Sommaire

Lipoprotein(a): Normalwerte, Lp(a)-Wert erhöht – was tun

Lp(a) ist zu 80 bis 90 Prozent erblich und lebenslang stabil: Normalwerte in mg/dl und nmol/l, warum beide Einheiten nicht umrechenbar sind, was hilft.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Lipoprotein(a) – gesprochen „Lipoprotein klein a“, kurz Lp(a) – ist ein Blutfett, das dem bekannten LDL-Cholesterin sehr ähnelt und zusätzlich ein eigenes Eiweiß trägt.1 Seine Besonderheit macht ihn zum wohl ungewöhnlichsten Wert des Blutfettprofils: Er ist weitgehend genetisch festgelegt, bleibt ein Leben lang nahezu unverändert – und lässt sich weder durch Ernährung noch durch Sport oder Statine nennenswert senken.21 Genau deshalb wird er anders behandelt als jeder andere Laborwert: Man „korrigiert“ ihn nicht, man rechnet ihn in das Gesamtrisiko ein. Dieser Ratgeber erklärt die Normalwerte, die Falle mit den zwei Einheiten, was ein erhöhter Lp(a)-Wert bedeutet und was die Krankenkasse zahlt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lp(a) ist ein unabhängiger, eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – zusätzlich zum LDL-Cholesterin.23
  • Die Konzentration ist zu 80 bis 90 Prozent erblich; die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) spricht von rund 90 Prozent, die Umwelt spielt kaum eine Rolle.14
  • Eine einzige Messung im Leben genügt in der Regel – so die europäische Leitlinie, der die DGK folgt.54
  • Grenzwerte: unter 30 mg/dl unauffällig, 30 bis 50 mg/dl Graubereich, über 50 mg/dl deutlich erhöht.61
  • ⚠️ mg/dl und nmol/l lassen sich nicht zuverlässig umrechnen – die Teilchengröße ist von Mensch zu Mensch verschieden.21
  • Betroffen ist etwa jeder Fünfte: 20 Prozent liegen über 50 mg/dl, rund ein Drittel über 30 mg/dl.41
  • Erhöhtes Lp(a) begünstigt Herzinfarkt, ischämischen Schlaganfall, Beinarterienverschlüsse – und die Verkalkung der Aortenklappe.13
  • Es gibt kein zugelassenes Medikament, das Lp(a) gezielt senkt. Was hilft: alle anderen Risikofaktoren umso konsequenter kontrollieren.17

Was ist Lipoprotein(a)?

Fette sind nicht wasserlöslich; im Blut werden sie deshalb in Eiweißhüllen transportiert – diesen Transportern verdanken die Lipoproteine ihren Namen, etwa LDL und HDL.2

Lp(a) ist im Kern ein LDL-Partikel, an das ein zusätzliches Eiweiß fest gebunden ist: das Apolipoprotein(a). Es wird in der Leber gebildet und verbindet sich vermutlich erst in der Blutbahn mit dem LDL-Partikel.21 Dieses Anhängsel gibt Lp(a) seine Eigenheiten. Es ähnelt in seiner Struktur dem Plasminogen, einem Bestandteil der Blutgerinnung, und schwächt dessen Wirkung ab – Lp(a) wirkt daher nicht nur ablagerungsfördernd, sondern auch gerinnungsfördernd.2

Lp(a) ist nicht dasselbe wie LDL. Das LDL-Cholesterin sinkt mit Ernährung und Statinen – Lp(a) nicht. Beide gehören zum Blutfettprofil, sind aber zwei getrennte Marker, deren Risiken sich addieren.1

Warum genügt eine einzige Messung im Leben?

