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Tumormarker im Blut: Werte, Tabelle und Bedeutung

Tumormarker wie PSA, CEA oder CA 125 dienen der Verlaufskontrolle, nicht der Krebsvorsorge. Tabelle mit Richtwerten und warum erhöht nicht Krebs bedeutet.

Mis à jour le August 14, 202616 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Tumormarker sind Eiweiße oder Zuckerstrukturen im Blut, deren Konzentration bei manchen Krebserkrankungen ansteigen kann. Der Name klingt bedrohlicher, als der Wert es ist – und deshalb steht der wichtigste Satz gleich am Anfang: Ein erhöhter Tumormarker ist keine Krebsdiagnose. Diese Werte sind vor allem dafür gedacht, eine bereits bekannte Krebserkrankung im Verlauf zu beobachten – spricht die Therapie an, kommt die Erkrankung zurück? Zur Suche nach Krebs bei beschwerdefreien Menschen sind sie ausdrücklich nicht geeignet: Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums formuliert es unmissverständlich, dass Tumormarker-Bestimmungen „grundsätzlich nicht geeignet" sind, „um als alleinige Untersuchung Krebs frühzeitig zu erkennen".1 Diese Übersichtsseite erklärt in Ruhe, was Tumormarker sind, wofür sie taugen und wofür nicht, stellt die sechs häufigsten vor – PSA, CEA, CA 125, CA 15-3, CA 19-9 und AFP – und ordnet ein, was von den privat angebotenen „Krebsvorsorge-Bluttests" zu halten ist.

Auf einen Blick

  • Ein Tumormarker ist eine körpereigene Substanz, die auch in gesundem Gewebe und bei vielen gutartigen Erkrankungen vorkommt. Ein erhöhter Wert hängt „häufig" mit anderen Ursachen zusammen – Entzündung, Medikamente, Schwangerschaft, Rauchen.12
  • Ihr eigentlicher Platz ist die Verlaufskontrolle bei bekannter Krebserkrankung, nicht die Früherkennung bei Gesunden.12
  • Im gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm des Gemeinsamen Bundesausschusses kommt kein einziger Bluttest vor – weder ein Tumormarker noch der PSA-Wert.3
  • Auch umgekehrt gilt kein Freispruch: Unauffällige Werte können eine Krebserkrankung „nicht mit Sicherheit ausschließen".14
  • Bei etwa 30 % aller kolorektalen Karzinome ist das CEA zum Zeitpunkt der Erstdiagnose überhaupt erhöht – die übrigen 70 % hätte ein CEA-Test übersehen.5
  • In der Brustkrebs-Nachsorge soll eine routinemäßige Tumormarkerbestimmung laut S3-Leitlinie nicht standardmäßig erfolgen (Empfehlungsgrad A).6
  • Laborwechsel zerstört den Vergleich: In der deutschen Ringversuchs-Auswertung von INSTAND unterschieden sich die Messverfahren beim CA 19-9 um bis zu 549 % zwischen der höchsten und der niedrigsten Methode.7

Was ist ein Tumormarker?

Ein Tumormarker ist meist ein Eiweiß oder ein zuckerhaltiges Molekül, das Zellen des Körpers bilden und das sich im Blut messen lässt. Der Zusatz „Tumor-" rührt daher, dass bestimmte Krebszellen davon mehr herstellen, sodass der Blutspiegel steigt. Der Name ist trotzdem irreführend, denn dieselben Substanzen kommen auch in gesundem Gewebe und bei zahlreichen gutartigen Erkrankungen vor.21

Daraus folgt alles Weitere. Ein Tumormarker ist nicht spezifisch für Krebs – viele nicht-bösartige Ursachen heben ihn an – und er ist nicht immer empfindlich, weil manche Tumoren ihn gar nicht bilden. Ein erhöhter Wert ist deshalb ein Signal, das eingeordnet werden muss, und kein Beweis. Die meisten dieser Bestimmungen sind gezielte Spezialuntersuchungen: Sie stehen nicht auf einem Routine-Laborzettel und gehören zu keinem allgemeinen Check-up-Paket wie dem großen Blutbild oder den Leberwerten.

