Sommaire

Borrelien-Antikörper: Test, IgG positiv, Wanderröte

Bei typischer Wanderröte ist keine Serologie nötig, behandelt wird sofort. Ein positives IgG allein beweist nichts: 13 Prozent der Männer sind seropositiv.

Publié le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Borrelien-Antikörper – auf dem Befund meist als Borrelia burgdorferi IgG und IgM – sind Abwehrstoffe gegen die Bakterien, die eine Lyme-Borreliose auslösen und durch den Zeckenstich übertragen werden. Der Test gehört zu den Serologien: Er misst nicht den Erreger, sondern Ihre Immunantwort. Dieser Ratgeber beginnt mit dem Satz, der hierzulande am häufigsten fehlt: Die klassische Wanderröte wird mit den Augen diagnostiziert, nicht im Labor. Eine Blutuntersuchung ist in diesem Stadium weder nötig noch hilfreich – sie ist oft noch negativ und darf die Behandlung nicht verzögern.1

Das Wichtigste in Kürze

  • ⚠️ Typische Wanderröte = kein Labortest. Die S2k-Leitlinie: „Liegt ein typisches Erythema migrans vor, soll keine weitere labordiagnostische Absicherung (serologisch, kulturell, molekularbiologisch) erfolgen“ – und: „soll sofort mit der antibiotischen Therapie begonnen werden.“1
  • ⚠️ Ein positives IgG allein beweist keine Erkrankung. Bundesweit waren 5,8 % der Frauen und 13,0 % der Männer seropositiv – ganz überwiegend Gesunde.2
  • Die Serologie läuft zweistufig: erst ELISA als Suchtest, bei positivem oder grenzwertigem Ergebnis ein Immunoblot zur Bestätigung.31
  • Für eine Neuroborreliose genügt Blut nicht: Nötig ist eine Liquoruntersuchung mit dem borrelienspezifischen Antikörper-Index (AI).43
  • ⚠️ Keine Kontrolle „ob es weg ist“. Antikörper und AI bleiben oft Jahre positiv; zur Therapiekontrolle sollen sie nicht dienen.4
  • LTT-Borrelien, ELISPOT und CD57-Zellen sollen nach beiden deutschen Leitlinien nicht eingesetzt werden.41
  • Die Borreliose ist nicht bundesweit meldepflichtig – Landesverordnungen gibt es in neun Bundesländern.3

Wanderröte: der Befund, für den Sie keinen Bluttest brauchen

Die Wanderröte (Erythema migrans) ist das häufigste Zeichen einer frischen Borreliose: In der Würzburger Bevölkerungsstudie war sie bei 89 % der Erkrankten das einzige Symptom.3 Das RKI beschreibt sie präzise: ein randbetontes, nicht erhabenes Erythem von mindestens 5 cm Durchmesser, das sich nach außen ausbreitet, oft mit sichtbarer Einstichstelle in der Mitte – und mit einem symptomfreien Intervall von mindestens drei Tagen zwischen Stich und Rötung. Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 30 Tage (Median 7 bis 10).3 Eine Rötung direkt nach dem Stich, die rasch verschwindet, ist meist eine harmlose Stichreaktion.

Warum hier kein Labor? Weil Antikörper Zeit brauchen. In den ersten Wochen ist die Serologie häufig noch negativ – das RKI nennt das die „diagnostische Lücke“.3 Ein negativer Test würde also falsch beruhigen und die Behandlung verzögern, obwohl gerade die frühe Therapie schwere Verläufe verhindert.3 Das IQWiG: „Eine Borreliose kann bereits durch die körperliche Untersuchung festgestellt werden, wenn sich ein typischer Hautfleck gebildet hat.“5

Und wenn die Rötung untypisch aussieht? Dann kehrt sich die Regel um: Bei atypischem Erythema migrans soll der Verdacht laut S2k-Leitlinie serologisch abgeklärt werden – bei negativer Serologie und fortbestehendem Verdacht durch einen Direktnachweis aus einer Hautprobe.1

Was ein positives IgG nicht bedeutet

Das ist die häufigste Quelle falscher Diagnosen. In Deutschland trägt ein erheblicher Teil der Bevölkerung Borrelien-Antikörper, ohne krank zu sein – Spuren eines alten, oft unbemerkten Kontakts.