Weil sich der Wert nicht mehr wesentlich ändert. Wer einen hohen Lp(a)-Wert hat, hat ihn von Geburt an; die Konzentration verändert sich im Lauf des Lebens kaum, weshalb Kontrolluntersuchungen normalerweise überflüssig sind.21

Daraus folgt die praktisch wichtigste Aussage dieses Ratgebers: Das 2025 aktualisierte Kapitel der europäischen ESC/EAS-Leitlinie empfiehlt, Lp(a) mindestens einmal im Leben jedes Erwachsenen zu bestimmen (Empfehlungsgrad IIa, Evidenzgrad B).5 Die DGK trägt diese Empfehlung ausdrücklich mit, und ein Praxisleitfaden führender deutscher Kardiologinnen und Kardiologen formuliert sie knapp: Lp(a) sollte bei jeder Patientin und jedem Patienten mindestens einmal gemessen werden.46

Besonders naheliegend ist die Bestimmung laut DGFF (Lipid-Liga) und der D•A•CH-Gesellschaft für Prävention, wenn:21

  • Sie oder nahe Verwandte frühzeitig einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine schwere Gefäßverkalkung hatten;
  • eine familiäre Hypercholesterinämie bekannt ist;
  • die Gefäßerkrankung fortschreitet, obwohl der LDL-Zielwert erreicht ist;
  • Verwandte ersten Grades bereits erhöhte Lp(a)-Werte haben;
  • das Gesamtcholesterin schwer zu senken ist oder eine zusätzliche Risikoeinschätzung die Therapieentscheidung mitträgt.

Die Versorgungsrealität hinkt hinterher: Im Projekt LipidSnapshot von DGK, BNK und DGFL war bei Patientinnen und Patienten mit bestehender Gefäßerkrankung nur bei 3 Prozent in der hausärztlichen und bei 20 Prozent in der kardiologischen Betreuung überhaupt ein Lp(a)-Wert dokumentiert.8

Zahlt die Krankenkasse die Lp(a)-Bestimmung?

Ja – wenn eine ärztliche Indikation besteht. Der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) enthält dafür eine eigene Position: GOP 32456, „Quantitative Bestimmung des Lipoproteins(a)“, bewertet mit 10,95 Euro (Stand 1. Quartal 2026).9 Die Leistung ist damit regulär über die gesetzliche Krankenversicherung abrechenbar.

Was Lp(a) nicht ist: Teil des Check-up 35. Die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sieht dort ein Lipidprofil aus Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceriden sowie die Nüchternplasmaglukose vor – Lipoprotein(a) wird nicht genannt.10 Einen automatischen Anspruch auf die einmalige Messung als Reihenuntersuchung gibt es in Deutschland also nicht; ohne Anlass angeboten, ist sie eine Selbstzahlerleistung. Die Indikation stellt die Ärztin oder der Arzt.

Muss man für die Lp(a)-Bestimmung nüchtern sein?

Nein. Da der Wert genetisch festgelegt ist, ändern Mahlzeiten ihn praktisch nicht; die Blutentnahme ist ein normales Röhrchen zu beliebiger Tageszeit.13 Werden im selben Termin Triglyceride oder der Blutzucker mitbestimmt, kann die Praxis Sie trotzdem nüchtern einbestellen – wegen dieser Werte, nicht wegen Lp(a).

Normalwerte: mg/dl und nmol/l

EinordnungLp(a) in mg/dlLp(a) in nmol/l
Unauffälligunter 30 mg/dlunter 75 nmol/l
Graubereich30 bis 50 mg/dl75 bis 125 nmol/l
Deutlich erhöhtüber 50 mg/dlüber 125 nmol/l

Einordnung nach dem deutschen kardiologischen Praxisleitfaden und der Patienteninformation der D•A•CH-Gesellschaft für Prävention.61