Tumormarker ist kein Krebstest. Er hilft vor allem dabei, eine bekannte Erkrankung zu beobachten. Für die Suche nach Krebs bei beschwerdefreien Menschen gibt es in Deutschland eigene, geprüfte Programme – Mammographie, Stuhltest, Darmspiegelung, Abstrich vom Gebärmutterhals, Hautuntersuchung, Niedrigdosis-CT der Lunge. Keines davon beruht auf einem Blutwert.3

Wofür Tumormarker gut sind – und wofür nicht

Richtig eingesetzt sind diese Werte nützlich. Falsch eingesetzt erzeugen sie vor allem Angst und Folgeuntersuchungen.2

Sinnvolle Anwendungen, immer im ärztlich definierten Zusammenhang:

  • Therapie beurteilen. Bei bekannter Krebserkrankung zeigt der Verlauf des Markers, wie die Behandlung wirkt: Ein Abfall ist eher beruhigend, ein Wiederanstieg lässt die Lage neu bewerten.2
  • Rückfall früh bemerken. Nach abgeschlossener Behandlung kann ein steigender Marker ein früher Hinweis auf ein Rezidiv sein – für das CEA nach Darmkrebs ist das der klassische Fall, wenn auch mit Einschränkungen (siehe unten).5
  • Ausgangswert festhalten. Die S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom empfiehlt, den CEA-Wert vor Therapiebeginn zu bestimmen (Ausnahme: T1-Tumoren) – nicht zur Diagnose, sondern als Vergleichspunkt für später.5
  • Prognose abschätzen. Die Höhe mancher Marker bei Erstdiagnose trägt eine prognostische Information, die Fachleute nutzen.2

Wofür sie ausdrücklich nicht taugen:

  • Nicht zur Reihenuntersuchung. Die S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom stellt fest, dass „grundsätzlich keiner" der im Serum bestimmbaren Tumormarker „für Screening-Untersuchungen oder die Primärdiagnose des Kolonkarzinoms geeignet" ist.5
  • Nicht zur Diagnose im Alleingang. Kein Marker bestätigt oder widerlegt eine Krebserkrankung für sich. Die Diagnose stützt sich auf Bildgebung, meist eine Gewebeprobe und die fachärztliche Beurteilung.21
  • Nicht zur Selbstberuhigung. Ein normaler Wert schließt nichts aus – und er kann dazu verleiten, die empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen zu vernachlässigen. Genau davor warnt der Krebsinformationsdienst ausdrücklich.1
  • Nicht als Routine in der Nachsorge. Für den Brustkrebs formuliert die S3-Leitlinie eine „soll nicht"-Empfehlung mit dem höchsten Empfehlungsgrad A: Eine intensivierte apparative und labortechnische Diagnostik einschließlich Tumormarkerbestimmung soll in der Nachsorge nicht standardmäßig durchgeführt werden.6

Die wichtigsten Tumormarker im Überblick

Sechs Marker begegnen Ihnen am häufigsten. Jeder hat eine eigene, ausführliche Seite.

