Blutgruppen-Tabelle: wer kann wem Blut spenden?
Bei roten Blutkörperchen ist 0 negativ Universalspender. Beim Plasma dreht sich die Regel genau um: AB passt allen. Zwei Tabellen, zwei Logiken.
Wer eine Blutgruppen-Tabelle sucht, will meist eine einzige Frage beantwortet haben: Wer kann wem Blut spenden? Diese Seite liefert die Tabelle — und zwar zwei davon, denn es gibt nicht eine Kompatibilitätsregel, sondern zwei gegenläufige. Für Erythrozytenkonzentrate, also rote Blutkörperchen, ist 0 negativ der Universalspender und AB positiv der Universalempfänger. Für Plasma gilt exakt das Gegenteil. Beide Tabellen sind hier so wiedergegeben, wie sie in der Richtlinie Hämotherapie der Bundesärztekammer stehen. Dieser Ratgeber gehört zum Dossier Blutgruppen.
Der Punkt, den fast alle Tabellen im Netz auslassen: Bei einer Transfusion von Erythrozyten überträgt man Antigene, bei einer Plasmatransfusion Antikörper. Deshalb kehrt sich die Kompatibilität um. AB-Plasma passt zu allen Empfängern, 0-Plasma nur zu Empfängern der Gruppe 0. Wer die Erythrozyten-Tabelle auf Plasma anwendet, liegt in jeder Zeile falsch.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kompatibilität entsteht aus dem Zusammentreffen der Antigene des Spenders mit den Antikörpern des Empfängers.1
- Erythrozyten: Gruppe 0 kann an alle abgegeben werden, AB kann von allen empfangen. In Deutschland wird trotzdem im Regelfall AB0-gleich transfundiert.2
- Plasma: Die Regel dreht sich um — AB an alle, 0 nur an 0; Gruppe 0 kann Plasma jeder Gruppe empfangen.23
- Der Rhesusfaktor kommt hinzu: Bei RhD-negativen Mädchen und gebärfähigen Frauen ist RhD-positives Blut außerhalb lebensbedrohlicher Lagen unbedingt zu vermeiden.2
- Neben AB0 und Rhesus zählt vor allem der Kell-Faktor — die ISBT führte 2021 insgesamt 43 Blutgruppensysteme mit 345 Antigenen, die keine Tabelle abbilden kann.34
- Vor jeder Erythrozytentransfusion sind in Deutschland Kreuzprobe und AB0-Identitätstest am Bett vorgeschrieben; Letzteren führt der transfundierende Arzt selbst durch.2
Die Regel hinter der Tabelle
Auf der Oberfläche jedes roten Blutkörperchens sitzen Antigene — molekulare Erkennungszeichen. Das AB0-System kennt vier Ausprägungen: A, B, beide (AB) oder keine von beiden (0). Im Blutplasma, dem flüssigen Anteil, schwimmen die passenden Gegenspieler: Antikörper gegen genau die AB0-Antigene, die man selbst nicht besitzt. Diese sogenannten Isoagglutinine sind bereits ab dem Säuglingsalter vorhanden, ohne dass je ein Kontakt mit fremdem Blut nötig gewesen wäre.1
Daraus folgt eine kurze Liste, die die gesamte Tabelle erzeugt:
| Blutgruppe | Antigene auf den Erythrozyten | Antikörper im Plasma |
|---|---|---|
| A | A | Anti-B |
| B | B | Anti-A |
| AB | A und B | keine |
| 0 | keine | Anti-A und Anti-B |
Die Grundregel lautet: Man darf dem Empfänger kein Antigen zuführen, gegen das sein Plasma bereits Antikörper besitzt. Geschieht es doch, binden die Antikörper an die übertragenen Zellen und zerstören sie — eine hämolytische Transfusionsreaktion mit Fieber, Nierenversagen und im schlimmsten Fall tödlichem Ausgang.5 Freies Hämoglobin, fallendes Haptoglobin und steigendes Bilirubin sind die Laborzeichen, an denen das Labor eine solche Reaktion erkennt.