⚠️ Rechnen Sie Ihren Wert nicht selbst um

Die beiden Einheiten messen nicht dasselbe: mg/dl wiegt die Masse des Cholesterins in den Lp(a)-Partikeln, nmol/l zählt die Partikel.1 Weil die Größe des Apolipoprotein(a) – und damit das Gewicht jedes einzelnen Teilchens – von Mensch zu Mensch stark schwankt, gibt es keinen gültigen Umrechnungsfaktor. Die DGFF (Lipid-Liga) schreibt es unmissverständlich: Werte, die mit der neueren Methode gemessen wurden, „lassen sich nicht in mg/dl umrechnen“; die D•A•CH-Gesellschaft rät ebenso ausdrücklich davon ab.21

Wie unsicher die Sache ist, zeigt ein Blick in die Fachliteratur selbst: Denselben 50 mg/dl werden je nach Dokument 125 nmol/l oder 105 nmol/l zugeordnet.65 Ein deutscher Praxisleitfaden nennt einen Faktor zwischen 2 und 2,5 – „mit Vorsicht zu interpretieren“.6 Wer selbst multipliziert, kann sich also leicht um eine ganze Risikokategorie verschätzen. Vergleichen Sie nur Werte in derselben Einheit und lassen Sie den Befund ärztlich einordnen.

Zwei weitere Hinweise. Die Messverfahren sind bis heute nicht vollständig standardisiert, sodass Ergebnisse verschiedener Labore voneinander abweichen können – das heißt nicht, dass sich Ihr Wert verändert hat.21 Und das Risiko steigt kontinuierlich: Die Grenze bei 50 mg/dl ist eine praktische Orientierung, keine Grenze zwischen gesund und krank.5

Ihre Werte verstehen

Lp(a) erhöht

Ein erhöhter Wert bedeutet ein zusätzliches Risiko, das sich zu Ihren übrigen Risikofaktoren addiert. Belegt sind:1311

  • frühzeitige Gefäßverkalkung mit Herzinfarkt, koronarer Herzkrankheit und ischämischem Schlaganfall;
  • die periphere arterielle Verschlusskrankheit („Schaufensterkrankheit“);
  • die Verkalkung der Aortenklappe bis hin zur Aortenklappenstenose – ein weniger bekannter, aber gut gesicherter Zusammenhang, der Lp(a) von anderen Blutfetten unterscheidet;
  • ein Restrisiko, das bestehen bleibt, obwohl das LDL-Cholesterin gut eingestellt ist.

Zur Größenordnung: Die D•A•CH-Gesellschaft beziffert das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Beinarterienverschluss bei erhöhtem Lp(a) als etwa zwei- bis dreifach – kommt ein hohes LDL-Cholesterin hinzu, wird daraus laut derselben Quelle ein sechsfach erhöhtes Risiko.1 Genau deshalb ist die LDL-Senkung bei erhöhtem Lp(a) besonders wichtig.

Heißt das, dass ich krank werde? Nein. Lp(a) ist ein statistischer Risikofaktor, keine Diagnose. Sehr viele Menschen mit hohem Lp(a) erleiden nie ein Ereignis; die D•A•CH-Gesellschaft vergleicht es mit dem Rauchen – ein großer Risikofaktor, der längst nicht jeden trifft.1 Erhöhtes Lp(a) ist häufig: Rund jeder Fünfte liegt über 50 mg/dl.41

Und Krebs? Zwischen Lp(a)-Werten und der Krebshäufigkeit gibt es keinen Zusammenhang; Lp(a) ist kein Tumormarker.2 Auch die früher vermutete Verbindung zu Venenthrombosen und Lungenembolien gilt nach heutigem Stand als nicht erwiesen – Lp(a) betrifft die Arterien.1

Lp(a) niedrig

Ein niedriger Wert ist schlicht eine gute Nachricht: Er bringt keine bekannten Risiken mit sich und erfordert keine Behandlung. Die meisten Menschen liegen von Natur aus niedrig. Er hebt allerdings die anderen Risikofaktoren nicht auf – Blutdruck, Rauchen, LDL-Cholesterin und HbA1c bleiben genauso wichtig.