  • PSA – Prostata. Das prostataspezifische Antigen ist der einzige dieser Marker, für den in Deutschland überhaupt eine Früherkennungs-Empfehlung existiert – und auch die nur nach ausdrücklicher, ergebnisoffener Beratung. Es steigt ebenso mit dem Alter, bei gutartiger Prostatavergrößerung, nach Entzündung oder mechanischer Reizung.8
  • CEA – Darm. Das karzinoembryonale Antigen dient in erster Linie als Verlaufsmarker und zur Therapiekontrolle beim kolorektalen Karzinom. Rauchen hebt es ohne jede Krebserkrankung an, ebenso gutartige Erkrankungen von Magen-Darm-Trakt, Bauchspeicheldrüse, Leber und Lunge sowie eine Nierenschwäche.95
  • CA 125 – Eierstock. Verlaufsmarker beim Ovarialkarzinom und Hilfsgröße bei der Abklärung einer Raumforderung im Becken. Bei Frauen steigt es sehr häufig aus gutartigen Gründen: Menstruation, Schwangerschaft, Endometriose, Zysten, Myome.910
  • CA 15-3 – Brust. Marker der ersten Wahl bei der Verlaufskontrolle des metastasierten Mammakarzinoms – nicht zur Früherkennung, und laut S3-Leitlinie auch nicht als Routine in der Nachsorge. In frühen Stadien ist er oft unauffällig.96
  • CA 19-9 – Bauchspeicheldrüse. Verlaufs- und Prognosemarker beim Pankreas- und Gallenwegskarzinom. Zwei große Fallstricke: Da CA 19-9 über die Galle ausgeschieden wird, muss die Entscheidungsgrenze bei einer Cholestase höher angesetzt werden – und 5 bis 10 % der Menschen sind „Lewis-negativ" und bilden diesen Marker nie.94
  • AFP – Leber und Hoden. Alpha-Fetoprotein wird zur Überwachung des Leberzellkarzinoms bei Risikopersonen und zur Therapiekontrolle von Keimzelltumoren eingesetzt, oft gemeinsam mit dem Beta-HCG. Erhöhte Werte finden sich auch bei Hepatitis und Leberzirrhose ohne Karzinom sowie in der Schwangerschaft.9

Daneben gibt es organspezifische Marker, die man selten „Tumormarker" nennt, obwohl sie genauso funktionieren: das Calcitonin beim medullären Schilddrüsenkarzinom oder das Thyreoglobulin in der Nachsorge des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms.

Tumormarker-Tabelle: orientierende Richtwerte

Die folgenden Werte stammen aus dem Leistungsverzeichnis der Zentralen Einrichtung Klinische Chemie des Universitätsklinikums Ulm; die PSA-Schwellen aus der aktuellen S3-Leitlinie Prostatakarzinom.98

MarkerHauptorganOrientierender RichtwertWichtige Einschränkung
PSAProstata≤ 1,5 ng/ml unauffällig · ≥ 3 ng/ml weitere AbklärungSteigt mit Alter und gutartiger Vergrößerung
CEADarm< 4,7 µg/l (unter 40 J.) · < 5,2 µg/l (ab 40 J.)Rauchen hebt den Wert ohne Krebs an
CA 125Eierstock< 35 U/ml (95. Perzentile bei gesunden Frauen; Median 14)Menstruation, Schwangerschaft, Endometriose
CA 15-3Brust< 29 U/mlIn frühen Stadien meist normal
CA 19-9Bauchspeicheldrüse< 32 IU/ml (95. Perzentile, 365 Gesunde)Cholestase erhöht; 5–10 % bilden ihn nie
AFPLeber, Hoden< 7 µg/lIn der Schwangerschaft normalerweise erhöht

Warum Ihr Befund andere Zahlen nennt. Diese Grenzen sind methodenabhängig. Maßgeblich ist immer der Bereich, der neben Ihrem Wert auf dem Befund steht. Beim CA 125 zeigt das Ulmer Verzeichnis zudem, wie weit Referenzbereich und diagnostische Entscheidungsgrenze auseinanderliegen: Für die Diagnose eines Ovarialkarzinoms erreicht die Spezifität erst bei einem Cut-off von 150 U/ml 93 % – weit oberhalb der 35 U/ml, ab denen ein Befund als „erhöht" gedruckt wird.9

Der „Krebsvorsorge-Bluttest" als IGeL-Leistung

In deutschen Praxen und Laboren werden Tumormarker-Pakete als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten, oft unter Namen wie „Krebsvorsorge-Check" oder „Tumor-Screening". Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen sie in der Regel nicht – und das ist kein Sparzwang, sondern das Ergebnis der Datenlage.1

Was sich dazu belastbar sagen lässt:

  • Der Krebsinformationsdienst des DKFZ ordnet die Bestimmung ohne konkreten medizinischen Anlass ausdrücklich als IGeL ein und hält Tumormarker für die alleinige Früherkennung für ungeeignet – mit zwei Begründungen, die sich ergänzen: falsch positive Ergebnisse durch harmlose Ursachen und falsch negative Ergebnisse, die in trügerischer Sicherheit wiegen.1
  • Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet einzelne Angebote. Zum PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs lautet das Urteil „tendenziell negativ": Damit ein Mann nicht an Prostatakrebs stirbt, müssten sich 1 000 Männer alle vier Jahre testen lassen – und etwa 30 Männer mehr bekämen in dieser Gruppe die Diagnose Prostatakrebs gestellt.11

