HDL-Cholesterin zu niedrig oder zu hoch: Normalwerte
HDL gilt als „gutes Cholesterin“: normal über 40 mg/dl bei Männern, über 45 bis 50 mg/dl bei Frauen. Warum viel HDL trotzdem nicht besser ist.
Das HDL-Cholesterin trägt den freundlichsten Spitznamen der Labormedizin: „gutes Cholesterin“. Umgangssprachlich heißt es so, weil höhere HDL-Werte sich „vermutlich eher günstig“ auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken, formuliert das IQWiG.1 Dieses vorsichtige „vermutlich eher“ ist der Kern dieses Ratgebers. Denn der zweite, weit verbreitete Satz – je höher, desto besser – stimmt nicht; er ist an genetischen Daten und an mehreren großen Arzneimittelstudien gescheitert. Hier erfahren Sie, welche Normalwerte in Deutschland gelten, was ein zu niedriger und ein zu hoher Wert bedeutet – und warum HDL ein Risikomarker ist, aber kein Therapieziel. Es gehört zum kompletten Lipidprofil.
Das Wichtigste in Kürze
- HDL (High Density Lipoprotein) bringt überschüssiges Cholesterin aus dem Körper zurück zur Leber, wo es abgebaut wird – daher der Name „gutes Cholesterin“.12
- Orientierungswerte: über 40 mg/dl (1,0 mmol/l) bei Männern; bei Frauen nennt das IQWiG über 50 mg/dl (1,3 mmol/l), die Lipid-Liga über 45 mg/dl (1,2 mmol/l).12
- ⚠️ „Je höher, desto besser“ ist falsch. Der schützende Zusammenhang gilt nur bis etwa 70 mg/dl (1,8 mmol/l); darüber steigt die Atheroskleroserate wieder – die Beziehung ist U-förmig.34
- ⚠️ HDL ist kein Zielparameter der Behandlung. Medikamente, die gezielt das HDL anheben, haben in großen Studien keine Herzinfarkte verhindert.356
- Ein niedriges HDL ist der praktisch weitaus häufigere Befund und steht meist im Umfeld von Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, hohen Triglyzeriden oder Diabetes.1
- In Deutschland lagen laut RKI 19,3 % der Männer, aber nur 3,6 % der Frauen unter 40 mg/dl.7
- Der Wert wird beim Check-up ab 35 Jahren als Teil des Lipidprofils von der Kasse bezahlt.8
- HDL verursacht keine Beschwerden – weder ein niedriger noch ein hoher Wert.1
Was ist HDL-Cholesterin?
Cholesterin ist nicht wasserlöslich und wird im Blut deshalb „verpackt“ transportiert – in Lipoproteinen, winzigen eiweißhaltigen Partikeln. Etwa ein Viertel des Cholesterins im Blut liegt als HDL-Cholesterin vor.1
Der Unterschied zwischen den Transportern liegt in der Fahrtrichtung. Das LDL-Cholesterin bringt Cholesterin zu den Körperzellen; ist mehr unterwegs, als die Zellen aufnehmen können, lagert es sich in den Gefäßwänden ab und es entsteht eine Atherosklerose.2 Die HDL-Partikel fahren die Gegenrichtung: Sie nehmen Cholesterin auf und bringen es zur Leber zurück – und können bereits an den Gefäßwänden gebundenes Cholesterin sogar wieder herauslösen.2
Wichtig für Ihren Befund: Das Cholesterin ist in beiden Fällen dasselbe Molekül. Unterschiedlich sind nur Transporter und Richtung. „Gut“ und „schlecht“ sind Merkhilfen, keine chemischen Eigenschaften.
Warum wird der HDL-Wert bestimmt?