Lp(a), LDL-Cholesterin und Apolipoprotein B

Lp(a) wird nie allein gelesen. Es enthält selbst Cholesterin – bei sehr hohen Werten steckt ein Teil des rechnerisch dem LDL zugeordneten Cholesterins in Wahrheit im Lp(a).11 Deshalb lohnt der Blick auf das Apolipoprotein B, das alle ablagerungsfähigen Partikel zählt. Typische Konstellationen:

  • LDL hoch + Lp(a) hoch → die Risiken addieren sich, die LDL-Senkung wird umso dringlicher;
  • LDL im Zielbereich + Lp(a) hoch → erklärt ein Restrisiko, das sonst rätselhaft bliebe;
  • LDL erstaunlich schwer zu senken → ein Anlass, Lp(a) und Apolipoprotein B zu bestimmen.

Was den Lp(a)-Wert beeinflusst – und was nicht

Der bestimmende Faktor ist die Vererbung. Alles Weitere bewegt den Wert allenfalls am Rand: die Menopause (Hormonmangel kann ihn steigen lassen), bestimmte Nierenerkrankungen, akute Entzündungen und Infekte.21

Nicht beeinflussbar ist er dagegen durch das, was man üblicherweise erwarten würde. Ernährung und körperliche Aktivität senken Lp(a) nicht.21 Statine senken ihn ebenfalls nicht – sie können ihn sogar leicht anheben, ohne dass daraus ein Nachteil für das Herz-Kreislauf-Risiko zu erwarten wäre.6 PCSK9-Hemmer senken ihn um etwa 20 bis 30 Prozent, sind dafür aber nicht zugelassen und reichen meist nicht aus, um einen hohen Wert aus dem Risikobereich zu bringen.16 Und Nahrungsergänzungsmittel – Vitamine, Aminosäuren, Spurenelemente – können Lp(a) nicht klinisch relevant senken.1

Das ist ein wichtiger Punkt zur eigenen Entlastung: Ein hoher Lp(a)-Wert ist kein Ergebnis Ihres Lebensstils, sondern ein Erbe.

Erhöhtes Lp(a) in der Familie

Weil der Wert vererbt wird, betrifft ein Befund selten nur eine Person. Bei bekannt hohem Lp(a) wird deshalb ein Kaskadenscreening in der Familie empfohlen – besonders, wenn zusätzlich frühe Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorkommen.45 Die DGFF (Lipid-Liga) hält es für sinnvoll, Lp(a) auch bei Kindern und Jugendlichen von Eltern mit stark erhöhten Werten zu messen, vor allem wenn die Eltern bereits erkrankt sind.2 Ob und wann das im Einzelfall angezeigt ist, entscheidet die behandelnde Praxis.

Was tun bei erhöhtem Lp(a)?

Zuerst die ehrliche Auskunft: Es gibt derzeit kein zugelassenes Medikament, das Lp(a) gezielt und wirksam senkt – und keine randomisierte Studie hat bisher gezeigt, dass eine Lp(a)-Senkung Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindert.17

Was stattdessen wirkt, ist gut belegt und liegt zu großen Teilen in Ihrer Hand: nicht rauchen, regelmäßige Ausdauerbewegung, Normalgewicht anstreben, herzgesund essen. Ärztlich kommen dazu: das LDL-Cholesterin konsequent senken, den Blutdruck gut einstellen, einen Diabetes optimal führen und die Gefäße im Blick behalten.12 Weil sich die Risikofaktoren gegenseitig verstärken, senkt genau das Ihr Risiko wesentlich – auch ohne dass die Zahl auf dem Laborzettel sinkt.

Eine Ausnahme gibt es: die Lipoproteinapherese, eine Art Blutwäsche. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat sie 2008 für die isolierte Lp(a)-Erhöhung über 60 mg/dl bei normalem LDL-Cholesterin und nachweislich fortschreitender Gefäßerkrankung in die vertragsärztliche Versorgung aufgenommen.12 Sie ist eine Einzelfallentscheidung unter streng definierten Voraussetzungen und setzt voraus, dass alle anderen Risikofaktoren bereits optimal behandelt sind; über die Kostenübernahme entscheidet eine Fachkommission der Kassenärztlichen Vereinigung.21 Bei einem erhöhten Wert ohne schwere, fortschreitende Erkrankung kommt sie nicht infrage.