GruppeSeroprävalenz
Erwachsene bundesweit, 2008–201125,8 % (Frauen), 13,0 % (Männer)
14- bis 17-Jährige37 %
70- bis 79-Jährige316,4 % (Frauen), 24,5 % (Männer)
Gesunde, je nach Region und Alter43–20 %
Exponierte Waldarbeiter4über 50 %

Zwei deutsche Serosurveys ergaben Gesamtprävalenzen von 8,5 % (1997–99) und 9,3 % (2008–2011); daraus schätzen die Autoren, dass sich mindestens 20 % der Bevölkerung im Lauf des Lebens infizieren.6

Die Folge ist unbequem, aber logisch. Die S2k-Leitlinie schreibt: „Ein positiver Antikörpernachweis ist nicht beweisend für eine klinisch bestehende Lyme Borreliose.“1 Solche Befunde stünden „nicht zwingend mit einer zum Zeitpunkt der Blutentnahme bestehenden Erkrankung in Zusammenhang“, ergänzt das RKI.3 Nur bei ausreichend hoher Vortest-Wahrscheinlichkeit – die Leitlinie nennt über 20 % im untersuchten Kollektiv – hat ein positives Ergebnis einen verwertbaren Vorhersagewert; wird „zur Sicherheit“ bei unspezifischen Beschwerden getestet, sinkt er „auf nahe Null“.1

Dazu kommen Kreuzreaktionen: Falsch positive Befunde sind unter anderem bei Autoimmunerkrankungen, bei der Syphilis – ebenfalls eine Spirochäte – und bei Epstein-Barr-Infektionen möglich.3 Umgekehrt gilt: Bei länger bestehenden Beschwerden schließt ein negativer Befund beim immungesunden Menschen eine Borreliose weitestgehend aus, denn im fortgeschrittenen Stadium sind nahezu alle Erkrankten seropositiv.13

Die Stufendiagnostik: erst ELISA, dann Immunoblot

Kein Einzeltest beweist oder widerlegt eine Borreliose sicher. Deshalb gilt das Stufenprinzip.3

StufeVerfahrenAufgabe
1. StufeELISA (IgM und IgG getrennt)Empfindlicher Suchtest. Negativ → Ende. Positiv oder grenzwertig → 2. Stufe.1
2. StufeImmunoblot / Line BlotSpezifischer Bestätigungstest: zeigt, gegen welche Borrelien-Eiweiße die Antikörper gerichtet sind.1

Positiv ist die Serologie erst, wenn beide Stufen es sind. Ein rekombinanter IgG-Blot gilt als positiv, wenn mindestens zwei Banden aus einer definierten Liste (p83/100, p58, p39, OspC, p41int, DbpA/Osp17, VlsE) reagieren.1

Was heißt „nur wenige Banden“? Ein schmales Spektrum mit Frühphase-Antigenen (VlsE, OspC, p41) passt zu einer frühen Infektion. Ein breites Spektrum mit Spätphase-Antigenen (p100, p17/p18) passt zu einer späten Manifestation – aber ebenso zu einer harmlosen, abgelaufenen Durchseuchung, in der Leitliniensprache einer „Seronarbe“.1 Das Bandenmuster datiert die Immunantwort; es sagt nicht, ob Sie heute krank sind. Ein isoliert positives IgM spricht gegen eine Spätmanifestation.1 Und da die Verfahren nicht standardisiert sind, „muss mit diskrepanten Befunden verschiedener Untersuchungslabore gerechnet werden“.3

Bei medizinischem Anlass zahlt die Kasse: Der EBM bewertet den Suchtest (GOP 32586) mit 6,53 €, den Bestätigungs-Immunoblot (GOP 32662) mit 18,68 €.7

Neuroborreliose: hier reicht Blut nicht

Befällt die Infektion das Nervensystem, ändert sich die Diagnostik grundlegend. Typisch für die frühe Neuroborreliose ist eine nachts betonte, brennend schmerzhafte Meningoradikulitis, oft mit Gesichtslähmung (Bannwarth-Syndrom); betroffen sind 3 bis 15 % der Infektionen.38

Die S3-Leitlinie verlangt hier eine Lumbalpunktion und den borrelienspezifischen Liquor-/Serum-Antikörper-Index (AI) nach Reiber aus einem Liquor-Serum-Paar vom gleichen Tag.43 Der AI weist nach, dass die Antikörper im Nervenwasser selbst gebildet werden; er ist nach 6 bis 8 Wochen bei über 99 % der Betroffenen nachweisbar.4 Daraus ergibt sich die Abstufung der Leitlinie: „möglich“ (typische Klinik plus Antikörper im Serum), „wahrscheinlich“ (zusätzlich entzündliches Liquorsyndrom) und „gesichert“ (zusätzlich positiver AI oder Erregernachweis im Liquor).4

