Sommaire

Aldosteron: Normalwerte, Conn-Syndrom & Renin-Quotient

Ein einzelner Aldosteronwert sagt wenig. Erst der Aldosteron-Renin-Quotient deckt ein Conn-Syndrom auf, die häufigste behandelbare Ursache von Bluthochdruck.

Mis à jour le August 14, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Aldosteron ist das wichtigste Salz- und Blutdruckhormon des Körpers, gebildet in der äußersten Schicht der Nebennierenrinde. Es lässt die Niere Natrium zurückhalten und Kalium ausscheiden – und hebt damit indirekt den Blutdruck. Der entscheidende Punkt für die Praxis: Ein Aldosteronwert allein ist kaum zu deuten. Aussagekraft bekommt er erst im Aldosteron-Renin-Quotienten (ARQ), dem Screeningtest auf das Conn-Syndrom – die häufigste behandelbare Ursache von Bluthochdruck, die in Deutschland viel zu selten gesucht wird. Dieser Ratgeber erklärt Normalwerte, ARQ, die besonderen Regeln der Blutentnahme und wer heute getestet werden sollte. Aldosteron gehört zum Hormonstatus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aldosteron ist das wichtigste Mineralokortikoid der Nebennierenrinde: Es fördert die Natrium-Rückresorption und die Kalium-Ausscheidung in der Niere und steht am Ende des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS).1
  • Der Einzelwert taugt nicht als Screening. Maßgeblich ist der Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ); er erkennt ein Conn-Syndrom sogar dann, wenn die Aldosteronkonzentration noch im Referenzbereich liegt.23
  • Das Conn-Syndrom (primärer Hyperaldosteronismus) ist die häufigste behandelbare Ursache einer Hypertonie – weniger als 1 % der Betroffenen erhält laut Deutscher Hochdruckliga die korrekte Diagnose und Therapie.4
  • Normales Kalium schließt ein Conn-Syndrom nicht aus. Nur eine Minderheit der Betroffenen (9–37 %) hat eine Hypokaliämie; die normokaliämische Hypertonie ist die häufigste Form.5
  • Zahlreiche Blutdruckmedikamente verfälschen den Test. Ob und wie die Medikation vorher angepasst wird, entscheidet ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der Arzt – niemals Sie selbst.36
  • Ein hoher Aldosteronwert ist kein Krebsmarker: Ursache sind fast immer ein gutartiges Adenom oder eine beidseitige Hyperplasie der Nebennieren.78

Was ist Aldosteron?

Aldosteron ist ein Steroidhormon aus der äußersten Zone der Nebennierenrinde (Zona glomerulosa). Seine Aufgabe ist die Regulation des Wasser- und Salzhaushalts: Es weist die Niere an, Natrium und Wasser zurückzuhalten und im Gegenzug Kalium auszuscheiden. Mehr Natrium und Wasser im Kreislauf bedeuten mehr Volumen – und damit einen höheren Blutdruck.71

Gesteuert wird die Bildung über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System: Fällt der Blutdruck oder fehlt Salz, schüttet die Niere das Enzym Renin aus, das über Angiotensin II die Nebenniere anregt. Auch der Kaliumspiegel greift in diese Regulation ein. Weil Renin der vorgeschaltete Regler ist, sagt erst das Verhältnis beider Hormone, ob eine hohe Aldosteronkonzentration angemessen oder krankhaft ist.

Aldosteron ist nicht Cortisol. Beide entstehen in der Nebennierenrinde, haben aber verschiedene Aufgaben: Cortisol ist ein Glukokortikoid (Stoffwechsel, Stressreaktion), Aldosteron ein Mineralokortikoid (Salz, Wasser, Blutdruck). Auch DHEA-S stammt aus derselben Drüse, gehört aber zur Androgenschiene.

Wann wird Aldosteron bestimmt – und wer sollte getestet werden?

Aldosteron ist kein Routineparameter. Bestimmt wird es – praktisch immer zusammen mit Renin – zur Abklärung eines Bluthochdrucks mit hormoneller Ursache, seltener bei ungeklärten Kalium- oder Elektrolyt-Störungen oder Verdacht auf Nebenniereninsuffizienz.

