Östradiol (Estradiol): Werte nach Zyklus & Wechseljahre
Östradiol – auf dem Befund oft Estradiol oder E2 – ist ohne Zyklustag nicht deutbar. Normalwerte je Zyklusphase in pg/ml und pmol/l, Wechseljahre, Mann.
Östradiol – auf deutschen Laborbefunden ebenso häufig Estradiol geschrieben und meist mit E2 abgekürzt – ist das biologisch aktivste Östrogen. Es entsteht vor allem im heranreifenden Follikel unter dem Einfluss von FSH, in kleineren Mengen auch im Hoden und in der Nebennierenrinde.1 Der wichtigste Satz steht gleich am Anfang: Bei einer Frau vor den Wechseljahren ist ein Östradiol-Wert ohne Angabe des Zyklustags praktisch nicht deutbar, weil die Konzentration im Lauf eines Zyklus um ein Vielfaches schwankt.12 Dieser Ratgeber erklärt die Normalwerte je Zyklusphase in pg/ml und pmol/l, was ein zu hoher oder zu niedriger Wert bedeutet, welche Rolle Östradiol in den Wechseljahren und beim Mann spielt und warum eine Hormontherapie den Befund völlig verändert. Östradiol gehört zum Hormonstatus und wird gemeinsam mit Progesteron, FSH und LH gelesen.
Das Wichtigste in Kürze
- Östradiol schwankt zyklusabhängig sehr stark: das Universitätsklinikum Ulm nennt für die Follikelphase rund 31–90 pg/ml, um den Eisprung 60–533 pg/ml und in der Lutealphase 60–232 pg/ml.1
- Ein Wert ohne Zyklustag ist deshalb kein verwertbares Ergebnis. Geben Sie im Labor immer Ihren Zyklustag, eine mögliche Schwangerschaft und alle Hormonpräparate an.1
- Die Menopause ist eine klinische Diagnose. Nach der deutschen S3-Leitlinie ist bei Frauen über 45 Jahren eine Amenorrhoe von mindestens 12 Monaten der entscheidende Hinweis; Estradiol kann allenfalls in Zweifelsfällen ergänzen.34
- Das IQWiG formuliert es für Patientinnen noch deutlicher: „Die Bestimmung des Hormonspiegels hat jedoch keinen praktischen Wert."5
- Beim Mann gehört Estradiol zur Basisdiagnostik der Gynäkomastie – zusammen mit Gesamttestosteron, LH, hCG und Prolaktin.6
- 1 pg/ml entspricht 3,67 pmol/l. Umgerechnet wird mit pg/ml × 3,67 = pmol/l.1
Was ist Östradiol?
Östradiol (17β-Östradiol, E2) ist das stärkste der drei natürlichen Östrogene – die beiden anderen sind Östron (E1) und Östriol (E3). Bei Frauen im gebärfähigen Alter stammt es überwiegend aus dem reifenden Eibläschen des Eierstocks. Im Blut ist Östradiol zu etwa 98 % an Transportproteine gebunden, unter anderem an das sexualhormonbindende Globulin und an Albumin.1
Seine Wirkung reicht weit über die Fortpflanzung hinaus. Östradiol wirkt auf den Knochen, die Gefäße und den Stoffwechsel – bei Frauen wie bei Männern. Übersichtsarbeiten der letzten Jahre beschreiben es ausdrücklich als Stoffwechselhormon beider Geschlechter, das Fettverteilung, Glukose- und Fettstoffwechsel mitbestimmt.7 Der Abfall des Östradiols in den Wechseljahren erklärt einen Teil des steigenden Osteoporose-Risikos in den Jahren danach – ein Zusammenhang, auf den auch die Patienteninformation des IQWiG hinweist.5 Deshalb steht Östradiol inhaltlich nahe am Knochenstoffwechsel, am Kalzium und an den Cholesterinwerten.
Beim Mann entsteht Östradiol größtenteils aus Testosteron, das im Fett- und anderen Geweben durch das Enzym Aromatase umgewandelt wird. Eine gesteigerte Aromatase-Aktivität ist eine der anerkannten Ursachen einer krankhaften Gynäkomastie.6
Warum wird Östradiol bestimmt?