HDL wird praktisch nie allein gemessen, sondern als Teil des Lipidprofils. Die G-BA-Richtlinie zur Gesundheitsuntersuchung nennt als Kasseninhalt ausdrücklich das „Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride)“ – ab 35 Jahren regulär, zwischen 18 und 35 Jahren bei entsprechendem Risikoprofil, etwa positiver Familienanamnese, Adipositas oder Bluthochdruck.8
Der Wert dient drei Zwecken:
- Verfeinerung der Risikoabschätzung. Genau so formuliert es die Lipid-Liga: Die Bestimmung der HDL-Werte diene „aktuell dazu, die Abschätzung des kardiovaskulären Risikos zu verfeinern“.2
- Berechnung des Non-HDL-Cholesterins – Gesamtcholesterin minus HDL. Dieser Rechenwert erfasst alle atherogenen Lipoproteine auf einmal und ist, vor allem bei erhöhten Triglyzeriden, ein besserer Marker als das LDL-Cholesterin allein.3
- Einordnung des gesamten Befundes zusammen mit Gesamtcholesterin, LDL, Triglyzeriden und – mindestens einmal im Leben – Lipoprotein(a).2
Muss man dafür nüchtern sein?
Nicht zwingend. „Mahlzeiten beeinflussen Cholesterinwerte kaum“, schreibt das IQWiG.1 Fachlich gilt dasselbe: Eine Nüchternabnahme ist nur bei Hypertriglyzeridämie nötig oder wenn das LDL rechnerisch über die Friedewald-Formel ermittelt wird.3 Verlangt Ihre Praxis Nüchternheit, liegt das an anderen Werten desselben Röhrchens – Triglyzeride oder Blutzucker –, nicht am HDL.
Normalwerte für HDL-Cholesterin
In Deutschland wird HDL üblicherweise in mg/dl angegeben, oft mit mmol/l daneben. Die Umrechnung: mg/dl × 0,02586 = mmol/l.3
| Quelle | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| IQWiG (Referenzbereich) | über 40 mg/dl (1,0 mmol/l) | über 50 mg/dl (1,3 mmol/l) |
| DGFL/Lipid-Liga (nach europäischen Leitlinien) | über 40 mg/dl (1,0 mmol/l) | über 45 mg/dl (1,2 mmol/l) |
Bei Frauen liegt die Schwelle höher, weil ihr HDL-Spiegel – hormonell bedingt – im Mittel höher ist.12
Gut zu wissen: Dass zwei seriöse deutsche Quellen bei Frauen 45 und 50 mg/dl nennen, ist kein Widerspruch, sondern zeigt die Natur dieser Zahlen: Es sind Orientierungsmarken, keine Krankheitsgrenzen. Die Werte können sich „von Labor zu Labor unterscheiden“, weil verschiedene Testverfahren eingesetzt werden – und aus einem Laborwert allein lässt sich meist nicht auf eine Krankheit schließen.1 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
Ihre Werte verstehen
HDL-Cholesterin zu niedrig
Das ist der weitaus häufigere und praktisch relevantere Befund. Ein erniedrigter HDL-Wert „kann mit einem höheren Risiko für Erkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Herzinfarkte oder Schlaganfälle verbunden sein“ – aber, so das IQWiG im selben Atemzug: „Allein ist der Wert nicht sehr aussagekräftig.“1
Der RKI-Survey DEGS1 hat die Häufigkeit für Deutschland gemessen: Unterhalb des einheitlich angesetzten Grenzwerts von 40 mg/dl lagen 19,3 % der Männer, aber nur 3,6 % der Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren.7
Die häufigsten Ursachen sind selten exotisch:1
- wenig Bewegung und eine einseitige Ernährung;
- starkes Übergewicht, besonders bauchbetont;
- Rauchen;
- Diabetes sowie Störungen des Kohlenhydratstoffwechsels – erkennbar an Blutzucker, HbA1c und Insulin;
- erhöhte Triglyzeride, die sehr oft mit einem niedrigen HDL zusammen auftreten;
- chronische Leber- und Nierenerkrankungen;
- Medikamente: hormonelle Verhütungsmittel, Betablocker, Kortisonpräparate.