Und genau hier liegt das größte Versorgungsproblem. Die AWMF-S2k-Leitlinie „Operative Therapie von Nebennierentumoren" nennt eine klassische Risikoliste: schwere Hypertonie (> 160/100 mmHg), medikamentös schwer einstellbarer Bluthochdruck, Hypertonie plus Hypokaliämie, Hypertonie plus Nebennieren-Inzidentalom sowie Hypertonie oder Schlaganfall vor dem 40. Lebensjahr.3 Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ergänzt Verwandte ersten Grades von Conn-Patienten, der Münchner Endokrinologe Martin Reincke im DGE-Blog zusätzlich das Schlafapnoe-Syndrom.79

⚠️ Diese Liste ist nicht mehr der aktuelle Stand – und das ist die wichtigste Information dieser Seite. Die AWMF-Leitlinie 088-008 trägt den Hinweis „Seit > 5 Jahren nicht aktualisiert, Leitlinie wird zur Zeit überarbeitet" (Version vom 17. Dezember 2017); ihre Screening-Empfehlung stützt sich auf eine internationale Leitlinie von 2008.3 Die neue Leitlinie der Endocrine Society von 2025 empfiehlt dagegen ausdrücklich, bei allen Menschen mit Bluthochdruck auf einen primären Hyperaldosteronismus zu screenen (formuliert als bedingte Empfehlung).6

Der Grund für den Kurswechsel ist die Häufigkeit. Deutsche Laborangaben beziffern die Prävalenz auf 2–13 % aller Hypertoniker, steigend mit dem Schweregrad, und 17–23 % bei therapieresistenter Hypertonie.2 Eine Querschnittsstudie, die bei jedem Teilnehmer einen Bestätigungstest durchführte, fand biochemisch eindeutigen primären Hyperaldosteronismus bei 11,3 % der Menschen mit Hypertonie Grad 1 und 22,0 % bei therapieresistenter Hypertonie.10 Dem steht gegenüber: Laut Deutscher Hochdruckliga erhält weniger als 1 % der Betroffenen die richtige Diagnose.4

Ein unbehandeltes Conn-Syndrom ist zudem gefährlicher als ein „normaler" Bluthochdruck gleicher Höhe: Eine Metaanalyse zeigt ein deutlich erhöhtes Risiko für Schlaganfall, koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz.11 Deshalb gehören zur Abklärung regelmäßig auch die Nierenwerte mit Kreatinin oder Cystatin C und das Albumin im Urin.

Der Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ): warum der Einzelwert wenig sagt

Beim Conn-Syndrom produziert die Nebenniere Aldosteron autonom, also unabhängig von Renin. Der Körper reagiert darauf, indem er die Reninausschüttung drosselt. Typisch ist deshalb nicht „Aldosteron hoch", sondern die Kombination: Aldosteron hoch oder normal, Renin stark unterdrückt.

Genau das misst der Aldosteron-Renin-Quotient. Die AWMF-Leitlinie nennt ihn einen „exzellenten Screening-Test" und hält fest, dass sich damit auch milde Formen erkennen lassen, bei denen die Aldosteronkonzentration allein noch unauffällig wäre.32 Umgekehrt gilt: Ein erhöhter Aldosteronwert bei ebenfalls hohem Renin spricht gerade nicht für ein Conn-Syndrom.

Ein deutsches Labor rechnet den ARQ automatisch aus, sobald Aldosteron und Renin gemeinsam angefordert werden: Ein ARQ < 20 schließt ein Conn-Syndrom weitgehend aus, ab 20 ist weiterführende Diagnostik sinnvoll.1 Ein zweites deutsches Labor nennt denselben Cut-off (> 20 in (ng/l)/(ng/l)) mit einer Sensitivität von 92 % und einer Spezifität von 86 % – methodenabhängig, gültig nur für das dort verwendete Testverfahren.2

Ein auffälliger ARQ ist keine Diagnose, sondern der Anlass für einen Bestätigungstest, in Deutschland meist den intravenösen Kochsalzbelastungstest.3 Wie belastbar diese Bestätigungstests sind, ist Gegenstand einer aktuellen Debatte (siehe unten).

