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Progesteron: Werte, Zyklustag und Progesteronmangel

Progesteron zeigt, ob ein Eisprung stattfand: gemessen etwa 7 Tage danach, in einem 28-Tage-Zyklus um Tag 21. Normalwerte in ng/ml und nmol/l plus Mangel.

Publié le August 12, 202612 min de lectureRédigé par l'Équipe Blood Analysis · Relu et vérifié par Julien Priour

Progesteron ist das Hormon der zweiten Zyklushälfte. Es entsteht im Gelbkörper (Corpus luteum) – in dem also, was aus dem Follikel wird, nachdem er die Eizelle freigegeben hat. Daraus folgt der wichtigste Satz dieser Seite: Der Zyklustag der Blutentnahme entscheidet darüber, ob der Wert überhaupt etwas bedeutet. Zu früh abgenommen ist Progesteron immer niedrig – bei völlig gesunden Zyklen. Diese Seite erklärt wann gemessen wird, was die Messung zeigt, welche Normalwerte deutsche Labore angeben, was hinter der Gelbkörperschwäche steckt und wie Progesteroncremes einzuordnen sind. Progesteron gehört zum Hormonstatus, neben Östradiol und dem LH-Wert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Progesteron wird nach dem Eisprung im Eierstock gebildet und lockert die Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung auf; in der Schwangerschaft kommt der Mutterkuchen dazu.1
  • Der Zyklustag ist der entscheidende Faktor. Die deutsche Leitlinie zur Kinderwunsch-Abklärung empfiehlt eine einmalige Progesteron-Bestimmung ca. 7 Tage nach vermuteter Ovulation – „z. B. um den 21. Tag in einem 28-tägigen Zyklus".2
  • Der Test beantwortet eine Frage: Hat ein Eisprung stattgefunden? Er misst nicht „das Hormonniveau" als Befinden.2
  • Zur Gelbkörperschwäche ist die Leitlinie ungewöhnlich klar: Der Normbereich in der Lutealphase ist „schlecht definiert", es gibt „keinen einzelnen klinisch validen Labor-Test", und eine Lutealphaseninsuffizienz als eigenständige Ursache von Unfruchtbarkeit ist nicht bewiesen.2
  • Progesteron ist in Deutschland verschreibungspflichtig, in Kosmetika ist es in der EU verboten.3

Was ist Progesteron?

Progesteron ist ein Steroidhormon aus der Gruppe der Gestagene, im Deutschen auch Gelbkörperhormone genannt. Das IQWiG beschreibt es als Geschlechtshormon, das „vermehrt nach dem Eisprung in den Eierstöcken einer Frau gebildet" wird und die Gebärmutterschleimhaut so verändert, dass sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann; in der Schwangerschaft wird es zusätzlich im Mutterkuchen produziert.1

Entscheidend für jeden Laborbefund ist der zeitliche Verlauf. In der Follikelphase ist Progesteron sehr niedrig – Normalzustand, kein Mangel. Erst wenn sich der Follikel in den Gelbkörper umwandelt, steigt der Wert deutlich an. Die deutsche Leitlinie hält die Physiologie fest: Die Lutealphase dauert 12 bis 14 Tage, und das Serumprogesteron zeigt seine maximale Erhöhung 6 bis 8 Tage nach der Ovulation.2 Bleibt eine Schwangerschaft aus, fällt der Wert ab – das löst die Blutung aus. Kleine Mengen stammen aus der Nebennierenrinde; deshalb haben auch Männer und Frauen nach der Menopause messbare, aber niedrige Werte.4

Wozu wird Progesteron bestimmt?

Es gibt wenige, dafür klar umrissene Gründe:2

  • Nachweis eines ovulatorischen Zyklus – der mit Abstand häufigste.
  • Abklärung von Zyklusstörungen – verkürzte zweite Zyklushälfte, prämenstruelle Schmierblutungen, seltene oder ausbleibende Blutungen.
  • Basisdiagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch, ergänzend zu den Hormonen an Tag 3 bis 7 des Zyklus: LH, FSH, Prolaktin, Testosteron, DHEAS, SHBG, freier Androgenindex, Östradiol und AMH – dazu Vaginalsonografie und Schilddrüsendiagnostik.2
  • Steuerung der Lutealphasenunterstützung bei künstlicher Befruchtung (IVF/ICSI).5

Was nicht auf dieser Liste steht, ist ebenso wichtig: Progesteron ist kein Vorsorgetest, kein Test für „Hormonbalance" und kein Verlaufstest der Schwangerschaft. Dafür sind das β-hCG und der Ultraschall zuständig.

