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Kreatininwert: Normalwerte, zu hoch, zu niedrig, eGFR

Kreatinin normal etwa 0,51–0,95 mg/dl bei Frauen und 0,67–1,17 mg/dl bei Männern. Warum der Wert aus dem Muskel stammt und die eGFR mehr aussagt als er.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Kreatinin ist ein Abfallstoff, der im Muskel entsteht und über die Niere ausgeschieden wird. Auf Ihrem Befund steht deshalb eine Zahl, die von zwei Dingen zugleich abhängt: davon, wie gut Ihre Nieren filtern – und davon, wie viel Muskelmasse Sie haben. Genau das macht den Kreatininwert so oft missverständlich. Ein Kraftsportler kann ihn erhöht haben und kerngesunde Nieren besitzen; eine zierliche 82-Jährige kann einen „normalen“ Wert haben, während ihre Filtrationsleistung längst nachgelassen hat. Dieser Ratgeber erklärt die Normalwerte in mg/dl und µmol/l, warum das Labor zusätzlich die eGFR berechnet und wann ein hoher Wert wirklich beunruhigen muss – der zentrale Wert der Nierenwerte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kreatinin entsteht aus dem Kreatin der Muskulatur. Die Produktion ist ungefähr proportional zur Muskelmasse – ausgeschieden wird es fast nur über die Niere.1
  • Richtwerte für Erwachsene (enzymatische Messung): Frauen ~ 0,51–0,95 mg/dl (45–84 µmol/l), Männer ~ 0,67–1,17 mg/dl (59–104 µmol/l).2 Umrechnung: 1 mg/dl = 88,4 µmol/l.
  • ⚠️ Kreatininblinder Bereich: Der Wert steigt erst über die Norm, wenn die Filtrationsleistung schon etwa um die Hälfte gesunken ist.34 Deshalb zählt die eGFR mehr als die Rohzahl.
  • eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² über mehr als 3 Monate oder eine Albumin-Kreatinin-Ratio über 30 mg/g definieren in Deutschland eine chronische Nierenkrankheit.1
  • Ein hoher Kreatininwert kommt oft nicht von der Niere: viel Muskelmasse, Kreatinpräparate, eine Fleischmahlzeit, Flüssigkeitsmangel oder Medikamente, die nur die Ausscheidung im Tubulus blockieren.156
  • Ein niedriger Kreatininwert ist fast immer harmlos – kann aber eine bereits verminderte Nierenfunktion verdecken.
  • Kreatinin ist kein Tumormarker: Der Wert sagt etwas über Nieren und Muskeln aus, nicht über Krebs.

Was ist Kreatinin?

Kreatin ist der Energiespeicher der Muskelzelle. Bei jedem Umsatz zerfällt ein kleiner Teil davon spontan zu Kreatinin – einem Stoff, den der Körper nicht mehr gebrauchen kann. Das Blut transportiert ihn zur Niere, wo er in den Glomeruli filtriert und mit dem Urin ausgeschieden wird.

Der entscheidende Punkt: Diese Produktion läuft gleichmäßig und richtet sich nach der Muskelmasse. Wer mehr Muskeln hat, produziert mehr Kreatinin – und hat dauerhaft einen höheren Blutwert, ganz ohne Nierenproblem. Umgekehrt bildet ein Mensch mit wenig Muskulatur so wenig davon, dass sein Wert noch im Referenzbereich liegen kann, wenn die Niere nur noch die Hälfte leistet. Weil die Produktion individuell ist, die Ausscheidung aber fast ausschließlich renal, berechnet das Labor daraus die eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) in ml/min/1,73 m² – aus Kreatinin, Alter und Geschlecht.1

Kreatinin im Blut oder im Urin? Dieser Ratgeber behandelt das Serumkreatinin. Das Urinkreatinin prüft, ob eine Urinprobe brauchbar ist, und ist der Nenner der Albumin-Kreatinin-Ratio – es wird nicht wie der Blutwert gelesen.