Muss man nüchtern sein? Die Vorbereitung entscheidet mit

Nüchternheit ist beim Aldosteron nicht der Knackpunkt – die Bedingungen der Blutentnahme sind es. Ein deutsches Laborinformationsblatt beschreibt das Standardvorgehen: Blutentnahme morgens, etwa zwei Stunden nach dem Aufstehen, nach einer 15-minütigen Ruhephase im Sitzen. Die Probe muss zügig verarbeitet und tiefgefroren transportiert werden – Kühlschranktemperatur ist ausdrücklich verboten, weil dabei die Vorstufe Prorenin zu Renin „kryoaktiviert" wird und der Reninwert falsch hoch ausfällt.21

Weiter empfohlen wird, ein niedriges Kalium vorher auszugleichen, die Kochsalzzufuhr nicht einzuschränken und auf Lakritz zu verzichten – Lakritz ahmt einen Aldosteronüberschuss nach.21

⚠️ Zum Thema Medikamente: bitte nichts eigenmächtig ändern

Sehr viele gängige Blutdruckmedikamente greifen in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System ein und verschieben den ARQ – manche nach oben (falsch positiv), manche nach unten (falsch negativ).32

Ob, welche und wie lange vor dem Test etwas umgestellt wird, entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Setzen Sie niemals selbst ein Blutdruckmittel ab, verändern Sie keine Dosis und verschieben Sie keine Einnahme, um „den Test nicht zu stören". Die AWMF-Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass gerade diese Patientinnen und Patienten oft einen schwer einstellbaren Hochdruck haben und dass eine Umstellung mit einer nicht unerheblichen Komplikationsrate verbunden ist.3 Die Leitlinie der Endocrine Society von 2025 beschreibt deshalb neben einer minimalen Umstellung auch eine Strategie ganz ohne Absetzen – die Sicherheit geht vor der Testgüte.6

Ihre Aufgabe ist einfacher: Nennen Sie in der Praxis vollständig alle Medikamente, die Sie einnehmen – einschließlich Pille, Hormonpräparaten, Schmerzmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.

Aldosteron-Normalwerte

Referenzbereiche hängen von Labor, Messmethode und Körperlage ab. Beispielhaft die Werte eines akkreditierten deutschen Labors (EDTA-Plasma, gefroren, Chemilumineszenz-Immunoassay):1

Körperlage bei der EntnahmeAldosteronentspricht etwa
Liegend11,7 – 236 ng/l≈ 32 – 655 pmol/l
Stehend22,1 – 353 ng/l≈ 61 – 979 pmol/l
Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ)< 20: Conn-Syndrom weitgehend ausgeschlossenab 20: weiterführende Diagnostik

Einheiten: In Deutschland ist ng/l üblich; 1 ng/l = 1 pg/ml, und ng/l × 2,774 = pmol/l.1 Der Bereich beim Stehen liegt höher, weil allein das Aufstehen das RAAS aktiviert – Werte aus verschiedenen Körperlagen sind nicht vergleichbar.

Wichtig: Verbindlich ist der Referenzbereich auf Ihrem Befund. Und noch wichtiger: Für die Frage „Conn-Syndrom ja oder nein" zählt nicht der Einzelwert, sondern der Quotient mit Renin.

Aldosteron zu hoch oder zu niedrig: was der Befund bedeutet

Aldosteron erhöht

Der Befund wird erst zusammen mit Renin eindeutig:

Aldosteron hoch (oder hochnormal) + Renin niedrig = hoher ARQ → Verdacht auf primären Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom). Hauptursachen sind ein einseitiges, gutartiges Adenom und eine beidseitige Nebennierenhyperplasie.27 Die Unterscheidung bestimmt die Behandlung: Bei einseitiger Ursache kann die minimalinvasive Entfernung der betroffenen Nebenniere zur Heilung führen, bei beidseitiger Form wird dauerhaft medikamentös behandelt.78

Aldosteron hoch + Renin hoch → sekundärer Hyperaldosteronismus. Hier reagiert die Nebenniere völlig korrekt auf ein überaktiviertes RAAS: renovaskuläre Hypertonie (verengte Nierenarterie), reninbildende Tumoren, chronische Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz, Leberzirrhose oder eine Entwässerungstherapie.1 Behandelt wird dann die Grunderkrankung, nicht das Hormon.