Selten liegt eine erbliche Form vor – die Hypoalphalipoproteinämie, eine eigene Kategorie der Fettstoffwechselstörungen.9
Ein niedriges HDL macht keine Symptome – keine Müdigkeit, gar nichts. Es zeigt fast immer auf ein Stoffwechselumfeld, nicht auf ein isoliertes Problem.
HDL-Cholesterin zu hoch
Hier weicht der moderne Kenntnisstand von dem ab, was viele Ratgeber noch schreiben. Auch das IQWiG formuliert inzwischen klar: „Zu hohe Werte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen – insbesondere, wenn man bereits andere Risikofaktoren hat.“1 Als Ursachen nennt es genetische Veranlagung, schwere körperliche Arbeit, Leistungssport und Alkoholkonsum.1 Beschwerden macht auch ein hohes HDL nicht.
Und ein hoher HDL-Wert gleicht kein hohes LDL aus: Man „toleriert“ kein erhöhtes LDL-Cholesterin, weil das gute Cholesterin hoch ist. LDL-senkende Maßnahmen sind bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko Standard – unabhängig davon.9
⚠️ Die U-Kurve: mehr HDL ist nicht besser
Das ist der Punkt, an dem sich das Bild in den letzten Jahren gedreht hat. Ein deutscher Übersichtsartikel formuliert es unmissverständlich: Personen mit höherem HDL haben zwar ein niedrigeres kardiovaskuläres Risiko – „allerdings scheint dies nur bis zu einer HDL-Cholesterin-Konzentration von ca. 70 mg/dl (1,8 mmol/l) der Fall zu sein. Noch höhere HDL-Cholesterin-Spiegel sind nicht mit einer geringeren Atheroskleroserate assoziiert. Im Gegenteil, bei noch höheren HDL-Cholesterin-Spiegeln scheint die Atheroskleroserate wieder zu steigen.“3
Die Datengrundlage ist solide. Zwei dänische Bevölkerungskohorten mit 116 508 Teilnehmenden zeigten eine U-förmige Beziehung zwischen HDL und Gesamtsterblichkeit: Am niedrigsten lag sie bei etwa 73 mg/dl (1,9 mmol/l) bei Männern und 93 mg/dl (2,4 mmol/l) bei Frauen; darüber stieg sie wieder an – bei Männern ab 116 mg/dl (3,0 mmol/l) auf etwa das Doppelte.4 Eine Auswertung aus UK Biobank und einer US-Kohorte fand bei koronarer Herzkrankheit dasselbe Muster: HDL über 80 mg/dl war gegenüber 40 bis 60 mg/dl mit einer nahezu verdoppelten Gesamtsterblichkeit verbunden.10
Eine praktische Folge wird oft übersehen: Der klassische LDL/HDL-Quotient und der Gesamtcholesterin/HDL-Quotient, die auf vielen Befunden noch auftauchen, werden nicht mehr empfohlen – genau weil höhere HDL-Werte nur bis zu einer gewissen Konzentration schützen und der Zusammenhang nicht linear ist.3
⚠️ HDL ist ein Marker – kein Therapieziel
Der zweite Umbruch betrifft die Behandlung. Jahrzehntelang galt: Wenn niedriges HDL schadet, muss Anheben helfen. Diese Annahme ist von zwei Seiten unabhängig gescheitert.