⚠️ Der kreatininblinde Bereich

Das ist die Eigenschaft, die man kennen muss, um seinen Befund einzuordnen. Kreatinin ist laut der deutschen S3-Leitlinie „ein zur Abschätzung der Nierenfunktion nicht optimal geeigneter Parameter, weil er erst spät bei eingeschränkter Nierenfunktion ansteigt“.1 Deutsche Labore nennen diesen Bereich kreatininblind: Solange die Niere noch etwa die Hälfte ihrer Leistung hat, kompensiert sie – und die Zahl im Blut bleibt normal.34

Der Zusammenhang ist nämlich nicht linear: Früh kostet ein deutlicher Funktionsverlust nur ein paar Hundertstel mg/dl, erst später steigt die Kurve steil an. Ein Wert „im Normbereich“ schließt eine beginnende Nierenschwäche also nicht aus – deshalb berichten deutsche Labore die eGFR heute standardmäßig mit.1

Wie folgenreich das ist, zeigt die NAKO-Gesundheitsstudie mit 195 182 Teilnehmenden: 2 % hatten eine eGFR unter 60 ml/min/1,73 m², aber über 80 % derer mit einer eGFR zwischen 30 und 59 gaben keine bekannte Nierenerkrankung an.7

Normalwerte in mg/dl und µmol/l

Die folgenden Richtwerte für Erwachsene hängen von Geschlecht, Alter, Muskelmasse und vor allem vom Messverfahren ab. Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.

Parametermg/dlµmol/lVerfahren
Kreatinin – Frauen~ 0,51 – 0,9545 – 84enzymatisch2
Kreatinin – Männer~ 0,67 – 1,1759 – 104enzymatisch2
Kreatinin – Frauen0,5 – 1,1≈ 44 – 97Jaffé (kompensiert)3
Kreatinin – Männer0,7 – 1,3≈ 62 – 115Jaffé (kompensiert)3

Umrechnung: 1 mg/dl = 88,4 µmol/l, umgekehrt 1 µmol/l ≈ 0,0113 mg/dl. In Deutschland sind beide Einheiten auf Befunden zu finden – manche Labore rechnen in mg/dl, andere in der SI-Einheit µmol/l.23 Prüfen Sie beim Vergleich zweier Befunde also zuerst die Einheit – und dann die Methode: Die enzymatische Messung liefert etwas niedrigere Bereiche als die kompensierte Jaffé-Methode. Zwei „normale“ Werte aus zwei Laboren sind deshalb nicht direkt vergleichbar.

Die eGFR-Stadien entsprechen der deutschen S3-Leitlinie:1

StadiumeGFR (ml/min/1,73 m²)Bezeichnung
G1≥ 90normal oder hoch
G260 – 89leichtgradig eingeschränkt
G3a45 – 59leicht- bis mäßiggradig eingeschränkt
G3b30 – 44mäßig- bis hochgradig eingeschränkt
G415 – 29hochgradig eingeschränkt
G5< 15Nierenversagen

Wichtig: G1 und G2 sind ohne weitere Hinweise auf einen Nierenschaden noch keine Krankheit. Von einer chronischen Nierenkrankheit spricht die Leitlinie ab einer eGFR unter 60 oder ab einer Albumin-Kreatinin-Ratio über 30 mg/g – bestehend über mehr als drei Monate. Deshalb soll nach einer erstmals gemessenen eGFR unter 60 nach drei Monaten erneut gemessen werden, bevor die Diagnose gestellt wird.1

Welche eGFR-Formel nutzen deutsche Labore?

Hier lohnt der genaue Blick, denn Deutschland ist sich weniger einig, als es scheint. Die DEGAM-S3-Leitlinie 2024 empfiehlt die CKD-EPI-Formel und druckt die Fassung von 2021 ab, die nur noch Kreatinin, Alter und Geschlecht verwendet.1 Der frühere „Rasse“-Faktor ist entfallen – das Rassenkonzept sei „aus biologischer Sicht nicht haltbar“, sein Einfluss auf die Schätzung ohnehin gering, und besser gelinge sie über Cystatin C.18

In der Laborpraxis ist die Umstellung aber nicht abgeschlossen. Ein Berliner Großlabor weist in seiner im März 2025 überprüften Laborinformation aus, dass seine EDV weiterhin die CKD-EPI-Formeln von 2009 rechnet, und warnt davor, die Fassung von 2021 „unkritisch“ zu verwenden, weil sie bei Älteren überschätzt – „es bleibt abzuwarten, welche Formel zukünftig in Deutschland empfohlen wird“.4