Neues aus der Forschung

Aus aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:

  • Wirkstoffe in Phase III. Zwei Klassen von RNA-Therapien – Antisense-Oligonukleotide und siRNA – hemmen die Lp(a)-Bildung in der Leber hochspezifisch.1 Der Antisense-Wirkstoff Pelacarsen wird in der Studie Lp(a)HORIZON an 8.323 Patientinnen und Patienten mit bestehender Gefäßerkrankung und Lp(a) ab 70 mg/dl geprüft; Endpunkt sind schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse.7 Der siRNA-Wirkstoff Olpasiran senkte Lp(a) in einer Phase-2-Studie um über 95 Prozent gegenüber Placebo; die Endpunktstudie läuft.13
  • Der entscheidende Vorbehalt. Diese Substanzen senken die Zahl – ob sie damit auch Infarkte und Schlaganfälle verhindern, ist offen. Die Autoren von Lp(a)HORIZON halten ausdrücklich fest, dass bislang keine randomisierte Studie einen solchen Nutzen gezeigt hat.7 Keine dieser Substanzen ist zugelassen.
  • Wie stabil ist der Wert wirklich? Eine deutsche Auswertung von 2.849 Messungen bei 992 ambulanten Patientinnen und Patienten fand eine mittlere Schwankung von 33,7 Prozent zwischen zwei Messungen (Median der relativen Änderung: 14,4 Prozent); 11,3 Prozent wechselten dabei die Risikokategorie. Die Autoren folgern, dass eine einmalige Messung unzureichend sein kann, wenn eine Entscheidung an einem festen Grenzwert hängt.14 Für die grobe Einordnung – gar nicht, leicht oder stark erhöht – bleibt sie sinnvoll.1

Diese Informationen betreffen die Einordnung von Befunden. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

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Häufige Fragen

Was ist Lipoprotein(a)? Ein Blutfett-Transporter aus einem LDL-Partikel und dem zusätzlichen Apolipoprotein(a). Dieses Anhängsel macht ihn ablagerungs- und gerinnungsfördernd und zu einem eigenständigen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.2

Welcher Lp(a)-Wert ist normal? Unter 30 mg/dl (unter 75 nmol/l) gilt als unauffällig, 30 bis 50 mg/dl als Graubereich, über 50 mg/dl (über 125 nmol/l) als deutlich erhöht. Maßgeblich ist der Referenzbereich auf Ihrem Befund.61

Warum darf ich mg/dl und nmol/l nicht umrechnen? Weil die eine Einheit die Masse misst und die andere die Teilchenzahl – und das Gewicht eines Lp(a)-Teilchens von Mensch zu Mensch verschieden ist. Es gibt keinen gültigen Faktor; deutsche Fachgesellschaften raten von der Umrechnung ausdrücklich ab.21

Wie oft muss ich Lp(a) messen lassen? In der Regel einmal im Leben – der Wert ist genetisch festgelegt und ändert sich kaum. Ob eine Kontrolle sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Praxis.52

Zahlt die Krankenkasse den Test? Bei ärztlicher Indikation ja: Der EBM führt die Bestimmung als GOP 32456 mit 10,95 Euro. Teil des Check-up 35 ist sie jedoch nicht.910

Muss ich nüchtern sein? Nein. Nüchternheit wird nur verlangt, wenn im selben Termin andere Werte wie Triglyceride oder der Blutzucker bestimmt werden.1

Wie senke ich einen hohen Lp(a)-Wert? Derzeit gar nicht gezielt: Weder Ernährung noch Sport noch Statine wirken nennenswert, ein zugelassenes Medikament gibt es nicht.17 Wirksam ist, alle anderen Risikofaktoren konsequent zu behandeln.