Tabelle 1: Erythrozytenkonzentrate
Bei roten Blutkörperchen zählt, welche Antigene ankommen. Die Bundesärztekammer führt die zulässigen Kombinationen in Tabelle 4.10.3.1 der Richtlinie Hämotherapie auf — hier aus Empfängersicht:2
| Empfänger | Kompatible Erythrozytenkonzentrate |
|---|---|
| A | A oder 0 |
| B | B oder 0 |
| AB | AB, A, B oder 0 (Universalempfänger) |
| 0 | nur 0 |
Dieselbe Information aus Spendersicht — also die Antwort auf „wer kann wem Blut spenden":
| Spender | Kann Erythrozyten abgeben an |
|---|---|
| 0 | 0, A, B, AB (Universalspender) |
| A | A und AB |
| B | B und AB |
| AB | nur AB |
Die Symmetrie ist perfekt: 0 gibt an alle und nimmt nur von 0, AB nimmt von allen und gibt nur an AB. Zwei wichtige Einschränkungen stehen allerdings direkt daneben im Richtlinientext. Erstens werden Erythrozytenkonzentrate in Deutschland AB0-gleich transfundiert; die Kompatibilitätstabelle beschreibt begründete Ausnahmefälle, die zu dokumentieren sind.2 Zweitens gilt sie nur für AB0 — der Rhesusfaktor kommt obendrauf.
Tabelle 2: Plasma — die Regel kehrt sich um
Ein Plasmapräparat enthält keine Erythrozyten und damit keine AB0-Antigene. Übertragen werden stattdessen die Antikörper des Spenders. Damit dreht sich die Logik: Gefährlich ist nun nicht das Antigen im Beutel, sondern der Antikörper im Beutel, der auf die Erythrozyten des Empfängers trifft. Plasma der Gruppe AB enthält weder Anti-A noch Anti-B und ist deshalb universell verträglich; Plasma der Gruppe 0 enthält beide und passt nur zu Empfängern der Gruppe 0. Tabelle 4.10.3.4 derselben Richtlinie:2
| Empfänger | Kompatibles Plasma |
|---|---|
| A | A oder AB |
| B | B oder AB |
| AB | nur AB |
| 0 | 0, A, B oder AB (Universalempfänger für Plasma) |
Die Umkehrung auf einen Blick:
| Präparat | Universalspender | Universalempfänger |
|---|---|---|
| Erythrozytenkonzentrat | 0 negativ | AB positiv |
| Therapeutisches Plasma | AB | 0 |
Dass das kein Lehrbuchdetail ist, zeigen die Zahlen des Paul-Ehrlich-Instituts: Im Hämovigilanzbericht 2022 wurden neben 36 bestätigten AB0-inkompatiblen Fehltransfusionen von Erythrozytenkonzentraten auch vier nach Plasmagabe gemeldet; ein Todesfall des Jahres ging auf AB0-inkompatibles Plasma zurück.6
Und noch eine deutsche Besonderheit: AB-Plasma ist knapp. Die Querschnitts-Leitlinien der Bundesärztekammer halten ausdrücklich fest, dass sich ein genereller Einsatz von AB-Plasma bei allen Patienten verbietet, weil die Blutgruppe AB in Mitteleuropa nur bei etwa 4 Prozent der Bevölkerung vorkommt.3 „Universalspender" heißt eben nicht „unbegrenzt verfügbar" — für Blutspenden jeder Gruppe gibt es einen Bedarf.
Der Rhesusfaktor in der Tabelle
Über das AB0-System legt sich das Rhesus-System, benannt nach seinem wichtigsten Antigen D. Wer D trägt, ist RhD-positiv; das sind laut DRK rund 85 Prozent der Bevölkerung in Deutschland, während 15 Prozent RhD-negativ sind.7 Für Erythrozyten gilt: Ein RhD-negativer Empfänger soll RhD-negatives Blut erhalten, ein RhD-positiver kann beides bekommen. Details zum Merkmal selbst stehen in unserem Ratgeber zum Rhesusfaktor, zur Weitergabe an die Kinder unter Blutgruppe und Vererbung.
