TPO-Antikörper (TPO-AK) erhöht: Werte und Hashimoto
TPO-Antikörper sind bei 7 bis 14 Prozent der Bevölkerung nachweisbar und meist harmlos: was ein positiver Wert bedeutet und wann wirklich Hashimoto vorliegt.
TPO-Antikörper – auf dem Laborbefund meist TPO-AK, Anti-TPO oder A-TPO – sind Autoantikörper: Abwehrstoffe, die Ihr Immunsystem irrtümlich gegen ein körpereigenes Enzym der Schilddrüse bildet, die Thyreoperoxidase. Ihr Nachweis spricht für eine Autoimmunreaktion der Schilddrüse, meist im Sinne einer Hashimoto-Thyreoiditis. Und hier kommt der wichtigste Satz dieses Ratgebers gleich zu Beginn: Ein positiver Antikörperbefund ist für sich genommen noch nicht krankhaft.1 Ob Ihre Schilddrüse zu wenig, zu viel oder genau richtig arbeitet, sagen der TSH-Wert und die freien Hormone fT4 und fT3 – nicht die Antikörper. TPO-AK gehören zu den Schilddrüsenwerten.
Das Wichtigste in Kürze
- TPO-AK richten sich gegen die Thyreoperoxidase, das Enzym, das die Schilddrüsenhormone herstellt; früher hießen sie „mikrosomale Antikörper“ (MAK).1
- TPO-AK sind bei 7 bis 14 % der Gesamtbevölkerung nachweisbar – die meisten dieser Menschen sind schilddrüsengesund.2
- Bei etwa 90 % der Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis sind die TPO-AK erhöht; ein negativer Wert schließt eine Autoimmunthyreoiditis aber nicht aus.13
- ⚠️ Die Titerhöhe korreliert nicht mit der Krankheitsaktivität. Ein Wert von 900 IU/ml ist nicht „schlimmer“ als einer von 90.1
- ⚠️ Verlaufskontrollen der TPO-AK sind nicht sinnvoll: Aus einem „TPO-Verlauf“ ergeben sich laut der deutschen Hausarzt-Leitlinie keine Konsequenzen für die Behandlung.2
- Bei normalem TSH sollen TPO-AK laut derselben Leitlinie gar nicht bestimmt werden – auch nicht bei Schwangeren.2
- TPO-AK sind keine Tumormarker und haben mit Schilddrüsenkrebs nichts zu tun.
Was sind TPO-Antikörper?
Die Thyreoperoxidase (TPO) ist ein membrangebundenes Enzym der Schilddrüse: Es baut Jod in die Vorstufen von T4 und T3 ein. Im Rahmen eines Autoimmungeschehens kann der Körper Antikörper gegen TPO bilden.1 Der ältere Name „mikrosomale Antikörper“ stammt daher, dass frühere Tests gereinigte Schilddrüsenmikrosomen als Antigen verwendeten.
Der Nachweis ist ein Marker, kein Funktionswert: Er zeigt, dass das Immunsystem die Schilddrüse ins Visier genommen hat – nicht, wie viel Hormon die Drüse produziert oder wie es weitergeht.
Autoantikörper ≠ Krankheit. Die deutsche Hausarzt-Leitlinie formuliert es deutlich: Das isolierte Vorliegen von TPO-AK – ohne laborchemischen Nachweis einer Unterfunktion und ohne passenden Ultraschallbefund – begründet die Diagnose „Hashimoto-Thyreoiditis“ nicht hinreichend.2
Neben den TPO-AK gibt es zwei weitere Schilddrüsenantikörper, die oft verwechselt werden: die Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK) und die TRAK, die Antikörper gegen den TSH-Rezeptor. Letztere sind der Marker des Morbus Basedow (Überfunktion), nicht der Hashimoto-Thyreoiditis – zwei verschiedene Antikörper, zwei verschiedene Erkrankungen.4
Warum werden TPO-Antikörper bestimmt?
Typische Anlässe sind laut dem Leistungsverzeichnis deutscher Zentrallabore: Verdacht auf eine Autoimmunthyreoiditis, TSH-Anstieg oder Struma unklarer Ursache, Verdacht auf eine polyglanduläre Autoimmunerkrankung, eine Post-partum-Thyreoiditis sowie die Abklärung einer unklaren Über- oder Unterfunktion.1
Die deutsche Hausarzt-Leitlinie ist dabei bewusst zurückhaltend:2
- Bei latenter (subklinischer) Hypothyreose – TSH erhöht, fT4 noch normal – kann einmalig bestimmt werden, um den Verdacht auf Hashimoto zu klären.
