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Osmolalität: Normwerte, Osmolarität und osmotische Lücke

Osmolalität im Blut: deutsche Labore nennen 280–300 mosmol/kg. Was sie von der Osmolarität trennt, wie man sie berechnet und wozu die osmotische Lücke dient.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Die Osmolalität ist die Zahl der osmotisch wirksamen Teilchen in einem Kilogramm Wasser – im Blut also die Summe aller gelösten Bausteine: Natrium und seine Salze, Glukose, Harnstoff und einige mehr. Der Körper hält sie „in sehr engen Grenzen": 287 mosm/kg Wasser ± 2 %, geregelt über Durst und das antidiuretische Hormon (ADH).1 Dieser Ratgeber erklärt die Normwerte, den Unterschied zur oft verwechselten Osmolarität – und die osmotische Lücke, jenen Rechentrick, mit dem eine Notaufnahme in Minuten den Verdacht auf eine Methanol- oder Ethylenglykol-Vergiftung erhärten kann. Gelesen wird der Wert nie allein, sondern zusammen mit den Elektrolyten und den Nierenwerten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Osmolalität ist nicht Osmolarität. Die Osmolalität wird gemessen (Gefrierpunkterniedrigung) und in mosmol/kg angegeben, die Osmolarität wird geschätzt und in mosmol/l angegeben. Die deutsche S3-Leitlinie zur Hydrierung im Alter merkt ausdrücklich an: „Diese beiden Begriffe werden gelegentlich verwechselt."2
  • Orientierender Normwert im Serum: 280 – 300 mosmol/kg; das Universitätsklinikum Köln nennt enger 280 – 296 mosmol/kg.134
  • Die osmotische Lücke ist die Differenz aus gemessener und berechneter Osmolalität. Über etwa 10 mosm/kg spricht man von einer Lücke – meist durch körperfremde Substanzen.1
  • Berechnet wird nach: 2 × Natrium + Glukose + Harnstoff (alle in mmol/l).1
  • Serum und Urin gehören zusammen: Erst der Vergleich zeigt, ob die Niere richtig konzentriert – der Schlüssel bei SIADH, primärer Polydipsie und Diabetes insipidus.51
  • Bei älteren Menschen ist eine gemessene Serumosmolalität > 300 mosmol/kg der bevorzugte Grenzwert für eine hypertone Dehydratation; klassische Zeichen wie stehende Hautfalten taugen dafür nicht.26
  • Ein Tumormarker ist die Osmolalität nicht. Sie spricht über Wasser, Salz und Nieren.

Was ist die Osmolalität?

Osmotisch wirksam sind „alle undissoziierten Moleküle und alle dissoziierten Ionen", beschreibt das Zentrallabor des Universitätsklinikums Ulm. Weil Wasser immer dorthin diffundiert, wo die Osmolalität höher ist, bestimmt dieser Wert, wie sich das Körperwasser zwischen den Räumen verteilt – zwischen Zellen, Zwischenzellraum und Blut.1

Die drei mengenmäßig wichtigsten körpereigenen Teilchen im Blut sind Natrium, Glukose und Harnstoff.1 Ein Detail daraus erklärt viele Missverständnisse: Substanzen, die frei durch die Zellmembran wandern – Harnstoff und Alkohol –, erhöhen zwar die gemessene Osmolalität, üben aber keinen wirksamen osmotischen Druck aus. Hohe Natrium- und Glukose-Konzentrationen dagegen ziehen Wasser aus den Zellen und können bis zu Koma und Tod führen.1

Reguliert wird das Ganze über zwei Wege: Hypothalamische Osmorezeptoren reagieren auf die Serumosmolalität mit verändertem Durstgefühl und mit der Ausschüttung von Vasopressin (ADH), das in den Sammelrohren der Niere die Wasserrückresorption steuert.5

Osmolalität oder Osmolarität?