Die Genetik. Eine Mendelsche Randomisierung an über 20 000 Herzinfarkten prüfte, ob Menschen, deren HDL von Geburt an genetisch höher liegt, seltener einen Infarkt erleiden. Sie tun es nicht – während genetisch höheres LDL das Infarktrisiko zuverlässig steigert.11
Die Arzneimittelstudien. Die Ergebnisse sind eindeutig:
- Nikotinsäure (Niacin): In HPS2-THRIVE erhielten 25 673 Menschen mit Gefäßerkrankung zusätzlich zum Statin retardiertes Niacin. Das HDL stieg im Mittel um 6 mg/dl – auf schwere Gefäßereignisse hatte das keinen signifikanten Effekt, dafür traten mehr schwerwiegende Nebenwirkungen auf.5 AIM-HIGH wurde nach im Mittel drei Jahren wegen Wirkungslosigkeit abgebrochen, obwohl das HDL deutlich gestiegen war.6
- CETP-Hemmer: Torcetrapib hob das HDL um 72 % an – und musste vorzeitig gestoppt werden, weil kardiovaskuläre Ereignisse und Sterblichkeit in der Behandlungsgruppe zunahmen.12
Der deutsche Übersichtsartikel zieht daraus die Konsequenz in einem einzigen Merksatz: „Das HDL-Cholesterin ist kein Zielparameter.“ Primärer Zielparameter sei das LDL-Cholesterin, sekundär Non-HDL-Cholesterin und Apolipoprotein B.3 Genetische Daten und Interventionsstudien sprächen inzwischen „gegen eine Kausalität“; das HDL sei eher ein Marker für die eigentlich atherogenen, triglyzeridreichen Lipoproteine.3
Die Forschung hat sich deshalb von der Menge zur Funktion verlagert: Entscheidend scheint zu sein, wie gut HDL-Partikel Cholesterin tatsächlich abtransportieren – und das spiegelt sich in der gemessenen Konzentration nur begrenzt wider.313
Wo der HDL-Wert wirklich zählt: die Risikoscores
Nicht als Ziel, aber als Rechengröße ist HDL fest verankert – das ist sein eigentlicher Nutzen. Die S3-Leitlinie der DEGAM stellt die in Deutschland gebräuchlichen Risikoscores nebeneinander:14
- arriba, die Entscheidungshilfe für die Hausarztpraxis, rechnet unter anderem mit Alter, Geschlecht, Blutdruck, Rauchen, Gesamt- und HDL-Cholesterin;
- SCORE2/SCORE2-OP der europäischen Kardiologie nutzt statt HDL das Non-HDL-Cholesterin – also Gesamtcholesterin minus HDL;
- der deutsche PROCAM-Test verwendet ebenfalls das HDL-Cholesterin.
Ihr HDL-Wert bekommt seine Bedeutung also erst im Score, gemeinsam mit Alter, Geschlecht, Blutdruck, Rauchen und Diabetes – nie als einzelne Zahl. Bei der Häufigkeit der Messung ist dieselbe Leitlinie übrigens zurückhaltend: Bei Menschen ohne Risikofaktoren hält sie die wiederholte Bestimmung der Blutfette für „wenig sinnvoll“.14
Was lässt sich bei einem niedrigen HDL tun?
Zuerst: die Ursache abklären lassen. Steckt eine Erkrankung dahinter, wird diese behandelt.1 Darüber hinaus empfiehlt das IQWiG bei niedrigem HDL, sich mehr zu bewegen, überschüssiges Gewicht zu verlieren, sich ausgewogener zu ernähren und nicht zu rauchen.1
Der eigentliche Gewinn dieser Maßnahmen liegt allerdings nicht in der Zahl auf dem Befund: „Durch diese Maßnahmen sinkt auch grundsätzlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, schreibt das IQWiG.1 Genau darum geht es. Ein hochgeschobenes HDL ohne verändertes Risiko wäre – wie die Medikamentenstudien gezeigt haben – wertlos. Welche Schritte für Sie sinnvoll sind, besprechen Sie ärztlich.
Was den Wert beeinflusst
Geschlecht (bei Frauen im Mittel höher), Alter und Hormonlage, Körpergewicht, körperliche Aktivität bis hin zum Leistungssport, Rauchen, Alkohol (hebt den Wert an – kein Grund zu trinken), die Blutzuckerlage, akute Erkrankungen, Medikamente – und das Messverfahren des Labors.1 Statine heben das HDL nebenbei leicht an, ohne dass dies ihr Wirkprinzip wäre.3 Deshalb bewertet man einen HDL-Wert nie gegen eine Tabelle im Internet, sondern gegen den Bereich des eigenen Labors und den eigenen Gesamtzusammenhang.