- Eine Wiederholungsmessung soll nicht erfolgen.
- Bei TSH im Normbereich soll nicht bestimmt werden – auch nicht bei Schwangeren.
- Bei Schwangeren mit erhöhtem TSH kann einmalig bestimmt werden, sofern noch nie geschehen.
Bei bereits manifester Unterfunktion bringt die Bestimmung für die hausärztliche Entscheidung keinen Zugewinn – die Leitlinie räumt aber ein, dass manche Menschen für ihr Krankheitsverständnis davon profitieren, die Ursache zu kennen, während sie andere verunsichert.2
Müssen Sie für TPO-Antikörper nüchtern sein?
Der Antikörperspiegel schwankt nicht mit den Mahlzeiten; für die Aussage „positiv oder negativ“ spielt Essen keine Rolle. Die Präanalytik-Vorgaben können je nach Labor dennoch strenger sein: Das Zentrallabor des Universitätsklinikums Bonn empfiehlt die Blutentnahme möglichst vormittags am nüchternen Patienten – eine allgemeine Standardisierungsregel, keine Besonderheit der TPO-AK.1 Halten Sie sich im Zweifel an Ihre Praxis.
Zwei echte Störfaktoren: Das Antimykotikum Itraconazol kann falsch erhöhte Werte verursachen, und bei Biotin (Vitamin B7, „Haut-Haare-Nägel“-Präparate) über 5 mg pro Tag sollten zwischen Einnahme und Blutentnahme mindestens 8 Stunden liegen.1 Erwähnen Sie solche Präparate immer.
Normalwerte der TPO-Antikörper
Es gibt keinen universellen Grenzwert: Der Cut-off hängt vom verwendeten Testsystem ab. Die folgenden altersabhängigen Referenzbereiche stammen aus dem Leistungsverzeichnis des Universitätsklinikums Bonn (ECLIA, cobas e801):1
| Alter | Referenzbereich | Einheit |
|---|---|---|
| bis 5 Tage | unter 117 | IU/ml |
| 6 Tage – 3 Monate | unter 47 | IU/ml |
| 4 – 12 Monate | unter 32 | IU/ml |
| 1 – 6 Jahre | unter 13 | IU/ml |
| 7 – 11 Jahre | unter 18 | IU/ml |
| 12 – 20 Jahre | unter 26 | IU/ml |
| 21 – 99 Jahre | unter 34 | IU/ml |
So lesen Sie das richtig: Die Einheit ist IU/ml (auch IE/ml oder kIU/l geschrieben). Andere deutsche Labore arbeiten mit anderen Testsystemen und geben je nach Reagenz Grenzen von etwa 20, 35 oder 60 IU/ml an. Dieselbe Blutprobe kann in einem Labor „grenzwertig“, im anderen „negativ“ sein. Maßgeblich ist ausschließlich der Referenzbereich, der auf Ihrem Befund steht – nicht ein im Internet gefundener Wert.
Ihre Werte verstehen
TPO-Antikörper werden nie allein gelesen. Erst zusammen mit TSH und fT4 ergeben sie ein Bild.
TPO-Antikörper erhöht – was heißt das?
Ein positiver Befund zeigt eine Autoimmunreaktion der Schilddrüse an. Zwei Zusammenhänge dominieren:43
- Hashimoto-Thyreoiditis: die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und hierzulande die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion.5 TPO-AK sind bei etwa 90 bis 95 % der Betroffenen positiv.3
- Morbus Basedow (Überfunktion): Auch hier sind TPO-AK in etwa 70 bis 80 % der Fälle positiv – bewiesen wird der Basedow aber durch die TRAK.3
Und dann die größte Gruppe überhaupt: gesunde Menschen mit positiven TPO-AK. Das Deutsche Ärzteblatt hält fest, dass TPO-AK „sogar bei Gesunden“ vorkommen.3 Deshalb gilt der Satz aus dem Bonner Leistungsverzeichnis: „Ein positiver Antikörpernachweis für sich ist noch nicht als pathologisch zu sehen.“1
Wie häufig sind positive TPO-Antikörper in Deutschland?
