Calcidiol – „wegen seiner langen Halbwertszeit von 19 Tagen".1 Calcitriol wird hormonell so eng geregelt, dass es selbst bei einem Mangel normal aussehen kann. „25-OH-Vitamin D3" oder „Calcidiol" auf dem Befund ist also der richtige Parameter. Vitamin D „regelt den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und fördert dadurch die Härtung des Knochens" und beeinflusst die Muskelkraft.2

Wozu wird der Vitamin-D-Wert bestimmt?

Nicht zur Beruhigung, sondern bei konkretem Verdacht. Die FAQ von BfR, DGE und MRI ist eindeutig: „Da bei einem Großteil der gesunden deutschen Bevölkerung nicht von einem Vitamin D-Mangel auszugehen ist, sollte die Bestimmung der Vitamin D-Versorgung nur bei begründetem Verdacht auf eine Mangelsituation oder bei Risikopersonen erfolgen."2 Typische Anlässe:

  • Knochenbeschwerden – „klinisch manifest ist ein Vitamin D-Mangel beispielsweise bei Rachitis oder Osteomalazie";1
  • auffällige Calcium- oder Phosphatwerte, eine erhöhte alkalische Phosphatase oder ein erhöhtes Parathormon;
  • Nierenerkrankungen – die letzte Aktivierungsstufe findet in der Niere statt; hier gehören Kreatinin und Cystatin C dazu;
  • Malabsorption nach Magen-Darm-Operationen, bei Zöliakie oder chronischen Darmerkrankungen;
  • Risikogruppen: Menschen, die kaum ins Freie kommen oder bedeckt bleiben, Menschen mit dunkler Hautfarbe, ältere und pflegebedürftige Menschen, Säuglinge.2

Bei unklarer Müdigkeit wird der Wert oft mitbestimmt – dort ist er selten die Antwort. Häufiger werden Ferritin, Vitamin B12, die Schilddrüsenwerte und das große Blutbild fündig.

Zahlt die Krankenkasse den Vitamin-D-Test?

Die Antwort ist unangenehm klar. Die VerordnungsInfo der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein formuliert: „Die regelhafte, routinemäßige Messung des Blutspiegels von Vitamin D im Sinne eines Screenings ist keine Kassenleistung." Eine Bestimmung zulasten der GKV ist „bei medizinischer Notwendigkeit möglich", doch dieser Begriff „wird im EBM jedoch nicht weiter definiert und liegt im ärztlichen Ermessen". Und: „Ist die Spiegelbestimmung ein Wunsch des Patienten, so ist die Bestimmung vom Patienten selbst zu bezahlen (IGeL)."1 Bemerkenswert ist, was nicht reicht: „Das Vorliegen einer chronischen Erkrankung wie z. B. Asthma bronchiale oder Multiple Sklerose ist kein Grund für eine Spiegelbestimmung."1

Was kostet es? Der IGeL-Monitor nennt 27,98 bis 32,18 Euro reine Laborkosten, zuzüglich Beratung und Blutentnahme;5 der IQWiG-Bericht beziffert die Serumbestimmung mit „etwa 18 bis 28 €".4 Die Spanne erklärt sich durch unterschiedliche Gebührenordnungen.

Und lohnt es sich? Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet die Früherkennungsuntersuchung auf Vitamin-D-Mangel seit dem 9. November 2022 mit „unklar": Das Team fand „keine Studien, in denen direkt untersucht wurde, ob ein solches Screening bei Erwachsenen ohne Anzeichen eines Vitamin-D-Mangels einen Nutzen hat".5 Das IQWiG geht weiter: In seinem HTA-Bericht zu 33 randomisierten Studien ließ sich „kein Anhaltspunkt für den Nutzen einer Behandlung niedriger Vitamin-D-Spiegel" ableiten – „weder für den Endpunkt Mortalität noch für die Prävention von Frakturen, Stürzen, Diabetes mellitus, kardiovaskulären Krankheiten, Infektionen". Ein Screening bei asymptomatischen Personen ab 50 Jahren sei „nicht zu befürworten".4 Das heißt nicht, dass der Wert nutzlos ist – er gehört zu einer Fragestellung, nicht in eine Routine.