Das Routinelabor spielt nur eine differenzialdiagnostische Rolle. Laut Leitlinie waren bei Neuroborreliose die BSG bei 66 % erhöht, das CRP bei 51 %, unter den Leberwerten die GPT bei 25 % und die Gamma-GT bei 27 %, die Leukozyten nur bei 10 %.4 Ein normales großes Blutbild oder unauffällige Entzündungswerte schließen eine Neuroborreliose also nicht aus – und erhöhte Werte beweisen sie nicht.

Keine Kontrollserologie „ob es weg ist“

Das ist die zweithäufigste Fehlanwendung. Nach behandelter Borreliose sind über Jahre erhöhte IgG- und IgM-Titer bei beschwerdefreien Menschen „keine Seltenheit“.4 Die Serologie taugt daher nicht als Aktivitätsparameter. Die S3-Leitlinie zählt auf, was zur Therapiekontrolle nicht herangezogen werden soll: Antikörperkonzentrationen im Serum, den Liquor-/Serum-Antikörper-Index, oligoklonale Banden, das Gesamteiweiß im Liquor und das Bandenmuster im Immunoblot.4 Beurteilt wird klinisch. Auch das RKI hält fest: Der AI „eignet sich nicht als Marker für eine Therapie-Erfolgskontrolle, er kann über Jahre nach erfolgreicher Therapie erhöht bleiben.“3

LTT, CD57 und Co.: was die deutschen Leitlinien wörtlich sagen

Rund um die Borreliose werden Tests angeboten, die beide deutschen Leitlinien ablehnen – mit dem stärksten Negativ-Empfehlungsgrad (⇓⇓).

Die S3-Leitlinie Neuroborreliose listet unter „Untersuchungsmethoden, die für die Diagnostik der Neuroborreliose nicht geeignet sind“: Lymphozytentransformationstests (LTT), ELISPOT, die CD57-positive/CD3-negative Lymphozyten-Subpopulation, den Antigennachweis aus Körperflüssigkeiten, die PCR aus Serum und Urin, den „Visual Contrast Sensitivity Test“, sogenannte L-Formen, Immunkomplexe sowie kommerzielle Schnelltests (Sensitivität 18–32 %).4 Begründung: „Für die folgend genannten Methoden liegen keine prospektiven kontrollierten Studien vor, die einen Nutzen für die Diagnostik der Neuroborreliose belegen würden.“4

Die S2k-Leitlinie Kutane Lyme Borreliose ist ebenso deutlich: „Insbesondere wegen der mangelnden Spezifität der aktuell verfügbaren Tests soll der LTT nicht angewendet werden.“1 CD57-Zellen, Xenodiagnose und Zytokin-Nachweise führt sie in derselben Aufzählung.1

Die Zahlen dahinter: In einer europäischen Fall-Kontroll-Studie mit 271 Erkrankten und 269 Kontrollpersonen lag die Spezifität der Standard-Stufendiagnostik bei 94,7 %, die der zellulären Tests bei 81,9 % (Spirofind), 52,6 % (LTT-MELISA) und 31,1 % (iSpot Lyme) – Fazit der Autoren: „unfit for clinical use at this stage“.9 Ein Review von 40 Studien stufte auch die CD57-Zellen als ungesichert ein.10

Und der IGeL-Monitor? In der A-Z-Liste des IGeL-Monitors (Medizinischer Dienst Bund) findet sich keine Bewertung zu Borreliose- oder Zeckentests; die einzige serologische Bewertung dort betrifft den Toxoplasmose-Test bei Schwangeren.11 Das ist eine festgestellte Abwesenheit, kein Freispruch: Bewertet werden diese Tests in den Leitlinien.

„Chronische Borreliose“ und PTLDS

Hier geht es um reale Menschen mit realen Beschwerden – Erschöpfung, Muskel- und Gelenkschmerzen, Konzentrationsstörungen. Sie verdienen eine ernsthafte Abklärung. Was die deutschen Quellen bestreiten, ist nicht das Leiden, sondern die Zuschreibung und die daraus abgeleitete Behandlung.