Zwei deutsche Quellen, eine beruhigende Botschaft:
- Die DEGAM-Leitlinie gibt an, dass TPO-AK bei 7 bis 14 % der Gesamtbevölkerung nachweisbar sind.2
- Die bevölkerungsbezogene SHIP-Studie aus Vorpommern maß bei zwei unabhängigen Stichproben erhöhte TPO-AK bei 6,7 % (SHIP-0, 1997–2001) und 5,2 % (SHIP-TREND, 2008–2012) der Erwachsenen – bei Frauen 9,9 % bzw. 7,1 %, bei Männern jeweils 3,7 %.6
Die Zahlen liegen in derselben Größenordnung; dass SHIP etwas niedriger liegt, erklärt sich durch die dort verwendeten hohen Grenzwerte (≥ 60 IU/ml bei Männern, ≥ 100 IU/ml bei Frauen).6 Halten Sie das dagegen: An einer Hashimoto-Thyreoiditis erkranken nach IQWiG-Angaben schätzungsweise 4 von 1 000 Frauen und 1 von 1 000 Männern.5 Zwischen „Antikörper nachweisbar“ und „krank“ liegt also ein Faktor in der Größenordnung von zwanzig bis dreißig.
Spielt die Höhe des Titers eine Rolle?
Nein. „Die Titerhöhe korreliert nicht mit der Krankheitsaktivität“, stellt das Universitätsklinikum Bonn fest.1 Ein Wert von 1 200 IU/ml bedeutet nicht mehr Krankheit als einer von 120. Genau deshalb ist auch die Verlaufskontrolle sinnlos: Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt, TPO-AK nicht zu wiederholen, weil sich aus einem „TPO-Verlauf“ keine Konsequenzen ergeben.2 Werden Ihnen halbjährliche Antikörperkontrollen angeboten, um „den Verlauf zu beobachten“: Das ist keine Empfehlung der deutschen Leitlinie.
TPO-Antikörper und latente Hypothyreose
Ist Ihr TSH leicht erhöht und das fT4 noch normal, spricht man von einer latenten (subklinischen) Hypothyreose. Positive TPO-AK bedeuten hier ein gering erhöhtes Risiko, dass daraus eine behandlungsbedürftige Unterfunktion wird.27 Wichtig: Die deutsche Leitlinie weist darauf hin, dass dieses Risiko stärker mit der Höhe des TSH-Wertes korreliert als mit den Antikörpern.2 Der Antikörperbefund ist ein Nebenargument – der TSH-Verlauf bleibt die Hauptsache.
Das Zusammenspiel auf einen Blick
| TPO-AK | TSH / fT4 | Übliche Einordnung |
|---|---|---|
| positiv | beide normal | Autoimmunität ohne Funktionsstörung – sehr häufig, in der Regel nur Beobachtung |
| positiv | TSH erhöht, fT4 normal | latente Hypothyreose, Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis |
| positiv | TSH erhöht, fT4 erniedrigt | manifeste Hypothyreose (Hashimoto) |
| positiv | TSH erniedrigt, fT4 erhöht | Überfunktion – an Morbus Basedow denken, TRAK prüfen |
| negativ | auffällig | nicht-autoimmune Ursache, oder seronegative Verlaufsform |
Ein normaler TPO-AK-Wert schließt eine Autoimmunthyreoiditis nicht aus: Bei typischem Befund helfen ergänzend die Thyreoglobulin-Antikörper, und es gibt seronegative Formen.13
Selen, Jod, glutenfrei: was die deutschen Quellen wirklich sagen
Rund um Hashimoto ist in Deutschland ein großer Markt aus Präparaten und Ernährungsprogrammen entstanden. Die Hausarzt-Leitlinie ist hier eindeutig: Es gibt keine Evidenz, dass die zusätzliche Gabe von Spurenelementen, pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln – ausdrücklich genannt: Jod, Selen, Vitamine – bei Hypothyreose und Hashimoto-Thyreoiditis einen patientenbezogenen Nutzen hat.2
Zum Selen: Eine Metaanalyse von 35 randomisierten Studien fand 2024, dass Selen den TPO-AK-Spiegel senkt und bei Menschen ohne Hormonersatz auch den TSH – ohne Veränderung von fT4 und fT3.8 Genau hier liegt der Denkfehler: Gesenkt wird eine Laborzahl, deren Höhe nach deutscher Quellenlage ohnehin nicht mit der Krankheitsaktivität zusammenhängt.1
Zur glutenfreien Ernährung ohne Zöliakie: Eine Metaanalyse von 2025 konnte nur drei Studien mit 110 Teilnehmenden auswerten. TSH, fT3 und fT4 änderten sich nicht signifikant; die TPO-AK stiegen unter glutenfreier Kost sogar an, und die Aussagekraft der Daten wird von den Autoren selbst als sehr unsicher eingestuft.9 Eine belastbare Grundlage für eine Ausschlussdiät gibt es derzeit nicht.