Begleitend lohnt immer der Blick auf Kalium, Natrium und die Nierenwerte; bei Verdacht auf eine breitere Nebennierenstörung kommen Cortisol und der Blutzucker hinzu.

Der Kalium-Irrtum, der Diagnosen kostet

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, ein Conn-Syndrom gehe immer mit niedrigem Kalium einher. Das stimmt nicht – und dieser Irrtum ist einer der Gründe für die massive Unterdiagnose. Die Leitlinie der Endocrine Society hält fest: Nur eine Minderheit der Betroffenen (9–37 %) hat eine Hypokaliämie; die normokaliämische Hypertonie ist die häufigste Erscheinungsform der Erkrankung.5 Auch im deutschen Conn-Register – 555 Patientinnen und Patienten aus fünf Zentren – hatten 202 (36 %) nie eine dokumentierte Hypokaliämie; und das, obwohl in diesem historischen Kollektiv vielfach gerade das niedrige Kalium der Anlass zur Diagnostik gewesen sein dürfte.12

Praktische Folge: Ein normaler Kaliumwert ist kein Argument gegen einen Test. Umgekehrt kann eine ausgeprägte Hypokaliämie den ARQ sogar senken und einen falsch negativen Befund erzeugen – deshalb soll ein niedriges Kalium vor der Bestimmung ausgeglichen werden.2

Aldosteron erniedrigt

Ein niedriger oder nicht nachweisbarer Wert kommt vor allem bei der primären Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison) vor, bei der die hormonbildenden Zellen zerstört sind – typischerweise mit hohem Kalium und niedrigem Natrium.1 Daneben gibt es einen isolierten Hypoaldosteronismus, etwa bei bestimmten Nierenerkrankungen oder langjährigem Diabetes, sowie medikamentös bedingte niedrige Werte.

Kein Krebsmarker

Ein erhöhter Aldosteronwert ist kein Hinweis auf eine bösartige Erkrankung. Ursache ist ganz überwiegend ein gutartiges Adenom oder eine Hyperplasie; Nebennierenrindenkarzinome sind selten und in der Bildgebung meist deutlich größer.38

Was den Aldosteronwert verfälscht

  • Körperlage und Uhrzeit – der größte präanalytische Faktor; Stehen hebt den Wert deutlich an.12
  • Kaliumspiegel – eine Hypokaliämie senkt Aldosteron und damit möglicherweise den ARQ.2
  • Salzzufuhr – die Kochsalzaufnahme soll vor dem Test nicht eingeschränkt werden.2
  • Blutdruckmedikamente – zahlreiche Substanzklassen heben oder senken den ARQ; die Anpassung entscheidet ausschließlich die Ärztin oder der Arzt.36
  • Lakritz und Kautabak, Abführmittel, Kaliumpräparate und östrogenhaltige Präparate.12
  • Alter über 65 Jahre und eingeschränkte Nierenfunktion können den ARQ erhöhen; in der Lutealphase steigt Aldosteron – die Bestimmung soll bevorzugt in der Follikelphase erfolgen.2
  • Probenhandling: Lagerung im Kühlschrank statt tiefgefroren verfälscht den Reninwert.2

Aktuelle Forschung

  • Vom Risikogruppen- zum Breitenscreening. Die Endocrine-Society-Leitlinie 2025 empfiehlt, alle Menschen mit Bluthochdruck zu screenen, und beschreibt Wege, das auch ohne riskante Medikamentenumstellung zu tun.6 (Adler et al., J Clin Endocrinol Metab, 2025.)
  • Die Dunkelziffer ist gemessen, nicht geschätzt. In einer Querschnittsstudie mit Bestätigungstest bei allen Teilnehmenden lag der Anteil mit eindeutigem primärem Hyperaldosteronismus je nach Blutdruckstufe bei 11 bis 22 % – und der ARQ erwies sich dabei als wenig sensitiv.10 (Brown et al., Ann Intern Med, 2020.)
  • Die Bestätigungstests sind schwächer als gedacht. Eine von der Deutschen Hochdruckliga besprochene Metaanalyse aus 55 Studien kam zu dem Schluss, dass die Aussagekraft der gängigen Bestätigungstests auf sehr geringer Evidenz beruht.134 (Leung et al., Hypertension, 2022.)
  • Warum sich die Diagnose lohnt. Eine Metaanalyse belegte gegenüber essenzieller Hypertonie ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz.11 (Monticone et al., Lancet Diabetes Endocrinol, 2018.)