Ein Hinweis zur Genauigkeit, weil er hier zählt: Der IGeL-Monitor führt in seinem A–Z keine gesonderte Bewertung eines allgemeinen „Tumormarker-Pakets" oder eines Multi-Tumormarker-Bluttests. Bewertet sind der PSA-Test und ein Stuhltest, nicht das Marker-Bündel als Ganzes. Wer also liest, „der IGeL-Monitor rät von Tumormarker-Vorsorge ab", zitiert etwas, das dort so nicht steht. Der Stand der PSA-Bewertung ist zudem 2017 und damit älter als die aktuelle Leitlinie.11

Beim PSA ist die Lage überdies differenzierter als bei den übrigen Markern. Die S3-Leitlinie Prostatakarzinom (Version 8.1, August 2025) empfiehlt seit ihrer Überarbeitung, dass Männern ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von zehn Jahren und mehr nach ergebnisoffener Beratung die Bestimmung des PSA-Werts angeboten werden soll, wenn sie eine Früherkennung wünschen – mit risikoangepassten Abständen von fünf Jahren bei PSA ≤ 1,5 ng/ml, zwei Jahren bei 1,5–2,99 ng/ml und weiterer Diagnostik ab 3 ng/ml. Zugleich empfiehlt sie, zur Früherkennung keine Tastuntersuchung mehr durchzuführen.8 Der Nutzen bleibt bescheiden: Die europäische Screening-Studie ERSPC zeigte nach 16 Jahren eine geringere prostataspezifische Sterblichkeit, aber um den Preis von Überdiagnosen.12 Deshalb heißt es gemeinsam entscheiden – nicht automatisch testen.

Was das deutsche Früherkennungsprogramm wirklich enthält

Die gesetzlichen Untersuchungen sind in zwei Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses geregelt: der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (KFE-RL) und der Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme (oKFE-RL). In beiden Texten – zusammen weit über 150 Seiten – kommen die Wörter „Tumormarker", „PSA" und „Blutuntersuchung" kein einziges Mal vor.3

Enthalten sind stattdessen:

UntersuchungWer, ab wann
Untersuchung des Genitales, Abstrich vom GebärmutterhalsFrauen ab 20 Jahren
Abtasten der Brust und Anleitung zur SelbstuntersuchungFrauen ab 30 Jahren
Mammographie-ScreeningFrauen von 50 bis 75 Jahren, alle 24 Monate
Abtasten von Prostata und äußerem GenitaleMänner ab 45 Jahren
Hautkrebs-Untersuchungalle ab 35 Jahren, jedes zweite Jahr
Stuhltest bzw. Darmspiegelungab 50 Jahren
Niedrigdosis-CT der Lunge50 bis vor 76 Jahren, bei starkem Zigarettenkonsum

Das ist die wichtigste Orientierung, die diese Seite geben kann: Kein Blutwert ersetzt eine dieser Untersuchungen – und kein unauffälliger Tumormarker ist ein Grund, eine davon ausfallen zu lassen.

Warum ein erhöhter Wert nicht Krebs bedeutet

Hier liegt der Kern der Sache, und es gibt zwei spiegelbildliche Fallen.

Erstens: falsch positiv. Gutartige Ursachen sind in der Allgemeinbevölkerung der weitaus häufigere Grund für einen erhöhten Marker. Konkret:1910

  • Rauchen hebt das CEA an, ohne dass eine Krebserkrankung vorliegt;
  • Menstruation, Schwangerschaft, Endometriose, Zysten und Myome erhöhen das CA 125;
  • eine Cholestase, etwa durch einen Gallenstein, kann das CA 19-9 stark ansteigen lassen;
  • Hepatitis und Leberzirrhose ohne Karzinom erhöhen das AFP – ebenso wie eine Schwangerschaft;
  • allgemeiner heben Entzündungen, Lebererkrankungen, eine Nierenschwäche und bestimmte Medikamente verschiedene Marker an. Ein gleichzeitig erhöhter CRP-Wert oder eine erhöhte Blutsenkung – siehe Entzündungswerte – gehört deshalb immer mit in die Beurteilung.