Das ist die häufigste Verwechslung rund um diesen Wert – und sie ist keine Wortklauberei:

OsmolalitätOsmolarität
BezugMasse: pro kg WasserVolumen: pro Liter Lösung
Einheitmosmol/kgmosmol/l
Herkunftgemessen (Gefrierpunkterniedrigung im Osmometer)geschätzt über eine Gleichung

Die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter" (DGEM, AWMF-Registernummer 027-019) formuliert es in einer eigenen Fußnote: Die Osmolalität werde „direkt unter Verwendung der Gefrierpunkterniedrigung in mOsm/kg, also bezogen auf eine Masse" gemessen, während die Osmolarität „auf die Annäherung an die Osmolalität abzielt und eine Schätzung ist".2 Eine Arbeit deutscher Autoren im European Journal of Medical Research empfiehlt Kliniken deshalb ausdrücklich, konsequent mit der Osmolalität zu rechnen: Beim Vergleich von Lösungen mit unterschiedlichem Wassergehalt liefert die Osmolarität sonst irreführende Ergebnisse.7 Im Alltag liegen beide Zahlen dicht beieinander – identisch sind sie nicht.

Warum wird die Osmolalität bestimmt?

Ein Routinewert ist sie nicht. Die deutschen Leistungsverzeichnisse nennen im Serum vier klassische Anlässe:13

  • Einordnung eines auffälligen Natriumwerts – „Beurteilung der Gefährdung bei Natrium-Konzentrationen außerhalb des Referenzbereichs".1
  • Störungen des Wasserhaushalts, etwa der Verdacht auf einen Diabetes insipidus.1
  • Verdacht auf eine Vergiftung mit einer osmotisch wirksamen Substanz.1
  • Erkennung einer Pseudohyponatriämie bei sehr hohen Eiweiß- oder Fettwerten.1

Im Urin geht es um die Abklärung einer Polyurie, um das Konzentrierungsvermögen der Nieren und um den Durstversuch.14 In der Praxis wird beides meist gemeinsam angefordert – die eine Zahl ergibt ohne die andere selten Sinn.

Muss man nüchtern sein?

Für die Osmolalität allein ist keine besondere Vorbereitung nötig; eine normale Blutentnahme genügt. Da sie fast immer zusammen mit anderen Parametern bestimmt wird – Blutzucker, Elektrolyte, Nierenwerte –, kann auf Ihrer Einbestellung trotzdem „nüchtern" stehen. Maßgeblich ist die Angabe auf Ihrer Anforderung. Für den Durstversuch gelten eigene, ärztlich überwachte Regeln: Er wird stationär oder unter Aufsicht durchgeführt und nie eigenständig zu Hause ausprobiert.4

Normwerte der Osmolalität

Die folgenden Bereiche sind Orientierungswerte deutscher Universitäts- und Einsendelabore. Sie unterscheiden sich je nach Haus und Methode – verbindlich ist immer der Bereich auf Ihrem Befund.

MaterialOrientierender BereichQuelle
Serum/Plasma, Erwachsene280 – 300 mosmol/kgUniklinik Ulm, Labor Düsseldorf14
Serum/Plasma, Erwachsene280 – 296 mosmol/kgUniklinik Köln3
Serum/Plasma, Säuglinge260 – 275 mosmol/kgLabor Düsseldorf4
Urin (Spontan-/Sammelurin)50 – 1200 mosmol/kgUniklinik Ulm, Uniklinik Köln13
Urin nach Durstversuch> 800 mosmol/kgLabor Düsseldorf4
Osmotische Lückebis etwa 10 mosm/kgUniklinik Ulm1

Warum die Urin-Spanne so weit ist. Sie ist kein Messfehler, sondern die eigentliche Leistung der Niere. Gesunde scheiden pro Tag etwa 450 – 600 mosm/kg in 1 – 1,5 Liter Urin aus; bei vollständigem Flüssigkeitsentzug steigt die Urinosmolalität auf 1000 – 1200 mosm/kg, das Urinvolumen sinkt auf rund 500 ml.1 Eine Niere, die das nicht mehr schafft, verrät sich genau hier.