Der Zyklustag: der häufigste und teuerste Fehler

Hier scheitern die meisten Progesteronbefunde. Die S2k-Leitlinie von DGGG, OEGGG und SGGG formuliert die Empfehlung mit dem stärksten Konsens (+++) so:

„Der Nachweis eines ovulatorischen Zyklus kann durch eine einmalige Progesteron-Bestimmung ca. 7 Tage nach vermuteter Ovulation (z. B. um den 21. Tag in einem 28-tägigen Zyklus) erfolgen."2

Lesen Sie den Klammerzusatz genau: „z. B." und „in einem 28-tägigen Zyklus". Der berühmte „21. Tag" ist nur ein Beispiel – der Fall, in dem der Eisprung um Tag 14 liegt. Maßgeblich ist nicht das Datum, sondern der Abstand zur Ovulation:

  • 28-Tage-Zyklus: Ovulation ca. Tag 14, Abnahme ca. Tag 21.
  • 35-Tage-Zyklus: Der Eisprung liegt später, die Abnahme entsprechend etwa um Tag 28 – Tag 21 wäre hier zu früh und damit systematisch niedrig.
  • Unregelmäßige Zyklen: Der Zeitpunkt wird ärztlich festgelegt, oft per Zyklusmonitoring.

Ein niedriger „Tag-21"-Wert bei einem 32- oder 35-Tage-Zyklus ist deshalb in aller Regel kein Mangel, sondern eine zu früh abgenommene Probe. Ein deutsches Labor formuliert dieselbe Regel: Aussagekräftig ist die Abnahme in der mittleren Lutealphase, konkret am 7. postovulatorischen Tag.4 Beim Finden dieses Tages helfen laut Leitlinie die symptothermale Methode, Temperaturmesssysteme oder der urinäre Nachweis eines LH-Anstiegs – verlässliche Studien zum Einsatz bei Infertilität fehlen allerdings.2

Nüchtern sein ist nicht nötig – es zählt der Zyklustag, nicht das Frühstück. Nennen Sie dem Labor Ihren Zyklustag, Ihre übliche Zykluslänge und alle Hormonpräparate; ohne diese Angaben ist die Zahl kaum interpretierbar.4

Progesteron-Normalwerte: Tabelle in ng/ml und nmol/l

Deutsche Labore geben Progesteron meist in ng/ml an (gleichbedeutend mit µg/l), international ist nmol/l üblich: ng/ml × 3,18 = nmol/l, umgekehrt nmol/l × 0,314 = ng/ml. Die folgenden Referenzbereiche stammen aus dem Leistungsverzeichnis eines deutschen Speziallabors für Endokrinologie; die nmol/l-Spalte ist mit dem dort angegebenen Faktor 3,18 umgerechnet.4

SituationProgesteron (ng/ml)Progesteron (nmol/l)
Follikelphase (erste Zyklushälfte)< 0,19< 0,60
Ovulationsphase (Zyklusmitte)0,06 – 4,140,19 – 13,2
Lutealphase (zweite Zyklushälfte)4,11 – 14,513,1 – 46,1
Schwangerschaft, 1. Trimenon11,0 – 44,335,0 – 141
Schwangerschaft, 2. Trimenon25,4 – 83,480,8 – 265
Schwangerschaft, 3. Trimenon58,7 – 214187 – 680
Postmenopause (ab 50 Jahren)< 0,13< 0,41
Mann< 0,15< 0,48

Diese Zahlen streuen zwischen Laboren stärker als bei fast jedem anderen Blutwert. Ein anderes deutsches Labor gibt für dieselbe Lutealphase 0,54 – 20,9 ng/ml an – viel breiter als die 4,11 – 14,5 ng/ml oben.6 Ursache sind unterschiedliche Messplattformen und Referenzkollektive; auch eine Vergleichsstudie zweier Immunoassay-Systeme fand für Sexualhormone abweichende Referenzintervalle.7 Maßgeblich ist der Bereich auf Ihrem eigenen Befund – zusammen mit dem Zyklustag der Abnahme.