Das Universitätsklinikum Ulm nennt als Indikationen die Abklärung von Fertilitätsstörungen, die Beurteilung der Ovarialfunktion, die Bestimmung des Ovulationszeitpunkts im Rahmen der In-vitro-Fertilisation sowie den Verdacht auf östrogenproduzierende Eierstock- und Hodentumoren.1 In der Praxis kommen dazu:
- Abklärung von Zyklusstörungen und ausbleibender Regelblutung;
- Einordnung einer verfrühten oder verzögerten Pubertät;
- Verdacht auf eine prämature Ovarialinsuffizienz (POI). Die deutsche S3-Leitlinie stützt diese Diagnose auf Zyklusstörungen über mindestens vier Monate plus einen FSH-Wert über 25 IU/l, bei Unsicherheit mit einer zweiten Blutabnahme im Abstand von 4–6 Wochen;3
- Zweifelsfälle bei der Einordnung von Peri- und Postmenopause, ergänzend zu FSH und AMH;3
- beim Mann die Gynäkomastie-Abklärung.6
Muss man für Östradiol nüchtern sein?
Nein – Nüchternheit ist für die Östradiol-Bestimmung nicht der entscheidende Punkt. Benötigt wird Serum aus einer normalen Blutabnahme.1 Was das Ergebnis wirklich bestimmt, ist der Zeitpunkt.
Bei Frauen im gebärfähigen Alter „unterliegt die Östradiolkonzentration starken zyklusabhängigen Schwankungen" – so formuliert es das Ulmer Leistungsverzeichnis unter den Einflussfaktoren.1 Eine engmaschige Studie an natürlichen Zyklen, in der Estradiol, LH und Progesteron über den gesamten Zyklus verfolgt wurden, zeigt dasselbe Bild: ein flacher Start in der frühen Follikelphase, ein steiler Anstieg zum präovulatorischen Gipfel, ein kurzer Einbruch und ein zweiter, flacherer Anstieg in der Lutealphase.2 Ein einzelner Wert ist also immer nur eine Momentaufnahme dieser Kurve.
Deshalb nennt die Ärztin oder der Arzt in aller Regel einen konkreten Zyklustag. Für die Beurteilung der Eierstockfunktion wird häufig früh im Zyklus abgenommen, zusammen mit FSH. Während einer Kinderwunschbehandlung wird Östradiol dagegen mehrfach über wenige Tage gemessen, um die Reaktion der Eierstöcke zu verfolgen.8 Zählen Sie als Tag 1 den ersten Tag der richtigen Blutung und geben Sie diesen Tag im Labor an.
Normalwerte: Östradiol-Tabelle nach Zyklusphase
Die folgenden Werte stammen aus dem Leistungsverzeichnis der Zentralen Einrichtung Klinische Chemie des Universitätsklinikums Ulm (Messung per ECLIA-Immunoassay). Die Umrechnung in pmol/l erfolgt mit dem dort angegebenen Faktor 3,67.1 Deutsche Befunde geben Östradiol übrigens oft in ng/l an – das ist zahlenmäßig dasselbe wie pg/ml.
| Situation | Östradiol (pg/ml bzw. ng/l) | umgerechnet (pmol/l) |
|---|---|---|
| Frau – Follikelphase | 30,9 – 90,4 | ca. 113 – 332 |
| Frau – Ovulationsphase | 60,4 – 533 | ca. 222 – 1 956 |
| Frau – Lutealphase | 60,4 – 232 | ca. 222 – 851 |
| Postmenopause | < 5 – 138 | ca. < 18 – 507 |
| Mann | 11,3 – 43,2 | ca. 41 – 159 |
Wichtig: Diese Bereiche gelten für ein bestimmtes Testverfahren. Das Ulmer Verzeichnis nennt sie ausdrücklich „orientierend" und verweist auf die Packungsbeilage des Herstellers.1 Ein Hamburger Speziallabor gibt für dieselben Phasen praktisch identische Zahlen an und ergänzt die Schwangerschaft: etwa 154–3 243 pg/ml im 1. Trimenon, 1 561–21 280 pg/ml im 2. und über 8 500 pg/ml im 3. Trimenon.9 In der Schwangerschaft gibt es also keinen einfachen „Normalwert". Maßgeblich ist immer der Referenzbereich auf Ihrem eigenen Befund.