Das ist keine Aufforderung, etwas abzusetzen oder anzufangen. Besprechen Sie jede Nahrungsergänzung und jede Ernährungsumstellung ärztlich – gerade weil eine sehr hohe Jodzufuhr (etwa durch jodhaltiges Röntgenkontrastmittel) bei entsprechender Veranlagung Beschwerden auslösen kann.5
TPO-Antikörper in der Schwangerschaft
Hier ist Sorgfalt wichtiger als Aktionismus. Die Hausarzt-Leitlinie empfiehlt bei euthyreoten Schwangeren (normales TSH) keine TPO-AK-Bestimmung, weil daraus keine anderen Konsequenzen folgen als bei Nichtschwangeren.2 Grundlage ist unter anderem die TABLET-Studie: 952 euthyreote TPO-AK-positive Frauen mit vorausgegangener Fehlgeburt oder Infertilität erhielten Levothyroxin oder Placebo – weder Lebendgeburten- noch Fehlgeburtsrate wurden verbessert.10
Was bleibt, ist die Beobachtung der Schilddrüsenfunktion. In derselben Studienpopulation entwickelten rund 7 % der zuvor euthyreoten TPO-AK-positiven Frauen im Jahr vor oder während der Schwangerschaft eine Unterfunktion.11 Entsprechend empfiehlt die S2k-Leitlinie der DGGG zu wiederholten Spontanaborten: Bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten und nachgewiesenen TPO-Antikörpern sollte eine Kontrolle der TSH-Konzentration in der Frühschwangerschaft erfolgen.12 Ebenfalls relevant: Die Post-partum-Thyreoiditis betrifft etwa 7 bis 9 % der Frauen nach einer Geburt.1
Wenn Sie schwanger sind oder es werden möchten und positive TPO-AK kennen: Sprechen Sie das in der Schwangerenvorsorge an. Kontrolliert wird der TSH-Wert, nicht die Antikörper.
Einflussfaktoren
Positive TPO-AK sind häufiger bei Frauen, sie nehmen mit dem Alter zu und treten gehäuft bei anderen Autoimmunerkrankungen auf – genannt werden Typ-1-Diabetes (siehe Blutzucker), Morbus Addison, rheumatoide Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen sowie die perniziöse Anämie, die sich im großen Blutbild über ein erhöhtes MCV andeuten kann.231 Auch eine Zöliakie wird bei Hashimoto häufiger gesucht.5 Als Umweltfaktoren gelten eine hohe Jodversorgung, Selenmangel und Rauchen; die Häufigkeit steigt nach einer Schwangerschaft.3 Führt Hashimoto zur Unterfunktion, können auch die Cholesterinwerte, insbesondere das LDL-Cholesterin, steigen.
Neues aus der Forschung
Aus aktuellen, in PubMed indexierten Arbeiten:
- Selen senkt Zahlen, nicht Beschwerden. Die bislang größte Metaanalyse randomisierter Studien (35 Studien) zeigte 2024 eine Senkung von TPO-AK und – ohne Hormonersatz – auch des TSH, ohne Effekt auf fT4 und fT3; patientenrelevante Endpunkte blieben offen.8
- Glutenfrei ohne Zöliakie: keine Grundlage. Eine Metaanalyse von 2025 (drei Studien, 110 Teilnehmende) fand keine signifikanten Änderungen von TSH, fT3 und fT4 – und einen Anstieg der TPO-AK; die Evidenz wird als sehr unsicher bewertet.9
- Vor der Schwangerschaft: beobachten statt behandeln. In der TABLET-Kohorte entwickelten etwa 7 % der TPO-AK-positiven Frauen binnen eines Jahres eine Unterfunktion – ein Argument für TSH-Kontrollen.1110
- Antikörper trennen Krankheitsbilder. Aktuelle Übersichtsarbeiten schärfen die Rollenteilung: TPO-AK als Marker der Autoimmunthyreoiditis, TRAK als entscheidender Marker des Morbus Basedow.4
Diese Ergebnisse betreffen Diagnostik und Nachsorge. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen das ärztliche Gespräch nicht.