Neues aus der Forschung
Aus aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:
- Die U-Kurve ist bestätigt. Nach den dänischen Kohorten fand auch eine Auswertung von UK Biobank und einer US-Kohorte bei koronarer Herzkrankheit oberhalb von 80 mg/dl eine deutlich erhöhte Sterblichkeit – unabhängig von den bekannten HDL-Genvarianten.104
- Keine Kausalität. Die Mendelsche Randomisierung bleibt der stärkste Befund gegen die alte HDL-Hypothese: genetisch höheres HDL, aber nicht weniger Infarkte.11
- Von der Menge zur Funktion. Aktuelle Übersichten beschreiben HDL-Partikel als multifunktionale Teilchen – Cholesterinefflux, gefäßschützende und entzündungshemmende Effekte –, deren Qualität sich in der HDL-Konzentration kaum abbildet.13
- Non-HDL rückt nach vorn. Als Summe aller atherogenen Lipoproteine ist es bei Hypertriglyzeridämie aussagekräftiger als das LDL allein – und heute sekundärer Zielparameter.3
Diese Erkenntnisse betreffen die Befundinterpretation. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.
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Ein HDL-Wert lässt sich nie allein lesen: Seine Bedeutung ergibt sich aus Ihrem LDL, Ihren Triglyzeriden, dem Gesamtcholesterin und vor allem Ihrem gesamten kardiovaskulären Risiko – Alter, Blutdruck, Rauchen, Blutzucker, familiäre Vorbelastung (Blutfettwerte).
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Häufige Fragen
Ist HDL das gute oder das schlechte Cholesterin? Umgangssprachlich das gute: HDL bringt überschüssiges Cholesterin zur Leber zurück, statt es in den Gefäßwänden abzulagern.1 Der Spitzname taugt aber nur bis zu einem Punkt – „je mehr, desto besser“ folgt daraus nicht.
Welcher HDL-Wert ist normal? Als Orientierung: über 40 mg/dl (1,0 mmol/l) bei Männern; bei Frauen nennt das IQWiG über 50 mg/dl (1,3 mmol/l), die Lipid-Liga über 45 mg/dl (1,2 mmol/l).12 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem Befund.
Mein HDL ist zu niedrig – wie schlimm ist das? Es ist ein Risikohinweis, keine Diagnose. Allein sei der Wert „nicht sehr aussagekräftig“, betont das IQWiG; entscheidend ist das Gesamtbild aus LDL, Triglyzeriden, Blutdruck, Rauchen, Alter und Blutzucker.1
Kann HDL zu hoch sein? Ja. Sehr hohe Werte sind kein Vorteil: Der Schutzeffekt reicht nur bis etwa 70 mg/dl (1,8 mmol/l), danach steigt das Risiko wieder – die Kurve ist U-förmig.34 Auch das IQWiG nennt zu hohe Werte als möglichen Risikofaktor.1
Gibt es ein Medikament, das das HDL anhebt? Substanzen dafür gibt es – Nikotinsäure und CETP-Hemmer. Sie haben in großen Studien jedoch keine kardiovaskulären Ereignisse verhindert; Torcetrapib musste sogar vorzeitig gestoppt werden.5612 HDL ist deshalb kein Zielparameter einer Behandlung.3
Warum steht auf meinem Befund ein LDL/HDL-Quotient? Weil er lange üblich war. Fachlich wird die Bestimmung des LDL/HDL- bzw. Gesamtcholesterin/HDL-Quotienten nicht mehr empfohlen, da der Zusammenhang zwischen HDL und Risiko nicht linear ist.3 Findet er sich noch auf Ihrem Befund, lassen Sie ihn ärztlich einordnen.