Eine schwedische Untersuchung an Frauen mit gutartigen Eierstockbefunden fand ein falsch positives CA 125 bei rund 31 % – die Endometriose war der stärkste Einflussfaktor.10 Beim CEA gibt es sogar eine grobe Faustregel aus der Laborpraxis: Bei gutartigen Erkrankungen wird die vierfache Obergrenze des Referenzbereichs nur vereinzelt überschritten; erst darüber wird eine bösartige Ursache wahrscheinlich.9 Das ist keine Diagnoseregel für zu Hause, aber es zeigt: Ein Wert knapp über der Grenze ist etwas anderes als ein Wert um ein Vielfaches darüber.

Zweitens: falsch negativ. Manche Tumoren bilden den Marker schlicht nicht. Das deutlichste Beispiel ist das CA 19-9: Etwa 5 bis 10 % der Menschen sind „Lewis-negativ" und produzieren diesen Marker nie – bei ihnen bleibt der Wert auch bei vorhandenem Pankreaskarzinom unauffällig.4 Und beim Darmkrebs ist das CEA bei Erstdiagnose nur in etwa 30 % der Fälle erhöht.5

Beides zusammen erklärt, warum ein Tumormarker nie allein gelesen wird. Der richtige nächste Schritt nach einem auffälligen Wert ist weder Panik noch eigene Schlussfolgerung, sondern ein ruhiges ärztliches Gespräch, in dem der Wert in Ihren Zusammenhang gestellt wird – Vorgeschichte, Rauchen, Leber, Zyklus, Medikamente, Bildgebung – und gegebenenfalls eine Kontrolle im Abstand vereinbart wird.

Der Verlauf zählt – und dafür braucht es dasselbe Labor

Wenn Tumormarker nützlich sind, dann fast immer als Kurve, nicht als einzelner Punkt. Zwei Werte lassen sich aber nur vergleichen, wenn sie mit derselben Methode gemessen wurden – daran scheitert ein Laborwechsel.

Wie groß der Effekt ist, hat INSTAND e. V., die deutsche Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien, an 14 Ringversuchen zwischen 2019 und 2023 gemessen: Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Messverfahren lagen im Median Unterschiede von bis zu 107 % beim CA 15-3, 99 % beim CA 125 und 549 % beim CA 19-9. Die Streuung innerhalb eines Herstellers war dagegen gering.7

Im Klartext: Ein „Anstieg" nach einem Laborwechsel kann reine Methodik sein. Lassen Sie Verlaufskontrollen deshalb möglichst im selben Labor bestimmen, und sagen Sie es Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn ein Wechsel stattgefunden hat.

Muss ich dafür nüchtern sein?

Für die Tumormarker selbst ist Nüchternheit in der Regel nicht nötig – es sind immunologische Bestimmungen, die kaum auf die letzte Mahlzeit reagieren. Sie werden allerdings häufig zusammen mit anderen Analysen abgenommen, etwa Blutzucker, Blutfetten oder Leberwerten wie GPT, Gamma-GT und der alkalischen Phosphatase, und diese können Nüchternheit erfordern. Halten Sie sich an die Angabe auf Ihrer Überweisung.