Ihre Werte richtig einordnen

Osmolalität erhöht

Ein hoher Wert heißt: zu viele Teilchen im Verhältnis zum Wasser. Die häufigsten Erklärungen:12

  • Wassermangel (hypertone Dehydratation). Die reine Wasserverarmung ist der Klassiker, besonders im höheren Lebensalter: Durstempfinden und Urinkonzentrierung lassen nach, die Flüssigkeitsreserve ist kleiner.2
  • Hypernatriämie – ein hohes Natrium hebt die Osmolalität fast eins zu eins mit an.
  • Ausgeprägte Hyperglykämie, etwa bei entgleistem Diabetes: Glukose zieht Wasser aus den Zellen. Der Blutzucker und der HbA1c gehören dann mit auf den Tisch.
  • Hoher Harnstoff bei eingeschränkter Nierenfunktion – erhöht die gemessene Osmolalität, ohne wirksamen osmotischen Druck aufzubauen.1
  • Alkohol und andere Fremdstoffe – hier entsteht die osmotische Lücke (siehe unten).

Osmolalität erniedrigt

Eine niedrige Osmolalität bedeutet fast immer zu viel Wasser im Verhältnis zum Salz und geht mit einer Hyponatriämie einher.8 Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft nennt als Kriterien des SIADH unter anderem: Natrium < 135 mmol/l, Plasma-Hypoosmolalität < 275 mOsm/kg, Urin-Osmolalität > 100 mOsm/kg, Normovolämie und Urin-Natrium > 30 mmol/l.5 Weitere Ursachen sind Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotisches Syndrom, Hypothyreose, Nebenniereninsuffizienz und zahlreiche Medikamente.5

Ein Sonderfall ist die Pseudohyponatriämie: Sehr hohe Triglyzeride oder Eiweiße – etwa ein Paraprotein, wie es die Eiweißelektrophorese sichtbar macht – stören die Natriummessung, während die Osmolalität korrekt bleibt. Das Ergebnis: ein scheinbar niedriges Natrium bei normaler gemessener Osmolalität – und, weil das Rechenergebnis mitfällt, ebenfalls eine osmotische Lücke.15

Die osmotische Lücke – der eigentliche Notfallwert

Die osmotische Lücke (englisch osmolal gap) ist die Differenz zwischen dem, was das Osmometer misst, und dem, was die Formel aus den bekannten Teilchen vorhersagt:

Osmotische Lücke = gemessene Osmolalität − berechnete Osmolalität mit berechnete Osmolalität (mosmol/kg) = 2 × Natrium + Glukose + Harnstoff (alle in mmol/l)1

Ist die Differenz größer als etwa 10 mosm/kg, spricht man von einer Lücke: Im Blut sind Teilchen unterwegs, die die Formel nicht kennt. „Meist verursachen exogene Substanzen diese Lücke", schreibt das Ulmer Zentrallabor – allen voran Alkohol, wobei 1 ‰ Blutalkohol rund 22 mmol/l entspricht und die Lücke entsprechend weit aufzieht.1

Genau darauf beruht der wichtigste Einsatz dieses Werts: der Verdacht auf eine Vergiftung mit Methanol oder Ethylenglykol (Kühlerfrostschutzmittel). Die Vergiftungs-Informations-Zentrale des Universitätsklinikums Freiburg warnt, dass Kühlerfrostschutzmittel „bis zu 100 % Ethylenglykol" enthalten, süßlich schmecken und dass „bereits ein Schluck zu Organschäden führen" kann – während die Vergiftung „in den ersten Stunden mitunter ohne auffällige Symptome" verläuft.9 In dieser stillen Frühphase ist die osmotische Lücke oft der einzige auffällige Laborwert; erst später, wenn die Alkohole zu ihren sauren Stoffwechselprodukten abgebaut sind, schrumpft die osmotische Lücke wieder und die Anionenlücke samt schwerer Azidose tritt hervor.1011