Die S3-Leitlinie hält fest: Systematische Reviews fanden keine wissenschaftliche Grundlage für eine persistierende latente Infektion mit Borrelia burgdorferi, ebenso wenig für chronische zeckenübertragene Co-Infektionen.4 Wurden Menschen mit vermuteter „chronischer Lyme-Borreliose“ an spezialisierten Zentren neu untersucht, ließ sich bei 13 bis 24 % eine gesicherte Borreliose sichern, bei 6 bis 20 % wurde ein PTLDS angenommen – und bei 18 bis 52 % blieb die Diagnose ungeklärt.4 Nötig ist also eine intensive Differenzialdiagnostik, organisch wie psychosozial.4

Zum Post-Treatment Lyme Disease Syndrome (PTLDS) lautet das Statement: „Wegen uneinheitlicher Datenlage lässt sich das sogenannte PTLDS nicht als Krankheitsentität definieren.“ Und die Empfehlung mit Evidenzgrad Ib: „Bei Feststellung eines sogenannten PTLDS soll keine Antibiotikatherapie erfolgen.“4 Lebensqualität, Fatigue, Depression und Kognition sprechen nicht auf Antibiotika an.8 Empfohlen wird eine symptombezogene Behandlung.4 Auch das IQWiG rät von langwierigen Antibiotikakuren ab: Ist die Ursache keine Borrelien-Infektion, „bleibt die Therapie unwirksam“.5

FSME: die andere Zeckenkrankheit – mit Impfung

Dieselbe Zecke überträgt zwei sehr verschiedene Erkrankungen. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird von einem Virus verursacht, die Borreliose von einem Bakterium. Nur 0,1 bis 5 % der Zecken tragen das FSME-Virus, aber 10 bis 35 % Borrelien.12 Der praktische Unterschied: Gegen FSME gibt es eine Schutzimpfung, gegen die Borreliose nicht – ein Impfstoffkandidat ist für Europa noch in klinischer Prüfung.312

Auch regional unterscheiden sie sich: FSME-Risikogebiete liegen laut der jährlich aktualisierten RKI-Karte vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, im südlichen Hessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und im südöstlichen Brandenburg.12 Bei der Borreliose dagegen „ist von einer Infektionsgefährdung in allen Teilen Deutschlands auszugehen“.3

Meldepflicht: nur in neun Bundesländern

Für die Lyme-Borreliose besteht keine bundesweite Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz. Ergänzende Landesverordnungen gibt es laut RKI in Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – neun von sechzehn Ländern.3 Für die FSME gilt bundesweit eine namentliche Meldepflicht.12

Aus diesen neun Ländern stammen die belastbarsten Zahlen: 56.446 gemeldete Fälle zwischen 2013 und 2017, eine Inzidenz zwischen 26 und 41 je 100.000 pro Jahr – und eine Verteilung, die die Bedeutung der Wanderröte unterstreicht: 95 % der Fälle hatten ausschließlich ein Erythema migrans, 2,7 % eine Neuroborreliose, 2,1 % eine Lyme-Arthritis.13

Nach einem Zeckenstich: was jetzt sinnvoll ist

Die Zecke muss mehrere Stunden gesaugt haben, damit Borrelien übertragen werden; deshalb ist das schnelle Entfernen die wirksamste Maßnahme.3 Danach gilt Beobachten statt Testen – aus drei Gründen, die das RKI benennt:3

  • Keine Sofort-Serologie. Antikörper treten zeitversetzt auf; ein Test direkt nach dem Stich zeigt nichts.
  • Keine Untersuchung der Zecke. Ein positiver Befund sagt nicht, ob übertragen wurde; ein negativer kann falsch negativ sein.
  • Keine vorsorglichen Antibiotika. Von einer Antibiotikagabe nach Zeckenstich ist generell abzuraten.

Zur Einordnung: Nach einem Zeckenstich kommt es bei 2,6 bis 5,6 % zu einer Serokonversion, aber nur bei 0,3 bis 1,4 % zu einer Erkrankung – das IQWiG rundet: „etwa 1 von 100 Menschen“.35 Ärztlich abklären lassen sollten Sie eine Wanderröte oder grippeähnliche Beschwerden innerhalb von sechs Wochen nach dem Stich.5

Lassen Sie Ihren Borrelien-Befund von AI DiagMe einordnen

„IgG positiv“ ist keine Diagnose – es kann ein alter, folgenloser Kontakt sein. Sinn ergibt der Befund erst zusammen mit Ihren Beschwerden, dem zeitlichen Ablauf und Werten wie CRP, BSG oder dem großen Blutbild.