Muss man für den Vitamin-D-Wert nüchtern sein?

Nein. 25-OH-Vitamin D reagiert nicht auf eine einzelne Mahlzeit.1 Werden am selben Termin Blutzucker oder Blutfette mitbestimmt, gilt deren Nüchternregel. Sagen Sie der Praxis dagegen unbedingt, ob und seit wann Sie ein Vitamin-D-Präparat einnehmen – das verändert die Lesart erheblich.

Vitamin-D-Normalwerte in nmol/l und ng/ml

Diese Einteilung stammt aus der gemeinsamen FAQ von BfR, DGE und MRI; das RKI verwendet dieselbe Abstufung.23 Maßgeblich bleibt der Bereich auf Ihrem Befund.

Bewertung25-OH-Vitamin Dentspricht
Mangel (mangelhafte Versorgung)< 30 nmol/l< 12 ng/ml
Suboptimale Versorgung30 – < 50 nmol/l12 – < 20 ng/ml
Ausreichende Versorgung (Knochengesundheit)≥ 50 nmol/l≥ 20 ng/ml

Die Einheitenfalle: 1 ng/ml = 2,5 nmol/l. „18 ng/ml" und „45 nmol/l" sind derselbe Befund. Prüfen Sie immer zuerst die Einheit, bevor Sie eine Zahl mit einer Tabelle aus dem Internet vergleichen.

Nach oben ist die Skala offen: Die DGE nennt als Zufuhr-Schätzwert bei fehlender Eigensynthese 20 µg (800 I.E.) pro Tag, um 50 nmol/l zu erreichen – ein „optimales" Niveau darüber definiert sie nicht.82

Warum die Grenzwerte umstritten sind

Viele Labore und Ratgeber setzen die Grenze für „Mangel" bei 20 ng/ml (50 nmol/l) an. Die offizielle deutsche Einteilung nennt darunter zunächst eine suboptimale Versorgung und spricht erst unter 30 nmol/l (12 ng/ml) von einem Mangel.2 Wer bei 45 nmol/l „Mangel" auf dem Befund liest, ist nach dieser Nomenklatur also nicht im Mangelbereich – ein erheblicher Unterschied für die Frage, wie dringend etwas zu tun ist.

Nach oben gibt es keinen Konsens. Die Leitlinie der Endocrine Society von 2024 legt keinen Zielwert fest, weil belastbare Belege aus klinischen Studien dafür fehlen.9 Wer auf „optimale Werte" von 40 oder 60 ng/ml stößt, sollte wissen: Diese Zahlen stützen sich nicht auf Interventionsstudien. Dazu kommt ein technisches Problem – es existiert eine „Vielzahl an Labormethoden zur Bestimmung von 25(OH)D, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können".3

Wie steht Deutschland wirklich da?

Deutschland liegt zwischen dem 47. und 55. Breitengrad; eine nennenswerte Vitamin-D-Bildung in der Haut ist nur von März bis Oktober möglich.32 Entsprechend deutlich sind die Messdaten des Robert Koch-Instituts aus der Studie DEGS1 (2008–2011, 6 995 Erwachsene von 18 bis 79 Jahren):36

  • 30,2 % der Erwachsenen liegen unter 30 nmol/l (mangelhaft versorgt), 38,4 % erreichen mindestens 50 nmol/l.
  • Die Jahreszeit dominiert alles: Der Anteil mangelhaft Versorgter beträgt 8,3 % im Sommer, 19,3 % im Herbst, 38,4 % im Frühling – und 52,0 % im Winter. Umgekehrt sind im Sommer 65,8 %, im Winter nur 17,6 % ausreichend versorgt.
  • Bei Frauen nimmt der Anteil mangelhaft Versorgter mit dem Alter zu.