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Häufige Fragen
Was bedeuten erhöhte TPO-Antikörper? Sie zeigen eine Autoimmunreaktion gegen die Schilddrüse an, meist im Sinne einer Hashimoto-Thyreoiditis – nicht aber, ob die Schilddrüse gestört arbeitet. Ein positiver Antikörpernachweis allein ist noch nicht krankhaft.1
Ab welchem Wert sind TPO-Antikörper erhöht? Das hängt vom Testsystem ab. Ein häufiger Erwachsenen-Grenzwert liegt bei unter 34 IU/ml, andere Labore verwenden andere Cut-offs. Maßgeblich ist der Referenzbereich auf Ihrem eigenen Befund.1
Habe ich Hashimoto, wenn meine TPO-AK positiv sind? Nicht automatisch. Die deutsche Hausarzt-Leitlinie hält fest, dass isoliert positive TPO-AK – ohne Unterfunktion im Labor und ohne passenden Ultraschallbefund – die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis nicht hinreichend begründen.2
TPO-Antikörper hoch, TSH normal: was nun? Eine häufige und im Kern beruhigende Konstellation: Ihre Schilddrüse arbeitet. Üblich ist eine ärztlich festgelegte Beobachtung des TSH-Wertes plus eine Kontrolle bei Schwangerschaft oder neuen Beschwerden. Bei normalem TSH sollen TPO-AK laut Leitlinie gar nicht erst bestimmt werden.2
Sollte man den TPO-AK-Wert regelmäßig kontrollieren? Nein. Eine Wiederholungsmessung soll laut DEGAM-Leitlinie nicht erfolgen, da sich aus einem „TPO-Verlauf“ keine Konsequenzen für die Behandlung ergeben.2 Die Titerhöhe korreliert ohnehin nicht mit der Krankheitsaktivität.1
Wie kann man TPO-Antikörper senken? Ein Absenken der Antikörper ist kein Behandlungsziel. Behandelt wird eine Unterfunktion, wenn sie vorliegt – mit Levothyroxin, dessen Dosis ärztlich anhand des TSH eingestellt wird. Selen kann den Antikörperwert in Studien senken, ohne belegten patientenbezogenen Nutzen; die deutsche Leitlinie sieht dafür keine Evidenz.82
Was ist der Unterschied zwischen TPO-AK und TRAK? TPO-AK sind der Marker der Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto). TRAK richten sich gegen den TSH-Rezeptor und sind der entscheidende Marker des Morbus Basedow, also einer Überfunktion. Zwei Antikörper, zwei Krankheitsbilder.4
Und der Unterschied zu den Thyreoglobulin-Antikörpern? Tg-AK sind der zweite Hashimoto-Antikörper. Sind die TPO-AK bei typischer Klinik negativ, kann die Tg-AK-Bestimmung ergänzend helfen.13
Bedeuten TPO-Antikörper ein erhöhtes Krebsrisiko? Nein. TPO-AK sind keine Tumormarker. Der Marker, der beim medullären Schilddrüsenkarzinom eine Rolle spielt, ist das Calcitonin – ein völlig anderer Wert.
Sind positive TPO-AK in der Schwangerschaft gefährlich? Sie sind ein Grund für Aufmerksamkeit, nicht für Alarm. Kontrolliert wird der TSH-Wert; eine vorsorgliche Levothyroxin-Gabe bei euthyreoten Frauen hat den Schwangerschaftsverlauf in der TABLET-Studie nicht verbessert.1012
Zum Mitnehmen
TPO-Antikörper weisen auf eine Autoimmunreaktion der Schilddrüse hin – meist Hashimoto-Thyreoiditis, gelegentlich Morbus Basedow, sehr oft aber schlicht auf einen Befund bei Gesunden: 7 bis 14 % der Bevölkerung tragen sie, während nur etwa 4 von 1 000 Frauen und 1 von 1 000 Männern an Hashimoto erkranken.25 Merken Sie sich die drei Sätze, die hierzulande am häufigsten fehlen: Ein positiver Wert ist für sich noch nicht krankhaft, die Titerhöhe sagt nichts über die Krankheitsaktivität, und ein Verlaufsmonitoring der Antikörper ist nicht sinnvoll.12 Was zählt, ist der TSH-Wert mit fT4 und fT3. Kein Laborwert steht für sich – erst das Gesamtbild ergibt Sinn, und dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Deutsche Leitlinien und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
</content>Footnotes