👉 AI DiagMe erklärt Ihre Befunde – aus Blut, Urin oder Stuhl – verständlich und im Zusammenhang Ihrer Gesamtsituation. Ein informierendes Angebot, das keine Diagnose stellt und die ärztliche Beurteilung ergänzt.

Aktuelle Forschung

Aus aktuellen, auf PubMed indexierten Arbeiten:

  • Zelluläre Tests fallen im Vergleich durch. Die europäische VICTORY-Studie prüfte drei zelluläre Verfahren gegen die Standard-Stufendiagnostik und fand deutlich niedrigere Spezifitäten – mit entsprechend vielen falsch positiven Ergebnissen.9
  • Die Seroprävalenz ist stabil, aber hoch. Zwei deutsche Bevölkerungssurveys zeigten 8,5 % (1997–99) und 9,3 % (2008–2011); altersstandardisiert blieb der Wert gleich.6
  • 14 Tage genügen bei früher Neuroborreliose. Die aktualisierte S3-Leitlinie stützt sich erstmals auf Klasse-Ia-Evidenz.8 Die Diagnostik bleibt indirekt: Ein Direktnachweis ist in der Routine meist nicht praktikabel, weshalb die sorgfältige Interpretation der Antikörper so wichtig ist.14

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Versorgung. Sie ersetzen die ärztliche Beurteilung nicht.

Häufige Fragen

Brauche ich bei einer Wanderröte einen Bluttest? Nein. Bei typischem Erythema migrans soll laut S2k-Leitlinie keine labordiagnostische Absicherung erfolgen, die Behandlung soll sofort beginnen.1 Nur bei atypischem Bild wird serologisch abgeklärt.1

Was bedeutet „Borrelien IgG positiv“? Dass Ihr Immunsystem Borrelien begegnet ist – irgendwann. In Deutschland sind 5,8 % der Frauen und 13,0 % der Männer seropositiv.2 Ohne passende Beschwerden ist das kein Krankheitsbeweis.1

Warum werden zwei Tests gemacht? Der ELISA ist sehr empfindlich und darf niemanden übersehen; der Immunoblot ist spezifischer und filtert falsch positive Ergebnisse heraus. Positiv ist die Serologie nur, wenn beide Stufen es sind.31

Kann eine Borreliose trotz negativem Test vorliegen? Im Frühstadium ja: Antikörper treten verzögert auf.3 Bei Beschwerden seit Monaten spricht ein negativer Befund beim immungesunden Menschen dagegen weitestgehend gegen eine Borreliose.1

Muss ich die Serologie nach der Behandlung kontrollieren lassen? Nein. Antikörperkonzentrationen, Antikörper-Index, oligoklonale Banden, Liquor-Gesamteiweiß und Bandenmuster gelten laut S3-Leitlinie als ungeeignet zur Therapiekontrolle.4

Was ist mit LTT-Borrelien oder CD57-Zellen? Beide deutschen Leitlinien raten mit dem stärksten Negativgrad ab.41 In einer europäischen Studie erreichte der LTT-MELISA eine Spezifität von 52,6 % gegenüber 94,7 % für die Standarddiagnostik.9

Reicht Blut, um eine Neuroborreliose auszuschließen? Nein. Nötig sind eine Liquoruntersuchung und der Antikörper-Index aus Liquor und Serum vom selben Tag.43

Gibt es eine Impfung gegen Borreliose? In Europa nicht; ein Kandidat ist in klinischer Prüfung.3 Gegen die ebenfalls von Zecken übertragene FSME existiert dagegen eine Impfung.12

Zum Mitnehmen

Borrelien-Antikörper sind ein indirekter Test – oft angefordert, wo er am wenigsten hilft. Drei Sätze tragen den Rest: Eine typische Wanderröte wird klinisch diagnostiziert und sofort behandelt, ohne Labor.1 Ein isoliert positives IgG beweist nichts, weil je nach Alter und Region 3 bis 20 % der Gesunden seropositiv sind.42 Und eine Kontrollserologie nach der Therapie ist nicht vorgesehen.4 Für die Neuroborreliose braucht es den Liquor, für die Diagnose immer die Klinik.41 Den Zusammenhang stellt AI DiagMe her, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bei dem jede Entscheidung bleibt.