Dahinter stehen deutsche Zahlen: Die Berliner Initiative Studie verglich die Formeln bei Menschen ab 70 Jahren mit direkt gemessener GFR. CKD-EPI 2021 überschätzte die Nierenfunktion im Mittel um 13,0 ml/min/1,73 m², die europäische EKFC-Formel nur um 1,6; die Berliner Autoren empfahlen europäischen Laboren daraufhin, den Wechsel zurückzustellen.910 Die NAKO-Studie nutzte 2026 folgerichtig EKFC als Hauptformel und fand je nach Gleichung Häufigkeiten einer eGFR unter 60 zwischen 0,9 % und 2,3 %.7

Praktisch heißt das: Auf welcher Formel Ihre eGFR beruht, sollte auf dem Befund stehen – ein Vergleich zweier Labore kann daran scheitern.

Ihre Werte verstehen

Kreatininwert zu hoch

Ein erhöhter Kreatininwert heißt zunächst nur: Es sammelt sich mehr davon im Blut an, als abtransportiert wird. Dafür gibt es zwei sehr verschiedene Gründe.

Von der Niere. Eine chronische Nierenkrankheit lässt den Wert über Monate bis Jahre langsam steigen und bleibt lange symptomfrei; die häufigsten Ursachen sind Diabetes und Bluthochdruck. Ein akutes Nierenversagen treibt ihn dagegen innerhalb von Tagen hoch – etwa bei schwerem Flüssigkeitsverlust, schweren Infektionen, nierenschädigenden Medikamenten oder einem Harnabflusshindernis.11 Entscheidend ist hier nicht die Höhe, sondern die Geschwindigkeit der Veränderung.

Nicht von der Niere – bei leicht erhöhten Werten der häufigere Fall:

  • Viel Muskelmasse. Krafttraining und Bodybuilding heben den Wert dauerhaft an; deutsche Labore nennen genau das als typische Quelle hoher Werte.41
  • Kreatinpräparate. Sie erhöhen das messbare Kreatinin. Eine Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass sich der vermutete Zusammenhang zwischen Kreatinsupplementen und Nierenversagen bei Gesunden nicht belegen lässt.5
  • Fleischmahlzeit oder intensiver Sport kurz vor der Blutentnahme.1
  • Flüssigkeitsmangel. Er konzentriert das Blut und lässt auch Hämatokrit und Harnstoff mitsteigen.
  • Medikamente, die nur die Ausscheidung bremsen. Einige Wirkstoffe – die S3-Leitlinie nennt Trimethoprim, Cimetidin und Fibrate – hemmen die tubuläre Sekretion von Kreatinin.1 Der Blutwert steigt, die berechnete eGFR fällt, die tatsächliche Filtration bleibt unverändert; der Mechanismus ist bis auf die Transportproteine aufgeklärt.6 ⚠️ Das ist ein Grund, den Befund ärztlich einordnen zu lassen – kein Grund, ein verordnetes Medikament eigenmächtig abzusetzen.

Wann muss man sich Sorgen machen? Nicht die einzelne Zahl entscheidet, sondern vier Dinge zusammen: die eGFR, ihr Verlauf, das Albumin im Urin und Ihr Kontext (Alter, Muskelmasse, Medikamente, Blutdruck, Blutzucker). Ein seit Jahren stabiler Wert knapp über der Norm bei einem muskulösen 30-Jährigen ist etwas anderes als ein Anstieg um die Hälfte binnen drei Wochen. Ein rascher Anstieg, eine bestätigte eGFR unter 60 oder neu aufgetretenes Albumin im Urin gehören ärztlich abgeklärt – in Ruhe, nicht in Panik. Ab einer eGFR unter 30 empfiehlt die Leitlinie die Nephrologie.1

Und Krebs? Kreatinin ist kein Tumormarker; es beschreibt Nieren und Muskeln. Manche Krebstherapien belasten die Niere, aber ein erhöhter Wert im Routinelabor „kündigt“ keinen Krebs an.

Kreatininwert zu niedrig

Ein niedriger Kreatininwert hat fast nie Krankheitswert. Er spiegelt meist wenig Muskelmasse – schlanke oder hochbetagte Menschen, Bettlägerigkeit, Mangelernährung, Muskelschwund –, eine eiweißarme Ernährung oder eine Schwangerschaft, in der die Filtration physiologisch zunimmt.