Erwähnenswert sind dagegen Umstände, die die Beurteilung verändern: Rauchen (CEA), Schwangerschaft und Zykluszeitpunkt (CA 125, AFP) sowie eine kürzliche Gelbsucht oder Bauchspeicheldrüsenentzündung (CA 19-9).910

Neue Entwicklungen

Auf Basis aktueller, in PubMed indexierter Arbeiten und deutscher Leitlinien:

  • Zirkulierende Tumor-DNA statt Eiweißmarker. Sogenannte Flüssigbiopsien weisen Erbgutbruchstücke von Tumorzellen im Blut nach. In einer Metaanalyse, die die S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom referiert, war die ctDNA beim Nachweis eines Rückfalls die spezifischste Methode (0,95) noch vor dem CEA-Anstieg (0,88) – die empfindlichsten Verfahren blieben allerdings PET und CT. Die Leitlinie hält die Datenlage zum zeitlichen Vorsprung ausdrücklich für noch nicht ausreichend.5
  • Kombinationsscores für den Leberkrebs. Der GALAD-Score verrechnet Geschlecht, Alter und drei Blutwerte – AFP, AFP-L3 und DCP. In einer Phase-3-Validierungsstudie erkannte er ein Jahr vor der Diagnose 62 % der Leberzellkarzinome, gegenüber 41 % für das AFP allein bei gleicher Spezifität.13
  • Multi-Krebs-Bluttests bleiben in der Prüfung. Tests, die aus einer Blutprobe mehrere Krebsarten gleichzeitig erkennen sollen, werden in großen Studien untersucht. Der Krebsinformationsdienst hält fest, dass es bislang „keinen Test" gibt, „der alle diese Prüfungen bestanden hat und sich daher nachgewiesenermaßen zur bevölkerungsweiten Früherkennung eignet".1
  • Was Screening allein mit Markern bringt, ist gemessen worden. In der britischen UKCTOCS-Studie mit über 200 000 Frauen senkte ein Screening auf Eierstockkrebs, das auf dem CA-125-Verlauf beruhte, die Sterblichkeit an dieser Erkrankung nach langer Nachbeobachtung nicht signifikant.14

Diese Ergebnisse betreffen Forschung und Nachsorge. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung, und die Bewertung einzelner Werte gehört in ärztliche Hände.

Lassen Sie Ihre Werte von AI DiagMe einordnen

Ein Tumormarker sagt für sich genommen wenig. Seine Bedeutung ergibt sich aus Ihrem Zusammenhang – Rauchen, Leber, Zyklus, Vorgeschichte, Medikamente –, aus dem Verlauf über die Zeit und aus den übrigen Untersuchungen. Ein erhöhter Wert ist keine Krebsdiagnose, und ein normaler Wert beruhigt nicht für sich allein.

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Häufige Fragen

Was sind Tumormarker? Körpereigene Substanzen, meist Eiweiße, die im Blut messbar sind und bei manchen Krebserkrankungen ansteigen können. Sie kommen aber ebenso in gesundem Gewebe und bei vielen gutartigen Erkrankungen vor – deshalb sind sie ein Hinweis, kein Test auf Krebs.21

Welche Tumormarker gibt es? Am häufigsten bestimmt werden PSA (Prostata), CEA (Darm), CA 125 (Eierstock), CA 15-3 (Brust), CA 19-9 (Bauchspeicheldrüse) und AFP (Leber, Hoden). Dazu kommen organspezifische Werte wie Calcitonin und Thyreoglobulin für die Schilddrüse.2

Bedeutet ein erhöhter Tumormarker, dass ich Krebs habe? Nein. Gutartige Ursachen sind deutlich häufiger: Entzündung, Rauchen, Lebererkrankung, Schwangerschaft, Menstruation, Gallenstein, Nierenschwäche, Medikamente. Ein erhöhter Wert ist ein Anlass zur ärztlichen Einordnung – nicht zur Selbstdiagnose.110

Kann man mit einem Bluttest Krebs früh erkennen? Für die Allgemeinbevölkerung: nein. Tumormarker sind laut Krebsinformationsdienst „grundsätzlich nicht geeignet, um als alleinige Untersuchung Krebs frühzeitig zu erkennen", und im gesetzlichen Früherkennungsprogramm kommt kein Bluttest vor.13

Lohnt sich ein Krebsvorsorge-Bluttest als Selbstzahlerleistung? Leitlinien und Krebsinformationsdienst sehen dafür keine Grundlage – zu viele Fehlalarme, zu viele übersehene Fälle. Sinnvoller ist es, die geprüften Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen, auf die Sie Anspruch haben.1113