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Versorgung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

Lassen Sie Ihren Aldosteronwert von AI DiagMe einordnen

Aldosteron ist der Laborwert, der allein am wenigsten aussagt: Sein Sinn ergibt sich erst aus Renin, Kalium und Natrium, Ihrem Blutdruck, Ihrer Körperlage bei der Entnahme und Ihren Medikamenten.

👉 AI DiagMe erklärt Ihre Befunde – Blut, Urin oder Stuhl – verständlich und im Zusammenhang. Ein reines Informationsangebot: Es stellt keine Diagnose und ersetzt Ihre Ärztin oder Ihren Arzt nicht.

Häufige Fragen

Was macht Aldosteron im Körper? Es reguliert den Salz- und Wasserhaushalt: Aldosteron lässt die Niere Natrium und Wasser zurückhalten und Kalium ausscheiden; dadurch steigen Blutvolumen und Blutdruck.1

Was ist ein normaler Aldosteronwert? Ein deutsches Labor gibt 11,7–236 ng/l liegend und 22,1–353 ng/l stehend an (ng/l × 2,774 = pmol/l).1 Die Bereiche unterscheiden sich je nach Labor und Methode – und der Einzelwert ist ohne Renin nur begrenzt verwertbar.

Was ist der Aldosteron-Renin-Quotient und ab wann ist er auffällig? Der ARQ setzt Aldosteron ins Verhältnis zu Renin. Deutsche Labore verwenden häufig einen Cut-off von 20: darunter gilt ein Conn-Syndrom als weitgehend ausgeschlossen, ab 20 folgt weiterführende Diagnostik.12 Der Grenzwert ist methodenabhängig und ersetzt keine ärztliche Bewertung.

Muss ich für die Aldosteron-Bestimmung nüchtern sein? Nüchternheit ist meist nicht das Entscheidende. Wichtiger sind Uhrzeit (morgens, etwa zwei Stunden nach dem Aufstehen), eine Ruhephase im Sitzen und die korrekte Probenbehandlung.2 Halten Sie sich genau an die Vorgaben Ihrer Praxis.

Muss ich meine Blutdruckmedikamente vor dem Test absetzen? Das entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Setzen Sie nie eigenmächtig etwas ab und ändern Sie keine Dosis. Die AWMF-Leitlinie weist auf die nicht unerhebliche Komplikationsrate solcher Umstellungen hin, und die Endocrine Society beschreibt 2025 auch Vorgehensweisen ganz ohne Absetzen.36

Habe ich kein Conn-Syndrom, wenn mein Kalium normal ist? Nein. Nur 9–37 % der Betroffenen haben eine Hypokaliämie; normales Kalium ist die häufigste Konstellation.5 Ein normaler Kaliumwert ist also kein Grund, auf den Test zu verzichten.

Welche Beschwerden macht ein Conn-Syndrom? Oft keine spezifischen. Leitbefund ist ein schwer einstellbarer Bluthochdruck. Kommt eine Hypokaliämie hinzu, sind Muskelschwäche, Krämpfe, vermehrtes Wasserlassen und Müdigkeit möglich.7

Ist ein Conn-Syndrom heilbar? Bei einseitiger Ursache kann die minimalinvasive Entfernung der betroffenen Nebenniere zur Heilung oder deutlichen Besserung führen; bei beidseitiger Form wird dauerhaft medikamentös behandelt.78

Bedeutet ein hoher Aldosteronwert Krebs? Nein. Ursache sind fast immer ein gutartiges Adenom oder eine Hyperplasie. Nebennierenrindenkarzinome sind selten.38

Das Wichtigste zum Schluss

Aldosteron ist das Hormon von Salz, Kalium und Blutdruck – und der Laborwert, bei dem der Kontext fast alles ist. Allein gelesen sagt er wenig; erst der Aldosteron-Renin-Quotient unter standardisierten Bedingungen macht ihn zum Screeningtest auf das Conn-Syndrom, die häufigste behandelbare Ursache von Bluthochdruck. Merken Sie sich zwei Dinge: Normales Kalium schließt nichts aus, und Medikamente ändern Sie niemals selbst. Kein Wert steht für sich: Erst zusammen mit Kalium, Natrium, den Nierenwerten und dem übrigen Hormonstatus ergibt Aldosteron ein Bild. Genau dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Leitlinien, akkreditierte Labore und PubMed-indexierte Publikationen, die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