Muss ich für den HDL-Wert nüchtern sein? Und zahlt die Kasse ihn? Nüchternheit ist für das Cholesterin nicht zwingend – Mahlzeiten beeinflussen es kaum;1 verlangt wird sie wegen Triglyzeriden oder Blutzucker im selben Termin.3 Bezahlt wird der Wert als Teil des Lipidprofils beim Check-up: ab 35 Jahren regulär, zwischen 18 und 35 Jahren bei entsprechendem Risikoprofil.8
Zum Mitnehmen
Das HDL-Cholesterin ist das „gute Cholesterin“, weil es Cholesterin zur Leber zurückbringt. Merken Sie sich zwei Zahlen – über 40 mg/dl bei Männern, über 45 bis 50 mg/dl bei Frauen – und vor allem einen Satz: „Je höher, desto besser“ gilt nicht. Oberhalb von rund 70 mg/dl endet der Vorteil, und Medikamente, die nur das HDL anheben, haben keine Herzinfarkte verhindert. Praktisch relevant ist fast immer ein zu niedriger Wert, und der zeigt meist auf ein Stoffwechselumfeld: Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, hohe Triglyzeride, Diabetes. Sein Platz ist der Risikoscore, nicht die Zielwerttabelle. Kein Laborwert steht für sich – erst das Gesamtbild ergibt Sinn, und dabei unterstützt Sie AI DiagMe, ergänzend zum ärztlichen Gespräch.
Quellen
Deutsche Institutionen, Leitlinien und Fachgesellschaften sowie wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:
</invoke>Footnotes
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IQWiG – gesundheitsinformation.de, HDL-Cholesterin, aktualisiert am 20. März 2025: „gutes Cholesterin“, weil höhere Werte sich „vermutlich eher günstig“ auswirken; rund ein Viertel des Cholesterins liegt als HDL vor; Referenzbereich Frauen über 18 Jahre über 50 mg/dl (1,3 mmol/l), Männer über 40 mg/dl (1,0 mmol/l), laborabhängig; erniedrigte Werte und mögliche Ursachen (Bewegungsmangel, Übergewicht, Diabetes, Leber- und Nierenerkrankungen, hormonelle Verhütungsmittel, Betablocker, Kortisonpräparate, erhöhte Triglyceride); „Zu hohe Werte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen“; Ursachen hoher Werte (genetische Veranlagung, schwere körperliche Arbeit, Leistungssport, Alkohol); Empfehlungen bei niedrigen Werten; Nüchternheit nicht zwingend erforderlich. gesundheitsinformation.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19 ↩20 ↩21 ↩22
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DGFL – Deutsche Gesellschaft für Lipidologie e. V. (Lipid-Liga), Für Patient:innen: „HDL sind dagegen nützliche Cholesterintransportformen“; HDL kann bereits an den Gefäßwänden gebundenes Cholesterin wieder herauslösen; dass viele HDL vor Atherosklerose schützen könnten, „ließ sich bislang durch Studien nicht belegen“; die Bestimmung diene „aktuell dazu, die Abschätzung des kardiovaskulären Risikos zu verfeinern“; europäische Leitlinien: HDL bei Frauen über 45 mg/dl (1,2 mmol/l), bei Männern über 40 mg/dl (1 mmol/l); empfohlenes Lipidprofil einschließlich Lipoprotein(a). lipid-liga.de ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8
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Parhofer KG. Update Lipidologie: Evidenzbasierte Behandlung von Fettstoffwechselstörungen. Die Innere Medizin (Inn Med, Heidelberg), 2023; 64(7): 611–621, deutschsprachige Originalarbeit. Enthält den Merksatz „Das HDL-Cholesterin ist kein Zielparameter“, die Aussage, dass genetische Daten und Interventionsstudien „gegen eine Kausalität“ sprechen, den Schutzeffekt „nur bis zu einer HDL-Cholesterin-Konzentration von ca. 70 mg/dl (1,8 mmol/l)“ mit anschließend wieder steigender Atheroskleroserate, die Feststellung, dass LDL/HDL- und Gesamtcholesterin/HDL-Quotient „nicht mehr empfohlen“ werden, sowie Umrechnungsfaktor, Nüchternregeln und Non-HDL-Cholesterin. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16