Daraus stammt die oft zitierte Aussage, „fast 60 Prozent der Bundesbürger" erreichten die wünschenswerten 50 nmol/l nicht.2 Diese Zahl ist allerdings methodenabhängig. Als dieselben DEGS1-Proben im EU-Projekt ODIN gegen eine Referenzmethode kalibriert wurden, waren 44,0 % ausreichend und nur noch 15,2 % mangelhaft versorgt.37 Wer eine Prozentzahl zur „Volkskrankheit Vitamin-D-Mangel" liest, sollte deshalb fragen, welche Methode dahintersteht.

Vitamin-D-Wert zu niedrig

Ein niedriger Wert ist meist beschwerdefrei. Wird der Mangel tief und dauerhaft, mineralisiert der Knochen unzureichend: beim Kind als Rachitis, beim Erwachsenen als Osteomalazie; im höheren Alter trägt er zur Osteoporose bei.2 Wichtig: „Die Diagnose sollte daher nicht allein auf dem Vitamin D-Spiegel beruhen, sondern beispielsweise durch die Bestimmung des Parathormons und/oder der alkalischen Phosphatase gestützt werden."1 Auch das Calcium wird nie isoliert gelesen – es wird im Verhältnis zum Albumin beurteilt.

Was tun? Diese Seite nennt bewusst keine Dosierungen. Die offizielle Empfehlung nutzt zuerst die natürliche Quelle: zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal pro Woche Gesicht, Hände und Arme unbedeckt der Sonne aussetzen – Sonnenbrand unbedingt vermeiden.3 Präparate werden empfohlen, „wenn eine unzureichende Versorgung nachgewiesen wurde" und sich der Status weder über die Ernährung noch über die Eigensynthese verbessern lässt.2 Die Menge entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Vitamin-D-Wert zu hoch: die Überdosierung

Vitamin D ist fettlöslich – wie Vitamin A und Vitamin E – und wird gespeichert. Ein Zuviel ist deshalb keine theoretische Sorge – wohl aber eine, die praktisch nie von der Sonne kommt: Überdosierungen sind „nicht durch eine exzessive Sonnenbestrahlung der Haut, sondern nur durch eine überhöhte orale Zufuhr möglich".2

Die tolerierbare Gesamtzufuhr (UL) für Erwachsene beträgt 100 µg pro Tag aus allen Quellen.102 Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das BfR weniger: „nicht mehr als 20 µg Vitamin D pro Tagesdosis". Hohe Bolusdosen (etwa 500 µg alle 20 Tage) bewertet es kritisch: Solche Spiegel gingen in Studien mit einem erhöhten Risiko für Stürze und Knochenbrüche einher, und die Einnahme in großen Abständen erhöhe „das Risiko von Einnahmefehlern". Empfohlen wird „im Bedarfsfall ein Präparat mit geringerer Dosierung täglich".10

Dass das keine Papierwarnung ist, zeigt eine BfR-Mitteilung vom 7. August 2026: Im Juli 2026 wurde „erneut eine schwere Vitamin D-Vergiftung bei einem Säugling in Deutschland gemeldet" – Ursache war ein im Internet gekauftes hochdosiertes Erwachsenenpräparat. Eine Hypervitaminose D „zeigt sich durch einen stark erhöhten Calciumspiegel im Blut (Hypercalcämie)"; hält diese an, drohen Schäden an der Nierenfunktion.11 Bei dauerhafter Zufuhr über 100 µg täglich nennen BfR, DGE und MRI Nierensteine und Nierenverkalkung als mögliche Folgen.2

Selbstmedikation mit Hochdosispräparaten ist deshalb nicht harmlos – erst recht nicht bei Kindern.

Was Vitamin D nicht leistet

Um Vitamin D ranken sich mehr Versprechen, als die Studienlage trägt. Die Position von BfR, DGE und MRI: Eine gute Versorgung könne bei älteren Menschen das Risiko für „Stürze, Knochenbrüche, Kraftverlust, Mobilitäts- und Gleichgewichtseinbußen sowie vorzeitigen Tod senken" – „dagegen gibt es keine hohe Beweiskraft für eine Risikosenkung für Krebskrankheiten, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes mellitus Typ 2".2

Die großen Studien bestätigen das. In der US-amerikanischen VITAL-Studie (rund 25 000 Teilnehmende) senkte Vitamin D3 weder Krebs noch kardiovaskuläre Ereignisse,12 bei überwiegend nicht mangelversorgten Erwachsenen auch nicht die Zahl der Knochenbrüche,13 und es beugte keiner Depression vor.14 Das IQWiG fand auch für Infektionen keinen Nutzenbeleg.4 Das entwertet Vitamin D nicht – es ist ein Knochen- und Muskelthema, kein Allzweckmittel.