Die Kehrseite ist wichtiger als der Wert selbst: Bei genau diesen Menschen kann ein „perfektes“ Kreatinin eine bereits verminderte Filtration verdecken, weil schlicht wenig davon produziert wird – die kreatininbasierte eGFR fällt dann zu optimistisch aus. Deutsche Labore raten deshalb, die CKD-EPI-Formeln bei Kindern, extremen Körpermaßen, Mangelernährung, hohem Alter, Skelettmuskelerkrankungen oder Lähmungen nicht anzuwenden.4

Über Kreatinin hinaus: Cystatin C und Albumin im Urin

Wenn die Muskelmasse die Aussage stört, gibt es einen zweiten Filtrationsmarker: Cystatin C wird deutlich weniger von Muskelmasse, Ernährung und Geschlecht beeinflusst; am genauesten ist die Schätzung, die beide kombiniert.1128 In der deutschen Hausarztpraxis ist das bisher unüblich, auch aus Kostengründen: Die Leitlinie beziffert Cystatin C mit 9,70 € gegenüber 0,40 € für Kreatinin und empfiehlt es nicht routinemäßig – wohl aber im Einzelfall, wenn Zweifel an der kreatininbasierten eGFR bestehen und daraus Konsequenzen folgen.1

Die zweite Säule ist der Urin: Die chronische Nierenkrankheit wird über zwei Achsen definiert, eGFR und Albuminurie. Man kann Albumin im Urin haben, während die eGFR noch normal ist – Stadien A1 (unter 30 mg/g), A2 (30–300 mg/g), A3 (über 300 mg/g).111 Ein Urinstreifentest reicht dafür nicht; sein positiver Vorhersagewert liegt bei nur 27 %.1 Zum üblichen Bild der Nierenwerte gehören außerdem Harnstoff und Harnsäure; bei fortgeschrittener Nierenschwäche fällt zusätzlich das Hämoglobin im Blutbild ab, weil die Niere weniger Erythropoetin bildet und damit weniger Erythrozyten heranreifen.

Nüchtern sein – und zahlt die Kasse?

Für Kreatinin allein ist strenge Nüchternheit nicht zwingend. Zwei Dinge verschieben den Wert aber nachweislich: eine große Fleischmahlzeit und intensiver Sport kurz vor der Blutentnahme. Kommen Sie außerdem normal getrunken.1 Steht „nüchtern“ auf der Überweisung, liegt das meist an anderen Werten desselben Röhrchens.

Eine deutsche Besonderheit überrascht viele: Das Serumkreatinin gehört seit 1999 nicht mehr zur gesetzlichen Gesundheitsuntersuchung („Check-up“) ab 35 Jahren. Vorgesehen sind dort aus dem Blut nur das Lipidprofil (siehe Cholesterinwerte) und die Nüchternplasmaglukose (siehe Blutzucker), aus dem Urin ein Harnstreifentest.13 In der Praxis wird Kreatinin trotzdem meist mitbestimmt – zulasten des Laborbudgets.1 Bei Diabetes, Bluthochdruck oder nierenbelastenden Medikamenten gehört es ohnehin zur regulären Versorgung.

Neues aus der Forschung

Aus aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:

  • Eine eGFR ohne „Rasse“-Faktor. Die 2021 überarbeitete CKD-EPI-Formel verzichtet auf die ethnische Variable; die Kombination aus Kreatinin und Cystatin C bleibt die genaueste Schätzung.812
  • Für Ältere ist die Frage offen. Deutsche Nephrologen zeigten an gemessener GFR ab 70 Jahren eine Überschätzung um 13,0 ml/min/1,73 m² durch CKD-EPI 2021 gegenüber 1,6 durch die EKFC-Formel.910
  • Nierenkrankheit bleibt unerkannt. Die NAKO-Auswertung fand kaum Überschneidung zwischen auffälligen Nierenwerten und einer bekannten Diagnose.7 Die KDIGO-Leitlinie 2024 klassifiziert weiterhin über eGFR und Albuminurie.11
  • Nierenschutz durch SGLT2-Hemmer. Große Studien zeigten, dass diese Wirkstoffgruppe eine chronische Nierenkrankheit verlangsamt – mit und ohne Diabetes.14

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und ärztliche Behandlung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch.