⚠️ Die Zahl ist ein Signal, kein Beweis – und keine Handlungsanleitung. Eine erhöhte Lücke findet sich auch bei Nierenversagen, Ketoazidose, Schock, einer Laktatazidose mit hohem Laktat oder bei einer Pseudohyponatriämie.111 Umgekehrt schließt eine normale Lücke eine Vergiftung nicht aus: Übersichtsarbeiten betonen, dass ein Anstieg von Osmolalitäts- oder Anionenlücke „nicht immer vorhanden" ist und die sichere Diagnose eine spezifische Bestimmung im Blut verlangt.1110 Bei Verdacht auf eine Vergiftung gilt in Deutschland nur eines: sofort den Notruf 112 oder ein Giftinformationszentrum anrufen und die betroffene Person ärztlich vorstellen.9 Ein rascher Therapiebeginn entscheidet über die Prognose – abwarten, „bis etwas passiert", ist die falsche Reaktion.

Serum und Urin gemeinsam lesen

Der häufigste Nutzen im Alltag ist unspektakulärer und betrifft die Frage: Warum ist das Natrium niedrig? Sie lässt sich nur mit beiden Werten beantworten.58

  • Urinosmolalität niedrig (< 100 mOsm/kg) bei niedrigem Serumnatrium: Die Niere arbeitet korrekt und schwemmt Wasser aus – typisch für primäre Polydipsie (Potomanie) oder eine sehr wasserreiche, salzarme Ernährung.5
  • Urinosmolalität hoch trotz niedriger Serumosmolalität: Die Niere konzentriert, obwohl sie verdünnen müsste – die Konstellation des SIADH.5
  • Serumosmolalität hoch, Urin bleibt verdünnt: Die Niere kann Wasser nicht zurückhalten – Leitbefund des Diabetes insipidus, heute meist als Arginin-Vasopressin-Mangel bezeichnet.112

Und Krebs? Die Osmolalität ist kein Tumormarker. Sie beschreibt Ihren Wasser- und Salzhaushalt und die Arbeit Ihrer Nieren – mehr nicht.

Was den Wert beeinflusst

Auf die Osmolalität wirken: Trinkmenge und Flüssigkeitsverluste (Fieber, Erbrechen, Durchfall, Hitze), das Natrium und die übrigen Elektrolyte einschließlich Kalium, der Blutzucker, der Harnstoff und damit die Nierenfunktion mit Kreatinin, die ADH-Ausschüttung, Alkohol – wo häufig auch die Gamma-GT mitspricht –, sowie Medikamente wie Diuretika, Desmopressin, bestimmte Antidepressiva und Antiepileptika.15 Im höheren Lebensalter kommt ein abgeschwächtes Durstempfinden hinzu.2 Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, was Sie einnehmen: Es verändert die Deutung.

Neues aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Publikationen:

  • Kliniken sollen konsequent Osmolalität verwenden. Eine Übersichtsarbeit deutscher Autoren im European Journal of Medical Research (2025) hält fest, dass Verwechslungen und ungenaue Interpretationen zwischen Osmolalität und Osmolarität verbreitet sind, und empfiehlt für Infusionslösungen zum Ersatz von Extrazellulärflüssigkeit eine berechnete tatsächliche Osmolalität von 280 bis 300 mosmol/kg H₂O.7
  • Bei älteren Menschen schlägt das Labor die Untersuchung. Eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (2023) prüfte 107 Methoden zur Beurteilung des Hydratationsstatus; nur fünf hatten ausreichende diagnostische Güte – an erster Stelle die Serumosmolalität. Hautturgor, eingesunkene Augen, Mundtrockenheit und Urinfarbe fielen durch.6 Die deutsche S3-Leitlinie hat daraus 2025 die Empfehlung abgeleitet, bei Verdacht auf Dehydratation die Serumosmolalität heranzuziehen, mit dem Grenzwert > 300 mOsm/kg.2
  • Auch neuere Verfahren ersetzen sie nicht. Die deutsche Hydr-Age-Studie (2025) verglich an geriatrischen Patientinnen und Patienten 26 Methoden; nur vier erreichten eine Fläche unter der Kurve über 0,8, darunter der Ultraschall der Vena cava inferior und die axilläre Trockenheit.13
  • Die Diagnostik toxischer Alkohole bleibt lückenhaft. Übersichtsarbeiten betonen, dass Osmolalitäts- und Anionenlücke nicht immer erhöht sind und der sichere Nachweis Gas- oder Flüssigchromatographie erfordert – aufwendige Verfahren, die nicht überall verfügbar sind.1110

Diese Erkenntnisse betreffen Diagnostik und Forschung. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen nicht das ärztliche Gespräch.

Lassen Sie Ihre Osmolalität einordnen

Eine Osmolalität allein sagt wenig. Ihre Bedeutung entsteht erst im Zusammenspiel mit Natrium, Blutzucker, Harnstoff, Ihrem Flüssigkeitszustand und Ihren Medikamenten.

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Häufige Fragen

Was ist die Osmolalität im Blut? Die Zahl der osmotisch wirksamen Teilchen pro Kilogramm Wasser – vor allem Natrium, Glukose und Harnstoff. Sie bestimmt, wie sich Wasser zwischen Zellen und Blut verteilt, und wird über Durst und ADH sehr eng geregelt: rund 287 mosm/kg ± 2 %.1

Wie hoch ist der Normwert? Deutsche Labore nennen im Serum orientierend 280 – 300 mosmol/kg, das Universitätsklinikum Köln enger 280 – 296 mosmol/kg.143 Verbindlich ist der Bereich auf Ihrem Befund.

Was ist der Unterschied zwischen Osmolalität und Osmolarität? Die Osmolalität wird gemessen und bezieht sich auf ein Kilogramm Wasser (mosmol/kg), die Osmolarität wird aus einer Gleichung geschätzt und bezieht sich auf einen Liter Lösung (mosmol/l).2 Beide liegen dicht beieinander, sind aber nicht dasselbe – und Fachleute empfehlen, in der Klinik mit der Osmolalität zu rechnen.7

Wie berechnet man die Osmolalität? Über die Formel 2 × Natrium + Glukose + Harnstoff, alle Werte in mmol/l.1 Viele deutsche Labore geben Glukose und Harnstoff in mg/dl an; sie müssen dann zuerst umgerechnet werden. Das Ergebnis ist eine Schätzung und ersetzt die Messung nicht.

Was bedeutet eine osmotische Lücke? Sie ist die Differenz zwischen gemessener und berechneter Osmolalität. Über etwa 10 mosm/kg deutet sie auf Teilchen hin, die die Formel nicht erfasst – oft Alkohol, im Notfall der Hinweis auf Methanol oder Ethylenglykol.1 Erhöht sein kann sie aber auch bei Nierenversagen, Ketoazidose oder Pseudohyponatriämie.11

Warum wird zusätzlich die Osmolalität im Urin bestimmt? Weil erst der Vergleich zeigt, ob die Niere angemessen reagiert. Eine Urinosmolalität > 100 mOsm/kg bei niedrigem Serumnatrium spricht gegen eine reine Trinkmengen-Ursache und gehört zu den Kriterien des SIADH.5

Bedeutet eine erhöhte Osmolalität, dass ich zu wenig trinke? Häufig ja – im Alter ist das die typische Konstellation, und ab > 300 mOsm/kg gilt eine hypertone Dehydratation als wahrscheinlich.2 Es kommen aber auch ein hoher Blutzucker, ein hohes Natrium oder eine Nierenerkrankung infrage. Die Einordnung gehört in ärztliche Hände.