Die obere Grenze für die Postmenopause wirkt hoch. Sie ist die Obergrenze des vom Hersteller angegebenen Intervalls, nicht ein typischer Wert: Nach der Menopause liegt Östradiol in aller Regel am unteren Rand des Messbereichs, häufig unterhalb der Nachweisgrenze des Tests.910
Östradiol-Werte richtig deuten
Östradiol zu hoch
Ein hoher Wert ist meistens physiologisch und kein Krankheitszeichen:
- um den Eisprung – der präovulatorische Gipfel ist der höchste Wert eines normalen Zyklus;2
- in der Schwangerschaft, in der Östradiol um Größenordnungen ansteigt;9
- unter Eierstockstimulation im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung; hier ist der Anstieg gewollt und wird genau überwacht, unter anderem um eine Überstimulation früh zu erkennen.8
Seltener steht hinter einem dauerhaft unerwartet hohen Wert eine östrogenproduzierende Zyste oder ein Tumor von Eierstock oder Hoden – genau dafür führt das Ulmer Verzeichnis den Test als Indikation.1 Das ist die Ausnahme, nicht die Regel: Ein hohes Östradiol ist für sich genommen kein Krebszeichen. Beim Mann trägt ein relativ erhöhtes Estradiol – etwa durch vermehrte Aromatase-Aktivität – zu einer Gynäkomastie bei, wobei Adipositas, Medikamente, Anabolika, Leberzirrhose und Nierenerkrankungen zu den häufigen Ursachen zählen.6
Östradiol zu niedrig
Nach der Menopause ist ein niedriges Östradiol normal und erwartet. Es erklärt einen Teil der typischen Beschwerden – Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit – und längerfristig die beschleunigte Abnahme der Knochendichte.57
Vor den Wechseljahren kann ein niedriges Östradiol unter anderem sprechen für:
- eine prämature Ovarialinsuffizienz – hier ist der entscheidende Laborwert nicht das Östradiol, sondern ein FSH über 25 IU/l bei Zyklusstörungen über mindestens vier Monate;3
- eine funktionelle hypothalamische Amenorrhoe bei starkem Stress, niedrigem Körpergewicht, unzureichender Energiezufuhr oder sehr intensivem Sport – typischerweise mit niedrigem oder normalem FSH und LH;
- eine Störung der Hirnanhangdrüse, bei der auch Prolaktin und die Schilddrüsenwerte mit abgeklärt werden.
Weil sich diese Ursachen erst im Zusammenspiel unterscheiden lassen, wird Östradiol nie allein gelesen, sondern im Hormonstatus.
Wechseljahre: warum kein Test die Diagnose stellt
Hier lohnt eine klare Ansage, weil im Netz viel Gegenteiliges steht. Die S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause" der DGGG hält fest: Bei Frauen über 45 Jahren mit zuvor verwertbaren Blutungsmustern ist eine Amenorrhoe von mindestens 12 Monaten der Hinweis auf eine postmenopausale Situation. FSH- und AMH-Werte können herangezogen werden, wenn keine verwertbaren Blutungsmuster vorliegen; Estradiol-Bestimmungen können „in Zweifelsfällen sinnvoll sein" – als Empfehlung mit dem schwächsten Empfehlungsgrad.3 Auch die publizierte Kurzfassung der Leitlinie ordnet die Diagnostik klinisch ein.4 Und das IQWiG schreibt für Patientinnen unmissverständlich, die Bestimmung des Hormonspiegels habe „keinen praktischen Wert".5
Ein niedriges Östradiol beweist die Menopause also nicht – und ein noch normaler Wert schließt sie nicht aus.
Unter Hormontherapie: Pille, Hormonersatz, Kinderwunsch
Ein Östradiol-Wert unter laufender Hormonbehandlung liest sich völlig anders – und manche Präparate stören sogar die Messung selbst. Das Ulmer Verzeichnis nennt drei Punkte, die auf jeden Befund gehören:1
- Steroidmedikamente können den Test beeinflussen.
- Unter Fulvestrant (einem Antiöstrogen in der Brustkrebstherapie) kann Östradiol falsch hoch gemessen werden; der Test soll wegen Kreuzreaktivität nicht zur Überwachung dieser Patientinnen verwendet werden.