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Ein Kreatininwert lässt sich nie allein lesen: Seine Bedeutung ergibt sich aus der eGFR, Ihrer Muskelmasse, dem Albumin im Urin, Ihren Medikamenten und dem Verlauf über die Zeit – zusammen mit den übrigen Nierenwerten.

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Häufige Fragen

Welcher Kreatininwert ist normal? Richtwerte bei enzymatischer Messung: 0,51–0,95 mg/dl (45–84 µmol/l) bei Frauen und 0,67–1,17 mg/dl (59–104 µmol/l) bei Männern.2 Bei der kompensierten Jaffé-Methode liegen die Bereiche etwas höher.3 Entscheidend ist die eGFR: ab 90 ml/min/1,73 m² gilt sie als normal.

Wie rechne ich mg/dl in µmol/l um? mg/dl × 88,4 = µmol/l. 1,0 mg/dl sind also 88,4 µmol/l, 1,2 mg/dl rund 106 µmol/l.

Ab wann ist ein Kreatininwert wirklich zu hoch? Wenn die eGFR unter 60 ml/min/1,73 m² liegt und dies nach drei Monaten bestätigt wird, wenn der Wert rasch ansteigt oder wenn zusätzlich Albumin im Urin auftritt.1 Ein leicht erhöhter, seit Jahren stabiler Wert bei viel Muskelmasse ist etwas anderes. Die Einordnung gehört in die ärztliche Praxis.

Kann der Kreatininwert normal sein, obwohl die Nieren schlechter arbeiten? Ja – das ist der kreatininblinde Bereich. Der Wert übersteigt die Norm oft erst, wenn etwa die Hälfte der Filtrationsleistung verloren ist.34 Deshalb wird die eGFR berechnet und nicht nur die Rohzahl gelesen.

Erhöht Kreatin aus dem Sportbereich den Kreatininwert? Ja, Kreatinpräparate und viel Muskelmasse heben ihn an. Für einen Nierenschaden durch Kreatin bei Gesunden gibt es nach heutiger Datenlage keinen Beleg.5 Nennen Sie Präparate und Training in der Praxis – im Zweifel hilft Cystatin C weiter.

Ist ein niedriger Kreatininwert gefährlich? Meist nicht. Er zeigt vor allem wenig Muskelmasse, eine eiweißarme Ernährung oder eine Schwangerschaft an – kann aber eine eingeschränkte Nierenfunktion verschleiern.

Was ist der Unterschied zwischen Kreatinin und eGFR? Kreatinin ist die gemessene Konzentration im Blut. Die eGFR ist die daraus mit Alter und Geschlecht berechnete Filtrationsrate in ml/min/1,73 m². Sie ist aussagekräftiger – hängt aber davon ab, welche Formel das Labor verwendet.14

Zum Mitnehmen

Kreatinin ist ein Abfallprodukt aus dem Muskel, das die Niere ausscheidet – diese doppelte Abhängigkeit erklärt fast alle Missverständnisse. Merken Sie sich die Größenordnungen (Frauen ~ 0,51–0,95 mg/dl, Männer ~ 0,67–1,17 mg/dl, je nach Labor und Methode unterschiedlich), die Umrechnung 1 mg/dl = 88,4 µmol/l und vor allem den kreatininblinden Bereich: Ein normaler Wert schließt eine beginnende Nierenschwäche nicht aus. Aussagekräftig ist die eGFR im Verlauf, gelesen zusammen mit dem Albumin im Urin und Ihrem persönlichen Kontext. Kein Laborwert steht für sich – erst das Gesamtbild ergibt Sinn, und dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.

Quellen

Deutsche Leitlinien, Institutionen und Laboratorien sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden.

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Footnotes

  1. DEGAM / AWMF – S3-Leitlinie: Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronischer, nicht-nierenersatztherapiepflichtiger Nierenkrankheit in der Hausarztpraxis, Version 2.0, Langfassung 2024, AWMF-Register-Nr. 053-048: Kreatinin steigt „erst spät bei eingeschränkter Nierenfunktion“ an, Tabelle 1 (GFR-Stadien G1–G5), Tabelle 2 (Albuminurie-Stadien A1–A3), Tabelle 7 (Fehlerquellen: Muskelmasse, Bodybuilding, Kreatinsupplemente, tubuläre Sekretion durch Trimethoprim, Cimetidin, Fibrate), CKD-EPI-Formel 2021 im Wortlaut, Begründung des Verzichts auf den Rassefaktor, Cystatin C (EBM 32463: 9,70 € vs. Kreatinin 32067: 0,40 €), Empfehlung 6.1 (Kontrolle nach 3 Monaten), Überweisung ab eGFR < 30, Serumkreatinin seit 1999 nicht mehr Teil der Gesundheitsuntersuchung, positiver Vorhersagewert des Urinstreifentests 27 %. degam.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22