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Universitätsklinikum Bonn, Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie – Zentrallabor, Leistungsverzeichnis LV ATPO – Thyreoperoxidase-Antikörper, Version 1, gültig ab 18.09.2025: Indikationen, Hinweis „Ein positiver Antikörpernachweis für sich ist noch nicht als pathologisch zu sehen“, fehlende Korrelation von Titerhöhe und Krankheitsaktivität, Nachweis bei 90 % der chronischen Autoimmunthyreoiditis, Post-partum-Thyreoiditis bei 7–9 % der Frauen, Störfaktoren Itraconazol und Biotin, altersabhängige Referenzbereiche (Erwachsene < 34 IU/ml, ECLIA, cobas e801). ukbonn.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20
-
Schübel J, Voigt K, Uebel T et al. – DEGAM-S2k-Leitlinie Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, AWMF-Register-Nr. 053-046, Langfassung (Stand 2023, AWMF-Fassung 07/2024): Kapitel 5.4.3 Schilddrüsenautoantikörper (Empfehlungen 5.4.3.1 a–e: einmalige Bestimmung nur bei latenter Hypothyreose, keine Wiederholungsmessung, keine Bestimmung bei normalem TSH und bei euthyreoten Schwangeren; TPO-AK bei 7–14 % der Gesamtbevölkerung; isolierte TPO-AK begründen die Diagnose nicht hinreichend; Risiko korreliert stärker mit der TSH-Höhe) sowie Kapitel 6.2 (keine Evidenz für Jod, Selen, Vitamine oder pflanzliche Präparate). register.awmf.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19
-
Zieren HU. Hashimoto-Thyreoiditis: Nach aktueller Symptomatik und Befunden therapieren. Dtsch Arztebl 2021; 118(37): 16: TPO-AK bei etwa 90–95 % der Hashimoto-Patienten, bei circa 70–80 % beim Morbus Basedow und auch bei Gesunden positiv; Tg-AK als Ergänzung; seronegative Verlaufsformen; assoziierte Autoimmunerkrankungen; Jodversorgung, Selenmangel und Rauchen als diskutierte Umweltfaktoren. aerzteblatt.de · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9
-
Petranović Ovčariček P, Görges R, Giovanella L. Autoimmune Thyroid Diseases. Semin Nucl Med, 2024. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
IQWiG – gesundheitsinformation.de, Hashimoto-Thyreoiditis: häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland, Erkrankungshäufigkeit rund 4 von 1 000 Frauen und 1 von 1 000 Männern, Erkrankungsgipfel zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, Rolle des Antikörpernachweises in der Diagnostik, sehr hohe Jodzufuhr als möglicher Auslöser, Suche nach Zöliakie und Diabetes bei entsprechendem Verdacht, Behandlung mit L-Thyroxin. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5
-
Khattak RM, Ittermann T, Nauck M, Below H, Völzke H. Monitoring the prevalence of thyroid disorders in the adult population of Northeast Germany. Popul Health Metr, 2016. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Biondi B, Cappola AR, Cooper DS. Subclinical Hypothyroidism: A Review. JAMA, 2019. PubMed · DOI ↩
-
Huwiler VV, Maissen-Abgottspon S, Stanga Z et al. Selenium Supplementation in Patients with Hashimoto Thyroiditis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Thyroid, 2024. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Araújo EMQ, Coutinho-Lima CRO, Sousa AS et al. Effects of Gluten-Free Diet in Non-Celiac Hashimoto's Thyroiditis: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients, 2025. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Dhillon-Smith RK, Middleton LJ, Sunner KK et al. Levothyroxine in Women with Thyroid Peroxidase Antibodies before Conception. N Engl J Med, 2019. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Gill S, Cheed V, Morton VAH et al. Evaluating the Progression to Hypothyroidism in Preconception Euthyroid Thyroid Peroxidase Antibody-Positive Women. J Clin Endocrinol Metab, 2022. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
DGGG, OEGGG, SGGG – S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten, AWMF-Register-Nr. 015-050, Fassung 08/2022: Kapitel 3.5.1.3 Schilddrüsenfunktionsstörungen und konsensbasierte Empfehlung 3-5.E23 („Bei Frauen mit WSA und Vorliegen von TPO-Antikörpern sollte eine Kontrolle der TSH-Konzentration in der Frühschwangerschaft erfolgen“), Bewertung der L-Thyroxin-Studien bei TPO-AK-positiven euthyreoten Frauen. register.awmf.org ↩ ↩2