- Das Ethinylestradiol kombinierter Pillen wird vom Test praktisch nicht erfasst (Kreuzreaktivität unter 0,3 %). Ein niedriger Wert unter der Pille spiegelt also die unterdrückte körpereigene Produktion wider – und nicht den Wirkstoff der Pille.
Bei der Kinderwunschbehandlung gehört die Bestimmung fest zum Programm: Die G-BA-Richtlinien über künstliche Befruchtung führen „laboratoriumsmedizinische Bestimmungen von luteinisierendem Hormon, Östradiol und Progesteron" ausdrücklich unter den Maßnahmen auf.11 Wie engmaschig gemessen wird, ist international allerdings uneinheitlich – eine weltweite Befragung von Zentren zeigt deutliche Unterschiede in der Überwachungspraxis.8
Setzen Sie deswegen niemals eigenmächtig ein Medikament ab und ändern Sie keine Dosis. Bringen Sie stattdessen die vollständige Medikamentenliste zur Blutabnahme mit.
Einflussfaktoren und Störfaktoren
Neben Zyklustag, Alter und Menopausenstatus beeinflussen den Wert oder seine Aussagekraft:
- hohe Biotin-Dosen (> 5 mg/Tag): Die Blutabnahme soll frühestens 8 Stunden nach der letzten Einnahme erfolgen;1
- seltene Antikörper gegen Kaninchen-, Ruthenium- oder Streptavidin-Bestandteile des Tests;1
- das Messverfahren: Übliche Immunoassays sind im niedrigen Bereich – Mann, Kind, Postmenopause – unzuverlässig. Referenzintervalle, die per LC-MS/MS bestimmt wurden, zeigen, wie tief diese Konzentrationen tatsächlich liegen; methodisch gilt die Massenspektrometrie als das genauere Verfahren.1012
- Übergewicht, das über die Aromatase im Fettgewebe die Östradiol-Bildung erhöht;67
- ein unregelmäßiger Zyklus, der die Zuordnung zu einer Phase erschwert.
Ein Hinweis in eigener Sache: Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hat wiederholt vor selbst bestellten Speichel-Hormontests samt Laieninterpretation gewarnt – im geschilderten Fall wurde ein angebliches Ungleichgewicht durch eine ordentliche Serummessung widerlegt.13 Ein Östradiol gehört in den ärztlichen Befund, nicht in ein Onlineangebot.
Neuere Erkenntnisse aus der Forschung
- Östradiol ist ein Stoffwechselhormon beider Geschlechter. Eine Übersichtsarbeit in Nature Metabolism fasst zusammen, wie Östradiol Fettverteilung, Glukose- und Fettstoffwechsel und die Gefäßfunktion mitreguliert – und warum der Abfall in den Wechseljahren mit einer ungünstigeren Stoffwechsellage einhergeht.7 Das erklärt, warum in dieser Lebensphase auch Blutzucker, Triglyzeride und das HDL-Cholesterin neu bewertet werden.
- Referenzwerte per Massenspektrometrie. Eine große dänische Arbeit hat geschlechtsspezifische Östrogen-Referenzintervalle vom Säuglings- bis ins hohe Erwachsenenalter per LC-MS/MS bestimmt und damit gezeigt, wie niedrig die Konzentrationen außerhalb des fruchtbaren Alters wirklich sind.10
- Die Messung selbst bleibt die Schwachstelle. Eine methodische Übersicht zur Quantifizierung von Östrogenen kommt zu dem Schluss, dass die Wahl des Verfahrens bei niedrigen Konzentrationen Teil des Ergebnisses ist.12
- Gynäkomastie beim Mann: ein klarer Diagnostikpfad. Die CME-Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (2025) legt die Basisdiagnostik fest – Anamnese, Untersuchung, Mamma- und Hodensonografie sowie Gesamttestosteron, Estradiol, LH, hCG und Prolaktin; erweiternd kommen Leberwerte, Nierenwerte, FSH, TSH, fT4 und DHEA hinzu.6 Für den Wert von Beta-hCG ist das ein wichtiger Baustein, weil eine ektope hCG-Produktion zu den Ursachen gehört.
Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Verlaufskontrolle. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.
Lassen Sie Ihr Östradiol im Zusammenhang einordnen
Ein Östradiol-Wert allein sagt fast nichts. Erst zusammen mit dem Zyklustag, mit FSH, LH und Progesteron, Ihrem Lebensabschnitt und Ihren Medikamenten ergibt sich ein Bild – siehe Hormonstatus.
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Häufige Fragen
Heißt es Östradiol oder Estradiol? Beides ist richtig und meint denselben Stoff, 17β-Östradiol. Deutsche Befunde verwenden häufig die Schreibweise Estradiol oder das Kürzel E2; im Alltag ist Östradiol gebräuchlicher.
Was ist ein normaler Östradiol-Wert? Das hängt vom Zyklustag ab. Orientierend nennt das Universitätsklinikum Ulm 30,9–90,4 pg/ml in der Follikelphase, 60,4–533 pg/ml um den Eisprung und 60,4–232 pg/ml in der Lutealphase; beim Mann 11,3–43,2 pg/ml.1 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
Wie rechne ich pg/ml in pmol/l um? Mit dem Faktor 3,67: pg/ml × 3,67 = pmol/l, umgekehrt pmol/l × 0,272 = pg/ml. Die Angabe ng/l auf deutschen Befunden ist zahlenmäßig identisch mit pg/ml.1
Beweist ein niedriges Östradiol die Wechseljahre? Nein. Die Diagnose ist klinisch: bei Frauen über 45 Jahren gilt eine mindestens 12-monatige Amenorrhoe als entscheidender Hinweis; Estradiol kann allenfalls in Zweifelsfällen ergänzen.3 Das IQWiG hält die Hormonbestimmung dafür für praktisch wertlos.5
An welchem Zyklustag soll Östradiol bestimmt werden? Das gibt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt je nach Fragestellung vor – zur Beurteilung der Eierstockfunktion meist früh im Zyklus, bei einer Kinderwunschbehandlung mehrfach über wenige Tage.8 Tag 1 ist der erste Tag der richtigen Blutung.
Wozu wird Östradiol beim Mann bestimmt? Vor allem bei Gynäkomastie. Estradiol gehört dort zur Basisdiagnostik zusammen mit Gesamttestosteron, LH, hCG und Prolaktin.6
Verfälscht die Pille den Östradiol-Wert? Sie verändert ihn grundlegend. Das Ethinylestradiol kombinierter Pillen wird vom Test kaum erfasst (Kreuzreaktivität unter 0,3 %), sodass ein niedriger Wert die unterdrückte körpereigene Produktion abbildet.1 Nennen Sie im Labor immer alle Hormonpräparate.
Sind Speichel-Hormontests eine Alternative? Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie steht selbst bestellten Speichel-Hormonprofilen mit Laieninterpretation ausgesprochen kritisch gegenüber.13 Für Östradiol ist die Serumbestimmung im ärztlichen Kontext der Standard.
Das Wichtigste zum Schluss
Östradiol (Estradiol, E2) ist das wichtigste Östrogen – und der Laborwert, der ohne Kontext am wenigsten aussagt. Merken Sie sich die Größenordnungen (Follikelphase rund 31–90 pg/ml, Ovulation bis über 500, Mann 11–43 pg/ml, Umrechnung × 3,67 in pmol/l) und vor allem die Leseregel: ohne Zyklustag kein Ergebnis. Ein niedriger Wert nach der Menopause ist normal und beweist nichts – die Menopause ist eine klinische Diagnose. Unter Pille, Hormonersatz oder Stimulation gelten eigene Maßstäbe, und einzelne Wirkstoffe stören sogar die Messung. Die Zusammenschau mit FSH, LH, Progesteron, Prolaktin, Testosteron, Cortisol und dem TSH-Wert im Hormonstatus bereitet AI DiagMe ergänzend zu Ihrer ärztlichen Betreuung auf.
Quellen
Offizielle deutsche Quellen und geprüfte wissenschaftliche Publikationen (PubMed):
Footnotes
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Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis Östradiol (FB-PÄ 6 OEST OE), Revision 002/13.04.2023: Referenzbereiche, Umrechnung, Stör- und Einflussfaktoren. uniklinik-ulm.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18
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