Ergebnisse einordnen

Progesteron niedrig – „Progesteronmangel"

Ein niedriger Wert hat drei ganz verschiedene Bedeutungen – in dieser Reihenfolge:

  1. Die Probe wurde zum falschen Zeitpunkt genommen. Der häufigste Fall – in der Follikelphase oder kurz vor der Blutung ist Progesteron bei völlig normalem Zyklus niedrig.
  2. Es hat kein Eisprung stattgefunden. Die Leitlinie weist darauf hin, dass einer „vermeintlichen Lutealphaseninsuffizienz mit sehr niedrigen Progesteronspiegeln" auch ein gänzliches Fehlen der Ovulation zugrunde liegen kann.2 Das ist ein echter, abklärungswürdiger Befund – und der eigentliche Nutzen des Tests.
  3. Der Wert ist erwartungsgemäß niedrig. Nach der Menopause und bei Männern gehören niedrige Werte zur Normalität.4

Anovulatorische Zyklen haben viele Hintergründe. Die Leitlinie nennt Schilddrüsenfunktionsstörungen und Hyperprolaktinämie – weshalb bei Zyklusstörungen fast immer der TSH-Wert und das Prolaktin mitbestimmt werden –, außerdem Essstörungen, exzessiven Sport, Stress, Adipositas und das PCO-Syndrom, Endometriose und das Alter.2 Beim PCO-Syndrom gehören Blutzucker und Insulin zur Stufendiagnostik; bei starken Blutungen oft auch die Eisenwerte samt Ferritin.

Gelbkörperschwäche: was die deutsche Leitlinie wirklich sagt

Der Begriff Gelbkörperschwäche (fachlich: Lutealphaseninsuffizienz) ist in Deutschland sehr präsent – auch in der Kommunikation von Kinderwunschzentren. Die Leitlinie beschreibt ihn als Zustand, „in dem das endogene Progesteron für das Aufrechterhalten eines funktionellen sekretorischen Endometriums und einer ungestörten Implantation des Embryos nicht ausreicht", mit verkürzter Lutealphase (unter 12 Tage nach der Ovulation) und prämenstruellen Schmierblutungen. Dann aber folgen Einschränkungen:2

  • „Der Normbereich für Progesteron in der Lutealphase ist schlecht definiert", und es steht „derzeit kein einzelner klinisch valider Labor-Test zur Diagnostik einer Lutealphaseninsuffizienz und zur Unterscheidung von fertilen und infertilen Frauen zur Verfügung". Die Gelbkörperfunktion schwankt bei normal fertilen Frauen von Zyklus zu Zyklus.2
  • „Auch wenn Progesteron essentiell für die Implantation und Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft ist, so ist eine Lutealphaseninsuffizienz als unabhängiger Verursacher einer Infertilität nicht bewiesen."2
  • Empfehlung 3.7.E41 (Konsensusstärke +++): „Eine zyklische Gestagengabe sollte im Spontanzyklus nicht erfolgen." Belegt sind die Vorteile einer Progesterongabe „lediglich bei einer stimulierten IVF/ICSI-Therapie". Und bei unauffälliger, konstanter Zykluslänge soll keine Endometriumsbiopsie zur Lutealphasen-Diagnostik erfolgen (3.7.E32).2

Die US-amerikanische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin kommt unabhängig zum selben Ergebnis.8 Das entwertet Ihre Beschwerden nicht – es heißt nur, dass ein einzelner Zahlenwert sie nicht erklären kann. Aussagekräftiger ist die Länge der zweiten Zyklushälfte: 11 bis 13 Tage gelten als unauffällig, 8 Tage oder weniger als Verdachtsmoment.2

Progesteron erhöht

Ein hoher Wert ist meistens genau das, was man sich wünscht: In der Lutealphase und in der Schwangerschaft gehören hohe – und über die Trimena steigende – Werte zur Norm.4 Sonst ist ein erhöhtes Progesteron selten: am häufigsten unter einer Gestagentherapie, seltener bei einer Corpus-luteum-Zyste. Sehr selten stehen Erkrankungen der Eierstöcke oder der Nebennierenrinde dahinter; dann wird etwa 17-OH-Progesteron zusammen mit DHEAS und Cortisol weiter abgeklärt.2