Wie hoch ist ein normaler Tumormarker? Orientierend, methodenabhängig: CEA unter 4,7–5,2 µg/l, CA 125 unter 35 U/ml, CA 15-3 unter 29 U/ml, CA 19-9 unter 32 IU/ml, AFP unter 7 µg/l. Beim PSA arbeitet die Leitlinie mit gestaffelten Schwellen ab 3 ng/ml. Maßgeblich ist immer der Bereich auf Ihrem Befund.98

Schließt ein normaler Wert Krebs aus? Nein. Unauffällige Werte können eine Krebserkrankung „nicht mit Sicherheit ausschließen". Etwa 5 bis 10 % der Menschen bilden das CA 19-9 nie, und beim Darmkrebs ist das CEA bei Erstdiagnose nur in rund 30 % der Fälle erhöht.145

Mein Wert ist nur knapp erhöht – wie ernst ist das? Leicht erhöhte Werte haben in aller Regel gutartige Ursachen. Für das CEA gilt in der Laborpraxis, dass gutartige Erkrankungen die vierfache Obergrenze nur vereinzelt überschreiten. Entscheidend ist nicht die einzelne Zahl, sondern der Verlauf und Ihr Zusammenhang – das beurteilt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.9

Warum ist mein Wert nach dem Laborwechsel plötzlich anders? Weil die Messverfahren unterschiedlich kalibriert sind. In deutschen Ringversuchen unterschieden sich die Methoden beim CA 19-9 um bis zu 549 %. Verlaufskontrollen gehören deshalb möglichst ins selbe Labor.7

Werden Tumormarker in der Nachsorge routinemäßig bestimmt? Nicht überall. Für Brustkrebs sagt die S3-Leitlinie mit Empfehlungsgrad A, dass eine Tumormarkerbestimmung in der Nachsorge nicht standardmäßig erfolgen soll. Beim Darmkrebs wird der Nutzen der CEA-Bestimmung kontrovers diskutiert; sie kann erfolgen, wenn der Wert vor der Therapie erhöht war.65

Muss ich für einen Tumormarker nüchtern sein? Für den Marker selbst meist nicht. Da die Blutentnahme oft weitere Werte umfasst, gilt die Angabe auf Ihrer Überweisung.

Warum werden mehrere Marker gleichzeitig bestimmt? Bei bekannter Erkrankung kann eine Kombination mehr Information tragen als ein einzelner Wert. Die Marker schwanken aber aus unterschiedlichen Gründen: Der eine kann erhöht, der andere normal sein, ohne dass daraus eine Diagnose folgt. Die Zusammenschau macht die Ärztin oder der Arzt – gemeinsam mit Bildgebung und Ihrer Vorgeschichte.2

Das Wichtigste in Kürze

Tumormarker wie PSA, CEA, CA 125, CA 15-3, CA 19-9 und AFP sind Blutwerte für die Verlaufskontrolle einer bekannten Krebserkrankung – nicht für die Suche nach Krebs bei beschwerdefreien Menschen. Der Satz, auf den es ankommt: Ein erhöhter Wert ist keine Krebsdiagnose. Gutartige Ursachen wie Rauchen, Entzündung, Lebererkrankung, Menstruation, Schwangerschaft oder ein Gallenstein sind häufig, und umgekehrt schließt ein normaler Wert nichts aus. Im deutschen Krebsfrüherkennungsprogramm kommt kein einziger Bluttest vor – die geprüften Untersuchungen sind Mammographie, Stuhltest, Darmspiegelung, Abstrich, Hautuntersuchung und, für Raucherinnen und Raucher, das Niedrigdosis-CT. Aussagekraft gewinnt ein Marker erst als Verlauf, gemessen im selben Labor, eingeordnet zusammen mit Bildgebung und Vorgeschichte – durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Kein Wert steht für sich: Erst das Gesamtbild Ihrer Befunde ergibt einen Sinn – dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.