Ist ein hoher Lp(a)-Wert erblich? Ja, zu 80 bis 90 Prozent. Deshalb wird bei erhöhten Werten ein Kaskadenscreening in der Familie empfohlen.14

Bedeutet erhöhtes Lp(a) ein Krebsrisiko? Nein. Zwischen Lp(a) und der Krebshäufigkeit besteht kein Zusammenhang.2

Zum Mitnehmen

Lipoprotein(a) ist ein LDL-ähnliches Partikel mit einem zusätzlichen Eiweiß – zu 80 bis 90 Prozent vererbt, ein Leben lang stabil und ein unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkt, ischämischen Schlaganfall und die Verkalkung der Aortenklappe. Merken Sie sich drei Dinge: Es reicht, den Wert einmal im Leben bestimmen zu lassen (bei Indikation eine Kassenleistung, aber kein Teil des Check-up 35); mg/dl und nmol/l dürfen Sie nicht ineinander umrechnen; und ein hoher Wert ist kein unabwendbares Schicksal, sondern ein guter Grund, bei LDL-Cholesterin, Blutdruck, Rauchen und Blutzucker besonders konsequent zu sein – und die Familie zu informieren. Kein Laborwert steht für sich; erst das Gesamtbild aus dem Blutfettprofil ergibt Sinn, und dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften und Institutionen sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. D•A•CH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e.V. – Patienteninformation Lipoprotein(a): Was heißt das, und was bedeutet es für mich?, Juni 2025 (bereitgestellt vom Universitätsklinikum Leipzig): 80–90 % genetisch bestimmt, Grenzwerttabelle in nmol/l und mg/dl, „Werte in mg/dl und nmol/l sollten nicht umgerechnet werden“, zwei- bis dreifaches bzw. sechsfaches Risiko, Aortenklappenstenose, jeder fünfte Mensch in Deutschland betroffen, Thrombose-/Embolie-Zusammenhang nicht erwiesen, PCSK9-Hemmer 20–30 %, Nahrungsergänzungsmittel wirkungslos, Apherese-Kriterien, ASO und siRNA in Phase III. uniklinikum-leipzig.de (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36

  2. Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e.V. – Patientenratgeber Lipoprotein(a) – ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stand 2017: Aufbau aus LDL und Apolipoprotein(a), Ähnlichkeit zum Plasminogen, weitgehend genetische Festlegung, Risikoschwelle über 30 mg/dl bzw. 75 nmol/l, „Lp(a)-Werte, die mit der neuen Methode gemessen wurden, lassen sich nicht in mg/dl umrechnen“, keine wesentliche Veränderung im Lebensverlauf, Indikationsliste, kein Zusammenhang mit der Krebshäufigkeit, Apherese-Voraussetzungen und Antragsweg, Messung bei Kindern betroffener Eltern. lipid-liga.de (PDF) 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20

  3. Kronenberg F, Mora S, Stroes ESG, et al. Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus statement. Eur Heart J, 2022. PubMed · DOI 2 3 4

  4. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) – Pressestatement zur Jahrestagung 2025, Lipoprotein(a): Der unterschätzte Risikofaktor: rund 90 % der Lp(a)-Konzentration elterlich vererbt, ein Drittel der europäischen Bevölkerung über 30 mg/dl, 20 % über 50 mg/dl, Testung mindestens einmal im Leben, Kaskadenscreening in betroffenen Familien, Endpunktstudien erwartet. herzmedizin.de 2 3 4 5 6 7

  5. Task Force der European Society of Cardiology und der European Atherosclerosis Society. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J, 2025: Lp(a)-Bestimmung mindestens einmal im Leben jedes Erwachsenen (Klasse IIa, Evidenzgrad B), Risikoanstieg ab 30 mg/dl (62 nmol/l) und deutlich ab 50 mg/dl (105 nmol/l), molare Einheit bevorzugt, Kaskadenscreening bei familiärer Hypercholesterinämie und vorzeitiger Gefäßerkrankung. PubMed · DOI 2 3 4 5 6