Quellen

Deutsche Leitlinien und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) – S2k-Leitlinie Kutane Lyme Borreliose, AWMF-Register-Nr. 013/044, Version 3.0, Überarbeitung 02/2023: Kapitel 7.3.1 („Liegt ein typisches Erythema migrans vor, soll keine weitere labordiagnostische Absicherung (serologisch, kulturell, molekularbiologisch) erfolgen“ und „soll sofort mit der antibiotischen Therapie begonnen werden“, starker Konsens 13/0/0), Kapitel 7.3.2 (serologische Abklärung bei atypischem Erythema migrans, Direktnachweis aus Biopsiematerial bei negativer Serologie), Kapitel 7.1 mit Tabelle 3 (Stufendiagnostik: ELISA der 2. oder 3. Generation mit getrennter IgM-/IgG-Bestimmung, Immunoblot oder Line Blot als 2. Stufe, Bandenkriterien für rekombinante Antigene: IgG positiv bei mindestens zwei Banden aus p83/100, p58, p39, OspC, p41int, DbpA/Osp17, VlsE), Bewertung des Bandenmusters (schmales Frühphase-Spektrum versus breites Spätphase-Spektrum, „Seronarbe“ bei asymptomatischer Durchseuchung), Empfehlungen „Ein positiver Antikörpernachweis ist nicht beweisend für eine klinisch bestehende Lyme Borreliose“ und „Ein negativer Antikörpernachweis schließt bei längerer Krankheitsdauer beim immungesunden Patienten eine Lyme Borreliose weitestgehend aus“, erforderliche Vortest-Wahrscheinlichkeit über 20 % und Absinken des positiven prädiktiven Werts „auf nahe Null“ bei unspezifischen Beschwerden, isoliert positives IgM spricht gegen eine Spätmanifestation, sowie Kapitel 7.4 nicht empfohlene Verfahren („Insbesondere wegen der mangelnden Spezifität der aktuell verfügbaren Tests soll der LTT nicht angewendet werden“; CD57-positive/CD3-negative Lymphozytensubpopulation, ELISPOT, Zytokin-Nachweis, Xenodiagnose, PCR aus Serum und Urin, Antigennachweis, Schnelltests mit 18–32 % Sensitivität). register.awmf.org 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23

  2. Wilking H, Fingerle V, Klier C, Thamm M, Stark K. Antibodies against Borrelia burgdorferi sensu lato among Adults, Germany, 2008-2011. Emerging Infectious Diseases, 2015 – Seroprävalenz von 5,8 % bei Frauen und 13,0 % bei Männern in einer bundesweiten Gesundheitssurvey-Stichprobe, höchstes Infektionsrisiko bei Personen über 60 Jahren. PubMed · DOI 2 3 4

  3. Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Lyme-Borreliose, Stand 28. April 2025: Infektionsgefährdung in allen Teilen Deutschlands; Serokonversion bei 2,6–5,6 % und manifeste Erkrankung bei 0,3–1,4 % der Personen mit Zeckenstich; Meldeinzidenz in den Ländern mit Meldepflicht zwischen 26/100.000 (2015) und 41/100.000 (2013); Antikörperprävalenz 7 % bei 14- bis 17-Jährigen sowie 16,4 % (Frauen) und 24,5 % (Männer) bei 70- bis 79-Jährigen; Erythema migrans als einziges Symptom bei 89 % der Erkrankten in der Würzburger Studie, Inkubationszeit 3–30 Tage (Median 7–10), mindestens 5 cm Durchmesser und mindestens dreitägiges symptomfreies Intervall; Stufendiagnostik mit ELISA und Immunoblot; Nachweis intrathekal gebildeter Antikörper über den Liquor/Serum-Index (Antikörperindex) bei Neuroborreliose; „Der AI eignet sich nicht als Marker für eine Therapie-Erfolgskontrolle“; diagnostische Lücke im Frühstadium; Vortestwahrscheinlichkeit in einigen Bevölkerungsgruppen über 20 %; nicht standardisierte Verfahren mit diskrepanten Befunden verschiedener Labore; keine Untersuchung der Zecke, keine antimikrobielle Prophylaxe nach Zeckenstich; keine bundesweite Meldepflicht nach IfSG, ergänzende Verordnungen in Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen; kein Impfstoff in Europa verfügbar, OspA-basierter Kandidat in klinischer Prüfung. rki.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27