Der Grund für die Strenge ist die Immunisierung: Ein RhD-negativer Mensch, der RhD-positive Erythrozyten erhält, kann Anti-D bilden. In einer amerikanischen Auswertung von 335 RhD-negativen Transfundierten zwischen 13 und 50 Jahren geschah das bei 34,9 Prozent — und schon eine einzige RhD-positive Einheit genügte dafür.8
Deshalb enthält die Richtlinie Hämotherapie eine ausdrückliche Ausnahme von der Ausnahme: Bei RhD-negativen Mädchen und RhD-negativen gebärfähigen Frauen ist die Transfusion RhD-positiver Erythrozytenkonzentrate — außer in lebensbedrohlichen Situationen — unbedingt zu vermeiden.2 Anti-D würde in einer späteren Schwangerschaft die Plazenta passieren und die roten Blutkörperchen eines RhD-positiven Kindes angreifen. Muss ausnahmsweise doch RhD-positiv transfundiert werden, kann nach Rücksprache mit einer transfusionsmedizinischen Einrichtung Anti-D-Immunglobulin gegeben werden; zusätzlich ist der Empfänger aufzuklären und 2 bis 4 Monate später serologisch nachzukontrollieren.23
Kell und die anderen Systeme
AB0 und Rhesus sind nur die zwei bekanntesten Blutgruppensysteme: Die Internationale Gesellschaft für Bluttransfusion (ISBT) führte 2021 bereits 43 Systeme mit 345 Antigenen auf den roten Blutkörperchen.4 Klinisch am wichtigsten ist danach der Kell-Faktor (Antigen K). Die Querschnitts-Leitlinien formulieren dieselbe Vorsichtsregel wie beim Rhesus: Mädchen und gebärfähige Frauen sollen keine Erythrozytenkonzentrate erhalten, die zu einer Immunisierung gegen wichtige Antigene des Rh-Systems (C, c, D, E, e) oder gegen den Kell-Faktor führen können.32
Dass diese Vorgabe wirkt, ist gut belegt. In einer niederländischen Multizenterkohorte lag die Alloimmunisierung gegen c, E und K bei Frauen unter 45 Jahren nach zehn transfundierten Einheiten bei 0,6 Prozent, bei gleichaltrigen Männern ohne dieses erweiterte Matching bei 2,2 Prozent.9 Eine systematische Übersicht in Obstetrics and Gynecology kam 2024 zu dem Schluss, dass erweitertes Antigen-Matching die Bildung von Antikörpern senkt, die später eine hämolytische Erkrankung des Feten und Neugeborenen auslösen können.10
Solche Antikörper entstehen aber auch nach früheren Transfusionen und Schwangerschaften — und dann reicht keine Tabelle mehr. Sie werden im Antikörpersuchtest gesucht, der laut Richtlinie Bestandteil jeder Blutgruppenbestimmung ist und wiederholt werden muss, wenn die letzte Blutprobe länger als drei Tage zurückliegt.2
Was in Deutschland vor jeder Transfusion passiert
Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen einer Tabelle und der Praxis. Vor der Gabe von Erythrozyten sind in Deutschland zwei Prüfungen vorgeschrieben, und beide sind rechtlich verankert.
Die serologische Verträglichkeitsprobe (Kreuzprobe) ist laut Richtlinie „die notwendige Sicherung der Verträglichkeit vor jeder Transfusion von Erythrozytenpräparaten". Sie bringt Serum oder Plasma des Empfängers mit den Erythrozyten des Spenders zusammen; der indirekte Antihumanglobulintest (Coombstest) ist Bestandteil davon. Ihr Ergebnis gilt höchstens drei Tage, danach ist mit frisch abgenommener Probe neu zu kreuzen — auch für Konserven, die bereits als verträglich befundet wurden.2 Für therapeutisches Plasma entfällt die Kreuzprobe, weil dort keine Spendererythrozyten übertragen werden.2
Der AB0-Identitätstest (Bedside-Test) ist die spezifisch deutsche Sicherung. Die Richtlinie Hämotherapie schreibt in Abschnitt 4.9.2.1: Unmittelbar vor der Transfusion von Erythrozytenkonzentraten, Granulozytenkonzentraten und bei Plasmaaustausch-Therapie ist vom transfundierenden Arzt oder unter seiner direkten Aufsicht der AB0-Identitätstest direkt am Empfänger vorzunehmen, etwa auf Testkarten. Er bestätigt die zuvor bestimmte AB0-Blutgruppe des Patienten, das Ergebnis ist schriftlich zu dokumentieren, und bei Unstimmigkeiten ist das Labor umgehend zu benachrichtigen.2 Davor hat derselbe Arzt persönlich am Patienten zu prüfen, ob das Präparat für diesen Empfänger bestimmt ist und ob die Blutgruppe auf dem Etikett zum Befund passt.2 Das Transfusionsgesetz verpflichtet ihn zusätzlich, jede Anwendung samt Blutgruppenbefund und Chargenbezeichnung unverzüglich zu dokumentieren.11 Wie eine Bluttransfusion insgesamt abläuft, beschreiben wir gesondert.