Was den Vitamin-D-Wert beeinflusst

Jahreszeit (der stärkste Faktor überhaupt), Breitengrad und Urlaub, Aufenthaltsdauer im Freien, Kleidung und Sonnenschutzmittel, Hauttyp, Lebensalter (die Bildungsfähigkeit der Haut kann sich auf weniger als die Hälfte reduzieren), Körpergewicht, Darmerkrankungen, Nierenerkrankungen, bestimmte Medikamente sowie jede laufende Supplementierung.23 Nennen Sie Jahreszeit und Präparate beim Arztgespräch – ohne diesen Kontext ist die Zahl kaum zu deuten.

Aktuelles aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:

  • Die Messmethode verschiebt die Statistik. Nach Standardisierung der DEGS1-Daten gegen eine Referenzmethode sank der Anteil mangelhaft Versorgter von 30,2 % auf 15,2 % – Prävalenzangaben zum Vitamin-D-Mangel sollten nur standardisiert verglichen werden.76
  • Kein Zielwert, kein Routinetest. Die Endocrine-Society-Leitlinie 2024 rät bei gesunden Erwachsenen von einer routinemäßigen 25-OH-Bestimmung ab und definiert bewusst keinen optimalen Spiegel.9
  • VITAL: keine Prävention über den Knochen hinaus. Vitamin D3 senkte weder Krebs- noch Herz-Kreislauf-Ereignisse,12 weder Frakturen13 noch das Auftreten einer Depression.14

Diese Ergebnisse betreffen die ärztliche Diagnostik. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

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Häufige Fragen

Was ist ein normaler Vitamin-D-Wert? Nach der deutschen Einteilung gilt ab 50 nmol/l (20 ng/ml) als ausreichend versorgt, 30 bis unter 50 nmol/l als suboptimal und unter 30 nmol/l (12 ng/ml) als Mangel.23 Einen belegten „Optimalwert" darüber hinaus gibt es nicht.9

Wie rechne ich nmol/l in ng/ml um? Teilen Sie den nmol/l-Wert durch 2,5: 50 nmol/l sind 20 ng/ml, 75 nmol/l sind 30 ng/ml. Umgekehrt mit 2,5 multiplizieren.

Zahlt die Krankenkasse den 25-OH-Vitamin-D-Test? Nur bei medizinischer Notwendigkeit. Ein Screening ohne Anlass ist „keine Kassenleistung"; auf Patientenwunsch wird die Bestimmung als IGeL selbst bezahlt.1 Die Laborkosten liegen bei etwa 18–32 Euro.45

Mein Vitamin-D-Wert ist zu niedrig – ist das gefährlich? Meist nicht akut. Ein erniedrigter Wert im Winter ist in Deutschland eher Regel als Ausnahme: 52 % der Erwachsenen liegen dann unter 30 nmol/l.3 Entscheidend ist die Einordnung mit Calcium, Parathormon und Ihren Beschwerden, nicht die Zahl allein.1

Kann ich zu viel Vitamin D haben? Ja – aber praktisch nur über Präparate, nicht über die Sonne.2 Das BfR empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel höchstens 20 µg pro Tagesdosis und rät von hochdosierten Bolusgaben ohne ärztliche Kontrolle ab.10

Schützt Vitamin D vor Erkältungen, Krebs oder Depressionen? Dafür gibt es „keine hohe Beweiskraft".2 Randomisierte Studien fanden weder für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen12 noch für Depressionen14 einen Nutzen; das IQWiG keinen für Infektionen.4

Reicht die Sonne im Winter aus? In Deutschland nicht: Von Oktober bis März ist die Sonnenstrahlung „nicht stark genug, um eine ausreichende Vitamin D-Bildung zu gewährleisten". Der Körper zehrt dann von den im Sommer angelegten Speichern.2