Ist eine auffällige Osmolalität ein Zeichen für Krebs? Nein. Die Osmolalität ist kein Tumormarker; sie beschreibt Wasser-, Salz- und Nierenhaushalt.

Das Wichtigste zum Schluss

Die Osmolalität misst die Teilchendichte Ihres Blutes und damit Ihren Wasserhaushalt: orientierend 280 – 300 mosmol/kg, körpereigen sehr eng geregelt über Durst und ADH. Verwechseln Sie sie nicht mit der Osmolarität – gemessen gegen berechnet, pro Kilogramm gegen pro Liter. Ihren größten Nutzen entfaltet sie in zwei Situationen: als osmotische Lücke, die in der Notaufnahme den Verdacht auf Methanol oder Ethylenglykol stützt, und im Paar mit dem Urin, wo sie klärt, warum das Natrium niedrig ist. Bei älteren Menschen ist sie der zuverlässigste Hinweis auf einen Wassermangel – und ein Tumormarker ist sie nie. Erst im Zusammenspiel mit Ihren übrigen Werten ergibt sich ein Bild; dabei hilft AI DiagMe, ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Deutsche Fachgesellschaften, Universitäts- und Einsendelabore, ein Giftinformationszentrum sowie wissenschaftliche Publikationen (PubMed), die für diesen Ratgeber ausgewertet wurden:

Footnotes

  1. Universitätsklinikum Ulm, Zentrale Einrichtung Klinische Chemie – Leistungsverzeichnis Osmolalität FB-PÄ 6 OE (ID 34261, Revision 002 vom 29.07.2022): Definition der Osmolalität, Regulation „in sehr engen Grenzen: 287 mosm/kg Wasser + 2 %", Natrium, Glukose und Harnstoff als mengenmäßig wichtigste Blutbestandteile, Definition der osmotischen Lücke ab einer Differenz > 10 mosm/kg, Formel „Osmotische Lücke = gemessene Osmolalität − berechnete Osmolalität ((mosmol/kg) = 2 × Na (mmol/l) + Glucose (mmol/l) + Harnstoff (mmol/l))", Alkohol 1 ‰ = 22 mmol/l, Indikationen für Serum und Urin, Referenzbereiche Plasma 280–300 mosm/kg und Urin 50–1200 mosm/kg, Angaben zum Durstversuch (450–600 mosm/kg bei Gesunden, 1000–1200 mosm/kg bei Flüssigkeitsentzug), Messung über Gefrierpunkterniedrigung. uniklinik-ulm.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30

  2. Volkert D, Bauer J, Benzinger P, Eglseer D, Frühwald T, Gehrke I, Kiesswetter E, Lenzen-Großimlinghaus R, Wirth R – S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), AWMF-Registernummer 027-019, Fassung vom 03.02.2025: Empfehlung 57 zur Diagnose der hypertonen Dehydratation anhand der Serum-Osmolalität, bevorzugter Grenzwert der direkt gemessenen Serumosmolalität > 300 mOsm/kg, Ersatzgleichung „1,86 × (Na⁺ + K⁺) + 1,15 × Glukose + Harnstoff + 14" mit Grenzwert 295, Prävalenzangaben, abgeschwächtes Durstempfinden im Alter sowie die Fußnote zur Unterscheidung von Osmolalität (gemessen, mOsm/kg) und Osmolarität (geschätzt, mOsm/l): „Diese beiden Begriffe werden gelegentlich verwechselt." dgem.de 2 3 4 5 6 7 8 9