Warum dieser Aufwand? Weil der gefährlichste Fehler kein Laborfehler ist. Die Richtlinie sagt es in einem Satz: „Verwechslungen kommen häufiger vor als Fehlbestimmungen."2 Das PEI dokumentiert genau das: 2022 wurden 45 Fehltransfusionen mit Transfusionsreaktion gemeldet, 43 bestätigt, vier davon tödlich — in einem Fall lagen Konserven für zwei Patientinnen gleichen Nachnamens im Depot, die Identität wurde nicht vollständig geprüft und das Bedside-Ergebnis nicht mit der Konserve abgeglichen.6 Gemessen an rund 3,2 Millionen jährlich verbrauchten Erythrozytenkonzentraten sind das seltene Ereignisse, aber vermeidbare.6 Das deutsche Hämovigilanzsystem, das diese Meldungen zentral auswertet, gilt international als Modell für die kontinuierliche Überwachung der Transfusionssicherheit.12
Notfall: transfundieren, bevor die Blutgruppe bekannt ist
Bei vitaler Gefährdung bleibt keine Zeit für Voruntersuchungen. Die Richtlinie regelt diesen Fall ausdrücklich: Solange das Ergebnis der AB0-Blutgruppenbestimmung des Empfängers nicht vorliegt, sind zur Erstversorgung Erythrozytenkonzentrate der Blutgruppe 0 zu verwenden.2 Beachtenswert ist die Formulierung — der Richtlinientext nennt an dieser Stelle die Gruppe 0, nicht automatisch „0 negativ"; ob RhD-negativ verwendet wird, ergibt sich aus den Rhesus-Regeln und der Verfügbarkeit, wobei bei Mädchen und gebärfähigen Frauen weiterhin RhD-negativ vorzuziehen ist.23
Drei Punkte gelten auch im Notfall: Blutgruppenbestimmung, Antikörpersuchtest und Kreuzprobe sind aus einer vor der Transfusion entnommenen Probe vollständig nachzuholen, das erhöhte Risiko ist zu dokumentieren — und der AB0-Identitätstest ist auch im Notfall durchzuführen.2 Er kostet weniger als eine Minute und ist der letzte Arbeitsschritt, der eine tödliche Verwechslung noch abfangen kann.
Wie häufig ist welche Blutgruppe in Deutschland?
Die Verteilung erklärt, warum manche Konserven knapp sind. Nach Angaben der DRK-Blutspendedienste:7
| Blutgruppe | Anteil in Deutschland |
|---|---|
| A positiv | 37 % |
| 0 positiv | 35 % |
| B positiv | 9 % |
| 0 negativ | 6 % |
| A negativ | 6 % |
| AB positiv | 4 % |
| B negativ | 2 % |
| AB negativ | 1 % |
Nur etwa 6 Prozent der Bevölkerung sind 0 negativ — genau die Gruppe, aus der die Notfallkonserven kommen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Universalspender.