Progesteron und Schwangerschaft

Progesteron steigt in der Schwangerschaft stark an – daraus folgt aber nicht, dass es sich als Verlaufskontrolle eignet. Dafür sind das β-hCG und der Ultraschall da. Therapeutisch ist die Lage differenziert: Die randomisierte PRISM-Studie fand bei Blutungen in der Frühschwangerschaft keinen allgemeinen Vorteil von vaginalem Progesteron für die Lebendgeburtenrate; eine Cochrane-Netzwerkmetaanalyse ordnet den Nutzen bei Frauen mit Blutungen und vorausgegangenen Fehlgeburten ein.910 Über eine Behandlung entscheidet ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Progesteroncremes und „bioidentische Hormone"

Progesteroncremes werden in Deutschland aktiv beworben – die Rechtslage ist eindeutiger, als viele Angebote vermuten lassen. Die unabhängige Zeitschrift Gute Pillen – Schlechte Pillen fasst zusammen: „In der EU ist Progesteron in Kosmetika verboten, und auch die Einfuhr solcher Produkte ist nicht erlaubt." Cremes, die tatsächlich Progesteron enthalten, werden ärztlich verordnet und in der Apotheke individuell hergestellt – ohne Zulassungsprüfung, also ohne behördliche Bewertung von Wirksamkeit und Sicherheit. Zur Wirkung bei Wechseljahresbeschwerden hält die Auswertung dreier Studien fest, die Ergebnisse sprächen „eher dagegen, dass die Behandlung nützt".3

Zwei weitere Punkte sind für die Kaufentscheidung wichtig:

  • „Natürliches Progesteron" aus Yamswurzel ist kein Progesteron. Die Verbraucherzentrale stellt klar, dass Wild Yams und Bockshornklee Diosgenin enthalten, das „im Labor zur Gewinnung des Sexualhormons Progesteron verwendet wurde" – aber: „Die Verwendung gegen Wechseljahresbeschwerden beruht auf einem Irrtum, denn im menschlichen Körper kann die im Labor praktizierte Umwandlung nach Einnahme gar nicht erfolgen."11
  • Die Datenlage zu „bioidentischen" Rezepturhormonen ist dünn. Eine Metaanalyse von 29 randomisierten Studien mit 1 808 Teilnehmerinnen fand zu wenige und zu kurze Studien, um klinische Risiken zu beurteilen.12

Das ist keine Aussage gegen Progesteron als Medikament: Mikronisiertes Progesteron ist ein etabliertes, verschreibungspflichtiges Arzneimittel – etwa als Gestagenanteil einer Hormontherapie in den Wechseljahren bei Frauen mit Gebärmutter und als Lutealphasenunterstützung nach künstlicher Befruchtung.5 Der Unterschied liegt nicht im Molekül, sondern darin, ob es geprüft und ärztlich begleitet angewendet wird.

Was den Progesteronwert beeinflusst

  • Zyklustag und Zykluslänge – mit Abstand der stärkste Faktor: Dieselbe Zahl bedeutet in der Follikelphase etwas völlig anderes als sieben Tage nach dem Eisprung.2
  • Schwangerschaft – Werte sind vielfach höher und steigen über die Trimena.4
  • Hormonpräparate – Verhütungsmittel, Gestagene und Hormontherapie verändern den Wert direkt.
  • Tagesschwankungen – Progesteron wird pulsatil ausgeschüttet; ein Einzelwert ist eine Momentaufnahme.134
  • Labor, Messmethode und Biotin – Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Plattformen deutlich; hochdosiertes Biotin (über 5 mg täglich) stört Immunoassays, hier mindestens 8 Stunden Abstand zur Blutentnahme einhalten.764

Aktuelles aus der Forschung

Nach aktuellen, in PubMed indexierten Veröffentlichungen:

  • Ein Einzelwert ohne Zeitbezug sagt wenig. Eine engmaschige Verlaufsmessung von Östradiol, LH und Progesteron zeigt, wie stark die Werte innerhalb weniger Tage variieren.13
  • Lutealphasenunterstützung ist bei künstlicher Befruchtung Standard. Weil die Stimulation die Gelbkörperfunktion stört, gehört eine Progesterongabe – meist vaginal – nach IVF/ICSI zur Routine.5
  • „Lutealphaseninsuffizienz" bleibt unscharf definiert. Die amerikanische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin bekräftigt: weder ein validierter Grenzwert noch ein zuverlässiger Einzeltest.82
  • Bei Blutungen in der Frühschwangerschaft: differenziert, nicht pauschal. PRISM und eine Cochrane-Netzwerkmetaanalyse zeigen einen Nutzen nur für bestimmte Konstellationen.910 Zu „compoundierten" bioidentischen Hormonen fehlen Sicherheitsdaten ganz.12

Diese Ergebnisse betreffen ärztliche Diagnostik und Therapie. Sie rechtfertigen keine Selbstbehandlung und ersetzen kein ärztliches Gespräch.

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Progesteron wird nie allein gelesen. Seine Bedeutung ergibt sich erst aus dem Zyklustag, dem Östradiol, dem LH-Wert, einer möglichen Schwangerschaft und Ihren Medikamenten – also aus dem gesamten Hormonstatus.

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Häufige Fragen

An welchem Zyklustag wird Progesteron bestimmt? Etwa 7 Tage nach dem vermuteten Eisprung – in einem 28-tägigen Zyklus also um den 21. Tag.2 Bei längeren Zyklen verschiebt sich der Termin nach hinten: Bei 35 Tagen liegt er eher um Tag 28. Der „21. Tag" ist ein Beispiel, keine feste Regel.

Was ist ein normaler Progesteronwert, und wie rechnet man ihn um? Das hängt vollständig von der Zyklusphase ab. Ein deutsches Speziallabor gibt für die Follikelphase < 0,19 ng/ml und für die Lutealphase 4,11 – 14,5 ng/ml an (13,1 – 46,1 nmol/l); andere Labore nennen deutlich breitere Bereiche.46 Umrechnung: ng/ml × 3,18 = nmol/l (ng/ml und µg/l bedeuten dasselbe).

Mein Progesteron ist zu niedrig – habe ich einen Progesteronmangel? Nicht unbedingt. Die häufigste Erklärung ist eine zu früh abgenommene Probe. Die zweite ist ein ausgebliebener Eisprung in diesem Zyklus.2 Ein Einzelwert reicht für die Diagnose eines Mangels nicht aus.

Gibt es die Gelbkörperschwäche wirklich? Der Begriff beschreibt eine reale Konstellation – verkürzte zweite Zyklushälfte, prämenstruelle Schmierblutungen. Die deutsche Leitlinie stellt aber fest, dass kein einzelner valider Labortest dafür existiert und sie als eigenständige Ursache von Unfruchtbarkeit nicht bewiesen ist.2

Hilft Progesteron beim Kinderwunsch? Belegt ist der Nutzen laut Leitlinie bei stimulierter IVF/ICSI-Behandlung; für den Spontanzyklus gilt: „Eine zyklische Gestagengabe sollte im Spontanzyklus nicht erfolgen."25 Die Entscheidung trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Sind Progesteroncremes rezeptfrei erhältlich? In Deutschland ist Progesteron verschreibungspflichtig, und in Kosmetika ist es in der EU verboten.3 Produkte mit „natürlichem Progesteron" aus Yamswurzel enthalten Diosgenin – der Körper kann daraus kein Progesteron bilden.11

Muss ich für die Progesteronbestimmung nüchtern sein? Nein. Entscheidend ist der Zyklustag. Nennen Sie dem Labor Zyklustag, Zykluslänge und alle Hormonpräparate.24 Eine Schwangerschaft überwachen kann Progesteron übrigens nicht – dafür sind das β-hCG und der Ultraschall zuständig.

Das Wichtigste zum Schluss

Beim Progesteron entscheidet nicht die Zahl, sondern der Tag. Gemessen wird rund 7 Tage nach dem vermuteten Eisprung – in einem 28-Tage-Zyklus um Tag 21, bei längeren Zyklen später. Der Test beantwortet dann eine einzige, aber wertvolle Frage: Hat ein Eisprung stattgefunden? Ein niedriger Wert heißt meist „zu früh abgenommen", sonst „kein Eisprung in diesem Zyklus" – und nur selten das, was im Netz als Progesteronmangel verkauft wird. Zur Gelbkörperschwäche ist die deutsche Leitlinie zurückhaltend: kein validierter Labortest, keine Gestagengabe im Spontanzyklus. Erst der Zusammenhang aus Zyklustag, Östradiol, LH, FSH und Ihrem gesamten Hormonstatus ergibt ein Bild – wie es AI DiagMe ergänzend zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt aufbereitet.