</content>

Footnotes

  1. Endokrinologikum / aesculabor Hamburg — Leistungsverzeichnis, Aldosteron aus EDTA-Plasma, gefroren (Referenzbereiche stehend/liegend in ng/l, Umrechnungsfaktor, CLIA, ARQ-Bewertung, Störfaktoren; Bearbeitungsdatum 17.05.2024). endokrinologikum-aesculabor.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

  2. Limbach Gruppe SE — LABORAKTUELL: Aldosteron-Renin-Quotient im Rahmen der Hypertonieabklärung, Autorin Dr. Martina Fliser, Stand April 2021 (Prävalenz, Indikationen, Präanalytik, Einflussfaktoren, Cut-off und Testgüte). limbachgruppe.com 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17

  3. CAEK der DGAV u. a. — S2k-Leitlinie „Operative Therapie von Nebennierentumoren", AWMF-Registernummer 088-008, Version vom 17. Dezember 2017. ⚠️ Statushinweis auf dem Dokument: „Seit > 5 Jahren nicht aktualisiert, Leitlinie wird zur Zeit überarbeitet." Kapitel 2.3 zum Conn-Syndrom (ARQ als Screeningtest, Screening-Indikationen, Medikamenteneinfluss, Kochsalzbelastungstest). register.awmf.org 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

  4. Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL® — Studienbesprechung „Hyperaldosteronismus ist schwer zu fassen", 07.12.2022 (Besprechung der Metaanalyse von Leung et al.; „weniger als 1 % der Betroffenen erhält die korrekte Diagnose und Therapie"). hochdruckliga.de 2 3

  5. Funder JW, Carey RM, Mantero F, et al. The Management of Primary Aldosteronism: Case Detection, Diagnosis, and Treatment: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab, 2016;101(5):1889–916. PubMed · DOI 2 3

  6. Adler GK, Stowasser M, Correa R, et al. Primary Aldosteronism: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab, 2025;110(9):2453–2495. PubMed · DOI 2 3 4 5 6

  7. Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) — Conn-Adenom (primärer Hyperaldosteronismus), Patienteninformation: Häufigkeit, Screening-Indikationen, Aldosteron-Renin-Quotient, Therapie. endokrinologie.net 2 3 4 5 6 7

  8. Reincke M, Bancos I, Mulatero P, Scholl UI, Stowasser M, Williams TA. Diagnosis and treatment of primary aldosteronism. Lancet Diabetes Endocrinol, 2021;9(12):876–892. PubMed · DOI 2 3 4 5

  9. DGE-Blog Endokrinologie im Blog — M. Reincke, Primärer Hyperaldosteronismus – Schneller Weg zur Diagnose: der Aldosteron/Renin-Quotient, 27.03.2019 (Prävalenzangaben nach Versorgungsebene, Screening-Indikationen). blog.endokrinologie.net

  10. Brown JM, Siddiqui M, Calhoun DA, et al. The Unrecognized Prevalence of Primary Aldosteronism: A Cross-sectional Study. Ann Intern Med, 2020;173(1):10–20. PubMed · DOI 2

  11. Monticone S, D'Ascenzo F, Moretti C, et al. Cardiovascular events and target organ damage in primary aldosteronism compared with essential hypertension: a systematic review and meta-analysis. Lancet Diabetes Endocrinol, 2018;6(1):41–50. PubMed · DOI 2

  12. Schirpenbach C, Segmiller F, Diederich S, et al. The diagnosis and treatment of primary hyperaldosteronism in Germany: results on 555 patients from the German Conn Registry. Dtsch Arztebl Int, 2009;106(18):305–11. PubMed · DOI

  13. Leung AA, Symonds CJ, Hundemer GL, et al. Performance of Confirmatory Tests for Diagnosing Primary Aldosteronism: a Systematic Review and Meta-Analysis. Hypertension, 2022;79(8):1835–1844. PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.