Aktuelle Forschung
- Erweitertes Matching schützt vor allem Frauen. Die niederländische Kohortenstudie zum cEK-Matching zeigte eine Reduktion der Antigen-Exposition um bis zu 98 Prozent bei Frauen unter 45 Jahren.9 Eine systematische Übersicht bestätigte 2024 den Nutzen für die Vermeidung der hämolytischen Erkrankung des Feten und Neugeborenen.10
- Genotypisierung ergänzt die Serologie. Molekulare Verfahren können Antigenvarianten auflösen, an denen der klassische Agglutinationstest scheitert — relevant für Patienten mit vielen Transfusionen.4
- Hämovigilanz wirkt. Die Auswertung von zwei Jahrzehnten deutscher Meldedaten belegt, dass gezielte Risikominimierungsmaßnahmen die Raten mehrerer Transfusionsreaktionen gesenkt haben.125
Diese Arbeiten betreffen die klinische Transfusionsmedizin. Die Auswahl einer Konserve trifft immer das immunhämatologische Labor gemeinsam mit dem transfundierenden Arzt.
Lassen Sie Ihre Blutwerte von AI DiagMe einordnen
Ihre Blutgruppe steht meist auf einem eigenen Ausweis, nicht im Laborbefund. Werte wie Hämoglobin, Hämatokrit oder das große Blutbild sagen dagegen viel darüber, ob überhaupt ein Transfusionsbedarf besteht.
👉 AI DiagMe erklärt Ihre Befunde — Blut, Urin oder Stuhl — in verständlicher Sprache und im Zusammenhang. Ein informativer Dienst, der keine Diagnose stellt und das ärztliche Gespräch ergänzt, ohne es zu ersetzen.
Häufige Fragen
Wer kann wem Blut spenden? Bei roten Blutkörperchen: 0 an alle, A an A und AB, B an B und AB, AB nur an AB. RhD-negatives Blut passt zu beiden Rhesusgruppen, RhD-positives nur zu RhD-positiven Empfängern.27
Welche Blutgruppe ist Universalspender? Für Erythrozyten 0 negativ, weil diese Zellen weder A noch B noch D tragen. Für Plasma ist es AB — dort werden Antikörper übertragen, keine Antigene.23
Warum ist die Plasma-Tabelle umgekehrt? Weil ein Plasmapräparat keine Erythrozyten enthält. Übertragen werden die Isoagglutinine des Spenders, und die dürfen nicht zu den Erythrozyten des Empfängers passen.12
Bekomme ich im Krankenhaus immer meine eigene Blutgruppe? Im Regelfall ja: Erythrozytenkonzentrate und therapeutisches Plasma werden in Deutschland AB0-gleich transfundiert. Die Kompatibilitätstabellen gelten für begründete und dokumentierte Ausnahmen.2
Was ist der Bedside-Test? Der AB0-Identitätstest unmittelbar vor der Transfusion, am Krankenbett, durch den transfundierenden Arzt oder unter seiner direkten Aufsicht. Er bestätigt die Blutgruppe des Empfängers und ist schriftlich zu dokumentieren.2
Ersetzt die Tabelle die Kreuzprobe? Nein. Die Tabelle deckt AB0 ab. Kreuzprobe und Antikörpersuchtest erfassen zusätzlich irreguläre Antikörper gegen Kell, Duffy, Kidd und weitere Systeme.24
Was passiert bei einer falschen Blutgruppe? Die Antikörper des Empfängers zerstören die übertragenen Zellen: eine hämolytische Transfusionsreaktion mit Fieber, Schüttelfrost, Blutdruckabfall und möglichem Nierenversagen. Sie ist ein Notfall.56
Warum wird bei Frauen strenger ausgewählt? Weil Antikörper gegen D oder Kell in einer späteren Schwangerschaft das Kind gefährden können. Deshalb sollen Mädchen und gebärfähige Frauen kein Blut erhalten, das gegen Rhesus-Antigene oder den Kell-Faktor immunisiert.2310
Kann ich meine Blutgruppe beim Blutspenden erfahren? Ja, sie wird bei der Blutspende bestimmt. Für die Bestimmung genügt ein Blutröhrchen mit EDTA aus einer normalen Blutabnahme.7
Auf einen Blick
Die Blutgruppen-Tabelle hat zwei Gesichter. Bei Erythrozyten gibt 0 an alle und AB nimmt von allen; bei Plasma gibt AB an alle und 0 nimmt von allen. Der Grund ist einfach: einmal wandern Antigene mit, einmal Antikörper. Darüber liegt der Rhesusfaktor, und darunter der Kell-Faktor samt Dutzenden weiterer Systeme, die keine Tabelle darstellen kann. Genau deshalb schreibt die Richtlinie Hämotherapie vor jeder Erythrozytentransfusion eine Kreuzprobe und den AB0-Identitätstest am Bett vor — durchgeführt vom transfundierenden Arzt, mit dokumentiertem Ergebnis. Die Tabelle erklärt das Prinzip; verbindlich entscheidet das immunhämatologische Labor. Wenn Sie Ihre Laborwerte rund um Blutgerinnung, Thrombozyten oder das große Blutbild verstehen möchten, hilft AI DiagMe an der Seite Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.