Das Wichtigste zum Schluss

Der Vitamin-D-Wert ist ein 25-OH-Wert (Calcidiol) und misst Ihre Reserve der letzten Wochen. Drei Dinge zum Merken. Die Einheit: 1 ng/ml = 2,5 nmol/l. Die Einteilung: Mangel unter 30 nmol/l, ausreichend ab 50 nmol/l, darüber kein belegter Zielwert. Die Kostenfrage: Ohne Anlass ist der Test eine IGeL, und weder IGeL-Monitor noch IQWiG sehen für ein Screening einen belegten Nutzen. Ein niedriger Wert im Winter ist hierzulande fast normal – hochdosierte Selbstmedikation ist es nicht. Die Einordnung Ihres Befunds mit Nierenwerten, Leberwerten, HbA1c und dem großen Blutbild bereitet AI DiagMe ergänzend zu Ihrer ärztlichen Betreuung auf.

Quellen

Deutsche Behörden, Fachgesellschaften und wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber verwendet wurden:

Footnotes

  1. Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein — VerordnungsInfo Nordrhein: Vitamin D, Juni 2024. kvno.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  2. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und Max Rubner-Institut (MRI) — Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D, gemeinsame FAQ vom 22. Oktober 2012. dge.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23

  3. Rabenberg M, Mensink GBM — Vitamin-D-Status in Deutschland. Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring 2016;1(2):36–42 (Fact sheet, Datenbasis DEGS1 2008–2011). rki.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — Blutwerte: Profitieren ältere Personen von einer regelmäßigen Bestimmung der Vitamin-B12- und Vitamin-D-Werte im Blut?, HTA-Bericht HT20-04, Version 1.0 vom 2. März 2022 (IQWiG-Berichte Nr. 1310). iqwig.de 2 3 4 5 6 7

  5. IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) — Früherkennungsuntersuchung auf Vitamin-D-Mangel, Bewertung „unklar", veröffentlicht am 9. November 2022. igel-monitor.de 2 3 4 5

  6. Rabenberg M, Scheidt-Nave C, Busch MA, et al. Vitamin D status among adults in Germany – results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). BMC Public Health, 2015;15:641. PubMed · DOI 2 3

  7. Rabenberg M, Scheidt-Nave C, Busch MA, et al. Implications of standardization of serum 25-hydroxyvitamin D data for the evaluation of vitamin D status in Germany, including a temporal analysis. BMC Public Health, 2018;18(1):845. PubMed · DOI 2 3

  8. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) — Referenzwerte Vitamin D (Calciferole): Schätzwert 20 µg pro Tag bei fehlender endogener Synthese, angestrebte Serumkonzentration mindestens 50 nmol/l. dge.de

  9. Demay MB, Pittas AG, Bikle DD, et al. Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab, 2024;109(8):1907–1947. PubMed · DOI 2 3

  10. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Einnahme hoher Einzeldosen Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel im Abstand von Tagen oder Wochen birgt gesundheitliche Risiken, Stellungnahme Nr. 31/2025 vom 3. September 2025. bfr.bund.de 2 3

  11. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Vitamin D-Vergiftung bei Säuglingen, Mitteilung Nr. 045/2026 vom 7. August 2026. bfr.bund.de

  12. Manson JE, Cook NR, Lee IM, et al. Vitamin D Supplements and Prevention of Cancer and Cardiovascular Disease. N Engl J Med, 2019;380(1):33–44. PubMed · DOI 2 3

  13. LeBoff MS, Chou SH, Ratliff KA, et al. Supplemental Vitamin D and Incident Fractures in Midlife and Older Adults. N Engl J Med, 2022;387(4):299–309. PubMed · DOI 2

  14. Okereke OI, Reynolds CF, Mischoulon D, et al. Effect of Long-term Vitamin D3 Supplementation vs Placebo on Risk of Depression or Clinically Relevant Depressive Symptoms and on Change in Mood Scores: A Randomized Clinical Trial. JAMA, 2020;324(5):471–480. PubMed · DOI 2 3

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