  4. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) – S3-Leitlinie Neuroborreliose, AWMF-Register-Nr. 030/071, Fassung 2024: Kapitel 1.1.4 (Seroprävalenz borrelienspezifischer Antikörper bei 3–20 % der Gesunden je nach Endemiegebiet und Altersgruppe, über 50 % bei exponierten Waldarbeitern), Kapitel 3.3 (Serologie nicht als Akuitätsparameter und nicht zur Erfolgskontrolle der Therapie geeignet, 2-Stufen-Schema aus Suchtest und Bestätigungstest, über Jahre persistierende IgG- und IgM-Titer bei beschwerdefreien Behandelten), Kapitel 3.4 (borrelienspezifischer Liquor-/Serum-Antikörper-Index nach Reiber, intrathekale Synthese ab der 2. Krankheitswoche und bei über 99 % der Patienten nach 6–8 Wochen nachweisbar, Empfehlung 4: AI soll nicht zur Therapie-Erfolgskontrolle bestimmt werden), Kapitel 3.7 mit Tabelle 3 (pathologische Routinelaborwerte bei Neuroborreliose: BSG 66 %, CRP 51 %, Leukozyten 10 %, SGOT 5 %, SGPT 25 %, Gamma-GT 27 %), Kapitel 3.10 (Kriterien mögliche, wahrscheinliche und gesicherte Neuroborreliose), Kapitel 3.11 (Empfehlungsgrad ⇓⇓ für Antigennachweis, PCR aus Serum und Urin, Lymphozytentransformationstests, ELISPOT, VCS-Test, L-Formen, Immunkomplexe, CD57-positive/CD3-negative Lymphozytensubpopulation und serologische Schnelltests mit 18–32 % Sensitivität), Kapitel 4.2 (keine wissenschaftliche Grundlage für eine persistierende latente Infektion, Reevaluationsstudien mit 13–24 % gesicherter Lyme-Borreliose, 6–20 % PTLDS und 18–52 % ungeklärter Diagnose), Kapitel 4.3 (Statement 12: PTLDS nicht als Krankheitsentität definierbar; Empfehlung 12: symptombezogene Differenzialdiagnostik und Therapie; Empfehlung 13 mit Evidenzgrad Ib: keine Antibiotikatherapie) und Empfehlung 29 (Antikörperkonzentrationen, Liquor-/Serum-Antikörper-Index, oligoklonale Banden, Liquor-Gesamteiweiß und Immunoblot-Bandenmuster sollen nicht zur Therapiekontrolle herangezogen werden). register.awmf.org 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24

  5. IQWiG – gesundheitsinformation.de, Borreliose, aktualisiert am 30. April 2025: „Eine Borreliose kann bereits durch die körperliche Untersuchung festgestellt werden, wenn sich ein typischer Hautfleck gebildet hat“; „Schätzungsweise erkrankt etwa 1 von 100 Menschen nach einem Zeckenstich an einer Borreliose“; jährliche Erkrankungshäufigkeit von etwa 2 von 10.000 Menschen in Deutschland; Wanderröte mit ringförmiger Ausbreitung über 5 cm Durchmesser; ärztliche Vorstellung bei Wanderröte oder grippeähnlichen Beschwerden innerhalb von sechs Wochen nach einem Zeckenstich; „chronische Borreliose“ als nicht allgemein anerkannte Diagnose und Abraten von langwierigen Antibiotika-Behandlungen bei unklaren Beschwerden ohne Hinweis auf eine Borrelien-Infektion. gesundheitsinformation.de 2 3 4

  6. Woudenberg T, Böhm S, Böhmer M, Katz K, Willrich N, Stark K, Kuhnert R, Fingerle V, Wilking H. Dynamics of Borrelia burgdorferi-Specific Antibodies: Seroconversion and Seroreversion between Two Population-Based, Cross-Sectional Surveys among Adults in Germany. Microorganisms, 2020 – Seroprävalenz von 8,5 % (1997–99) und 9,3 % (2008–2011), Anstieg mit dem Alter bis 20 % bei 70- bis 79-Jährigen, jährliche Serokonversionsrate 0,45 % und Seroreversionsrate 1,47 %, Schätzung, dass sich mindestens 20 % der deutschen Bevölkerung im Lauf des Lebens infizieren; zweistufiges Testverfahren mit Screening-Assay und bestätigendem Immunoblot. PubMed · DOI 2