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Madsen CM, Varbo A, Nordestgaard BG. Extreme high high-density lipoprotein cholesterol is paradoxically associated with high mortality in men and women: two prospective cohort studies. European Heart Journal, 2017; 38(32): 2478–2486. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3 ↩4
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HPS2-THRIVE Collaborative Group; Landray MJ, Haynes R, Hopewell JC, et al. Effects of extended-release niacin with laropiprant in high-risk patients. New England Journal of Medicine, 2014; 371(3): 203–212. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
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AIM-HIGH Investigators; Boden WE, Probstfield JL, Anderson T, et al. Niacin in patients with low HDL cholesterol levels receiving intensive statin therapy. New England Journal of Medicine, 2011; 365(24): 2255–2267. PubMed · DOI ↩ ↩2 ↩3
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Scheidt-Nave C, Du Y, Knopf H, et al. Verbreitung von Fettstoffwechselstörungen bei Erwachsenen in Deutschland: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz, 2013; 56(5–6): 661–667. Robert Koch-Institut; HDL-Cholesterin unter 40 mg/dl bei 19,3 % der Männer und 3,6 % der Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren. PubMed · DOI ↩ ↩2
-
Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie), Fassung vom 20. November 2020, in Kraft seit 12. Februar 2021, Anlage 1: „Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride)“ – ab dem 35. Lebensjahr regulär, zwischen 18 und 35 Jahren bei entsprechendem Risikoprofil (z. B. positiver Familienanamnese, Adipositas, Bluthochdruck). g-ba.de ↩ ↩2 ↩3
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DGFL – Deutsche Gesellschaft für Lipidologie e. V., Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Fettstoffwechselstörungen: HDL-Erniedrigung als eigene Kategorie der Fettstoffwechselstörungen, erniedrigte HDL-Konzentrationen als Hypoalphalipoproteinämie; „LDL-C-senkende Maßnahmen sind bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko und unabhängig von der Diagnose einer Fettstoffwechselstörung Standard“, daneben Senkung erhöhter Triglyzeride bzw. des Non-HDL-Cholesterins. lipid-liga.de ↩ ↩2
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Liu C, Dhindsa D, Almuwaqqat Z, et al. Association Between High-Density Lipoprotein Cholesterol Levels and Adverse Cardiovascular Outcomes in High-risk Populations. JAMA Cardiology, 2022; 7(7): 672–680. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Voight BF, Peloso GM, Orho-Melander M, et al. Plasma HDL cholesterol and risk of myocardial infarction: a mendelian randomisation study. Lancet, 2012; 380(9841): 572–580. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Barter PJ, Caulfield M, Eriksson M, et al. Effects of torcetrapib in patients at high risk for coronary events. New England Journal of Medicine, 2007; 357(21): 2109–2122. PubMed · DOI ↩ ↩2
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Endo Y, Sasaki K, Ikewaki K. Beyond High-density Lipoprotein-cholesterol: Unraveling the Complexity of High-density Lipoprotein Functionality. Journal of Atherosclerosis and Thrombosis, 2025; 32(11): 1359–1367. PubMed · DOI
</content> ↩ ↩2 -
DEGAM – S3-Leitlinie Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention, AWMF-Register-Nr. 053-024, Langfassung 2025: Übersicht der in Deutschland gebräuchlichen Risikoscores (arriba mit Gesamt- und HDL-Cholesterin, SCORE2/SCORE2-OP mit Non-HDL-Cholesterin, PROCAM mit HDL-Cholesterin und Triglyceriden); Empfehlung 5.2-3 zum arriba-Instrument; die vorgeschriebene wiederholte Messung von Gesamtcholesterin, HDL, LDL und Triglyceriden sei bei Menschen ohne Risikofaktoren „wenig sinnvoll“. degam.de ↩ ↩2