  2. Labor Potsdam (EvB Gruppe) – Creatinin (enzymatisch), Serum: Referenzbereich Frauen 45–84 µmol/l, Männer 59–104 µmol/l, photometrische Bestimmung. evb-gesundheit.de 2 3 4 5

  3. Labor Dr. Fenner & Kollegen MVZ, Hamburg – Kreatinin im Serum: Referenzbereiche Männer 0,7–1,3 mg/dl, Frauen 0,5–1,1 mg/dl, Methode Jaffé (kompensiert), Kreatininanstieg erst bei Reduktion der GFR auf 50 %, Cystatin C im kreatininblinden Bereich. fennerlabor.de 2 3 4 5 6 7

  4. Labor 28, Berlin – LaborInfo 140.4: CKD-EPI-Formel (Kreatinin), verifiziert 03/2025: „kreatininblinder Bereich“, vier CKD-EPI-Formeln nach Inker et al. 2012 in der Labor-EDV, Warnung vor unkritischer Verwendung der Formel von 2021 wegen Überschätzung bei Älteren, offene Frage der künftig in Deutschland empfohlenen Formel, Situationen ohne Anwendbarkeit der CKD-EPI-Formeln, hohe Kreatininwerte bei Krafttraining und Nahrungsergänzungsmitteln, Cystatin C als Goldstandard. labor28.de 2 3 4 5 6 7

  5. Longobardi I, Gualano B, Seguro AC, et al. Is It Time for a Requiem for Creatine Supplementation-Induced Kidney Failure? A Narrative Review. Nutrients, 2023;15(6):1466. PubMed · DOI 2 3

  6. Lepist EI, Zhang X, Hao J, et al. Contribution of the organic anion transporter OAT2 to the renal active tubular secretion of creatinine and mechanism for serum creatinine elevations caused by cobicistat. Kidney Int, 2014;86(2):350-357. PubMed · DOI 2

  7. Sekula P, Butz E, Schaeffner E, et al. Glomerular Filtration Rate, Albuminuria, and Reported Kidney Disease in Comparison: Results From the German National Cohort (NAKO). Dtsch Arztebl Int, 2026;123(13):345-52. PubMed · DOI 2 3

  8. Inker LA, Eneanya ND, Coresh J, et al. New Creatinine- and Cystatin C-Based Equations to Estimate GFR without Race. N Engl J Med, 2021;385(19):1737-1749. PubMed · DOI 2 3

  9. Ebert N, Pottel H, van der Giet M, Kuhlmann MK, Delanaye P, Schaeffner E. The Impact of the New CKD-EPI Equation on GFR Estimation in the Elderly (Korrespondenz zur Berliner Initiative Studie). Dtsch Arztebl Int, 2022;119(41):694-695. PubMed · DOI 2

  10. Pottel H, Björk J, Courbebaisse M, et al. Development and Validation of a Modified Full Age Spectrum Creatinine-Based Equation to Estimate Glomerular Filtration Rate (EKFC). Ann Intern Med, 2021;174(2):183-191. PubMed · DOI 2

  11. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int, 2024;105(4S):S117-S314. PubMed · DOI 2 3

  12. Spencer S, Desborough R, Bhandari S. Should Cystatin C eGFR Become Routine Clinical Practice? Biomolecules, 2023;13(7):1075. PubMed · DOI 2

  13. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie), Anlage 1, Nr. 3 „Labor“: ab Vollendung des 35. Lebensjahres Lipidprofil und Nüchternplasmaglucose aus dem Blut, Harnstreifentest aus dem Urin – Kreatinin ist nicht enthalten. g-ba.de

  14. Heerspink HJL, Stefánsson BV, Correa-Rotter R, et al. Dapagliflozin in Patients with Chronic Kidney Disease. N Engl J Med, 2020;383(15):1436-1446. PubMed · DOI

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