  7. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 3/2026: Gebührenordnungsposition 32586 (Borrelia-burgdorferi-Antikörper, 6,53 €) im Abschnitt der Antikörpersuchtests je Immunglobulinklasse sowie Gebührenordnungsposition 32662 (Borrelia-Antikörper, 18,68 €) im Abschnitt „Untersuchungen auf Antikörper gegen Krankheitserreger mittels Immunreaktion … (Immunoblot) als Bestätigungs- oder Abklärungstest nach positivem oder fraglich positivem Antikörpernachweis“; ergänzend 32743 (Untersuchung auf Borrelien, 6,07 €) und 32448 (Immunglobulin A, G oder M im Liquor, 7,82 €). kbv.de

  8. Rauer S, Kastenbauer S, Dersch R et al. Guidelines for diagnosis and treatment in neurology – Lyme neuroborreliosis. German Medical Science, 2025 – englische Fassung der aktualisierten S3-Leitlinie (AWMF 030/071): neurologische Manifestationen bei 3–15 % der Infektionen; erstmals Klasse-Ia-Evidenz für eine ausreichende Behandlungsdauer von 14 Tagen bei früher Neuroborreliose; keine Steroidgabe zusätzlich zur Antibiotikatherapie bei Fazialisparese; systematischer Review zum PTLDS ohne Ansprechen von Lebensqualität, Fatigue, Depression und Kognition auf Antibiotika. PubMed · DOI 2 3

  9. Baarsma ME, van de Schoor FR, Gauw SA et al. Diagnostic parameters of cellular tests for Lyme borreliosis in Europe (VICTORY study): a case-control study. The Lancet Infectious Diseases, 2022 – 271 Erkrankte und 269 Kontrollpersonen; Spezifität der Standard-Stufendiagnostik 94,7 % gegenüber 81,9 % (Spirofind), 52,6 % (LTT-MELISA) und 31,1 % (iSpot Lyme); Schlussfolgerung, dass diese zellulären Tests derzeit nicht für den klinischen Einsatz geeignet sind. PubMed · DOI 2 3

  10. Raffetin A, Saunier A, Bouiller K et al. Unconventional diagnostic tests for Lyme borreliosis: a systematic review. Clinical Microbiology and Infection, 2020 – Auswertung von 40 Studien; CD57-positive natürliche Killerzellen und Schnelltests werden wegen widersprüchlicher Ergebnisse und methodischer Mängel als in ihrer diagnostischen Wertigkeit ungesichert eingestuft; hohes Verzerrungsrisiko in 25 von 40 Studien. PubMed · DOI

  11. IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) – IGeL von A bis Z: In der vollständigen A-Z-Liste findet sich keine Bewertung zu Borreliose-, Lyme- oder Zeckentests; die einzige dort geführte serologische Bewertung ist der Toxoplasmose-Test bei Schwangeren. Die Beurteilung von LTT-, ELISPOT- und CD57-Tests ergibt sich daher aus den Leitlinien, nicht aus einer IGeL-Bewertung. igel-monitor.de

  12. Robert Koch-Institut – RKI-Ratgeber Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): 0,1–5 % der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert gegenüber 10–35 % mit Borrelien; FSME nur in bestimmten Regionen, Borreliose in allen Teilen Deutschlands; Endemiegebiete vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, im südlichen Hessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und im südöstlichen Brandenburg sowie einzelnen Kreisen in fünf weiteren Bundesländern; jährlich aktualisierte Karte der FSME-Risikogebiete; Grundimmunisierung mit drei Impfstoffdosen und Auffrischung alle drei bis fünf Jahre; namentliche Meldepflicht des FSME-Virusnachweises an das Gesundheitsamt gemäß § 7 Abs. 1 IfSG. rki.de 2 3 4 5

  13. Enkelmann J, Böhmer M, Fingerle V et al. Incidence of notified Lyme borreliosis in Germany, 2013-2017. Scientific Reports, 2018 – Meldepflicht in 9 von 16 Bundesländern; 56.446 gemeldete Fälle zwischen 2013 und 2017; Inzidenz zwischen 26/100.000 (2015) und 41/100.000 (2013); Erkrankungsgipfel im Juli; 95 % der Fälle ausschließlich Erythema migrans, 2,7 % Neuroborreliose, 2,1 % Lyme-Arthritis. PubMed · DOI

  14. Branda JA, Steere AC. Laboratory Diagnosis of Lyme Borreliosis. Clinical Microbiology Reviews, 2021 – umfassende Übersicht zur Labordiagnostik: Der Direktnachweis des Erregers ist in der Routine meist nicht möglich oder praktikabel, weshalb die Diagnostik weiterhin auf serologischen Verfahren beruht, deren Interpretation erhebliche Sachkenntnis verlangt. PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.