  3. Universitätsklinikum Köln, Leistungsverzeichnis – Eintrag Osmolalität (Heparin-Plasma, Serum, Urin): Referenzbereich Serum 280–296 mosmol/kg, Urin 50–1200 mosmol/kg, Definition als osmotischer Druck einer wässrigen Lösung in mosmol/kg H₂O, Hinweis, dass Berechnungsformeln nicht auf Urin anwendbar sind, Akkreditierung nach DIN EN ISO 15189. leistungsverzeichnis.uk-koeln.de 2 3 4 5

  4. Medizinische Laboratorien Düsseldorf – Untersuchungsverzeichnis, Eintrag Osmolalität: Referenzbereiche Serum/Plasma Erwachsene 280–300 mosmol/kg und Säuglinge 260–275 mosmol/kg, 24-Stunden-Sammelurin 50–1400 mosmol/kg, standardisierter Durstversuch > 800 mosmol/kg, Methode Osmometrie, Indikationen Hyper-/Hyponatriämie, ADH-Funktion und toxikologische Fragestellungen. labor-duesseldorf.de 2 3 4 5 6 7

  5. Bullmann C. Hyponatriämie. Arzneiverordnung in der Praxis (AVP), herausgegeben von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Band 43, Heft 4, Oktober 2016, S. 188–194: Regulation über hypothalamische Osmorezeptoren, Durst und Vasopressin; Definition der Hyponatriämie < 135 mmol/l; Diagnosekriterien des SIADH (Plasma-Hypoosmolalität < 275 mOsm/kg, Urin-Osmolalität > 100 mOsm/kg, Normovolämie, Urin-Natrium > 30 mmol/l); Urin-Osmolalität < 100 mOsm/kg zum Ausschluss einer primären Polydipsie; Pseudohyponatriämie durch hohe Lipide, Glukose oder Proteine. akdae.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10

  6. Deißler L, Wirth R, Frilling B, Janneck M, Rösler A. Hydration Status Assessment in Older Patients. Dtsch Arztebl Int, 2023. PubMed · DOI 2

  7. Zander R, Ziegenfuß T, Sümpelmann R. Osmolality (mosmol/kg H2O) versus osmolarity (mosmol/L): applied physiology to improve patient safety. Eur J Med Res, 2025. PubMed · DOI 2 3

  8. Spasovski G, Vanholder R, Allolio B, et al. Clinical practice guideline on diagnosis and treatment of hyponatraemia. Nephrol Dial Transplant, 2014. PubMed · DOI 2

  9. Universitätsklinikum Freiburg, Vergiftungs-Informations-Zentrale (VIZ) – Informationsseite Frostschutzmittel: Kühlerfrostschutzmittel enthalten „bis zu 100 % Ethylenglykol, eine süßlich-scharf schmeckende Flüssigkeit", „bereits ein Schluck" kann „zu Organschäden führen", Vergiftungen verlaufen „in den ersten Stunden mitunter ohne auffällige Symptome"; Notrufnummer der VIZ 0761/19240. uniklinik-freiburg.de 2

  10. Ross JA, Borek HA, Holstege CP, King JD. Toxic Alcohol Poisoning. Emerg Med Clin North Am, 2022. PubMed · DOI 2 3

  11. Kraut JA. Diagnosis of toxic alcohols: limitations of present methods. Clin Toxicol (Phila), 2015. PubMed · DOI 2 3 4 5

  12. Atila C, Refardt J, Christ-Crain M. Arginine vasopressin deficiency: diagnosis, management and the relevance of oxytocin deficiency. Nat Rev Endocrinol, 2024. PubMed · DOI

  13. Deissler L, Janneck M, Wirth R, et al. Hydration Status in Geriatric Patients — Subjective Impression or Objective Parameter? The Hydr-Age-Study. Nutrients, 2025. PubMed · DOI

Avertissement médical. Cette fiche est fournie à titre informatif et éducatif ; elle ne constitue pas un avis médical et ne remplace pas une consultation. Les valeurs de référence varient selon les laboratoires et les techniques : seul votre médecin peut interpréter vos résultats dans votre contexte.