Quellen
Deutsche institutionelle Primärquellen und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die diesem Ratgeber zugrunde liegen:
Footnotes
-
Branch DR. Anti-A and anti-B: what are they and where do they come from? Transfusion, 2015; 55 Suppl 2: S74–9. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Bundesärztekammer — Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Richtlinie Hämotherapie), Gesamtnovelle 2023. Abschnitte 4.4.2, 4.4.3, 4.4.9 (Antikörpersuchtest), 4.4.11 (Serologische Verträglichkeitsprobe), 4.5 (Notfälle), 4.9.2 und 4.9.2.1 (AB0-Identitätstest), Tab. 4.10.3.1 (AB0-kompatible Erythrozytentransfusion), Tab. 4.10.3.4 (AB0-kompatible Plasmatransfusion), 4.10.5 (Notfalltransfusion). bundesaerztekammer.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22 ↩23 ↩24 ↩25 ↩26
-
Bundesärztekammer, Wissenschaftlicher Beirat — Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten, Gesamtnovelle 2020. Kapitel 1.5 mit Tab. 1.5.3 (Erythrozytenkonzentrate, Rh- und Kell-Auswahl bei Mädchen und gebärfähigen Frauen) und Kapitel 4.4 mit Tab. 4.4.2 (Therapeutisches Plasma, begrenzte Verfügbarkeit von AB-Plasma). bundesaerztekammer.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
-
Li HY, Guo K. Blood Group Testing. Frontiers in Medicine, 2022; 9: 827619. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Goel R, Tobian AAR, Shaz BH. Noninfectious transfusion-associated adverse events and their mitigation strategies. Blood, 2019; 133(17): 1831–1839. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Paul-Ehrlich-Institut — Hämovigilanz-Bericht 2022, Kapitel 3.12 „Fehltransfusionen" (Tab. 3.12 a, Todesfälle) und Tab. 1 „Verbrauch von Blutkomponenten (2000–2022)". Stand 27.01.2025. pei.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
DRK-Blutspendedienste — Verteilung von Blutgruppen (Anteile der acht AB0/RhD-Kombinationen in Deutschland, Rhesus positiv 85 % / negativ 15 %, Kompatibilitätsübersicht). drk-blutspende.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Yazer MH, Triulzi DJ, Sperry JL, Seheult JN. Rate of RhD-alloimmunization after the transfusion of multiple RhD-positive primary red blood cell-containing products. Transfusion, 2021; 61 Suppl 1: S150–S158. PubMed · DOI ↩
-
Oud JA, Evers D, de Haas M, et al. The effect of extended c, E and K matching in females under 45 years of age on the incidence of transfusion-induced red blood cell alloimmunisation. British Journal of Haematology, 2021; 195(4): 604–611. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Sugrue RP, Olsen J, Abi Antoun ME, et al. Standard Compared With Extended Red Blood Cell Antigen Matching for Prevention of Subsequent Hemolytic Disease of the Fetus and Newborn: A Systematic Review. Obstetrics and Gynecology, 2024; 144(4): 444–453. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
-
Transfusionsgesetz (TFG) — § 14 Dokumentation, Datenschutz (Dokumentationspflicht der behandelnden ärztlichen Person, Blutgruppenbefund, Chargenbezeichnung, Datum und Uhrzeit der Anwendung). gesetze-im-internet.de ↩
-
Berg P, Heiden M, Müller S, et al. A national surveillance system for continuous monitoring of blood transfusion safety: German haemovigilance data. Vox Sanguinis, 2024; 119(9): 953–962. PubMed · DOI ↩ ↩2