  6. Siegel PM, Katzmann JL, Weinmann-Menke J, Landmesser U, Schunkert H, Baldus S, et al. A practical guide to the management of dyslipidaemia. Clin Res Cardiol, 2026 (Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie): Bestimmung bei jeder Patientin und jedem Patienten mindestens einmal, Schwellen unter 30 mg/dl (75 nmol/l) und über 50 mg/dl (125 nmol/l), Umrechnungsfaktor zwischen 2 und 2,5 „mit Vorsicht zu interpretieren“, Statine erhöhen Lp(a) leicht, PCSK9-Hemmer senken es um rund 25 %, Apherese ab 60 mg/dl. PubMed · DOI 2 3 4 5 6 7 8

  7. Cho L, Nicholls SJ, Nordestgaard BG, Landmesser U, Tsimikas S, et al. Design and Rationale of Lp(a)HORIZON Trial: Assessing the Effect of Lipoprotein(a) Lowering With Pelacarsen on Major Cardiovascular Events in Patients With CVD and Elevated Lp(a). Am Heart J, 2025: 8.323 Patientinnen und Patienten, Lp(a) ab 70 mg/dl; „currently there are no approved pharmacologic treatments to lower Lp(a) levels, and no randomized trials have demonstrated that lowering Lp(a) reduces CVD risk“. PubMed · DOI 2 3 4 5

  8. DGK – Pressestatement zur Jahrestagung 2025, Empfehlung vs. Versorgungsrealität – Ergebnisse der „Lipid Snapshots“ (Gemeinschaftsprojekt des DGK-Zentrums für Kardiologische Versorgungsforschung, des BNK und der DGFL): Lp(a) bei 3 % der ASCVD-Patienten in der hausärztlichen und 20 % in der kardiologischen Versorgung dokumentiert; ausgewertet wurden 82.375 bzw. 1.500 Patientendokumentationen. herzmedizin.de

  9. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 1. Quartal 2026, Gebührenordnungsposition 32456 „Quantitative Bestimmung des Lipoproteins(a)“: 10,95 Euro; Höchstwert für die Untersuchungen der GOP 32435 und 32437 bis 32456: 33,40 Euro. kbv.de (PDF) 2

  10. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie, Anlage 1 (Inhalte der allgemeinen Gesundheitsuntersuchung): Lipidprofil aus Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceriden sowie Nüchternplasmaglucose; Anspruch ab dem vollendeten 35. Lebensjahr alle drei Jahre. Lipoprotein(a) ist nicht aufgeführt. g-ba.de (PDF) 2

  11. Nordestgaard BG, Langsted A. Lipoprotein(a) and cardiovascular disease. Lancet, 2024. PubMed · DOI 2

  12. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Beschluss vom 19. Juni 2008 zur Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung: Apherese bei isolierter Lp(a)-Erhöhung, in Kraft seit 12. September 2008: Apherese bei isolierter Lp(a)-Erhöhung über 60 mg/dl, LDL-Cholesterin im Normbereich und dokumentiert fortschreitender kardiovaskulärer Erkrankung. g-ba.de

  13. O'Donoghue ML, Rosenson RS, Gencer B, et al. Small Interfering RNA to Reduce Lipoprotein(a) in Cardiovascular Disease (Olpasiran, Studie OCEAN(a)-DOSE). N Engl J Med, 2022. PubMed · DOI

  14. Seidel M, Rosiewicz K, Seibert FS, et al. Intraindividual Lp(a)-Variability in a Real-World Setting. JACC Adv, 2026; 5(3): 102601 (992 ambulante Patientinnen und Patienten eines deutschen Universitätsklinikums, 2.849 Messungen). PMC · DOI

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