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Quellen

Deutsche Leitlinien, amtliche Richtlinien und wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber gelesen wurden:

Footnotes

  1. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) — Tumormarker bei Gesunden – grundsätzlich keine gute Idee (Stand 23.06.2025) und Bluttest zur Krebsfrüherkennung? (Stand 16.02.2021). krebsinformationsdienst.de · Bluttest 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

  2. Filella X, Rodríguez-García M, Fernández-Galán E. Clinical usefulness of circulating tumor markers. Clin Chem Lab Med, 2023. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7 8 9 10

  3. Gemeinsamer Bundesausschuss — Richtlinie über die Früherkennung von Krebserkrankungen (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie/KFE-RL), zuletzt geändert am 18.12.2025, in Kraft seit 12.03.2026, sowie Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme (oKFE-RL), zuletzt geändert am 16.01.2025. Beide Volltexte auf Nennungen von „Tumormarker", „PSA" und „Blutuntersuchung" geprüft — keine Treffer. g-ba.de · KFE-RL (PDF) 2 3 4 5

  4. Parra-Robert M, Santos VM, Canis SM, et al. Relationship Between CA 19.9 and the Lewis Phenotype: Options to Improve Diagnostic Efficiency. Anticancer Res, 2018. PubMed · DOI 2 3 4

  5. Leitlinienprogramm Onkologie — S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Langversion 3.2, März 2026, AWMF-Registernummer 021-007OL. Kapitel 7.4.3 (Tumormarker, Empfehlung 7.5), Kapitel 8.3 (Liquid Biopsy) und Kapitel 11.3.2 (CEA in der Nachsorge, Statement 11.3). Die AWMF-Register-URL lieferte HTTP 500. leitlinienprogramm-onkologie.de (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9

  6. Leitlinienprogramm Onkologie — S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Langversion 5.1, Juni 2026, AWMF-Registernummer 032-045OL. Empfehlung 6.20 (Empfehlungsgrad A, starker Konsens). Die AWMF-Register-URL lieferte HTTP 500; gelesen wurde die Fassung des Leitlinienprogramms Onkologie. leitlinienprogramm-onkologie.de (PDF) 2 3 4

  7. Kremser M, Weiss N, Kaufmann-Stoeck A, Vierbaum L, et al. Longitudinal evaluation of external quality assessment results for CA 15-3, CA 19-9, and CA 125. Front Mol Biosci, 2024. PubMed · DOI 2 3

  8. Leitlinienprogramm Onkologie (DKG, Deutsche Krebshilfe, AWMF) — S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 8.1, August 2025, AWMF-Registernummer 043-022OL (gültige Fassung, kein Konsultationsentwurf). Empfehlungen 4.1–4.4 zur Früherkennung. register.awmf.org (PDF) 2 3 4

  9. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie — Leistungsverzeichnis, Einzelblätter zu CEA, CA 125, CA 15-3, CA 19-9 und Alpha-Fetoprotein (Referenzbereiche, Indikationen, Störfaktoren). uniklinik-ulm.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  10. Lycke M, Ulfenborg B, Kristjansdottir B, Sundfeldt K. Consideration should be given to smoking, endometriosis, renal function (eGFR) and age when interpreting CA125 and HE4 in ovarian tumor diagnostics. Clin Chem Lab Med, 2021. PubMed · DOI 2 3 4 5

  11. IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund) — PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs, Bewertung „tendenziell negativ", Stand der Aktualisierung 06.04.2017. Die Liste „IGeL A–Z" wurde vollständig geprüft: Sie enthält keine gesonderte Bewertung eines allgemeinen Tumormarker- oder Krebsvorsorge-Blutpakets. igel-monitor.de 2 3

  12. Hugosson J, Roobol MJ, Månsson M, et al. A 16-yr Follow-up of the European Randomized study of Screening for Prostate Cancer. Eur Urol, 2019. PubMed · DOI

  13. Marsh TL, Parikh ND, Roberts LR, et al. A Phase 3 Biomarker Validation of GALAD for the Detection of Hepatocellular Carcinoma in Cirrhosis. Gastroenterology, 2025. PubMed · DOI

  14. Menon U, Gentry-Maharaj A, Burnell M, et al. Ovarian cancer population screening and mortality after long-term follow-up in the UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS): a randomised controlled trial. Lancet, 2021. PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.