Quellen

Deutsche Leitlinien, Fachgesellschaften, Verbraucherschutz, Laborreferenzen und wissenschaftliche Veröffentlichungen (PubMed), die für diesen Ratgeber verwendet wurden:

Footnotes

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) — Progesteron, Glossar auf gesundheitsinformation.de. gesundheitsinformation.de 2

  2. Toth B, Baston-Büst DM, Behre HM, et al. — Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung. Leitlinie der DGGG, OEGGG und SGGG (S2k-Level, AWMF-Registernummer 015-085, Februar 2019) – Teil 1, grundlegende Abklärung der Frau. Geburtsh Frauenheilk 2019;79:1278–1292. Zitiert sind die Empfehlungen 3.7.E26, 3.7.E27, 3.7.E32 und 3.7.E41 sowie Kapitel 3.7.1.9 und 3.7.2.5 der Langfassung. Die Leitlinie war bis 31.01.2024 gültig und befindet sich in Überarbeitung; die Aussagen zur Abnahmezeit gelten unverändert als Standard der deutschen Praxis. Langfassung (AWMF) · DOI 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23

  3. Unter die Haut – Progesteron-Cremes bei Wechseljahresbeschwerden. Gute Pillen – Schlechte Pillen, Ausgabe 06/2019 (Nov./Dez. 2019), S. 16. gutepillen-schlechtepillen.de 2 3

  4. Endokrinologikum / aesculabor Hamburg — Progesteron, Leistungsverzeichnis: Referenzbereiche, Umrechnungsfaktoren und präanalytische Hinweise (mittlere Lutealphase, 7. postovulatorischer Tag; Biotin-Hinweis). endokrinologikum-aesculabor.de 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

  5. Garg A, Zielinska AP, Yeung AC, et al. Luteal phase support in assisted reproductive technology. Nat Rev Endocrinol, 2024;20(3):149–167. PubMed · DOI 2 3 4

  6. Medizinische Laboratorien Düsseldorf — Progesteron, Untersuchungsverzeichnis (ECLIA; abweichende Referenzbereiche). labor-duesseldorf.de 2 3

  7. Schüring AN, Kelsch R, Pierściński G, Nofer JR. Establishing reference intervals for sex hormones on the analytical platforms Advia Centaur and Immulite 2000XP. Ann Lab Med, 2016;36(1):55–59. PubMed · DOI 2

  8. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. Diagnosis and treatment of luteal phase deficiency: a committee opinion. Fertil Steril, 2021;115(6):1416–1423. PubMed · DOI 2

  9. Coomarasamy A, Devall AJ, Cheed V, et al. A Randomized Trial of Progesterone in Women with Bleeding in Early Pregnancy (PRISM). N Engl J Med, 2019;380(19):1815–1824. PubMed · DOI 2

  10. Devall AJ, Papadopoulou A, Podesek M, et al. Progestogens for preventing miscarriage: a network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev, 2021;4(4):CD013792. PubMed · DOI 2

  11. Verbraucherzentrale — Bockshornklee und Wild Yams in den Wechseljahren. verbraucherzentrale.de 2

  12. Liu Y, Yuan Y, Day AJ, et al. Safety and efficacy of compounded bioidentical hormone therapy (cBHT) in perimenopausal and postmenopausal women: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Menopause, 2022;29(4):465–482. Hinweis: mehrere Autoren sind bei einem Zulieferer für Rezepturapotheken angestellt; zitiert wird hier ausschließlich die Feststellung unzureichender Datenlage. PubMed · DOI 2

  13. Anckaert E, Jank A, Petzold J, et al. Extensive monitoring of the natural menstrual cycle using the serum biomarkers estradiol, luteinizing hormone and progesterone. Pract Lab Med, 2021;25:e00211. PubMed · DOI 2

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